Nach-Denken ? Vor-Denken?

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
HeGe
Moderator
Beiträge: 15079
Registriert: Montag 6. Oktober 2003, 18:56

Beitrag von HeGe »

Linus hat geschrieben:Mir scheint hier ein grober Denkfehler vorzuliegen, in bezug auf die zehn Gebote.

Gott ist die Liebe, er will uns also Gutes. Das nur vorausgeschickt. Daher denke ich muss man vor die Gebote immer ein

"Weil Gott gut ist, und mein Heil will" setzen.

Das hat zwar mit Erfahrungswissen zu tun, aber die Israeliten hatten das ja - Er hat sie schließlich schon aus Ägypten herausgeführt.
Eben. Genau deiner Meinung. Aber das schließt ja den befehlenden Charakter nicht aus. Mir scheint hier haben einige Leute irgendeine Paranoia vor dem Begriff "Befehl" und assoziieren ihn nur mit Negativem. Ein Befehl kann auch überwiegend oder sogar nur Positives haben. So bspw. wenn der Vorgesetzte seinem schießwütigen Soldaten befiehlt, jemanden nicht zu erschießen. Oder wenn mir ein Gesetz wie das StGB befiehlt, niemanden zu ermorden oder zu bestehlen. Genauso ist es doch mit den 10 Geboten.
Pit hat geschrieben:Wäre es nicht sogar fatal, die 10 Gebote nur als eine Art "Befehl" aufzufassen, im Sinne von: Wenn ich Gebote nicht befolge, werde ich bestraft, also befolge ich sie lieber. ?
Wenn ein Mensch so denkt und handelt, wird er dann nicht zur Marionette ?
Wenn ich jedoch glaube, daß mich liebt, daß für meine Sünde(n) am Kreuz gestorben ist und ich "nur" dieses "Angebot" der Versöhnung im Glauben annehmen brauche, dann handel ich nach den Prinzipien der 10 Gebote, weil ich auch liebe.
Wenn ein Kind nru nicht auf die heisse Herdplatte fasst, weil es verboten ist, ist die Sache zweifelhaft. Wenn es aber nicht auf die Herdplatte fasst, weil es überzeugt ist, daß der Vater das Beste für sein Kind möchte, hat das Handeln des Kindes mit Vertrauen und Liebe zu tun.
Pit, da sind wir einer Meinung. Natürlich ist es immer besser, einen Befehl auch deshalb zu befolgen, weil ich ihn gut finde und auch unterstütze. Ich halte bspw. das Sonntagsgebot auch nicht ein, weil ich Angst vor Sanktionen hätte, sondern weil ich Sonntags gerne in die Kirche gehe.

Aber manchmal muss ich eben auch Sachen machen, die mich nicht so begeistern.
- Nutzer nicht regelmäßig aktiv. -

HeGe
Moderator
Beiträge: 15079
Registriert: Montag 6. Oktober 2003, 18:56

Beitrag von HeGe »

Und das noch als Nachtrag, um nochmal auf meine Eingangsaussage zurückzukommen:

Genau daher lasse ich mir von Gott gerne Befehle erteilen. Weil ich weiß, dass er nur mein Bestes im Sinn hat.
- Nutzer nicht regelmäßig aktiv. -

Benutzeravatar
Elisabethgzb
Beiträge: 359
Registriert: Montag 9. Januar 2006, 21:53
Wohnort: Fichtelgebirge / Bistum Regensburg / AUSLANDS-NRW-KATHOLIK
Kontaktdaten:

Beitrag von Elisabethgzb »

Pit hat geschrieben: Wenn ein Kind nru nicht auf die heisse Herdplatte fasst, weil es verboten ist, ist die Sache zweifelhaft. Wenn es aber nicht auf die Herdplatte fasst, weil es überzeugt ist, daß der Vater das Beste für sein Kind möchte, hat das Handeln des Kindes mit Vertrauen und Liebe zu tun.
Nur das ein Kleinkind das nicht versteht, warum es nicht auf die heisse Herdplatte fassen soll. Es list nun mal fast ein Bestandteil der Kleinkindentwicklung das kleine Kinder auf die Herplatte fassen.
Vermutlich gibt es mehr Kleinkinder die auf die heisse Herdplatte fassen als umgekehrt.

Wieso Angst vor dem Begriff Befehl!
Wer nicht Befehlen in seinem Leben ausgesetzt war von frühester Kindheit an, der hat andere Empfindungen als beispielsweise aus Befehlsempfängerfamilien stammt, wie z. die Angehörgen von Polizisten, Soldaten und was es sonst noch so an Beispielen geben kann.
Und so etwas prägt dann auch im späteren eigenen Erwachsenenleben! Das soll jetzt net in irgendeinerweise (keinster) Art und Weise abwertend oder diskriminierend angemerkt sein.

Gruss,
Elisabeth

Benutzeravatar
pierre10
cum angelis psallat Domino
Beiträge: 2297
Registriert: Sonntag 4. September 2005, 06:23

Beitrag von pierre10 »

Herdplatte, erinnert mich an eine Geschichte mit meiner jüngsten Tochter. Sie war 3 Jahre alt (es ist jetzt fast 46 Jahre her) und fasziniert von allem was brannte.

Da sagte ich eines Tages zu ihr: Du bist jetzt groß genug, ich zeige Dir, wie man ein Streichholz anzündet. Ich nahm die Steichholzschachtel, und einen Teller. Es wurde von mir angezündet, ich gab es der Kleinen zwischen die Finger und erklärte ihr, dass die Flamme heiß sei, was sie nicht verstand. Dann kam die Flamme an den Finger, mit einem Aufschrei ließ sie das Streichholz auf den Teller fallen und hat jahrelang kein Streichholz mehr angefasst.

Brutaler Vater, meinte meine Frau, aber.........
Passt ganz gut zum Thema Vordenken.

Pierre,
Grenzen im Kopf sind sehr hinderlich

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema