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Tierhaltung, Vegetarismus und Ethik

Verfasst: Samstag 17. Juli 2004, 23:31
von platon
anselm hat geschrieben:wie z.b. der Einschränkung von Tierexperimenten und von Massentierhaltung.
Lieber Anselm,

es versteht sich von selbst, daß Tierquälerei nicht in Ordnung ist, und es verstößt auch gegen den göttlichen Willen, da Tiere nicht dazu da sind, gequält zu werden. Tiere essen ist aber eine andere Sache, und solange die Spezie nicht vom Aussterben bedroht ist, und solange dies dem Menschen nicht schadet, finde ich, darf man sie möglichst kurz und schmerzlos töten, um sie zu essen.

Die Tiere auf die gleiche Stufe wie die Menschen zu stellen, hieße aber, Du müßtest jeden Verbrecher liquidieren, der im Begriff ist, ein Tier zu töten. Davon aber kann keine Rede sein.

Kopfschüttelnde Grüße,

Carlos

Verfasst: Samstag 17. Juli 2004, 23:37
von Lucia
platon hat geschrieben: Die Tiere auf die gleiche Stufe wie die Menschen zu stellen, hieße aber, Du müßtest jeden Verbrecher liquidieren, der im Begriff ist, ein Tier zu töten. Davon aber kann keine Rede sein.
Na,na,na, nu übetrtreibst Du aber maßlos.

"im Begriff sein" heißt: die Tat ist noch nicht mal angefangen. :kratz:
Und "liquidieren" heißt: umbringen. :nein:
Und wieso sind "nur" Verbrecher im Begriff, ein Tier zu töten? Das würde ich eher bei einem Jäger, Angler oder Metzger vermuten ... :kratz:

Verfasst: Sonntag 18. Juli 2004, 10:10
von LaChatte
es versteht sich von selbst, daß Tierquälerei nicht in Ordnung ist, und es verstößt auch gegen den göttlichen Willen, da Tiere nicht dazu da sind, gequält zu werden. Tiere essen ist aber eine andere Sache, und solange die Spezie nicht vom Aussterben bedroht ist, und solange dies dem Menschen nicht schadet, finde ich, darf man sie möglichst kurz und schmerzlos töten, um sie zu essen.
Da gibt es nicht wenige Menschen, die durchaus anderer Meinung sind... und die es für moralisch schlecht erachten, Tiere zu töten, damit wir sie dann essen können. Und diese Menschen haben einige sehr gute Argumente auf ihrer Seite.

Verfasst: Sonntag 18. Juli 2004, 13:42
von platon
LaChatte hat geschrieben:Da gibt es nicht wenige Menschen, die durchaus anderer Meinung sind... und die es für moralisch schlecht erachten, Tiere zu töten, damit wir sie dann essen können. Und diese Menschen haben einige sehr gute Argumente auf ihrer Seite.
Hallo LaChatte,

ich kenne kein einziges gutes Argument, kannst Du mir da auf die Sprünge helfen?

Eine andere Frage ist, ob man selbst psychisch bzw. gefühlsmäßig in der Lage ist, ein Ferkel zu töten. Wahrscheinlich könnte ich das selbst nicht. Dennoch, versuche ich meinen Verstand einzuschalten.

Das Schreckliche ist vielleicht dabei, "Gefühle" haben eine wichtige Funktion in der Erkenntnis. Hätte ich keine Gefühle, wenn etwa ein Kind mißhandelt wird, so wäre ich ein wahres Ungeheuer, und ich frage mich, wie ich denn sonst überhaupt dazu käme, eine solche Erkenntnis zu besitzen, daß eine derartige Tat in sich schlecht ist. Dennoch kennzeichnet uns als Freiheit auch die Fähigkeit, "Gefühle" von der Wahrheit zu unterscheiden. Selbst wenn ich starke Mitleidsgefühle bei einem Tier hätte, so "weiß" ich, daß dies nur Gefühle sind. Und selbst wenn ich nicht jedesmal in Tränen falle, wenn in den Nachrichten Bilder über getötete Kinder gezeigt werden, so "weiß" ich, daß dies ein Verbrechen war. Dennoch kommen den Gefühlen eine wichtige "Katalysatorfunktion" zu, d.h. eine vermittelnde Funktion, mit der Erkenntnis überhaupt möglich ist. Diese Verschränkung von Leib und Gefühl mit der Vernunft zu sehen, das haben Blaise Pascal und Romano Guardini des öfteren angesprochen. Ein Mann wie Scheler macht dies in seiner Phänomenologie in einem ganz dicken Buch zum zentralen Thema.

