Arianismus

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

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Raphael
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Arianismus

Beitrag von Raphael » Freitag 29. Juni 2018, 07:16

Arianismus war eine frühe christliche Irrlehre aus dem 4. Jahrhundert, benannt nach dem Priester und Gründer der Irrlehre Arius. Nach arianischer Lehre ist Jesus Christus nicht wesensgleich mit Gott, auch nicht Gottes Sohn, sondern Gottes vornehmstes Geschöpf.

Arius wurde in Libyen geboren und studierte an der theologischen Schule des Lucian von Antiochia, wo auch andere Vertreter des Arianismus ausgebildet wurden. Nach seiner Priesterweihe in Alexandria verwickelte sich Arius 319 in einen Streit mit seinem Bischof über die Gottheit Christi. Schließlich wurde er 325 wegen seiner Auffassungen nach Illyrien (heute Albanien) verbannt, doch die Auseinandersetzung um seine Lehre griff bald auf die gesamte Kirche über und hielt sie über ein halbes Jahrhundert lang in Atem. Zwar wurde sie 379 durch den römischen Kaiser Theodosius I. im ganzen Reich verboten, doch überlebte sie noch zwei Jahrhunderte lang unter jenen Stämmen der Barbaren, die von arianischen Bischöfen zum Christentum bekehrt worden waren.

Arius lehrte, dass Gott selbst nicht gezeugt und ohne Ursprung sei. Der Sohn Gottes, die zweite Gestalt der Dreieinigkeit, könne also, weil er gezeugt worden sei, nicht Gott im selben Sinn wie der Vater sein. Die Lehre des Arius wurde 325 auf dem 1. ökumenischen Konzil von Nicäa verdammt. Die versammelten Bischöfe verfassten das Bekenntnis in dem festgestellt wurde, dass der Sohn Gottes "empfangen, doch nicht erschaffen" worden sei und "von gleicher Wesenheit" (griechisch: "homoousios") mit dem Vater ist. Der Sohn sei also Teil ("Hypostase", "Grundlage") des Dreieinigen Gottes und nicht der Schöpfung. Das Glaubensbekenntnis von Nicäa war das erste, das von allen Kirchen gemeinsam anerkannt wurde. Das bisherige apostolische Bekenntnis zur allerheiligsten Dreifaltigkeit: VATER - SOHN - HEILIGER GEIST wurde mit dem Dogma über die Gottheit Christi und dem gleichzeitigen Bann gegen die Lehre von Arius bekräftigt.
(Quelle)

Woran kann man heutzutage in der Praxis erkennen, ob jemand Arianer ist oder auch nicht? :hmm:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Iuxta crucem
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Re: Arianismus

Beitrag von Iuxta crucem » Sonnabend 30. Juni 2018, 14:42

Nun, ich denke, dass er die trinitanische Formel z.b bei einer Taufe ablehnt. Man kann m. E. Also nur ausschließen , dass er ein Arianer ist, wenn er Z.B sagt: im Namen des Vaters....

Du kannst es also nur wissen , wenn er es dir sagt, oder jemand anderes mit dir darüber spricht.

Das war jetzt nicht sonderlich hilfreich- ich weiß, was besseres fiel mir aber auch nicht ein :traurigtaps:
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Raphael
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Re: Arianismus

Beitrag von Raphael » Montag 2. Juli 2018, 09:21

Iuxta crucem hat geschrieben:
Sonnabend 30. Juni 2018, 14:42
Nun, ich denke, dass er die trinitanische Formel z.b bei einer Taufe ablehnt. Man kann m. E. Also nur ausschließen , dass er ein Arianer ist, wenn er Z.B sagt: im Namen des Vaters....

Du kannst es also nur wissen , wenn er es dir sagt, oder jemand anderes mit dir darüber spricht.

Das war jetzt nicht sonderlich hilfreich- ich weiß, was besseres fiel mir aber auch nicht ein :traurigtaps:
Das Problem liegt tiefer ...............

Heutzutage kann man sich nicht mehr sicher sein, ob selbst das gesprochene Glaubensbekenntnis mit wirklicher innerer Überzeugung und in Übereinstimmung mit dem kirchlichen Sinn gesprochen wird. :hae?:

Im angelsächsischen Raum gibt es da den "schönen" Ausdruck: lip service, welcher sogar noch den Anschein erweckt, man wäre zum Dienst bereit! :hmm:
Unzureichend übersetzt mit Lippenbekenntnis; aber man weiß ja (unglücklicherweise), was gemeint ist.

