Bibelübersetzungen/-ausgaben

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Benedikt
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Benedikt »

Stefan hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 18:38
Die iPieta App ist vielversprechend, in Verbindung mit der Stundenbuch App ist man gut gerüstet im Alltag und unterwegs.

Mir ist wichtig, dass ich die App ohne Anmeldung nutzen kann. Die bibel.de App ist daher ok, die bibel eü ist auch ok.
Wenn es jetzt noch eine App hätte, die
a) einen schönen Schlachtertext offline hat (meinetwegen auch alt)
b) eine Kommentierung bei Bedarf bereitstellt, wäre es my personal dream.

Danke schon mal für die Tipps, ich schaue mir alles nochmal genau an, bisher habe ich noch keine App.

Ich finde weitere Sakro-Apps auch interessant. Gibts dazu schon einen Sammelfaden?
Die Stundenbuch-App ist seit dem Update letztes Jahr für mich leider fast unbenutzbar. Das Schriftbild und das Farbschema (Ocker-Grasgrün) sind unerträglich. Ich bin daher wieder auf die Bücher umgestiegen.

Zur Schriftlesung nutze ich aktuell (neues Jahr - neue Vorsätze) den Telegram-Kanal von kath.net. Da bekommt man täglich das Tagesevangelium zugeschickt. Die App vom Bibelwerk nutze ich nicht, da die neue Einheitsübersetzung nirgendwo verwendet wird und ich nach Möglichkeit einen Bibeltext verinnerlichen und im Kopf nicht ständig zwischen Varianten hin- und herspringen will.

Über eine Online-Ausgabe einer traditionellen katholischen Übersetzung würde ich mich natürlich trotzdem freuen, einfach, um mal einen Vergleich zu haben.
"Kommt ihm der Staatsumwälzer nicht wie Sisyphus vor? Die Last wird nie oben bleiben, wenn nicht eine Anziehung gegen den Himmel sie auf der Höhe schwebend erhält." - Novalis: Europa

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birnbaum
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von birnbaum »

Danke, Ralf!
Lieb von Dir, daß Du nachgeschaut hast!
Also weder von Berger noch von den OD– Kommentatoren etwas Wesentliches zum Begriff.
Es gibt Texte, die über lange Zeiten ein völliges Schattendasein führen. Man achtet mehr auf das, was NICHT gehen darf / sollte, wohingegen Lizensiertes oft unter "ferner liegen" eingeordnet wird... Schade!

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Bruder Donald
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Bruder Donald »

Könnt ihr die "The Ignatius Bible. RSV, 2CE" empfehlen? Falls Erfahrung vorhanden ist.

Bzw. Könnt ihr auch was zur Studienbibel (NT) "Ignatius Catholic Study New Testament-RSV" sagen? In manchen Foren wird sie neben der "Navarre Bible" empfohlen.

Wobei ich eine grundsätzliche Frage zu englischen katholischen Bibeln habe: Wenn ich richtig verstanden habe, gehen die Übersetzungen auf die King-James-Bibel(-Version). Hat diese aber nicht einen protestantischen Kanon, also ohne "Apokryphen"? Wenn ja, woher kommen dann die katholischen Übersetzungen dieser Bücher?
Prüft alles und behaltet das Gute! (1. Thess 5,21)

Ralf
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Ralf »

Die RSV hat mit der KJV nichts zu tun. Ganz andere Übersetzung.
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

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Protasius
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Protasius »

Bruder Donald hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 19:19
Könnt ihr die "The Ignatius Bible. RSV, 2CE" empfehlen? Falls Erfahrung vorhanden ist.

Bzw. Könnt ihr auch was zur Studienbibel (NT) "Ignatius Catholic Study New Testament-RSV" sagen? In manchen Foren wird sie neben der "Navarre Bible" empfohlen.

Wobei ich eine grundsätzliche Frage zu englischen katholischen Bibeln habe: Wenn ich richtig verstanden habe, gehen die Übersetzungen auf die King-James-Bibel(-Version). Hat diese aber nicht einen protestantischen Kanon, also ohne "Apokryphen"? Wenn ja, woher kommen dann die katholischen Übersetzungen dieser Bücher?
Katholische englische Bibeln, die in frühneuenglisch abgefaßt sind, sind üblicherweise die in Frankreich entstandene Douay-Rheims-Übersetzung auf der Basis der Vulgata. Im Seminar von Douai wurden katholische Priester für England ausgebildet; meistens haben sie nach der Ankunft in England nicht allzulange ihren Dienst versehen können, da Katholizismus im England des 16. Jahrhundert als Hochverrat gewertet wurde. In Rheims wurden diese Bibeln gedruckt, mit einem sehr ausführlichen polemischen und patristischen Kommentar. Mit einem anderen Kommentar aus dem 18. Jahrhundert ist sie auch als Haydock-Bibel bekannt.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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birnbaum
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von birnbaum »