Es gibt den Spruch, den ich mit meinem schlechten Latein so wiedergeben will:
"Ratio est ars diiudicandi vera et falsa."
Das will heißen, Sinneseindrücke und Gedanken können uns den Anschein liefern, daß dies und jenes wahr ist, obwohl dies der Fall nicht ist. Dann kommt es also auf die "Unterscheidung" an, man sagt, man muß die Geister unterscheiden, ob sie wahr und gut sind, theologisch dasselbe formuliert: ob sie aus Gott sind.

Grüße, Carlos

Verfasst: Sonntag 18. Juli 2004, 15:35
von LaChatte
ich kenne kein einziges gutes Argument, kannst Du mir da auf die Sprünge helfen?
Biblisch: Es gibt solche, die das Gebot "du sollst nicht töten" auch auf Tiere ausdehnen.

Ökologisch: Um ein kg Fleisch herzustellen, braucht es ein Mehrfaches an Land, als um 1 kg Getreide herzustellen. In einer Welt, wo viele Hunger leiden müssen, ist das ein gutes Argument.

Gesundheit: Fleisch ist nicht besonders gesund und ziemlich schwer verdaulich. Schweinefleisch ist in seiner Struktur dem Menschenfleisch sehr ähnlich, folglich sind beide anfällig auf ähnliche Krankheitserreger, folglich gibts ein Risiko... von daher ist das Schweinefleischverbot im Islam bestimmt sinnvoll.

Mitgefühl:
Hätte ich keine Gefühle, wenn etwa ein Kind mißhandelt wird, so wäre ich ein wahres Ungeheuer, und ich frage mich, wie ich denn sonst überhaupt dazu käme, eine solche Erkenntnis zu besitzen, daß eine derartige Tat in sich schlecht ist. Dennoch kennzeichnet uns als Freiheit auch die Fähigkeit, "Gefühle" von der Wahrheit zu unterscheiden. Selbst wenn ich starke Mitleidsgefühle bei einem Tier hätte, so "weiß" ich, daß dies nur Gefühle sind.
Auch wenn du mit einem Kind Mitgefühl hast, ist das "nur" ein Gefühl. Und vermutlich würde es dir widerstreben, Menschenfleisch zu essen, obwohl es rational gesehen keinen Grund mehr oder weniger gibt, dies nicht zu tun, als Tierfleisch zu essen.

Und es gibt Menschen, die sich sagen "ich könnte unmöglich mein Haustier schlachten und essen - und andere Tiere sind rein zufällig nicht mein Haustier, also esse ich sie auch nicht."

Und das letzte Argument, das allerdings nicht grundsätzlich gegen das Fleischessen spricht: viele Tiere werden unter absolut miserablen Umständen aufgezogen.

Verfasst: Sonntag 18. Juli 2004, 16:03
von Nietenolaf
LaChatte: bin (bis auf ein paar suspekte Gedankengänge in der Argumentation) einverstanden! Siehe auch diesen Thread im Kreuzgang.

Verfasst: Sonntag 18. Juli 2004, 21:47
von platon
LaChatte hat geschrieben:
ich kenne kein einziges gutes Argument, kannst Du mir da auf die Sprünge helfen?
Biblisch: Es gibt solche, die das Gebot "du sollst nicht töten" auch auf Tiere ausdehnen.
Ja klar, selbst die Fundamentalisten des Cou-Clux-Clans berufen sich auf die Bibel. Die Bibel ohne die Tradition zu lesen macht sie zu einem Spielball aller, daß selbst ein Drewermann sie zu Märchengeschichten degradiert.
Ökologisch: Um ein kg Fleisch herzustellen, braucht es ein Mehrfaches an Land, als um 1 kg Getreide herzustellen. In einer Welt, wo viele Hunger leiden müssen, ist das ein gutes Argument.
Das ist kein grundsätzliches Argument, sondern eines dafür, den Konsum zu reduzieren.
Gesundheit: Fleisch ist nicht besonders gesund und ziemlich schwer verdaulich. Schweinefleisch ist in seiner Struktur dem Menschenfleisch sehr ähnlich, folglich sind beide anfällig auf ähnliche Krankheitserreger, folglich gibts ein Risiko... von daher ist das Schweinefleischverbot im Islam bestimmt sinnvoll.
dito
Mitgefühl:

