Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Niels
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Re: Vater und Sohn

Beitrag von Niels »

incarnata hat geschrieben: Wir feiern eigentlich alles aus dem Leben Jesu Christi in jeder Hl. Messe,da alles miteinander zusammenhängt
Stimmt! :)
Canon Romanus hat geschrieben:Unde et memores, Domine, nos servi tui sed et plebs tua sancta, eiusdem Christi Filii tui Domini nostri tam beatae passionis, nec non ab inferis resurrectionis, sed et in caelos gloriosae ascensionis
Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta

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Gamaliel
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Re: Vater und Sohn

Beitrag von Gamaliel »

Niels hat geschrieben:
Canon Romanus hat geschrieben:Unde et memores, Domine, nos servi tui sed et plebs tua sancta, eiusdem Christi Filii tui Domini nostri tam beatae passionis, nec non ab inferis resurrectionis, sed et in caelos gloriosae ascensionis
Bitte nicht den röm. Kanon verstümmeln :dudu: ;)
Canon Romanus hat geschrieben:Unde et memores, Domine, nos servi tui sed et plebs tua sancta, eiusdem Christi Filii tui Domini nostri tam beatae passionis, nec non et ab inferis resurrectionis, sed et in caelos gloriosae ascensionis
:breitgrins:

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Nassos
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Re: Vater und Sohn

Beitrag von Nassos »

incarnata hat geschrieben:Was mary schrieb ist auch interessant,allerdings nicht so einleuchtend,da m.E. die Lehre dass der Sohn aus dem Vater und der Geist aus dem Vater und dem Sohne bzw. auch aus dem Vater(nach Orthodoxer Sicht) hervorgeht nichts mit grösser oder kleiner zu tun hat.
Liebe incarnata,

das hat sie sehr wohl, denn (unabhängig vom Hervorgang des Hl. Geistes) diese Stelle beschreibt den Bezug zu Gott Vater:
My Father is greater than I does not mean greater in nature or essence, for the Father and the Son share one divine nature.Der Rest des Zitates hat mal mit der Frage, was die Größenfrage angeht, nichts zu tun.

Es geht hierbei auf die Essenz unseres Glaubens zurück: homoousion.

Liebe Grüße,
Nassos
Ich glaube; hilf meinem Unglauben

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Niels
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Re: Vater und Sohn

Beitrag von Niels »

Gamaliel hat geschrieben:
Niels hat geschrieben:
Canon Romanus hat geschrieben:Unde et memores, Domine, nos servi tui sed et plebs tua sancta, eiusdem Christi Filii tui Domini nostri tam beatae passionis, nec non ab inferis resurrectionis, sed et in caelos gloriosae ascensionis
Bitte nicht den röm. Kanon verstümmeln :dudu: ;)
Canon Romanus hat geschrieben:Unde et memores, Domine, nos servi tui sed et plebs tua sancta, eiusdem Christi Filii tui Domini nostri tam beatae passionis, nec non et ab inferis resurrectionis, sed et in caelos gloriosae ascensionis
:breitgrins:
:auweia: :tuete:
Danke für den Hinweis, Gamaliel.
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Mary
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Re: Vater und Sohn

Beitrag von Mary »

Hallo alle,

ich bin bezüglich der Stelle Joh 14, 28 nochmals fündig geworden... in Väterpredigten, die noch neue Aspekte in die Betrachtung bringen.

