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Sinn und Zweck des Religionsunterrichts
Verfasst: Donnerstag 16. September 2004, 22:14
von Dr. Dirk
Der Thread wurde abgesplittet aus "Provokative Bilder". Dirk hat ihn nicht eröffnet.
Biggi
Wie wär's damit, im Religionsunterricht den Glauben zu unterrichten?
Verfasst: Donnerstag 16. September 2004, 22:26
von cathol01
Dirk hat geschrieben:Wie wär's damit, im Religionsunterricht den Glauben zu unterrichten?
Im Religionsunterricht geht es, wie der Name es schon sagt, allgemein um Religion, nicht (nur) um katholische Glaubensunterweisung. Ich denke nicht, dass man Katechese und schulischer Religionsunterricht noch gleichsetzen sollte. Das wird einfach den gesellschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr gerecht.
Verfasst: Donnerstag 16. September 2004, 22:29
von Robert Ketelhohn
Dann ist der Religionsunterricht aber überflüssig – mindestens.
Verfasst: Donnerstag 16. September 2004, 22:49
von Stefan
cathol01 hat geschrieben: Die Jugend von heute ist doch nicht mehr engagiert genug...
Dann überleg Dir was und motiviere sie.
Verfasst: Donnerstag 16. September 2004, 22:58
von Edi
Dirk hat geschrieben:Wie wär's damit, im Religionsunterricht den Glauben zu unterrichten?
Geht auch nur, wenn man selber glaubt.
Wir hatten noch mindestens einen Relilehrer, dem man anmerkte, dass er den Glauben ernst nahm. Die meisten aber waren nicht oder nicht sehr überzeugt. Einer, ein Pfarrer unterrichtete lieber im Reliunterricht Kunst, da dies auch sein Hobby war. Was denkst welchen Respekt - auf deren Religionsausübung bezogen- wir vor den andern hatten. Gar keinen. Geschlafen haben wir im Unterricht so gut es ging.
Verfasst: Donnerstag 16. September 2004, 23:46
von Dr. Dirk
cathol01 hat geschrieben:Dirk hat geschrieben:Wie wär's damit, im Religionsunterricht den Glauben zu unterrichten?
Im Religionsunterricht geht es, wie der Name es schon sagt, allgemein um Religion, nicht (nur) um katholische Glaubensunterweisung. Ich denke nicht, dass man Katechese und schulischer Religionsunterricht noch gleichsetzen sollte. Das wird einfach den gesellschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr gerecht.
Du redest in Allgemeinplätzen. Glaubst Du das eigentlich selber, was Du hier schreibst????
Die gesellschaftlichen Gegebenheiten sind doch so, dass die getauften Kinder und Jugendliche heute kaum noch etwas vom Glauben wissen. Die gesellschaftlichen Gegebenheiten schreien also geradezu nach Katechese im schulischen Unterricht.
Verfasst: Donnerstag 16. September 2004, 23:53
von Biggi
cathol01 hat geschrieben: Ich denke nicht, dass man Katechese und schulischer Religionsunterricht noch gleichsetzen sollte. Das wird einfach den gesellschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr gerecht.
Jein... Sicher findet Religionsunterricht in der Schule in einer anderen Situation statt als Katechese in der Pfarrei. Aber ich bin entschieden der Meinung, dass der Religionsunterricht wieder sehr viel "katechetischer" werden sollte. Denn gerade die große Menge von Kindern und Jugendlichen aus religiös indifferenten Familien erfährt entweder dort etwas über den Glauben oder nirgends! Und immerhin besteht die Chance (nicht die Sicherheit!), damit einige zu erreichen.
