Schon früh hat sich der Mensch in Frage gestellt. Es ist die Identitätsfrage einer Gattung. Ijob stellt diese Frage aus dem Leid heraus:
Ijob 7,17 Was ist der Mensch, daß du groß ihn achtest und deinen Sinn auf ihn richtest,
Ijob 7,18 daß du ihn musterst jeden Morgen und jeden Augenblick ihn prüfst?
Der Psalmist stellt die Frage aus dem naturwissenschaftlichen Staunen heraus:
Ps 8,4 Seh' ich den Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt:
Ps 8,5 Was ist der Mensch, daß du an ihn denkst, des Menschen Kind, daß du dich seiner annimmst?
Ps 8,6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.
Der Ekklesiast Jesus Sirach schließlich stellt die Frage aus der Bewunderung des Schöpfers heraus:
Sir 18,5 Wer kann seine gewaltige Größe beschreiben und seine großen Taten aufzählen bis zum Ende?
Sir 18,6 Man kann nichts wegnehmen und nichts hinzutun, unmöglich ist es, die Wunder des Herrn zu ergründen.
Sir 18,7 ist der Mensch am Ende angelangt, steht er noch am Anfang, wenn er es aufgibt, ist er ratlos.
Sir 18,8 Was ist der Mensch, und wozu nützt er? Was ist gut an ihm, und Was ist schlecht?
Sir 18,9 Das Leben eines Menschen dauert höchstens hundert Jahre.
Sir 18,10 Wie ein Wassertropfen im Meer und wie ein Körnchen im Sand, so verhalten sich die wenigen Jahre zu der Zeit der Ewigkeit.
Wie würdet ihr den Menschen definieren? Was ist der Mensch?
Was ist der Mensch?
Mir fiel spontan nur dieses Gedicht dazu ein:
Gruß Bärchen
Was ist der Mensch?
Was ist der Mensch?
Geschöpf von hohem Adel,
geschaffen durch des Höchsten weise Hand,
sein Ebenbild, einst sündlos, ohne Tadel,
bis er sich - ach! - vom Schöpfer abgewandt!
Was ist der Mensch?
Gefallen und verloren,
verstrickt in Sünde, schuldig und verkehrt,
und doch - wie groß! - zur Seligkeit erkoren,
von Gott geliebt und Ihm das Höchste wert!
Was ist der Mensch?
Ein Wurm, ja, eine Made,
so schwach, so klein, ein Hauch für kurze Zeit;
doch andrerseits ein Gegenstand der Gnade,
bestimmt, zu teilen Christi Herrlichkeit.
Was ist der Mensch,
den Gottes Gnade krönte?
Ein Gotteskind, das für den Himmel passt,
das Christi Blut am Kreuz mit Gott versöhnte -
so hoch erhöht, dass es mein Geist nicht fasst!
- Unbekannter Verfasser –
So widersprüchlich ist das Menschsein! Ich finde es in diesem Gedicht hervorragend "verdichtet". (Bitte entschuldigt, ich bin nun mal schon eine "alte Tante" und liebe solche alten Gedichte - www.gnade.de)Was ist der Mensch?
Geschöpf von hohem Adel,
geschaffen durch des Höchsten weise Hand,
sein Ebenbild, einst sündlos, ohne Tadel,
bis er sich - ach! - vom Schöpfer abgewandt!
Was ist der Mensch?
Gefallen und verloren,
verstrickt in Sünde, schuldig und verkehrt,
und doch - wie groß! - zur Seligkeit erkoren,
von Gott geliebt und Ihm das Höchste wert!
Was ist der Mensch?
Ein Wurm, ja, eine Made,
so schwach, so klein, ein Hauch für kurze Zeit;
doch andrerseits ein Gegenstand der Gnade,
bestimmt, zu teilen Christi Herrlichkeit.
Was ist der Mensch,
den Gottes Gnade krönte?
Ein Gotteskind, das für den Himmel passt,
das Christi Blut am Kreuz mit Gott versöhnte -
so hoch erhöht, dass es mein Geist nicht fasst!
- Unbekannter Verfasser –
Gruß Bärchen
Sehr schön. Damit ist alles gesagt. Unübertrefflich.