Hier im Forum gab es vormals einen redegewandten - mache meinten auch, er litte unter Logorhoe ( :maske: ) - Fast-Franziskaner, der die Trinität als eine theologische Spekulation abtat.

Kurz und gut: Irgendwie ist man doch auf äußere Zeichen angewiesen, an denen dann der innere Glauben festgemacht werden kann, oder? :hmm:
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offertorium
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Re: Arianismus

Beitrag von offertorium » Montag 2. Juli 2018, 16:15

Mir selbst geht es manchmal so, dass wenn ich versuche Nichtchristen die Trinität zu erklären, in Begriffe abrutsche, die dann an der Trinität vorbeigehen oder in Richtung einer falschen Lehre gehen. Ein konkretes Beispiel habe ich jetzt nicht, aber es fiel mir das eine oder andere Mal auf. Das liegt einfach daran, dass unsere Beschreibungen oft unzulänglich sind. Das rational in Worte zu fassen, was man vom Herzen her erkannt hat, ist schwierig.

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Re: Arianismus

Beitrag von Protasius » Montag 2. Juli 2018, 16:22

offertorium hat geschrieben:
Montag 2. Juli 2018, 16:15
Mir selbst geht es manchmal so, dass wenn ich versuche Nichtchristen die Trinität zu erklären, in Begriffe abrutsche, die dann an der Trinität vorbeigehen oder in Richtung einer falschen Lehre gehen. Ein konkretes Beispiel habe ich jetzt nicht, aber es fiel mir das eine oder andere Mal auf. Das liegt einfach daran, dass unsere Beschreibungen oft unzulänglich sind. Das rational in Worte zu fassen, was man vom Herzen her erkannt hat, ist schwierig.
Das passiert einem bei fast jeder Analogie in Bezug auf die Trinität. Ein lutherischer Pastor in den USA hat dazu mal ein unterhaltsames Video gemacht:
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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TeDeum
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Re: Arianismus

Beitrag von TeDeum » Montag 2. Juli 2018, 23:26

Gibt es denn heutzutage noch (bewusste!) Arianer bzw. die entsprechenden Gemeinschaften?

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offertorium
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Re: Arianismus

Beitrag von offertorium » Dienstag 3. Juli 2018, 01:52

Protasius hat geschrieben:
Montag 2. Juli 2018, 16:22
Das passiert einem bei fast jeder Analogie in Bezug auf die Trinität. Ein lutherischer Pastor in den USA hat dazu mal ein unterhaltsames Video gemacht:
Großartig :breitgrins:

CIC_Fan
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Re: Arianismus

Beitrag von CIC_Fan » Dienstag 3. Juli 2018, 09:46

Raphael hat geschrieben:
Montag 2. Juli 2018, 09:21
Iuxta crucem hat geschrieben:
Sonnabend 30. Juni 2018, 14:42
Nun, ich denke, dass er die trinitanische Formel z.b bei einer Taufe ablehnt. Man kann m. E. Also nur ausschließen , dass er ein Arianer ist, wenn er Z.B sagt: im Namen des Vaters....

Du kannst es also nur wissen , wenn er es dir sagt, oder jemand anderes mit dir darüber spricht.

Das war jetzt nicht sonderlich hilfreich- ich weiß, was besseres fiel mir aber auch nicht ein :traurigtaps:
Das Problem liegt tiefer ...............

Heutzutage kann man sich nicht mehr sicher sein, ob selbst das gesprochene Glaubensbekenntnis mit wirklicher innerer Überzeugung und in Übereinstimmung mit dem kirchlichen Sinn gesprochen wird. :hae?:

Im angelsächsischen Raum gibt es da den "schönen" Ausdruck: lip service, welcher sogar noch den Anschein erweckt, man wäre zum Dienst bereit! :hmm:
Unzureichend übersetzt mit Lippenbekenntnis; aber man weiß ja (unglücklicherweise), was gemeint ist.

Hier im Forum gab es vormals einen redegewandten - mache meinten auch, er litte unter Logorhoe ( :maske: ) - Fast-Franziskaner, der die Trinität als eine theologische Spekulation abtat.

Kurz und gut: Irgendwie ist man doch auf äußere Zeichen angewiesen, an denen dann der innere Glauben festgemacht werden kann, oder? :hmm:
es heißt doch
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Petrus
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Re: Arianismus

Beitrag von Petrus » Dienstag 3. Juli 2018, 10:43

Raphael hat geschrieben:
Freitag 29. Juni 2018, 07:16
(Quelle)
irgendwie kommt mir die von Dir zitierte Quelle ein bißchen komisch vor.

vom Arianismus bis zu RFID-Chips, nuja.

