künstliche Kultur - authentische Kultur

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Marion
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künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Marion »

„Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug"

Ein Kernpunkt der Dialektik der Aufklärung ist die „Aufklärung als Massenbetrug“. Unter Kulturindustrie ist die kommerzielle Vermarktung von Kultur zu verstehen; der Industriezweig, der sich gezielt mit der Herstellung von Kultur beschäftigt. Im Gegensatz dazu steht die authentische Kultur.

Nach Auffassung Horkheimers und Adornos raubt industriell hergestellte Kultur dem Menschen die Phantasie und übernimmt das Nachdenken für ihn. Die „Kulturindustrie“ liefert die „Ware“ so, dass dem Menschen nur noch die Aufgabe des Konsumenten zukommt. Durch Massenproduktion ist alles gleichartig und unterscheidet sich höchstens in Kleinigkeiten. Alles wird in ein Schema gepresst und erwünscht ist es, die reale Welt so gut wie möglich nachzuahmen. Triebe werden so weit geschürt, dass eine Sublimierung nicht mehr möglich ist.

Als Beispiel nennen sie den Kinofilm. Prinzipiell sind alle Filme ähnlich. Sie sind darauf ausgelegt, die Wirklichkeit möglichst gut wiederzugeben. Auch Fantasy-Filme, die den Anspruch erheben, nicht realitätsnah zu sein, werden den Anforderungen nicht gerecht. Egal, wie außergewöhnlich sie sein wollen, das Ende ist zumeist schon sehr schnell absehbar, da es nun mal viele Filme gibt, die nach dem gleichen Schema produziert wurden. Des Weiteren werden z.B. durch erotische Darstellungen Triebe so weit gestärkt, dass eine Umwälzung auf anderes nicht mehr möglich ist.

Das Ziel der Kulturindustrie ist – wie in jedem Industriezweig – ökonomischer Art. Alles Bemühen ist auf wirtschaftliche Erfolge ausgerichtet.

Die authentische Kultur hingegen ist nicht zielgerichtet, sondern Selbstzweck. Sie fördert die Phantasie des Menschen, indem sie Anregungen gibt, aber anders als die Kulturindustrie, den Freiraum für eigenständiges menschliches Denken lässt. Authentische Kultur will nicht die Wirklichkeit nachstellen, sondern weit über sie hinausgehen. Sie ist individuell und lässt sich nicht in ein Schema pressen.

Als Ursachen für die Entstehung von Kulturindustrie führen Horkheimer und Adorno an, dass sich Firmen finden, die Kultur vermarkten und dadurch das ökonomische Ziel der Profitmaximierung verfolgen. Durch diesen Umstand bleibt Kultur nicht, was sie ist bzw. sein soll, sondern wird eine Ware wie jede andere.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik_ ... nbetrug.22

Was meint ihr dazu? Wie sieht unsere Zukunft aus? Kann man da überhaupt noch etwas retten?
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Juergen
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Juergen »

Schwierig....

Was soll "authentische Kultur"?
oder: Was soll "authentische Kunst"?

Streng genommen müßte man vielleicht sagen, daß es sich um Kunst handelt, die ein Künstler erstellt hat und der Öffentlichkeit (kostenlos) vorstellt.
Bei der Definition bleibt aber nicht mehr viel übrig. Dann wären vielleicht die Graffitisprayer die einzigen "wahren" Künstler. Keiner kennt sie, sie verdienen mit der Kunst kein Geld und ihre "Kunstwerke" stehen der Allgemeinheit zur Betrachtung offen.

Bei der restlichen Kunst, handelt es sich vielfach doch um Auftragswerke oder zumindest Werke mit denen der Künstler Geld verdient (hat).

Schaut man auf die Musik, so gibt es dort großartige Werke, die aber eben Auftragswerke sind/waren. Durch die Möglichkeit die Noten zu vervielfältigen kann jeder sie nachspielen (sofern er kann) und sie werden zu einem "Massenprodukt".
Durch die modernen Möglichkeiten der Musikaufzeichnung und Vervielfältigung wird dies heutzutage verstärkt.