Auch wenn du mit einem Kind Mitgefühl hast, ist das "nur" ein Gefühl. Und
vermutlich würde es dir widerstreben, Menschenfleisch zu essen, obwohl es rational gesehen keinen Grund mehr oder weniger gibt, dies nicht zu tun, als Tierfleisch zu essen.
Ich kämpfe dagegen, daß die Erkenntnis nur ein Gefühl ist.
Und es gibt Menschen, die sich sagen "ich könnte unmöglich mein Haustier schlachten und essen - und andere Tiere sind rein zufällig nicht mein Haustier, also esse ich sie auch nicht."
Auch ich würde in der Regel mein Haustier nicht schlachten, aber daraus mache ich keinen Grundsatz. Wenn ich Hunger zu leiden hätte, und wenn nichts mehr da ist, dann why not?
Und das letzte Argument, das allerdings nicht grundsätzlich gegen das Fleischessen spricht: viele Tiere werden unter absolut miserablen Umständen aufgezogen.
Das spricht nicht gegen das Essen sondern nur gegen die Art, sie zu halten. Hast Du vielleicht noch bessere Argumente, oder kennst Du bessere? Die hier taugen nichts.

Grüße, Carlos

Verfasst: Sonntag 18. Juli 2004, 21:59
von LaChatte
Ja klar, selbst die Fundamentalisten des Cou-Clux-Clans berufen sich auf die Bibel. Die Bibel ohne die Tradition zu lesen macht sie zu einem Spielball aller, daß selbst ein Drewermann sie zu Märchengeschichten degradiert.
Was ist dagegen einzuwenden, das Tötungsverbot auf Tiere anzuwenden? Es gibt Menschen, die darin einen Ausdruck von Gottes Willen sehen. Schliesslich, das ist wahr, erreichen sie dardurch, dass weniger (tierisches) Leid auf der Erde herrscht, und das ist bestimmt im Sinne des Christentums
Ich kämpfe dagegen, daß die Erkenntnis nur ein Gefühl ist.
Welche Erkenntnis sagt dir denn, dass es legitim ist, Kuhfleisch oder Hühnerfleisch zu essen, aber nicht Menschenfleisch? Die USA könnten die Leichen der zum Tode verurteilen liefern, im Irak dürfte es auch einige geben, Somalia so oder so, udn grundsätzlich sehe ich nicht ein, was gegen das Verzehren von Menschenfleisch spricht. Es hat eigentlich nur Vorteile: die Friedhöfe brauchen weniger Platz, zähes Fleisch von alten Menschen können wir karitativ nach Afrika versenden und täten damit hundernden Kindern etwas Gutes, und überhaupt, am fehlenden Geschmack kanns ja nicht liegen, dass wir kein Menschenfleisch essen...

Also: welche Erkenntnis sagt dir, dass es legitim ist, Tierfleisch zu essen, aber nicht Menschenfleisch?
Wenn ich Hunger zu leiden hätte, und wenn nichts mehr da ist, dann why not?
Hierzulande kannst du das Hunger-Kriterium nicht anwenden. Karotten und Kartoffeln sind wohl in deinem bevorzugten Supermarkt immer in genügender Menge vorhanden.
Hast Du vielleicht noch bessere Argumente, oder kennst Du bessere?
Das beste Argument ist das, dass ich mit meinen Mitgeschöpfen Mitgefühl habe. Dass ich keinem Wesen bewusst Schmerzen und Leid zufügen möchte, und schon gar nicht, um es nachher zu essen - solange ich die Alternative Vegi habe. Und hierzulande hab ich die...

