Konzilstexte - mangelhaft?

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Niels
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Konzilstexte - mangelhaft?

Beitrag von Niels »

Folgende provokante Zeilen aus dem Buch "Echte und unechte Reform" des Kirchenrechtlers und Kirchenhistorikers Prof. Georg May (ISBN 3-932691-27-X; Sarto Verlag Stuttgart 2003) möchte ich zur Diskussion stellen:
Georg May hat geschrieben: Aussagen und Anordnungen des Konzils
Wenn es auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil unter den maßgebenden Konzilsvätern und Konzilstheologen an Männern mit heroischer Tugend und eisernem Willen zur Erneuerung fehlte, dann wird diese Tatsache ihre Spuren in den Texten hinterlassen haben, die unter ihrer entscheidenden Einwirkung zustande kamen. Denn Charismatiker und Heilige haben nun einmal eine andere Vorstellung von den Einrichtungen und Zuständen, die der Kirche angemessen sind, sowie von den Anforderungen, die an die Menschen zu stellen sind, als durchschnittliche Christen. Kein anderer als Karl Rahner hat den Satz geschrieben: „Ist dieses Charisma heute schwach, wird sich das auch in den Lehrdekreten eines Konzils von heute zeigen“ (Schriften zur Theologie V, 3. Aufl., Zürich, Einsiedeln, Köln 1968, 295). Und es zeigt sich ohne Zweifel. Bevor ich daran gehe, einige der Schwächen der konziliaren Dokumente aufzudecken, sei folgende Vorbemerkung gemacht. Ich denke nicht daran, Rang und Verbindlichkeit des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend der genuinen Lehre der Kirche zu bestreiten. Es ist unmöglich, dieses Konzil aus der Reihe der Allgemeinen Konzilien zu streichen. Es ist auch falsch, das Konzil als wertlos zu erklären. Das Konzil hat ohne Zweifel eine beträchtliche Zahl hilfreicher, nützlicher und schöner Aussagen gemacht. In Auswirkung des Konzils sind manche brauchbare Anordnungen getroffen worden. Es wäre freilich irrig zu meinen, jede Änderung, die in den letzten Jahren vorgenommen wurde, sei dem Konzil oder der ihm folgenden Bewegung zuzuschreiben. Die Kirche hat sich vielmehr auch vor dem Konzil bewegt, und sie hätte sich auch ohne Konzil entwickelt. So sind beispielsweise die Änderungen in der Feier der Osternacht und die Einführung weiterer Präfationen bereits unter Pius XII. erfolgt. Dem Konzil ist der gute Wille nicht abzusprechen. Es hat an zahlreichen Stellen zu verstehen gegeben, daß es die Sendung der Kirche aktivieren, ihre Wirksamkeit vermehren möchte. Die von ihm verabschiedeten Texte können zum erheblichen Teil für das gedeihliche Leben der Kirche, ihrer Priester, Ordensleute und Laien, nutzbar gemacht werden. Nur stellen sie, meine ich, nicht ein konkretes Reformprogramm dar, das an die Stelle von schlechten oder minder guten Haltungen bessere setzen will. Vor allem haften einem beträchtlichen Teil der konziliaren Texte bedenkliche formale und inhaltliche Mängel an. Auf einige sei im folgenden hingewiesen.
I. Formale Mängel

1. Redseligkeit
Das Zweite Vatikanische Konzil hat 16 Konstitutionen, Dekrete und Erklärungen mit 103.014 Wörtern verabschiedet (Rahner-Vorgrimler, Kleines Konzilskompendium 35f.). Diese ungeheure Redseligkeit ist von vornherein verfehlt gewesen, weil die Masse des Stoffes der Konzentration und der Durchschlagskraft der konziliaren Weisungen abträglich ist. Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Grundsatz zu wenig beachtet: Ne simus faciles in verbis (Seien wir nicht leicht bei der Hand im Gebrauch von Worten). Gerade bei Reformen ist die Masse der Worte gefährlich, weil, wenn Wichtiges und Unwichtiges nebeneinandersteht, die Menschen sich erfahrungsgemäß mit dem Leichten und Angenehmen befassen und das Schwere und Anstrengende vernachlässigen.

2. Ungenauigkeit
Den Konzilstexten ermangelt es auf weite Strecken an Präzision. Die Texte sind nicht genügend durchgefeilt. Es ist nicht das treffendste Wort für die jeweils gemeinte Sache gewählt. Weite Teile der Konzilstexte sind in dem Stil (schlechter) Predigten gehalten. Die Texte enthalten zahlreiche Wiederholungen. Sie sind teilweise unzulänglich gegliedert und nicht scharf voneinander abgegrenzt. Der Gedankengang ist häufig nicht festgehalten, sondern durch Einführungen und Reminiszenzen unterbrochen. Diese Mängel stehen einer wirklichen Reform ernsthaft im Wege. Denn wenn Gesetze, die Reformen hervorbringen wollen, doppelsinnig sind, dann besteht die Gefahr, daß die Menschen jene Auslegung bevorzugen, die ihrer Bequemlichkeit möglichst wenig nahetritt. Reformgesetze müssen eindeutig und klar sein. Wenn heute, 40 Jahre nach dem Konzil, behauptet wird, das Konzil sei mißverstanden worden, dann fällt dieser Vorwurf zumindest zu einem erheblichen Teil auf das Konzil selbst zurück. Denn warum hat es nicht unmißverständlich gesprochen? Das war ja doch der große Vorzug früherer Konzilien, daß sie um äußerste Präzision der Aussagen bemüht waren. Dazu gelangten sie, weil sie allein auf die Sache schauten. Das Zweite Vatikanische Konzil hat zuviel auf die applaudierende oder grollende Presse geschaut, und diese Blickwendung ist der Klarheit seiner Aussagen nicht zugute gekommen.

