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Zwei Bibelübersetzungen, die ich empfehlen kann
Verfasst: Freitag 24. März 2006, 23:25
von Pit
Hallo !
Hier habe ich zwei Bibelübersetzungen, die ich unbedingt empfehlen kann:
1. "Die Heilige Schrift" übersetzt ins Deutsche von Naftali Herz Tur-Sinai, (AT) und
2. "Das Jüdische Neue Testament" übersetzt von David Stern
Und ein Buch zwecks Andacht, das mir sehr gut gefällt, ist
"Tägliches Seelenbrot" von C.O. Rosenius.
Gruß, Pit
Verfasst: Freitag 24. März 2006, 23:40
von Robert Ketelhohn
Pit hat geschrieben:Hier habe ich zwei Bibelübersetzungen, die ich unbedingt empfehlen kann:
1. "Die Heilige Schrift" übersetzt ins Deutsche von Naftali Herz Tur-Sinai, (AT) und
2. "Das Jüdische Neue Testament" übersetzt von David Stern
Dazu drei Fragen:
1. Weshalb kannst du sie empfehlen?
2. Aus welcher Textgrundlage beruhen sie (was wird übersetzt)?
3. Kannst du kurze Übersetzungsbeispiele bringen (je ein, zwei Verse)?
Verfasst: Samstag 25. März 2006, 13:58
von Pit
Hallo Robert,
ich schätze beide Übersetzungen deshalb sehr, weil sie die jüdischen Wurzeln der Schriften beachten, und meiner Überzeugung auch die sprachliche Schönheit - besonders der alttestamentlichen Schriften - wiedergeben.
Was die Textgrundlage betrifft (abgesehen von der hebräisch-aramäischen bzw. im NT griechischen Schrift) muss ich mich selber noch mal schlaumachen.
David Stern hat das "Jüdische Neue Testament" u.a. übersetzt, um es Juden näher zu bringen, denn er war selber jüdischen Glaubens, bevor er den christlichen Glauben annahm, sah sich aber auch hinterher in jüdischer Tradition ("messianischer Jude").
Er starb in den 70-er Jahren in Israel.
Viele hebräisch-jüdische Begriffe hat er "zurückübersetzt".
Talmidim statt Jünger, Thora (also Weisung) statt Gesetz
usw.
Naftali Herz Tur Sinai ist als Jude vor den Nazis nach Israel geflohen und schrieb - noch in Europa - die Übersetzung zuerst für die Juden (auch in Deutschland) - wenn ich mich nicht irre schon Anfang des Jahrhunderts.
Wenn ich richtig informiert bin (ich müsste es nochmal nachlesen) starb er in Jerusalem.
Textbeipiele:
-- "Jüdisches Neues Testament":
"Die Gute Nachricht von Jeschua dem Messias nach dem Bericht von Jochanan (Johannes)":
"Das Wort wurde ein menschliches Wesen und lebte bei uns und wie sahen seine Schechina, die Schechina des einzigen Sohnes des Vaters, voller Gnade und Wahrheit." (Kap.1, Vers 14)
--- "Die Heilige Schrift"
"Jescha`jahu (Jesaja)"
"Wer glaubte unserer Kunde/des Ewgen Arm, wem ward er offenbar?/ Aufstieg er wie ein Schößling vor sich hin/ und wie die Wurzel aus des Durstes Land." (Kap. 53, Verse 1 + 2)
Gruß, Pit
"
Verfasst: Samstag 25. März 2006, 17:22
von Linus
Da muß man erst Jude werden um einen christlichen Text zu verstehen,

hab diese "Bibelausgaben" auch mal in einem christlichen Buchladen entdeckt, halte aber nicht viel davon.
Was ist Schechina? Um das zu Wissen muss ich griechisch bzw hebräisch können und wenn ichs kann, nehm ich gleich das original. ist ähnlicher unfug wie die Einheiz-Übersetzung von Johannes 19,13 - ich weiß danach zwar das griechisch Lithostrotos auf hebräisch Gabbata heißtr, weiß aber immer noch nicht, wies auf deutsch heißt....