Im übrigen stelle ich auch fest, dass ein Religionsunterricht, der "religiöse Substanz" vermittelt, den Interessen vieler Jugendlicher durchaus entgegen kommt. Vorige Woche habe ich eine Erwartungsevaluation gemacht in einem neuen Religionskurs in der 10. Klasse (Alter 15-16 J.). Auf die Frage, warum sie/er Religion (statt praktischer Philosophie, was alternativ angeboten wird) gewählt habe, schrieb eine/r: "Weil wir beim Firmunterricht eher weniger zu Religion gemacht haben" (

) Jemand anders: "...weil es viele Menschen gibt, die an Gott glauben, ich jedoch nicht weiß, ob ich dies tun soll. Es gibt zu viele Zweifel und deswegen möchte ich in Religion mehr darüber erfahren." Und wieder jemand anders: "...weil ich früher in Religion nur wenig gelernt habe." "...weil ich versuchen möchte, mich wieder mehr mit meinem Glauben zu befassen."
Und bei den Erwartungen an die Lehrerin (also mich) wurde u.a. formuliert: ""dass sie uns wirklich Religion unterrichtet und nicht ständig etwas anderes macht!" (Nebenbei: der Großteil der Schüler kennt mich nicht aus dem Unterricht früherer Jahre, so dass sich darin hoffentlich keine Negativerfahrung mit mir ausdrückt...)
Die meistgewählten Themen entsprachen diesem Bild:
- Glauben - warum eigentlich?
- Gott ja - Kirche nein? Kirche als Institution - hat sie uns heute überhaupt noch etwas zu sagen?
- Leid, Krankheit, Tod: Wie kann Gott das zulassen?
- 5. Gebot: Abtreibung, Euthanasie, Selbstmord
Nur dreimal gewählt (von 21 Sch.): eine nichtchristliche Religion.
Nun, schaun'mer mal, aber die Truppe macht mir bislang einen sehr interessierten Eindruck. Und "zu brav" sind sie dabei nicht, denn das fänd ich arg langweilig...
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 07:08
von Ralf
cathol01 hat geschrieben:Ich denke nicht, dass man Katechese und schulischer Religionsunterricht noch gleichsetzen sollte.
Dann stellt sich natürlich die Frage, warum Relilehrer überhaupt die Missio (kirchliche Lehrbeauftragung: "Sendung!") erhalten sollten.
Aber sehr viel über den angeblich eigenen Glauben sollten die Schüler schon lernen und zwar möglich exakt und vorurteilsfrei - denn schließlich sollte man auch und gerade das genau kennen, was man evtl. dezidiert ablehnt.
Ich hatte Reliunterricht leider nur bei Schlaftabletten.
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 08:38
von max72
cathol01 hat geschrieben:Dirk hat geschrieben:Wie wär's damit, im Religionsunterricht den Glauben zu unterrichten?
Im Religionsunterricht geht es, wie der Name es schon sagt, allgemein um Religion, nicht (nur) um katholische Glaubensunterweisung. Ich denke nicht, dass man Katechese und schulischer Religionsunterricht noch gleichsetzen sollte. Das wird einfach den gesellschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr gerecht.
Es heisst doch aber "katholischer Religionsunterricht". Dann muesste man schon konsequent sein und EIN Religionsfach fuer alle haben...
Warum trauen wir Christen uns nicht mehr den Glauben zu unterrichten, eben Katechese? Vermutlich weil es provokant ist. Wenn jemand heute einen klaren Standpunkt verteidigt dann wird er gleich als intolerant angesehen. Stattdessen muessen wir schoen neutral Religion anbieten und sagen "im Prinzip ist es egal ob du dies oder das glaubst oder ob du ueberhaupt glaubst."
Mein Religionsunterricht hat absolut dazu beigetragen, dass ich die Kirche verliess. Er war so belanglos und nichtssagend, dass ich mich nach interessanterem umsah. In der Kirche als Ministrant habe ich wirklich nichts ueber den Glauben gelernt. Das ist so traurig, wieviele Chancen gehen da verloren, anderen den Glauben naeherzubringen?
Gruesse
Max
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 10:07
von Cicero
Biggi hat geschrieben:
Im übrigen stelle ich auch fest, dass ein Religionsunterricht, der "religiöse Substanz" vermittelt, den Interessen vieler Jugendlicher durchaus entgegen kommt.