Verfasst: Sonntag 18. Juli 2004, 22:37
von Dr. Dirk
Die Israeliten mussten das Lamm essen, um dem Tod zu entkommen, als der Herr die männlichen Erstgeburten der Ägypter schlug.

Kein Vegetarier hat überlebt.

Verfasst: Sonntag 18. Juli 2004, 22:45
von platon
Danke fürs Splitten!

Der Thread um die Ethik wurde mit diesem unsaglichen Thema gestört, Fragen der Metaphysik dadurch vergessen, da kann man also jetzt dort weitermachen, wo man aufgehört hat....

Verfasst: Sonntag 18. Juli 2004, 22:52
von platon
LaChatte hat geschrieben:Welche Erkenntnis sagt dir denn, dass es legitim ist, Kuhfleisch oder Hühnerfleisch zu essen, aber nicht Menschenfleisch?
Wenn man nur auf der Ebene des atheistischen Materialismus sprechen dürfte, den Pietätsanstand wie der Macher von Körperwelten vergißt, dann gibt es aus einer atheistischen Position gar keinen Grund. Das kommt daher, weil man glaubt, ethische Gehalte mit Erkenntnisidealen der Naturwissenschaft bereden zu dürfen. Genauer gesagt, im Materialismus, der mir die Rede über die Würde verbieten will, gibt es noch nicht mal einen Grund, lebendige Menschen zu schlachten und dann zu essen. Daraus folgt, daß der materialistische Atheismus mir die Grundlagen des ethischen Handelns entzieht.

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 08:25
von LaChatte
Dennoch behaupte ich mal, dass der Gedanke, Menschenfleisch zu essen, auch den eingefleischtesten materialistischen Atheisten widerstrebt...

Gibts denn andere Ethiken, die klar sagen, warum Tierfleisch legitim ist, Menschenfleisch aber nicht?

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 08:49
von Erich
Gen 9,1 Darauf segnete Gott den Noach und seine Söhne und sagte zu ihnen: "Seid fruchtbar und mehrt euch und erfüllt die Erde!
2 Furcht und Schrecken vor euch beherrsche alle Tiere der Erde und alle Vögel des Himmels, alles, was auf Erden sich regt, und alle Fische des Meeres; in eure Gewalt sind sie gegeben.
3 Alles, was sich regt, was lebt, diene euch zur Nahrung. Wie einstmals die grünenden Pflanzen, so gebe ich euch jetzt alles.
4 Nur Fleisch, das noch seine Lebenskraft, nämlich das Blut, in sich hat, dürft ihr nicht essen. *

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 09:12
von Nietenolaf
Erich hat geschrieben:3 Alles, was sich regt, was lebt, diene euch zur Nahrung. Wie einstmals die grünenden Pflanzen, so gebe ich euch jetzt alles.
Erich zitiert richtig, und beharrt damit auf der Persistenz seiner gefallenen Natur. Das ist legitim, aber irgendwie trostlos.
Hl. Eusebius Hieronymus hat geschrieben:"Der Genuß des Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt - aber seit der Sintflut hat man uns die Fasern und die übelriechenden Säfte des Tierfleisches in den Mund gestopft, wie man in der Wüste dem murrenden, sinnlichen Volke Wachteln zuwarf. Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit erfüllt war, hast das Ende wieder mit dem Anfang [Gen. 1,29] verknüpft, so daß es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen..." (Adversus Iovinianum I,30)
Rest bitte hier nachlesen. Das ist keine Pro-Vegetarismus-Agitation. Das ist einfach nur ein Hinweis darauf, daß es uns durch Christus Jesus offensteht, die Eigenheiten der gefallenen menschlichen Natur mit Gottes Gnade zu überwinden.

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 09:26
von Nietenolaf
Num 11:18-20 hat geschrieben:Und du sollst zum Volke sagen: Heiligt euch für morgen, und ihr werdet Fleisch essen; denn euer Weinen ist vor die Ohren des HERRN gekommen, da ihr sprechet: «Wer gibt uns Fleisch zu essen? denn es ging uns wohl in Ägypten.» Darum wird euch der HERR Fleisch zu essen geben; und ihr sollt nicht bloß einen Tag lang essen, nicht zwei, nicht fünf, nicht zehn, nicht zwanzig Tage lang, sondern einen ganzen Monat lang, bis es euch zur Nase herausgeht und euch zum Ekel wird, darum, daß ihr den HERRN, der mitten unter euch ist, verworfen habt; weil ihr vor ihm geweint und gesagt habt: «Warum sind wir aus Ägypten gezogen?»

