Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

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Edi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi »

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... KVemUXyNkQ

"Der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof sieht wichtige Eigenschaften des Eigentums durch den Nullzins verletzt. Sparer würden genötigt, ihr Geld schnell auszugeben. Und schon bald könnte es zu weiteren Belastungen kommen.

Der Nullzins verletzt nach Einschätzung des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Paul Kirchhof wichtige Eigenschaften des Eigentums, die durch das Grundgesetz geschützt sind. „In einer Welt ohne Zins sind zentrale Eigenschaften des Geldvermögens und damit des Eigentums gestört“, sagte Kirchhof gegenüber WELT AM SONNTAG."
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

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Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Edi hat geschrieben:
Montag 26. August 2019, 09:43
"Der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof sieht wichtige Eigenschaften des Eigentums durch den Nullzins verletzt. Sparer würden genötigt, ihr Geld schnell auszugeben. Und schon bald könnte es zu weiteren Belastungen kommen.

Der Nullzins verletzt nach Einschätzung des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Paul Kirchhof wichtige Eigenschaften des Eigentums, die durch das Grundgesetz geschützt sind. „In einer Welt ohne Zins sind zentrale Eigenschaften des Geldvermögens und damit des Eigentums gestört“, sagte Kirchhof gegenüber WELT AM SONNTAG."
und dazu kommt nach den Plänen der SPD demnächst noch eine Vermögensteuer...

Vermögensteuer = 1%, Geldentwertung = 2% entspräche einer Wertminderung des Geldvermögens von 3% p.a.... - also in 3 Jahren knappe 10%.

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martin v. tours
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von martin v. tours »

Was hilft es was hier Paul Kirchhof sagt?
Nichts wird sich ändern solange die Mehrheit die Blockparteien wählt. Und die AfD ist auch nicht wirklich eine Alternative.
Für mich ist dieses System ohnehin am Ende. Die Frage ist nicht ob, sondern wann es knallt.
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
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Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

martin v. tours hat geschrieben:
Montag 26. August 2019, 18:29
Was hilft es was hier Paul Kirchhof sagt?
Nichts wird sich ändern solange die Mehrheit die Blockparteien wählt. Und die AfD ist auch nicht wirklich eine Alternative.
Für mich ist dieses System ohnehin am Ende. Die Frage ist nicht ob, sondern wann es knallt.
Selbst dann würde sich nichts ändern. Die Fehler liegen im Eurosystem. Man muß eine Geldpolitik für den gesamten Euroraum machen - one size fits all - und die wirtschaftlichen Gegebenheiten in D./NL und GR/IT sind nun einmal sehr unterschiedlich.
D könnte einen höheren Zinssatz durchaus vertragen, für IT oder GR würde das die Pleite bedeuten. Für D. könnte der Euro auch einen höheren Außenwert haben, während in den Südländern dann die Exporte vollends zusammenbrechen würden.

Die Nachteile einer Gemeinschaftswährung werden jetzt offensichtlich; ähnlich ist es bei den vielbeschworenen Handelsabkommen (z.B. mit den USA). Auch da müssen die Interessen eines Landes (D = Automobilexporte) den Interessen eines anderen Landes(F = Landwirtschaft) geopfert werden.

MaW: Solange man nicht bereit ist, die "Errungenschaften" der EU bei Währung und Binnengrenzen nicht aufzugeben, wird sich weder etwas Grundlegendes bei den Zinsen noch bei der Einwanderung ändern.

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Edi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi »

Caviteño hat geschrieben:
Montag 26. August 2019, 12:06

und dazu kommt nach den Plänen der SPD demnächst noch eine Vermögensteuer...

Vermögensteuer = 1%, Geldentwertung = 2% entspräche einer Wertminderung des Geldvermögens von 3% p.a.... - also in 3 Jahren knappe 10%.
Die Vermögenssteuer ist eine Substanzbesteuerung, die wohl in gewissem Rahmen lt. BVerfG zulässig ist, aber weil sie ja nicht den Gewinn versteuert, doch fraglich ist. In der Schweiz z.B. gibt es eine solche zwar auch, aber die Steuern in der Schweiz sind ja insgesamt niedriger als in der Bundesrepublik.
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Deutscher Widerstand gegen europäische Einlagensicherung bröckelt