3. Inhomogenität
Die einzelnen konziliaren Dokumente sind in sich nicht homogen. Zahlreiche Beschlüsse stellen Kompromisse dar. Kompromisse sind jedoch der Todfeind jeder wahren Reform. Sie verbiegen das Reformanliegen und schwächen es ab. Zwischen mannigfachen Aussagen des Konzils bestehen starke Spannungen. In zahlreichen Fällen wurden Formeln gewählt, die die Differenzen zwischen den Konzilsvätern überbrücken sollten. Die Folge solcher Wortwahl ist die Ambivalenz der Texte: Sie sind zwei- oder mehrdeutig, sie gestatten allen Parteien, sich für ihre Ansichten auf sie zu berufen. Zwar kann ich die Ansicht des evangelischen Theologen Ernst Benz nicht teilen, wonach die „in eine neue Richtung weisenden Beschlüsse so sorgsam gefaßt“ seien, „daß sie im Notfall auch ganz traditionalistisch rückinterpretiert werden können“(Ernst Benz, Das Zweite Vatikanische Konzil in protestantischer Sicht: Ökumenische Rundschau 15, 1966, 137-161, hier 144); aber immerhin ist dieser Äußerung zu entnehmen, daß wesentliche Aussagen des Konzils nicht eindeutig sind. Das ist auch von anderen Autoren bemerkt worden. Zum Beispiel hat Hans Barion „die ... überaus große Gewandtheit des Konzils in der Vermeidung von Aussagen, die von vornherein eindeutig wären“, festgestellt (Barion, Das konziliare Utopia 194). Von dem Löwener Professor Philips wurde gerühmt, er habe ein „besonderes Geschick“ entwickelt, „Formeln zu finden, auf die sich auch die Vertreter verschiedener, etwas voneinander abweichender Meinungen einigen konnten“ (Frings, Für die Menschen bestellt 268). Diese Einigung war aber nur vordergründig und zerbrach in dem Augenblick, in dem die Texte in die Praxis übergeführt wurden. Ein allbekannter Fall der Interpretationsverschiedenheit von Konzilstexten ist die Frage der Empfängnisverhütung. Anhänger wie Gegner der Enzyklika „Humanae vitae“ berufen sich auf die einschlägigen Passagen der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“. Zwar bin ich der Ansicht, daß sich für eine Freigabe der Verhütungsmittel nichts daraus entnehmen läßt. Aber das Konzil hat eben nicht mit jener Unzweideutigkeit gesprochen, die jede Inanspruchnahme durch die Gegner der ununterbrochenen Lehre der Kirche von vornherein als unsinnig erscheinen läßt.

4. Unbestimmtheit
Das Konzil hat regelmäßig allgemein gesprochen, d. h. sich mit der Aufstellung von Grundsätzen und obersten Weisungen begnügt. Dieses Verfahren barg eine erhebliche Unsicherheit in sich. Denn es überließ die Ausführungen der von ihm beschlossenen Direktiven dem künftigen Spiel der Kräfte in der Kirche. Die gesamte konziliare Konstellation war aber nun gerade darauf gerichtet, die Macht der progressistischen Partei in den Organen und Gremien der Kirche fest zu etablieren. Auf diese Weise wurde die einseitige Richtung der Durchführung des Konzils geradezu vorprogrammiert. Für diesen Mangel der Konzilstexte will ich einige Beispiele anführen. Wenn es beispielsweise in dem Dekret über den Ökumenismus heißt, „alle in der Kirche“ sollten in den verschiedenen Formen des geistlichen Lebens und der Disziplin, in der Verschiedenheit der liturgischen Riten und in der theologischen Ausarbeitung der Offenbarungswahrheiten „die gebührende Freiheit“ beobachten, sofern nur die Einheit im Notwendigen gewahrt werde (n. 4), dann fragt es sich, was denn dieses Notwendige ist. In n. 38 der Liturgiekonstitution wird berechtigter Mannigfaltigkeit und Anpassungen in der Liturgie Raum gelassen „unter Wahrung der wesentlichen Einheit des römischen Ritus“. Worin besteht diese wesentliche Einheit oder, wie man auch übersetzen könnte, diese Einheit im Wesen? Welches ist das Wesen des römischen Ritus, in dem Einheit erhalten bleiben muß? In n. 50 wird Ähnliches von der Änderung des Meßritus gesagt; auch hier soll die Substanz gewissenhaft gewahrt werden. Welches ist die Substanz, beispielsweise der Opferungsgebete? Darüber bestanden und bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Da sie nicht ausgeräumt wurden, ist die Formel von der notwendigen Wahrung der Substanz unbrauchbar und gefährlich; unbrauchbar, insofern sie Unvereinbares deckt, gefährlich, wenn eine bestimmte Partei in die Lage versetzt wird, ihre Vorstellungen durchzusetzen. Mit seinen vagen Weisungen, zu ändern und zu „erneuern“, hat das Konzil die Unruhe und die Unsicherheit hervorgerufen sowie den Abbau und den Ausverkauf in Gang gesetzt, die seitdem in der Kirche herrschen. Mit seinen ungenauen, wässerigen, kautschukartigen Formulierungen hat es dem Progressismus einen Freibrief ausgestellt. Es besteht kein Zweifel, daß das Konzil der permissiven Theologie viele Ansatzpunkte bietet. Wenn alle Aufstellungen der hoministischen Theologen eindeutig und unschwer als mit den Texten des Konzils unvereinbar zu erkennen wären, dann wäre ihre Berufung auf das Konzil gar nicht möglich. Aber die Dokumente des Konzils lassen eben häufig mehrere Deutungen zu. Wer fest im genuinen katholischen Glauben verwurzelt ist, der vermag aus ihnen manches Förderliche für die Auferbauung und Darbietung des Glaubens zu erheben. Wem der katholische Glaube infolge einer protestantisierenden Theologie unsicher geworden ist, der vermag auch für seine abwegigen Ansichten mit scheinbarem Recht manche Stellen des Konzils anzuführen.

5. Rechtliches Ungenügen
Auch vom rechtlichen Standpunkt sind die Konzilstexte regelmäßig unbefriedigend. Das Zweite Vatikanische Konzil zeichnete sich überhaupt nicht durch besondere Hochschätzung und geschickte Verwendung des kanonischen Rechtes aus; das Recht wurde vielmehr stiefmütterlich behandelt und zugunsten einer nebulosen „Pastoral“ beiseite geschoben - als ob es eine erleuchtete Seelsorge ohne ein gutes Kirchenrecht geben könnte! Damit verriet das Konzil erneut, daß es kein Reformkonzil war. Dazu fehlte ihm auch die konkrete rechtliche Normierung. Zu viel ist bloße Programm- oder Grundsatzgesetzgebung, zu viel nur moralischer Appell. Ins einzelne gehende rechtliche Bestimmungen fehlen gerade dort, wo Besserungen erwartet werden.
Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta

Ralf

Beitrag von Ralf »

Naja, wie Herr May mit dem höchsten Lehramt der Kirche umgeht, entwertet ihn der Kommentierwürdigkeit.

Wenn er nicht glaubt, dass die lateinischen Texte des Konzils, so wie sie abschließend sind, vom Hl. Geist mitgewirkt wurden, wenn er also das Konzil ablehnt, dann soll er das sagen und nicht so rumeieren.