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 09:52
von LaChatte
Vor einiger Zeit hat mir ein Freund ein Buch in die Hand gedrückt, mit dem Kommentar "he, du interessierst dich ja für Religion, lies mal das!". Es heisst "das Evangelium des vollkommenen Lebens" und es steht, es sei eine uralte aramäische Schrift, die vor etwas mehr als hundert Jahren wieder zum Vorschein gekommen sei, und es sei eines der "vollständigsten Evangelien".

Nachgeprüft hab ich das nicht, auf alle Fälle wird in diesem Evangelium sehr viel erzählt von Jesus, der Tieren half, von einem Jesus, der kein Fleisch ass und keinen Alkohol trank und von einem Jesus, der uns auffordert, Tiere als unsere kleineren Geschwister zu behanden, da sie den gleichen Odem haben wir wir Menschen.

Und egal, wie "echt" der Text nun ist oder nicht, ich finde ihn sehr schön, sehr liebevoll, sehr stimmig... und im Grossen und Ganzen erzählt er das Gleiche wie die andern Evangelien, zum Teil leicht anders formuliert.

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 10:16
von Peter
(Ich staune auch manchmel, was alles zum Vorschein kommt, wenn ich mal aufräume …)

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 10:22
von LaChatte
Und was willst du uns damit sagen? Lass uns, oh erleuchteter Peter, an deiner Weisheit teilhaben... 8)

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 11:20
von Erich
Erich zitiert richtig, und beharrt damit auf der Persistenz seiner gefallenen Natur. Das ist legitim, aber irgendwie trostlos.

Meine Flügel und das Manna bekomme ich erst in der nächsten Welt! :mrgreen:

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 11:40
von lancelot
LaChatte hat geschrieben:Vor einiger Zeit hat mir ein Freund ein Buch in die Hand gedrückt, mit dem Kommentar "he, du interessierst dich ja für Religion, lies mal das!". Es heisst "das Evangelium des vollkommenen Lebens" und es steht, es sei eine uralte aramäische Schrift, die vor etwas mehr als hundert Jahren wieder zum Vorschein gekommen sei, und es sei eines der "vollständigsten Evangelien".

Nachgeprüft hab ich das nicht, auf alle Fälle wird in diesem Evangelium sehr viel erzählt von Jesus, der Tieren half, von einem Jesus, der kein Fleisch ass und keinen Alkohol trank und von einem Jesus, der uns auffordert, Tiere als unsere kleineren Geschwister zu behanden, da sie den gleichen Odem haben wir wir Menschen.

Und egal, wie "echt" der Text nun ist oder nicht, ich finde ihn sehr schön, sehr liebevoll, sehr stimmig... und im Grossen und Ganzen erzählt er das Gleiche wie die andern Evangelien, zum Teil leicht anders formuliert.
Das Gleiche? Na, das glaube ich aber mal nicht:

http://home.swipnet.se/corbie/Fuskwww/twelve.html
http://reluctant-messenger.com/essene/gospel_intro.htm

Tut mir leid: In den 4 kanonischen Evangelien kann ich Jesus weder als Abstinenzler noch als Vegetarier noch sonstwie als "health nut" erkennen.

(Liebevoll sein, Sentimentalität, Plausibilität haben mit Wahrheit nicht viel zu tun. Das mag man bedauern, ist aber leider so.)

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 11:52
von Nietenolaf
Erich hat geschrieben:Meine Flügel und das Manna bekomme ich erst in der nächsten Welt! :mrgreen:
Das wünsche ich Dir sehr, auch wenn diese Aussage nach einer Art Chiliasmus klingt.

[bible]lukas 17:20-21[/bible]
Die Flügel und das Manna gibt es JETZT.

