Die vollständige arbeit findet sich hier.Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt
Berlin, 2. August 2005. Der Römerbrief gilt als das längste und theologisch bedeutendste Schreiben des Paulus. Allerdings enthält die Schrift in ihrer heutigen (kanonischen) Form eine Reihe kaum lösbarer innerer Widersprüche. Da der Verfasser in seinem Schreiben Heidenchristen anredet und im wesentlichen eine Auseinandersetzung mit dem Judentum führt, wird oft vom „Doppelcharakter“ bzw. der „Janusgesichtigkeit“ des Briefes gesprochen.
In der Untersuchung: Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt versuche ich zu zeigen, dass die innere Widersprüchlichkeit nicht theologisch, sondern literar-, bzw. textkritisch erklärt werden muss. Der ständige Perspektivwechsel, das unterschiedliche sprachliche Niveau und die theologischen Differenzen müssen vor dem Hintergrund zweier unterschiedlicher Textschichten bzw. Rezensionen verstanden werden, einer längeren katholischen und einer kürzeren marcionitischen.
Entscheidend ist die Erkenntnis, dass die marcionitische Version keineswegs eine tendenziöse Überarbeitung der katholischen darstellt, wie bisher allgemein angenommen, sondern letztere das Resultat der umfangreichen Redaktion eines ursprünglich marcionitischen Textes. Erst die Einsicht in diesen, durch die deutsche Forschung des 19.und 20. Jahrhunderts (Zahn, Harnack) verdunkelten, bis heute nicht erkannten Sachverhalt ermöglicht ein historisches Verständnis der Paulus zugeschriebenen Epistel.
Ohne der Frage nach der Verfasserschaft des Briefes nachzugehen, gelangt die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass sich die Theologie des "Paulus":
"... der wir authentisch nur in der Kürzeren Rezension des Briefes begegnen, kaum von derjenigen Marcions unterscheidet. Der sog. Paulinismus der Briefe dagegen, die bis heute unter dem Namen des Apostels im Kanon enthalten sind, ist kein Gebilde aus einem Guss, sondern eine komplexes Konglomerat zweier heterogener theologischer Strömungen, des Marcionitismus und des Katholizismus. Die vielen einander widersprechenden Interpretationen des Römerbriefs haben nicht zuletzt in dieser Doppelgesichtigkeit des Paulus, die auf zwei verschiedene literarische Schichten mit je unterschiedlichen Theologien zurückzuführen ist, ihre Wurzeln. Zusammengehalten wurden die beiden sich widersprechenden, ergänzenden, korrigierenden oder gegenseitig in Schach haltenden Tendenzen durch die Autorität des Kanons und der Kirche, welche die Längere Rezension nicht aber die Kürzere des Marcion als den authentischen Römerbrief bzw. als die authentische Gestalt der Briefe des Apostels Paulus herausgab."
Die erstmals veröffentlichte Webfassung (pdf und teilweise htm) enthält eine Einleitung, eine Rekonstruktion (inkl. Übersicht über die marcionitischen Textvarianten), den rekonstruierten Text (inkl. deutscher Übersetzung), ein Kapitel über den unterschiedlichen Sprachgebrauch von marcionitischer und katholischer Version und einen theologischen Vergleich.
Der Römerbrief in seiner ursprünglichen Gestalt-Einleitung
Marcionitische Rezension und katholische Redaktion des Römerbriefs – unterschiedlicher Sprachgebrauch
Marcionitische und katholische Rezension des Römerbriefs – ein Vergleich