Philosophien

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Bruder Donald
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Philosophien

Beitrag von Bruder Donald » Donnerstag 26. September 2019, 22:02

Inwieweit verträgt sich Hegels "Dialektische Philosophie" mit dem Katholizismus, inwiefern hatte der "Hegelianismus" Einfluss auf die katholische Theologie und lebt eine vermeintlicher Einfluss heute noch fort?

Kann oder muss man sogar Hegels Philosophie vollständig verdammen oder finden sich durchaus positive Ansätze, an die man anknüpfen kann (unabhängig davon, ob man es überhaupt brauch)?

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Juergen
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Re: Philosophien

Beitrag von Juergen » Freitag 27. September 2019, 01:13

Sorry,
aber Deine Fragen, so interessant sie sein mögen, sind nicht geeignet, um in einem Internetforum beantwortet werden zu können. Dafür müßte man umfangreicher referieren, was in so einem Medium kaum möglich ist.


Ich mache es mal ganz kurz:
Es führt ein direkter Weg von Hegel zu den größten Mördern der Geschichte.
Das heißt nicht, daß man nicht auch von Hegel was lernen könnte.
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Bruder Donald
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Re: Philosophien

Beitrag von Bruder Donald » Freitag 27. September 2019, 09:28

Juergen hat geschrieben:
Freitag 27. September 2019, 01:13
Das heißt nicht, daß man nicht auch von Hegel was lernen könnte.
Das empfinde ich als eine Interessante Äußerung und im Grunde fasst du mein Anliegen damit sehr gut zusammen!
Juergen hat geschrieben:
Freitag 27. September 2019, 01:13
Sorry,
aber Deine Fragen, so interessant sie sein mögen, sind nicht geeignet, um in einem Internetforum beantwortet werden zu können. Dafür müßte man umfangreicher referieren, was in so einem Medium kaum möglich ist.
Ja, das habe ich mir schon gedacht.
Mir ist klar, dass Hegel so einiges "absonderliches" von sich gegeben hat, welches in Folge durch Rezeption anderer zu viel praktischen Unsinn (um es mal nett zu formulieren) geführt hat.

Ich versuche es mal einzugrenzen:
Hatte Hegels Dialektik von These - Gegenthese - Synthese einen Einfluss auf die katholische Theologie bzw. hat sie heute noch einen?
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Juergen
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Re: Philosophien

Beitrag von Juergen » Freitag 27. September 2019, 22:23

Bruder Donald hat geschrieben:
Freitag 27. September 2019, 09:28
Ich versuche es mal einzugrenzen:
Hatte Hegels Dialektik von These - Gegenthese - Synthese einen Einfluss auf die katholische Theologie bzw. hat sie heute noch einen?
Ich halte den Einfluß Hegels auf die katholische Theologie für eher gering. Bei manchen evangelischen Richtungen fand sie mehr Berücksichtigung. Hegel hat die protestantische Theologie gegenüber der katholischen Theologie als die bessere oder weiter entwickelte gesehen, weil es in ihr mehr persönliche Freiheit gab, da sie sich nicht einem Lehramt zu unterwerfen hat.

Gerade fällt mir noch ein Zitat ein. Es stammt von einem US-amerikanischen Prälaten aus einem Brief vom 24. April 1870, dem Tag der Schlußabstimmung von Dei Filius beim I. Vat. Konzil. Er schreibt:
Man findet darin einige dunkle Feststellungen aus dem Bereich der Metaphysik, die nur wenige Leser verstehen werden und die ganz gewiß noch nie ein anderes Gehirn beschäftigt haben als das irgendeines deutschen Philosophen, gegen den allein sie offenbar gerichtet sind. Alles andere ist recht hausbackene Theologie.

Ja, vielleicht sind manche Philosophien so „typisch deutsch“, daß sie anderswo auf der Welt gar nicht verstanden werden. Hegel mag so ein Vertreter sein.
Gruß Jürgen

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Niels
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Re: Philosophien

Beitrag von Niels » Samstag 28. September 2019, 06:46

Juergen hat geschrieben: Ja, vielleicht sind manche Philosophien so „typisch deutsch“, daß sie anderswo auf der Welt gar nicht verstanden werden. Hegel mag so ein Vertreter sein.
Da muss ich an Vic Dorn denken: https://www.youtube.com/watch?v=LD9ZiStrHuM
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Bruder Donald
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Re: Philosophien

Beitrag von Bruder Donald » Samstag 28. September 2019, 13:32

Juergen hat geschrieben:
Freitag 27. September 2019, 22:23
Ich halte den Einfluß Hegels auf die katholische Theologie für eher gering.
Das ist auch sehr gut, wenn man auf Hegels Gesamtkonzept guckt. Allein Hegels pantheistischer Touch und der Geist sich quasi materialisiert um sich selbst zu erkennen... grausig... :aengstlich:

Aber Hegels "Dialektik", also ich meine damit Hypothese - Antithese -Synthese, durchaus interessant.
Findet sich meines Erachtens u. a. auch in der Tugendethik wieder.
Die Tugend ist ja an sich gar nicht die Hypothese, sondern ja die Synthese. Tapferkeit ist die Synthese von Übermut und Feigheit.
Oder verstehe ich Hegels Dialektik auf diese Weise falsch?