Auf MDR läuft derzeit dienstags/mittwochs ein Art Bachbiographie in 4 Teilen. Nächsten Dienstag kommt der letzte Teil. - Als ich das sah, ging mir so durch den Kopf, was Bach wohl gesagt oder getan hätte, wenn es damals schon die Möglichkeit der Musikaufzeichnung und Musikvervielfältigung gegeben hätte.
:hmm:
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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Thomas_de_Austria
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Ohne Auftrag, ist die Kunst selten bzw. bessr, wenn man eine in Auftrag gegebene Kunst, nicht mehr als "authentische Kunst" ansehen kann/darf, dann fallen auch die Fresken Michelangelos oder Raffaels Stanzen aus der Kategorie "authentische Kunst".

Interessant sind unter dem Aspekt der Kunst betrachtet, aber die Ikonen, für dieses Thema (ich weiß natürlich, dass Ikonen nicht ausschließlich bzw. gar in erster Linie unter diesem Aspekt, vor allem, im modernen Sinne, zu betrachten sind, aber mir geht es, in diesem Fall, nur um diesen): Die Malermönche bekamen bzw. bekommen für das Werk nichts bezahlt, sie blieben bzw. bleiben zum überwiegenden Teil unbekannt und ihre Werke sind öffentlich und kostenlos zugänglich (in den Gotteshäusern). Trotzdem: "Auftragswerke", wenn auch z. T. in einem weiteren Sinne, sind sie auch.

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Marion
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Marion »

Ihr habt Recht, das mit dem ohne Geld kann nicht die Definition von authentischer Kunst sein.
Trotzdem ist da irgendwas faul. :detektiv:
Wo sind z.b. die ganzen schönen alten Kinderlieder, wo sind die alten Märchen, die (ich sag mal) natürlich von Generation zu Generation getragen wurden?
Ist das nicht unnatürlich, daß das auf einen Schlag abgestorben ist und nun jede Generation ihre Werbefilmchen auswendig singen kann. Werbefilmchenmusik die nicht der Schönheit wegen komponiert wurden sondern um irgendwas zu kaufen ...
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Hubertus
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Hubertus »

Marion hat geschrieben:Ihr habt Recht, das mit dem ohne Geld kann nicht die Definition von authentischer Kunst sein.
Trotzdem ist da irgendwas faul. Wo sind z.b. die ganzen schönen alten Kinderlieder, wo sind die alten Märchen, die (ich sag mal) natürlich von Generation zu Generation getragen wurden?
Ist das nicht unnatürlich, daß das auf einen Schlag abgestorben ist und nun jede Generation ihre Werbefilmchen auswendig singen kann. Werbefilmchenmusik die nicht der Schönheit wegen komponiert wurden sondern um irgendwas zu kaufen ...
Das ist m.E. ein weites Feld, wo sich mehrere Problemkreise treffen. Das fängt damit an, daß oftmals keine oder wenig Zeit für die Kinder bleibt. Oft ist da die "Glotze" der Ersatz für wirkliche Zuwendung. Natürlich werden auch im Zuge der gender-Ideologie "überkommene Rollenmuster" (Prinzessinnen; Ritter) zunehmend abgelehnt. Und überhaupt erscheint es mir, daß die Gesellschaft mit der Vergangenheit einen radikalen Schnitt zu machen. Alles Alte, dessen produktiver Wert nicht unmittelbar einleutet, wird nicht mehr akzeptiert. Jede(r) "schafft" sich seine eigenen Werte. Diese radikale Wende zum Subjektivismus hat mit der Weitergabe eines tradierten Wertesystems und Weltbildes abgeschlossen. Das schöne Bild von Zwergen, die auf den Schultern von Riesen stehen, hat sehr treffend ausgedrückt, daß Fortschritt immer nur im Hinblick auf den Grundlagen der Vergangenheit möglich ist. Wo die Zwerge versuchen, von diesen Schultern zu steigen, ändert sich die Perspektive eben grundlegend.
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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taddeo
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von taddeo »

Juergen hat geschrieben:Auf MDR läuft derzeit dienstags/mittwochs ein Art Bachbiographie in 4 Teilen. Nächsten Dienstag kommt der letzte Teil. - Als ich das sah, ging mir so durch den Kopf, was Bach wohl gesagt oder getan hätte, wenn es damals schon die Möglichkeit der Musikaufzeichnung und Musikvervielfältigung gegeben hätte.
:hmm:
Ich bin mir ziemlich sicher, daß Bach die ganze Bandbreite an Möglichkeiten ausgenutzt hätte: CD-Aufnahmen mit seinen Musikern, Orgelsolo-CDs, vielleicht auch Videoclips, Fernseh- und Rundfunkaufzeichnungen u. a.
Noten in Druck zu geben, um damit Geld zu verdienen, hat er sowieso gemacht (er hat sogar die Kupferplatten dafür selber gestochen). Heute würde er wohl mit einem Notensatzprogramm am PC sitzen und sein Opus im Eigenverlag herausbringen.