Re: Tierhaltung, Vegetarismus und Ethik

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 12:45
von anselm
platon hat geschrieben:
anselm hat geschrieben:wie z.b. der Einschränkung von Tierexperimenten und von Massentierhaltung.
Lieber Anselm,

es versteht sich von selbst, daß Tierquälerei nicht in Ordnung ist, und es verstößt auch gegen den göttlichen Willen, da Tiere nicht dazu da sind, gequält zu werden. Tiere essen ist aber eine andere Sache, und solange die Spezie nicht vom Aussterben bedroht ist, und solange dies dem Menschen nicht schadet, finde ich, darf man sie möglichst kurz und schmerzlos töten, um sie zu essen.

Die Tiere auf die gleiche Stufe wie die Menschen zu stellen, hieße aber, Du müßtest jeden Verbrecher liquidieren, der im Begriff ist, ein Tier zu töten. Davon aber kann keine Rede sein.

Kopfschüttelnde Grüße,

Carlos
Zur Präzisierung der unterschiedlichen Ansichten:

- deiner Ansicht nach (die sicherlich von der Mehrheit der Menschen und der allermeisten Christen geteilt wird), beruht die unterschiedliche Behandlung von Mensch und Tier letztlich auf der unterschiedlichen "Rasse" bzw. der Art (in deinen Worten: der Mensch ist Ebenbild Gottes, der Hund aber nicht)

- Einer anderen Auffassung nach könnte man die Beurteilung der Anwendbarkeit bestimmter ethischer Regeln an Eigenschaften z.B. der Schmerzempfindung, des (Selbst-) Bewusstseins, der Zukunftsorientierung, ... orientieren.

- Beides führt zu Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten.
- Vielleicht kann man beides kombinieren?

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 12:48
von Erich
Das wünsche ich Dir sehr, auch wenn diese Aussage nach einer Art Chiliasmus klingt.

Ist das die Lehre vom Chili??

Die Flügel und das Manna gibt es JETZT.

Dann her mit einer extra großen Portion Manna mit viel Chili!! Und die Flügel sollen langstreckentauglich und over-sized sein, denn ich will demnächst nach Griechenland Urlaub machen und meine Frau mitnehmen.
:mrgreen:

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 12:57
von Dr. Dirk
Das Manna bekommst Du in jeder Hl. Messe als Wegzehrung auf dem Weg von der Sklaverei in das verheißene Land.

Re: Tierhaltung, Vegetarismus und Ethik

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 13:06
von Dr. Dirk
anselm hat geschrieben:

- Einer anderen Auffassung nach könnte man die Beurteilung der Anwendbarkeit bestimmter ethischer Regeln an Eigenschaften z.B. der Schmerzempfindung, des (Selbst-) Bewusstseins, der Zukunftsorientierung, ... orientieren.
Das ist ja immer mehr im Kommen. Es gibt schon Ärzte, die sagen, dass das Töten eines behinderten Kindes auch nach der Geburt ethisch vertretbar ist. Die Menschenrechte werden konsequenterweise immer mehr durch Personenrechte ersetzt, denn es ist einfacher zu definieren, was eine Person ist (Selbstbewusstsein, etc.). Es wird immer mehr so sein, dass ein Mensch mehr leisten muss, um als Mensch (Person) seine Rechte zugestanden zu bekommen. Einfach Mensch sein reicht da nicht mehr aus - Würde wird immer mehr mit Leistung (=Zukunftsorientierung)verknüpft. Dabei tut man so, als wäre der Mensch eine Maschine, die man genau versteht und deren Effizienz man voraussagen kann. Schöne neue ethisch saubere Welt...

Re: Tierhaltung, Vegetarismus und Ethik

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 13:24
von anselm
Dirk hat geschrieben: Die Menschenrechte werden konsequenterweise immer mehr durch Personenrechte ersetzt, denn es ist einfacher zu definieren, was eine Person ist (Selbstbewusstsein, etc.). Es wird immer mehr so sein, dass ein Mensch mehr leisten muss, um als Mensch (Person) seine Rechte zugestanden zu bekommen. Einfach Mensch sein reicht da nicht mehr aus - Würde wird immer mehr mit Leistung (=Zukunftsorientierung)verknüpft. Dabei tut man so, als wäre der Mensch eine Maschine, die man genau versteht und deren Effizienz man voraussagen kann. Schöne neue ethisch saubere Welt...
Das halte ich für reine Panikmache. Wo gibt es denn solche Tendenzen? Außerdem geht deine Behauptung über Menschen- vs. Personenrechte völlig an der Sache vorbei: keiner der Befürworter für das Aufbrechen des ethischen Denkens in "Rassen" bzw. "Arten" (die übrigens reine Konvention sind), spricht sich für die Abschaffung von Menschenrechten aus. Ganz im Gegenteil würde manche am liebsten zusätzlich (!) einen ganzen Katalog von Tierrechten aufnehmen.

