Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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overkott
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Re: Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

Beitrag von overkott »

Aletheia hat geschrieben:Es gibt keine Erkenntnis ohne Anstrengung und Arbeit. Will jemand Gott erkennen, muss er sich auf Gott hin ausrichten und das bedeutet eine Umkehr, eine Bewegung auf das hin, das er für Gott hält. Dann wird ihm gesagt: was du für Gott hältst ist nicht der wahre Gott, sondern nur deine Vorstellung von Gott - also musst du dich wieder neu ausrichten und anstrengen, um die Vorstellungen von Gott zu erkennen, die man so hat. Damit ist man aber noch nicht am Ende, sondern es kommt eine weitere "Zwiebelschale" die abgetragen werden will ... usf.
Mit absoluten Festellungen ist das so eine Sache. Erfahrungsgemäß gibt es keine Regel ohne Ausnahme.

Auch wenn Gotteserkenntnis und Glaube ein Geschenk sind und eine Gnade, muss man sich doch immer wieder darum bemühen, um das Gute in seinem Leben konkret zu entdecken und zu verwirklichen. Mir scheint, das ist die eigentlich lebendige Beziehung zu Gott und die eigentliche Gebetshaltung,

flores
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Re: Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

Beitrag von flores »

...das macht die weiteren Gespräche für mich dann auch nicht mehr interessant. Ich habe nämlich den Eindruck, dass du gar nicht recht weißt, worüber du redest - .
Nun gut, damit muss ich leben! Ich habe aber auch den Eindruck, dass Unkenntnis in der Sache nicht nur mein Problem sein könnte. Die Tatsache, dass Pieper in seinem Philosophieren von religiösen Dogmen ausgeht und philosophische 'Erkenntnis' wie einen 'Mythos' beschreibt, hat mich dazu veranlasst, ein Statement dazu abzugeben. Darüber ist hier bisher in der Sache noch nicht verhandelt worden, sondern sie wurde aus der Sicht einer 'privilegierten Erkenntnis' durch entsprechende Techniken umgangen. Ich ging irrtümlicherweise davon aus, dass ein Dialog möglich wäre.
Veränderliches kann nur vor dem Hintergrund eines Unveränderlichen wahrgenommen werden - Unveränderliches und Veränderliches sind Konzepte des Denkens.
Veränderung kann ich an Veränderungen beobachten und wahrnehmen. Dass dies den "Hintergrund eines Unveränderlichen" notwendig voraussetzt, halte ich deshalb für eine Hypothese, ein APRIORI, das durch nichts Beobachtbares zu überprüfen ist und deshalb für mich nicht diskursfähig ist.

flores :)

Raphael

Re: Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

Beitrag von Raphael »

flores hat geschrieben:............. Dass dies den "Hintergrund eines Unveränderlichen" notwendig voraussetzt, halte ich deshalb für eine Hypothese, ein APRIORI, das durch nichts Beobachtbares zu überprüfen ist und deshalb für mich nicht diskursfähig ist.
Positivismus ist eine von dem französischen Philosophen und Gesellschaftstheoretiker Auguste Comte begründete Philosophie und Erkenntnistheorie, die fordert, sich unter Außerachtlassung aller metaphysischer Spekulationen mit den real gegebenen Erscheinungen zu beschäftigen. In Philosophie, Wissenschaft und Gesellschaft der Gegenwart ist der Positivismus (heute auch besonders in Form des Neo-Positivismus) von großer Bedeutung.
(Quelle)

flores
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Re: Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

Beitrag von flores »

Aus metaphysischer Sicht ist 'Positivismus' eine vermutlich zutreffende Kategorisierung. Meine individuelle Sicht ist eine durch Verzicht geprägte, weil ich davon ausgehe, dass metaphysische Erkenntnisse - wie die von mir als Hypothese bezeichnete Aussage - nicht kommunizierbar sind. Jeder kann für sich in Metaphyischem das sehen, was er darin sehen kann bzw. möchte und er kann damit alles erklären, was er erklären möchte. Mir geht es aber darum, mich mit anderen zu verständigen, um Gemeinsames zu gestalten. Dies ist unter metaphyischen Vorzeichen nur unter Gleichgesinnten möglich: Zu einem konstruktiven Diskurs zwischen allen Menschen, die sich am Gespräch und Miteinander beteiligen möchten, trägt dies nicht bei. Im Gegenteil, Metaphysik reisst gletscherspaltentiefe Gräben zwischen den Menschen auf.

Unveränderliches, Ewiges, Apriorisches wie auch immer aufzufassen, ist eine ganz persönliche (Glaubens-)Sache, die ich niemandem streitig machen möchte. Was ich aus meiner Sicht ablehne, ist die Behauptung, es handle sich dabei um für alle Menschen Gültiges.

flores :)

Aletheia
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Re: Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

Beitrag von Aletheia »

flores hat geschrieben:Aus metaphysischer Sicht ist 'Positivismus' eine vermutlich zutreffende Kategorisierung. Meine individuelle Sicht ist eine durch Verzicht geprägte, weil ich davon ausgehe, dass metaphysische Erkenntnisse - wie die von mir als Hypothese bezeichnete Aussage - nicht kommunizierbar sind. Jeder kann für sich in Metaphyischem das sehen, was er darin sehen kann bzw. möchte und er kann damit alles erklären, was er erklären möchte. Mir geht es aber darum, mich mit anderen zu verständigen, um Gemeinsames zu gestalten. Dies ist unter metaphyischen Vorzeichen nur unter Gleichgesinnten möglich: Zu einem konstruktiven Diskurs zwischen allen Menschen, die sich am Gespräch und Miteinander beteiligen möchten, trägt dies nicht bei. Im Gegenteil, Metaphysik reisst gletscherspaltentiefe Gräben zwischen den Menschen auf.

