J. G. Krünitz hat geschrieben:
Drachen=Blut , L. Sanguis draconis, Cinnabaris vegetabilis, s. Indica, Fr. Sang de Dragon, oder SangDragon, ein dunkelrother, harziger, hartgetrockneter Saft, der sich leicht zerreiben läßt, am Feuer leichr flüssig und entzündlich ist, sich nur im Weingeist auflösen läßt, keinen sonderlichen Geruch und Geschmack hat, wenn man ihn aber verbrennt, wie Storax riechet.
Seinen Namen hat er einem Mährchen der Alten zu danken, welche vorgaben, daß der Drache mit dem Elephanten streite und demselben alles Blut aussauge, aber dafür von diesem im Umfallen erdrückt würde. Beyder Blut gebe unser Drachenblut.
Man findet zweyerley Arten vom Drachenblute; die eine ist hart, und die gemeinste, meistens in Stücken eines Fingers lang, und eines halben Zolles breit, welche in langen und schmalen Blättern eingewickelt sind, und Drachenblutstropfen, L. Guttae vel Lacrymae sanguinis draconis, Fr. Sang de dragon en larmes, genannt werden. Die andere, welche seltener ist, und nur bisweilen angetroffen wird, ist weich, fließend, zähe, harzig und fängt Feuer, von Farbe schön blutroth, von Geruch wie die erstere; jedoch wird sie mit der Zeit trocken, und der erstern gleich. Es pflegen auch unter der erstern öfters Unreinigkeiten, als: Rinden, Holz, Erde und andere dergleichen Dinge beygemischt zu seyn, welche sie schlechter machen. Außer diesen beyden angeführten Arten, wovon doch, wie gedacht, meistens nur die erste zu haben ist, giebt es noch eine verfälschte, welche man, insofern sie zur Arzeney gebraucht werden soll, wohl zu unterscheiden hat. Es ist diese verfälschte einr Zusammensetzung von verschiedenen Gummi, in runden oder zusammen gedrückten Stücken von dunkelrother Farbe, welche entweder mit dem ächten Drachen=Blute, oder rothen Brasilienholze, gefärbt sind. Allein, diese entzündet sich nicht im Feuer, sondern wirft Blasen, platzet, und wird wie Gummi eine zähe Materie, die sich im Wasser auflösen läßt. Was die Materialisten in Blättern eingewickelt verkaufen, ist meistens mit arobischen Gummi, Bocksblut und andern Dingen verfälscht. Man muß also jederzeit dasjenige Drachenblut aussuchen, welches rein und dunkelroth ist, im Feuer brennt, und in runden und länglichen Stücklein im Schilfe abgebunden zu uns gebracht wird, und durch das Zerreiben schön klar und hochroth wird.
Es kommt aber dieses Drachenblut nicht nur aus verschiedenen Orten, sondern wird auch aus verschiedenen Pflanzen bereitet, welche aber, nach Beschreibung der Naturforscher, fast insgesammt verschiedene Arten eines Palmbaumes sind. Man sammelt dasselbe auf den canarischen Inseln, sonderlich auf Teneriffa, in Jamaica und Madagascar, in Amboina, Java und Neuspanien. Derjenige Drachenbaum, welchen Hr. Crantz nach einem in dem kaiserlich=königlichen Garten zu Schönbrunn befindlichen Originale beschrieben hat, Dracaena Draco Linn. oder der eigentliche Drachen=Blutbaum, Dracaena Draco arborea, foliis subcarnosis, apice spinoso, gehört mehr zu den baumartigen Pflanzen, als zu den eigentlichen Bäumen, und trägt eine saftige Beere, welche mit drey Furchen gezeichnet ist, und die Größe einer Kirsche hat. Er wächset in beyden Indien, und giebt im Frühlinge ein häufiges und zähes blutrothes Gummi von sich. Außer diesem wird auch die Flügelfrucht, Pterocarpus Draco Linn. Angsava Commel. ein indianischer Baum, welcher auf der Insel Java, insonderheit bey Batavia herum, wächset, und, wenn man ihn ritzet, ein dunkelrothes Gummi giebt, imgleichen der Drachen=Rotang, Calamus Palmjuncus Draco Linn. der ebenfalls eine Art Drachenblutes giebt, von Einigen für die wahren Drachenbäume gehalten. Aus diesen Bäumen aber dringt durch die Spalten oder Rinde, entweder bey heißem Wetter von selbst, oder