Zu Protasius´ Ausführungen zur Douai– Rheims Übersetzung ist kaum etwas hinzuzufügen.
Die Authorized King James Version von 1611 bzw. deren letzte "offizielle" Revision von 1769 (durch Benjamin Blaney) und die heute nur noch von Traditionalisten gebrauchte D–R verhalten sich zueinander etwa wie die Allioli Bibel zur Luther– Übersetzung.

Gegen die Einwände von King James und der Puritaner entschied der Anglikanische Erzbischof Richard Bankroft, daß der Authorized Version (wie sie in England offiziell heißt) die Apokryphen hinzuzufügen seien. Dadurch, daß sie als nicht inspiriert angesehen wurden, ist die Übersetzung (aus der LXX) beträchtlich freier und weniger konkordant als die der kanonischen Texte. Wie bei Luther, wurden die Apokryphen ursprünglich zwischen AT und NT eingefügt, jedenfalls in den meisten Ausgaben. Das änderte sich um die Wende zum 19. Jahrhundert. Nun konnte man die Apos (meist nur) noch als Separatband erwerben.
Heute gibts die AV im 1611er "Original" mit und ohne Apos zu kaufen. Die neueste Version heißt
»New Cambridge Paragraph Bible / with the Apocrypha« oder eben ohne sie, herausgegeben von David Norton (2005, 2011); darin ist der ursprüngliche Text von 1611 wiedergegeben. Aber die Apos kann man in Dutzenden Versionen auch separat erwerben.
Auch die erste grundlegende Revision der AV, die 1881 bzw. 1885 erschienene (English) Revised Version (RV) war ebenfalls mit und ohne Apos zu bekommen. Das NT der RV ist allerdings nicht mehr nach dem Mehrheitstext "Textus receptus", sondern nach dem kritischen von Westcott & Hort übersetzt.

P.S.: Ich habe eine etwa 100 Jahre alte AV / KJV (Textstand 1769) zu verschenken, gegen Erstattung der Portokosten. Zustand "3", mit Ledereinband. Allerdings sind einige Lagen in den Psalmen falsch eingebunden; sonst ist sie komplett. Außerdem einige andere Bibelausgaben, meist ältere katholische.

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Vinzenz Ferrer
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

Protasius hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 19:57
In Rheims wurden diese Bibeln gedruckt, mit einem sehr ausführlichen polemischen und patristischen Kommentar. Mit einem anderen Kommentar aus dem 18. Jahrhundert ist sie auch als Haydock-Bibel bekannt.
Hochinteressant! Weißt du, woher dieser Doppelansatz herrührt? War das ein missionarischer Ansatz?
Glaube heißt Widerstand gegen die Schwerkraft. (Benedikt XVI.)

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Protasius
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Protasius »

Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Mittwoch 12. Februar 2020, 11:45
Protasius hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 19:57
In Rheims wurden diese Bibeln gedruckt, mit einem sehr ausführlichen polemischen und patristischen Kommentar. Mit einem anderen Kommentar aus dem 18. Jahrhundert ist sie auch als Haydock-Bibel bekannt.
Hochinteressant! Weißt du, woher dieser Doppelansatz herrührt? War das ein missionarischer Ansatz?
Was genau meinst du hier mit Doppelansatz?
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Vinzenz Ferrer
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

Protasius hat geschrieben:
Mittwoch 20. Mai 2020, 12:18
Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Mittwoch 12. Februar 2020, 11:45
Protasius hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 19:57
In Rheims wurden diese Bibeln gedruckt, mit einem sehr ausführlichen polemischen und patristischen Kommentar. Mit einem anderen Kommentar aus dem 18. Jahrhundert ist sie auch als Haydock-Bibel bekannt.
Hochinteressant! Weißt du, woher dieser Doppelansatz herrührt? War das ein missionarischer Ansatz?
Was genau meinst du hier mit Doppelansatz?
Mit doppelt meine ich polemisch UND patristisch. Das sind zwei Ansätze, die den Kommentar auszeichneten.
Hatte man sich erhofft, über die Polemik gegen den Protestantismus zu punkten?
Glaube heißt Widerstand gegen die Schwerkraft. (Benedikt XVI.)