Verfasst: Samstag 25. März 2006, 17:47
von Pit
Hallo Linus,
nun, ich bin immer noch katholischer Christ und verstehe die Bibel mittlerweile hoffentlich ein wenig besser.
Nun, man muss nicht Jude werden, um einen Bibeltext verstehen zu können, aber wenn man liest, daß der 12(!)-jährige Jesus im Tempel mit den Gelehrten sprach und man durch einen guten Bibelkommentar etc. weiss, daß ein jüdischer Junge damsl wie auch heute in gläubigen jüdischen Familien mit 13 ein Bar Mzwa (Sohn der Gebote) war und damit religiös erwachsen und eigenverantwortlich, wird manches klarer. Durch die Ausbildung dürfte Jesus (auch rein menschlich betrachtet) schon ein gutes Wissen über die Schrift gehabt haben.
Wenn man in einer Übersetzung wie der von David Stern liest, daß die Freunde des Gelähmten das (Flach!-)Dach abtrugen (ein Schilffdach) um ihn herunterzulassen, wird es bewusster/deutlicher, als wenn man an unsere Ziegeldächer denkt.
Anderes Beispiel:
Er schreibt häufiger vom "ruach haKodesch".
Dieses Wort kann im Wortessinn "den "Geist der Heiligkeit", also den Geist Gottes bedeuten. "Ruach" kann aber auch "Wind" oder "Hauch" bedeuten, womit deutlicher wird, was es bedeutet, daß der Mensch (der erste) von Gott ange"haucht" wurde. Denn er empfing den Heiligen Geist, den Geist Gottes.
Die hebräischen oder griechischen Wörter werden übrigens auf jeder Seite direkt am Rand erklärt.
Gruß, Pit
Linus hat geschrieben:Da muß man erst Jude werden um einen christlichen Text zu verstehen,

hab diese "Bibelausgaben" auch mal in einem christlichen Buchladen entdeckt, halte aber nicht viel davon.
Was ist Schechina? Um das zu Wissen muss ich griechisch bzw hebräisch können und wenn ichs kann, nehm ich gleich das original. ist ähnlicher unfug wie die Einheiz-Übersetzung von Johannes 19,13 - ich weiß danach zwar das griechisch Lithostrotos auf hebräisch Gabbata heißtr, weiß aber immer noch nicht, wies auf deutsch heißt....

Verfasst: Samstag 25. März 2006, 18:18
von holzi
Pit hat geschrieben:Hallo Linus,
nun, ich bin immer noch katholischer Christ und verstehe die Bibel mittlerweile hoffentlich ein wenig besser.
Nun, man muss nicht Jude werden, um einen Bibeltext verstehen zu können, aber wenn man liest, daß der 12(!)-jährige Jesus im Tempel mit den Gelehrten sprach und man durch einen guten Bibelkommentar etc. weiss, daß ein jüdischer Junge damsl wie auch heute in gläubigen jüdischen Familien mit 13 ein Bar Mzwa (Sohn der Gebote) war und damit religiös erwachsen und eigenverantwortlich, wird manches klarer. Durch die Ausbildung dürfte Jesus (auch rein menschlich betrachtet) schon ein gutes Wissen über die Schrift gehabt haben.
Wenn man in einer Übersetzung wie der von David Stern liest, daß die Freunde des Gelähmten das (Flach!-)Dach abtrugen (ein Schilffdach) um ihn herunterzulassen, wird es bewusster/deutlicher, als wenn man an unsere Ziegeldächer denkt.
Anderes Beispiel:
Er schreibt häufiger vom "ruach haKodesch".
