Mt 24, 36

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Petur
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Mt 24, 36

Beitrag von Petur »

Hallo!

Mt 24, 36:

"Jenen Tag aber und jene Stunde weiss niemand, auch nicht die Engel des Himmels, auch nicht der Sohn, nur der Vater allein."

Der MENSCH Jesus weiss das nicht. Es geht hier nicht um Seine göttliche Seite. Aber was ist mit dem Heiligen Geist? Er muss das wissen. Jesus erwaehnt Ihn aber nicht.

In einem Büchlein der Zeugen Jehowas steht dieser Vers als ein Argument gegen die Trinitaet. Obwohl wir dieses Argument natürlich nicht akzeptieren, ist die Frage doch interessant:Warum erwaehnt hier Jesus den Hl. Geist nicht?

Alles Gute!

Petur

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Linus
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Beitrag von Linus »

Der Heilige Geist ist der Beistand, wenn Jesus gegangen sein wird. Also: Abwarten bis Pfingsten.
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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

In einem Büchlein der Zeugen Jehowas steht dieser Vers als ein Argument gegen die Trinitaet. Obwohl wir dieses Argument natürlich nicht akzeptieren, ist die Frage doch interessant:Warum erwaehnt hier Jesus den Hl. Geist nicht?
Er erwähnt auch nicht die Engel beim Namen und dennoch, stehen sie an anderer Stelle der Schrift genauso wie die 3. Person des hl. Geistes.
Man muß bei der Schrift immer bedenken

- sie ist inspiriert nicht diktiert, und die Evangelien sind kein Protokolle Jesu die von Schreibern verfasst wurden die neben ihm herliefen.
- Jesus redete die meiste Zeit zu normalo Menschen nicht zu Theologen und Schriftgelehrten.
- Gott hat uns mit Vernunft und damit die Fähigkeit des kognitiven Denkens und des zusammenhaängenden Lesens verliehen. Ein andauernder Verweis in der Schrift auf vorhergehndes oder nachfolgendes ist "unötig". Niemand baut seinen Text derart auf das in jedem Kapitel oder satz die Aussage aller Textteile enthalten ist. Ist auch sprachlich unmöglich. Sonst bräuchten wir keine Bücher sondern nur einen Satz zur umfassenden Wissensvermittlung.

LG
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Walter
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Beitrag von Walter »

Der hl. Johannes Chrysostomos hat geschrieben:V. 36: »Über jenen Tag aber und die Stunde weiß niemand etwas, auch nicht die Engel des Himmels, und auch der Sohn nicht, nur der Vater allein.« Durch seine Worte: »auch die Engel nicht« legt er den Jüngern Schweigen auf, damit sie nicht Dinge zu erfahren suchten, die selbst jene nicht wissen. Durch die Worte: »auch der Sohn nicht« weist er nicht nur eine Belehrung, sondern auch jede Frage ab. Dass dieses wirklich seine Absicht war, siehst du daraus, dass er sie nach der Auferstehung noch kräftiger zum Schweigen verwies, weil er bemerkt hatte, sie seien noch neugieriger geworden. Jetzt erwähnt er noch viele großartige Wunder; später sagt er einfach: »Nicht an euch ist es, Zeiten oder Augenblicke zu kennen« (Apg 1,7). Auf dass sie aber nicht entgegneten: Wir sind in Verlegenheit, wir sind zurückgesetzt, wir sind nicht einmal das wert, setzt er bei: »welche der Vater gesetzt hat in selbsteigener Gewalt«. Es lag ihm nämlich sehr am Herzen, sie zu ehren und ihnen nichts zu verheimlichen. Deshalb schreibt er die Sache dem Vater zu, um ihnen so eine gewisse Scheu einzuflößen, und hält dadurch ihre Frage darüber hintan. Wäre dem nicht so, wüßte er es nicht, wann sollte er es dann erfahren? Etwa zugleich mit uns? Wer möchte so etwas behaupten? Den Vater kennt er ganz genau, so genau wie dieser den Sohn, und diesen Tag sollte er nicht wissen? Ferner, der Geist durchforscht auch die Tiefe der Gottheit, und er sollte die Zeit des Gerichtes nicht wissen? Er weiß, wie er zu richten hat, und kennt die Geheimnisse eines jeden; was aber viel unbedeutender ist, sollte er nicht wissen? Wenn »alles durch ihn geworden ist und ohne ihn nichts geworden ist« (Joh 1,3), wie sollte ihm jener Tag unbekannt sein? Denn wer die Ewigkeit gründet, hat offenbar auch die Zeiten gemacht, dann aber auch jenen Tag, und er sollte ihn nicht kennen, nachdem er ihn geschaffen?

