Der Glaube, die Logik und die Spiritualität

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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spectator
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Der Glaube, die Logik und die Spiritualität

Beitrag von spectator »

In einem anderen Thema habe ich ein sehr interessantes Gespräch mit Alexander und Nietenolaf geführt, zu dem ich noch mal zurückkehren möchte.
Dort schrieb Alexander folgendes:
Alexander hat geschrieben:
spectator hat geschrieben:Wir auch.
Nein, spectator, entweder ihr oder wir (oder noch jemand, oder keiner), zwei einander widersprechende dogmatische Systeme können nicht gleichzeitig wahr sein, so die formale Logik.
Offenbar denkt Alexander über die Existenz der beiden Kirchen (Orthodox und RK-Kirche) nach dem logischen Prinzip der Antivalenz:
EXOR - Exklusiv-ODER – Antivalenz

Es gibt aber auch andere Prinzipien der Logik – z.B. das Prinzip der Äquivalenz:
EXNOR - Exklusiv-Nicht-ODER – Äquivalenz

Welches Prinzip ist anwendbar?
Das Erste oder das Zweite?
Beide?
Oder vielleicht kein von den Beiden?

Weiter in dortigem Thema habe ich mit Nietenolaf über die Spiritualität de Heiligen diskutiert – hat diese einen Einfluss auf die Existenz, die Formung und die Begründung der Wirklichkeit der beiden Kirchen?

Raphael

Beitrag von Raphael »

Das erinnert an die Kirchengeschichte: ;)