Thomas_de_Austria
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Wo sind z.b. die ganzen schönen alten Kinderlieder, wo sind die alten Märchen, die (ich sag mal) natürlich von Generation zu Generation getragen wurden?
Ist das nicht unnatürlich, daß das auf einen Schlag abgestorben ist ...
Das wäre fast wieder einen eigenen Strang wert: Weshalb verschwand die volkstümliche Überlieferung (Sagen, Märchen etc.) nach dem Zweiten Weltkrieg? - Wahrscheinlich, weil eine "Volkskultur" (und gerade dazu zählt ja auch die meist mündliche Überlieferung dieser Dinge), eines echten, "naturwüchsigen" Volkes bedarf (und keiner Bande von nutzenorientierten Individuen, die nur durch die gegenseitige Ausbeutung zusammengehalt wird) und weil der linksliberale, zynisch-säkulare Kulturimperialismus alles was ihm nicht in den Kram passt, zu unterdrücken versucht ...

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Christiane
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Christiane »

Thomas_de_Austria hat geschrieben:und weil der linksliberale, zynisch-säkulare Kulturimperialismus alles was ihm nicht in den Kram passt, zu unterdrücken versucht ...





Was haben deutsche Märchen und spanische Stierkämpfe gemeinsam? *duck-und-wech*
"Die Demokratie feiert den Kult der Menschheit auf einer Pyramide von Schädeln." - Nicolás Gómez Dávila

"Gott kann machen, dass eine Communio entsteht zwischen dem Idiot und dem Arschloch." (Ausspruch auf einem NK-Gemeinschaftstag)

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lifestylekatholik
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von lifestylekatholik »

Thomas_de_Austria hat geschrieben:
Wo sind z.b. die ganzen schönen alten Kinderlieder, wo sind die alten Märchen, die (ich sag mal) natürlich von Generation zu Generation getragen wurden?
Ist das nicht unnatürlich, daß das auf einen Schlag abgestorben ist ...
Das wäre fast wieder einen eigenen Strang wert: Weshalb verschwand die volkstümliche Überlieferung (Sagen, Märchen etc.) nach dem Zweiten Weltkrieg? - Wahrscheinlich, weil eine "Volkskultur" (und gerade dazu zählt ja auch die meist mündliche Überlieferung dieser Dinge), eines echten, "naturwüchsigen" Volkes bedarf (und keiner Bande von nutzenorientierten Individuen, die nur durch die gegenseitige Ausbeutung zusammengehalt wird) und weil der linksliberale, zynisch-säkulare Kulturimperialismus alles was ihm nicht in den Kram passt, zu unterdrücken versucht ...
Die sogenannte volkstümliche Überlieferung (Volkslieder, Volkstanz, Märchen, ...) ist in Deutschland schon viele Jahrzehnte vor dem Zweiten Weltkrieg abgestorben, ungefähr zur Zeit der Romantik.
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

Thomas_de_Austria
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Die sogenannte volkstümliche Überlieferung (Volkslieder, Volkstanz, Märchen, ...) ist in Deutschland schon viele Jahrzehnte vor dem Zweiten Weltkrieg abgestorben, ungefähr zur Zeit der Romantik.
Nun, ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist (wobei, so generell, bin ich mir da nicht sicher, ob das so für ganz Deutschland zutrifft), aber hier war es noch bis zum Zweiten Weltkrieg so, dass es eigene Volkstänze gab, Volkslieder, neue und alte Sagen wurden erzählt wurden etc. Natürlich nicht in den Städten, aber dass sie damals bereits abgestorben wäre, das trifft m. M. nach gar nicht zu bzw. nicht in den Bereichen, an die ich denke.
Die Sagen aus meiner Heimat, wurden bspw. erst nach dem Krieg "kodifziert" (hab' da eines, aus dem Jahr 1953, die erste Auflage), was ein Ausdruck des Absterbens ist und die jüngsten Sagen stammen z. T. sogar noch aus dem 19. Jhdt., nach der Romantik.