Dieses Wort kann im Wortessinn "den "Geist der Heiligkeit", also den Geist Gottes bedeuten. "Ruach" kann aber auch "Wind" oder "Hauch" bedeuten, womit deutlicher wird, was es bedeutet, daß der Mensch (der erste) von Gott ange"haucht" wurde. Denn er empfing den Heiligen Geist, den Geist Gottes.
Die hebräischen oder griechischen Wörter werden übrigens auf jeder Seite direkt am Rand erklärt.
Na immerhin wird's erklärt, aber trotzdem ist das dann wohl eher eine Studienausgabe denn eine Übersetzung zum Meditieren und Beten, oder?
Verfasst: Samstag 25. März 2006, 19:16
von Pit
Hallo holzi,
da hast Du meiner Meinung nach zweifelos recht, wobei ich das Gegenteil ja auch nirgends behauptet habe.

Aber im Ernst:
Wenn ich eine Bibelübersetzung suche, die ich beim Schriftgebet oder auch bei der schriftgebundenen Meditation nutzen möchte, greife ich immer noch gerne zur "Luther" oder zu meiner Elberfelder Bibel.
Was ich besonderns an dem "Jüdischen Neuen Testament" sehr mag, ist, daß dort die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens bewusster hervortreten, ohne jedoch das Wesentliche am christlichen Glauben zu verleugnen.
Gruß, Pit
Verfasst: Sonntag 26. März 2006, 09:48
von Linus
@pit.
dein wissen hab ich schon wenn ich eine normale Einheitsübersetzung mit Kommentar lese. da brauch ich keine pseuidoevangelikale (und die AT übers. lässt ja sie deuterokanonika weg) jüdisch verbrähmte Übersetzung.
Verfasst: Sonntag 26. März 2006, 14:37
von Pit
Hallo Linus,
ok., ich habe ja auch nur geschrieben, daß ich (persönlich und durchaus subjektiv) die beiden Ausgaben weiterempfehlen kann - mehr nicht !
Und wenn jemand aus dem einen oder anderen Grund die Einheitsübersetzung, die ich ganz persönlich nicht so mag bevorzugt, oder eine andere Bibelübersetzung, dann ist das natürlich vollkommen in Ordnung und legitim. Nur wenn jemand die Neue-Welt-"Übersetzung" bevorzugen würde, hätte ich meine Schwierigkeiten.
Gruß, Pit
Linus hat geschrieben:@pit.
dein wissen hab ich schon wenn ich eine normale Einheitsübersetzung mit Kommentar lese. da brauch ich keine pseuidoevangelikale (und die AT übers. lässt ja sie deuterokanonika weg) jüdisch verbrähmte Übersetzung.
Verfasst: Dienstag 18. April 2006, 08:38
von Ewald Mrnka
Vor ein paar Tagen habe ich von einer völlig neuen und "gerechten" Übersetzung der gesamten Bibel gelesen. Da haben sich viele gute, kundige & gelehrte Weiblein & Männlein wahnsinnige Mühe gegeben.
Da soll es z.B. heißen: "Unser Vater & Mutter im Himmel........"
Der Heilige Geist soll durch das Neusprech ziemlich entpersonalisiert worden sein.
Einigen ModernistInnen, Protestanten und QuasiprotestantInnen in diesem Forum ist diese neue "Übersetzung" gewiß zu empfehlen.
Jedem das Seine.
Die neue "Bibel" soll knapp 25 € kosten.
Re: Zwei Bibelübersetzungen, die ich empfehlen kann
Verfasst: Dienstag 18. April 2006, 11:26
von Alexander
Pit hat geschrieben:Hallo !
Hier habe ich zwei Bibelübersetzungen, die ich unbedingt empfehlen kann:
1. "Die Heilige Schrift" übersetzt ins Deutsche von Naftali Herz Tur-Sinai, (AT) und
2. "Das Jüdische Neue Testament" übersetzt von David Stern
Und ein Buch zwecks Andacht, das mir sehr gut gefällt, ist
"Tägliches Seelenbrot" von C.O. Rosenius.
