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Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 10:25
von cantus planus
http://www.kath.net/detail.php?id=23111
Das Geschichtenerzählen ist im Zeitalter der Postmoderne wichtiger als der Austausch von Argumenten. Die Menschen interessiert nicht, ob etwas wahr ist, sondern ob eine Wahrheit Kraft hat, ihr Leben zu verändern.
Christen sollten daher erzählen, wie sie zum Glauben gekommen sind und wie er sich in ihrem Leben auswirkt. Das sagte der Londoner Theologieprofessor Alister McGrath auf einer internationalen Tagung des Alfried-Krupp-Wissenschaftskollegs zum Thema „Kirche zwischen postmoderner Kultur und Evangelium“ Anfang Juni in Greifswald.
Es werde zu wenig wahrgenommen, dass sich die Welt verändert habe. Man müsse sich stärker mit Evangelisation, Apologetik (Verteidigung des Glaubens) und interreligiösem Dialog beschäftigen.
Meine alte Forderung nach einer Erneuerung, bzw. Wiederherstellung, der Katechetik. Die Abschaffung dieses Faches ist eine Todsünde der modernen Theologie. Ich erinnere mich an meine Kindheit, die mit ca. 2 Jahren noch gar nicht so lange zurückliegt. Da gab es eine wöchentliche Kinderkatechese mit einer Franziskanerin, die uns Kindern Perikopen aus der Bibel nacherzählte und von ihrem eigenen Glauben berichtete. Danach durften wir passend zu diesen Geschichten ein Bild malen. Es gab auch noch andere Elemente, die mir aber nicht hängengeblieben sind. Auch ein pensionierter Pfarrer, der damals noch in meiner Heimatgemeinde lebte, verstand es, mit Erzählungen die Jugend zu begeistern. Er berichtete vom Krieg, unter was für unmöglichen Umständen in Schützengräben Messe gefeiert wurde, und wie ergreifend das Weihnachtsliedersingen im Bunker war. Er erzählte von den Wirtschaftswunderjahren, von Ausflügen und Zeltlagern - und immer wieder wurde sein tiefer und unerschütterlicher Glaube deutlich.
Ich habe solche Menschen nie wieder getroffen. Wenn ich heute geistliche Kinderbücher in die Hand bekomme, oder Pastoralassistentinnen reden höre, möchte ich manchmal schreiend mit dem Kopf vor die Wand laufen.

Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 11:14
von Nueva
Warum hat die moderne Theologie die Katechese abgeschafft?

Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 11:17
von cantus planus
Das Fach ist im theologischen Fächerkanon abgeschafft, und in der Religionspädagogik aufgegangen - die normalerweise ein eigener Studiengang ist. Was dort unterrichtet wird, will ich gar nicht wissen, anbetracht dessen, was mir in den Gemeinden regelmäßig vor die Flinte kommt.

Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 12:28
von overkott
Wer etwas erfahren will von Gott, sollte singen. Das ist das Dilemma der Firmkatechese: Es wird zu wenig gesungen. Dabei gibt es eine tolle Mischung aus alten und neuen Liedern. Ziel der Firmkatechese sollte sein, dass die Firmlinge diese Lieder bei der Firmung begeistert singen können. Mehr Erlebnis ist eigentlich nicht nötig. Diese Freude am Glauben prägt fürs Leben.
Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 12:44
von Nueva
Jaha, das wußte ich nicht, dass die Religionspädagogik die Katechese abegelöst hat.
Nun, dann wird mir ja einiges klar
overkott: Richtig,der Glaube an Gott ist u.a. auch ganz prima durch die Musik und gemeinsames musizieren erfahrbar.
Wenn du gute neue Lieder kennst, hätte ich echt interesse.
Nueva
Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 13:05
von overkott
Die Sonne hoch am Himmelszelt..., Einer ist unser Leben..., Heiliger Geist, Freund aller Menschen..., Gottes Liebe ist wie die Sonne..., Laudato si..., Großer Gott wir loben dich..., Kyrie eleison, Maria Himmelskönigin, dich will der Mai...
Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 13:07
von cantus planus
Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 13:11
von overkott
Cantus, für dich zwei Herrenlieder: Gottheit tief und Verklärter Leib.
Aber, du bist schon gefirmt.
Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 13:18
von cantus planus
Mit Liedern wie "Laudertussi - Omi seniohohore" beginnt der steile Untergang des Abendlandes. Keiner versteht den Text, der Refrain wird nur gebölkt, die Aussage geht zugunsten eines "Gemeinschaftserlebnisses" verloren. Die musikalische Substanzlosigkeit und textliche Banalität feiert fröhlich Urständ. Diese Machwerke sind so durch und durch verdammenswert, dass ich nicht zurückschrecke, sie für direkt vom Satan inspiriert zu halten. Es ist auch vor der Liturgiereform bergeweise Unzulängliches komponiert worden. Aber was seitdem über die Kirchenmusik hereingebrochen ist, ist so abartig, dass seitdem alle ernsthaften Komponisten einen großen Bogen um die Kirchenmusik und ihr Instrumentarium machen. Noch der unbekannteste barocke oder romatische Kleinmeister kann es mit den Kulturverbrechern heutiger Tage problemlos aufnehmen.
Diesen textlichen, musikalischen und interpretatorischen Unrat sollte man mit dem Knüppel aus den Leuten herausprügeln. Diese Sünde wäre lässlich im Vergleich zu dem Schaden, den diese Lieder anrichten.
Nur, um nicht missverstanden zu werden: ich kenne auch gute NGL-Lieder. Aber die muss man wie die Stecknadel im Heuhaufen suchen.
Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 14:02
von Nueva
Also overkott, mit diesen Liedern lockst du keinen singfaulen Jugendlichen hinterm Ofen hervor
Bei diesen Liedern denke ich unwillkürlich an verschrubbte Gitarrenakkorde und Gegröle am Lagerfeuer, aber nicht an GLaubensvermittlung. Da bringt ja "Wer hat die Kokosnuss geklaut" noch mehr Besinnlichkeit mit
Ja Cantus, die zeitgenössischen selbsternannten NGL-Komponisten haben halt nicht ansatzweise den musikalischen Background, wie diverse baroscke oder romantische Kleinmeister. Sie setzen nicht mal einen minimalen Anspruch Musikalität. Es werden irgenwelchen dämlichen Sprüche/Sätz/Reime vertont. Nach 30 Jahren kann ich diese NGL-Lieder nicht mehr singen ohne

, aber eine Bachkantate ("Jauchzet Gott in allen Landen" z.B.) ist frisch wie Morgentau.
Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Montag 8. Juni 2009, 15:44
von Granuaile
cantus planus hat geschrieben:Das Fach ist im theologischen Fächerkanon abgeschafft, und in der Religionspädagogik aufgegangen - die normalerweise ein eigener Studiengang ist. Was dort unterrichtet wird, will ich gar nicht wissen, anbetracht dessen, was mir in den Gemeinden regelmäßig vor die Flinte kommt.

Was ist der Unterschied zwischen "Katechese" und "Religionspädagogik"? Ich bin bis jetzt davon ausgegangen, dass "Religionspädagogik" eigentlich dasselbe sei, einfach mit einem für den Menschen von heute verständlicherem Namen.
Selbstverständlich kann man darüber streiten, was Katechese / Religionspädagogik umfassen soll, also was Kindern und Jugendlichen beigebracht werden soll und mit welchen Methoden. Die Lebensweisen der Menschen haben sich gewandelt. In der Pädagogik und Didaktik der Schulen gab es Veränderungen. Über Sinn und Unsinn von Schulreformen kann man ebenfalls streiten. Dies ändert nichts daran, dass es eine Entwicklung gab, die nicht spurlos an den Kindern vorbeigegangen ist. Es bringt meines Erachtens wenig, vor solchen Entwicklungen die Augen zu verschliessen und von der Kirche zu erwarten, dass sie im Religionsunterricht sich auf die methodischen und didaktischen Grundsätze der Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts stützt.
Letztlich massgebend wird aber immer die Lehrperson sein. Wenn es dieser gelingt, die Kinder für den Glauben, für biblische Geschichten und für die Kirche zu begeistern, so wird dies sowohl auf moderne wie auf "altmodische" Art sein. Und es gilt auch das umgekehrte. Letztlich kommt es also darauf an, die richtigen Personen als Katechetinnen und Katecheten zu gewinnen.
Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Dienstag 9. Juni 2009, 00:08
von Robert Ketelhohn
Granuaile hat geschrieben:Lehrperson

Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Dienstag 9. Juni 2009, 00:30
von Granuaile
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Granuaile hat geschrieben:Lehrperson

Ja, da bin ich tatsächlich in die "Gerechte-Sprache-Falle" geplumpst.

Re: Britischer Professor: Mehr vom Glauben erzählen
Verfasst: Dienstag 9. Juni 2009, 00:44
von Miserere Nobis Domine
Freut mich, dass das im allgemin katholischen Bereich steht, der Mann gehört ja der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche in England an.
"Lehrperson" ist ein in der Schweiz gebräuchliches Wort. Ich sehe da nicht das Problem. Das hat so viel mit Feminismus wie "der Anke" (so wird Butter in der Schweiz genannt).