Stellvertretung

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
Gerhard
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Beitrag von Gerhard »

Schon der Hl. Johannes schrieb "Gott ist die Barmherzigkeit".
"Ad Deum, qui laetificat juventutem meam."

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overkott
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Re: Stellvertretung

Beitrag von overkott »

Peti hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:
Das Kreuz zieht alles Mitleid, alles Hoffen und alle Liebe auf sich. Der erhöhte Herr wird zum Vorbild für die Hingabe an die Menschen in seelischen und existentiellen Nöten.
In seiner Auseinandersetzung mit Hans Küng nennt Hans Urs von Balthasar das "Für uns" der Kreuzigung Jesu Christi den Kern und Organisationspunkt des Christlichen Glaubens. Dabei weist er besonders auf den unterschiedlichen Inhalt der beiden Aussagen hin:"Jesus Christus ist für uns der Gekreuzigte"und "Jesus Christus ist der für uns Gekreuzigte"
Die "Für uns" Formeln im NT gehören zu den frühesten Traditionsschichten. Schon in 1 Kor 15.3-5 ist der Gedanke der sühnenden Stellvertretung enthalten. Auch muss man um die Tiefe der Tat Jesu Christi in den Blick zu bekommen das NT ausreden lassen: Eine Reflexion die mit Paulus anhebt und mit Johannes schliesst.
Jesu Christi Leiden ist mehr als ein Vorbild für die Hingabe an die Menschen.
Wer die menschliche Wirklichkeit mit all ihren Leiden ernstnimmt, und glaubhaft von Erlösung sprechen will, dem verbietet sich jedes Ausweichen in ein magisches oder symbolisches Verständnis von Erlösung.
Wenn wir heute sagen, sühnende Stellvertretung meint befreiende Ausnahme, dann übersetzen wir ein hochzuschätzendes sprachlich-kulturelles Erbe in eine Form, die uns auch heute glauben und verstehen lässt.

Natürlich müssen wir noch sagen, warum eigentlich Ausnahme und warum eigentlich befreiend? Da müssen wir uns schon ein paar Gedanken machen um den vorausgegangenen Zusammenhang von Gesetz, Sünde und Opferpraxis. Wer unter dieser Sünden- und Opferlehre nicht gelitten hat, wird die Befreiung nicht verstehen. Wer sich jedoch von der Gotteslehre Jesu befreit und sich durch ihn mit Gott versöhnt fühlt, der wird in ihm Christus als den erwarteten Gesandten Gottes sehen. In diesem Sinn ist er "für uns" gestorben und "in uns" auferstanden.

Wir dürfen natürlich weiterhin sühnende Stellvertretung sagen, aber wir dürfen dann nicht unbedingt erwarten, verstanden zu werden.

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