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Bildbetrachtungen
Verfasst: Dienstag 10. Februar 2004, 19:28
von Gast
Ich werde hier in unregelmäßigen Abständen Links zu Bildern des Malers Sieger Köder posten, zu denen es auf der betreffenden Seite auch jeweils eine Erklärung gibt.
Wem etwas dazu einfällt, kann und soll seine Gedanken dazu hier äußeren.
Bitte keine theologischen Streitgespräche!
Den Anfang mache ich mit dem Bild von
Jesu Mahl mit den Sündern (San Pastore bei Rom).
Nicht den Gerechten, den Sündern wende ich mich zu!
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 12:25
von Dr. Dirk
Mir fällt dazu ein: Politisch korrekter Jesus.
Inwieweit setze ich mich an einen Tisch mit Sündern, wenn ich mich an einen Tisch mit einem Schwarzen setze? Wird damit (und mit den anderen Tischgenossen) nicht die Aussage Jesu "Ich bin gekommen, die Sünder zu berufen, nicht die Gerechten" auf eine rein politisch korrekte Aussage reduziert (Sünder=von der Gesellschaft ausgegrenzte)? Oder empfinde nur ich das so (kann ja sein)? Schließlich hat Jesus im Kontext der Bibelstelle ja einen Menschen berufen, der tatsächlich einiges auf dem Kerbholz hatte, denn als Zöllner hatte er zahlreiche Menschen betrogen.
Wenn die Intention des Bildes nicht mit der konkreten Bibelstelle verbunden wäre, würde es mir besser gefallen. Dann würde es auch etwas von seinem politisch korrekten Touch verlieren.
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 13:11
von Gast
Ich war nie in "San Pastore": Bei Sieger Köder's Bildern geht's mir oft so, daß sie im Original anders auf mich wirken denn als Reproduktion.
Wenn ich mir das Bild ganz einfach so anschaue, dann meine ich zu sehen, daß die an den Tisch Geladenen sich da eigentlich nicht so richtig wohl fühlen...
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 13:18
von umusungu
Dirk hat geschrieben:Mir fällt dazu ein: Politisch korrekter Jesus.
Schließlich hat Jesus im Kontext der Bibelstelle ja einen Menschen berufen, der tatsächlich einiges auf dem Kerbholz hatte, denn als Zöllner hatte er zahlreiche Menschen betrogen.
Die gesellschaftliche und religiöse Ausgrenzung der Zöllner beruhte zunächst auf ihrer Kollaboration mit der römischen Besatzungsmacht.
Wie sollten Sünder andere Sünder ausgrenzen können, wollen schon.
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 13:21
von Juergen
Ich verlinke mal das Bild (bzw. ein ähnliches) dann muß man nicht so viel klicken
Das Bild ist nicht das gleiche, was Margarete verlinkt hat. Es stammt von einer anderen Quelle; ist etwas heller und etwas kleiner, d.h. es ist nicht alles drauf!
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 13:47
von Dr. Dirk
umusungu hat geschrieben:Dirk hat geschrieben:Mir fällt dazu ein: Politisch korrekter Jesus.
Schließlich hat Jesus im Kontext der Bibelstelle ja einen Menschen berufen, der tatsächlich einiges auf dem Kerbholz hatte, denn als Zöllner hatte er zahlreiche Menschen betrogen.
Die gesellschaftliche und religiöse Ausgrenzung der Zöllner beruhte zunächst auf ihrer Kollaboration mit der römischen Besatzungsmacht.
Wie sollten Sünder andere Sünder ausgrenzen können, wollen schon.
Einverstanden. Ich habe bei der Aussage "Sünder berufen" eher an die Lesungen vom Sonntag gedacht, dort gab es drei solcher Berufungen von Sündern (Jesaja, Simon Petrus und Paulus).
Alle drei waren völlig unwürdige Sünder für diese Berufung. Jesaja klagt über seine unreinen Lippen, die ihn als Prophet völlig untauglich machen, Petrus fühlt sich völlig unwürdig des Wunders, das Jesus bei seinem Fischfang gewirkt hat und Paulus nennt sich "Missgeburt", weil er die Kirche Christi verfolgt hat. Und auch die Berufung des Levi, aus der das Zitat des Titels des Bildes stammt, ist eine solche Berufung eines Sünders. Deswegen glaube ich, kann man nicht einfach "Ausgegrenzte" verstehen, wenn Jesus "Sünder" sagt.
Wie gesagt, ich finde es OK, wenn man Jesus zeigt, wie er sich ausgegrenzten Menschen zuwendet, aber zur besagten Bibelstelle passt es meinem Empfinden nach (ohne dieses Empfinden jemandem aufdrängen zu wollen) nicht.