Das war ja zu erwarten und der Grund für das Einlenken erstaunt nicht wirklich:
In EU-Kreisen wurde darauf verwiesen, dass die beiden größten deutschen Privatbanken, die Deutsche Bank und die Commerzbank, inzwischen Übernahmekandidaten seien. Aus deutscher Sicht sei es günstiger, wenn die beiden Institute in einem europäischen Konzern aufgehen – statt von einer in einem anderen EU-Staat zugelassenen Bank geschluckt zu werden.
Wenn es noch irgendeines Beweises bedurft hätte, daß die Union unter Merkel in sozialistischen Phantasien schwelgt, dann wurde er hier erbracht. Bewußt wird ein europ. Bankenriese gefordert (und gefördert), damit man auch "mitreden" kann.
Warum eigentlich?
Der Kunde wird sich die Bank aussuchen, die ihm die besten Leistungen in den jeweiligen Weltgegenden anbietet, der er braucht. Das kann durchaus ein englisches Institut für Asien (z.B. HSBC) oder ein spanisches Institut für Lateinamerika sein.

Zwar ist man (zunächst?) davon ab, einen einheitlichen europ. Fond zu schaffen. Als erster Schritt sollen die nationalen Sicherungssysteme nur verpflichtet werden, "sich im Notfall gegenseitig mit rückzahlbaren Liquiditätshilfen zu unterstützen." Aber warum werden solvente Institutionen gezwungen, marode Kollegen zu unterstützen, die im eigenen Land die Hilfe nicht auf die Reihe kriegen? Wer hat denn da versagt? Die nationale Bankaufsicht? Die EZB?

Das Finanzministerium sieht - lt. Bericht - auch die Häufung von Staatsanleihen in den Bilanzen südeurop. Institute nicht mehr so sehr als Problem an. Wahrscheinlich hat man sich damit abgefunden, daß IT & Co nicht mehr pleite gehen können, weil sie immer "gerettet" werden.

Mitgegangen - mitgefangen - mitgehangen....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Notenbanksozialismus

Mit den Nullzinsen verliere die Geldpolitik ihre Wirksamkeit. Die staatlichen Anleihen im Euroraum liegen inzwischen in großem Umfang bei der EZB, die damit der Gläubiger ist. Da es an Nachschub fehlt, denkt man darüber nach, daß die EZB auch Aktien kauft.
Die Bank of Japan tut dies schon seit Jahren und besitzt fast vier Prozent der Tokioter Börse. Ohne spürbaren Erfolg für die Kursentwicklung übrigens. Die Schweizer SNB ist ebenfalls Großaktionär führender Unternehmen wie Apple.
Konsequent zu Ende gedacht würde der Notenbank-Sozialismus damit zur Verstaatlichung der Wirtschaft führen. Kevin Kühnert dürfte es freuen. Er müsste dann nur noch die Notenbank ganz offen unter staatliche Kontrolle stellen. Eine Entwicklung, die auch ohne sein Zutun zu erwarten ist.
Aber es geht noch weiter:
Mit dem Kauf von Aktien ist es aber nicht getan. BlackRock fordert nun auch den Einstieg in die direkte Finanzierung von Staaten und ist damit nicht mehr weit von den Ideen der sogenannten „Modern Monetary Policy“ (MMT) entfernt, die, wie bereits früher an dieser Stelle erklärt, weder modern noch monetär ist, sondern nichts anderes als eine Wiederauflage der Geldpolitik Venezuelas, Mosambik und Weimar-Deutschlands.
Die Kernfrage sei, ob es den Notenbanken noch gelinge, eine hohe Inflation zu erzeugen, damit die immens angestiegenen Schulden bedient werden können oder ob die Blase vorher platzt.
Klar ist auf jeden Fall, dass es einen freiwilligen Ausstieg aus dem Spiel nicht geben wird. All-in ist das Motto. Dumm nur, dass wir da unfreiwillig mitspielen müssen.

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Niels
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Niels »

Etwas ist faul im Staate Dänemark: https://www.welt.de/wirtschaft/article2 ... andal.html
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Sieben ehemalige Notenbanker warnen vor der Geldpolitik, die von der EZB betrieben wird:

«Eine Krise, die grösser ist als alles zuvor»

Es handelt sich um drei deutsche, zwei französische sowie je einen niederländischen und österreichischen Notenbanker. Insbesondere wird das Ziel der EZB kritisiert, bei der Inflation unbedingt eine Teuerung von 2% zu erreichen. Die Anleihekäufe der EZB hätten auch nach vielen Jahren keinen positiven Effekt auf das Wachstum gehabt.
Was lässt sich also daraus folgern? Dazu das Memo: «Der Verdacht, dass hinter der Massnahme die Absicht steht, schwer verschuldete Regierungen vor steigenden Zinsen zu bewahren, wirkt zunehmend gut begründet.» Ökonomisch gesehen habe die EZB diese Grenze bereits überschritten. Nur: Dies sei «strictly prohibited» durch den Maastricht-Vetrag.
Die Negativzinsen hätten vor allem negative Effekte. Nicht nur die Sparer seien betroffen, die Auswirkung negativer Zinsen wäre auch für einige Banken existenzgefährdend.

