Danke schon einmal für diesen Hinweis! An die cat. aur. hatte ich natürlich auch gedacht, ich dachte allerdings, es gäbe vielleicht eine Behandlung dieses Themas im Zusammenhang.
Das bietet die cat. aur. zu Mk 7,36 (ich numeriere die Zitate mal):
1. Hieronymus: Per quod non in virtutibus gloriandum esse docuit; sed in cruce et humiliatione. 2. Chrysostomus: Praecepit etiam miraculum occultare, ne ante tempus accenderet Iudaeos ad homicidium per invidiam perpetrandum. 3. Hieronymus: Civitas autem in monte posita, undique circumspecta abscondi non potest, et humilitas semper praecedit gloriam; unde sequitur quanto autem eis praecipiebat, tanto magis plus praedicabant. 4. Theophylactus: Docemur autem ex hoc cum alicui beneficia elargimur, minime applausus, et laudes petere; cum vero accepimus beneficia, benefactores praedicare et laudare, quamvis nolint. 5. Augustinus de Cons. Evang: Si autem sciebat eos (sicut ille qui notas habebat et praesentes et futuras hominum voluntates) tanto magis praedicaturos, quanto magis ne praedicarent eis praecipiebat; ut quid hoc praecipiebat, nisi pigris volebat ostendere quanto gaudiosius, quanto ferventius eum praedicare debeant, quibus iubet ut praedicent, quando illi qui prohibebantur, tacere non poterant?
Die Punkte 1 und 4 sind ja die offensichtlichsten: das Beispiel der Demut, daß wir uns unserer guten Taten nicht rühmen sollen.
Was ich mich hauptsächlich gefragt hatte war, daß doch die Wunder des Herrn unseren Glauben stärken sollen. Das kann ja aber nicht geschehen, wenn darüber nicht gesprochen wird. Diesen Punkt greift Chrysostomus in Nr. 2 auf, indem er sagt, der Herr wollte vermeiden, daß die Juden vor der Zeit dazu gereizt würden, ihn umzubringen. Danach scheint alles wieder auf die Stunde der Erlösung zuzulaufen; der Hauptgrund wäre demnach meinem Verständnis nach "meine Stunde ist noch nicht gekommen".
Meine Frage nach dem Vorauswissen um die Verletzung des Gebots beantwortet Augustinus in Nr. 5 damit, der Heiland habe dadurch den Faulen zeigen wollen, um wieviel freudiger und eifriger die ihn verkündigen müssen, denen das aufgetragen ist, wenn schon die, denen es verboten war, nicht schweigen konnten. Das ist natürlich eine Erklärung. Sie ist aber für meine Begriffe nicht erschöpfend. Insbesondere verträgt sie sich ja eigentlich schlecht mit dem vorigen Punkt, daß die Stunde noch nicht gekommen war. Es bleibt also erst einmal die Spannung ziwschen den Umständen, daß der Herr einerseits wirklich wollte, daß sein Schweigegebot befolgt werde, und andererseits wußte, daß es nicht befolgt werden würde.