Ecce Homo
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Beitrag von Ecce Homo »

User inaktiv seit dem 05.06.2018.
Ihr seid im Gebet ... mal schauen, ob/wann ich hier wieder reinsehe ...

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incarnata
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Beitrag von incarnata »

Das Problem ist ja,daß viele Theologen in der Folge des Konzils den
Zeitgeist mit dem Hl. Geist verwechselt und die Konzilstexte eben nach
ihrem Gusto interpretiert haben.Offenbar ist eine solche Interpretation möglich
wenn man diese Texte nicht im Geiste der ganzen Tradition der Kirche liest.
Deshalb braucht`s jetzt immer wieder mal ein Papier wie das jüngste der
Glaubenskongregation über das Wesen der Kirche,um Grundsätzliches
zurecht zu rücken.Auf die lange Sicht wird sich die rechte Interpretation
schon durchsetzen;da vertrau ich auch auf das Wirken des Hl. Geistes.
Daß das Konzil so viele zweideutige Texte hervorgebracht hat ist wohl
wirklich ein Manko.Man kann sich nur damit trösten,daß sogar die Bibel selbst
nicht davor gefeit ist,daß sich verschiedene Interpretatores ihre Verse
um die Ohren schlagen.Liegt aber nicht am Text sondern an diesen Leuten.
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende
Licht aus der Höhe.......(Lk1,76)

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PiotrVacifMotzigkeit
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Beitrag von PiotrVacifMotzigkeit »

Ralf hat geschrieben:Naja, wie Herr May mit dem höchsten Lehramt der Kirche umgeht, entwertet ihn der Kommentierwürdigkeit.

Wenn er nicht glaubt, dass die lateinischen Texte des Konzils, so wie sie abschließend sind, vom Hl. Geist mitgewirkt wurden, wenn er also das Konzil ablehnt, dann soll er das sagen und nicht so rumeieren.
lieber freund der pflege des christlich geprägten zwischenmenschlichen miteinanders!

der frust scheint tief zu sitzen: weder bei der vorbereitung noch bei der durchführung durfte er als sachverständiger und berater mitwirken. gerade er, der doch offensichtlich vom hl.geist mehr rechtgeleitet zu sein scheint, als die konzilsväter!
wer keine zukunft hat, redet über seine vergangenheit

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taddeo
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Beitrag von taddeo »

incarnata hat geschrieben:Daß das Konzil so viele zweideutige Texte hervorgebracht hat ist wohl
wirklich ein Manko. Liegt aber nicht am Text sondern an diesen Leuten.
Ich denke, Du triffst damit den Nagel auf den Kopf.

Das Hauptproblem mit den Konzilstexten scheint mir ein sprachliches zu sein. Die Originalsprache der Texte ist Latein, näherhin Kirchenlatein. Nun war diese Sprache schon seit längerer Zeit vor dem Konzil nicht mehr als gesprochene Sprache in allgemeinem Gebrauch, sondern gerade noch als Sprache der Historiker und vor allem der Kanonisten in Übung. Letztere lieben bekanntlich - ich weiß es, ich hab selber Kanonistik studiert - in Erz gegossene Sätze, wie sie etwa in den klassischen Lehr- und Verurteilungsaussagen der früheren Konzilien verwendet wurden, und schätzen weniger die Vieldeutigkeit, die vor allem das klassische Latein und auch das frühere Kirchenlatein beinhaltete. Das bedeutet, daß die wenigen profunden Lateiner, die es zu Zeiten des V II - Konzils noch gab, von vorneherein ihre Probleme mit der in den Texten verwendeten "blumigen" bzw. "pastoralen" Ausdrucksweise haben konnten - Prof. May ist ein Musterbeispiel dafür.
Weil es nun kaum noch Leute gab und gibt, die mit dem lateinischen Original adäquat umgehen konnten/können, wurden und werden die Texte in der Regel in Form von Übersetzungen rezipiert, und das birgt nun einmal stets die Gefahr der Fehlinterpretation: "tradutore - traditore" sagen die Italiener, "der Übersetzer ist immer ein Verräter".
Zu diesem Punkt kommt noch hinzu, daß es seit den gesellschaftlichen Umwälzungen der früheren 1970er Jahre auch zu kirchlichen Themen eine freie Diskussion (oder besser: Meinungsäußerung) über Inhalte und Texte gibt, wie sie vorher in dieser Form nicht üblich war. Wer immer meint, etwas zu einem Thema sagen zu müssen, kann dies tun, ohne seine Qualifikation dafür irgendwie nachweisen oder rechtfertigen zu müssen. In den letzten Jahre kommt verstärkt dazu, daß die Medien solche Äußerungen gerne aufschnappen und in Talksendungen breittreten, wobei oft auf inhaltliche Qualität zugunsten der "Popularität" verzichtet wird. So reden auch über die Konzilstexte viele mit, die weder einen theologischen, noch einen historischen oder sprachlichen Hintergrund dafür haben. Daran kann man nichts ändern.
Genau auf diesen Punkt aber scheint mir das neue Dokument der Glaubenskongregation zu zielen: "Hallo Leute, bei all dem Quatsch, der verbreitet wird, möchten wir doch mal kurz die Tatsachen klarstellen!"
Daß dann diejenigen, die sich davon betroffen fühlen müssen, nicht laut "hurra" schreien, ist eigentlich logisch, oder? Das heißt aber noch lange nicht, daß die Konzilstexte an sich mangelhaft wären - man braucht, wie in jeder anderen Angelegenheit auch, nur die nötigen Kenntnisse, um sie richtig zu lesen. Ein Konzilstext ist halt mal keine IKEA-Gebrauchsanweisung.