Eine Währungsunion zusammen mit Ländern wie IT, GR oder Malta und Zypern - die das gleiche Stimmrecht haben wie D. - das kann nicht funktionieren.

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Bei der gemeinsamen Einlagensicherung wird weiter gedrängt. Jetzt ist es mal der ESM, der die Kredite an GR & Co vergeben hat, der eine gemeinsame Einlagensicherung bis 2028 fordert:
Ähnlich wie die fünf deutschen Wirtschaftsprofessoren Klaus Adam, Thiess Büttner, Joachim Hennrichs, Jan Pieter Krahnen und Jörg Rocholl Mitte September in der F.A.Z. spricht sich der Euro-Krisenfonds zunächst für den Aufbau einer Rückversicherung mit Beitragszahlungen aus, die sich an den Risiken in den Bankbilanzen orientieren.
Doch der ESM, den der Deutsche Klaus Regling leitet, geht einen Schritt weiter: Er zielt auf eine vollständige europäische Einlagensicherung ab, während die deutschen Ökonomen ein zweistufiges System mit Erstverantwortung der nationalen Einrichtungen skizziert hatten.
Gemeinsamer Schutz für europäische Sparer rückt näher

Auch in der Berichterstattung scheint sich der Wind zu drehen, wie man der Schlagzeile der FAZ entnehmen kann. Jetzt geht es um den "gemeinsamen Schutz" und den "europäischen Sparer".

Wer soll dafür wohl zahlen?!
Davon war doch bei der Euro-Einführung nie die Rede. Ebenso wie eine gemeinsame Haftung für die Staatsschulden ausgeschlossen wurde.....

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Die Auswirkungen des letzten Zinsbeschlusses der EZB werden deutlich:

Die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck erhebt jetzt Negativzinsen (als Verwahrentgelt bezeichnet) iHv 0,5% vom ersten Euro an.

https://www.welt.de/vermischtes/article ... -Euro.html

Das rief natürlich Söder auf den Plan, der einen staatlichen Ausgleich für Negativzinsen fordert:

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unter ... 97508.html

Natürlich würde er den Vorwurf des "Populismus" weit von sich weisen..... nimmt aber die positiven Effekte der niedrigen Zinsen gern für den Staatshaushalt in Anspruch.

Die Negativ- bzw. Niedrigzinsen belasten auch die berufsständischen Versorgungseinrichtungen. Der Pensionskasse der Steuerberater hat die Bafin jegliches Neugeschäft untersagt, weil die Kapitaldecke zu dünn und der vorgelegte Sanierungsplan unzureichend ist.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat der Deutschen Steuerberater-Versicherung-Pensionskasse das Neugeschäft untersagt. "Das Unternehmen kann gegenwärtig die Solvabilitätskapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Sanierungsplan zur Beseitigung der Nichtbedeckung der Solvabilitätskapitalanforderung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend ist" so die entsprechende Pressemitteilung der Finanzaufsicht. Damit darf das Vorsorgewerk nur noch bestehende Verträge zu Ende führen.
Und die Pensionskasse der Steuerberater könnte erst der Anfang sein. Mittlerweile hat die BaFin 31 Pensionskassen in Deutschland unter besondere Beobachtung gestellt.
https://www.boerse-online.de/nachrichte ... gwrqhglngi

Besonders zwiespältig die Reaktion des Verursachers, der EZB:
Während Isabel Schnabel - neue Vizepräsidentin der EZB - die Ökonomenzunft in die Pflicht nimmt und sie per twitter (von Trump abgeschaut?) auffordert, "die schädlichen und falschen Erzählungen über die Geldpolitik der EZB zu zerstreuen, die in politischen und medialen Kreisen herumfliegen“ äußert sich Vizepräsident Luis de Guindos wie folgt:
Die Nebenwirkungen der Geldpolitik werden immer offensichtlicher, das müssen wir berücksichtigen.“
Enteignung der Sparer - Die Draghi‘sche Geldpolitik beenden

In dem oa verlinkten Artikel fordert Frank Schäffler die Regierung auf, selbst vor dem BVerfG prüfen zu lassen, ob die EZB ihr Mandat überschreitet. Da träumt er wohl... Es war doch seine Partei, die FDP, die -frisch in der Regierungsverantwortung- die GR- und Euro"rettung" mitgetragen hat, anstatt damals die Koalition aufzukündigen und damit Merkel und ihre Schuldenvergemeinschaftung zu stoppen.