Womit sich dann die Frage nach dem "geistlichen Grundwasserspiegel" des Religionslehrers stellt.
Wie, so frage ich mich immer wieder, kann ein nicht kirchlich gebundener Lehrer katholische Religion unterrichten? Nicht im Hinblick auf die rein fachliche Kompetenz, ein Atheist oder Agnostiker kann durchaus ein gutes
theologisches Wissen haben.
Im Religionsunterricht geht es m.E. entscheidend um die Authentizität des Lehrenden.
Dann stellt sich die Frage, ob kath. Religionsunterricht katechisch ist oder nicht, erst gar nicht.
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 11:20
von Biggi
Cicero hat geschrieben:Biggi hat geschrieben:
Im übrigen stelle ich auch fest, dass ein Religionsunterricht, der "religiöse Substanz" vermittelt, den Interessen vieler Jugendlicher durchaus entgegen kommt.
Womit sich dann die Frage nach dem "geistlichen Grundwasserspiegel" des Religionslehrers stellt.
Wie, so frage ich mich immer wieder, kann ein nicht kirchlich gebundener Lehrer katholische Religion unterrichten? Nicht im Hinblick auf die rein fachliche Kompetenz, ein Atheist oder Agnostiker kann durchaus ein gutes theologisches Wissen haben.
Im Religionsunterricht geht es m.E. entscheidend um die Authentizität des Lehrenden.
Dann stellt sich die Frage, ob kath. Religionsunterricht katechisch ist oder nicht, erst gar nicht.

Genau, Cicero! Dieser hohe Anspruch macht mir zwar manches Mal Bauchschmerzen, aber ich denke, ich muss mich ihm stellen...
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 11:41
von Fichtel-Wichtel
In der Grundschule hatten wir im Reli-Unterricht noch Umgang mit der Bibel,bzw. mit Texten daraus, AT,kann mich noch etwas daran erinnern.
Später auf der Hauptschule, nur so nen Sozialkram, Ghettos,kaputte Familien, Massenquatiere,Drogen.nix mit Bibel,Kirch oder sonst so etwas in der Richtung oder etwas zu kirchl.Strukturen, den diversen Kirchenfesten im Kirchenjahr,Heilige, Papst,Bischof ecpp!
Und dann mosern seitens der Bischöfe über unzulängliche kath.Allgemeinbildung und Wissen.Sind die Herrschaften doch selber schuld,wenns im Reli-Unterricht nur so unterirdisches an Lehrplan gibt.
Hat einer solche Lehrpläne für kath.Religion auf Lager,oder gibt es die öffentlich zugänglich als Link auf irgendeiner Website,oder sind solche Teile etwa "Staatsgeheimnis".
Wer schreibt entwirft eigentlich die Lehrpläne?
Die Bistümer,?
dbk.de ?
die jeweilige Landesregierung ?
oder wer?
Sollten vielleicht mal etwas geweckt werden diese Strategen, aus ihrem Büroschlaf,oder sonstigen Versunkenheit!
Gruß,
Elisabeth
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 13:15
von Biggi
Fichtel-Wichtel hat geschrieben: Hat einer solche Lehrpläne für kath.Religion auf Lager,oder gibt es die öffentlich zugänglich als Link auf irgendeiner Website,oder sind solche Teile etwa "Staatsgeheimnis".
Wär nicht so ideal, denn die jeweiligen Lehrer müssen/sollen sich danach richten. Allerdings sind die Lehrpläne wegen der Kulturhoheit der Länder halt unterschiedlich je nach Bundesland und dann natürlich spezifisch für die einzelnen Schulformen. Ich selbst hab demnach nur die Lehrpläne für meine Unterrichtsfächer für NRW fürs Gymnasium (und die gibt's getrennt für Sek I und Sek II).
Wer schreibt entwirft eigentlich die Lehrpläne?
Die Bistümer,?
dbk.de ?
die jeweilige Landesregierung ?
oder wer?