Trisagion
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Trisagion »

Bruder Donald hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 19:19
Könnt ihr die "The Ignatius Bible. RSV, 2CE" empfehlen? Falls Erfahrung vorhanden ist.
Ja, das ist eine solide Übersetzung. Die Änderungen des Verlegers Ignatius in dieser Edition gegenüber der üblichen RSV-CE (CE: Catholic Edition) sind nicht besonders wichtig, eine übliche RSV-CE tut es auch. Also einfach mal schauen, RSVs gibt es wie Sand am Meer.

Allerdings, es empfiehlt sich die RSV-CE gegenüber einer normalen RSV, zum Teil wegen einiger Übersetzungkorrekturen in Richtung katholischer Lesart, zum Teil weil sonst Bücher nicht "katholisch" angeordnet sind. Es sei angemerkt, daß es in Wirklichkeit drei Ausgaben gibt: RSV "normal" (protestantisch), RSV-CE (katholisch adaptiert) und RSV mit Apokryphen. Die letztere ist noch umfänglicher als die katholische Edition, sie hat auch die von den Orthodoxen akzeptierten Teile, ist aber "protestantisch" angeordnet.

Die echte Alternative für Katholiken hier ist die NRSV(-CE), halt die "New RSV", eine modernere Edition. Die gibt es auch wieder in der drei erwähnten Varianten (normal-protestantisch, katholisch, Apokryphen). Die NRSV ist bei Konservativen als "zu liberal" verschrieen, m.E. weitgehend zu unrecht. Wohingegen nur die NRSV wirklich die wissenschaftliche Arbeit seit den 60er Jahren berücksichtigt, was ein klarer Vorteil ist. (Die Ignatius Edition der RSV ist keine echte Edition des RSV Textes, sondern deren hausinterne Variante.)

Bei den Protestanten ist die ESV populär, eine Edition der RSV die quasi als konservative Reaktion auf die NRSV gemacht wurde. Die ist fast ausschließlich in der protestantischen Fassung zu finden, allerdings habe ich auch eine Apokryphen-Variante. Katholisch gibt es die nicht.
Bruder Donald hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 19:19
Bzw. Könnt ihr auch was zur Studienbibel (NT) "Ignatius Catholic Study New Testament-RSV" sagen? In manchen Foren wird sie neben der "Navarre Bible" empfohlen.
Ich kenne beide, besitze die letztere. Die Ignatius Studienbibel ist so etwas wie ein laufender Witz bei enlischsprachigen Katholiken. Nicht wegen des Inhalts, der hervorragend ist (Scott Hahn ist ein sehr bekannter konservativer Schriftexperte, konvertierter Presbyter und nun Opus Dei). Sondern weil es schier ewig dauert die gesamte Bibel zu übersetzen... ein mittleres Wunder, daß das NT inzwischen komplett vorhanden ist. Das Navarre NT habe ich in der alten Version in vielen Bändchen, die glaube ich etwas umfangreicher ist als die kompakte Version. Beide haben solide-konservative und informative Kommentare.
Bruder Donald hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 19:19
Wobei ich eine grundsätzliche Frage zu englischen katholischen Bibeln habe: Wenn ich richtig verstanden habe, gehen die Übersetzungen auf die King-James-Bibel(-Version). Hat diese aber nicht einen protestantischen Kanon, also ohne "Apokryphen"? Wenn ja, woher kommen dann die katholischen Übersetzungen dieser Bücher?
Ja, die RSV geht ursprünglich auf die KJV zurück, aber im Sinne einer "Vorübersetzung": es ist viel einfacher einen existierenden Text zu editieren als ihn komplett neu zu erschaffen. Damit sei nicht gesagt, daß die Texte nahezu identisch sind, das sind sie nicht.

Die KJV wurde ursprünglich übersetzt mit allen Apokryphen, somit sind sowohl für Katholiken als auch Orthodoxe alle kanonischen Texte im Prinzip irgendwie als KJV erhältlich. 95% aller heute verkauften KJVs sind protestantisch reduziert, aber ich habe z.B. die Cameo Reference Edition von Cambridge mit allen Apokryphen.

Es sein noch erwähnt, daß die Douay-Rheims, die ich auch besitze in verschiedenen zweisprachigen Versionen (Lateinsch-Englisch), eine sehr interessante Beziehung zu der KJV hat. Es ist fair zu sagen, daß da deutliche Abhängigkeiten in beide Richtungen bestehen.