Das folgende Zitat ist von der Seite BVK, aus der 77. Homilie Leos des Grossen (3. Pfingstpredigt)
Wie uns das verlesene Evangelium gezeigt hat, sagt zwar unser Herr Jesus Christus zu seinen Jüngern: "Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch wahrlich darüber freuen, daß ich zum Vater gehe, weil der Vater größer ist als ich"1 , allein die Apostel, die schon des öfteren vernommen hatten: "Ich und der Vater sind eins"2 und "Wer mich sieht, sieht auch den Vater"3 hören jene Worte, ohne einen Unterschied in der göttlichen Natur anzunehmen und ohne sie auf das göttliche Wesen dessen zu beziehen, dem sie die gleiche Ewigkeit und die gleiche Beschaffenheit wie dem Vater zuerkennen. Jene Worte wollen sagen, daß auch den heiligen Aposteln die Menschwerdung des Gottessohnes eine Erhöhung ihrer menschlichen Natur bringt. Durch diese Mehrung ihrer Ehre werden die zur Erringung ewiger Freuden aufgemuntert, die über den angekündigten Heimgang des Herrn betrübt waren. "Wenn ihr mich liebtet," sagt der Herr, "würdet ihr euch wahrlich darüber freuen, daß ich zum Vater gehe". Das heißt: Wenn ihr vollkommen verstehen könntet, welche Herrlichkeit euch dadurch bereitet wird, daß ich, der Sohn des göttlichen Vaters, auch eine menschliche Mutter habe, daß ich, der Herr der Ewigkeit, einer der Sterblichen sein wollte, daß ich, der Unsichtbare, mich sichtbar machte, daß ich, der ewige Gott, Knechtsgestalt annahm, so würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe. Euch kommt meine Erhöhung zugute. Euere niedrige Natur wird in mir über alle Himmelshöhen auf den Sitz zur Rechten des Vaters emporgehoben. Dagegen bleibe ich, der das Wesen des Vaters teilt, unzertrennlich mit meinem Vater. Wie ich mich von ihm nicht entferne, wenn ich zu euch komme, so verlasse ich auch euch nicht, wenn ich zu ihm zurückkehre." "Freuet euch darüber, daß ich zum Vater gehe, weil der Vater größer ist als ich!" "Ich habe euch mit mir vereint und bin des Menschen Sohn geworden, damit ihr Kinder Gottes werden könnt. Ich bin eins in zweien. Aber trotzdem bin ich hinsichtlich dessen, worin ich euch gleiche, kleiner als der Vater, hinsichtlich meiner vom Vater unzertrennlichen Natur dagegen sogar größer noch als ich selbst." So geht denn jene Natur zum Vater ein, die kleiner ist als der Vater, damit das Fleisch den ewigen Sitz des Wortes teilt. Der eine Glaube der kathlolischen Kirche aber soll daran festhalten, daß der als Gott mit dem Vater gleich ist, den er als Menschen für geringer hält!
Das folgende ist von der Seite "Church Fathers" von newadvent.org

aus der 75. Predigt des Johnannes Chrysostomos über das Johannesevangelium
"You have heard how I said unto you, I go away, and come again unto you. If you loved Me, you would rejoice because I said, I go unto the Father; for My Father is greater than I."

4. And what joy would this bring to them? What consolation? What then mean the words? They did not yet know concerning the Resurrection, nor had they right opinion concerning Him; (for how could they, who did not even know that He would rise again?) but they thought that the Father was mighty. He says then, that "If you are fearful for Me, as not able to defend Myself, and if you are not confident that I shall see you again after the Crucifixion, yet when you heard that I go to the Father, you ought then to have rejoiced because I go away to One that is greater, and able to undo all dangers." "You have heard how I said unto you." Why has He put this? Because, He says, "I am so firmly confident about the things which come to pass, that I even foretell them, so far am I from fearing." This also is the meaning of what follows.
Lg Maria
Who is so great a God as our God? You are the God who does wonders!

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incarnata
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Re: Vater und Sohn

Beitrag von incarnata »

Danke !
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende
Licht aus der Höhe.......(Lk1,76)

Vulpius Herbipolensis
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Re: Vater und Sohn

Beitrag von Vulpius Herbipolensis »

Wie auch Incarnata hatte auch ich zunächst Verständnisprobleme beim Evangelium des letzten Sonntags (und leider keine Zeit, mich mit ihnen zu beschäftigen). Auch unser Pfarrer ist nicht auf diese Stelle eingegangen.
Ebenfalls wie bei Incarnata haben sie sich v. a. durch die von Mary zitierte Predigt weitgehend aufgelöst.
Allerdings möchte ich sichergegen, das richtig verstanden zu haben;
die Aussage "Denn der Vater ist größer als ich." bezieht sich also ausschließlich auf die menschliche Natur Christi; über den Heiligen Geist wäre eine solche Aussage (ich meine, dass der Vater größer sei als der Geist) also nicht berechtigt - oder verstehe ich etwas falsch?

Vulpius
Domum superborum demolietur Dominus.

