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Die Sünde gegen den Heiligen Geist

Verfasst: Montag 21. Mai 2007, 21:28
von Raimund J.
Matthäus 12:
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31Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben.
32Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.
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Was genau ist mit der "Sünde gegen den Heiligen Geist" gemeint?
Warum werden diese Sünden nicht vergeben?

Verfasst: Montag 21. Mai 2007, 21:39
von Linus
Traditionell werden folgende Sünden wider den heiligen Geist genannt.

1. Vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit sündigen;
2. an der Gnade Gottes verzweifeln;
3. der erkannten christlichen Wahrheit widerstreben;
4. seinen Nächsten um der göttlichen Gnade willen beneiden;
5. gegen heilsame Ermahnungen ein verstocktes Herz haben;
6. in der Unbußfertigkeit vorsätzlich verharren.

Wobei ich gesteh, zu 1. hätt ich gern eine Erklärung. Manchmal bin ich in der Versuchung "Na dann beicht ichs halt (über)morgen" zu sagen. Was aber wenn es nicht nur bei der Versuchung bleibt?

Verfasst: Montag 21. Mai 2007, 22:58
von Kurt
Linus hat geschrieben:
1. Vermessentlich auf Gottes Barmherzigkeit sündigen;
...

Wobei ich gesteh, zu 1. hätt ich gern eine Erklärung. Manchmal bin ich in der Versuchung "Na dann beicht ichs halt (über)morgen" zu sagen. Was aber wenn es nicht nur bei der Versuchung bleibt?
Ich würde eher sagen: Wenn jemand eine Sünde wider besseren Wissens nicht als solche ansehen will, weil er meint, Gottes Barmherzigkeit darüber stellen zu dürfen. Also: Vergebung ohne Reue.

Verfasst: Dienstag 22. Mai 2007, 06:25
von Linus
ist das deine Privatmeinung. oder mit authorisation aus der römischen katechesensammlung?

Verfasst: Dienstag 22. Mai 2007, 07:52
von Baerchen
Linus hat geschrieben:ist das deine Privatmeinung. oder mit authorisation aus der römischen katechesensammlung?
Und wo lassen Sie sonst noch denken, Herr Linus, vielleicht bei kreuz.net? :ikb_cool2:

Verfasst: Dienstag 22. Mai 2007, 08:35
von Kurt
Linus hat geschrieben:ist das deine Privatmeinung. oder mit authorisation aus der römischen katechesensammlung?
Kannst Du mir mal den Unterschied zwischen Privatmeinung und dem Gegenteil davon erklären? Was soll das sein: Publikmeinung?

Es ist meine Interpretation dazu. Eine lehramtliche Auslegung würde mich auch interessieren.

@Baerchen: Zuhören, auch dem Lehramt, ist aber nicht gleich denken lassen. Denken lassen ist, wenn man schon vorher NEIN gesagt hat.

Verfasst: Freitag 29. Juni 2007, 00:42
von incarnata
Ist mit Punkt 1 vielleicht das berühmte "pecca fortiter" Luters gemeint
oder das ach so beliebte Verbreiten von Allerlösungstheorien ?

Verfasst: Freitag 29. Juni 2007, 16:54
von FioreGraz
Linus war die offizielle Auslegung zumindest eine

Besser finde ich hier den WKK
1864 „Wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften" (Mk 3,29) [Vgl. Mt 12,32; Lk 12,10]. Die Barmherzigkeit Gottes ist grenzenlos; wer sich aber absichtlich weigert, durch Reue das Erbarmen Gottes anzunehmen, weist die Vergebung seiner Sünden und das vom Heiligen Geist angebotene Heil zurück [Vgl. DeV 46.]. Eine solche Verhärtung kann zur Unbußfertigkeit bis zum Tod und zum ewigen Verderben führen.
Lg
Fiore

Re: Die Sünde gegen den Heiligen Geist

Verfasst: Samstag 29. Mai 2010, 11:07
von Raimund J.
Wie kann echte Reue erweckt werden?