Die katholische Lösung - Eine Lösung zweiter Ordnung

Selbst ein Riese kann blockiert sein, wenn er gleichzeitig in zwei entgegengesetzte Richtungen gehen will. Im Film »Rainman« hat Dustin Hoffmann auf unterhaltsame Weise einen solchen Menschen dargestellt. Die Psychiatrie kennt derartige Phänomene von schizophrenen Patienten, die als Reaktion auf widersprüchliche Impulse stundenlang in einer - kataton genannten - Körperhaltung verharren. Vielleicht ist das ja der Mechanismus, der den Riesen zwischen konservativen und progressiven lockenden Sirenentönen erstarren lässt. Die Antike kannte in solchen Fällen als Ausweg nur die »Methode Odysseus«: sich selbst fesseln lassen, der Besatzung die Ohren verstopfen und durch. Die katholische Kirche hat da eine erheblich elegantere Methode entwickelt. Dieses eigentümlich katholische Lösungsmuster ist die Lösung zweiter Ordnung nach Watzlawick.
Das bekannteste Beispiel dafür ist die vielleicht schwierigste Kirchenkrise der vergangenen 400 Jahre, der dramatische Gnadenstreit des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Liest sich die Papstgeschichte Ludwig Freiherr von Pastors ohnehin wie ein spannender Familienroman, bei dem der Leser immer wieder in Situationen geführt wird, in denen er als Papst längst zurückgetreten wäre, so ist dieser Gnadenstreit in seiner offensichtlichen Ausweglosigkeit zweifellos der Höhepunkt der Überforderung des Menschen auf dem Stuhle Petri.
Kurz zu den Fakten: Im Jahre 1588 war in Spanien ein Streit zwischen Dominikanern und Jesuiten über die Gnadenlehre entbrannt, der mit den Jahren so weit eskalierte, dass an den Dominikanerhochschulen die Studenten schon bei Erwähnung eines Jesuiten aus Protest mit den Füßen trampelten, während die Jesuiten die Dominikaner bei der Inquisition wegen Irrlehre anzeigten. Die Dominikaner ließen schließlich sogar für die »Bekehrung der Irrlehrer« beten - eine subtile Form der Unverfrorenheit. Der Streit betraf zugegebenermaßen nicht eine der heute oft in Diskussion stehenden kirchlichen Nebensächlichkeiten, sondern den Kern des Glaubens selbst, und er eskalierte so weit, dass der spanische Nuntius den Papst drängte, die Entscheidung in diesem Streit an sich zu ziehen. Selbst der spanische König Philipp II., der in der Einheit des Glaubens einen Garanten für die Einheit seines gewaltigen Reiches sah, appellierte an den Papst, die Angelegenheit beschleunigt zu entscheiden. Das war ganz ungewöhnlich, hielten doch die »katholischen Majestäten« den Papst sonst in fast brüskierender Weise aus kirchlichen spanischen Angelegenheiten heraus. Deswegen war übrigens die berüchtigte spanische Inquisition dem Einfluss des Papstes weitgehend entzogen und eher der Verfassungsschutz des spanischen Monarchen als eine kirchliche Behörde. Insofern musste das Drängen Philipps II. für den Papst auch verlockend sein.
Aber das Ganze war zugleich ein vergiftetes Angebot. Denn angesichts der erheblichen Eskalation des Streits musste jede mögliche Entscheidung des Papstes eine Katastrophe für die katholische Kirche herbeiführen. Die Jesuiten verlangten nämlich nicht mehr und nicht weniger als die Verurteilung der dominikanischen Gnadenlehre als calvinische Irrlehre. Eine Verurteilung der Theologie des Theologenordens der Kirche schlechthin - des Ordens des heiligen Thomas von Aquin und der Inquisition - in einem ganz entscheidenden Punkt, nämlich der Gnadenlehre, hätte für die katholische Kirche aber ein weltweites Desaster bedeutet. Umgekehrt verlangten die Dominikaner ungestüm eine Verurteilung der Gnadenlehre des Jesuitenordens als pelagianische Irrlehre. Der Jesuitenorden aber war die »Elitetruppe« des Papstes, der Promotor der »Gegenreformation«, die gerade zu diesem Zeitpunkt, nach dem Tridentinischen Konzil, gewaltige Fortschritte machte. Eine solche Verurteilung hätte daher ohne Zweifel das Ende des Wiedererstarkens der katholischen Kirche bedeutet.
Die Lage erschien also in bedrückender Weise hoffnungslos. Hinzu kam, dass Papst Clemens VIII., der damals regierte, kein gut ausgebildeter Theologe war, sondern wohl nur Kirchenrecht studiert hatte. Dem Papst war aber gar nichts anderes übrig geblieben, als den Fall anzunehmen. So kniete er sich voller Pflichtbewußtsein ins Thema, ließ Gutachten um Gutachten erstellen und berief schließlich eine Kardinalskommission. Und nun entspann sich ein bisher nicht gekanntes Drama: Fast zehn Jahre lang disputierten zu Füßen des Heiligen Vaters und der Kardinäle die bedeutendsten Theologen der Zeit über die Gnadenlehre: Auf Seiten der Jesuiten unter anderen der berühmte Kardinal Robert Bellarmin, auf Seiten der Dominikaner der Spanier Diego Alvarez und viele andere. Selbst die Protestanten blickten gebannt nach Rom - auch bei ihnen war die Gnadenlehre strittig. Der Papst war verzweifelt. Schließlich neigte sich die Waage scheinbar zu Gunsten der Dominikaner. Dunkle Wolken zogen über den Jesuiten auf. Kardinal Bellarmin wurde aus Rom verbannt. Alles schien vorbereitet zur Verurteilung der Gesellschaft Jesu. Da starb der Papst, wie manche meinen, aus Gram über den nicht gelösten Streit. Sein mittelbarer Nachfolger, Papst Paul V., für dessen Wahl die Tatsache wichtig war, dass er als Mitglied der Kardinalskommission die jahrelangen Diskussionen mitverfolgt hatte, ließ weitertagen, zog aus der ganzen katholischen Welt Erkundigungen ein, ließ seitenlange Gutachten anfertigen. Und dann entschied der Papst am 5. September des Jahres 1607. Diese Entscheidung ist als eine der glänzendsten in die Kirchengeschichte eingegangen. Sie umfasste kaum eine Seite und lautete: Jahrelange Debatten der Fachgelehrten haben keine Einigkeit darüber ergeben, dass die dominikanische Gnadenlehre eine calvinische Irrlehre ist. Darum entscheiden Wir: Wer künftig noch die dominikanische Gnadenlehre als eine calvinische Irrlehre verurteilt, der ist selbst streng zu verurteilen. Jahrelange Debatten der Fachgelehrten haben keine Einigkeit darüber ergeben, dass die jesuitische Gnadenlehre eine pelagianische Irrlehre ist. Darum entscheiden Wir: Wer künftig noch die jesuitische Gnadenlehre als eine pelagianische Irrlehre verurteilt, der ist selbst streng zu verurteilen. Wie es sich um die Gnadenlehre letztlich verhält, das wird der Heilige Stuhl zu gegebenem Zeitpunkt mitteilen. Unterschrift. - Diese Mitteilung ist bis heute nicht erfolgt.
Das Geniale an dieser Entscheidung war, dass mit dem Mittel der Verurteilung die Verurteilung verboten wurde. Wer andere nicht toleriert, der sollte selbst nicht toleriert werden.
Aus einer ausweglos scheinenden extrem eskalierten Situation war eine Lösung zweiter Ordnung gefunden worden. Der ultimativ vorgegebene »Entweder-oder-Rahmen« war in einen »Sowohl-als-auch-Rahmen« überführt worden. Damit war nicht irgendein Trick gefunden, um aus einer misslichen Situation herauszukommen. Der Papst formulierte vielmehr an einem brisanten konkreten Fall das uralte katholische Prinzip der »Einheit in Vielfalt«, das im Laufe einer jahrhundertelangen Geschichte immer wieder dafür gesorgt hatte, dass die Kirche bereit war, sehr viel sehr Unterschiedliches zu tolerieren. Sobald aber jemand behauptete, er und nur er habe Recht, wies sie ihn in die Schranken. Das sicherte dieser Gemeinschaft jene Eigenschaft, die man katholische Weite genannt hat, ohne freilich das »Sowohl-als-auch« ins Profillose zu verwässern. Diese katholische Lösung von Problemen ist von ihrem Wesen her eine Lösung zweiter Ordnung.

