Nietenolaf hat geschrieben:
Für den Protestantismus wird es schwer sein, zu begründen, warum die Apostelgeschichte in den Kanon der Bibel aufgenommen wurde. Wozu ist der Lebensbeschreibung und den Worten des Heilands die erste Kirchenchronik hinzugefügt worden? Wozu über die Taten von Menschen berichten, wenn schon darüber geschrieben wurde, was der "Einzige Vermittler" vollbracht hat?
Was stört dich an der Apostelgeschichte, für mich ist sie die logische Fortsetzung der Evangelien, in der das weitere Handeln Christi durch seine Gemeinde, die Ausbreitung der Gemeinde, sowie die Art des Gemeindelebens für die Nachwelt dokumentiert wird.
Nietenolaf hat geschrieben: Ist dieses Wirken danach abgebrochen? Für Protestanten (im radikalen Sinne dieses Begriffs) ist die Kirchengeschichte mit der Apostelgeschichte abgeschlossen.
Gut das du das sagst, die Protestanten wissen das wahrscheinlich noch gar nicht, wenigstens wusste ich das nicht.
Nietenolaf hat geschrieben: Später folgten nur Irrungen, Verzerrungen und Verrat (was aus obskuren Gründen erst mit der Gründung der jeweiligen protestantischen Denomination z.B. Ende des 19. Jahrhunderts aufhörte). In Wahrheit aber beginnt mit der Apostelgeschichte erst die Geschichte der Kirche.
Genau, davon bin ich überzeugt, das die Apg. der Anfang ist.
Später folgten nicht nur Irrungen, aber auch, deshalb ist es gut das die Apg. uns die Urgemeinde, eine Art Urmeter der christlichen Gemeinde, zeigt, an der wir uns orientieren können.
Schön wäre, wenn du recht hättest das diese Irrungen mit der Reformation oder anderen "zurück zu den Wurzeln" Bewegungen beendet wurden.
Die Geschichte zeigt aber, dass genau das nicht geschehen ist.
1. gab und gibt es immer Leute, die nicht bereit sind, das was sich falsch entwickelte, zu überprüfen und zu korrigieren.
2. sind die meisten dieser Reformationsbewegungen, so lehrt die Geschichte, nach spätestens 100 Jahren, als in der 3. Generation auch wieder an einer Stelle angekommen, wo Reformation und reorientierung Not tut, dort aber greift wieder Punkt 1. die Nichtkorekturbereitschaft.
Nietenolaf hat geschrieben: Ja, die Hl. Schrift ist die Norm des christlichen Glaubens und Lebens, der Kammerton. Die Anerkennung der Schrift als "von Gott inspiriert" veranlaßt doch nicht dazu, die "Confessiones" des Augustinus zu verwerfen?!
Wenn sie mit dem Zeugnis der Schrift konform geht, nicht, wo sie über die Schrift hinaus geht, muss geprüft werden, welche Gründe dafür maßgeblich sind, wenn sie der Schrift widerspricht muss sie abgelehnt werden.
Nietenolaf hat geschrieben: Es ist undenkbar, daß die Erfahrung der Gemeinschaft mit Gott, welche die Apostel hatten, später für niemanden mehr zugänglich war. Es ist albern zu behaupten, daß Christus Seine Menschen für eineinhalb Tausend oder mehr Jahre alleine ließ, und sie erst durch Luther oder den Graf von Zinzendorf von der "Bürde der Tradition" und "Irrungen" erlöste.
Ja, volle Zustimmung, wer behauptet das denn?
Nietenolaf hat geschrieben: Ich sehe jedenfalls keinen Bruch zwischen der Kirche der Zeit der Apostel und jener der späteren Zeiten.
Ich möchte auch nicht von einem Bruch reden, ein Bruch ist etwas radikales, einschneidendes, endgültiges.
Ich bin auch überzeugt, wäre im Jahre 400 jemand aufgestanden und hätte die Lehrpraxis der rkK von heute mit einem mal einführen wollen, hätte es einen einmütigen Aufschrei in der gesamten Christenheit der damaligen Zeit gegeben.
Über Jahrhunderte und Jahrtausende aber kann sich so manches entwickeln, was in seiner Komplexität dann nichtmehr als Kursabweichung erkannt wird, so dass eben jeder der nun eine Hilfe anbietet, den Kurs neu zu berechnen als Feind angesehen wird.
Ich möchte am Schluss noch einmal ganz klar sagen, ich bin nicht der Meinung, dass das was nach der Kanonbildung in der weltweiten Christenheit geschah, nur durch Abirrungen gekennzeichnet ist.
Ich bin überzeugt, das der Geist Gottes in vielen der Bischöffe, Päpste und anderen Christen bis zum heutigen Tag wirkt und wirkte.
Das schließt aber nicht aus, dass die Christen, Fehler begingen, dass Fehlentwicklungen nicht erkannt wurden, dass auf Reformationen und Reorientierungen menschlich reagiert wurde und wird.
Mein Anliegen ist nicht, zu sagen die rkK und ihr vergleichbare Kirchen sind schlecht; reformatorische und evangelikale Gemeinden und Kirchen sind gut, das würde eine Blindheit meinerseits voraussetzen die ich nicht besitze.
Ich bin aber überzeugt, die Praxis der rkK wird in manchen Punkten dem Willen Gottes, wie er seine Gemeinde haben will, nicht gerecht.
lg
asder