Was tun gegen den Klimaschwindel?

Aktuelle Themen aus Politik, Gesellschaft, Weltgeschehen.
Trisagion
Beiträge: 18
Registriert: Donnerstag 26. Dezember 2019, 03:59

Re: Was tun gegen den Klimaschwindel?

Beitrag von Trisagion » Mittwoch 15. Januar 2020, 04:04

Klima hin oder her, die weltweite Energieversorgung wird derzeit sowieso im gestreckten Gallop umgestellt. China führt bereits die Welt an in der alternativen Energieerzeugung, und produziert mehr als doppelt soviel erneuerbare Energie, wie der weltweit zweigrößte Produzent ... die USA. Natürlich haben diese Ränge auch mit der Größe der Länder zu tun. Aber auch prozentual ist China inzwischen bei über einem Viertel erneuerbarer Energie angelangt, und die investieren massiv weiter. Die Chinesen machen das nicht zur Weltverbesserung, sondern schlicht weil es sich kommerziell rechnet und sie von ausländischen Mächten unabhängiger macht (beides gute Gründe).

Der Haupthinderungsgrund ist inzwischen auch nicht mehr primär die Energieerzeugung, die inzwischen billig genug ist um mit konventionneller Energieerzeugung zu konkurrieren, sondern das Speichern der Energie um die natürlichen Fluktuationen auszugleichen. Elon Musk / Tesla ... und natürlich auch wieder die Chinesen im großen Stil ... investieren ja nicht von ungefähr viel Geld in "Gigafactories" für Batterien. Die sind nicht alle für Autos, sondern gerade auch zur Energiespeicherung auf Kraftwerksniveau (wobei interessanterweise alte Elektroautobatterien in solchen Speicherbänken ein zweites Leben erhalten können, hier werden ganze Nutzungsketten aufgebaut). Aber es gibt noch 'ne Menge andere Ansätze um Energie zu speichern, von wohlbewährt (z.B. Wasser in ein hochliegendes Reservoir pumpen) bis experimentell (z.B. Druckluft in alte Bergwerke pressen). Wer da mit der richtigen Lösung auf den Markt kommt, wird sich dumm und dämlich verdienen. Denn dies ist das letzte wirklich große Problem für die kommende Energiewirtschaft...

Es gibt auch noch andere Technologien, die vielleicht das Rennen machen weden. Wenn ich viel Geld hätte, würde ich z.B. auf Thorium-Reaktoren spekulieren. Inhärent sichere Nukleartechnik die auf einem Brennstoff basierend den es vergleichsweise wie Sand am Meer gibt.

Jedenfalls ist eines sicher: wir verabschieden uns derzeit vom Zeitalter der Energiegewinnung durch Verbrennung. Die Motivation durch den Klimawandel mag dabei helfen (Geld vom Staat abgreifen ist immer schön für Unternehmen), aber das ist jetzt schon ein technisch-wirtschaftlicher Selbstläufer. Der weltweite größte Vermögensverwalter, BlackRock Inc., hat soeben bekannt gemacht, daß sie alle Firmen abstoßen werden, die mehr als 25% ihres Geschäftes mit Kohle machen. Trump hin und Klimawandel her, wenn die Größtkapitalisten offiziell Schluß mit Kohle machen, dann ist wirklich Schicht im Schacht.

Caviteño
Beiträge: 10555
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Was tun gegen den Klimaschwindel?

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 15. Januar 2020, 08:17

Trisagion hat geschrieben:
Mittwoch 15. Januar 2020, 04:04
Klima hin oder her, die weltweite Energieversorgung wird derzeit sowieso im gestreckten Gallop umgestellt. China führt bereits die Welt an in der alternativen Energieerzeugung, und produziert mehr als doppelt soviel erneuerbare Energie, wie der weltweit zweigrößte Produzent ... die USA. Natürlich haben diese Ränge auch mit der Größe der Länder zu tun. Aber auch prozentual ist China inzwischen bei über einem Viertel erneuerbarer Energie angelangt, und die investieren massiv weiter.
Zwar entfallen 26% der Energieerzeugung von China auf die sog. Erneuerbaren, jedoch nur 3% auf die Solarerzeugung. Den Löwenanteil der Erneuerbaren hält die Wasserkraft, eine Ressource, deren Ausbau beschränkt ist.
Natürlich sind die relativen Steigerungszahlen der Solarindustrie dort beeindruckend, von 2017 nach 2018 stieg sie um über 50%. Das ist allerdings auch dem sehr niedrigen Ausgangswert geschuldet.
Bei den absoluten Werten sieht es anders aus. Hier dominiert die Erzeugung thermischer Energie (ganz überwiegend Kohle) mit einer Steigerung von 324 TWh vor den Erneuerbaren Windkraft und Solar, die jeweils um ca. 60 TWh zulegen konnten.