Der Euro ist für die deutschen Politiker sakrosankt, da wird niemand gegen opponieren. Wer so etwas fordert, macht sich unglaubwürdig.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Obwohl immer wieder etwas anderes behauptet wird, ist der Trend zum Bargeld ungebrochen - die Bargeldsumme ist sogar gestiegen:

Deutsche horten immer mehr Bargeld – im Schnitt 2800 Euro
Die Deutschen haben mit rund 235 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel Bargeld in Banknoten zu Hause wie vor zehn Jahren. Gemessen an einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen wären dies im Schnitt rund 2800 Euro pro Person.
(...)
Insgesamt habe die Bundesbank derzeit 726 Milliarden Euro an Banknoten im Umlauf, nach 348 Milliarden Euro 2009.
Der Bargeldumlauf hat sich also verdoppelt - obwohl man vor einiger Zeit die größte Banknote abgeschafft hat, um das Horten zu erschweren. Ob das nur an den Negativzinsen liegt.... :hmm:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

EZB will statt Geld- zukünftig Klimapolitik machen und damit Macht gewinnen
Die EZB übernimmt damit immer mehr die Rolle eines EU-Wirtschaftsministeriums, das den Nationalstaaten übergeordnet ist und die Euro-Länder am Zügel führt.
Möglich war das auch durch Merkels Personalpolitik. Statt Weidmann als EZB-Chef durchzusetzen, versorgte sie ihre Freundin vdL mit einem lukrativen Posten in der EU. Weidmann zur Seite gestellt wird Frau Isabel Schnabel, die sofort die Ökonomenzunft per twitter aufforderte, "die schädlichen und falschen Erzählungen über die EZB-Geldpolitik zu vertreiben, die in politischen und medialen Kreisen herumfließen".
Ihr Tweet ist ein Politikum, ein paar Nummern kleiner als Donald Trump Kracher, aber in der geldpolitischen Gemeinschaft genauso aufmerksam verfolgt. Denn sie ordnet sich damit demonstrativ dem Draghi-Kurs unter, der den Euro mit allen Mitteln verteidigen will – koste es, was es wolle.
(...)
Wer die Geldpolitik der EZB kritisiert, kann kein guter Europäer sein – und wer ein guter Europäer ist, der garantiert als deutscher Bankkunde auch gerne dafür, dass die Banken anderer Länder mit seinen Ersparnissen saniert werden können: Das ist das derzeit laufende, unmittelbare Vorhaben der „Vergemeinschaftung“ der Geldpolitik: Die europäische Einlagensicherung hält Schnabel „für einen ausgesprochen wichtigen Vorstoß. Dazu gehört auch die in Deutschland wenig populäre Einlagensicherung.“
Wenn Frau Schnabel dann noch ausführt, daß nicht nur ital. sondern auch deutsche Banken gefährdet seien, sollte der Bankkunde sich doch Gedanken machen, ob er sein Geld nicht besser außerhalb des Euroraumes anlegen sollte....

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Edi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Edi »

Ich habe gerade zufällig diesen Artikel entdeckt, der schon 1992 vor einer Währungsunion , die nicht die notwendigen Voraussetzungen beinhaltet, gewarnt hat. Vieles von dem, vor was hier gewarnt wurde, ist inzwischen längst eingetreten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_EG-Wä ... rreißprobe
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Man sollte mal einen Blick auf die Unterzeichner werfen - die würden heute mit dieser Auffassung als "Rechte" oder noch schlimmer bezeichnet....

Aber beim Euro ist es wie bei Schengen. Natürlich ist jedem klar gewesen, daß der Wegfall der Grenzkontrollen zwischen den Ländern zu einem wirksamen Schutz der Außengrenzen führen muß. Es ist auch nur natürlich, daß der erste Staat, in denen ein sog. "Asylbewerber" die EU betritt für das Verfahren zuständig ist.
Obwohl diese beiden Grundvoraussetzungen nicht gegeben waren bzw. jetzt wieder in Frage gestellt werden, wurden Schengen eingeführt.
Das "schrankenlose" Reisen sollte ebenso wie die "einheitliche Währung" "Europa" populär machen - das Gegenteil ist eingetreten.