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ottaviani
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Beitrag von ottaviani »

Die Texte sind an sich sehr mangelhaft in jeder Hinsicht umso mehr das Konzil ja genau das nicht tun wollte was ein Konzil zu tuen hat nähmlich verbindlich definieren und irrtümer verurteilen somit kann dieses "Konzil" oder Konzil für sich nicht in dem Umfanng den hl. Geist in Anspruch nehmen wie Traditionele Konzilien das können sehr schwerwiegend ist auch das bis heute keine verbindliche Interpretation des Konzils durch die höchste päpstliche Lehrautorität vorliegt

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PiotrVacifMotzigkeit
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Beitrag von PiotrVacifMotzigkeit »

taddeo hat geschrieben: ...
Das Hauptproblem mit den Konzilstexten scheint mir ein sprachliches zu sein. ... Das bedeutet, daß die wenigen profunden Lateiner, die es zu Zeiten des V II - Konzils noch gab, von vorneherein ihre Probleme mit der in den Texten verwendeten "blumigen" bzw. "pastoralen" Ausdrucksweise haben konnten...
...Wer immer meint, etwas zu einem Thema sagen zu müssen, kann dies tun, ohne seine Qualifikation dafür irgendwie nachweisen oder rechtfertigen zu müssen. ... So reden auch über die Konzilstexte viele mit, die weder einen theologischen, noch einen historischen oder sprachlichen Hintergrund dafür haben. ... Ein Konzilstext ist halt mal keine IKEA-Gebrauchsanweisung.
werter freund der pflege des christlich geprägten zwischenmenschlichen durcheinanders!

in der tat entstehen viele streitigkeiten daraus, dass einer dem anderen seine ansichten aufzwingen will,weil er es ganz offensichtlich nicht schafft, dies argumentativ überzeugend zu tun.

ähnlich einige stellungnahmen hier, ...dabei wurde das alles schon längst gesagt:

bereits im august 1966 schrieben rahner und vorgrimmler (also bevor von oktober bis dezember die endgültige lateinische fassung in den acta apostolicae sedis veröffentlicht wurde) im vorwort ihres kleinen konzilkompendiums: "Wenn es sich bei diesen Konzilsdokumenten immer auch (nicht nur!) um ein Werk von Menschen handelt (und dabei nie um feierliche dogmatische Definitionen), dann, so meinen wir, ist es auch erlaubt und angezeigt, den Leser ... , bescheiden und deutlich zugleich, auf Mängel der Texte hinzuweisen. ... nur ein kritischer Leser der Konzilstexte kann sich Geist und Buchstaben der Texte wirklich aneignen im freien Gehorsam des mündigen Christen."
wer keine zukunft hat, redet über seine vergangenheit

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ottaviani
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Beitrag von ottaviani »

was dabei rausgekommen ist wissen wir ja 40 jahre des niedergangs und der zerstörung des kath glaubens

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Maurus
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Beitrag von Maurus »

PiotrVacifMotzigkeit hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben: ...
Das Hauptproblem mit den Konzilstexten scheint mir ein sprachliches zu sein. ... Das bedeutet, daß die wenigen profunden Lateiner, die es zu Zeiten des V II - Konzils noch gab, von vorneherein ihre Probleme mit der in den Texten verwendeten "blumigen" bzw. "pastoralen" Ausdrucksweise haben konnten...
...Wer immer meint, etwas zu einem Thema sagen zu müssen, kann dies tun, ohne seine Qualifikation dafür irgendwie nachweisen oder rechtfertigen zu müssen. ... So reden auch über die Konzilstexte viele mit, die weder einen theologischen, noch einen historischen oder sprachlichen Hintergrund dafür haben. ... Ein Konzilstext ist halt mal keine IKEA-Gebrauchsanweisung.
werter freund der pflege des christlich geprägten zwischenmenschlichen durcheinanders!

in der tat entstehen viele streitigkeiten daraus, dass einer dem anderen seine ansichten aufzwingen will,weil er es ganz offensichtlich nicht schafft, dies argumentativ überzeugend zu tun.

ähnlich einige stellungnahmen hier, ...dabei wurde das alles schon längst gesagt:

bereits im august 1966 schrieben rahner und vorgrimmler (also bevor von oktober bis dezember die endgültige lateinische fassung in den acta apostolicae sedis veröffentlicht wurde) im vorwort ihres kleinen konzilkompendiums: "Wenn es sich bei diesen Konzilsdokumenten immer auch (nicht nur!) um ein Werk von Menschen handelt (und dabei nie um feierliche dogmatische Definitionen), dann, so meinen wir, ist es auch erlaubt und angezeigt, den Leser ... , bescheiden und deutlich zugleich, auf Mängel der Texte hinzuweisen. ... nur ein kritischer Leser der Konzilstexte kann sich Geist und Buchstaben der Texte wirklich aneignen im freien Gehorsam des mündigen Christen."
Demnach gilt das von dir über Prof. May geäußerte wohl auch für Rahner und Vorgrimler.

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PiotrVacifMotzigkeit
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Beitrag von PiotrVacifMotzigkeit »

ottaviani hat geschrieben:Die Texte sind an sich sehr mangelhaft in jeder Hinsicht umso mehr das Konzil ja genau das nicht tun wollte was ein Konzil zu tuen hat nähmlich verbindlich definieren und irrtümer verurteilen somit kann dieses "Konzil" oder Konzil für sich nicht in dem Umfanng den hl. Geist in Anspruch nehmen wie Traditionele Konzilien das können sehr schwerwiegend ist auch das bis heute keine verbindliche Interpretation des Konzils durch die höchste päpstliche Lehrautorität vorliegt
geschätzter freund der pflege des christlich geprägten zwischenmenschlichen durcheinanders!

upps! sie suchen und benötigen verbindlichkeiten...?
da fällt mir nur ein: das denken ist zwar allen menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart.

darf ich ihnen einige bücher empfehlen, welche ihnen die bedeutung und das vorhaben des II. VK verdeutlichen könnten?

