Syllabus Errorum

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Marion
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Syllabus Errorum

Beitrag von Marion »

http://de.wikipedia.org/wiki/Syllabus_Errorum

Ist das in der wiki richtig beschrieben, oder gibt es da bessere Erklärungen?
Wie fest zu glauben ist das alles?
Und wie fest zu glauben ist was in einem Konzil steht?
Sind diese verurteilten Sätze nun immernoch verurteilt oder zum Teil aufgehoben?
Und falls aufgehoben - geschah diese Aufhebung mit einem genauso fest oder noch fester zu glaubenden Dokument?
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

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Robert Ketelhohn
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Re: Syllabus Errorum

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Marion
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Re: Syllabus Errorum

Beitrag von Marion »

danke dir :)

nun fehlt mir noch die Reihenfolge was wie fest zu glauben ist
und ob diese Sätze für immer und ewig verurteilt sind

Paulus hat gesagt, wenn ich euch morgen was anderes als heute erzähl, dann rennt davon. Gilt das bei diesen Sätzen hier auch?
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Bernado
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Re: Syllabus Errorum

Beitrag von Bernado »

noiram hat geschrieben:http://de.wikipedia.org/wiki/Syllabus_Errorum
Und wie fest zu glauben ist was in einem Konzil steht?
Das hängt exakt davon ab, wie fest eine Aussage formuliert ist. Das Konzil von Trient, aber auch das 1. Vatikanum, haben die von ihnen selbst als relevant betrachteten Aussagen stets in Form von Canones formuliert, die nach menschlichem Ermessen klar und eindeutig waren. Beispiel Trient, 22. Sitzung, 1. Canon des 9. Hauptstücks:
Wenn jemand sagt, in der Messe werde Gott nicht ein wahres und eigentliches Opfer dargebracht, oder das Dargebrachtwerden sei nichts anderes, als daß uns Christus zur Speise gegeben werde: der sei im Banne.
So geht das seitenweise. In jedem Fall wird ganz klar eine mehr oder weniger aktuelle, aber irrige, theologische Meinung/Aussage beschrieben und dann hinzugefügt: Das ist nicht mehr katholisch. Gleichzeitig wird durch diese negative Formulierung aber Freiraum für künftige Entwicklung und Vertiefung gelassen - wenn dabei wieder zweifelhafte Einzelaussagen auftreten, können sie erneut in den Bann getan werden.

Das 2. Vatikanum hat von dieser vermeintlich mittelalterlichen Praxis Abstand genommen und es vorgezogen, lediglich positive Aussagen zu treffen - und diese dann aber so wolkig formuliert, daß deren feste und verläßliche Bedeutung in vielen Fällen nicht feststellbar ist - zumindest solange nicht, wie man nicht die klaren Lehraussagen früherer Konzilien zur Hilfe nimmt. Beispiel aus der Liturgiekonstitution:
Gott, der „will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen" (1 Tim 2, 4), „hat in früheren Zeiten vielfach und auf vielerlei Weise durch die Propheten zu den Vätern gesprochen" (Hebr 1, 1). Als aber die Fülle der Zeiten kam, sandte Er Seinen Sohn, das Wort, das Fleisch angenommen hat und mit dem Heiligen Geist gesalbt worden ist, den Armen das Evangelium zu predigen und zu heilen, die zerschlagenen Herzens sind, „den Arzt für Leib und Seele", den Mittler zwischen Gott und den Menschen. Denn Seine Menschheit war in der Einheit mit der Person des Wortes Werkzeug unseres Heils. So ist in Christus „hervorgetreten unsere vollendete Versöhnung in Gnaden, und in Ihm ist uns geschenkt die Fülle des göttlichen Dienstes".
Dieses Werk der Erlösung der Menschen und der vollendeten Verherrlichung Gottes, dessen Vorspiel die göttlichen Machterweise am Volk des Alten Bundes waren, hat Christus, der Herr, erfüllt, besonders durch das Pascha-Mysterium: Sein seliges Leiden, Seine Auferstehung von den Toten und Seine glorreiche Himmelfahrt. In diesem Mysterium "hat Er im Tod unseren Tod überwunden und das Leben in der Auferstehung wiederhergestellt".
Seitdem nutzen Generationen von Theologen jedes Komma dieses Wortschwalles, um dahinter ihre ganz persönlichen Ideen unterzubringen und gänzlich unbeeindruckt von der Vorstellung, irgendeine Aussage könne einmal als "nicht mehr katholisch'" gekennzeichnet werden.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

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lifestylekatholik
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Re: Syllabus Errorum

Beitrag von lifestylekatholik »

Bernado hat geschrieben:Gleichzeitig wird durch diese negative Formulierung aber Freiraum für künftige Entwicklung und Vertiefung gelassen - wenn dabei wieder zweifelhafte Einzelaussagen auftreten, können sie erneut in den Bann getan werden.
[...]
Das 2. Vatikanum hat von dieser vermeintlich mittelalterlichen Praxis Abstand genommen und es vorgezogen, lediglich positive Aussagen zu treffen - und diese dann aber so wolkig formuliert, daß deren feste und verläßliche Bedeutung in vielen Fällen nicht feststellbar ist
:klatsch:
Du sagst es.
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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