(Quelle: Manfred Lütz, Der blockierte Riese, S. 117 ff.)
Zuletzt geändert von Hubertus am Freitag 22. Juni 2012, 14:08, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Link gesetzt.

Es-Ergo-Cogito
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Beitrag von Es-Ergo-Cogito »

Die Katholische Lösung lautet "Synthese".

hierzu ein Exzerpt aus einem meiner alten Schinken, den ich nach wie vor sehr schätze:


„...der Begriff der Katholizität, ...der S y n t h e s e.
Es gibt keine andere Formel, die so sehr die kirchengeschichtliche Betrachtung geistig-seelisch fruchtbar zu machen imstande ist wie diese. Die Kirche ist ein System der Mitte, sie stellt die Zusammenfassung aller Werte von rechts und links dar. In einer unerhört reichen Geschichte hat sie es verstanden, in dem, was wesentlich an ihr ist, die Einseitigkeit und damit die Übertreibung zu vermeiden:
sie läßt dem Judenvolk seine Vorzugsstellung als Volk der Auserwählung, aber sie macht im Neuen Bunde die ganze Menschheit zum wahren Israel; sie anerkennt die Kräfte des menschlichen Verstandes (ohne sie überzubewerten), aber sie lehnt die Gleichstellung der Religion Jesu mit der Philosophie ab; sie weiß, daß ihre Lehre Geheimnis ist und doch irgendwie vom Verstande erfasst werden kann ( Anm.: siehe Widerruf des Bautain); sie lehrt, daß die Gnade a l l e s Heilsnützliche wirkt, und schreibt doch dem menschlichen Willen Kraft und Pflicht zur Mitarbeit (aus der Kraft der vorher von Gott geschenkten Gnade) zu: die g a n z e Kirchengeschichte in ihrer unübersehbaren Vielfältigkeit kann von hier aus studiert werden. –
Natürlich darf man Synthese nicht verwechseln mit wahlloser Vermischung. Erste Voraussetzung der Synthese ist kompromißlose Festigkeit.
Synthese ist o r g a n i s c h e r Ausbau.
Diese Synthese aber ist grundgelegt, vorgelebt und vorgebildet in Jesu Persönlichkeit und Werk:
G o t t u n d M e n s c h ; höchstes Selbstbewußtsein und tiefste selbstverleugnende Demut;
Gnade und Verdienst; Festigkeit der Forderungen und Barmherzigkeit; Das Gesetz nicht verwerfen und doch mit neuem Sinn e r f ü l l e n; Innere Absicht und äusseres Tun ...; Individuum und Gemeinschaft; Jeder Punkt der Lehre das Ganze, aber das Ganze doch nur da, wo a l l e Einzelheiten bewahrt und verwirklicht sind.
Erst die Erkenntnis der Tatsache und dann des Reichtums dieser Synthese schafft die Möglichkeit, die Einheitlichkeit und Folgerichtigkeit der Lehre Jesu und des Urchristentums darzutun, ohne nach Art der liberalen Kritik auf ein allmähliches „Werden“ des Bewußtseins Jesu und seiner reinen Lehre zurückgehen zu müssen und damit alle verpflichtende Form, alle o b j e k t i v e Religion im Keime tödlich zu treffen.“

