Die Dekadenz der Gesellschaft

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Ewald Mrnka
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Beitrag von Ewald Mrnka »

Tacitus hat geschrieben:Stimmt, Kai, jetzt wo Du's sagst. Aber er hat wahrscheinlich bei Benedetto die Art der Verehrung gemeint und nicht den guten Papst, den wir zur Zeit haben.
Ich muss mich allerdings wundern: Weshalb taucht in dieser Reihe eigentlich Luther nicht auf, Ewald? Vermutlich hast Du ihn einfach nur vergessen, hm?
Lieber Tacitus, ich habe einfach ein paar Größen willkürlich herausgegriffen; ich unterstelle jedem, daß er es "GUTMEINT".

Luther finde ich übrigens sympathischer und positiver als z.B. Eminenz Karl Lehmann.

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Ewald Mrnka
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Beitrag von Ewald Mrnka »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Ewald hat geschrieben:Ein Glück und ein Trost, daß ich nicht mehr jung bin.
»Trost« … Je nun, ich schau’ auf meine Kinder und frage mich, wie ich sie rüsten kann.
Deine Kinder wachsen in die neue Welt hinein und sie werden mit Gottes Hilfe ihren Weg gehen. Jede neue Generation ist für ihre Zeit gerüstet.

Ich dagegen gehöre einer untergehenden Welt an. Mit der Moderne komme ich nicht mehr zurecht; ich will mich auch nicht mehr anpassen - daher bin ich froh, daß ich still und zurückgezogen leben kann.

Uwe Schmidt
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Beitrag von Uwe Schmidt »

Edi hat geschrieben:
Tacitus hat geschrieben:Natürlich war das Max Weber, der von der protestantischen Arbeitsethik gesprochen hat. Er hat dies zurückgeführt auf den so genannten syllogismus practicus. Nach Calvins Lehre sind die Menschen für das Heil oder für die Verdammnis vorherbestimmt. Diese doppelte Prädestinationslehre (gemina prädestinatio) führte zu der bangen Frage des Einzelnen: Wie kann ich mir dessen gewiss werden, dass ich zum Heil vorherbestimmt bin? Calvin begegnete dieser Frage mit der Behauptung: Wer im irdischen Leben von Gott gesegnet wird, kann sich seiner Vorherbestimmung zum Heil gewiss sein. Der Segen Gottes und damit der Rückschluss auf die Erwählung zeigt sich am augenfälligsten in materiellem Wohlergehen (daher syllogismus practicus). Deshalb das Bestreben der Gläubigen, durch Arbeit und wirtschaftlichen Erfolg sich des eigenen Erwähltseins gewiss zu werden.

Hinzu kam Calvins Abneigung gegen Müßiggang, Glücksspiel, Tand, Verschwendung, Schulden ... Dies führte dazu, dass Genf bereits in den Jahren des hässlichen calvinschen Regiments zu wirtschaftlicher Blüte kam.
Wieder etwas Neues erfahren. Ist das etwa auch der Hintergrund dafür, dass besonders in freikirchlich-charismatischen Kreisen immer mal wieder das Wohlstandsevangelium gepredigt wird? Oder ist das eine neue Schiene? Das Wohlstandsev. bedeutet, dass der gläubige Mensch von Gott auch materiell so gesegnet werden soll, dass er im Wohlstand leben kann. Umgekehrt kann das dann u.U. heissen, dass jemand vor Gott nicht richtig steht, wenn er keinen Wohlstand hat. Die Wohlstandsprediger haben es ja alle mit Hilfe des Zehnten oder der "hundertfachen Segnung" zu mehr als nur Wohlstand gebracht.



Das ist eben Altes Testament (das Protestanten viel mehr lesen als wir). Dort wird doch z.B. auch in den Psalmen gesagt, dass Gott den Seinen "Leben in Fülle" und Wohlergehen schenken wird (als die Juden noch nicht an die Auferstehung glaubten, war das ja sehr wichtig). Auch im Islam gibt es jetzt einen ägyptischen Prediger, der einen "Wohlstands-Islam" predigt, und zwar mit durchschlagendem Erfolg (der Koran gibt eine solche Sichtweise jedenfalls her: Allah segnet die Seinen, auch mit Gütern).