https://blog.energybrainpool.com/der-en ... eberblick/

Zu glauben, das China auf Erneuerbare umsteigt, dürfte ein Fehlschluß sein, zumal China bei der Kohle über ausreichende nationale Reserven verfügt.
Tatsächlich würde sich die weltweit in Kohlekraftwerken installierte Leistung von aktuell rund 2000 Gigawatt mit den zusätzlichen 579 GW um 29 Prozent erhöhen – wenn alle Projekte realisiert werden. Aktuell sind immer noch in 60 Ländern zusätzliche Kohleanlagen geplant.
(...)
Die meisten Kohlekraftwerke werden aktuell in China geplant oder gebaut mit einer Kapazität von 227 GW. In Indien sind es 92 GW und in der Türkei auch noch 34 GW. Es folgen Vietnam, Indonesien, Bangladesch, Japan, Südafrika, die Philippinen und Ägypten. In der EU hat Polen große Pläne und will 6,9 GW installieren.
https://www.handelsblatt.com/unternehme ... 28490.html
Trisagion hat geschrieben:
Mittwoch 15. Januar 2020, 04:04
Der weltweite größte Vermögensverwalter, BlackRock Inc., hat soeben bekannt gemacht, daß sie alle Firmen abstoßen werden, die mehr als 25% ihres Geschäftes mit Kohle machen. Trump hin und Klimawandel her, wenn die Größtkapitalisten offiziell Schluß mit Kohle machen, dann ist wirklich Schicht im Schacht.
Ob die Entscheidung von Blackrock darin begründet ist, daß man dort nicht mehr an die Kohle "glaubt" (aber wie sie es mit Öl aus?) oder man sich den Forderungen der Politik und der Großanleger anpaßt - darüber kann man sicherlich streiten.

Zunächst einmal ist festzuhalten, das Blackrock für einen großen Teil seines Geschäfts diese Zusage nicht einhalten kann. In seinen indexbasierten ETFs (ishares) muß Blackrock auch Aktien von Gesellschaften halten, die den obigen Kriterien nicht entsprechen - man bildet schließlich den Index ab und wenn der eine Kohlegesellschaft enthält, muß Blackrock die auch kaufen.

Bei den anderen Investmentfonds zeichnet sich in der Tat in den letzten Jahren ab, daß einige Großanleger (Kirchen, staatl. Pensionsfonds ua) in bestimmte Geschäftszweige nicht mehr investieren wollen. Das sind aber nicht nur "schmutzige" Energieerzeuger, sondern auch Kriegswaffen, Tabak, Alkohol, Glücksspiele oder private Gefängnisbetreiber.
Auch aus der Politik gibt es in der EU entsprechende Bestrebungen:
Künftig soll etwa ein „Paris-Label“ Investments kennzeichnen, die mit dem Klimaabkommen im Einklang stehen. Das soll verhindern, dass Finanzprodukte zu Unrecht als „grün“ etikettiert werden.
(...)
Der Druck dürfte nachhaltige Geldanlagen antreiben, meint der BVI. Denn Bankberater könnten nach dem Willen von Brüssel schon 2021 verpflichtet sein, Sparer zu fragen, ob sie ihr Geld nachhaltig anlegen wollen - Dokumentation inklusive. Auch zwingende Hinweise auf Klimafolgen von Investments werden diskutiert.
Man fürchtet - wie Siemens - plötzlich am Pranger zu stehen:
Auch machen Umweltinitiativen Druck: Die 15 weltgrößten Vermögensverwalter nutzten ihre Marktmacht nicht genug für klimafreundliche Investments, monierte die Initiative InfluenceMap.
Ob das "gute Gewissen" es wert ist, auf einige Prozentpunkte Rendite zu verzichten, das muß jeder selbst entscheiden.

Trisagion
Beiträge: 18
Registriert: Donnerstag 26. Dezember 2019, 03:59

Re: Was tun gegen den Klimaschwindel?