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Niels
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Re: Vater und Sohn

Beitrag von Niels »

Vulpius Herbipolensis hat geschrieben: die Aussage "Denn der Vater ist größer als ich." bezieht sich also ausschließlich auf die menschliche Natur Christi; über den Heiligen Geist wäre eine solche Aussage (ich meine, dass der Vater größer sei als der Geist) also nicht berechtigt - oder verstehe ich etwas falsch?

Vulpius
Du verstehst alles richtig. :daumen-rauf:
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Vulpius Herbipolensis
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Re: Vater und Sohn

Beitrag von Vulpius Herbipolensis »

Danke!
Domum superborum demolietur Dominus.

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overkott
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Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Wenn ich das mittelalterliche Ökumeneproblem im Dialog zwischen Judentum und Christentum wahrnehme, gilt die Polemik der wörtlichen Lesung. Daher wirkt die Reformation als theologischer Rückschritt. Bonaventura plädiert jedoch dafür, die Bibel von vorne bis hinten zu lesen, um so den geistigen Zusammenhang von altem und neuem Testament bildlich zu verstehen. Wer von der Schöpfungsgeschichte an das Verhältnis von Gott und Mensch als Verhältnis von Vater und Sohn versteht, wie das bereits im alten Testament der Fall ist, versteht auch Johannes und Paulus. Auch der Geist der Freiheit weht schon durch die Schöpfungsgeschichte. Befreiung wird aber vor allem mit dem Auszug aus Ägypten zum theologischen Leitthema. Das gilt für die Befreiung aus Sklaverei, Knechtschaft, Frondienst, Schulden und Schuld auch im neuen Testament. Die besondere Leistung des Mittelalters liegt in der Zusammenschau von altem und neuem Testament nach dem Bild des Bernhard von Chartres der Riesen und Zwerge, das in der Christophoruslegende einen eigenen Ausdruck gefunden hat.

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overkott
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Für das Verständnis des inkarnierten Gottes ist die Berufungsgeschichte Moses maßgeblich. Gott sendet Moses, doch Moses traut sich die Sendung nicht zu, er hält sich für einen schlechten Redner. Darauf hin sagt Gott zu Moses, dass er sich an seinen Bruder Aaron wenden soll:

Ex 4,16 und er wird für dich zum Volk reden. Er wird für dich der Mund sein, und du wirst für ihn Gott sein.

Moses ist Gott im Fleisch, Gott als Mensch nicht nur gegenüber Aaron:

Ex 7,1 Der Herr sprach zu Moses: Hiermit mache ich dich für den Pharao zum Gott; dein Bruder Aaron soll dein Prophet sein.

Moses ist der charismatische Herrscher Israels. Er repräsentiert, was Jesajas von Christus sagt:

Jes 9,5 Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.

Vor allem die Jesajas-Rolle bekommt für Jesus entscheidende Bedeutung.

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overkott
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Moses ist also bereits ein Sinnbild für Christus, Israel ein Sinnbild für die Kirche:

Ex 4,22 Dann sag zum Pharao: So spricht Jahwe: Israel ist mein erstgeborener Sohn.

Röm 8,29 denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.

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Niels
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von Niels »

overkott hat geschrieben:Moses ist also bereits ein Sinnbild für Christus, Israel ein Sinnbild für die Kirche.
:ja:
Iúdica me, Deus, et discérne causam meam de gente non sancta

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overkott
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Der Gedanke der Gottesvaterschaft klingt im Buch Exodus schon an, wird aber später im Buch Deuteronomium konkreter, das an den Auszug aus Ägypten erinnert:

Dtn 1,31 Das gleiche tat er in der Wüste, du hast es selbst erlebt. Da hat der Herr, dein Gott, dich auf dem ganzen Weg, den ihr gewandert seid, getragen, wie ein Vater seinen Sohn trägt, bis ihr an diesen Ort kamt.

Später spricht Gott zu Natan, dem Weisen:

2Sam 7,5 Geh zu meinem Knecht David, und sag zu ihm, So spricht der Herr, Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?

2Sam 7,12 Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen.

2Sam 7,13 Er wird für meinen Namen ein Haus bauen, und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen.

2Sam 7,14 Ich will für ihn Vater sein, und er wird für mich Sohn sein. Wenn er sich verfehlt, werde ich ihn nach Menschenart mit Ruten und mit Schlägen züchtigen.

