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"Einundzwanzig" oder "zwanzigeins"

Verfasst: Mittwoch 14. Januar 2004, 11:01
von Stefan
Bochum (rpo). Ein erstaunliches Ansinnen formuliert der Bochumer Mathematikprofessor Lothar Gerritzen. Die Aussprache von Zahlen im Deutschen solle reformiert werden. Neben der gebräuchlichen Variante "einundzwanzig" solle auch die Version "zwanzigeins", wie sie dem Englischen, Französischen und vielen anderen Sprachen entspräche, erlaubt sein.

Der Professor fordert eine Reform: "Unser Sprachgebrauch muss sich um die unverdrehte Variante erweitern: Es sollte möglich sein, zum Beispiel im Unterricht das englische 'twentyone' einfach in 'zwanzigeins' zu übersetzen."

Aus zwei Gründen sei dies erforderlich. Zum einen aus didaktischer Sicht: "Es ist nicht auszuschließen, dass deutsche Schüler einen Nachteil im internationalen Vergleich haben", meinte Gerritzen mit Blick auf die Pisa-Studie.

Zum anderen aus wirtschaftlicher Sicht: "In der Kommunikation besteht die Gefahr von Verwechselungen und Fehlern, zum Beispiel, wenn mir jemand Zahlen am Telefon durchgibt. Es ist nicht leicht, den wirtschaftlichen Schaden zu beziffern, der daraus entsteht - aber das könnte man empirisch untersuchen."

Mit einem fachübergreifendes Kolloquium am 19. Januar in der Bochumer Universität will Gerritzen das Problem ins Bewusstsein der Bildungspolitiker rücken. Langfristiges Ziel sei, dass sich die Kultusminister der Länder des Themas annehmen, um vor allem den Schulunterricht zu ändern.
Quelle: RP-Online


Was soll dieser Unfug schon wieder? Wann begreifen diese Heinis endlich, daß man das Bildungsniveua nicht mit vorgeblichen Vereinfachungen, sondern mit Fordern und Fördern erhöht? :motz:

Verfasst: Mittwoch 14. Januar 2004, 11:17
von Cicero
Soso, nach Neuschreib erhalten wir jetzt auch Neuzähl

Wie sind unsere Eltern und Großeltern nur mit all den
Schwierigkeiten klargekommen und
haben es noch geschafft ein "Wirtschaftswunder" (war ja gar kein Wunder)
auf die Beine zu stellen?

Man kann es diesen sog. Experten einhunderteinundeinzigmal (Neuzähl für 111)sagen,
aber dafür sind Profs. wohl zu blöd. :motz:

Verfasst: Mittwoch 14. Januar 2004, 13:14
von Dr. Dirk
Das französische Zählsystem ist noch etwas "komplizierter", trotzdem haben die Franzosen bei Pisa wesentlich besser abgeschnitten als die deutschen Schüler.

Verfasst: Mittwoch 14. Januar 2004, 13:15
von Niels
Cicero hat geschrieben:Soso, nach Neuschreib erhalten wir jetzt auch Neuzähl
Wirklich Mumpitz, das Ganze!

Verfasst: Mittwoch 14. Januar 2004, 13:22
von Juergen
Dirk hat geschrieben:Das französische Zählsystem ist noch etwas "komplizierter", trotzdem haben die Franzosen bei Pisa wesentlich besser abgeschnitten als die deutschen Schüler.
Vielleicht sollten wir uns das franz. Zählsystem aneignen

zehnneunhundertvierzwanzigzehnneun statt neunzehnhundertneunundneunzig

Verfasst: Mittwoch 14. Januar 2004, 13:25
von otto
Das kommt mir wieder einmal sehr Denglisch oder D-amyisch vor.

Die D Profs. Sind scheinbar von allen Anglozismen mehr als begeistert.

Wirklich Mumpitz, das Ganze!

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 12:06
von cathol01
Bei euch gibt es sowieso in manchen Gegenden so komische Zeitangaben!Was heisst eigentlich dreiviertel sieben? Viertel vor acht (7.45) oder viertel vor sieben (6.45)?

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 12:54
von Nietenolaf
cathol01 hat geschrieben:Was heisst eigentlich dreiviertel sieben? Viertel vor acht (7.45) oder viertel vor sieben (6.45)?
= Drei Viertel der siebenten Stunde, also 6.45 Uhr. "Viertel vor X" oder "...nach X" sieht ein wenig nach der Art und Weise aus, wie man im Kindergarten zu zählen lernt... mit Fingern und Äpfeln und so... ;)

N (schnell wieder weg)

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 13:48
von cathol01
Also sagt ihr für 6h15 "viertel sieben"?

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 13:59
von Erich_D
cathol01 hat geschrieben:Also sagt ihr für 6h15 "viertel sieben"?
Nein. In Österreich sagen wir: "viertel nach sechs".