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Pit
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Beitrag von Pit »

Wieso war die Bartholomäusnacht ein Akt der Notwehr ?
Oder meinst Du Notwehr seitens der hugenottischen Familien, die sich wehrten, weil sie verständlicherweise etwas dagegen hatten, dem Verfolgungswahn ihrer Gegner zum Opfer zu fallen?

Gruß, Pit
Ewald Mrnka hat geschrieben:
Tacitus hat geschrieben:
Ewald Mrnka hat geschrieben:War das rigide Regiment in Genf wirklich häßlich?
Lieber Ewald, Du bist mir zu sehr ans Herz gewachsen als dass ich Dir wünschen würde, Du hättest unter Calvins Regiment leben sollen. Es wäre jemandem mit Deiner Ansicht nicht gut gegangen.
Und über Antitritinitarier verhängte er Todesstrafe, so musste Michael Servetus 1553 in Genf sterben. Calvin hatte neben theologischer also auch kriminelle Energie!
Ich kenne die Geschichten. Das ganze sechzehnte Jahrhundert war recht interessant. Die Hugenotten in Frankreich verfolgten die Katholiken und umgekehrt. Die Bartholomäusnacht war weitgehend ein Akt der Notwehr; die Katholiken kamen den Protestanten zuvor. Die Reformation hatte fast in ganz Europa die Büchse der Pandora geöffnet. Aber die Reformation war notwendig und im Heilsplan ist sie zweifellos vorgesehen.

Jede Zeit hat ihre Gefahren ihr Elend, ihren Glanz und ihre Hoffnung. Calvin war gewiß ein recht fanatischer und düsterer Mensch - aber was ich über Stalin gehört habe, finde ich noch verabscheuungswürdiger - und was ich heraufziehen sehe, das ist noch schrecklicher. Ein Glück und ein Trost, daß ich nicht mehr jung bin.
carpe diem - Nutze den Tag !

Tacitus
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Beitrag von Tacitus »

Ewald Mrnka hat geschrieben:Die Bartholomäusnacht war weitgehend ein Akt der Notwehr; die Katholiken kamen den Protestanten zuvor.
Carpe noctem!

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Pit
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Beitrag von Pit »

Hallo Tacitus,

da ich leider - oder zum Glück ;-) - keine altsprachliche Schulbildung genossen habe, habe ich eine Frage:
Was bedeutet "carpe noctem" für Nichtlateiner?

Gruß, Pit
Tacitus hat geschrieben:
Ewald Mrnka hat geschrieben:Die Bartholomäusnacht war weitgehend ein Akt der Notwehr; die Katholiken kamen den Protestanten zuvor.
Carpe noctem!
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Tacitus
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Beitrag von Tacitus »

Das Gegenteil von Deinem Sinnsprüchlein am Ende Deiner Beiträge:
Pflücke (nutze) die Nacht!
Pit hat geschrieben:da ich leider - oder zum Glück ;-) - keine altsprachliche Schulbildung genossen habe ...
Leider, lieber Pit, leider. Gibt es eigentlich ein Leben ohne die alten Sprachen, v.a. ohne das geliebte Latein?

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Pit
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Beitrag von Pit »

Hallo Tacitus,

nun, was die lateinische Sprache betrifft, hast Du zweifellos recht. Ein nicht gerade geringer Teil unserer Sprache hat ihren Ursprung im Latein, dem Griechisch oder - nicht zu vergessen - dem Hebräischen. Und heutzutage bedauere ich es so manches mal, keine Möglichkeit gehabt zu haben, Latein zu lernen. Übrigens gibt es zwei Sprachen, die ich sehr gerne lernen würde: Hebräisch und Arabisch. Es muss faszinierend sein, die Hl. Schriften im Original lesen zu können, einschließlich des Wortwitzes, der sich oftmals in einer noch so gelungenen Übertragung nicht gänzlich erschließen läßt.