Von daher wundert es auch nicht, dass David selbst Gott als Vater verehrte:

Ps 89,21 Ich habe David, meinen Knecht, gefunden und ihn mit meinem heiligen Öl gesalbt.

Ps 89,27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meines Wohles.

Ps 89,28 Ich mache ihn zum erstgeborenen Sohn, zum Höchsten unter den Herrschern der Erde.

Aber auch für David ist Gott der Vater aller:

Ps 103,13 Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten.

Im Buch der Weisheit zeigt sich, dass auch die Frevler Gott als ihren Vater betrachten, was allerdings für Spott gehalten werden kann:

Weish 2,16 Als falsche Münze gelten wir ihm; von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat. Das Ende der Gerechten preist er glücklich und prahlt, Gott sei sein Vater.

Das hält der Autor jedoch für unberechtigt:

Weish 11,10 Sie hast du wie ein mahnender Vater auf die Probe gestellt, die Frevler aber wie ein strenger König gerichtet und verurteilt.

Er selbst betet zum Vater im Himmel:

Weish 14,3 Deine Vorsehung, Vater, steuert es; denn du hast auch im Meer einen Weg gebahnt und in den Wogen einen sicheren Pfad.

Der Prophet Jesaja knüpft in der Gottesverehrung als Vater zunächst an die Befreiung aus Ägypten an:

Jes 63,16 Du, Herr, bist unser Vater, Unser Erlöser von jeher wirst du genannt.

Doch dann interpretiert er ausdrücklich die Schöpfungsgeschichte als Beziehung zwischen Vater und Kindern in einem Vaterunser:

Jes 64,7 Und doch bist du, Herr, unser Vater. Wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände.

Und schließlich:

Mal 2,10 Haben wir nicht alle denselben Vater? Hat nicht der eine Gott uns alle erschaffen?

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overkott
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Der Geist hat im alten Testament viele Bedeutungen. Gott ist Geist und er gibt vor allem den Geist des Lebens, den Atem. Darüber hinaus gibt Gott gute Geister und böse Geister, Begeisterung und Depression. Und schließlich ist der Geist des Herrn der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.

Von besonderer Bedeutung für Christus aber ist:

Jes 61,1 Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung,
Jes 61,2 damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe,

Lk 4,18 Der Geist des Herrn ruht auf mir; / denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, / damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde / und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
Lk 4,19 und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

Entsprechend schreibt Paulus:

2Kor 3,17 Der Herr aber ist Geist, und wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit.

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overkott
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Dass in dieser Darstellung der Geist zunächst so knapp wegkommt, entspricht eigentlich nicht seiner thematischen Bedeutung im alten Testament. Denn es ist das Wort, das gegenüber Vater und Sohn um ein vielfaches vorkommt. Für die Bedeutungsvielfalt der geistlichen Lesung ist diese Beobachtung besonders wichtig.

Augenfällig ist das Verständnis, dass Gott Herr über Gut und Böse ist, dass ihm auch der Satan und die Dämonen gehorchen, dass er guten Geist und bösen Geist gibt, dass auch die Frevler ihn ihren Vater nennen, dass Gott segnet und flucht, lobt und tadelt, belohnt und bestraft.

Einerseits scheint uns diese Gotteslehre ein realistisches Natur- und Menschenbild zu sein.

Andererseits entspricht das nicht einer verbreiteten Gotteslehre der bedingungslosen Allbarmherzigkeit und Gnade auch für die reuelosen Sünder, für die Friedlosen mit schlechtem Willen. für die abgrundtief Bösen.

Wie also ist vor diesem Hintergrund christliche Freiheit, Gnade und Barmherzigkeit zu verstehen, wenn nicht als Angebot und als echte Wahl mit echten Konsequenzen?

Tatsächlich kann der Mensch Gott und Leben wählen oder Tod und Teufel. Deshalb besteht auch die Gefahr das Leben für immer zu gewinnen oder für immer zu verlieren.

Hat der schlechte Mensch keine Chance? Jesus öffentliches Auftreten beginnt mit einer neuen Schöpfung:

Ps 51,12 Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Ps 51,13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.