Y. Congar, Mon Journal du Concile I-II, Paris 2002. aber auch die Konzils-Tagebücher von O. Semmelroth/A. Grillmeier, M.D. Chenu und das von H. de Lubac. G.
Wassilowsky´s, Universales Heilssakrament Kirche, vermag ihnen einiges zu verdeutlichen, ebenso Karl Rahners Beitrag zur Ekklesiologie des Zweiten Vatikanums = Innsbrucker theologische Studien 59, Innsbruck 2001. G. Alberigo, Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1959-1965), Mainz 1997f und seine Geschichte der Konzilien, Düsseldorf 1993, wie auch sein beitrag 1962-1992: Dreißig Jahre nach Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils, in: Concilium 28 (1992) und seine artikel Vatikanum II und Modernisierung, hrsg. von F.-X. Kaufmann/A. Zingerle, Paderborn 1996; Das II. Vatikanum – christlicher Glaube im Horizont globaler Modernisierung, hrsg. von P. Hünermann, Paderborn 1998.
auch der von ihnen sicher hochgeachtete K. Lehmann, Ein kräftiger Anfang. Heute vor vierzig Jahren wurde das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet – eine Erinnerung, in: Süddeutsche Zeitung 58 (2002) Nr. 235, 11, sollte von ihnen gelesen werden. dann sollten sie sich auch diese gönnen: K. Schatz, Allgemeine Konzilien - Brennpunkte der Kirchengeschichte, Paderborn 1997, H. Jedin, Kleine Konziliengeschichte, 5. Auflage, Freiburg 1962; ders., Strukturprobleme der Ökumenischen Konzilien = Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Geisteswissenschaften 115, Köln 1963, derselbe übrigens auch mit seinem Vaticanum II und Tridentinum, Tradition und Fortschritt in der Kirchengeschichte = Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Geisteswissenschaften 146, Köln 1968.
bei der frage der rezeption wäre ihnen dann K. Lorenz, Art. Rezeptionstheorie, in: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie III, Stuttgart 1995, 611-613, und R. Warning, Rezeptionsästhetik, München 1975 (dort bes. die Studien von H. R. Jauß); W. Kuhlmann, Sprachphilosophie-Hermeneutik-Ethik = Forum Bad Homburg 2, Würzburg 1992; H. R. Jauß, Wege des Verstehens, München 1994, dienlich. speziell zu den hermeneutischen kritierien für eine geschichte des II.VK nenne ich ihnen autoren wie W. Beinert, H. Zapp, N. Mette, E. Garhammer, ohne ihnen aber H.G. Gadamer, Wahrheit und Methode (= Gesammelte Werke 2), Tübingen 1986, M. Wischke/M. Hofer (Hg.), Gadamer verstehen / Understanding Gadamer, Darmstadt 2003, H.-M. Schönherr-Mann (Hg.), Hermeneutik als Ethik, München 2004, zu verschweigen.

im blick auf die theologie des konzils lesen sie doch Prof. P. Dr. H.J. Sieben, z.B. seine Die katholische Konzilsidee im 19. und 20. Jahrhundert, Paderborn 1993. so wenig wie sie dem konzil von trient anlasten werden, dass es eine theologie des bischofsamtes nicht realisieren konnte, sie sollten sich hierzu bzgl. der funktionsdifferenzierung von lehramt und theologie informieren, wird man dies beim II.VK bzgl. z.b. der pfarrgemeinde tun, wozu ich ihnen H. Wieh, Konzil und Gemeinde. Eine systematisch-theologische Untersuchung zum Gemeindeverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils in pastoraler Absicht = Frankfurter Theologische Studien 25, Frankfurt 1978, empfehle.

gerade weil das konzil in der art und weise des lehramtlichen redens sich einen neuen stil wählte und sich nicht mit der verurteilung abweichender lehren begnügen wollte, muss die offenere strukturierung der aussagen in den mittelpunkt der betrachtung gerückt werden. dann erkennen sie - wenn sie es wollen - auch, wie schwierig es ist, ein bloßes festschreiben, eine kanonisierung oder manchmal auch ein umsetzen der konziliaren sprache in eine z.B. rechtsterminologie vorzunehmen, wenn die aufgezeigte struktur nicht zur geltung kommt. würden sie dies besser beachtet, dann könnten sie den meinungen kritischer begegnen, die im II.VK einen totalen neubeginn, ja geradezu einen bruch zwischen der „vorkonziliaren" und „nachkonziliaren" kirche zun erkennen meinen. das II.VK steht zweifelsfrei in der tradition aller bisherigen konzilien.

interpretationen, die sich auf ausgewählte textfragmente, einzelner sichtweisen beschränken oder im II.VK einen totalen neubeginn mit einer sich fortwährend überstürzenden dynamik sehen, fallen meist der gefahr anheim, sich auf den „geist" des konzils mit, ohne oder auch gegen den buchstaben zu berufen. der „buchstabe" und der „geist" lassen sich nicht voneinander trennen. lesen sie einmal dazu O.H. Pesch, Das Zweite Vatikanische Konzil, Würzburg 1929, K. Lehmann, Hermeneutik, in: Sacramentum mundi II, Freiburg 1968, oder F. Prammer, Die philosophische Hermeneutik Paul Ricoeurs = Innsbrucker theologische Studien 22, Innsbruck 1988., ebenso A. Marchetto, Das Zweite Vatikanische Konzil. Hermeneutische Tendenzen von 1990 bis heute, in: Annuarium Historiae Conciliorum 32 (2000) 371-386; G. Alberigo, Treue und Kreativität bei der Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils. Hermeneutische Kriterien. Ehrenpromotion durch die Kath.-Theol. Fakultät der Universität Münster, Münster o.J. (2000), 4-33.
aber dies soll einstweilen und vorerst genügen, obwohl - aus aktuellem anlass - lassen sie mich noch das dokument der Deutschen Bischofskonferenz „Mitte und Höhepunkt des ganzen Lebens der Christlichen Gemeinde. Impulse für eine lebendige Feier der Liturgie" = Die deutschen Bischöfe 74, 24.06.2003, Bonn o.J. (2003) anführen.
wir bleiben ja (trotz und gerade wegen der neueren entwicklungen) im prozess des konzils...

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ottaviani
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Beitrag von ottaviani »

es gibt keinen prozeß des konzils zeigen sie mir ein dogmatisch verbindliches dolument daß das lehrt keine bücher von theologen die bis zum konzil zum teil sehr suspekt wahren den theologen lehren nicht verbindlich

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PiotrVacifMotzigkeit
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Beitrag von PiotrVacifMotzigkeit »

Maurus hat geschrieben: ...Demnach gilt das von dir über Prof. May geäußerte wohl auch für Rahner und Vorgrimler.
für rahner?
dieser war theologischer fachberater im II.VK und mitglied der internationalen theologenkommission in rom, der glaubenskommission der dbk und des höchsten wissenschaftlichen gremiums deutschlands, des "ordens pour le mérite" für wissenschaft und künste.. und einiges mehr

für vorgrimmler?
außer dass er der engste schüler und längste mitarbeiter rahners war, mehrere theologische standardwerke geschrieben hat, eine so große internationale reputation genoss, dass er unter anderem zum consultor des päpstlichen sekretariates für die nichtglaubenden berufen wurde, mag ihre feststellung auf ihn schon eher zutreffen (wenn man diversen charakterbeschreibungen glauben darf).

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Zuletzt geändert von PiotrVacifMotzigkeit am Montag 23. Juli 2007, 14:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von PiotrVacifMotzigkeit »

ottaviani hat geschrieben:es gibt keinen prozeß des konzils zeigen sie mir ein dogmatisch verbindliches dolument daß das lehrt keine bücher von theologen die bis zum konzil zum teil sehr suspekt wahren den theologen lehren nicht verbindlich
sie haben doch meine stellungnahme gelesen, auf die sie sich beziehen?