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Die Corona-Krise eignet sich ganz besonders dazu, die Haftungsunion voranzutreiben, um den Euro "zu retten" meint Daniel Stelter:

Euro – unter 50, aber mit erheblichen Vorerkrankungen

Einige der Mediziner am Krankenbett des Euro haben nur auf diese Zuspitzung gewartet. Gilt es doch als „Erfolgsrezept“ der Europäer, Krisen dazu zu nutzen, die Integration der EU und die Haftungsgemeinschaft im Euro weiter voranzubringen. Dinge, die unter normalen Umständen politisch nicht durchzusetzen wären, gehen dann plötzlich doch.
Das Vehikel dürfte der geplante Umbau des ESM sein. Daniel Stelter:
In Zukunft soll der ESM gemeinsam mit der EU-Kommission über Hilfsprogramme für Staaten entscheiden. Nebenher soll er auch dabei helfen, wenn große Banken pleitegehen.
Merkel hatte dieser Zweckentfremdung des ESM, der eigentlich nur notleidenden Staaten "Rettungs"kredite geben sollte, zugestimmt. Die Folgen sind beängstigend, wenn man einen Blick auf die Aktienkurse der europ. Banken wirft. Sie notieren bei 50% ihres Buchwertes und die Börsenkurse dürften eine realistischere Einschätzung abgeben als die Stresstests der EZB und die geschönten Zahlen zu den notleidenden Krediten.
Vor die Wahl gestellt, den Euro unkontrolliert platzen zu lassen oder weitere Hunderte von Mrden als Hilfsprogramm flüssig zu machen (bisher ist der dt. Haftungsanteil betragsmäßig beschränkt), dürfte jedem klar sein, wie die Abgeordneten entscheiden werden.
Die Bundesregierung will, trotz der sich aus der Neuordnung des ESM ergebenden Risiken, den Vertrag in dieser Form durch den Bundestag bringen – getragen von der Idee, so den Euro „stabilisieren“ zu können. Die sich abzeichnende tiefe Rezession und damit nächste Eurokrise wird dazu genutzt werden, den Umbau des ESM zu beschleunigen.
Wieder wird unter dem Eindruck einer akuten Krise ein weiterer großer Schritt in Richtung Haftungsunion gemacht werden, verbunden mit einer Lockerung der Auflagen. (...) In Wahrheit ist es nichts anderes als eine erneute Aktion in Richtung italienischer Währungsunion, die dem Euro nur Zeit kaufen kann. Denn die grundlegenden Probleme des Euro bleiben nicht nur ungelöst, sondern wachsen weiter an.
Stelter beschäftigt sich vorwiegend mit der Nutzung des ESM. Ich halte allerdings auch die lange geforderte "vergemeinschaftete" Einlagensicherung für ein Vorhaben, bei dem Merkel die Gunst des Corona-Virus nutzen könnte. Allerdings ist dieses Thema sehr emotional besetzt und könnte den deutschen Sparer "beunruhigen."

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Das gibt mir doch zu denken:
Hinweis:
"Wegen hohen Bestellaufkommens kann temporär bei einigen Händlern keine Bestellung mehr getätigt werden."
https://www.gold.de/

Insbesondere Barren von Schweizer Hersteller sind schwierig zu kaufen...

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Juergen »

Caviteño hat geschrieben:
Dienstag 17. März 2020, 13:39
Das gibt mir doch zu denken:
Hinweis:
"Wegen hohen Bestellaufkommens kann temporär bei einigen Händlern keine Bestellung mehr getätigt werden."
https://www.gold.de/

Insbesondere Barren von Schweizer Hersteller sind schwierig zu kaufen...
Interessant ist auch ein Blick auf BitCoin. Da rappelt es gerade im Karton.

Gruß Jürgen

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Juergen »

Apropos Coins… gerade trudelte hier bei mir ein „Coin“ ein.

Bild

Nein, ich bin kein Münzsammler und schon gar kein Münzkenner, aber ich fand sie ganz hübsch. So einer Heilige auf einer Münze… welches Abbild ist drauf?… gebt des Kaisers…
Gruß Jürgen

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von ar26 »

Caviteño hat geschrieben:
Dienstag 17. März 2020, 13:39
Das gibt mir doch zu denken:
Hinweis:
"Wegen hohen Bestellaufkommens kann temporär bei einigen Händlern keine Bestellung mehr getätigt werden."
https://www.gold.de/

Insbesondere Barren von Schweizer Hersteller sind schwierig zu kaufen...
Ich habe anfang letzter Woche noch ein kleines Goldmünzlein aus Südafrika erwerben können. Obwohl der Goldkurs bekanntlich seither gefallen ist, kostet das heute mehr. Silbermünzen, mein Hauptinvestment, bekam man diese Woche tlw. nur noch mit einem Aufschlag von bis zu 100% auf die Unze Rohsilber. Wahnsinn. Die tatsächlichen Preise und die Kurse der Nymex hatten sich hier regelrecht entkoppelt. Jetzt kriegt man gar nix mehr, schon gar nicht anonym als Tafelgeschäft. Die Läden sind ja zu.
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von ar26 »

