Marion hat geschrieben:Raphael hat geschrieben:cantus planus hat geschrieben:Aber das heißt ja nun auch nicht, dass damit die darin verurteilten Irrtümer als rechtens anerkannt würden. (Auch, wenn man in der Praxis seitdem durchaus den Eindruck gewinnen kann.

)
Der Punkt ist, daß sempre hier auf einen Eid, den die Priester der katholische Kirche bei (bzw. vor) ihrer Weihe abzulegen hatten, ein Dogma macht. Mithin verwechselt er disziplinäre Angelegenheiten mit hochoffiziellen dogmatischen Festlegungen.
Weißt du was du hier machst?
Du bezichtigst die Kirche einer suuuuper schweren Sünde.
Sie hätte alle unsere Hirten erfolgreich zum Eid auf eine Irrlehre aufgefordert. (der gute Zweck (Disziplin nennst du), heiligt nicht das Mittel!)
Das solltest du wahrhaft gut begründen

Nur um das klarzustellen: Selbstverständlich bezichtige ich die Kirche keiner suuuuper schweren Sünde!
Die Leistung des Antimodernisteneides war eine disziplinäre Angelegenheit; und sie wäre es auch heute noch, wenn denn der Antimodernisteneid heute noch zu leisten wäre.
Im Antimodernisteneid beeiden die Eidleistenden geltende Lehre der Kirche. Sie werden also nicht verpflichtet, einen Meineid zu leisten. Die Leistung des Eidleistenden ist von daher kein ungebührlichen Ansinnen, welches von der Kirche an die Eidleistenden herangetragen wurde.
Nichtsdestoweniger gibt es noch einen Dissens hinsichtlich des Verbindlichkeitsgrades dessen, was im Antimodernisteneid beschworen wird.
Die Ausführungen von Gamaliel haben insofern Klärung erbracht, als daß die Kirche tatsächlich lehrt, die Beweisbarkeit Gottes sei beim Menschen ein Vermögen des "natürlichen Lichts der Vernunft". Was noch offen bleibt, ist die Frage, ob man denn als Katholik glauben
muß, Gott ist beweisbar oder ob man seine Taufgnade verliert, wenn man Gott für nicht beweisbar hält.
Insgesamt betrachtet bieten sich die folgenden netten Alternativen:
1. Man ist dumm, weil man als Individuum das "natürliche Licht der Vernunft" nicht nutzen kann oder nicht nutzt, um Gott zu beweisen.
2. Man ist ungläubig, weil man als Individuum mit der von der Kirche als verbindlich vorgelegten Lehre nicht übereinstimmt.
3. Beides trifft zu.
Für interessant halte ich den Hinweis von Gamaliel auf Hebräer 11, 6:
Ohne Glauben aber ist es unmöglich, (Gott) zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn geben wird.
Somit wird hier die Wahrnehmung der Existenz Gottes in die Erkenntnisordnung des Glaubens (
Fides) verwiesen und nicht etwa in die der Vernunft (
Ratio).
Dagegen sagt Römer 1, 20 ganz klar:
Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. ............
Mithin
Ratio!
Allerdings wird in beiden Textpassagen "nur" von der Existenz Gottes gesprochen, nicht jedoch von seiner Beweisbarkeit.
Alles hängt also von dem Verbindlichkeitsgrad
fidei proxima ab ................