Aber ich möchte es doch noch einmal untertreffen.
Wie grenzt (definiert) sich der Mensch vom Tier ab?
Aristoteles nannte den Menschen ein zoon politicon = Herdentier.
Der Prediger Kohelet schreibt:
Koh 3,18 Was die einzelnen Menschen angeht, dachte ich mir, daß Gott sie herausgegriffen hat und daß sie selbst (daraus) erkennen müssen, daß sie eigentlich Tiere sind.
Koh 3,19 Denn jeder Mensch unterliegt dem Geschick, und auch die Tiere unterliegen dem Geschick. Sie haben ein und dasselbe Geschick. Wie diese sterben, so sterben jene. Beide haben ein und denselben Atem. Einen Vorteil des Menschen gegenüber dem Tier gibt es da nicht. Beide sind Windhauch.
Koh 3,20 Beide gehen an ein und denselben Ort. Beide sind aus Staub entstanden, beide kehren zum Staub zurück.
Koh 3,21 Wer weiß, ob der Atem der einzelnen Menschen wirklich nach oben steigt, während der Atem der Tiere ins Erdreich hinabsinkt?
Während Kohelet sich etwas depressiv liest, finden wir im franziskanischen Legendenbuch Fioretti eine positive Variante der Angleichung der Begriffe von Mensch und Tier:
"Da sprach Sankt Franziskus also zu ihm. "Bruder Wolf, du hast allhier viel Böses getan und mancherlei arge Missetat, indem du Gottes Geschöpfe gegen sein Gebot vernichtet und getötet hast, und nicht nur die Tiere hast du ums Leben gebracht und gefressen, du hast auch gewagt, die Menschen zu töten, die im Ebenbilde Gottes geschaffen sind. Deshalb verdienst du den Tod durch den Galgen als ein schuldbeladener Dieb und Mörder. Und alle Welt schreit und murrt wider dich und alle Lande hier sind dir feind. Ich aber, Bruder Wolf, ich will Frieden stiften, zwischen dir und diesen. Du sollst ihnen fürderhin nicht mehr schaden, sie aber werden dir all deine früheren Missetaten vergeben und weder die Menschen noch die Hunde sollen dich künftig verfolgen!" Als der Wolf diese Worte vernommen hatte, wedelte er mit dem Schweif und gab durch seine Blicke, durch Bewegungen und durch Neigen seines Kopfes zu verstehen, dass er einverstanden sei mit dem Vorschlage des heiligen Franziskus und ihn annehme."
Die Legende erzählt von einem vertrauten, brüderlichen Verhältnis des Heiligen zu seinen Mitgeschöpfen im Sinne einer franziskanisch-theologischen Allversöhnung. Der Wolf als das exemplarische Tier, die feindliche Umwelt, wird domestiziert, ja, erscheint sogar anthropomorph: er ist dem Gesetz unterworfen, er erscheint als schuldfähig und vernünftig, wenn auch im sprachlichen Ausdruck restringiert.
Wir erkennen darin eine franziskanische Unschärferelation. Diese Unschärferelation gilt im Hinblick auf alles Denken in Sprache und sei die Sprache noch so formal und abstrakt. Bonaventura scheint das in seinem Hexameron übrigens sehr pointiert auszudrücken.
Aber ich möchte es doch noch einmal untertreffen.
Wie grenzt (definiert) sich der Mensch vom Tier ab?
Aristoteles nannte den Menschen ein zoon politicon = Herdentier.
Der Prediger Kohelet schreibt:
Koh 3,18 Was die einzelnen Menschen angeht, dachte ich mir, daß Gott sie herausgegriffen hat und daß sie selbst (daraus) erkennen müssen, daß sie eigentlich Tiere sind.
Koh 3,19 Denn jeder Mensch unterliegt dem Geschick, und auch die Tiere unterliegen dem Geschick. Sie haben ein und dasselbe Geschick. Wie diese sterben, so sterben jene. Beide haben ein und denselben Atem. Einen Vorteil des Menschen gegenüber dem Tier gibt es da nicht. Beide sind Windhauch.
Koh 3,20 Beide gehen an ein und denselben Ort. Beide sind aus Staub entstanden, beide kehren zum Staub zurück.