Empfehlungen:

NRSV(-CE) ist der "akademische" Standard, und gut lesbar. Ich persönlich würde sie der RSV-CE (inkl. Ignatius) und ESV vorziehen, wobei mir persönlich Aufregungen um z.B. geschlechtsneutrale Sprache zumeist am Arsch vorbei gehen. Das mag anderen anders gehen! Ich jedenfalls benutze sie gerne.

KJV ist ein englischsprachiges Dokument vom Range der Shakespeare Stücke. Es ist auch eine Textus Receptus Übersetzung, und von daher interessant. Ähnliches gilt für die Douay-Rheims, allerdings nur auf katholischer Seite. Wer gerne etwas "altertümelt", für den mögen dies die richtigen Übersetzungen sein. Aber nicht unbedingt eine einfache Lektüre mit Schulenglisch!

Die Jerusalem Bible ist für mich ein gut lesbarer Standard in ihren Editionen. Das Original hatte unter anderem J.R.R. Tolkien im Übersetzerteam, und gilt als besonders lesbar aber leider nicht besonders genau. Die Jerusalem Bible ist derzeit Grundlage der Liturgie in den UK, die New Jerusalem immer noch die einzige Bibel die ich in kurzer Zeit am Stück durchgelesen habe. Sehr lesbar. Jetzt gibt es auch die Revised New Jerusalem Bible, die auch wieder prima aussieht. Habe ich aber noch nicht, ich warte da auf die feine Lederausgabe...

Die Revised English Bible (with the Apocrypha) ist eine weniger bekannte Übersetzung, die aber m.E. sowohl genau (auf RSV Niveau) als auch im besten und äußerst verständlichen Englisch abgefasst ist. Ein billiger Geheimtip, allerdings gibt es da keine katholische Version (die nötigen Texte sind übersetzt da, alleine die Anordnung ist "protestantisch").

Als für Katholiken interessante Version sei dann noch die Knox Bible erwähnt, die letzte Gesamtübersetzung aus dem Lateinischen der Vulgata. Obwohl gelegentlich etwas gestelzt im Englischen, ist es quasi die Alternative zu Douay-Rheims wenn man gerne nahe bei der Vulgata bleiben will, und deutlich moderner.
Zuletzt geändert von Trisagion am Mittwoch 20. Mai 2020, 15:20, insgesamt 1-mal geändert.

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Protasius
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Protasius »

Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Mittwoch 20. Mai 2020, 13:28
Protasius hat geschrieben:
Mittwoch 20. Mai 2020, 12:18
Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Mittwoch 12. Februar 2020, 11:45
Protasius hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 19:57
In Rheims wurden diese Bibeln gedruckt, mit einem sehr ausführlichen polemischen und patristischen Kommentar. Mit einem anderen Kommentar aus dem 18. Jahrhundert ist sie auch als Haydock-Bibel bekannt.
Hochinteressant! Weißt du, woher dieser Doppelansatz herrührt? War das ein missionarischer Ansatz?
Was genau meinst du hier mit Doppelansatz?
Mit doppelt meine ich polemisch UND patristisch. Das sind zwei Ansätze, die den Kommentar auszeichneten.
Hatte man sich erhofft, über die Polemik gegen den Protestantismus zu punkten?
Dem Protestantismus argumentativ zu begegnen war gewiß ein Ziel der Übersetzer, handelte es sich doch um die erste katholische Bibelübersetzung in die englische Sprache überhaupt. Die Titelseite des Neuen Testaments lautete in heutiger Orthographie:
The New Testament of Jesus Christ,
translated faithfully into English,
out of the authentical Latin, according to the best corrected copies of the same,
diligently conferred with the Greek and other editions in divers languages:
With Arguments of books and chapters, Annotations and other necessary helps,
for the better understanding of the text, and specially for the discovery of the
Corruptions of diverse late translations, and for clearing the Controversies in religion, of these days:
in the English College of Rheims.
Die Väter werden insbesondere auch angeführt um zu zeigen, daß die katholische Lehre mit der Interpretation der Väter übereinstimmt; das ziemlich ausführliche Vorwort erklärt dies, nachdem es dargelegt hat, daß die heilige Schrift wohl übersetzt werden darf, aber nicht muß, daß nicht jeder sie lesen müsse oder solle, und welche Verfälschungen die Reformatoren in ihre Übersetzungen einführten (die unter sich nicht übereinstimmten).

Die Revision von Bischof Challoner im 18. Jahrhundert, die die oft sehr wörtliche Übersetzung aus dem Latein der Vulgata sprachlich glättete, kürzte den Kommentar recht deutlich, sodaß die Bibel in einem Band herausgegeben werden konnte statt in dreien. Die meisten heutigen Ausgaben beruhen im wesentlichen auf dieser Version.
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Trisagion
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Trisagion »

Ich muß mich korrigieren, es gibt inzwischen offenbar auch eine ESV-CE. Besprechung einer Edition auf dem amerikanische Markt findet sich hier.

Wer nach einer katholischen Bibel auf Englisch mit guten Kommentaren sucht, ist wohl auch bei der Didache Bible gut bedient. Gibt es in zwei Versionen, mit NABRE (New American Bible Revised Edition - liturgischer Standard in den USA) oder RSV2CE (also die Ignatius zweite Edition der RSV in katholischer Variante CE). Der Kommentar ist konservativ gut, aber vor allem komplett am CCC (Catechism of the Catholic Church) orientiert, mit ständigen Querverweisen. Wer den hat (auch auf Deutsch, Nummerierung ist ja gleich) kann darum quasi einen Zusatzkommentar vom Katechismus kriegen.

Die NABRE Version hat die NABRE Fußnoten dabei, was nicht unbedingt toll ist: die sind als ziemlich modernistisch bekannt. Allerdings ist die NABRE Übersetzung selber m.E. besser als ihr Ruf. Aber man kann eben auch einfach die RSV2CE Version kaufen.

Wer schöne Bücher mag, dem gefällt vielleicht das hier. Ist NRSV-CE, und viel Bishop Barron (der mir eher auf den Senkel geht, aber viele Leute finden den ganz toll) im Kommentar, aber eben auch Kirchenväter und Kunst...

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Bruder Donald
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Bruder Donald »

Trisagion hat geschrieben:
Mittwoch 20. Mai 2020, 14:45
Ja, das ist eine solide Übersetzung. Die Änderungen des Verlegers Ignatius in dieser Edition gegenüber der üblichen RSV-CE (CE: Catholic Edition) sind nicht besonders wichtig, eine übliche RSV-CE tut es auch. Also einfach mal schauen, RSVs gibt es wie Sand am Meer.
Vielen Dank für deine sehr ausführliche Erklärung! :daumen-rauf:

Muss erstmal sacken lassen. Bei den vielen Abkürzungen schwirrt einem ja der Kopf. :irritiert:
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Trisagion
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Trisagion »

Bruder Donald hat geschrieben:
Donnerstag 21. Mai 2020, 10:02
Muss erstmal sacken lassen. Bei den vielen Abkürzungen schwirrt einem ja der Kopf. :irritiert:
Das war nur ein Teil der katholischen Bibeln, wenn man auch noch mit den protestantischen anfängt wird alles noch viel bunter. NASB z.B. ist eine sehr interessante Übersetzung...

Was auf dem englischsprachigen Markt auffällt, insbesondere bei den Protestanten, ist der viel größere Markt für Luxusbibeln, und zwar Luxus im Sinne von Materialien und Handwerk (Drucken und Buchbinden). In Deutschland sind Luxusbibeln meist halbe Bildbände, bei den Angelsachsen eher nicht. Schuyler, R.L. Allan, Cambridge, Crossways, und wirklich noch viele mehr, machen da mehr Text als Kunst.

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Lycobates
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Lycobates »

Trisagion hat geschrieben:
Mittwoch 20. Mai 2020, 14:45
Als für Katholiken interessante Version sei dann noch die Knox Bible erwähnt, die letzte Gesamtübersetzung aus dem Lateinischen der Vulgata. Obwohl gelegentlich etwas gestelzt im Englischen, ist es quasi die Alternative zu Douay-Rheims wenn man gerne nahe bei der Vulgata bleiben will, und deutlich moderner.
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Cluster and sparkle in the name of Knox.

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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Trisagion »

Ja, Ronald A. Knox war mal ein literarischer Star... Ich kann übrigens das Buch "Enthusiasm" von ihm empfehlen. Da beschreibt er meist mystisch angehauchte Häresien und Schismen durch die christliche Geschichte hindurch. Faszinierend.

Wen es interessiert, hier kann man mal Clementina Vulgata, Douay-Rheims Original, Douay-Rheims Challoner, und Knox miteinander vergleichen, allerdings auf zwei verschieden Webseiten:
Vulgata - DR Challoner - Knox und DR Original - DR Challoner.

Baronius Press (erster Link) hat übrigens schöne DR Challoner Ausgaben, inklusive einer Parallelausgabe mit Vulgata, und auch die Knox Bibel.