Auch kann man, so denke ich, das katholische "sowohl - als auch" durchaus dialektisch verstehen. Im Gegensatz zum "entweder - oder" von Søren Kierkegaard.
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Re: Philosophien

Beitrag von Juergen » Samstag 28. September 2019, 13:48

Bruder Donald hat geschrieben:
Samstag 28. September 2019, 13:32
…Im Gegensatz zum "entweder - oder" von Søren Kierkegaard.
Ach der schon wieder.
S. K. hat geschrieben:Ver­hei­ra­te dich, du wirst es be­reu­en; ver­hei­ra­te dich nicht, du wirst es auch be­reu­en. Hei­ra­te oder hei­ra­te nicht, du wirst bei­des be­reu­en. Ver­la­che die Tor­hei­ten der Welt, du wirst es be­reu­en; be­wei­ne sie, bei­des wirst du be­reu­en. Traue ei­nem Mäd­chen, du wirst es be­reu­en; traue ihm nicht, du wirst auch dies be­reu­en. Fan­ge es an, wie du willst, es wird dich ver­drie­ßen. Hän­ge dich auf, du wirst es be­reu­en; hän­ge dich nicht auf, bei­des wird dich ge­reu­en. Die­ses, mei­ne Her­ren, ist der In­be­griff al­ler Le­bens­weis­heit. Es sind nicht nur ein­zel­ne Au­gen­bli­cke, in de­nen ich, wie Spi­no­za sagt, al­les ae­ter­no mo­do (aus dem Ge­sichts­punkt der Ewig­keit) be­trach­te; viel­mehr bin ich be­stän­d­ig ae­ter­no mo­do. Man­che mei­nen dies gleich­falls zu sein, wenn sie das ei­ne oder das and­re ge­tan ha­ben und da­nach denn die­se Ge­gen­sät­ze ver­bin­den oder ver­mit­teln. Das ist in­des ein Miß­v­er­stand: denn die wah­re Ewig­keit liegt nicht hin­ter ei­nem Ent­we­der-Oder, son­dern vor dem­sel­ben. Ih­re Ewig­keit wird da­her auch ei­ne sch­merz­li­che Zeit­suk­zes­si­on sein, da sie an ei­nem zwie­fa­chen Ver­druß oder zwie­fa­cher Reue wer­den zu zeh­ren ha­ben. Mei­ne Weis­heit ist dem­nach leicht zu ver­ste­hen; denn ich ha­be nur ei­nen Grund­satz, von wel­chem ich auch nicht im­mer aus­ge­he. Man hat zu un­ter­schei­den zwi­schen der erst nach­fol­gen­den Dia­lek­tik ei­nes Ent­we­der-Oder, und der hier an­ge­deu­te­ten ewi­gen. Sa­ge ich z.B. hier: ich ge­he nicht von mei­nem Grund­sat­ze aus, so ist dies nur der ne­ga­ti­ve Aus­druck für mei­nen Grund­satz, oder das, wo­durch er sich selbst in dem Ge­gen­sat­ze faßt zwi­schen ei­nem Aus­ge­hen da­von oder ei­nem Nicht­aus­ge­hen. Für die Zu­hö­r­er, die im stan­de sind mir zu fol­gen, un­ge­ach­tet ich im Grun­de kei­ne Be­we­gung ma­che, wer­de ich jetzt die ewi­ge Wahr­heit ent­wi­ckeln, wo­bei das phi­lo­so­phi­sche Den­ken in sich selbst bleibt und kei­ne höhe­re gel­ten läßt. Gin­ge ich von mei­nem Grund­sat­ze aus, so wür­de ich nicht wie­der auf­hör­en kön­nen; denn hör­te ich nicht auf, so wür­de es mich ver­drie­ßen; hör­te ich auf, so wür­de es mich gleich­falls ver­drie­ßen. Jetzt hin­ge­gen, da ich nie­mals da­von aus­ge­he, kann ich im­mer auf­hör­en; denn mein ewi­ges Aus­ge­hen ist mein ewi­ges Auf­hör­en. Die Er­fah­rung hat be­wie­sen, dass es der Phi­lo­so­phie kei­nes­wegs so schwer ist, an­zu­fan­gen. Weit ent­fernt: sie fängt ja an mit nichts, und kann al­so im­mer an­fan­gen. Was da­ge­gen der Phi­lo­so­phie und den Phi­lo­so­phen schwer fällt, ist auf­zu­hör­en. Auch die­ser Schwie­rig­keit bin ich ent­gan­gen; denn soll­te je­mand glau­ben, daß, in­dem ich jetzt auf­hö­re, ich wirk­lich auf­hö­re, so be­weist er, dass er kei­nen spe­ku­la­ti­ven Be­griff hat. Ich hö­re näm­lich nicht in die­sem Au­gen­bli­cke auf; son­dern ich hör­te da­mals auf, als ich an­fing. Mei­ne Phi­lo­so­phie hat da­her die vor­züg­l­i­che Ei­gen­schaft, dass sie kurz ist, und dass sie un­wi­der­sprech­lich ist; denn wenn je­mand mir wi­der­spricht, so dürf­te ich wohl be­rech­tigt sein, ihn für toll zu er­klär­en. Der Phi­lo­soph ist al­so be­stän­d­ig ae­ter­no mo­do (au­ßer der Zeit) und hat nicht, wie der se­li­ge Des­sau­er Sin­te­nis, nur ein­zel­ne »Stun­den für die Ewig­keit ge­lebt.«


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Re: Philosophien

Beitrag von Bruder Donald » Montag 30. September 2019, 10:11

Juergen hat geschrieben:
Samstag 28. September 2019, 13:48
S. K. hat geschrieben: [...]
Was will uns Kierkegaard damit sagen... :hmm: ?
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