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ottaviani
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Beitrag von ottaviani »

ja die stellungnahme erklärt nicht woher das Konzil eine autorität haben soll

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

Ich kann mir nicht helfen, aber ich denke, dass Ihre Motzigkeit wirklich nur eine Gegenmeinung aufstellen will, der Gegenmeinung halber.

Ziehe ich dann noch in Betracht, auf welche nachkonziliaren Autoren, nachweislich alles mehr oder weniger Häretiker, er ein Loblied singt, dann sträuben sich mir sämtliche Haare, Fuß- und Handrückenhaare mit eingeschlossen. Ich frage mich gleichzeitig, ob er er alle diese Bücher gelesen hat, eher nicht, da diese doch ziemlich zeitintensiv sind und ganz sicher auf mehr oder weniger wissenschaftliche Ziele hin und vor allem auf vorsichtige Intentionsveränderungen hin gerichtet sind.

Btw: Selbstverständlich habe ich Zweifel daran, ob die schnelle Seligsprechung von Papst Johannes XXIII. gerechtfertigt war; von Papst Paul VI. ist von einer Seligsprechung anscheinend nicht die Rede und von Papst Johannes Paul II. wird eine solche angestrebt. Auch diese Anstrebung finde ich nicht gerechtfertigt.
Ich sage dies vorweg, damit nicht das Argument kommen kann, dass die damaligen Päpste aber diese Konzilsverwirrer in irgeneiner Art und Weise zu Recht anerkannt hätten.

Also, ihre Motzigkeit: So schnell wird hier nicht gegengeschossen und schon gar nicht ohne Begründung. Allein die Nennung von entsprechenden Namen weist schon auf die Geinnung des Schreibers hin, unter der Voraussetzung natürlich, er weiß, was diese so im Einzelnen von sich gegeben haben.

Gruß, ad_hoc
quidquid cognoscitur, ad modum cognoscentis cognoscitur (n. Thomas v. Aquin)

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PiotrVacifMotzigkeit
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Beitrag von PiotrVacifMotzigkeit »

ad_hoc hat geschrieben:Ich kann mir nicht helfen, aber ich denke, dass Ihre Motzigkeit wirklich nur eine Gegenmeinung aufstellen will, der Gegenmeinung halber.

Ziehe ich dann noch in Betracht, auf welche nachkonziliaren Autoren, nachweislich alles mehr oder weniger Häretiker, er ein Loblied singt, dann sträuben sich mir sämtliche Haare, Fuß- und Handrückenhaare mit eingeschlossen. Ich frage mich gleichzeitig, ob er er alle diese Bücher gelesen hat, eher nicht, da diese doch ziemlich zeitintensiv sind und ganz sicher auf mehr oder weniger wissenschaftliche Ziele hin und vor allem auf vorsichtige Intentionsveränderungen hin gerichtet sind.

Btw: Selbstverständlich habe ich Zweifel daran, ob die schnelle Seligsprechung von Papst Johannes XXIII. gerechtfertigt war; von Papst Paul VI. ist von einer Seligsprechung anscheinend nicht die Rede und von Papst Johannes Paul II. wird eine solche angestrebt. Auch diese Anstrebung finde ich nicht gerechtfertigt.
Ich sage dies vorweg, damit nicht das Argument kommen kann, dass die damaligen Päpste aber diese Konzilsverwirrer in irgeneiner Art und Weise zu Recht anerkannt hätten.

Also, ihre Motzigkeit: So schnell wird hier nicht gegengeschossen und schon gar nicht ohne Begründung. Allein die Nennung von entsprechenden Namen weist schon auf die Geinnung des Schreibers hin, unter der Voraussetzung natürlich, er weiß, was diese so im Einzelnen von sich gegeben haben.

Gruß, ad_hoc
werter verfechter der pflege des christlich geprägten zwischenmenschlichen durcheinanders!

willkürlich inszenierte kreativität bei stellungnahmen (bis an die grenze des erträglichen) zu aussagen, die man entweder nicht verstanden oder deren inhalt das aktuelle gegenstandswissen bei weitem überschreitet, veranlassen mich lediglich zur entscheidung, ob sie es mir wert sind, dass ich ihnen widerspreche.
ihre stellungnahme ist es mir nicht wert; unberührt aber davon bleibt ihnen selbstverständlich das recht weiterhin über jeden einzelnen von mir erwähnten theologen und historiker den vorwurf der häresie zu äußern und ihr anathema sit auszusprechen, ... wenn es denn der entfaltung ihrer persönlichkeit dient.


mfg
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Zuletzt geändert von PiotrVacifMotzigkeit am Montag 23. Juli 2007, 20:07, insgesamt 1-mal geändert.
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PiotrVacifMotzigkeit
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Beitrag von PiotrVacifMotzigkeit »

ottaviani hat geschrieben:ja die stellungnahme erklärt nicht woher das Konzil eine autorität haben soll
entgegen der auffassung des konziliarismus - dem sie doch nicht huldigen werden - sind ökumenische konzile dem papst untergeordnet. ihre beschlüsse erhalten nur insoweit gültigkeit, wie sie vom papst bestätigt werden.
meine frage an sie: kennen sie aussagen der letzten päpste, welche zu irgendwelchen inhalten des konzils im widerspruch stehen?
ich komme nicht umhin, ihnen nochmals eine literatur zu empfehlen: Johannes Paul II., De Spiritu Sancto in Vita Ecclesiae et Mundi. dort finden sie ihr antwort...

mfg
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Maurus
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Beitrag von Maurus »

PiotrVacifMotzigkeit hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben: ...Demnach gilt das von dir über Prof. May geäußerte wohl auch für Rahner und Vorgrimler.
für rahner?
dieser war theologischer fachberater im II.VK und mitglied der internationalen theologenkommission in rom, der glaubenskommission der dbk und des höchsten wissenschaftlichen gremiums deutschlands, des "ordens pour le mérite" für wissenschaft und künste.. und einiges mehr
...und deshalb darf er sich vom Hl. Geist besser geleitet sehen als die übrigen Konzilsväter. Aha.