Ihr behauptet, seine Wesenheit zu kennen, und der Sohn, der im Schoße des Vaters ist, sollte jenen Tag nicht wissen? Und doch ist die Wesenheit weit erhabener, unendlich erhabener als die Tage. Euch selbst schreibet ihr das Größere zu, und dem Sohne wollt ihr nicht einmal das Geringere zugestehen, »in welchem doch alle Schätze der Weisheit und des Wissens verborgen sind« (Kol 2,3). Aber so sicher ihr nichts von der Wesenheit Gottes wisset, wenn ihr es auch tausendmal voll Wahnwitz behauptet, so sicher kennt der Sohn jenen Tag und weiß ihn ganz bestimmt. Daher konnte er alles angeben, die Zeit, die Umstände und bis zur Türe selbst hinführen (»er ist nahe vor der Türe«, sagte er), den Tag aber offenbarte er nicht. Er sagt gleichsam: Fragst du mich nach Tag und Stunde, so wirst du von mir nichts erfahren; fragst du nach den Zeitverhältnissen und den Vorbereitungen dazu, so will ich dir alles genau erzählen, ohne etwas zu verheimlichen. Dass ich es wohl weiß, habe ich wiederholt bewiesen, durch Angabe der Zwischenräume und aller bevorstehenden Ereignisse und der Zeit, die zwischen heute und jenem Tage liegt (das gab er nämlich durch das Gleichnis vom Feigenbaume zu erkennen), und ich habe dich sogar bis an die Türe geführt. Wenn ich dir die Türe nicht öffne, so geschieht es, weil es so für dich gut ist.
In Matthaeum homiliae, 77. Homilie, Kap. 24, V. 32–51.
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Petur
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Beitrag von Petur »

FioreGraz hat geschrieben:
In einem Büchlein der Zeugen Jehowas steht dieser Vers als ein Argument gegen die Trinitaet. Obwohl wir dieses Argument natürlich nicht akzeptieren, ist die Frage doch interessant:Warum erwaehnt hier Jesus den Hl. Geist nicht?
Er erwähnt auch nicht die Engel beim Namen und dennoch, stehen sie an anderer Stelle der Schrift genauso wie die 3. Person des hl. Geistes.
Man muß bei der Schrift immer bedenken

- sie ist inspiriert nicht diktiert, und die Evangelien sind kein Protokolle Jesu die von Schreibern verfasst wurden die neben ihm herliefen.
- Jesus redete die meiste Zeit zu normalo Menschen nicht zu Theologen und Schriftgelehrten.
- Gott hat uns mit Vernunft und damit die Fähigkeit des kognitiven Denkens und des zusammenhaängenden Lesens verliehen. Ein andauernder Verweis in der Schrift auf vorhergehndes oder nachfolgendes ist "unötig". Niemand baut seinen Text derart auf das in jedem Kapitel oder satz die Aussage aller Textteile enthalten ist. Ist auch sprachlich unmöglich. Sonst bräuchten wir keine Bücher sondern nur einen Satz zur umfassenden Wissensvermittlung.

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Fiore
Ja, ich bin damit vollkommen einverstanden. Die Zeugen Jehowas können wir mit diesen Argumenten freilich nicht überzeugen. Das ist aber nicht unser Problem.

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Die Zeugen Jehowas können wir mit diesen Argumenten freilich nicht überzeugen.
Die kann man sowieso nicht überzeugen, die sind großteils erkentnisresistent. Sogar wenn du mit einer Zeitmaschine zurückreist und ein Interview mit JC aufzeichnest ihnen vorspielst werden sies nicht glauben. Umgekehrte ungläubige Thomase.

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