Die Landesregierung setzt eine Kommission ein, zu der Fachlehrer und Dezernenten von Landesregierung bzw. Regierungspräsidien gehören. Dann werden die Entwürfe in einem vorgeschriebenen Verfahren allen möglichen mitbestimmungsberechtigten Gremien vorgelegt. Im Fall des Faches Religion gehören dazu natürlich ganz entscheidend die katholische bzw. evangelische Kirche. Die haben nicht nur beratende Stimme, sondern können ein Veto einlegen.
Sollten vielleicht mal etwas geweckt werden diese Strategen, aus ihrem Büroschlaf,oder sonstigen Versunkenheit!
Für diese Behauptung hab ich keine Belege... Überhaupt scheinen mir die Lehrpläne das geringe Problem zu sein (nicht: kein Problem! Aber gegenüber früheren Lehrplänen in kR gibts in den aktuellen durchaus Verbesserungen). Entscheidend ist, was der einzelne Lehrer draus macht.
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 13:53
von Cicero
Biggi hat geschrieben: Entscheidend ist, was der einzelne Lehrer draus macht.
So ist es.
Den
Lehrplan Katholische Religionslehre für Grundschulen in NRW habe ich hier gerade parat.
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 14:21
von cathol01
max72 hat geschrieben:Es heisst doch aber "katholischer Religionsunterricht". Dann muesste man schon konsequent sein und EIN Religionsfach fuer alle haben...
Das wird auch demnächst kommen - zumindest bei uns ist das nur noch eine Frage der Zeit.
Dann stellt sich natürlich die Frage, warum Relilehrer überhaupt die Missio (kirchliche Lehrbeauftragung: "Sendung!") erhalten sollten.
Ja, die Frage stellt sich allerdings.
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 14:22
von cathol01
Aber ich glaube, ich kann hier überhaupt nicht mitdiskutieren. Ich sehe das zu sehr aus der luxemburgischen Perspektive. Und hier ist der Säkularisierungsprozess doch schon weiter fortgeschritten als in Deutschland, und die antikirchlichen Strömungen sind viel stärker. Die Kooperation Kirche-Staat wird vehementer in Frage gestellt usw.
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 14:29
von cathol01
Unsere Lehrpläne sind durchaus ausgeglichen. Und es ist keineswegs so, dass nur die Dauerbrenner Drogen und Sex behandelt würden. Die Bücher, mit denen wir arbeiten, sind die von Trutwin. Allerdings sind sie für Realschule einfach zu schwer, so dass ich persönlich kaum damit arbeite.
In Luxemburg wird jetzt immer lauter darüber nachgedacht, den katholischen Religionsunterricht und den Ethikunterricht miteinander zu einem Einheitsunterricht zu verschmelzen, in dem
- die Weltreligionen unterrichtet werden (mit Schwerpunkt katholische Religion)
- allgemeine ethische Fragen
- Menschenrechte
- Demokratie
thematisiert werden.
Die Frage, die uns Religionslehrer zur Zeit beschäftigt, ist die, ob wir Theologen diesen Einheitskurs dann auch halten dürfen, da wir eventuell nicht neutral genug sind und eventuell indoktrinieren...
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 15:02
von Juergen
cathol01 hat geschrieben:Dirk hat geschrieben:Wie wär's damit, im Religionsunterricht den Glauben zu unterrichten?
Im Religionsunterricht geht es, wie der Name es schon sagt, allgemein um Religion, nicht (nur) um katholische Glaubensunterweisung.
Das sieht das Bundesverfassungsgericht etwas anders (siehe unten).
cathol01 hat geschrieben:max72 hat geschrieben:Es heisst doch aber "katholischer Religionsunterricht". Dann muesste man schon konsequent sein und EIN Religionsfach fuer alle haben...
Das wird auch demnächst kommen - zumindest bei uns ist das nur noch eine Frage der Zeit.