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 13:31
von Erich
Das Manna bekommst Du in jeder Hl. Messe als Wegzehrung auf dem Weg von der Sklaverei in das verheißene Land.

stimmt [Punkt] Die Eucharistie ist kein Manna:
Joh 6,49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, wer davon ißt, wird nicht sterben.
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt."

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 13:33
von Dr. Dirk
Die Umwandlung von Menschen- in Personenrechte geschieht automatisch aus dem Gedankengebäude der Ethik ohne Gott heraus. Man nennt es nur immer noch Menschenrechte.
Außerdem halte ich das nicht für Panikmache, was ich geschrieben habe, sondern das kann man allüberall beobachten, wo Ethik aus Atheismus erwächst. Z.B. beim Thema Sterbehilfe, bei der Frage, ab wann das Kind im Mutterleib ein Mensch ist, bei dem Unterschied, den man zwischen gesunden und behinderten Kindern bei der Abtreibung macht, bei den Kosten im Gesundheitswesen, etc. Die Entwicklung geht ganz klar in diese Richtung.

Das Denken in Rassen ist übrigens nicht christlich. Der Mensch erhält seine Würde dadurch, dass er Ebenbild Gottes ist. Wenn man beginnt in Rassenkategorien zu denken, dann geschiegt das aus einer Entfernung vom christlichen Glauben heraus.

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 13:34
von Dr. Dirk
Erich hat geschrieben:Das Manna bekommst Du in jeder Hl. Messe als Wegzehrung auf dem Weg von der Sklaverei in das verheißene Land.

stimmt [Punkt] Die Eucharistie ist kein Manna:
Joh 6,49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, wer davon ißt, wird nicht sterben.
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt."
Eben, die Eucharistie ist u.a. das Manna des neuen Bundes.

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 13:41
von anselm
Dirk hat geschrieben:....Das Denken in Rassen ist übrigens nicht christlich. Der Mensch erhält seine Würde dadurch, dass er Ebenbild Gottes ist. Wenn man beginnt in Rassenkategorien zu denken, dann geschiegt das aus einer Entfernung vom christlichen Glauben heraus.
Ich meinte "Rasse" im Sinne der Unterscheidung zwischen Mensch und Tier. Darauf läuft ja wohl die christliche Perspektive hinaus.

Im übrigen möchte ich daran erinnern, dass Menschenrechte historisch gesehen in der Regel gegen den Widerstand der christlichen Kirchen zustande gekommen sind.

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 13:47
von Dr. Dirk
anselm hat geschrieben:
Im übrigen möchte ich daran erinnern, dass Menschenrechte historisch gesehen in der Regel gegen den Widerstand der christlichen Kirchen zustande gekommen sind.
Klar wenn unter dem Begriff Menschenrechte etwas anderes verstanden wurde, als der christliche Glaube darunter versteht. Menschenrechte im christlichen Sinne heißt Menschenwürde - dieser Begriff wird auch in der christlich geprägten deutschen Verfassung benutzt.

Verfasst: Montag 19. Juli 2004, 13:52
von Dr. Dirk
anselm hat geschrieben:
Ich meinte "Rasse" im Sinne der Unterscheidung zwischen Mensch und Tier. Darauf läuft ja wohl die christliche Perspektive hinaus.
Nein, "Rasse" ist ein biologischer Begriff. Die Unterscheidung zwischen Mensch und Tier im christlichen Sinne ist aber keine (rein) biologische Unterscheidung. Der Mensch unterscheidet sich besonders durch seine Würde vom Tier. Diese erhält er von Gott, nicht aus Biologie oder Evolution.