(Geschichte der Kirche in ideengeschichtlicher Betrachtung
Eine geschichtliche Sinndeutung der christlichen Vergangenheit
Dargestellt von Prof. DDr. Joseph Lortz,
7. und 8. Auflage 1940
Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster in Westfalen
IMPRIMATUR, Monasterii, die 22 Octobris 1935, Nr. L 1998,
Meis, Vicarius Episcopi Generalis
§6 Jesus Christus, der Stifter der Kirche,
8. Anhang: Begriff der katholischen Synthese)
«::: pax tecum :::»

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spectator
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Beitrag von spectator »

Damit wir auch wissen, wovon wor hier reden sollen, versuchen wir noch den Buchstaben „A“, „B“ und „Q“ bestimmte Begriffe zuordnen, damit auch unsere Gleichungen:
Antivalenz - Bild

Äquivalenz - Bild
einen spirituellen ;) Sinn bekommen

also:
A = Spiritualität der Orthodoxie
B = Spiritualität der lateinischen Kirche (rk)
Q = das „ja“ Gottes - die Existenzberechtigung der Spiritualität der Kirche/n


P.S. und dann versuchen wir unsere Sicht auch auf mathematische Weise auszudrücken. ;)

anselm
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Re: Der Glaube, die Logik und die Spiritualität

Beitrag von anselm »

spectator hat geschrieben: Es gibt aber auch andere Prinzipien der Logik – z.B. das Prinzip der Äquivalenz:
EXNOR - Exklusiv-Nicht-ODER – Äquivalenz
Diese Form der Aussage (Äquivalenz) passt gut, denn
vom übergeordneten Standpunkt der Wahrheit gilt für beide Kirchen:
(non A) und (non B). :D

Tschuldigung, aber dieser Einladung zu einem lustigen Statement konnte ich einfach nicht widerstehen.

Raphael

Beitrag von Raphael »

@ spectator
spectator hat geschrieben:Damit wir auch wissen, wovon wor hier reden sollen, versuchen wir noch den Buchstaben „A“, „B“ und „Q“ bestimmte Begriffe zuordnen, damit auch unsere Gleichungen:
Antivalenz - Bild

Äquivalenz - Bild
einen spirituellen ;) Sinn bekommen

also:
A = Spiritualität der Orthodoxie
B = Spiritualität der lateinischen Kirche (rk)
Q = das „ja“ Gottes - die Existenzberechtigung der Spiritualität der Kirche/n


P.S. und dann versuchen wir unsere Sicht auch auf mathematische Weise auszudrücken. ;)
Nun, auch der Beobachter kann aktiv sein und derzeit möchtest Du offensichtlich einen neuen Wissenschaftszweig begründen: die mathematische Theologie! ;)

Nur sollte hier im Vorfeld geklärt sein, ob die gemeinte und benötigte Mathematik immanentistisch oder transzendental verstanden werden muß, damit sie als „Sprache“ der neuen Disziplin anerkannt wird.
Im gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Umfeld (um nicht das verschlissene Wort »Paradigma« zu verwenden! 8) ) wird Mathematik wohl eindeutig in ersterer Weise verstanden. Dies reicht IMHO jedoch bei der Verknüpfung zur Theologie nicht aus; und dies insbesondere dann nicht, wenn über die orthodoxe oder römisch-katholische »Spiritualität« gesprochen werden soll. »Spiritualität« ist zuallererst und wesentlich transzendental und daher mit einer immantentistisch verhafteten Sprache, wie es die Mathematik nunmal gegenwärtig ist, nicht ausdrückbar. Oder anders ausgedrückt: »Spiritualität« (und im Nachgang hierzu auch weitestgehend die christliche Theologie) sprengt den Rahmen der an die strenge Logik gebundenen Mathematik.