Bundesverfassungsgericht hat geschrieben:Seine Sonderstellung gegenüber anderen Fächern gewinnt der Religionsunterricht aus dem Übereinstimmungsgebot des Art. 7 Abs. 3 Satz 2 GG. Dieses ist so zu verstehen, dass er in “konfessioneller Positivität und Gebundenheit” zu erteilen ist ... Er ist keine überkonfessionelle, vergleichende Betrachtung religiöser Lehren, nicht bloße Morallehre, Sittenunterricht, historisierende und relativierendeReligionskunde, Religions- oder Bibelgeschichte. Sein Gegenstand ist vielmehr der Bekenntnisinhalt, nämlich die Glaubenssätze der jeweiligen Religionsgemeinschaft. Diese als bestehende Wahrheiten zu vermitteln ist seine Aufgabe. Seine Ausrichtung an den Glaubenssätzen der jeweiligen Konfession ist der unveränderliche Rahmen, den die Verfassung vorgibt. Innerhalb dieses Rahmens können die Religionsgemeinschaften ihre pädagogischen Vorstellungen über Inhalt und Ziel des Religionsunterrichts entwickeln, denen der Staat aufgrund des Übereinstimmungsgebots des Art. 7 Abs. 3 Satz 2 GG Rechnung tragen muss.
(AZ.: 1 BvR 47/84; SPE n.F. und SPE 3. F. 652 Nr. 15)
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 15:21
von cathol01
Nur dass das Bundesverfassungsgericht in Luxemburg nichts zu sagen hat... Und das, was das Bunderverfassungsgericht da schreibt, würde in Luxemburg keine entsprechende Instanz in dieser Deutlichkeit schreiben.
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 15:23
von max72
cathol01 hat geschrieben:Unsere Lehrpläne sind durchaus ausgeglichen. Und es ist keineswegs so, dass nur die Dauerbrenner Drogen und Sex behandelt würden. Die Bücher, mit denen wir arbeiten, sind die von Trutwin. Allerdings sind sie für Realschule einfach zu schwer, so dass ich persönlich kaum damit arbeite.
In Luxemburg wird jetzt immer lauter darüber nachgedacht, den katholischen Religionsunterricht und den Ethikunterricht miteinander zu einem Einheitsunterricht zu verschmelzen, in dem
- die Weltreligionen unterrichtet werden (mit Schwerpunkt katholische Religion)
- allgemeine ethische Fragen
- Menschenrechte
- Demokratie
thematisiert werden.
Die Frage, die uns Religionslehrer zur Zeit beschäftigt, ist die, ob wir Theologen diesen Einheitskurs dann auch halten dürfen, da wir eventuell nicht neutral genug sind und eventuell indoktrinieren...
Das geht genau in die "Konstruktivismus"debatte im anderen thread und zeigt die Auswuechse. Man duerfe ja keinem Schueler eine konkrete Meinung anbieten, das sei ja intolerant, da behaupte man eine Wahrheit zu haben. Man muesse ihm neutral alles darbieten, damit er selbst waehlen kann.
Diese Neutralitaet gibt es aber nicht. Was man mit so einem Ansatz als Wahrheit darbietet ist, dass alle Religionen eine Variante desselben sind, dass es keinen Unterschied gibt. Man indoktriniert die Kinder da eben mit einem relativistischem Weltbild. Zumindest geschieht das in der Praxis. Vor allem, wenn man meint, ein Katholik waere fuer einen solchen gemeinsamen Ethikunterricht voreingenommen. Wer ist denn nicht voreingenommen? Jeder hat sein Weltbild. Ein Nichtchrist wird den Ethikunterricht auch praegen.