Juergen hat geschrieben:
Dienstag 17. März 2020, 13:41
Caviteño hat geschrieben:
Dienstag 17. März 2020, 13:39
Das gibt mir doch zu denken:
Hinweis:
"Wegen hohen Bestellaufkommens kann temporär bei einigen Händlern keine Bestellung mehr getätigt werden."
https://www.gold.de/

Insbesondere Barren von Schweizer Hersteller sind schwierig zu kaufen...
Interessant ist auch ein Blick auf BitCoin. Da rappelt es gerade im Karton.

Crypto ist kein Krisenprodukt.
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

ar26 hat geschrieben:
Dienstag 17. März 2020, 23:58
Jetzt kriegt man gar nix mehr, schon gar nicht anonym als Tafelgeschäft. Die Läden sind ja zu.
Der größte stationäre deutsche Goldhändler pro aurum hat alle Filialen geschlossen. Das online-Geschäft boomt nach seinen Angaben:
Wir hatten im Online-Shop in den vergangenen Tagen das Fünf- bis Zehnfache an Zugriffszahlen. Deshalb kam es am 17. März zu Verzögerungen und Abstürzen, mittlerweile wurden diese Probleme von unseren Technikern weitestgehend behoben. Aber auch in den kommenden Tagen kann der Online-Bestellprozess noch etwas länger dauern. Wir möchten Sie bitten, diese Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.
In den beiden vergangenen Tagen haben uns mehr als 1000 Mails erreicht.
(...)
Wir haben derzeit eine wahre Flut an Aufträgen zu bearbeiten. Um Ihnen eine Vorstellung zu geben: Die Orderanzahl liegt derzeit gut 50 Prozent über dem Niveau, das wir zu Zeiten der Eurokrise hatten.
https://newsroom.proaurum.de/alle-pro-a ... schlossen/

degussa hat ebenfalls einen Teil seiner Filialen geschlossen und weist darauf hin, daß es in den noch offenen Filialen keine Beratung gibt, es aber trotzdem zu längeren Wartezeiten kommen kann. Auch Heraeus berichtet von einer erhöhten Nachfrage und Lieferverzögerungen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Mit dem Thema beschäftigt sich heute auch das Handelsblatt:

Anleger hamstern Gold und bringen Edelmetallhändler an ihre Grenzen

Der Grund ist schnell ausgemacht und liegt -angeblich- an den geschlossenen Grenzen:
Die großen Barrenhersteller wie Valcambi und Argor-Heraeus sitzen im Tessin, dem italienischsprachigen Teil der Schweiz. Viele Mitarbeiter pendeln jeden Tag aus Italien in die Schweiz. Die geschlossenen Grenzen sorgen daher für Chaos.
(...)
Hinzu kommt: Die Werttransporte, die das Gold aus der Schweiz nach Deutschland liefern, stehen derzeit an den Grenzen im Stau. Man denke über Lufttransporte nach, heißt es in der Branche.
Vielleicht kann die Produktion auch die Nachfrage nicht befriedigen....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Juergen »

ar26 hat geschrieben:
Dienstag 17. März 2020, 23:59
Crypto ist kein Krisenprodukt.
Richtig.
Es wurde aber teilweise davon ausgegangen, daß dieses Produkt robuster ist.

Caviteño hat geschrieben:
Mittwoch 18. März 2020, 01:11
degussa hat ebenfalls einen Teil seiner Filialen geschlossen und weist darauf hin, daß es in den noch offenen Filialen keine Beratung gibt, es aber trotzdem zu längeren Wartezeiten kommen kann. Auch Heraeus berichtet von einer erhöhten Nachfrage und Lieferverzögerungen.
Klick mal die einzelnen Produkte an. Meist steht dort, daß sie derzeit nicht lieferbar sind.
Gruß Jürgen

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von ar26 »

Bei einer reinen Finanzkrise wie vor 12 Jahren wäre Crypto sicher robuster. Diese Krise ist aber eher eine Globalisierungskrise, bedingt durch das weltweite Zusammenwachsen. Im Moment entstehen hier Gegenbewegungen. Da passt ein tolles internationeles Produkt wie BTC nicht dazu. Das Ideal ist derzeit ein Bauernhof in der Provinz, dazu Sturm- und Jagdgewehre sowie die guten alten Gold- und Silberschätzchen in der Schatulle.
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Caviteño hat geschrieben:
Freitag 13. März 2020, 12:37
Die Corona-Krise eignet sich ganz besonders dazu, die Haftungsunion voranzutreiben, um den Euro "zu retten" meint Daniel Stelter:
und da sind schon die ersten Überlegungen in dieser Hinsicht:

Corona-Krise lähmt Europa - Brüssel erwägt "Corona-Bonds"

Es hätte mich auch gewundert, wenn die Südländer diese Krise nicht nutzen würden, um die Haftungsunion weiter voranzutreiben.