Koh 3,21 Wer weiß, ob der Atem der einzelnen Menschen wirklich nach oben steigt, während der Atem der Tiere ins Erdreich hinabsinkt?
Während Kohelet sich etwas depressiv liest, finden wir im franziskanischen Legendenbuch Fioretti eine positive Variante der Angleichung der Begriffe von Mensch und Tier:
"Da sprach Sankt Franziskus also zu ihm. "Bruder Wolf, du hast allhier viel Böses getan und mancherlei arge Missetat, indem du Gottes Geschöpfe gegen sein Gebot vernichtet und getötet hast, und nicht nur die Tiere hast du ums Leben gebracht und gefressen, du hast auch gewagt, die Menschen zu töten, die im Ebenbilde Gottes geschaffen sind. Deshalb verdienst du den Tod durch den Galgen als ein schuldbeladener Dieb und Mörder. Und alle Welt schreit und murrt wider dich und alle Lande hier sind dir feind. Ich aber, Bruder Wolf, ich will Frieden stiften, zwischen dir und diesen. Du sollst ihnen fürderhin nicht mehr schaden, sie aber werden dir all deine früheren Missetaten vergeben und weder die Menschen noch die Hunde sollen dich künftig verfolgen!" Als der Wolf diese Worte vernommen hatte, wedelte er mit dem Schweif und gab durch seine Blicke, durch Bewegungen und durch Neigen seines Kopfes zu verstehen, dass er einverstanden sei mit dem Vorschlage des heiligen Franziskus und ihn annehme."
Die Legende erzählt von einem vertrauten, brüderlichen Verhältnis des Heiligen zu seinen Mitgeschöpfen im Sinne einer franziskanisch-theologischen Allversöhnung. Der Wolf als das exemplarische Tier, die feindliche Umwelt, wird domestiziert, ja, erscheint sogar anthropomorph: er ist dem Gesetz unterworfen, er erscheint als schuldfähig und vernünftig, wenn auch im sprachlichen Ausdruck restringiert.
Wir erkennen darin eine franziskanische Unschärferelation. Diese Unschärferelation gilt im Hinblick auf alles Denken in Sprache und sei die Sprache noch so formal und abstrakt. Bonaventura scheint das in seinem Hexameron übrigens sehr pointiert auszudrücken.
Bonaventuraner lesen die Geschichte auf ihren spirituellen Gehalt hin, verstehen sie allegorisch, anagogisch und tropologisch. In diesem Sinne argumentieren sie jedenfalls gegen Thomas "El lobo" Hobbes' "Homo hominis lupus" und halten sein animalisches Menschenbild für pessimistisch. Statt auf viele Sätze im Gesetz setzen sie stärker auf Bildung eines guten Geistes und eines guten Herzens. Manchmal predigen sie dem Wolf oder den Fischen. Aber es sind auch schon Wunder geschehen.
Der Mensch ist vor allem Geschöpf und damit von Anfang an gut. Er ist nicht nur ein Geistwesen, sondern Mensch auch mit Leib und Seele.
Der deistische Irrtum ist, Gott habe die Welt geschaffen und sich dann von ihr verabschiedet.
Nach christlichem Glauben ist Gott jedoch in seiner Schöpfung und in seinem Geschöpf gegenwärtig: geistig und gefühlsmäßig. Wo der Mensch geordnet, glücklich und gut ist, begegnet er Gott. Gott will die Versöhnung mit ihm, mit dem Nächsten und mit sich selbst in Liebe und Barmherzigkeit.
Den guten Neuanfang mit Christus feiern wir jeden Sonntag in der Eucharistie.
Der deistische Irrtum ist, Gott habe die Welt geschaffen und sich dann von ihr verabschiedet.
Nach christlichem Glauben ist Gott jedoch in seiner Schöpfung und in seinem Geschöpf gegenwärtig: geistig und gefühlsmäßig. Wo der Mensch geordnet, glücklich und gut ist, begegnet er Gott. Gott will die Versöhnung mit ihm, mit dem Nächsten und mit sich selbst in Liebe und Barmherzigkeit.
Den guten Neuanfang mit Christus feiern wir jeden Sonntag in der Eucharistie.