Bibelübersetzungen/-ausgaben

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Benedikt
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Benedikt » Donnerstag 6. Februar 2020, 10:02

Stefan hat geschrieben:
Freitag 20. Dezember 2019, 18:38
Die iPieta App ist vielversprechend, in Verbindung mit der Stundenbuch App ist man gut gerüstet im Alltag und unterwegs.

Mir ist wichtig, dass ich die App ohne Anmeldung nutzen kann. Die bibel.de App ist daher ok, die bibel eü ist auch ok.
Wenn es jetzt noch eine App hätte, die
a) einen schönen Schlachtertext offline hat (meinetwegen auch alt)
b) eine Kommentierung bei Bedarf bereitstellt, wäre es my personal dream.

Danke schon mal für die Tipps, ich schaue mir alles nochmal genau an, bisher habe ich noch keine App.

Ich finde weitere Sakro-Apps auch interessant. Gibts dazu schon einen Sammelfaden?
Die Stundenbuch-App ist seit dem Update letztes Jahr für mich leider fast unbenutzbar. Das Schriftbild und das Farbschema (Ocker-Grasgrün) sind unerträglich. Ich bin daher wieder auf die Bücher umgestiegen.

Zur Schriftlesung nutze ich aktuell (neues Jahr - neue Vorsätze) den Telegram-Kanal von kath.net. Da bekommt man täglich das Tagesevangelium zugeschickt. Die App vom Bibelwerk nutze ich nicht, da die neue Einheitsübersetzung nirgendwo verwendet wird und ich nach Möglichkeit einen Bibeltext verinnerlichen und im Kopf nicht ständig zwischen Varianten hin- und herspringen will.

Über eine Online-Ausgabe einer traditionellen katholischen Übersetzung würde ich mich natürlich trotzdem freuen, einfach, um mal einen Vergleich zu haben.
"Kommt ihm der Staatsumwälzer nicht wie Sisyphus vor? Die Last wird nie oben bleiben, wenn nicht eine Anziehung gegen den Himmel sie auf der Höhe schwebend erhält." - Novalis: Europa

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birnbaum
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von birnbaum » Donnerstag 6. Februar 2020, 19:42

Danke, Ralf!
Lieb von Dir, daß Du nachgeschaut hast!
Also weder von Berger noch von den OD– Kommentatoren etwas Wesentliches zum Begriff.
Es gibt Texte, die über lange Zeiten ein völliges Schattendasein führen. Man achtet mehr auf das, was NICHT gehen darf / sollte, wohingegen Lizensiertes oft unter "ferner liegen" eingeordnet wird... Schade!

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Bruder Donald
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Bruder Donald » Dienstag 11. Februar 2020, 19:19

Könnt ihr die "The Ignatius Bible. RSV, 2CE" empfehlen? Falls Erfahrung vorhanden ist.

Bzw. Könnt ihr auch was zur Studienbibel (NT) "Ignatius Catholic Study New Testament-RSV" sagen? In manchen Foren wird sie neben der "Navarre Bible" empfohlen.

Wobei ich eine grundsätzliche Frage zu englischen katholischen Bibeln habe: Wenn ich richtig verstanden habe, gehen die Übersetzungen auf die King-James-Bibel(-Version). Hat diese aber nicht einen protestantischen Kanon, also ohne "Apokryphen"? Wenn ja, woher kommen dann die katholischen Übersetzungen dieser Bücher?
Prüft alles und behaltet das Gute! (1. Thess 5,21)

Ralf
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Ralf » Dienstag 11. Februar 2020, 19:50

Die RSV hat mit der KJV nichts zu tun. Ganz andere Übersetzung.
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Protasius » Dienstag 11. Februar 2020, 19:57

Bruder Donald hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 19:19
Könnt ihr die "The Ignatius Bible. RSV, 2CE" empfehlen? Falls Erfahrung vorhanden ist.

Bzw. Könnt ihr auch was zur Studienbibel (NT) "Ignatius Catholic Study New Testament-RSV" sagen? In manchen Foren wird sie neben der "Navarre Bible" empfohlen.