Ausserhalb Deutschlands gibt es deswegen schon keine theologischen Institute an der Uni, sondern nur Religionswissenschaft. Denn Theologie waere ja nicht unabhaengig.Gruss
Max
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 15:51
von cathol01
Ich sage ja auch nicht, dass ich diese Kritiken (dass im RU "indoktriniert würde") gut fände. Im Gegenteil. Es besteht zunächst einmal schon ein gewaltiger Unterschied zwischen "eine konkrete Meinung anbieten" und "indoktrinieren". Natürlich sage ich den SchülerInnen meinen Standpunkt. Nur wenn der Lehrer einen persönlichen Standpunkt hat, an dem sich die SchülerInnen ggf. reiben können, können sie sich ihren eigenen Standpunkt konstruieren und sich mit ihrem eigenen Glauben auseinander setzen. Ich sage den Sch. auch, dass ich der Meinung bin, dass allen Religionen, die das Phänomen Jesus Christus nicht integriert haben, etwas Wesentliches fehlt. Bei mir sind nicht alle Religionen gleich(-wertig).
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 15:57
von Juergen
cathol01 hat geschrieben:Die Frage, die uns Religionslehrer zur Zeit beschäftigt, ist die, ob wir Theologen diesen Einheitskurs dann auch halten dürfen, da wir eventuell nicht neutral genug sind und eventuell indoktrinieren...
Also ich meine, da sollten die Theologen ernsthaft überlegen nicht mehr als Religionslehrer tätig zu sein. Besser ist das. Wo kämen wir denn da hin. Da könnte ja jeder kommen.
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 15:59
von Wise Guy
Wenn allerdings Religionsunterricht = Katechese ist, dürfte ich eigentlich keine Noten geben
ich erinnere an den netten Witz:
In der mündlichen Abiturprüfung weiß Pennäler Kratzinger alles. Die Prüfer sind sich aber nicht einig, welche Noten sie ihm geben sollen. Lehrer Müller sagt: eine 1 klar, er hat alles gewußt; Lehrer Meier sagt: eine 6 klar, er hat alles gewußt, aber er glaubt es nicht!
Das Ziel von Katechese ist zu aller erst Glauben und den kann ich schlecht benoten. Daher muss es einen Mittelweg geben, zwischen Katechese einerseits und Religionskunde andererseits.
Und ich habe einen sehr guten Religionsunterricht genossen. Unser Lehrer hat sogar Morgengebete im Sprachlabor unserer Schule angeboten, sowie Tage der Besinnung im Kloster, und hat danach noch Fahrten zu Jugendvespern im Kloster organisiert.
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 16:02
von roncalli
max72 hat geschrieben: Ausserhalb Deutschlands gibt es deswegen schon keine theologischen Institute an der Uni, sondern nur Religionswissenschaft. Denn Theologie waere ja nicht unabhaengig.
Österreich gehört seit 1945 nicht mehr zu Deutschland!

Aber wir haben sowohl Theologie an den Unis als auch konfessionellen Religionsunterricht.
Da in Österreich der Islam schon seit 1912(?) zu den staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften gehört, gibt es bei uns auch schon lange muslimischen Religionsunterricht mit muslimischen Reli-Lehrern. Und ich denke, die Muslime würden nie auf einen konfessionellen R-Unterricht verzichten, also dürfte auch uns der konfessionelle Religionsunterricht erhalten bleiben .

Verfasst: Freitag 17. September 2004, 16:02
von max72
cathol01 hat geschrieben:Nur wenn der Lehrer einen persönlichen Standpunkt hat, an dem sich die SchülerInnen ggf. reiben können, können sie sich ihren eigenen Standpunkt konstruieren und sich mit ihrem eigenen Glauben auseinander setzen. .
Ja, genau das hat mir in meinem Unterricht gefehlt. Ein typisches Beispiel fand ich das, was ich vom Kirchentag gehoert hatte. Ein Teilnehmer fraegt den Moench ueber Sexualitaet und bekommt zur Antwort "wenn ich was konkretes sagen wuerde, wuerde Dir das auch nicht weiterhelfen". Na super...
Auf EWTN zB bekommt man genau das gesagt was im Katechismus steht. Das provoziert teilweise gewaltig, aber ich habe etwas mit dem ich mich auseinandersetzen kann. Ich werde gefordert Stellung zu nehmen, auch einen Standpunkt zu untersuchen der ganz anders ist als der meinige. Daran kann ich wachsen.