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holscha
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von holscha »

Weiter oben hatte ich die Frage gelesen, ob es die Allioli-Übersetzung auch online gibt.
Da ich keine Antwort gelesen habe (vielleicht auch überlesen)

http://vulgata.info/index.php/Kategorie:BIBLIA_SACRA

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Protasius
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Protasius »

holscha hat geschrieben:
Donnerstag 21. Mai 2020, 14:11
Weiter oben hatte ich die Frage gelesen, ob es die Allioli-Übersetzung auch online gibt.
Da ich keine Antwort gelesen habe (vielleicht auch überlesen)

http://vulgata.info/index.php/Kategorie:BIBLIA_SACRA
Das ist genaugenommen nicht die Übersetzung von Franz von Allioli, sondern deren Überarbeitung durch Augustin Arndt, die auch im Sarto-Verlag erhältlich ist. Ich persönlich ziehe den originalen Kommentar von Allioli vor; Kommentare, die in etwa „Welche zarte Liebe spricht aus diesen Worten!“ lauten, sind mir in der Alliolischen Version nicht begegnet, bei Arndt aber ein paar Mal, wenn ich mich recht entsinne. Ich kann momentan leider keine Beispiele geben, da ich meine Bibeln (bis auf eine Hamp-Stenzel-Kürzinger) nicht mit nach Rußland genommen habe.

Nachtrag: Die originale Allioli-Übersetzung gibt es bei Google-Books (siebente Auflage von 1851): Band 1, Band 2, Band 3. Es gibt auch eine einbändige Ausgabe mit Stahlstichen für Betrachtungszwecke, bei der nur die allernotwendigsten Anmerkungen beibehalten wurden.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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holscha
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von holscha »

Ja - aber die Google Version eignet sich nicht für gezielte Textsuche und wenn die Kommentare auch nicht die von Allioli sind = es ist der Text von Allioli mit der Vulgata und mit Kapitel-Verweisen.
Also - für mich - eine sinnige Studienmöglichkeit

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Vinzenz Ferrer
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 21. Mai 2020, 13:19
Ja, Ronald A. Knox war mal ein literarischer Star... Ich kann übrigens das Buch "Enthusiasm" von ihm empfehlen. Da beschreibt er meist mystisch angehauchte Häresien und Schismen durch die christliche Geschichte hindurch. Faszinierend.
Foxy Knoxy erhält das Prädikat "wertvoll"! Allein schon durch seine Freundschaft zu Chesterton quasi zum Ritter geschlagen. Chesterton und Knox haben sich sozusagen gegenseitig per Räuberleiter in den Katholizismus gehievt.

birnbaum über Knox:
birnbaum hat geschrieben:
Mittwoch 15. Mai 2019, 16:08
Ronald Knox [...], der bei den englisch-sprachigen Amis vor allem Kultstatus hat.
birnbaum hat geschrieben:
Donnerstag 16. Mai 2019, 12:45
Ronald Knox war ein Sprachgenie. Seine Üs hat unglaubliches Profil und ist eine sprachlich herausfordernde Perle, vor allem für non–native speakers. Er übertrug nach der V., als Privatperson sozusagen. Seine Bibel war zwar imprimiert, durfte aber offiziell nicht in Liturgie o. ä. benutzt werden.
Glaube heißt Widerstand gegen die Schwerkraft. (Benedikt XVI.)

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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Bruder Donald »

Zu der Kings James Bibel (Version) und dazugehörigen Revisionen:

King James Version = Authorized Version
1611; Revision 1769

1.(English) Revised Version
1881–1885

2. American Standard Version (ASV)
1901

2.1. Revised Standard Version (RSV)
1946–1952; Revision 1971–1977

2.1.1. New Revised Standard Version (NRSV)
1989

2.1.2. English Standard Version (ESV)
2001; Revision 2007

2.2. New American Standard Bible / Version (NASB / NASV)
1963–1971; Revisionen 1972–1995

2.3. World English Bible (WEB)
1997ff

3. New King James Version (NKJV)
1979–1982

Quelle:
http://www.amen-online.de/bibel/profile ... es_version

(Ich habe den Text etwas verändert wiedergegeben, daher nicht als Zitat markiert)
Prüft alles und behaltet das Gute! (1. Thess 5,21)

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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Bruder Donald »

Trisagion hat geschrieben:
Donnerstag 21. Mai 2020, 03:54
[...]mit NABRE (New American Bible Revised Edition - liturgischer Standard in den USA)[...]
Also, die NABRE ist die offizielle Übersetzung für die kath. Kirche in den USA?
Was ist die offizielle Bibel in GB für die kath. Kirche?
Prüft alles und behaltet das Gute! (1. Thess 5,21)