Aber nun zum Thema zurück:
Wie stehst Du zur Bartholomäusnacht, bzw. den Geschehen in den Tagen darauf ?
Es ist doch interessant, daß diese schreckliche Nacht in Frankreich immernoch als "Nacht der langen Messer" bekannt ist, und damit sind nicht die Messer der Hugenotten gemeint.

Gruß, Pit

P.S:
Nicht selten trage ich - wie momentan - ein kleines Lederband mit dem "Taizekreuz" und einem kleinen "Hugenottenkreuz" am Hals. Gibt es den noch Zeichen - vom Kreuz ansich und dem Fisch mal abgesehen -, die deutlicher die Grundaussagen christlichen Glaubens ausdrücken als das Hugenottenkreuz?
carpe diem - Nutze den Tag !

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Ewald Mrnka
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Beitrag von Ewald Mrnka »

Tacitus hat geschrieben:
Ewald Mrnka hat geschrieben:Die Bartholomäusnacht war weitgehend ein Akt der Notwehr; die Katholiken kamen den Protestanten zuvor.
Carpe noctem!
:D

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Es tut mir leid, daß du so schlecht informiert bist, Pelikan.
Pelikan hat geschrieben:Was ich kritisiere, sind deine schwachen Argumente, denn wenn du durch irreführende Behauptungen Wohlmeinende zum Widerspruch reizt, nimmt dein gutes Ansinnen Schaden. Ich habe das in den Debatten um die Euthanasie von Terri Schiavo gemerkt. Diejenigen, die absichtlich die Beweise über ihren Bewußtseinszustand manipulierten, um Mitleid zu erwecken, haben den eigentlichen, stichhaltigen Argumenten gegen ihre Tötung nur geschadet.
Woher nimmst du diese Behauptung oder besser Unterstellung? – Such mal im Internet nach den Videosequenzen aus Terri Schiavos Krankenzimmer. Oder nach Salvatore Crisafulli. Was Theresa Schiavos Videosequenzen nahelegen, ist im Fall Crisafulli beiesen. Daß nämlich solche Komapatienten bewußt wahrnehmen können. Wobei es, wie ich oben bereits ausführte, auf das aktuale Bewußtsein keineswegs ankommt. Dennoch zeigen diese Fälle die Methoden und Ziele der Euthanasiebefürworter.
Pelikan hat geschrieben:Wenn du also behauptest, die Unumkehrbarkeit eines diagnostizierten Hirntodes sei nicht wissenschaftlich erwiesen, oder ein Hirntoter sei noch fähig, sich zu bewegen, oder es gebe keinen grundlegenden Unterschied zwischen Hirntod und Wachkoma, lieferst du deinen Gegnern völlig unnötige Angriffsflächen. All deine Anliegen könntest du umso besser verteidigen, wenn du zugäbest, was offen auf der Hand liegt: Daß der Hirntod die koordinierende und integrative Kapazität des Organismus unumstößlich auflöst.
Daß es keine Unterschiede zwischen „Hirntod“ und Wachkoma bestünden, habe ich nicht behauptet. Der Unterschied ist ja definiert: je nach dem, ob man Hirnströme noch messen kann oder nicht. Gleichwohl ist meine Beschreibung gewisser Phänomene bei „Hirntoten“ korrekt. Sie schwitzen oder frieren, ja sie können sogar Tränen weinen. Sie zeigen nicht nur leichte Bewegungen oder Zuckungen, sie können schlagen oder treten, sich aufrichten oder eine Person, die sich ihnen nähert, umarmen.

Frag doch mal Ärzte oder Pfleger von „Hirntoten“. Nicht umsonst narkotisiert man „Hirntote“, bevor man sie ausweidet. Sie würden sich sonst heftig wehren. Sie werden auch beamtet, bis das Herz tiefgekühlt den Dienst aufgibt. Von all dem hat der normale „freiwillige“ „Organspender“ jedoch keine Ahnung. Das ist nicht Teil der Propaganda, darüber aufzuklären.
Congregatio pro doctrina fidei hat geschrieben:
RESPONSA AD QUAESTIONES
AB EPISCOPALI CONFERENTIA FOEDERATORUM AMERICAE STATUUM
PROPOSITAS CIRCA CIBUM ET POTUM ARTIFICIALITER PRAEBENDA

1. Quaeritur: Estne moralis obligatio subministrandi cibum et potum – sive naturali sive artificiosa ratione – aegroto qui versatur in "statu vegetativo", excepto casu quo haec alimenta a corpore aegroti recepi nequeant seu solummodo cum gravi molestia physica ministrari possunt?