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taddeo
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von taddeo »

Thomas_de_Austria hat geschrieben:
Die sogenannte volkstümliche Überlieferung (Volkslieder, Volkstanz, Märchen, ...) ist in Deutschland schon viele Jahrzehnte vor dem Zweiten Weltkrieg abgestorben, ungefähr zur Zeit der Romantik.
Nun, ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist (wobei, so generell, bin ich mir da nicht sicher, ob das so für ganz Deutschland zutrifft), aber hier war es noch bis zum Zweiten Weltkrieg so, dass es eigene Volkstänze gab, Volkslieder, neue und alte Sagen wurden erzählt wurden etc. Natürlich nicht in den Städten, aber dass sie damals bereits abgestorben wäre, das trifft m. M. nach gar nicht zu bzw. nicht in den Bereichen, an die ich denke.
Die Sagen aus meiner Heimat, wurden bspw. erst nach dem Krieg "kodifziert" (hab' da eines, aus dem Jahr 1953, die erste Auflage), was ein Ausdruck des Absterbens ist und die jüngsten Sagen stammen z. T. sogar noch aus dem 19. Jhdt., nach der Romantik.
Das, was wir heute als "Volksschatz" an Liedern, Gedichten und Sagen haben, wurde aber zum großen Teil erst in der "Romantik" erstmals systematisch gesammelt und erfaßt. Darunter war auch etliches, was eigentlich gar nicht "volkstümlich" war, sondern von den Sammlern einfach darunter subsumiert wurde. Die Brüder Grimm haben da wesentliche Arbeit gemacht, aber etwa auch Achim von Arnim und Clemens von Brentano mit ihrer Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" von 1806ff - die trägt den Untertitel "Alte deutsche Lieder". Das ist insofern bemerkenswert, als damit keinerlei Anspruch auf "Volksdichtung" erhoben wird.
Aus meiner Kenntnis der Musik würde ich zu behaupten wagen, daß das einzige Genre, in dem tatsächlich heute noch altes Volksgut gepflegt wird, das deutsche Kirchenlied ist, das bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Die sogenannte "Volksmusik" - auch die echte, die zB in Bayern noch musiziert wird - beruht weitgehend auch auf Überlieferungen, die selten vor das 19. oder vielleicht 18. Jahrhundert zurückreichen.

Thomas_de_Austria
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Das, was wir heute als "Volksschatz" an Liedern, Gedichten und Sagen haben, wurde aber zum großen Teil erst in der "Romantik" erstmals systematisch gesammelt und erfaßt.
Das ist ganz klar. Nur, muss ich sagen, dass ich eben, gerade aufgrund der Zeit, in der das in meiner Gegend gesammelt wurde, sowie auch aufgrund des Inhalts, der vom 19. Jhdt., bis zumindest zum 17. Jhdt. zurückreicht - erkennt man an manchen Details in den Sagen selbst -, dass die Volkskultur, durchaus nicht schon um AD 1820 überall und gänzlich abgestorben war. Das halte ich für unzutreffend.

(Was die Musik betrifft, wird sich vereinzelt, wohl auch Analoges feststellen lassen, wobei es mir in dem Bereich, ungleich schwieriger erscheint, das alles "dingfest" zu machen.)

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Christ86
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Christ86 »

Marion hat geschrieben:Ihr habt Recht, das mit dem ohne Geld kann nicht die Definition von authentischer Kunst sein.
Trotzdem ist da irgendwas faul. :detektiv:
Wo sind z.b. die ganzen schönen alten Kinderlieder, wo sind die alten Märchen, die (ich sag mal) natürlich von Generation zu Generation getragen wurden?
Ist das nicht unnatürlich, daß das auf einen Schlag abgestorben ist und nun jede Generation ihre Werbefilmchen auswendig singen kann.
Das ist mir auch aufgefallen. Meine Grossmutter sang mir in meiner Kindheit jeden Abend alte Lieder vor - natürlich nur dann, wenn ich bei ihr war :blinker: . Ich kann mich an die Texte nicht mehr so recht erinnern, bei einem ging es um irgendwelche Glocken in der Ferne, um die Kirche und Gott. Wenn ich meine Eltern oder Leute in ihrer Generation frage, welches Lied das sei, wissen es sofort alle. Ich kann es nicht mehr, und mein Patenkind hat es wohl nie gehört.