Ps 51,14 Mach mich wieder froh mit deinem Wohl; mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Ps 51,19 Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.

Ps 104,30 Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde.

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overkott
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Gott als Prinzip und Einheit von allem zu sehen, erscheint zunächst logisch und akzeptabel. Akzeptabel ist auch, ihn als Herrn über das Böse zu sehen, der Tier und Mensch verurteilt, weil ihnen das hohe Maß an Freiheit im Paradies nicht genug war und sie nach absoluter Freiheit strebten. Aber Gott als Geber von Bösem zu sehen, fällt ausgesprochen schwer. Ist die Strafe nicht schon eine böse Gabe? Das lässt sich noch mit Gerechtigkeit erklären. Aber wie steht es mit dem Leid für Gerechte? Mit seelischem Leid wie bei David? Mit körperlichem Leid wie bei Hiob? Mit dem Leiden des Gottesdieners bei Jesajas? Mit dem Kreuz Christi? Das ist die eigentliche Nagelprobe für Glauben, Vertrauen und Treue. Bleiben wir Gott treu bis in den Tod? Den Glauben an das Gute verlieren aber heißt, sich selbst zu verlieren.

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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Gott gibt das Gute und das Böse. Konsequent umfasst das alte Testament nicht nur Loblieder (vor allem der jungen Menschen), sondern auch Klagelieder (der alten und kranken Menschen):

Hiob 2,10 Er aber sprach zu ihr: Wie eine Unvernünftige redet, so redest du. Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen? Bei all dem sündigte Ijob nicht mit seinen Lippen.

Klgl 3,38 Geht nicht hervor aus des Höchsten Mund das Gute wie auch das Böse?

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overkott
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Zum Geist der Weisheit:

Weish 7,15 Mir aber gewähre Gott, nach meiner Einsicht zu sprechen und zu denken, wie die empfangenen Gaben es wert sind; denn er ist der Lehrer der Weisheit und hält die Weisen auf dem geradem Weg.

Weish 7,16 Wir und unsere Worte sind in seiner Hand, auch alle Klugheit und praktische Erfahrung.

Weish 7,17 Er verlieh mir untrügliche Kenntnis der Dinge, so dass ich den Aufbau der Welt und das Wirken der Elemente verstehe,

Weish 7,18 Anfang und Ende und Mitte der Zeiten, die Abfolge der Sonnenwenden und den Wandel der Jahreszeiten,

Weish 7,19 den Kreislauf der Jahre und die Stellung der Sterne,

Weish 7,20 die Natur der Tiere und die Wildheit der Raubtiere, die Gewalt der Geister und die Gedanken der Menschen, die Verschiedenheit der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln.

Weish 7,21 Alles Verborgene und alles Offenbare habe ich erkannt; denn es lehrte mich die Weisheit, die Meisterin aller Dinge.

Weish 7,22 In ihr ist ein Geist, gedankenvoll, heilig, einzigartig, mannigfaltig, zart, beweglich, durchdringend, unbefleckt, klar, unverletzlich, das gute liebend, scharf,

Weish 7,23 nicht zu hemmen, wohltätig, menschenfreundlich, fest, sicher, ohne Sorge, alles vermögend, alles überwachend und alle Geister durchdringend, die denkenden, reinen und feinsten.

Weish 7,24 Denn die Weisheit ist beweglicher als alle Bewegung; in ihrer Reinheit durchdringt und erfüllt sie alles.

Weish 7,25 Sie ist ein Hauch der Tugend Gottes und reiner Ausfluss der Ehre des Allmächtigen; darum fällt kein Schatten auf sie.

Weish 7,26 Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts, der ungetrübte Spiegel von Gottes Tugend, das Bild seiner Vollkommenheit.

Weish 7,27 Sie ist nur eine und vermag doch alles; ohne sich zu ändern, erneuert sie alles. Von Generation zu Generation tritt sie in heilige Seelen ein und schafft Freunde Gottes und Propheten

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overkott
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Dieser Gedanke wird ganz deutlich variiert durch Paulus in Athen:

Apg 17,24 Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.

Apg 17,25 Er lässt sich auch nicht von Menschen bedienen, als brauche er etwas: er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt.

Apg 17,26 Er hat aus einem das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt.

Apg 17,27 Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern.