Unveränderliches, Ewiges, Apriorisches wie auch immer aufzufassen, ist eine ganz persönliche (Glaubens-)Sache, die ich niemandem streitig machen möchte. Was ich aus meiner Sicht ablehne, ist die Behauptung, es handle sich dabei um für alle Menschen Gültiges.

flores :)
Dass es für alle Menschen Gültiges gibt, das auch unveränderlich ist, wirst du hoffentlich nicht bestreiten.
Ansonsten weiß ich nicht, was deine Anmerkungen nun mit dem Thema zu tun haben.

Raphael

Re: Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

Beitrag von Raphael »

flores hat geschrieben:Aus metaphysischer Sicht ist 'Positivismus' eine vermutlich zutreffende Kategorisierung. Meine individuelle Sicht ist eine durch Verzicht geprägte, weil ich davon ausgehe, dass metaphysische Erkenntnisse - wie die von mir als Hypothese bezeichnete Aussage - nicht kommunizierbar sind. Jeder kann für sich in Metaphyischem das sehen, was er darin sehen kann bzw. möchte und er kann damit alles erklären, was er erklären möchte. Mir geht es aber darum, mich mit anderen zu verständigen, um Gemeinsames zu gestalten. Dies ist unter metaphyischen Vorzeichen nur unter Gleichgesinnten möglich: Zu einem konstruktiven Diskurs zwischen allen Menschen, die sich am Gespräch und Miteinander beteiligen möchten, trägt dies nicht bei. Im Gegenteil, Metaphysik reisst gletscherspaltentiefe Gräben zwischen den Menschen auf.

Unveränderliches, Ewiges, Apriorisches wie auch immer aufzufassen, ist eine ganz persönliche (Glaubens-)Sache, die ich niemandem streitig machen möchte. Was ich aus meiner Sicht ablehne, ist die Behauptung, es handle sich dabei um für alle Menschen Gültiges.

flores :)
Du solltest Dir darüber klar sein, daß Du mit Deinem Ansinnen alle Gesprächspartner (und damit sind ausdrücklich nicht nur gläubige Christen gemeint!), die mit Metaphysik mehr anfangen können als Du, für den praktischen Diskurs quasi kastrierst.
Darüber hinaus werden implizit viele, allzuviele Errungenschaften der menschlichen Kultur für obsolet erklärt. Was soll das?

flores
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Re: Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

Beitrag von flores »

Aletheia hat geschrieben: Dass es für alle Menschen Gültiges gibt, das auch unveränderlich ist, wirst du hoffentlich nicht bestreiten.
Grundsatzgedanken darüber wie Menschen ihr Leben gestalten, welche Kriterien und Weltbilder sie haben, mache ich mir natürlich. Aber da es meine Grundsatzgedanken sind, gelten sie nur für mich, es sei denn andere teilen die gleichen wie ich. Ich kann daher über "alle Menschen" keine begründeten Aussagen machen. Die Menschen, mit denen ich täglich zu tun haben und solche von denen ich lese oder auf andere mediale Weise höre, verfahren sehr unterschiedlich bezüglich des 'Unveränderlichen'. Viele glauben an etwas, was sie unveränderlich nennen und andere wiederum nicht. Aus diesem Fakt schließe ich, dass es nicht sinnvoll wäre, davon auszugehen, dass es für alle Menschen Gültiges gibt, das unveränderlich ist. Denkbar ist für mich - weil ich es so bei mir erlebe - dass Menschen 'Ideale', so etwas wie 'Leitvorstellungen' haben, die aber nur schwer zu beschreiben sind.
Ansonsten weiß ich nicht, was deine Anmerkungen nun mit dem Thema zu tun haben.
Es geht immer noch um die Frage: Was heißt philosophieren?

flores :)

flores
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Re: Josef Pieper: Was heißt philosophieren?

Beitrag von flores »

Raphael hat geschrieben:Du solltest Dir darüber klar sein, daß Du mit Deinem Ansinnen alle Gesprächspartner (und damit sind ausdrücklich nicht nur gläubige Christen gemeint!), die mit Metaphysik mehr anfangen können als Du, für den praktischen Diskurs quasi kastrierst.
Darüber hinaus werden implizit viele, allzuviele Errungenschaften der menschlichen Kultur für obsolet erklärt. Was soll das?
Wie ich in einem meiner ersten Posts erwähnte, war ich lange Zeit Metaphysikerin, mehr als 30 Jahre lang. Von daher weiß ich, wie ketzerisch sich meine Gedanken lesen müssen, für jemand der metaphysisch orientiert ist und davon ausgeht, dass "Wahrheit" erkennbar sei. Metaphysik war fast zwei Jahrtausende lang die Philosophie des Abendlandes. Aber sie hat aus meiner Sicht ihren kulturellen Dienst getan, weil heute m.E. andere Probleme und Aufgaben gelöst werden müssen als damals. Indem ich sage, dass Metaphysik heute - aus gegebenem Anlass - nicht mehr zum Diskurs taugt, entwerte ich ihren Wert für frühere Jahrhunderte keineswegs. Nebenbei: Ein Vorgang, den ich mir nicht vorstellen kann. Aus meiner Sicht ist 'Geschichtlichkeit' ein zentrales Merkmal 'aller' gegenwärtigen und vergangenen menschlichen Kulturen. Ich habe keinen Anlass das, was für andere Wert hatte bzw. hat, für obsolet zu erklären. Um derartiges zu behaupten, bedarf es einer Auffassung, die allgemein als 'Kulturzentrismus' bezeichnet wird.

flores :)

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