Beide von dir hier vorgebrachte Beispiele hielte ich für indiskutabel. Als Vater von zwei Kindern sage ich ganz klar - ich möchte mein Kind -wäre uns dieses Schicksal beschieden gewesen - auf seinem Weg ins Paradies begleiten und zwar auf auf dem Weg, den Gott vorgesehen hat. Der Gedanke, ein schwerstbehindertes Kind zu töten (aktiv), ist mir ein abscheulicher und ich halte das für Kind und Eltern zutiefst unmoralisch. Es gibt Mittel und Wege, dass so ein Kind nicht unnötig leiden muss. Darum muss gekämpft werden - nicht darum, ihm gleich die Todesspritze zu verabreichen .anselm hat geschrieben:Es geht letztlich um die Festlegung von Entscheidungsregeln in speziellen Fällen, bei denen zwischen mehreren Übeln das kleinere gewählt werden soll.beatrice hat geschrieben:Es läßt grüßen die Hochglanzwirsindallejungfitunddynamischgesellschaft! Passend dazu natürlich ein Wust gesetzlicher Regelungen, die bestimmen, daß alles was irgendwie nach Verfall aussieht oder unsere an idyllische Hochglanzmagazine gewöhnten Augen beleidigen könnte, kein Recht mehr auf Unterstützung jedweder Art hat. Klar, meine Geldbörse ist mir näher als das Hüftgelenk meiner Oma. Und statt sich über ein neues System der Krankenversorgung Gedanken zu machen, läßt man lieber die "Alten" über die Klinge springen. Die fressen uns ja eh die Haare vom Kopf.![]()
Tschuldingung, aber das Thema bringt mich etwas auf die PalmeBeatrice
Zwei Beispiele:
(1) Bei einem extrem schwerbehinderten Neugeborenen stellt sich z.B. die Frage: Geräte abstellen mit der Folge eines Sterbeprozesses, der sich vielleicht über Wochen oder Monate hinziehen kann oder der aktiven Tötung.
(2) Abtreibung von schwer missgebildeten Föten. Wenn das Kind geboren wird hätte dies für das Kind und die Eltern schwerwiegende negative Konsequenzen, bei Abteibung könnte die Familie in Zukunft vielleicht ein oder mehrere gesunde Kinder zur Welt bringen.
In jedem Fall wird Entscheidung getroffen, die weit reichende Konsequenzen hat.
Der zweite Fall ist noch haarsträubender - wo ist der Zusammenhang zwischen einem mißgebildeten Fötus und evtl. anderer gesunder Kinder? Das ist an den Haaren herbeigezogenen. Und was heißt schwer mißgebildetet? Offener Rücken? Spastisch gelähmt? Keine Ärmchen? Bei mangelnder Ausbildung der inneren Organe wird das Baby sowieso keine Überlebenschance haben. Und der Rest? Down-Syndrom? Schwer oder nicht? Wo ist denn die Grenze bei Behinderung? Das ist dermaßen ein Stuß, der da zusammengeredet wird.
Nun, wir haben ja heute in den Heimen eine Reihe Menschen, die so gesehen am besten nie geboren wären. Alle die, die zucken, sabbern und lallen und nicht mal "praktisch bildbar" sind. Die Zeit ihres Lebens versorgt werden müssen.
Anselm, wir reden hier nicht von irgendwelchen Fällen oder Konstellationen - sondern von konkreten Personen.
Und in jedem Falle treffen die Entscheidungen die Eltern, und nicht irgendwelche am grünen Tisch unmenschlichen Sermon vor sich Hinmurmelnde.
Ohne dass ich dich jetzt damit meine - aber ich habe eh den Eindruck, dass diejenigen, die am allerweitesten von der Problematik weg sind, am ehesten und lebhaftesten mit Lösungen und Euthanisie-Vorschlägen auftreten. Die Frage ist wohl berechtigt, wer von all denen jemals wirklich in einer Frühgeborenen-Station gearbeitet, mit behinderten Kinder gelebt hat, Koma-Patienten gepflegt, unheilbar Kranke beim Sterben begleitet hat, im Altenheim die Windeln gewechselt hat.
Anselm, es tut mir leid, wir drehen uns im Kreise. Bestimmte Dinge sollten niemals in einer Gesellschaft zur Disposition stehen - und auch nicht zur Diskussion. Es ist ein Irrtum zu meine, man dürfe über alles reden und könne jegliche Möglichkeiten wertfrei diskutieren. Damit verhindert man prima, dass die Dinge beim Namen genannt werden - nämlich, dass es Nazi-Ideologie ist, die sich da langsam durchsetzt, dass wir eine Menschen-Wegwerf-Gesellschaft nicht zu ansteuern, sondern bereits am Verwirklichen sind, und dass, in ein Mäntelchen von angeblich liebevoll gewährter indivudueller Freiheit ein Werte-Umbruch (oder eher Einbruch) sondergleicen stattfindet.
Geronimo