Nur, von offizieller Seite will man ja nichts kontroverses, weil das gleich intolerant ist. Soweit, dass schon ein getragenes Kreuz einen anderen beleidigt. Sind wir so empfindlich inzwischen?
Gruss
Max
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 16:15
von max72
roncalli hat geschrieben:max72 hat geschrieben: Ausserhalb Deutschlands gibt es deswegen schon keine theologischen Institute an der Uni, sondern nur Religionswissenschaft. Denn Theologie waere ja nicht unabhaengig.
Österreich gehört seit 1945 nicht mehr zu Deutschland!

)
öøhm... Tja, deutschsprachigen Raum... (und vielleichth auch nicht nur da).

Max
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 16:24
von Juergen
max72 hat geschrieben:roncalli hat geschrieben:max72 hat geschrieben: Ausserhalb Deutschlands gibt es deswegen schon keine theologischen Institute an der Uni, sondern nur Religionswissenschaft. Denn Theologie waere ja nicht unabhaengig.
Österreich gehört seit 1945 nicht mehr zu Deutschland!

)
öøhm... Tja, deutschsprachigen Raum... (und vielleichth auch nicht nur da).

Max
und wat ist dat:
http://www.tf.uio.no/
oder guck mal da:
http://www.theologie.uni-wuerzburg.de/f ... ndlist.php
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 16:38
von max72
Juergen hat geschrieben:max72 hat geschrieben:roncalli hat geschrieben:max72 hat geschrieben: Ausserhalb Deutschlands gibt es deswegen schon keine theologischen Institute an der Uni, sondern nur Religionswissenschaft. Denn Theologie waere ja nicht unabhaengig.
Österreich gehört seit 1945 nicht mehr zu Deutschland!

)
öøhm... Tja, deutschsprachigen Raum... (und vielleichth auch nicht nur da).

Max
und wat ist dat:
http://www.tf.uio.no/
oder guck mal da:
http://www.theologie.uni-wuerzburg.de/f ... ndlist.php
Hmm, tja, ich hab das von Alister McGrath's Buch. Und in den USA scheint es meist so zu sein. Und in England fast immer so. Einer der links in England ist auch "Religious Studies", also eben keine Theologie.
Ausnahmen bestaetigen die Regel (rede ich mich mal grad raus hier)
In Norwegen hat nur Oslo eine theologische Fakultaet, die anderen Religionswissenschaft. Die "menighetsfakultet" ist universitaetsunabhaengig.
Gruss
Max
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 16:51
von cathol01
Wie ist es denn in Österreich? Ist da der RU auch in der Verfassung verankert? Bei uns ist das nämlich nicht der Fall.
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 16:56
von Juergen
cathol01 hat geschrieben:Wie ist es denn in Österreich? Ist da der RU auch in der Verfassung verankert?
http://www.verfassungen.de/at/verfassungheute.htm
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 18:42
von roncalli
cathol01 hat geschrieben:Wie ist es denn in Österreich? Ist da der RU auch in der Verfassung verankert? Bei uns ist das nämlich nicht der Fall.
Hier findest du die gesetzlichen Grundlagen für den Religionsunterricht in Österreich:
http://www.netburger.at/rpi/LeseZeichen ... t/Gesetze/
Verfasst: Freitag 17. September 2004, 19:48
von Fichtel-Wichtel
An moslemischem Religionsunterricht und vor allem an der Ausbildung von moslemischen Relilehrern wird doch vor allem in NRW heftig gewerkelt.Wenn ich mich recht entsinne,Uni Münster?
Also wird der knfessionelle Reli unterricht wohl dorten erhalten bleiben,was man aus Brandenburg so zu dem Bereich hört,klingt net sehr erfreulich.
Veemutlich wird es in einigen Jahren dann wohl nur noch außerhalb der eigentlichen Schulunterrichts Glubensvermittlung in der Gemeinde geben,oder sog.Sonntagsschulen?
Gruß,
Elisabeth