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PiotrVacifMotzigkeit
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Beitrag von PiotrVacifMotzigkeit »

Maurus hat geschrieben: ...und deshalb darf er sich vom Hl. Geist besser geleitet sehen als die übrigen Konzilsväter. Aha.

lieber freund und förderer der pflege des christlich geprägten zwischenmenschlichen durcheinanders!

erstaunlich, wirklich erstaunlich, was sie alles aus meinen postings zu lesen vermögen! helfen sie mir doch weiter, und stoßen sie mich auf jene stellen, wo sie ihre aussage bei mir angedeutet oder gar bestätigt sehen...

in neugieriger erwartung und
mfg
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ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

PiotrVacifMotzigkeit hat geschrieben: werter verfechter der pflege des christlich geprägten zwischenmenschlichen durcheinanders!

willkürlich inszenierte kreativität bei stellungnahmen (bis an die grenze des erträglichen) zu aussagen, die man entweder nicht verstanden oder deren inhalt das aktuelle gegenstandswissen bei weitem überschreitet, veranlassen mich lediglich zur entscheidung, ob sie es mir wert sind, dass ich ihnen widerspreche.
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Nun, ich bekenne, dass ich Ihren Beitrag wohl etwas zu schnell gelesen hatte, und meine Beantwortung wohl ebenfalls in der gleichen Schnelligkeit erfolgt ist..
Ansonsten hätte ich in einer etwas veränderten Art und Weise geantwortet.
Zu Recht dürfen Sie sich also in Ihrer Würde unterschätzt fühlen. ;)

Aber: Meinen allergrößten Respekt vor Ihrer aussagefähigen und außerordentlich kompetenten Reaktion. :jump: :jump: :jump:

Gruß, ad_hoc
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PiotrVacifMotzigkeit
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Beitrag von PiotrVacifMotzigkeit »

ad_hoc hat geschrieben:...

Nun, ich bekenne, dass ich Ihren Beitrag wohl etwas zu schnell gelesen hatte, und meine Beantwortung wohl ebenfalls in der gleichen Schnelligkeit erfolgt ist..
Ansonsten hätte ich in einer etwas veränderten Art und Weise geantwortet.
Zu Recht dürfen Sie sich also in Ihrer Würde unterschätzt fühlen. ;)

Aber: Meinen allergrößten Respekt vor Ihrer aussagefähigen und außerordentlich kompetenten Reaktion. :jump: :jump: :jump:

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um eine brücke zu einer anderen entgegnung zu schlagen: wer die dummköpfe gegen sich hat, verdient vertrauen.

warum ich mich in meiner würde gekränkt fühlen sollte, wenn sie gewisse defizite in ihrer beurteilung zu erkennen geben, genauer noch, wenn sie wahllos theologen der häresie beschuldigen, nur weil diese vielleicht erst knapp vor 1962 oder danach mit ihrem studium begonnen haben... :roll:

mfg
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...vertrauen sie mir! :mrgreen:
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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Also das ursächlich Problem des Konzils war wie auch schon im Text angeklungen ist, man hat nach Konsenslösungen gesucht. Alle sollten damit leben können. Das macht die Texte teilweise unbestimmt und Schwammig. Man wollte im Endefeckt keine Misere Vatikanuum I uä.
Was aber nicht heist das sie inkonsequent oder unschlüssig sind. Es ist nur schwerer herauszufinden was die Konzilsväter uns sagen wollten.

Das weitere zum Standpunkt "undogmatisches" und deshalb "unverbindliches" Konzil.

In erster Linie, ja man könnte auf den ersten Blick sagen es war ein großes Kaffeekränzechen in Rom mit viel Geplapper. Aber auf den zweiten Blick kann man das nicht so sehen. Das Konzil sollte zusammenfassend die Lehre und damit die TRadition der katholsichen Kirche darlegen, mehr nicht und nicht weniger.
Ist das jetzt undogmatisch? Nö, denn ales was das Konzil lehrt wurde ja schon dogmatisiert und war Teil der Tradition, das Konzil griff diese Versplitterung auf und lehrte die Gesamtheit das war seine Aufgabe. Es musste dazu keine Anathemen oder Glaubenssätze definieren, das war schon längst geschehen.
Jeder der im Endefeckt Vat II ablehnt lehnt alles ab worauf es sich beruft. Verwirft somit eigentlich das ganze katholische Glaubenskonstrukt.
Vat II kann die Unfehlbarkeit nicht abgesprochen werden weil "Defintionen" fehlen, nein sie muß ihm zugestanden werden weil es bereits bestehende Defintionen zusammenfassend wiederholt und darlegt.

Vat II ist im Stil sicher Ungewönlich aber dogmatisch.

LG
Fiore
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Beitrag von ottaviani »

das soll der papst das mit aller Lehrautorität sagen und auch was an den texten unfehlbar ist kein Konzil der welt ist vom ersten bis zum letzten buchstaben unfehlbar siondern immer die canones

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

ottaviani hat geschrieben:das soll der papst das mit aller Lehrautorität sagen und auch was an den texten unfehlbar ist kein Konzil der welt ist vom ersten bis zum letzten buchstaben unfehlbar siondern immer die canones
Was unfehlbar ist lässt sich aus den Titeln ablesen. Canones wie gesagt bedarf es keine da ja nur der Zusammenhang der gelehrt wird.
Die Bestätigung ist bereits mit der Veröffentlichung der Dokumente und der bisherigen Bezugnahme in allen möglichen Enzykliken und Lehrschreiben mehr als einmal erfolgt.
Wann gelten die Dokumente denn als bestätigt? Wenn er 7 mal 77 im Petersdom erklärt sie sind gültig, das ganze mit nem Purzelbaum und nem Daumenabdruck und orginal Vat. II Tinte bestätigt?

LG
Fiore
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ottaviani
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Beitrag von ottaviani »

bisher gibt es nur eine wirklich verbindliche aussage aus dem jahr 1973 von Kardinal Felici an Kardinal Siri daß nur das verbindlich ist wo aus unfehlbaren Dokumenten zitiert wird und die Nota exeplicativa zvon Papst Paul VI zum Problem der Kollegialität das bedeutet das auch hier nur teile verbindlich sind allein daß bei der gestaltung der Konzilstexte von der bisherigen Norm abgewichen wurde läßt das ganze als suspekt erscheinen auch die aufforderung der Päpste das Konzil müße im Licht der Tradition interpretiert werden was sioll das die Päpste haben die Aufgabe das zu tun nicht es zu fordern alles faxten der Unsicherheit solange kein Papst ganz klar sagt was verbindlich ist ist und bleibt das ganze suspekt

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Beitrag von ad_hoc »

.........solange kein Papst ganz klar sagt was verbindlich ist, ist und bleibt das ganze suspekt [Punkt][Punkt]!!
Gruß, ad_hoc
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Yeti
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Konzilshermeneutik