Trisagion
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Trisagion »

Bruder Donald hat geschrieben:
Samstag 23. Mai 2020, 11:29
Also, die NABRE ist die offizielle Übersetzung für die kath. Kirche in den USA?
Was ist die offizielle Bibel in GB für die kath. Kirche?
Also, in den USA ist das in Wirklichkeit ziemlich kompliziert, weil die offizielle Liturgie auf einer Adaption der Vorgängerbibel NAB (ohne RE) beruht. Wenn ich mich recht erinnere ist das Alte Testament der NABRE (mit RE) unter anderem mit Blick auf die Liturgie editiert worden. Aber das Neue Testament ist noch nicht fertig editiert, es wird da also eine zukünfige NAB2RE geben, so in etwa im Jahre 2025. Und dann gab es da auch noch irgendwelchen Hickhack um den Psalter... Jedenfalls ist es aber so, daß so um das Jahr 2025 rum eine neue NAB2RE wirklich die komplett "offizielle" Bibel der amerikanischen Bischofskonferenz werden wird, inklusive Liturgie.

Aber abgesehen von diesen Finessen wird auch jetzt schon die NABRE von der Bischofskonferenz dort ziemlich deutlich als "offiziell" herausgestellt. Das liegt sicher auch daran, daß die alle Rechte haben und insofern an jeder verkauften NABRE mitverdienen...

Langer Rede kurzer Sinn: die NABRE ist/wird dem Ami seine EÜ.

In England & Wales (Irland & Schottland haben ihre eigenen Bischofskonferenzen) ist das anders, weil die nicht selber eine Bibel herausgeben. Wenn Du mit "offiziell" dann auch wieder "in der Liturgie verwendet" meinst, dann ist es weitgehend die Jerusalem Bible (nicht die New JB, und auch nicht die Revised New JB) mit dem Grail 1963 Psalter. Wobei andere Übersetzungen erlaubt sind, entweder mit Sondergenehmigung oder ohne, Details finden sich hier.

Es gilt aber als sicher, daß sich das in den nächsten Jahren ändern wird für die Liturgie in England & Wales. Nur weiß derzeit keiner genau in welche Richtung... Vermutlich entweder etwas aus der RSV Familie, also wahrscheinlich NRSV-CE oder ESV-CE als Grundlage, oder etwas aus der JB Familie, also wahrscheinlich RNJB.

Trisagion
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Trisagion »

Bruder Donald hat geschrieben:
Samstag 23. Mai 2020, 11:04
2.2. New American Standard Bible / Version (NASB / NASV)
1963–1971; Revisionen 1972–1995
Die NASB ist nicht wirklich eine Revision der KJV. Es ist eine eigenständige Übersetzung die sich stark an der ASV orientiert.

Die NASB ist eine interessante Übersetzung, weil sie versucht "wortwörtlich" zu übersetzen aber dabei noch gerade eben so lesbar zu bleiben (die meisten "wortwörtlichen" Übersetzungen kann man nicht wirklich flüssig lesen). Für mich ist sie das genaue Gegenteil der REB, die versucht ein so schönes Englisch wie möglich zu produzieren aber dabei noch gerade eben so genau zu bleiben. Leider gibt es die NASB nicht mit Apokryphen, und schon garnicht als katholische Version.

Übrigens gibt es bei der NASB dann auch noch Kriege um die beste Version, denn die verschiedenen Editionen werden von bestimmten Gruppen sehr lautstark als Verschlimmbesserung gesehen. Da geht es richtig zur Sache, genau wegen des Anspruchs so exakt zu sein. Ich habe die 1995 Edition...

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Siard
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Siard »

Trisagion hat geschrieben:
Samstag 23. Mai 2020, 14:03
Langer Rede kurzer Sinn: die NABRE ist/wird dem Ami seine EÜ.
Auch so schlecht?
Ἄξιόν ἐστι τὸ ἀρνίον τὸ ἐσφαγμένον λαβεῖν τὴν δύναμιν καὶ τὸν πλοῦτον καὶ σοφίαν καὶ ἰσχὺν καὶ τιμὴν καὶ δόξαν καὶ εὐλογίαν.