Wobei ich eine grundsätzliche Frage zu englischen katholischen Bibeln habe: Wenn ich richtig verstanden habe, gehen die Übersetzungen auf die King-James-Bibel(-Version). Hat diese aber nicht einen protestantischen Kanon, also ohne "Apokryphen"? Wenn ja, woher kommen dann die katholischen Übersetzungen dieser Bücher?
Katholische englische Bibeln, die in frühneuenglisch abgefaßt sind, sind üblicherweise die in Frankreich entstandene Douay-Rheims-Übersetzung auf der Basis der Vulgata. Im Seminar von Douai wurden katholische Priester für England ausgebildet; meistens haben sie nach der Ankunft in England nicht allzulange ihren Dienst versehen können, da Katholizismus im England des 16. Jahrhundert als Hochverrat gewertet wurde. In Rheims wurden diese Bibeln gedruckt, mit einem sehr ausführlichen polemischen und patristischen Kommentar. Mit einem anderen Kommentar aus dem 18. Jahrhundert ist sie auch als Haydock-Bibel bekannt.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von birnbaum » Mittwoch 12. Februar 2020, 10:42

Zu Protasius´ Ausführungen zur Douai– Rheims Übersetzung ist kaum etwas hinzuzufügen.
Die Authorized King James Version von 1611 bzw. deren letzte "offizielle" Revision von 1769 (durch Benjamin Blaney) und die heute nur noch von Traditionalisten gebrauchte D–R verhalten sich zueinander etwa wie die Allioli Bibel zur Luther– Übersetzung.

Gegen die Einwände von King James und der Puritaner entschied der Anglikanische Erzbischof Richard Bankroft, daß der Authorized Version (wie sie in England offiziell heißt) die Apokryphen hinzuzufügen seien. Dadurch, daß sie als nicht inspiriert angesehen wurden, ist die Übersetzung (aus der LXX) beträchtlich freier und weniger konkordant als die der kanonischen Texte. Wie bei Luther, wurden die Apokryphen ursprünglich zwischen AT und NT eingefügt, jedenfalls in den meisten Ausgaben. Das änderte sich um die Wende zum 19. Jahrhundert. Nun konnte man die Apos (meist nur) noch als Separatband erwerben.
Heute gibts die AV im 1611er "Original" mit und ohne Apos zu kaufen. Die neueste Version heißt
»New Cambridge Paragraph Bible / with the Apocrypha« oder eben ohne sie, herausgegeben von David Norton (2005, 2011); darin ist der ursprüngliche Text von 1611 wiedergegeben. Aber die Apos kann man in Dutzenden Versionen auch separat erwerben.
Auch die erste grundlegende Revision der AV, die 1881 bzw. 1885 erschienene (English) Revised Version (RV) war ebenfalls mit und ohne Apos zu bekommen. Das NT der RV ist allerdings nicht mehr nach dem Mehrheitstext "Textus receptus", sondern nach dem kritischen von Westcott & Hort übersetzt.

P.S.: Ich habe eine etwa 100 Jahre alte AV / KJV (Textstand 1769) zu verschenken, gegen Erstattung der Portokosten. Zustand "3", mit Ledereinband. Allerdings sind einige Lagen in den Psalmen falsch eingebunden; sonst ist sie komplett. Außerdem einige andere Bibelausgaben, meist ältere katholische.

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Vinzenz Ferrer
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Re: Bibelübersetzungen/-ausgaben

Beitrag von Vinzenz Ferrer » Mittwoch 12. Februar 2020, 11:45

Protasius hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 19:57
In Rheims wurden diese Bibeln gedruckt, mit einem sehr ausführlichen polemischen und patristischen Kommentar. Mit einem anderen Kommentar aus dem 18. Jahrhundert ist sie auch als Haydock-Bibel bekannt.
Hochinteressant! Weißt du, woher dieser Doppelansatz herrührt? War das ein missionarischer Ansatz?
Glaube heißt Widerstand gegen die Schwerkraft. (Benedikt XVI.)

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