Auch Umzüge wie ich sie aus meiner Kindheit - und ich bin jetzt 24 - kenne, sind irgendwie verschwunden. Irgendwie stirbt die Kultur des Volkes rasend schnell und wir durch zeitgeistige Erscheinungen aus dem Ausland ersetzt. Sei es musikalisch oder ideell, irgendwie wechselt alles so schnell, dass man ja gar nicht mehr mitkommt.
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taddeo
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von taddeo »

Eine klare zeitliche Eingrenzung wird nicht zu machen sein, das stimmt.

Das, was Du als "Volkskultur" bezeichnest, war (und ist teilweise noch heute) vor allem eine Kultur der "kleinen Leute", näherhin der Bauern und kleinen Handwerker. Der Adel rezipierte das in verfeinerter Form etwa in den Landidyll-Sujets der höfischen Opern, dem Bürgertum blieb diese Kultur weitgehend fremd, soweit man sich nicht aus bildungsbürgerlichem Interesse damit befaßte.
In dem Maß, wie der Alltag der Bauern sich von seiner strikten Bindung an naturgegebene Umstände löste (Mechanisierung der Arbeit, Verlängerung des Arbeitstages durch elektrisches Licht etc.; Industrialisierung im Handwerk mit festgelegten Arbeitszeiten), verlor auch die "Volkskultur" den Boden, auf dem sie produktiv gedeihen konnte. In der Romantik setzte bereits die Welle der "Kodifizierung" ein, heute sind wir bei der reinen Reproduktion angelangt. Wie schnell sich dieser Prozeß vollzog, lag in erster Linie daran, wie stark dieser gesellschaftliche Wandel fortgeschritten war - in Bayern setzte das massiv erst in den 1970er Jahren ein, andernorts teilweise schon um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jh.
Die geänderten Freizeitgewohnheiten tun ein übriges - früher mußte man mangels Alternativen selber singen, dichten, erzählen; dann kam das Radio, heute übernimmt diese Funktion die Flimmerkiste. Es ist ja durchaus interessant zu sehen, daß ausgerechnet die "Volkskultur-Verschnitte" a la Musikantenstadl die höchsten Einschaltquoten haben. Das Interesse ist also durchaus noch da, aber die Ausübung ist zu einem kommerzialisierten Dienstleistungsgewerbe geworden: Man singt nicht mehr, man läßt singen, weil man es sich leisten kann. So wie es die Niederbayern in der Kirche auch machen ... ;D

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Christ86
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Christ86 »

taddeo hat geschrieben:Eine klare zeitliche Eingrenzung wird nicht zu machen sein, das stimmt.

Das, was Du als "Volkskultur" bezeichnest, war (und ist teilweise noch heute) vor allem eine Kultur der "kleinen Leute", näherhin der Bauern und kleinen Handwerker. Der Adel rezipierte das in verfeinerter Form etwa in den Landidyll-Sujets der höfischen Opern, dem Bürgertum blieb diese Kultur weitgehend fremd, soweit man sich nicht aus bildungsbürgerlichem Interesse damit befaßte.
Die Familie meiner Mutter gehört wohl kaum zu den "kleinen Leuten", beschäftigt sie doch heute mehrere Tausend Angstellte und ist in verschiedenen Linien über viele Jahrhunderte zurückzuverfolgen. Spätestens 1006 wurde sie in Zürich als Junkerfamilie erstmals genannt. Du könntest ihren Nachnamen googeln und auf so Einiges stossen :)

Bei uns gibt und gab es keinen Adel wie ihr Deutschen ihn kennt, unsere Entsprechung sind eben jene Familien wie die meiner Mutter (meine väterliche Linie ist da viel bescheidener :breitgrins: ).

Sie kennt aber das erwähnte Lied, das deiner Aussage nach von den "kleinen Leuten" stammt? :achselzuck:
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Thomas_de_Austria
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Das, was Du als "Volkskultur" bezeichnest, war (und ist teilweise noch heute) vor allem eine Kultur der "kleinen Leute", näherhin der Bauern und kleinen Handwerker. Der Adel rezipierte das in verfeinerter Form etwa in den Landidyll-Sujets der höfischen Opern, dem Bürgertum blieb diese Kultur weitgehend fremd, soweit man sich nicht aus bildungsbürgerlichem Interesse damit befaßte.
Ja, das habe ich hier sowieso vorausgesetzt. Wobei ich sagen muss, dass man noch einmal den Landadel - den es hier auch gab - vom höheren und hohen Adel unterscheiden muss (bzgl. Bürger - das war ohnehin der "Stadtbezug", vom obigen Beitrag).
In dem Maß, wie der Alltag der Bauern sich von seiner strikten Bindung an naturgegebene Umstände löste (Mechanisierung der Arbeit, Verlängerung des Arbeitstages durch elektrisches Licht etc.; Industrialisierung im Handwerk mit festgelegten Arbeitszeiten), verlor auch die "Volkskultur" den Boden, auf dem sie produktiv gedeihen konnte.
Ja, meine Gegend hier, war lange Zeit, recht "rückständig" - was wohl z. T. sogar noch von den Verheerungen Türken- und Kuruzzenkriegen herrührte.
Eine klare zeitliche Eingrenzung wird nicht zu machen sein, das stimmt.
Nun, die Sage, die ich als mit ziemlicher Sicherheit als eine der jüngsten einordnen muss, kann ich relativ genau auf die späten 1870er, frühen 1880er datieren, anhand gewisser "Akzidentien" innerhalb der Sage.

Also, diese Art der Volkskultur hier, gab es noch bis zum Zweiten Weltkrieg, das ist tatsächlich langsam, in mehreren Schüben abgestorben, aber die Auflösung der naturwüchsigen Volksstrukturen - eben durch Technisierung, Industrialisierung, samt den sich damit ausbreitenden, verhunzten Anschauungen etc. bedingt - haben hier halt sehr viel dazu beigetragen.

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Christ86
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Christ86 »

Thomas_de_Austria hat geschrieben:
Ja, das habe ich hier sowieso vorausgesetzt. Wobei ich sagen muss, dass man noch einmal den Landadel - den es hier auch gab - vom höheren und hohen Adel unterscheiden muss (bzgl. Bürger - das war ohnehin der "Stadtbezug", vom obigen Beitrag).
:hmm: Sind Junker - seit dem Jahr 1006 verbrieft - denn Bürgerliche?
Wie bewundernswert sind deine Werke, o Herr, alles hast du mit Weisheit gemacht! Ps 104

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Thomas_de_Austria
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Christ86 hat geschrieben:
Thomas_de_Austria hat geschrieben:
Ja, das habe ich hier sowieso vorausgesetzt. Wobei ich sagen muss, dass man noch einmal den Landadel - den es hier auch gab - vom höheren und hohen Adel unterscheiden muss (bzgl. Bürger - das war ohnehin der "Stadtbezug", vom obigen Beitrag).
:hmm: Sind Junker - seit dem Jahr 1006 verbrieft - denn Bürgerliche?
Hm? Weiß nicht, worauf sich das konkret bezieht, aber hier gab es sowieso keine "Junker" ...

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Christ86
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Christ86 »

Thomas_de_Austria hat geschrieben:
Christ86 hat geschrieben:
Thomas_de_Austria hat geschrieben:
Ja, das habe ich hier sowieso vorausgesetzt. Wobei ich sagen muss, dass man noch einmal den Landadel - den es hier auch gab - vom höheren und hohen Adel unterscheiden muss (bzgl. Bürger - das war ohnehin der "Stadtbezug", vom obigen Beitrag).
:hmm: Sind Junker - seit dem Jahr 16 verbrieft - denn Bürgerliche?
Hm? Weiß nicht, worauf sich das konkret bezieht, aber hier gab es sowieso keine "Junker" ...
:hae?: Du hast dich doch auf meinen - "obigen" - Beitrag bezogen - ihn aber scheinbar nicht richtig gelesen.

Natürlich gab es auch bei euch Junker :ja:
Junker (Jkr.) oder Junkfrau (Jkfr.), Prädikat für ursprünglich Mitglieder des Hochadels ohne Ritterschlag, später auch allgemein die Söhne des Adels und junge Edelleute ohne sonstigen Titel, siehe Adel
http://de.wikipedia.org/wiki/Junker
Wie bewundernswert sind deine Werke, o Herr, alles hast du mit Weisheit gemacht! Ps 104

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Thomas_de_Austria
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Christ86 hat geschrieben:
Thomas_de_Austria hat geschrieben:
Christ86 hat geschrieben:
Thomas_de_Austria hat geschrieben:
Ja, das habe ich hier sowieso vorausgesetzt. Wobei ich sagen muss, dass man noch einmal den Landadel - den es hier auch gab - vom höheren und hohen Adel unterscheiden muss (bzgl. Bürger - das war ohnehin der "Stadtbezug", vom obigen Beitrag).
:hmm: Sind Junker - seit dem Jahr 16 verbrieft - denn Bürgerliche?
Hm? Weiß nicht, worauf sich das konkret bezieht, aber hier gab es sowieso keine "Junker" ...
:hae?: Du hast dich doch auf meinen - "obigen" - Beitrag bezogen - ihn aber scheinbar nicht richtig gelesen.

Natürlich gab es auch bei euch Junker :ja:
Junker (Jkr.) oder Junkfrau (Jkfr.), Prädikat für ursprünglich Mitglieder des Hochadels ohne Ritterschlag, später auch allgemein die Söhne des Adels und junge Edelleute ohne sonstigen Titel, siehe Adel
http://de.wikipedia.org/wiki/Junker
Nein, ich hab' das auf taddeos Beitrag bezogen und für meine Gegend bzw. für Österreich bzw. wohl auch für Deutschland, hat er im Großen und Ganzen Recht, auch wenn es immer Ausnahmen geben mag. "Junker" gab es in meiner Gegend, keinen einzigen (gut, es gab welche, die wären unter die Kategorie gefallen, aber da war praktisch und auch dem normalen Sprachgebrauch nach, schon ein Unterschied zum preußischen Junker) - und ich kenne meine "Pappenheimer" (an adeligen Familien hier, bis zurück ins 16. Jhdt.), sondern Freiherren und Grafen waren es in erster Linie.

Thomas_de_Austria
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von Thomas_de_Austria »

Was jetzt zwar nicht so direkt in den Bereich "Volkskultur" fällt, aber trotzdem irgendwie nicht uninteressant ist, bzgl. der allgemeinen "Mentalität" und "Be- bzw. Gestimmtheit" der Bevölkerung, unter der eine etwaige, derartige "Volkskultur" existieren kann, sind auch gewisse weniger christl. Praktiken zu erwähnen.

Um etwas weiter auszuholen: Die Gegend war nicht nur - wie gesagt, durch kriegerische Verheerungen, samt Pest, Heuschrecken u. ä. - bis ins 20. Jhdt. hinein vergleichsweise rückständig, es war auch eine der Gegenden, in der noch sehr lange und recht viele Hexenprozesse stattfanden. Während in vielen Gebieten Mittel-, Nord- und Westdeutschlands die Zeit der Hexenverfolgung schon mit dem Dreißigjährigen Krieg zu Ende ging, liefen hier die Prozesse noch bis ins 18. Jhdt. hinein, bis zur Amtszeit Maria Theresias (im Jahr 1755 gibt es ein Resolution Maria Theresias, in der sie Zauberei als "Betrug" bezeichnet, dann natürlich die "Constitutio Criminalis Theresiana" aus dem Jahr 1768 und mit dem Josephinischen Strafgesetz (welches auch die Abschaffung derr Folter beinhaltete) im Jahr 1787, war es dann gänzlich vorbei).

Aber zauberische Umtriebe hielten sich noch bis weit über die 50er des 20. Jhdt. Bauern, die in recht obskuren Ritualen den Teufel anriefen, kamen ebenso, immer wieder einmal vor, wie auch eine gleichzeitige, recht extremer Teufelsfurcht (es brauchte nur jemand nächtens durch einen Wald von der Arbeit nach Hause zu gehen und wenn dabei ein Wild irgendwo im Gebüsch raschelte, war so ziemlich der erste Gedanke: "Der Teufel!" - das ist ausdrücklich keine Übertreibung). Also, auf so einem Boden gedeihen schon die faszinierensten Dinge ...

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overkott
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Re: künstliche Kultur - authentische Kultur

Beitrag von overkott »

Marion hat geschrieben:
„Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug"

Ein Kernpunkt der Dialektik der Aufklärung ist die „Aufklärung als Massenbetrug“. Unter Kulturindustrie ist die kommerzielle Vermarktung von Kultur zu verstehen; der Industriezweig, der sich gezielt mit der Herstellung von Kultur beschäftigt. Im Gegensatz dazu steht die authentische Kultur.

Nach Auffassung Horkheimers und Adornos raubt industriell hergestellte Kultur dem Menschen die Phantasie und übernimmt das Nachdenken für ihn. Die „Kulturindustrie“ liefert die „Ware“ so, dass dem Menschen nur noch die Aufgabe des Konsumenten zukommt. Durch Massenproduktion ist alles gleichartig und unterscheidet sich höchstens in Kleinigkeiten. Alles wird in ein Schema gepresst und erwünscht ist es, die reale Welt so gut wie möglich nachzuahmen. Triebe werden so weit geschürt, dass eine Sublimierung nicht mehr möglich ist.

Als Beispiel nennen sie den Kinofilm. Prinzipiell sind alle Filme ähnlich. Sie sind darauf ausgelegt, die Wirklichkeit möglichst gut wiederzugeben. Auch Fantasy-Filme, die den Anspruch erheben, nicht realitätsnah zu sein, werden den Anforderungen nicht gerecht. Egal, wie außergewöhnlich sie sein wollen, das Ende ist zumeist schon sehr schnell absehbar, da es nun mal viele Filme gibt, die nach dem gleichen Schema produziert wurden. Des Weiteren werden z.B. durch erotische Darstellungen Triebe so weit gestärkt, dass eine Umwälzung auf anderes nicht mehr möglich ist.

Das Ziel der Kulturindustrie ist – wie in jedem Industriezweig – ökonomischer Art. Alles Bemühen ist auf wirtschaftliche Erfolge ausgerichtet.

Die authentische Kultur hingegen ist nicht zielgerichtet, sondern Selbstzweck. Sie fördert die Phantasie des Menschen, indem sie Anregungen gibt, aber anders als die Kulturindustrie, den Freiraum für eigenständiges menschliches Denken lässt. Authentische Kultur will nicht die Wirklichkeit nachstellen, sondern weit über sie hinausgehen. Sie ist individuell und lässt sich nicht in ein Schema pressen.

Als Ursachen für die Entstehung von Kulturindustrie führen Horkheimer und Adorno an, dass sich Firmen finden, die Kultur vermarkten und dadurch das ökonomische Ziel der Profitmaximierung verfolgen. Durch diesen Umstand bleibt Kultur nicht, was sie ist bzw. sein soll, sondern wird eine Ware wie jede andere.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik_ ... nbetrug.22

Was meint ihr dazu? Wie sieht unsere Zukunft aus? Kann man da überhaupt noch etwas retten?
Die Unterscheidung zwischen künstlich und authentisch ist zunächst einmal dichotomisch. Und wie alles dichtomische Denken steht sie unter Ideologieverdacht. Mein Kulturbegriff ist jedenfalls viel weiter gespannt und umfasst alle Bereiche menschlichen Zusammenlebens. Von daher umfasst Kultur den persönlichen Bereich, Familie, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft, Staat, Sport. Kultur umfasst nicht nur den Bereich der Ideen, des Wortes, der Bücher, der Bühne, der Medien, der Universität, sondern auch die Ausdrucks- und Umgangsformen in den verschiedenen Bereichen. Natürlich hat das Besondere und Individuelle seinen besonderen Reiz. Aber man sollte keine Publikumsbeschimpfung betreiben. Eine marktwirtschaftlich und demokratische Kultur hat immer auch etwas mit dem Geschmack vieler zu tun, mit Einfachheit, mit Stereotypen, mit Riten, mit Wiederholung. Aber selbst der Gewinn orientierte Kulturbetrieb weiß, dass die Wiederholung allein noch keinen Markterfolg beschert, sondern dass es immer wieder Variationen geben muss und einen Reiz des Neuen:

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