Die Folgen kann man in der Schweiz sehen:

Swissquote wird von Kunden überrannt
Auch die Nachfrage nach Kontoeröffnungen ist enorm. Vergangene Wochen habe man rund fünfmal mehr Anträge auf Kontoeröffnungen verzeichnet als normal, sagt CEO Marc Bürki im Interview mit «Finanz und Wirtschaft».
Swissquote ist ein Schweizer online-broker, der auch gezielt um Kunden außerhalb der Schweiz wirbt. Da nicht anzunehmen ist, daß plötzlich viele Schweizer ihren broker wechseln bzw. an die Börse gehen, dürften der ganz große Anteil der Neueröffnungen auf ausl. Kunden entfallen.

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Offensichtlich wird nicht nur Toilettenpapier und Zahnpasta gehortet oder Gold gekauft:

Wegen hoher Nachfrage : Einzelne Banken begrenzen Bargeldausgabe
„Die erhöhte Nachfrage nach Bargeld scheint im Wesentlichen aus zwei Ursachen zu resultieren“, berichtet die Bundesbank weiter: „Vorsichtsmotive der Kreditinstitute und Hortung bei Privatpersonen“. Die Banken hätten ihre Bestellungen aufgestockt, um einer stärkeren Nachfrage der Bankkunden entsprechen zu können, meint die Bundesbank. Privatpersonen hätten offenbar mit vermehrten Geldabhebungen an den Automaten und bei den Filialen der Kreditinstitute auch auf bevorstehende Schließungen von Bankfilialen und Geschäften allgemein reagiert.
Na, dann ist es ja gut - keine Unsicherheit, sondern nur normale Vorsorge, weil die Filiale "um die Ecke" geschlossen wird (allerdings deren Geldautomat nicht...) :patsch: ;D

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Juergen
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Juergen »

Caviteño hat geschrieben:
Samstag 21. März 2020, 12:47
Offensichtlich wird nicht nur Toilettenpapier und Zahnpasta gehortet oder Gold gekauft:

Wegen hoher Nachfrage : Einzelne Banken begrenzen Bargeldausgabe
„Die erhöhte Nachfrage nach Bargeld scheint im Wesentlichen aus zwei Ursachen zu resultieren“, berichtet die Bundesbank weiter: „Vorsichtsmotive der Kreditinstitute und Hortung bei Privatpersonen“. Die Banken hätten ihre Bestellungen aufgestockt, um einer stärkeren Nachfrage der Bankkunden entsprechen zu können, meint die Bundesbank. Privatpersonen hätten offenbar mit vermehrten Geldabhebungen an den Automaten und bei den Filialen der Kreditinstitute auch auf bevorstehende Schließungen von Bankfilialen und Geschäften allgemein reagiert.
Na, dann ist es ja gut - keine Unsicherheit, sondern nur normale Vorsorge, weil die Filiale "um die Ecke" geschlossen wird (allerdings deren Geldautomat nicht...) :patsch: ;D
Es ist natürlich Blödsinn Bargeld abzuheben und zu Hause zu horten. Das Geld liegt auf der Bank besser und kann dort nicht geklaut werden. Bargeldlos zu zahlen ist ja inzwischen fast überall möglich (außer bei der Klofrau).
Wer Angst vor Geldabwertungen hat, dem nützt auch Bargeld zu Hause nicht. Der muß das Bargeld in andere Anlageformen, die sicherer sind oder die er für sicherer hält, überführen.

Gruß Jürgen

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Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Juergen hat geschrieben:
Samstag 21. März 2020, 12:51
natürlich Blödsinn Bargeld abzuheben und zu Hause zu horten. Das Geld liegt auf der Bank besser und kann dort nicht geklaut werden. Bargeldlos zu zahlen ist ja inzwischen fast überall möglich (außer bei der Klofrau).
Wer Angst vor Geldabwertungen hat, dem nützt auch Bargeld zu Hause nicht. Der muß das Bargeld in andere Anlageformen, die sicherer sind oder die er für sicherer hält, überführen.
Ob Bargeld zu Hause sinnvoll ist oder nicht, sollte/muß jeder selbst entscheiden. Es gibt durchaus Szenarien, in denen bargeldloses Zahlen eben nicht funktioniert (z.B. flächendeckender Stromausfall).
Im Augenblick zeigen die Bargeldabhebungen mE eine tiefe Verunsicherung der Bevölkerung, sie finden ihren Gegenpol in den ausverkauften Geschäften der Goldhändler oder bei der Eröffnung neuer Konten in der Schweiz.
Offensichtlich traut ein Teil der Menschen eben nicht den Zusagen der Politik, daß man die Sache im Griff habe oder keine Schwierigkeiten eintreten, wenn sich alle "den Anweisungen gemäß" verhalten.

Wenn der größte online-Anbieter für Edelmetalle in der Welt von einer "außergewöhnlich hohen Nachfrage" spricht und zugibt, daß der Bestand an Edelmetallen an einigen Standorten sehr gering ist, kann man erahnen, was derzeit los ist.
Angesichts der außergewöhnlich hohen Nachfrage ist unser Bestand an Edelmetallen an einigen Standorten sehr gering, vor allem Silber im Tresor in Zürich (siehe unten).
Wir haben mehrere umfangreiche Lieferungen geplant, bitte seien Sie sich der weiterhin sehr starken Nachfrage bewusst.
https://gold.bullionvault.de/info/clien ... e-20200320

In Zürich, einer bevorzugten Lagerstätte für Deutsche, scheint das Silber bereits ausverkauft zu sein.... In Singapur konnte man gestern kein Gold kaufen, heute ist es zu Mondpreisen (100 USD Aufpreis je unze) zu haben (Vergleich zu Zürich, London, New York).

Jetzt hakt es auch bei der Auslieferung - eine Mitteilung von heraeus:
die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus bleiben nicht ohne Folgen für die Lieferkette. Werttransportunternehmen schränken zunehmend ihre Dienstleistungen ein: Wertsendungen an Privatpersonen können nun nicht mehr ausgeliefert werden.
Sie können bei uns weiterhin Edelmetalle kaufen. Wir bieten Ihnen an, Ihre gekauften Edelmetalle in unserem deutschen Hochsicherheitslager einzulagern - bis zum 30. Juni 2020 für Sie vollkommen kostenlos! Ihr Edelmetall ist selbstverständlich vollständig versichert und Sie haben einen weiteren Vorteil:
Sie können Ihr Metall jederzeit wieder verkaufen!

Stefan

Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Stefan »

Gold und Silber physisch zu kaufen ist nicht falsch.
Eine Wirtschaftskrise könnte eine Währungskrise auslösen.

Dabei ist Gold ein denkbarer Anker, und Silber zur Zeit billig wie selten zuvor, da es in der (abschmierenden) Industrie benötigt wird. Da es bedtändig ist, verliert es kaum noch an Wert.

Man kann sein Geld auch den Armen schenken, auch wenn es etwas gemein sein könnte.

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Hubertus
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Hubertus »

Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño »

Das Handelsblatt bereitet seine Leser schon einmal auf die Ausgabe von Eurobonds, also die Haftung des deutschen Steuerzahlers für die Schulden der Südländer, vor.

Euro-Bonds könnten für die Nordeuropäer unvermeidbar werden

Natürlich wird wieder die Mär von der Alternativlosigkeit des Euros angeführt, um die Eurobonds zu begründen.
Für den Bestand des Euros sei auch der Preis der gemeinsamen Haftung zu zahlen, meint Frau Berschens. Hatte D. keine exportorientierte Wirtschaft als die DM noch die Währung war? Warum sollte der Euro "alternativlos" sein? An seinem Ziel, Europa zu einigen und dem USD Paroli zu bieten, ist er doch kläglich gescheitert.

Im Grunde ist es sowieso egal - die EU-Kommission hat die Stabilitätskriterien vollständig ausgesetzt - die Südstaaten werden jetzt mehr Schulden machen und daß die Stabilitätskriterien jemals wieder Geltung erlangen, glaubt wohl niemand. Die Druckerpressen der EU werden sich noch schneller drehen. Weitere "Vergemeinschaftung" (sprich: Enteignungen der Sparer und Beitragszahler) werden folgen, z.B. bei der Einlagensicherung und bei der Arbeitslosenversicherung.

Der Euro entwickelt sich zum Liro, entfernt sich immer mehr von der DM und dieser Weg wird sich nach der Krise mit erhöhter Geschwindigkeit fortsetzen.

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