Trisagion
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Trisagion »

Siard hat geschrieben:
Samstag 23. Mai 2020, 21:08
Trisagion hat geschrieben:
Samstag 23. Mai 2020, 14:03
Langer Rede kurzer Sinn: die NABRE ist/wird dem Ami seine EÜ.
Auch so schlecht?
Was sind Deine Kriterien für "gut"? Gut lesbares Englisch, teilweise schön auf REB Niveau. Selber schauen kann man hier. Mir sind auch keine groben Probleme in der Übersetzung bekannt. Aber die NABRE hat durchaus die übliche moderne Textbasis und Übersetzer mit "akademischen" Ansichten. Wobei deren Einstellungsprobleme eher in den Fußnoten als im eigentlichen Text durchscheinen. Das hat Gründe:

Die NABRE ist eine Revision der NAB, die wiederum eine Revision / Weiterführung der (unvollständigen) Confraternity Bible war, die wiederum eine Revision der Douay-Rheims-Challoner war, die wiederum eine Revision der Douay-Rheims Übersetzung war. Die Confraternity Bibel war die letzte Vulgata Übersetzung unter Einbezug orginalsprachiger Quellen (quasi die amerikanische Knox Bibel), wurder aber von Divino afflante Spiritu beim Durcharbeiten des Alten Testamentes kalt erwischt, und nie vollständig veröffentlicht. Die Übersetzungsarbeit überlebte aber weitgehend in der NAB.

Insofern hat die NABRE den Vorteil eine klassische Textbasis bis zurück zur Douay-Rheims zu haben. Seitdem ist da viel dran gewerkelt worden, aber Revisionen sind selten Revolutionen...

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Vinzenz Ferrer
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

Die Menge 2020 ist mittlerweile erschienen.
https://www.menge2020.de/
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Bruder Donald
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Bruder Donald »

Vinzenz Ferrer hat geschrieben:
Montag 25. Mai 2020, 12:52
Die Menge 2020 ist mittlerweile erschienen.
https://www.menge2020.de/
Hat die Menge-Bibel wenigstens die "Apokryphen"? :hmm:
Eine katholische Menge-Bibel gibt es ja wohl nicht?
Prüft alles und behaltet das Gute! (1. Thess 5,21)

Trisagion
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Trisagion »

Die online Version hat die Apokryphen (ähem, Deuterokanonischen Bücher). Sie sagen aber auch, daß die derzeitige Druckausgabe (wohl der 1939 Version gemeint) sie nicht dabei hat. Dann bezweifle ich leider auch, daß die 2020er sie dabei hat.

Das Original hatte also wohl das Nötige, die modernen Kopien wohl nicht. Ich hab im sehr kurzen Check übrigens den Brief des Jeremiah online nicht gefunden, also eventuell sind selbst die originalen "Zusätze" nicht ganz komplett aus katholischer Sicht. Hat vielleicht etwas mit dem Quellenmaterial zu tun?

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Vinzenz Ferrer
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

Die Christliche Literatur-Verbreitung (CLV) ist „bibeltreu“-evangelikal. Die deuterokanonischen Bücher werden nach dieser Auffassung nicht als Teil der Heiligen Schrift aufgefasst. Ich konnte jetzt nicht nachschauen, aber es würde mich wundern, wenn die Menge 2020 diese Bücher enthalten würde.
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Trisagion
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Trisagion »

Es gibt bei den Protestanten dann immer noch den Unterschied zwischen "Apokryphen sind nicht Kanon, aber nützliche Lektüre" und "Apokryphen sind igitt-bah-pfui / katholischer Teufelskram", und beide würden sich als "bibeltreu" bezeichnen.

Ich habe hier eine wenig Hoffnung, da ja das 1939 Original offenbar mit (einem Teil?) des Deuterokanons publiziert wurde. Es wäre irgendwie ziemlich unehrlich dem Quellenmaterial gegenüber nicht die Apokryphen zu publizieren. Vielleicht gibt es ja später eine Ausgabe "mit Apokryphen"?

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Vinzenz Ferrer
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Vinzenz Ferrer »

Trisagion hat geschrieben:
Dienstag 26. Mai 2020, 11:19
"Apokryphen sind igitt-bah-pfui / katholischer Teufelskram"
Der CLV-Verlag gehört dieser Fraktion an. Sie sind evangelikal-freikirchlich. Einige Schriften sind dezidiert antikatholisch. Sie bringen übrigens auch die Schlachter 2000 heraus – sozusagen das Flaggschiff der Evangelikalen. Natürlich ohne Apokryphen. Trotzdem eine gute Übersetzung, wie ich finde. Die CLV wurde 1986 gegründet, die Menge Übersetzung gibt es aber schon deutlich länger. Es kann also gut sein, dass Menge die Apokryphen sogar übersetzt hat, die CLV sie aber nicht mit aufgenommen hat in die Version, die sie jetzt herausgeben. Es steht ihnen ja als Verlag frei, es wegzulassen.
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