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 14:16
von Gast
Dirk hat geschrieben:Wie gesagt, ich finde es OK, wenn man Jesus zeigt, wie er sich ausgegrenzten Menschen zuwendet, aber zur besagten Bibelstelle passt es meinem Empfinden nach (ohne dieses Empfinden jemandem aufdrängen zu wollen) nicht.
Na ja, an Bibelstellen denke ich erst mal nicht. Ich hatte oben schon erwähnt, daß es MIR zunächst mal so erscheint, als ob die "Sünder" sich am Tisch des Herrn nicht sonderlich wohlfühlten. Auch im "miteinander" nicht, jeder sitzt vereinzelt da, keiner wendet sich dem anderen zu...
@Dirk: "gezeigt" wird Jesus hier nicht, nur durch die Hände angedeutet.
Margarete
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 14:21
von umusungu
Dirk hat geschrieben:Wie gesagt, ich finde es OK, wenn man Jesus zeigt, wie er sich ausgegrenzten Menschen zuwendet, aber zur besagten Bibelstelle passt es meinem Empfinden nach (ohne dieses Empfinden jemandem aufdrängen zu wollen) nicht.
Sünde hat doch immer mindestens zwei Dimensionen: die Absonderung von Gott und verbunden damit die Absonderung aus der menschlichen Gemeinschaft.
Beide Dimensionen führt uns Jesus immer wieder deutlich vor Augen: Sündenvergebung schenkt mir neu in die Gemeinschaft mit Gott und den Menschen.
Beide Dimensionen sind auf dem Bild dargestellt: Gemeinschaft mit dem "Herrn des Mahles" .... und untereinander.
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 14:24
von Gast
umusungu hat geschrieben:Beide Dimensionen sind auf dem Bild dargestellt: Gemeinschaft mit dem "Herrn des Mahles" .... und untereinander.
Na ja, aber die "Gemeinschaft untereinander" scheint die am Tisch Versammelten vorerst mal sehr beklommen zu machen.
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 14:28
von umusungu
Margarete G. hat geschrieben:umusungu hat geschrieben:Beide Dimensionen sind auf dem Bild dargestellt: Gemeinschaft mit dem "Herrn des Mahles" .... und untereinander.
Na ja, aber die "Gemeinschaft untereinander" scheint die am Tisch Versammelten vorerst mal sehr beklommen zu machen.
Wie geschieht mir? DAS habe ich noch nie erlebt! ..... dieser Gedanke kommt mit spontan.
In diese Gemeinschaft untereinander muss ich erst wieder neu (oder überhaupt) hineinwachsen.
Jesus nicht nur als der Heilende (Heiland) ... auch als der Pädagoge.
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 16:07
von anselm
Margarete G. hat geschrieben:Na ja, aber die "Gemeinschaft untereinander" scheint die am Tisch Versammelten vorerst mal sehr beklommen zu machen.
Ja, du hast Recht: die Leute schauen eher müde und skeptisch. Teilweise auch gelangweilt, mit irgendwie leerem Blick. Enttäuschte Menschen, die vielleicht nicht mehr viel vom Leben erwarten und sich sagen "kann ja nichts schaden, sich einladen zu lassen".
Und warum sollten sie eigentlich "Gemeinschaft untereinander" haben? Es sind vermutlich einander völlig fremde Menschen, die unabhängig voneinander eingeladen wurden und zum ersten Mal an einem Tisch sitzen. Sie wenden sich dem Gastgeber zu. Spricht er ihnen Mut und Hoffnung zu?
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 16:19
von Gast
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 16:42
von Juergen
Verfasst: Mittwoch 11. Februar 2004, 17:16
von Robert Ketelhohn
Verfasst: Donnerstag 12. Februar 2004, 16:03
von Dr. Dirk
Bravo, Robert! Das nenne ich ein passendes Bild zur Bibelstelle!
Verfasst: Donnerstag 12. Februar 2004, 16:05
von Gast
Verfasst: Donnerstag 12. Februar 2004, 16:31
von Dr. Dirk
Margarete G. hat geschrieben:?
Wo ist hier Jesus - auch nur andeutungsweise?
Licht und die zeigende Person?
Verfasst: Donnerstag 12. Februar 2004, 22:05
von Robert Ketelhohn
Jesus ist der ganz rechts – mit angedeutetem Nimbus,
halb verdeckt –, der den Arm nach Matthæus ausstreckt.
Verfasst: Freitag 13. Februar 2004, 11:34
von Gast
Verfasst: Freitag 13. Februar 2004, 11:36
von Gast