Beitrag von Yeti »

Hauptproblem scheinen mir die Erguesse der vor allem im deutschsprachigen Raum dicht vertretenen Gruppe der selbsternannten professoralen und episkopalen Konzilshermeneutiker zu sein. Eine gute Zusammenschau der deutschsprachigen Konzilshermeneutik ist der noch recht neue fuenfbaendige Kommentar (Herders Theologischer Kommentar zum Zweiten Vatikanischen Konzil). Er zeigt sehr gut, wie anfaellig fuer interessegeleitete Interpretation gerade hermeneutische Unternehmungen dieser Art sein koennen, weil sie ein Standardwerk darstellen wollen (aehnlich wie seinerzeit das Kleine Konzilskompendium von Rahner und Vorgrimler), das aber theologisch betrachtet bar jeder bindenden Autoritaet ist, denn was anderes als blosse Privatmeinungen (mitunter auch entgegen den Aeusserungen des Lehramtes) koennen diese Erlaeuterungen sein? Allerhoechstens sind sie Fingerzeige und innerhalb dieses Rahmens hat sich die Theologie zu bewegen, mitnichten ist sie eine Konkurrenz oder gar Ersatz fuer das Lehramt, im Gegenteil, sie hat ihm zuzuarbeiten.

Bindend sind die Konzilsbeschluesse, die gar nichts anderes verkuenden koennen als den schon immer gelebten Glauben in der Kirche. Insofern fuerchte ich, dass Ottaviani in dem Punkt nicht ganz unrecht hat, dass das Lehramt bislang keine erklaerende Gesamt-Zusammenschau der Konzilstexte geliefert hat; aber einerseits will es das vielleicht auch gar nicht, weil es ohnehin klar ist, dass das Konzil nichts anderes lehrt als das was vorher von der Kirche geglaubt wurde, andererseits braucht es das auch nicht. Warum? Weil die Texte des Konzils kein einziges Verbot gegenueber irgendeiner vorher in der Kirche gueltigen Glaubensueberzeugung aussprachen (Papst Johannes XXIII. wuenschte sich ausdruecklich, dass nichts dogmatisiert oder verurteilt werden moege), weil auch keine einzige vorher geuebte liturgische Praxis abgeschafft oder gar "verboten" wurde, nichts von all dem findet sich in den Texten, die fuer den katholischen Glaeubigen bindend sind. Das ist fuer all jene fatal, die sich waehnten, den "Geist des Konzils" zu hoeren und mit vielen Beschluessen auf Dioezesan-, Metropolitan- und Nationalsynoden das umzusetzen glaubten, was die Konzilstexte meinten (vom Begriff her uebrigens interessant: "Geist des Konzils" empfand ich immer als einen Rueckfall in die Mythologie). Das Konzil meinte aber nichts anderes als das, was in der Kirche immer war, das wird seit allen Verlautbarungen und Enzykliken nach dem Konzil deutlich. Schon gegen "Humanae vitae" stellten sich die Professoren und Bischoefe, nicht anders als bei "Dominus Iesus", weil sie in diesen Dokumenten nicht die Lehre vorfanden, von welcher sie dachten sie waere originaer durch die Konzilstexte verkuendet worden.

Aber die Hermeneutiker sind noch einen Schritt weiter gegangen. Heute verkuendigen sie uns sogar, was Papst Benedikt XVI. wirklich denkt. Als Papst ist er naemlich gar nicht so boese. Vor seiner Papstwahl war er ja der "Panzerkardinal", erst nach der Wahl sei der Heilige Geist des Konzils in ihn gefahren. Wer wissen moechte wie er wirklich denkt, sollte seine Buecher lesen, viele davon erschienen in neuer Auflage und wurden vom Autor erneut durchgesehen, damit gar nicht erst die Ausrede aufkommen moege, er wuerde nun ganz anders denken.

Was bleibt nach 40 Jahren Konzilshermeneutik? Vielleicht ein lustiges, aber ich finde treffendes Spruechlein, ich glaube es stammt vom Philosophen Odo Marquard. "Hermeneutik ist die Kunst aus einem Text etwas herauszulesen was nicht drinsteht."

Nur kurz noch etwas zu Rahner, da sein Name im Zusammenhang mit dem Konzil gefallen ist. Vor kurzem habe ich einen Konzilsvortrag Karl Rahners ueber das Wesen der Kirche gelesen. Selten habe ich etwas Zeitbedingteres gelesen als dieses Elaborat. Natuerlich kann man ihm nicht vorwerfen dass er den Mauerfall, die Oeffnung und Befreiung Osteuropas und ihre konkreten Folgen fuer die katholische Kirche wie auch ihren allgemeinen und weltweiten Auftrieb nicht vorhersah, aber das existentialistische Pathos in vielen seiner Schriften wirkt nicht nur angestaubt, seine ganze Rolle als Theologe fuer die Kirche scheint mir im Nachhinein gesehen hoechst ambivalent, seine Fragestellungen in vielen Bereichen ueberholt. Wenn die Vertreter seiner Schule einmal von ihren Lehrstuehlen abgetreten sein werden, ohne Epigonen in ihrem Geiste installiert zu haben, wird eine radikale Neubewertung seiner Leistung unumgaenglich sein. Dann wird auch die erste ernstzunehmende Rahnerbiographie erscheinen, vielleicht sogar mit den jetzt noch von den Jesuiten unter Verschluss gehaltenen Briefen.

Gruss, Yeti

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Die Wahrheit, denke ich, liegt auch hier in einer via media der Konzilsinterpretation. Nicht alles, was seither passiert ist, läßt sich mit dem Konzil begründen. Ebenso ist es putzig zu sehen, wie manche aus der traditionalistischen Ecke versuchen, das Konzil wegzudiskutieren. Beide Seiten betreiben eine eigene Konzilshermeneutik, die gleichermaßen dem Konzil nicht gerecht wird. Was es daher braucht, ist eine quellentreue Hermeneutik des Konzils, die die Gedanken des Konzils ausleuchtet unter Berücksichtigung der Väter des Konzils und der Theoogen, die sie formuliert haben. Das Konzil entstand ja nicht im luftleeren Raum. Es gab Theologen, die beigetragen haben und die die Denkrichtung des Konzils maßgeblich beeinflußt haben.

Beim Lesen von Yetis Beitrag wurde ich an den Titel eines Buches erinnert, das dieser Tage erscheint:
Vatican II: Did anything happen?
If only closed minds came with closed mouths.

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