Beitrag von Trisagion » Mittwoch 15. Januar 2020, 10:14

Meine Kommentare zu China sollten nicht bedeuten, daß die Kommunistische Partei dort nun zu den Grünen geworden ist. Sondern schlicht, daß China bereits viel getan hat und weiterhin tut. Und zwar primär aus wirtschaftlichem Interesse... wobei, ich denke auch daß Umweltschutz im zunehmenden Maße für ihren Machterhalt nötig werden wird. Ab einem bestimmten Wohlstand ist es eben nicht mehr genug für die Bevölkerung nur noch Primärbedürfnisse (Wasser, Reis, Wohnnung, Heizung, Licht, ...) befriedigt zu kriegen. Und da geht es nicht nur um Konsumgüter, sondern auch um saubere Umwelt. Mal schauen wo das alles hinführt. Aber kombiniert mit dem chinesischen Wunsch an die Spitze der Technologientwicklung vorzustoßen, kann ich mir durchaus vorstellen, daß deren Energieplan sich weiter ändert, auch durchaus drastisch.

Ich würde auch nie auf die Idee kommen, BlackRock und anderen Größtkapitalisten ein Gewissen zuzuschreiben, oder Sorge für die folgenden Generationen. Aber wenn die reine Gier diese Leute in die Investion in erneuerbare Energie treibt, dann können wir eben sicher sein, daß die Umstellung kommt. Wenn man die Geier kreisen sieht, weiß man ja auch, was Sache ist. Das wird sicherlich Jahrzehnte in Anspruch nehmen, schließlich geht es hier um gigantische Infrastruktur. Aber es ist m.E. nur noch eine Frage des wann (und in Teilen des wie), nicht mehr des ob. Ist so ein bißchen wie Handys in den 80er und 90er Jahren. Ob das wohl ein Trend wird, trotz des wohletablierten und überall präsenten Festnetzes, das weiter ausgebaut wird?

Caviteño
Beiträge: 10555
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Was tun gegen den Klimaschwindel?

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 15. Januar 2020, 11:52

Ob es die "Gier" ist, die Blackrock & Co veranlaßt, sich von den Kohlewerten ab und ggfs. zu den "grünen" Werten hinwenden - da würde ich aber mal ein ganz dickes Fragezeichen machen.

Blackrock und andere Kapitalanlagegesellschaften verdienen ihr Geld, indem sie das Vermögen anderer Kapitalsammelstellen verwalten. Je höher das verwaltete Volumen, umso höher die Verwaltungsgebühren. Bei ETFs fallen keine Erfolgsprämien an, da nur ein Index nachgebildet wird. Egal ob der Index steigt oder fällt, die Verwaltunsgebühr von 0,x% ist in jedem Fall zu zahlen.
Bei den anderen (sog. aktiv gemanagten) Fonds muß man die Wünsche der Kunden berücksichtigen und wenn diese nun einmal auf der "grünen Welle" reiten wollen , muß man ein entsprechendes Pferd im Angebot haben.

Während es vor einigen Jahren nur wenige Nischenanbieter gab, die "grüne" Fonds auflegten (in D. z.B. Ökoworld) wurden - befeuert von entsprechenden Berichten in den Medien - solche Fonds in den letzten Jahren immer stärker nachgefragt. Dementsprechend mußte die Fondbranche auch nachziehen und "nachhaltige" Angebote unterbreiten.

Insbesondere die großen Kapitalgeber (Versicherungen, Kirchen ua) weisen gern darauf hin, daß ihre Investments "nachhaltig" sind; die Rendite ist dann zweitrangig bzw. man verweist sogar noch stolz darauf, daß für dieses Ziel auf ein paar Prozentpunkte verzichtet wurde. Das hat den Vorteil, daß man so auch eine miserable Wertentwicklung "schön färben" kann.
Damit in Zusammenhang steht auch der Druck der Medien bzw. der "Öffentlichkeit", die von den Unternehmen verlangt, sich "klimaneutral" zu verhalten. Als Beispiel kann das z. Zt. stattfindende Schauspiel um den Siemens-Auftrag in Australien dienen.

Insofern sehe ich nicht, daß Blackrock & Co ihre Anlagepolitik aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten ändern. Es dürfte sich vielmehr um einen Kotau vor der veröffentlichten Meinung handeln - man will einen Pranger und ggfs. Geschäftsverluste vermeiden.
Geier würden über Blackrock & Co kreisen, wenn sie am Markt vorbei"produzieren" würden. Wenn der Markt "grüne" Anlagen will, dann bekommt er sie. Ob sie besser sind, ist damit noch nicht bewiesen.