Re: Die Sünde gegen den Heiligen Geist

Verfasst: Samstag 29. Mai 2010, 12:11
von Linus
Raimund Josef H. hat geschrieben:Wie kann echte Reue erweckt werden?
Gute Frage, so wie ich den Katechismus gelesen hab, unterscheidet die Kirche nicht zwischen echt und unecht sondern zwischen vollkommener und unvollkommener Reue (KKK 1492 ff) die Reue selbst bezeichnet sie als "der Seelenschmerz und der Abscheu über die begangene Sünde, verbunden mit dem Vorsatz, fortan nicht zu sündigen'' (K. v. Trient: DS 1676 zit n. KKK 1451 vgl KKK 1490)

Mit anderen Worten, wenn du zur Beichte gehst ist es idR schon ein Akt der Reue

hier noch ein Gebet aus dem Kompendium des Katechismus (im Anhang)
Akt der Reue

Mein Gott, aus ganzem Herzen bereue ich alle meine Sünden, nicht nur wegen der gerechten Strafen, die ich dafür verdient habe, sondern vor allem, weil ich dich beleidigt habe, das höchste Gut, das würdig ist, über alles geliebt zu werden. Darum nehme ich mir fest vor, mit Hilfe deiner Gnade nicht mehr zu sündigen und die Gelegenheiten zur Sünde zu meiden. Amen.
"Echte Reue" meine ich, ist schlicht und einfach das setzen eines (Reue-)Aktes. Wenn du beichten gehst, wenn du - unmittelbar nach dem du gesündigt hast - ein Gebet sprichst ("Herr es tut mir leid", "Herr Jesus Christus, Sohn Gottes erbarme dich meiner"), du versuchst das geschehene Unrecht möglichst gleich zu beseitigen,....

Wenn du dabei auch noch eine emotionale Zerknirschung empfindest, ist das gut, aber nicht verpflichtend. Der Glaube basiert ja aufgrund der Werke (=Akte, vgl Jak2,18+24, Joh 14,11), nicht auf einem Gefühl.

Reue ist vielmehr ein Willensakt, als ein Gefühlsakt.

Re: Die Sünde gegen den Heiligen Geist

Verfasst: Samstag 29. Mai 2010, 12:49
von Raimund J.
Linus hat geschrieben: Reue ist vielmehr ein Willensakt, als ein Gefühlsakt.
Danke für diese Antwort!

Ich war bislang immer eher auf der Schiene, Reue könne oder müsse vor allem ein Gefühlsakt sein, also einem mehr oder weniger unwillkürlich ergreifen, in Besitz nehmen.

Ein hochinteressantes Thema!

Re: Die Sünde gegen den Heiligen Geist

Verfasst: Samstag 29. Mai 2010, 13:14
von Linus
Raimund Josef H. hat geschrieben:
Linus hat geschrieben: Reue ist vielmehr ein Willensakt, als ein Gefühlsakt.
Danke für diese Antwort!

Ich war bislang immer eher auf der Schiene, Reue könne oder müsse vor allem ein Gefühlsakt sein, also einem mehr oder weniger unwillkürlich ergreifen, in Besitz nehmen.

Ein hochinteressantes Thema!
zu dem oben genannten "Seelenschmerz und der Abscheu über die begangene Sünde": ich denke es geht dabei um (man verzeihe mir die schwiemelige Ausdrucksweise) )ein "Offenhalten der Wunde, die die Sünde geschlagen hat, für die Liebe Gottes und die Heilung durch Ihn." Will sagen: jede Sünde, jede Verletzung durch Sünde (und Sünde ist zuerst das Selbstverletzen (weil man sich von Gottes Liebe entfernt) erst im zweiten Schritt eine "Beleidigung" Gottes), beinhaltet die Chance sich mehr (von Gott) lieben zu lassen, und dadurch auch mehr zu lieben.

Re: Die Sünde gegen den Heiligen Geist

Verfasst: Samstag 29. Mai 2010, 13:22
von overkott
Raimund Josef H. hat geschrieben:Matthäus 12:
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31Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben.
32Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.
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Was genau ist mit der "Sünde gegen den Heiligen Geist" gemeint?
Warum werden diese Sünden nicht vergeben?
Der Heilige Geist offenbart sich in Gottes Gesetz. Und wer über die Nächstenliebe lästert, hat selbst Probleme mit der Vergebung. Das ist eine logische Konsequenz.

Re: Die Sünde gegen den Heiligen Geist

Verfasst: Samstag 29. Mai 2010, 13:59
von Nassos
Ich finde die von Fiore vorgestellte Auslegung sehr gut.

Dass also durch die Nichtakzeptanz sich der Mensch das selber verbaut für immer. Jedoch wäre interessant, was "Lästern" damals alles bedeutete. Eventuell war ja die Nichtakzeptanz eine Lästerung.

Reue. Ich glaube, dass hierbei die Gnade Gottes eine Rolle spielt. Ich weiß nicht, ob der Mensch - evtl. ohne ein entsprechend traumatisierendes Erlebnis (das wohl wer veranlasst? - sich zur Reue bewegen kann.

Es ist eine hochinteressante Frage, die ich - so glaube ich - auch mal in einem andern Forum gestellt hatte.