Respondetur affermative; quandoquidem cibi potusque subministratio, artificiali etiam methodo peracta, in linea principii, servandae vitae medium ordinarium et proportionatum evadit. Quapropter eiusdem procurandae moralis viget obligatio, quatenus consequi comprobetur finem suum proprium, nempe nutritionem et imbibitionem aegroti; qua quidem subministratione dolores et mors inanitionis et dysydrationis causa vitantur.

2. Quaeritur: Si cibus et potus methodis artificialibus aegroto in "statu vegetativo permanente" versanti procurantur, possunt cessare erogari ex idoneorum medicorum sententia, vi certitudinis moralis praedita, secundum quam aegrotus numquam conscientiam suam recuperaturum esse censetur?

Respondetur negative; etenim aegrotus in "statu vegetativo permanente" versans semper persona est, dignitate humana nullatenus destituta, cui ex hac ipsa ratione curae ordinariae et proportionatae debentur; inter quas, in linea principii, subministratio cibi et potus, etiam methodo artificiali obtinenda, connumeranda est.

* * *

Summus Pontifex Benedictus XVI, in Audientia infrascripto Cardinali Praefecto concessa, haec responsa in Sessione Ordinaria huius Congregationis deliberata, adprobavit et publici iuris fieri iussit.

Datum Romae, ex Aedibus Congregationis pro Doctrina Fidei, die I mensis Augusti anno MMVII.

Gulielmus Cardinalis Levada
Praefectus

Angelus Amato, S.D.B.
Archiepiscopus tit. Silensis
Secretarius


KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE
ANTWORTEN AUF FRAGEN
DER BISCHOFSKONFERENZ DER VEREINIGTEN STAATEN
BEZÜGLICH DER KÜNSTLICHEN ERNÄHRUNG UND WASSERVERSORGUNG

1. Frage: Ist die Ernährung und Wasserversorgung (ob auf natürlichen oder künstlichen Wegen) eines Patienten im „vegetativen Zustand" moralisch verpflichtend, außer wenn Nahrung und Wasser vom Körper des Patienten nicht mehr aufgenommen oder ihm nicht verabreicht werden können, ohne erhebliches physisches Unbehagen zu verursachen?

Antwort: Ja. Die Verabreichung von Nahrung und Wasser, auch auf künstlichen Wegen, ist prinzipiell ein gewöhnliches und verhältnismäßiges Mittel der Lebenserhaltung. Sie ist darum verpflichtend in dem Maß, in dem und solange sie nachweislich ihre eigene Zielsetzung erreicht, die in der Wasser- und Nahrungsversorgung des Patienten besteht. Auf diese Weise werden Leiden und Tod durch Verhungern und Verdursten verhindert.

2. Frage: Falls ein Patient im "anhaltenden vegetativen Zustand" auf künstlichen Wegen mit Nahrung und Wasser versorgt wird, kann deren Verabreichung abgebrochen werden, wenn kompetente Ärzte mit moralischer Gewissheit erklären, dass der Patient das Bewusstsein nie mehr wiedererlangen wird?

Antwort: Nein. Ein Patient im "anhaltenden vegetativen Zustand" ist eine Person mit einer grundlegenden menschlichen Würde, der man deshalb die gewöhnliche und verhältnismäßige Pflege schuldet, welche prinzipiell die Verabreichung von Wasser und Nahrung, auch auf künstlichen Wegen, einschließt.

* * *

Papst Benedikt XVI. hat in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten gewährten Audienz die vorliegenden Antworten, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden sind, gutgeheißen und deren Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 1. August 2007.

William Kardinal Levada
Präfekt

Angelo Amato, S.D.B.
Titularerzbischof von Sila
Sekretär
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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