Trisagion
Beiträge: 18
Registriert: Donnerstag 26. Dezember 2019, 03:59

Re: Was tun gegen den Klimaschwindel?

Beitrag von Trisagion » Mittwoch 15. Januar 2020, 13:20

Caviteño hat geschrieben:
Mittwoch 15. Januar 2020, 11:52
Ob es die "Gier" ist, die Blackrock & Co veranlaßt, sich von den Kohlewerten ab und ggfs. zu den "grünen" Werten hinwenden - da würde ich aber mal ein ganz dickes Fragezeichen machen.
Nee, das Fragezeichen machst Du ja gerade nicht... Du erklärst Blackrocks Strategie schlicht anders, nämlich mit dem geänderten Geschmack ihrer Kundschaft statt mit den echten Erfolgsaussichten solcher Investitionen. Wir sind uns aber ja wohl einig, daß es diesen Leuten ums Geldverdienen geht, nicht um das Heil der Welt in irgendeinem Sinne? Das ist dann aber Gier.

Aber BlackRock kann es sich erstens nicht leisten in kompletten Schwachsinn zu investieren. Ein paar Prozentpunkte weniger für ein paar Jahre, wenn der Kunde sich dann gut fühlt, OK, durchaus. Aber wenn der Kunde schlicht sein Geld verliert, dann ist das ganz schnell vorbei mit der Geldmacherei für BlackRock. Insofern sagt uns das durchaus etwas darüber wie solide solche Investitionen derzeit sind: solide genug! Zweitens bietet BlackRock schon lange Investition in erneuerbare Technologien an, extremst erfolgreich, Milliardenschwer. Ihre jetzige Ankündigung geht aber weiter, sie ziehen bestehende Investitionen in Kohle systematisch ab. Selbst wenn das alles nur eine Werbemasche ist, ist es wichtig. Es ist jetzt lukrativ sich demonstrativ von alten Energietechnologien abzuwenden, nicht nur neue Energietechnologien anzubieten. Da hat sich der Wind schlicht gedreht.

Caviteño
Beiträge: 10555
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Was tun gegen den Klimaschwindel?

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 16. Januar 2020, 03:55

Trisagion hat geschrieben:
Mittwoch 15. Januar 2020, 13:20
Es ist jetzt lukrativ sich demonstrativ von alten Energietechnologien abzuwenden, nicht nur neue Energietechnologien anzubieten. Da hat sich der Wind schlicht gedreht.
:D :kugel:
Dazu paßt die Meldung heute in der NZZ, das Norwegen 69 neu Erdöl-Lizenzen ausschreibt.
Der ökologische Vorzeigestaat Norwegen, das Land mit der höchsten E-Auto-Dichte in Europa, fördert die Ölsuche, als gäbe es kein Morgen

s.a. hier:

Norway awards record 83 exploration licenses in mature areas

Das waren Meldungen aus dem letzten Jahr, heute meldet die NZZ:
Die norwegische Regierung will 69 neue Lizenzen für die Suche nach Erdöl vergeben. Die Gebiete liegen in der Nordsee, der Norwegischen See und der Barentssee. «Wir hoffen, die Erkundungen werden zu neuen Funden führen », sagte die Öl- und Energieministerin Sylvi Listhaug am Dienstag. Ölunternehmen wie Equinor, BP, Neptune, Vår Energi und die deutsche Wintershall Dea zeigten grosses Interesse. «Das bedeutet, dass die Branche an die künftige Wertschöpfung auf dem norwegischen Festlandsockel glaubt», so Listhaug. Umweltverbände und -parteien kritisierten die Ausschreibung.
(...)
Erst letzte Woche wurde rund 140 Kilometer westlich von Stavanger ein neues Ölfeld eingeweiht, das Öl und Gas für die nächsten fünfzig Jahre liefern soll.
Quelle: Norwegen schreibt 69 Erdöl-Lizenzen aus - NZZ vom 15. 01. 2020 - S. 24

Wie verträgt sich diese Ausschreibung denn mit den vertraglichen Verpflichtungen Norwegens, den Verbrauch fossiler Brennstoffe auf Null zu reduzieren - bis zum Jahre 2050?

Einerseits Klimaneutralität von den eigenen Bürgern und vom Rest der Welt fordern, aber gleichzeitig durch Produktionsausweitung die Bodenschätze auf den Weltmarkt werfen, damit man selbst noch daran verdient (obwohl der Preis sinkt..) - nennt man auch Grünes Paradoxon

BTW: Schon mal darüber nachgedacht, wie Russland und andere Staaten (z.B. Algerien, Indonesien) mit großer Bevölkerung und großen Erdölvorkommen ihren Staatshaushalt finanzieren können, wenn der Erdölverbrauch signifikant sinken würde?