Gruß, Pit
Pit, das sind die schlechtesten Empfehlungen, die nur möglich sind.
Lieber die Neue Welt "Umhersetzung", als die von Dir genannten.
Re: Zwei Bibelübersetzungen, die ich empfehlen kann
Verfasst: Dienstag 18. April 2006, 11:30
von Alexander
Pit hat geschrieben:2. "Das Jüdische Neue Testament" übersetzt von David Stern
Eine Übersetzung aus dem
Englischen --- Wie bei NWÜ, hehe
Wie kann man sowas überhaupt eine Bibelübersetzung nennen, frage ich mich.
Verfasst: Dienstag 18. April 2006, 11:30
von Robert Ketelhohn
Warum?
Verfasst: Dienstag 18. April 2006, 11:37
von Alexander
Man nehme die jüngste Textvorlage, die aufgrund der Polemik gegen das Christentum am meisten tendentiell verfälscht worden ist (den masoretischen Text, wo viele Prophezeiungen über Christus nach Möglichkeit vertilgt oder bis zur Unkenntlichkeit verzerrt worden sind). Das ist aber noch relativ harmlos...
Dann aber übersetze man nach der jüdischen gegen das Christentum polemisierenden talmudischen Tradition.
Genau das hat der glänzende jüdische Bibelgelehrte und Philologe Naftali Herz Tur-Sinai gemacht. Eine schillernde Gestalt, ein Aktivist der damals ganz jungen zionistischen Bewegung.
Re: Zwei Bibelübersetzungen, die ich empfehlen kann
Verfasst: Donnerstag 29. Juni 2006, 19:38
von Giosuè Carducci
Pit hat geschrieben:Hallo !
Hier habe ich zwei Bibelübersetzungen, die ich unbedingt empfehlen kann:
1. "Die Heilige Schrift" übersetzt ins Deutsche von Naftali Herz Tur-Sinai, (AT) und
2. "Das Jüdische Neue Testament" übersetzt von David Stern
Und ein Buch zwecks Andacht, das mir sehr gut gefällt, ist
"Tägliches Seelenbrot" von C.O. Rosenius.
Gruß, Pit
Hallo Pit,
interessante Hinweise. Tur-Sinai kannte ich nicht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Tur-Sinai
Sterns NT gefällt mir auch sehr gut. Man muss sich an den Sprachduktus erst gewöhnen, aber dann fällt es einem irgendwann wie Schuppen von den Augen.
Meine ersten biblischen Leseerfahrungen als Erwachsener machte ich mit dem NT von Konstantin Rösch. Eine exakte und schöne (katholische) Übersetzung. Während des Theologiestudiums entdeckte ich für mich die revidierte Zürcher Bibel. Sehr genaue Wiedergabe des Wortlauts in einem unbeanstandbaren Deutsch. Etwas Schwizerdütsch glitzert gelegentlich hindurch.
Für Freaks ist das NT von Emil Bock, einem ehemals bekannten protestantischen Prediger aus Nürnberg, der sich im Lauf der Zeit den Anthrophosophen anschloss und eine Nachdichtung des NT im expressionistischen Deutschstil der Menschenweihehandlung der Christengemeinde unternahm. Teilweise ist diese Übersetzung sehr klangvoll.
Derzeit am liebsten lese ich in einer französischen Bibel von Dr. Louis Segond.
Da ich in Franken wohne, schenkte mir einer der Übersetzer einmal das Übersetzungswerk: Lukas auf Fränkisch - 70 Franken übersetzen ein Evangelium (Hg. Hartmut Preß). Seitdem werden davon ausgehend öfter Mundartgottesdienste in Franken veranstaltet. Überwiegend katholische.
Mein Paps schenkte mir zu Weihnachten einen Folioreprint der farbig illustrierten Lutherbibel von 1534. Die erste deutsche Bibelgesamtausgabe. Wundervolles Deutsch. Eine echte Zeitreise.
Beste Grüße
Giosuè Carducci