Man könnte es vielleicht als Tribut an die Stunde sehen: solange eine volle Stunde dem Stundenzeiger näher steht, bestimmt sie die Zuordnung: "10 nach 6", "20 nach 6" usf.; sobald der Zeiger aber sich der nächsten Stunde annähert, bestimmt sie den Ausdruck: "20 vor 7", "3/4 7" usf.

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 14:09
von cathol01
Erich Dumfarth hat geschrieben:"20 vor 7", "3/4 7" usf.
Was auch nicht konsequent ist:
Wieso "20 vor sieben", aber nicht "viertel vor sieben",
wenn ihr auch sagt
"20 nach sechs" und "viertel nach sechs"

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 14:28
von Juergen
Normalerweise ist es so:

Bis zur halben Stunde wird gesagt:
10 nach 6 (06:10) -- vgl. engl.: 10 past 6
viertel nach 6 (06:15)
20 nach 6 (06:20)
etc.

Nach der halben Stunde wird gesagt:
20 vor 7 (06:40) -- vgl. engl.: 20 to 7
viertel vor 7 (06:45)
10 vor 7 (06:50)
etc.

Bei der halben Stunde heißt es
halb 7 (06:30) -- anders als im engl: half past 6


In einigen Gegenden in Dtl. gibt es nur bei den Viertelstunden auch die Angaben ohne "vor" oder "nach"
einviertel sieben (06:15)
dreiviertel sieben (06:45)

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 14:53
von Petra
Warum geht man nicht einen Schritt weiter und verlangt dann auch:

zehnvier ? :D

Übrigens weiß jemand was 21 und 22 in Hebräisch heißt?

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 15:05
von Erich_D
cathol01 hat geschrieben:
Erich Dumfarth hat geschrieben:"20 vor 7", "3/4 7" usf.
Was auch nicht konsequent ist:
Wieso "20 vor sieben", aber nicht "viertel vor sieben",
wenn ihr auch sagt
"20 nach sechs" und "viertel nach sechs"
Darauf vermag ich Dir nur zu antworten, dass Sprache eben nicht "konsequent" ist, das macht aber auch einen Teil ihres Reizes aus.

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 15:44
von Juergen
Petra hat geschrieben:Übrigens weiß jemand was 21 und 22 in Hebräisch heißt?
Im Hebr. kann man sowohl die einer vor als auch nach der Zehnerzahl setzen.
Hier die masc. Formen:
21
אחד ועשרים
עשרים ואחד

22
שנים ועשרים
עשרים ושנים

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 17:59
von Robert Ketelhohn
Nietenolaf hat geschrieben:
cathol01 hat geschrieben:Was heißt eigentlich dreiviertel sieben? Viertel vor acht (7.45) oder viertel vor sieben (6.45)?
»= Drei Viertel der siebenten Stunde, also 6.45 Uhr. "Viertel vor X" oder "...nach X" sieht ein wenig nach der Art und Weise aus, wie man im Kindergarten zu zählen lernt... mit Fingern und Äpfeln und so... ;)«
Da sind wir wieder mal einig, Nietenolaf. Es heißt: »fümf, virtel sechs, halb sechs, dreivirtel sechs, sechse, virtel siem, halb siem etc.« Alles andere ist Erbsenzählerei für mathematische Legastheniker. :P
cathol01 hat geschrieben:»Was auch nicht konsequent ist: Wieso "20 vor sieben", aber nicht "viertel vor sieben", wenn ihr auch sagt "20 nach sechs" und "viertel nach sechs"«
»20 vor sieben« oder »20 nach sechs«? Wer redet denn so? Ist ja grausig. Es heißt natürlich: »zehn nach halb siem« und »zehn vor halb siem« (oder auch: »fümf vor dreivirtel siem« bzw. »fümf nach virtel siem«, aber meist geht man in diesem Fall von der halben oder ganzen Stunde aus).

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 18:06
von Robert Ketelhohn
Jürgen hat geschrieben:Normalerweise ist es so:
Bis zur halben Stunde wird gesagt:
10 nach 6 (06:10) -- vgl. engl.: 10 past 6
viertel nach 6 (06:15)
20 nach 6 (06:20) etc.
Nach der halben Stunde wird gesagt:
20 vor 7 (06:40) -- vgl. engl.: 20 to 7
viertel vor 7 (06:45)
10 vor 7 (06:50) etc.
Bei der halben Stunde heißt es
halb 7 (06:30)
Nee, Jürgen, das ist nicht bloß unnormal, das ist ja krank.
Was seid ihr für Menschen in Wessiland!