Zum Thema:

Arius zu beurteilen, finde ich schwierig. Wir kennen ihn wohl hauptsächlich nur aus den uns überlieferten Schriften seiner Gegner.

(ich mache mal einen unpassenden und hinkenden Vergleich: Im Jahre 2525 finden Archäologen in einem bisher nicht entdeckten Bunker sogenannte "Bücher" in einer nur noch von Fachleuten zu entziffernden Schrift.

Man ist sich einig, dass es sich wohl um eine Heilige Schrift eines längst untergegangenen Glaubens handeln müßte. Um den Religionsstifter dieses längst untergegangen Glaubens scheint es sich wohl, um einen gewissen "garheins dteschtner" zu handeln, zu "bamberch", einer wohl untergegangen Kleinsiedlung, geboren. Nun, man beschließt, diesem Religionsstifter ein Denkmal zu errichten. Man errichtet an der Stelle, wo diese Kleinsiedlung war, ein Denkmal, für diese untergegangene Religion.)
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Marion
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Re: Arianismus

Beitrag von Marion » Dienstag 3. Juli 2018, 14:03

Petrus hat geschrieben:
Dienstag 3. Juli 2018, 10:43
Zum Thema:

Arius zu beurteilen, finde ich schwierig. Wir kennen ihn wohl hauptsächlich nur aus den uns überlieferten Schriften seiner Gegner.
Für einen Katholiken ist nichts einfacher als das. Der weiß ja, daß der Heilige Geist bei den Konzilien wirkt und somit mit absoluter Sicherheit dort richtig beurteilt wird. Alle anderen, die sich Christen nennen, oder auch nicht, haben natürlich Schwierigkeiten bei dieser und auch vielen anderen Beurteilungen. Sie meinen ja, daß sie niemandem haben, dem sie wirklich trauen können. :nein:
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Petrus
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Re: Arianismus

Beitrag von Petrus » Dienstag 3. Juli 2018, 19:46

ich finde immer noch schwierig, das Ganze zu beurteilen.

ich stelle mir vor: Wenn Du einen "in den Senkel stellen" wolltest, damals, mußte man nur einfach sagen: "Der ist doch auch ein Arianer!"

Szenenwechsel: in meiner lutherischen Zeit wurde ich bezeichnet als ein Mensch mit "katholisierenden Tendenzen". Wer die Szene kennt, weiß, was das bedeutet. ("Was bedürfen wir weiteren Zeugnisses"?)

und, dann doch noch ein wikipedia-Artikel zum Thema Arius:
https://de.wikipedia.org/wiki/Arius
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Pilger83
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Re: Arianismus

Beitrag von Pilger83 » Dienstag 2. Oktober 2018, 23:09

TeDeum hat geschrieben:
Montag 2. Juli 2018, 23:26
Gibt es denn heutzutage noch (bewusste!) Arianer bzw. die entsprechenden Gemeinschaften?
Jetzt speziell katholisch, oder auch allgemein christlich?
Denn dann fallen mir spontan die Zeugen Jehovas ein.
Dort ist Jesus nicht Gott und wird als Erzengel Michael identifiziert.
Denen ist Arius zumindest sehr sympatisch.

Aber auch unter "Freichristen", also jene Christen ohne Gemeinde gibt es nicht wenige,
die die Trinität anzweifeln. Diese machen dann ihr eigenes Ding.
Ich bin römisch-katholisch.

In principio erat Verbum, et Verbum erat apud Deum, et Deus erat Verbum.

Tinius
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Re: Arianismus

Beitrag von Tinius » Dienstag 9. Oktober 2018, 02:38

Wenn Gott sich selbst als Jesus in eine wirre Region des Imperium Romanum schickte, um dort als Homo Sapiens zu leben und zu wirken, ist das Glaubenssache.

Wenn Gott dann auf Erden teilweise nichts mehr über sich wusste, ist das Glaubenssache.

Wenn Gott sich dann oft zurückzog, um sich selbst anzubeten, ist das Glaubenssache.

Verständlich ist in der Rückschau aber, warum der Arianismus scheitern musste: er ist zu menschlich einfältig und braucht den Jesus eigentlich nicht (wie der Islam). Und das reicht philosophisch nicht aus.

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