Jes. 7

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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overkott
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Jes. 7

Beitrag von overkott »

In Jesaja 7 geht es richtig zur Sache. Natürlich kann man das historisch lesen. Aber für die christliche Theologie ist dies eher uninteressant. Sicher kann man diese Geschichte mit der triplex spiritualisieren. Doch die Liturgie geht über diesen unübersichtlichen Abschnitt hinweg und führt auf die Adventszeit zu:

Jes 7,11 Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen, sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der Höhe.
Jes 7,12 Ahas antwortete: Ich will um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen.
Jes 7,13 Da sagte Jesaja: Hört her, ihr vom Haus David! Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen? Müßt ihr auch noch meinen Gott belästigen?
Jes 7,14 Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.
Jes 7,15 Er wird Butter und Honig essen bis zu der Zeit, in der er versteht, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen.

Die letzte Zeile greift ein Motiv aus der Paradiesgeschichte auf, die auch die Paradiesgeschichte als Bild für die Kindheit des Menschen und der Menschheit verstehen lässt. Warum wird die eigentlich bei den Lesungen nicht mit vorgetragen?

Gerhard
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Beitrag von Gerhard »

Interessant. Jesaja wendet sich an das Haus David. Wie verstehst Du das, overkott?
"Ad Deum, qui laetificat juventutem meam."

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overkott
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Beitrag von overkott »

Das Haus David ist ein Bild für die Synagoge, für das Volk Gottes im Alten Bund. Wie Jesaja wird auch später Jesus Christus den Opferkult seines Volkes kritisieren.

Die Stelle ist für das richtige Ökumene- und Bonaventura-Verständnis von großer Bedeutung. Wie Bonaventura schätzt auch das Zweite Vatikanische Konzil alles, was in anderen Glaubensgemeinschaften gut und richtig ist. Wie Bonaventura macht auch das Konzil die ureigene Position deutlich. Bonaventura sieht in der Kirche die convocatio rationalium, also die Versammlung der Vernünftigen im Gegensatz zur Herde ohne Hirten. Er weist zurecht darauf hin, dass nicht jede wörtliche Interpretation Sinn macht und sich dies auch im ökumenischen Dialog zeigt. Besondere Hochschätzung bringt er dem Juden Philon entgegen. Schließlich verdankt die Ecclesia der Synagoge das Alte Testament mitsamt ihrer Weisheitsliteratur.

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Peregrin
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Beitrag von Peregrin »

overkott hat geschrieben:Schließlich verdankt die Ecclesia der Synagoge das Alte Testament mitsamt ihrer Weisheitsliteratur.
Ach?
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

Gerhard
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Beitrag von Gerhard »

overkott hat geschrieben:Das Haus David ist ein Bild für die Synagoge, für das Volk Gottes im Alten Bund. Wie Jesaja wird auch später Jesus Christus den Opferkult seines Volkes kritisieren.
Jesus Christus kritisiert so ziemlich alles an der Frömmigkeit der damaligen Juden.

Darum wurde er gekreuzigt.
"Ad Deum, qui laetificat juventutem meam."

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