Apg 17,28 Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seiner Art.

Apg 17,29 Da wir also von Gottes Art sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung.

Apg 17,30 Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, lässt jetzt den Menschen verkünden, dass überall alle umkehren sollen.

Apg 17,31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte.

Auch das Eintreten in heilige Seelen als Gottes Geist im Menschen findet sich bei Paulus in einer Variation:

1Kor 3,16 Wisst ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

1Kor 3,17 Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.

1Kor 6,19 Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?

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overkott
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Wie hat Jesus Vater, Sohn und Geist in Fortsetzung und Erfüllung des alten Testaments verstanden? Welche Traditionen setzt er fort? Welche Auswahl trifft Jesus? Welche Abweichungen verwirft er? Wo beruft er sich auf den Geist des Anfangs der Schöpfung, um ihn zu erneuern (vgl. Offb 21,5)? Wie können wir das als Liebe und Barmherzigkeit verstehen?

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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Psalm 139 verbindet Schöpferglaube mit der Allgegenwart. Das darf nicht pantheistisch missverstanden werden. Insbesondere im Hinblick auf freievangelische sollte man dieses Thema ganz sensibel behandeln.

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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

Der Papst hat gestern an Moses als Vorbild für Christus erinnert. Dabei war der Wunsch nach sichtbaren Göttern sehr wichtig. Der Papst hat damit den Zusammenhang des alten und neuen Testaments sehr ökumenisch, liebevoll und herzergreifend herausgearbeitet.

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Niels
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von Niels »

overkott hat geschrieben:Der Papst hat gestern an Moses als Vorbild für Christus erinnert. Dabei war der Wunsch nach sichtbaren Göttern sehr wichtig. Der Papst hat damit den Zusammenhang des alten und neuen Testaments sehr ökumenisch, liebevoll und herzergreifend herausgearbeitet.
:daumen-rauf:
Hier der Link: http://www.kath.net/detail.php?id=31671
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Niels
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von Niels »

Eine Betrachtung zur Trinität aus der Feder eines Ashram-Jesuiten gefällig (Achtung: passagenweise Geschwurbel-Alarm)?
http://www.christ-in-der-gegenwart.de/a ... ign=KATHDE
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ChrisCross
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von ChrisCross »

Niels hat geschrieben:Eine Betrachtung zur Trinität aus der Feder eines Ashram-Jesuiten gefällig (Achtung: passagenweise Geschwurbel-Alarm)?
http://www.christ-in-der-gegenwart.de/a ... ign=KATHDE
Pantheismus? Allerlösungslehre? Kirchenväter für den guten Schein?
Tu excitas, ut laudare te delectet, quia fecisti nos ad te et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te.
Augustinus Conf. I. 1

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overkott
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Re: Vater, Sohn und Geist im Alten Testament

Beitrag von overkott »

ChrisCross hat geschrieben:
Niels hat geschrieben:Eine Betrachtung zur Trinität aus der Feder eines Ashram-Jesuiten gefällig (Achtung: passagenweise Geschwurbel-Alarm)?
http://www.christ-in-der-gegenwart.de/a ... ign=KATHDE
Pantheismus? Allerlösungslehre? Kirchenväter für den guten Schein?
Ich glaube, dass ich Christ-in-der-Gegenwart nicht beziehen muss. Da gibt es weisheitlichere Zugänge zum Christentum, denen es in katholischer Tradition gelingt, die Synthese von Glaube und Vernunft herzustellen. "Niemand hat Gott je gesehen" ist aus der Feder des heiligen Johannes geradezu ein Satz katholischer Aufklärung. Man muss ihn im Kontext von 3Joh 1,11 lesen. Johannes wendet sich gegen naiven Empirismus einer Gottsuche per Weltraumteleskop oder Mikroskop, sondern spricht sich im Namen Jesus für das intellektuelle Sehen, das Einsehen aus und setzt sich ein für ethischen Empirismus, den Jesus durch seine wunderbaren Taten vorgelebt hat: Brotbrechen, Wundenpflegen, Tränentrocknen. Gott beweist sich jeden Tag aufs Neue, leider zu selten durch mich. Aber es gibt viele bekannte und anonyme Wundertäter, in denen uns Jesus lebendig vor Augen steht.

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