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 18:09
von Juergen
Ketelhohn hat geschrieben:Da sind wir wieder mal einig, Nietenolaf. Es heißt: »fümf, virtel sechs, halb sechs, dreivirtel sechs, sechse, virtel siem, halb siem etc.« Alles andere ist Erbsenzählerei für mathematische Legastheniker. :P
...und dann gibt es auch noch Zeitangaben wie:
10 Uhr s.t.
10 Uhr c.t.
:P

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 18:17
von Robert Ketelhohn
Bei mir ist 10 Uhr c.t. immer dreiviertel elf …

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 19:30
von Stefan
Ketelhohn hat geschrieben:Bei mir ist 10 Uhr c.t. immer dreiviertel elf …
Ich habe mich schon immer gefragt, wie jemand ernsthaft so die Uhrzeit angeben kann - völliger Nonsens! Natürlich heisst es viertel vor elf. So weiß jeder klar und eindeutig, was gemeint ist.

Dreiviertel elf... tsss... was denn nun: 3/4 vor 11 oder 3/4 nach elf oder 3/4 Takt :nein: :D

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 19:42
von Robert Ketelhohn
Solche Leute gehen auch samstags Brötchen kaufen … Anständige Kerle dagegen gehen sonnahms Schrippen holen. :P

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 20:15
von Erich_D
Das Ganze ist ein Gravitationsproblem: jene volle Stunde, die dem Stundenzeiger näher steht, zieht die Benamsung der Zeit an sich: darum eben 1/4 nach sechs. Sobald nun aber der Stundenzeiger weiter wandert und ins Schwerefeld der heranziehenden Stunde gerät, wechselt die Benamsung ihre zeitliche Farben: darum eben 3/4 sieben. Ist vollkommen logisch (auch wenn ihr Germanen das nicht versteht).

PS: wir kaufen weder Samstags noch Sonntags, auch an keinem anderen Tag der Woche Brötchen, schon gar nicht Schrippen, wir ziehen Semmal vor.

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 20:42
von Juergen
Brötchen, Schrippen, Semmeln.... jetzt fehlen und nur noch die Wecken.

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 22:17
von Robert Ketelhohn
Erich Dumfarth hat geschrieben:»Das Ganze ist ein Gravitationsproblem: jene volle Stunde, die dem Stundenzeiger näher steht, zieht die Benamsung der Zeit an sich«
Bei mir wird die volle Stunde ganz oben auf dem Zifferblatt gewiesen. Bist du Antipode, Erich?

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 22:43
von Erich_D
Ketelhohn hat geschrieben:
Erich Dumfarth hat geschrieben:»Das Ganze ist ein Gravitationsproblem: jene volle Stunde, die dem Stundenzeiger näher steht, zieht die Benamsung der Zeit an sich«
Bei mir wird die volle Stunde ganz oben auf dem Zifferblatt gewiesen. Bist du Antipode, Erich?
Der Stundenzeiger, Robert, der Stundenzeiger, nicht der Künder der Minuten.

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 22:55
von cathol01
Bei uns im Seminar haben die Saarländer immer so Sachen gesagt wie: "Ei, deelschs du noch a halwer Weck mit mi?" In Belgien heissen die Brötchen übrigens nicht wie in Frankreich "petits pains", sondern "pistolets"...

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 23:06
von Robert Ketelhohn
Erich Dumfarth hat geschrieben:»Der Stundenzeiger, Robert, der Stundenzeiger, nicht der Künder der Minuten.«
Also rotiert bei euch die Gravitation?

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 23:06
von Erich_D
cathol01 hat geschrieben:"pistolets"...
Pistolets?! :kratz:
Kling ja richtig gefährlich. Und wie nennt man jene, die die "Pistolets" tragen? Pistoleros? :D

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 23:07
von Erich_D
Ketelhohn hat geschrieben:
Erich Dumfarth hat geschrieben:»Der Stundenzeiger, Robert, der Stundenzeiger, nicht der Künder der Minuten.«
Also rotiert bei euch die Gravitation?
Nein, aber die Zeiger der Uhr.

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 23:08
von Robert Ketelhohn
cathol01 hat geschrieben:»In Belgien heißen die Brötchen …«
Wißt ihr übrigens, wie die alten Römer ihre heißen Brötchen nannten – eine Art Schneckengebäck, meine ich, in Schrippenform?

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 23:11
von Robert Ketelhohn
Erich Dumfarth hat geschrieben:»Nein, aber die Zeiger der Uhr.«
Zeichne mir doch mal die Gravitationsvektoren deiner Uhrzeittheorie auf, Erich! :lol:

Verfasst: Samstag 17. Januar 2004, 23:21
von Erich_D
Ketelhohn hat geschrieben:
Erich Dumfarth hat geschrieben:»Nein, aber die Zeiger der Uhr.«
Zeichne mir doch mal die Gravitationsvektoren deiner Uhrzeittheorie auf, Erich! :lol:
Das war ein sprachliches Bild, Robert, keine Physikstunde. Im süddeutschen-österreichischen Raum beziehen wir eben die Angabe der Zeit auf die jeweils nächstgelegene volle Stunde, das meinte ich mit "Gravitation", die Anziehung sozusagen für den sprachlichen Zeitbezug. Jetzt klar?