ME sind die lauten Bekenntnisse von Staaten und Industrie, sich künftig "klimaneutral" zu verhalten, viel, viel Show. Das Menschen fordern es, sie bekommen es zu hören und glauben, sie hätten Einfluß. Wie ich schon weiter oben schrieb, kann man natürlich die Kohleproduzenten aus den Portfolios verbannen - so groß sind die auch nicht. Bei Exxon, Gazprom & Co sieht das schon anders aus und mit Saudi Aramco fand vor wenigen Wochen der größte Börsengang der Geschichte statt.

ME wäre es jedoch fahrlässig aus einigen Meldungen zu schließen, daß die Großfinanz den thermischen Energiequellen keine Zukunft gibt. Die Planungszahlen der Staaten sehen häufig anders aus, wie man bei den geplanten Neubauten der Kohlekraftwerke sehen kann.

Benutzeravatar
Protasius
Moderator
Beiträge: 5973
Registriert: Samstag 19. Juni 2010, 19:13

Re: Was tun gegen den Klimaschwindel?

Beitrag von Protasius » Donnerstag 16. Januar 2020, 06:56

Ich kann mir noch einen sehr guten anderen Grund für fortgesetzte Exploration vorstellen: Erdöl und Kohle sind wichtige Rohstoffe für die chemische Industrie. Sie sind eigentlich viel zu schade um sie einfach zu verbrennen, da sie endlos lange brauchen würden um nachzuwachsen.

Diese Idee ist im übrigen nicht neu; ich habe sie bereits in alten Büchern vor einem halben Jahrhundert gefunden, als man noch dachte, daß eine zum Wohle der Menschheit eingesetzte Kernkraft unsere Zukunft sei (Kernkraftwerke, mit Kernreaktoren angetriebene Schiffe, durch Gammastrahlung haltbar gemachte Nahrungsmittel, Nuklearmedizin, …).
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

Caviteño
Beiträge: 10555
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: Was tun gegen den Klimaschwindel?

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 16. Januar 2020, 08:23

Protasius hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 06:56
Ich kann mir noch einen sehr guten anderen Grund für fortgesetzte Exploration vorstellen: Erdöl und Kohle sind wichtige Rohstoffe für die chemische Industrie. Sie sind eigentlich viel zu schade um sie einfach zu verbrennen, da sie endlos lange brauchen würden um nachzuwachsen.
Stimmt - und außerdem ist es mE sehr fraglich, ob eine Politik, die sich ausschl. auf CO²-Vermeidung konzentriert, der Weisheit letzter Schluß ist.

Ich hatte weiter oben schon auf das Carbon Capture, Utilization and Storage (CCUS)-Verfahren hingewiesen und verlinke noch einmal zwei Artikel, die sich damit beschäftigen:

Studie: Wiederverwertung von CO2 hat großes Potential

Versuch der Sachlichkeit in der Klimadebatte

Sollten die Verfahren, die sich erst im Anfangsstadium befinden, erfolgreich sein, wäre diese Entwicklung ein absoluter "game-changer", denn plötzlich wären die fossilen Brennstoffe ihren Makel los - das CO² könnte, wie in den Artikeln ausgeführt, wiederverwendet werden. Wer sich im Netz umsieht, wird schon einiges an Pilotprojekten finden.

Ich hatte bereits oben auf den show-Effekt von Blackrock hingewiesen und angemerkt, daß die Verpflichtung, kohleintensive Unternehmen aus dem Portfolio zu verbannen, keine größeren Auswirkungen haben dürfte. Die FT bringt dazu Zahlen:
It will cut companies that generate 25 per cent of their revenues or more from thermal coal from its actively managed portfolio by mid-2020. Although just $500m of assets—0.007 per cent of its total portfolio — will be subject to the divestment, it is a start.
Financial Times - 15. Jan. 2020 - S. 8 - BlackRock needs to deliver on climate action

Betroffen sind also nur 0,007% des Gesamtportfolios - ein lächerlicher Betrag, den man aufgrund der positiven Berichterstattung verschmerzen kann.
Nur zur Orientierung: Ein Marktwert von ca. 500 Mio USD (= 450 Mio €) entspricht ungefähr der Marktkapitalisierung des Druckmaschinen-Herstellers Koenig-Bauer....