durch darein gemachte Einschnitte, ein Saft, welcher erst flüssig, weich und roth ist, hernach aber trocken und zerbrechlich wird. Ueberdieß hat man verschiedene künstliche Zubereitungen erfunden. Einige, wie in Java gebräuchlich ist, nehmen die Früchte, legen sie auf einen Rost, welcher über ein großes, halb mit Wasser angefülltes Gefäß gesetzet wird. Dieses wird hernach über das Feuer gebracht, damit der Dampf des kochenden Wassers dieselben durchziehe, wodurch an der äußern Fläche ein rother Saft herausschwitzt, welcher unter dem Namen des Drachen=Blutes gesammlet wird. Andere, um desto leichter darzu zu gelangen, kochen diese Früchte so lange mit Wasser, bis sie ihre rothe Farbe verloren, laßen alsdenn dieses Wasser zu einem dicken Saft einkochen, und füllen diese dicke Masse in Düten, welche aus zusammengerollten Schilfölättern gemachet worden. Den genauen Unterschied des aus diesen verschiedenenen Pflanzen bereiteten Drachenblutes hat man noch nicht genau bestimmen können. Indessen kann man noch hierbey bemerken, daß dasselbe, wenn es ächt ist, sich in Wasser nicht auflösen laße, wohl aber durch Weingeist und oehlichte Säfte. Uebrigens wird das indianische für das beste, diesem aber das aus den canarischen Inseln ziemlich gleich, und das von Madagascar, ungeachtet es noch ziemlich gut ist, weil es aber gemeiniglich viel Unreinigkeiten bey sich führet, und mit andern fremden Körpern beschwert ist, am wenigsten geachtet.
Nachricht von dem Drachenblute, st. im XXIII Bande des Hamb. Magaz. S. 222--224; desgl. im VI B. der Berlin. Sammlungen, S. 311--313.
ENGELB. KAEMPFER obs. de Dsjerenang, i. e. sanguine draconis, ex fructibus Palmae coniferae spinosae elicito, st. in dessen Amoenit. exot. Lemgov. 1712, 4. Fasc. III. Obs. 6, S. 552--557.
Jo. Ge. Siegesbecks obs. botanica de diversis arboribus exoticis, Sanguinem Draconis Officinarum exhibentibus, occasione Draconis arboris, Viennae florentis, in medium prolata, st. in Büchners Miscellan. phys. med. mathem. A. 1729 Erf. 1733 4. S. 445--449.
Jo. Cph. Volkamers Beschreibung des Drachenblut=reichenden Palmbaums, st. in dessen Continuation der Nürnberg. Hesperidum. Nürnb. 1714. f. S. 232--234, n 1 K. T.
Des Drachenblutes Nutzen und Gebrauch ist verschieden. In der Arzeney hat dasselbe eine zusammenziehende Kraft, und wird daher gebraucht, um die Blutflüsse, besonders der äußerlichen Wunden, zu stillen; daher bedient man sich desselben in Wundbalsamen, und wird verschiedenen Pflastern zur Heilung der Wunden und Austrocknung der Geschwüre, beygemischt. Man bereitet auch eine Tinctur daraus. Es ist auch dienlich, die wankenden Zähne zu befestigen, weil es das Zahnfleisch stärker anzieht; daher wird es zu Zahnpulvern gebraucht, wozu es, seiner rothen Farbe wegen, vorzüglich geschickt ist; wie denn auch die rothen Hölzlein, welche als Zahnstocher gebrauchet, und der holländischen Compagnie aus Indien unter dem Namen Bois de Pelile gebracht werden, in dieses Gummi eingetunket werden. Im gemeinen Leben wird es zur Mahlerey und zum Lackiren, als ein Farbenwerk, und zwar sowohl zum Weingeistfirniß, als zu den fetten und Terpentinöhlfirnissen, gebraucht. In allen diesen drey Arten löset es sich, ohne daß es vorher gerieben werden dürfte, sondern bloß zerstoßen, gleich auf. Nicht weniger haben es die Glasmahler nöthig, indem es dem Glase eine schöne und blutrothe Farbe giebt. Wie es denn auch, in eben dieser Absicht, zum Färben des Marmors gebraucht wird.
An einigen Orten wird auch die rothe Grind= oder Mengelwurz, (Lapathum sanguineum, oder Rumex rubeus) deren Blätter einen blutrothen Saft von sich geben, womit die Weinkünstler den Wein dunkelroth färben, Drachenblut oder Drachenkraut genannt. Siehe Mengelwurz.