Letzteres bedeutet nun keinesfalls, daß Theologie unlogisch sei, aber von einer „Logik der höheren Ordnung“ oder – in christlichen Termini – von einer „Logik der Liebe“ durchdrungen. Gottes Liebe ist eben katholisch (= allumfassend) ............... :freude:

GsJC
Raphael
Zuletzt geändert von Raphael am Mittwoch 5. Oktober 2005, 14:49, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Der Glaube, die Logik und die Spiritualität

Beitrag von spectator »

anselm hat geschrieben:
spectator hat geschrieben: Es gibt aber auch andere Prinzipien der Logik – z.B. das Prinzip der Äquivalenz:
EXNOR - Exklusiv-Nicht-ODER – Äquivalenz
Diese Form der Aussage (Äquivalenz) passt gut, denn
vom übergeordneten Standpunkt der Wahrheit gilt für beide Kirchen:
(non A) und (non B). :D

Tschuldigung, aber dieser Einladung zu einem lustigen Statement konnte ich einfach nicht widerstehen.
Anselm, ich habe schon befürchtet, dass einer damit kommt. :mrgreen:
Wenn wir jedoch dem Buchstaben „Q“ die Existenz Gottes zuordnen, so hat (nonA) und (nonB) auch eine Bedeutung, denn Gott existiert unbedingt – also auch ohne einer Kirche – vgl. Joh 8:58

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spectator
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Beitrag von spectator »

Raphael hat geschrieben:Nun, auch der Beobachter kann aktiv sein und derzeit möchtest Du offensichtlich einen neuen Wissenschaftszweig begründen: die mathematische Theologie! ;)
hallo Raphael,
keineswegs will ich etwas begründen oder erfinden. ;)
Aber schon Einstein versuchte das unendliche Universum mathematisch zu umschreiben, obwohl er es nie bereiste und nie überblickte.
So auch können wir zumindest den Versuch wagen (auch wenn nur aus reiner Neugier), mit logischen Verknüpfungen die Existenz der Kirche/n zu beschreiben. ;)
Raphael hat geschrieben:Nur sollte hier im Vorfeld geklärt sein, ob die gemeinte und benötigte Mathematik immanentistisch oder transzendental verstanden werden muß, damit sie als „Sprache“ der neuen Disziplin anerkannt wird.
ich würde sagen „immanentistisch“ ohne aber gleichzeitig die Transzendenz abzulehnen.
Raphael hat geschrieben:Im gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Umfeld (um nicht das verschlissene Wort »Paradigma« zu verwenden! 8) ) wird Mathematik wohl eindeutig in ersterer Weise verstanden.
darum geht es mir!
Die Mathematik nicht als ein Ausschlussverfahren zu benutzen, sondern als Hilfe!
Raphael hat geschrieben:Letzteres bedeutet nun keinesfalls, daß Theologie unlogisch sei, aber von einer „Logik der höheren Ordnung“ oder – in christlichen Termini – von einer „Logik der Liebe“ durchdrungen. Gottes Liebe ist eben katholisch (= allumfassend) ............... :freude:

GsJC
Raphael
Selbstverständlich.
Aber auch Christus stellte den Pharisäern Fragen, die ihr logisches Denken herausforderten – z.B.:
“Was denkt ihr über den Messias? Wessen Sohn ist er? Sie antworteten ihm: Der Sohn Davids.
Er sagte zu ihnen: Wie kann ihn dann David, vom Geist (Gottes) erleuchtet, «Herr» nennen? Denn er sagt: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, und ich lege dir deine Feinde unter die Füße.
Wenn ihn also David «Herr» nennt, wie kann er dann Davids Sohn sein?

Niemand konnte ihm darauf etwas erwidern, und von diesem Tag an wagte keiner mehr, ihm eine Frage zu stellen.“


Und selbst Dein zitierter Text enthält eben die Äquivalenz:
Raphael zitiert hat geschrieben:Das erinnert an die Kirchengeschichte: ;)

Die katholische Lösung - Eine Lösung zweiter OrdnungDas Geniale an dieser Entscheidung war, dass mit dem Mittel der Verurteilung die Verurteilung verboten wurde. Wer andere nicht toleriert, der sollte selbst nicht toleriert werden.
Aus einer ausweglos scheinenden extrem eskalierten Situation war eine Lösung zweiter Ordnung gefunden worden. Der ultimativ vorgegebene »Entweder-oder-Rahmen« war in einen »Sowohl-als-auch-Rahmen« überführt worden.
also, bleiben wir locker und philosophieren ein bisschen! ;D

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