In einem weiteren Artikel erläutert die FT, warum sich BlackRock zu diesem Schritt entschlossen haben könnte:
Pension fund clients in particular have piled on pressure. The $1.5tn Government Pension Investment Fund of Japan withdrew billions of dollars fromBlackRock last year as the biggest pension fund put environmental,
social and governance concerns at the centre of its investment ethos.
Other shareholders have become more vocal, with a coalition filing a climate change resolution at the asset manager ahead of this year’s annual meetings
Financial Times - 15. Jan. 2020 - S. 13 - BlackRock takes a stand in climate struggle

Es ist also die Angst vor Verlust von Kunden und einer schlechten Presse. Ob der Schritt aus Überzeugung erfolgte, ist nicht sicher. Das betroffene Volumen ist so gering, das man da erhebliche Zweifel haben kann.
In dem Artikel wird auch darauf hingewiesen, daß
1. die Maßnahme nur die aktiv gemanagten Fonds betrifft
2. es sich hier um eine relative Größe handelt und damit kaum Gesellschaften betroffen seien. So erziele Glencore als einer der größten Kohleexporteure und -händler nur 6% seines Umsatzes mit Kohle. Der norwegische Staatsfond habe statt einer relativen eine absolute Grenze (20m t) gezogen und damit auch Schwergewichte wie Glencore, BHP und Anglo American aus seinem Portfolio verbannt.

Die größten Bergbauunternehmen und Verschmutzer würden mit der Entscheidung keine schlaflosen Nächte haben, heißt es bei den Kritikern.

Trisagion
Beiträge: 18
Registriert: Donnerstag 26. Dezember 2019, 03:59

Re: Was tun gegen den Klimaschwindel?

Beitrag von Trisagion » Donnerstag 16. Januar 2020, 16:09

Protasius hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 06:56
Ich kann mir noch einen sehr guten anderen Grund für fortgesetzte Exploration vorstellen: Erdöl und Kohle sind wichtige Rohstoffe für die chemische Industrie. Sie sind eigentlich viel zu schade um sie einfach zu verbrennen, da sie endlos lange brauchen würden um nachzuwachsen.
Korrekt. So ist z.B. Polyethylen, der am meisten verwendete Kunststoff insbesondere für Verpackungen, ein Produkt der Petrochemie. Die Ölförderung wird im großen Stil weitergehen, selbst wenn Energieversorgung und Mobilität anderweitig angetrieben werden.

Es ist auch kaum verwunderlich, wenn ein Land wie Norwegen die Ölförderung beibehält. Über die Hälfte deren Exporte ist Öl, die können es sich schlicht nicht leisten kein Öl mehr zu fördern, sonst verarmt das Land schlagartig. Norwegen, ähnlich wie das wirtschaftlich durchaus vergleichbare Saudi Arabien, wird ein Problem kriegen wenn die Ölnachfrage sinkt, etwa im Zuge der kommenden Ernergieumstellung. Wobei natürlich andererseits die Ölreserven auch irgendwann zu Ende gehen (sinkendes Angebot), und wie oben erwähnt viel Öl auch in die Petrochemie geht (sichere Grundnachfrage). Kann durchaus sein, daß in Zukunft Preissteigerungen anzunehmende Volumenverluste wettmachen für Norwegen und andere Föderländer...

Aber das tut ja alles herzlich wenig zur Sache. Wir haben bereits die Technik um genügend Energie ohne Kohle und Öl zu erzeugen (m.E. ist Atomtechnik von Nöten, gerne mit besserer Technik als dem Leichtwasserreaktor, aber da scheiden sich die Geister). Wir sind nahe dran die Frage der Energiespeicherung technisch zu lösen. Der gesellschaftliche Wille ist vorhanden, ob nun zu Recht oder nicht (es ist ja letztlich egal was bzgl. Klimawandel nun wirklich der Fall ist, wir handeln politisch nach dem was wir derzeit darüber glauben). Die Kapitalisten stellen gerne das Kapital für eine gigantischen Umstellung der Infrastrukur zur Verfügung, weil Reibach. Und wenn soetwas erstmal losgetreten wird, dann wird es schnell zum Selbstläufer, denn alle Beteiligten haben ein Interesse daran daß es immer weiter geht.

Insofern tippe ich darauf, daß die Energieumstellung kommt und zwar egal ob das nun die Erde vor dem Klimawandel rettet, oder das alles nur Kokolores ist.

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema