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Zivilehe
Verfasst: Montag 3. November 2003, 12:14
von Juergen
Ketelhohn im Thread 'Bezahlung der Bischöfe' hat geschrieben:Staatliche Einmischung in kirchliche Angelegenheiten wie Bischofsernennungen sind eine Zumutung. Ebenso wie verpflichtende Zivilehe, allgemeine Schulpflicht und manches mehr. Da sollte man in der Tat dran gehen.
In Deutschland ist Konkordatsrechtlich festgelegt, daß die Kirche keine Trauungen vornimmt, wenn nicht zuvor eine zivilrechtliche Eheschließung stattgefunden hat.
Wäre es nicht auch für Deutschland sinnvoll, daß - wie es in anderen Ländern auch der Fall ist - der Staat eine kirchl. Trauung zivilrechtlich anerkennt ?
Muß es nicht als unbefriedigend erscheinen, daß eine zivilrechtliche Eheschließung (weitestgehend) canonisch irrelevant ist und eine kirchlich-sakramentale Eheschließung vor dem Staat nichts zählt?
Verfasst: Montag 3. November 2003, 21:54
von anselm
Ich verstehe die Frage nicht. Gegenseitige Anerkennung bedeutet doch eine Vermischung der beiden Sphären von Staat und Kirche. Wenn eine staatliche Einmischung in kirchliche Angelegenheiten eine Zumutung sein soll, dann sind es umgekehrt kirchliche Einmischungen in staatliche Angelegenheiten aber auch.
Verfasst: Montag 3. November 2003, 22:26
von Robert Ketelhohn
Nein, das ist keine Einmischung, sondern Wahrung der eigenen Freiheit. Das nur zu berechtigte Verlangen, die elementarsten Dinge des Lebens nach eigenem Recht zu regeln – einschließlich der öffentlichen Wirkung solcher Rechtsakte. Das ist darum begründet, weil die Ehe der Christen sowohl ein Sakrament ist als auch eine öffentliche Angelegenheit, die den Staat angeht.
Die einfachste und natürlichste Lösung ist also, daß Eheangelegenheiten von Christen sich nach kirchlichem Recht richten – mit allen Folgen –, der Staat aber solche Ehen innerhalb seiner säkularen Rechtsordnung als echte, gültige Ehen anerkennt, anstatt – wie seit 130 Jahren – die Christen zu unterdrücken und ihre Ehe als Nullum anzusehen.
Verfasst: Montag 3. November 2003, 22:34
von Ralf
Übrigens wird der span. Thronfolger wohl eine Frau heiraten, die, nur staatl. verheiratet gewesen, geschieden ist. Angesichts dem kirchl. Verständnis der Naturrechtsehe müsste da die kirchl. Trauung nicht möglich sein, oder? Ober läuft es für die Großkopferten mal wieder anders....?
Verfasst: Montag 3. November 2003, 22:49
von Robert Ketelhohn
Wenn sie getauft ist, hat das ganze mit der Naturehe nichts zu tun (wobei dort die Scheidung durchaus möglich wäre), sondern mit der Frage der Gültigkeit bzw. Nichtigkeit. Ist die Frau katholisch, ist die frühere Ehe nichtig, also nie eine Ehe gewesen. Ist sie Protestantin, wird Gültigkeit vorausgesetzt. Es bedürfte also eines kirchlichen Eheverfahrens, um festzustellen, ob die Ehe möglicherweise von Anfang an nichtig war.
Verfasst: Montag 3. November 2003, 22:50
von ivanhoe
Ralf hat geschrieben:Angesichts dem kirchl. Verständnis der Naturrechtsehe müsste da die kirchl. Trauung nicht möglich sein, oder?
Ja, dieser Fall würde mich auch interessieren. Theoretisch hast Du Recht, aber die Einzelheiten erfahren wir wahrscheinlich eh nicht.
Ralf hat geschrieben:oder läuft es für die Großkopferten mal wieder anders....?
für die Oberhäupter eines Landes ist Vatikan direkt zuständig, wenn die Gültigkeit, bzw. Ungültigkeit einer Ehe festzustellen ist.
Verfasst: Dienstag 4. November 2003, 08:49
von anselm
Ketelhohn hat geschrieben: anstatt – wie seit 130 Jahren – die Christen zu unterdrücken und ihre Ehe als Nullum anzusehen.
Wo werden denn in Deutschland Christen unterdrückt?? Das soll wohl ein Witz sein!
Ich habe eher den Eindruck, dass die Kirchen einen relativ großen Einfluss haben, obwohl in Deutschland alle Glaubensrichtungen und Weltanschauungen als gleichberechtigt anzusehen sind. Zum Beispiel sitzen in Ethikkommisionen Theologen, die über biologische Forschung zu urteilen haben, warum nicht auch noch Atheistenverbände, Muslime, Naturreligionen, ...?
Das soll natürlich ein Scherz sein, denn weltanschauliche Fragen sollten meiner Meinung nach bei wissenschaftlichen Themen prinzipiell keine Rolle spielen.
Verfasst: Dienstag 4. November 2003, 09:36
von Robert Ketelhohn
Anselm hat geschrieben:»Das soll wohl ein Witz sein!«
Nein. Mehr später, jetzt keine Zeit.
Bloß eine Frage:
Was weißt du über den Kulturkampf?
Verfasst: Dienstag 4. November 2003, 09:39
von Robert Ketelhohn
Anselm hat geschrieben:»weltanschauliche Fragen sollten meiner Meinung nach bei wissenschaftlichen Themen prinzipiell keine Rolle spielen«
Dazu doch noch ein Wort:
1. Wo geht es hier um »wissenschaftliche Themen«? Es geht um Schule und Erziehung!
2. Ich habe keine Weltanschauung. Ich gehöre der Kirche an. Das ist ein Volk.
Verfasst: Dienstag 4. November 2003, 09:43
von Robert Ketelhohn
Robert hat geschrieben:»Es geht um Schule und Erziehung«
Hoppla, Irrtum vom Amt. Das war nebenan. Hier geht’s um die Ehe.
Verfasst: Dienstag 4. November 2003, 10:47
von anselm
Ketelhohn hat geschrieben:Bloß eine Frage: Was weißt du über den Kulturkampf?
OK, wenn du die Benachteiligungen, Unterdrückungen, ... von Christen/Katholiken zur Zeit Bismarcks, in der Nazizeit und in der ehemaligen DDR meinst, dann würde ich deiner ursprünglichen Aussage zustimmen.
Ich hatte die Aussage allerdings auf heute bezogen und da scheinen sie mir wirklich alles andere als zuzutreffen.