Heinrich Böll und die nackte Walze der Geschichte
Verfasst: Sonntag 5. Oktober 2003, 13:29
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Doch die andere Vorstellung ist weit gespenstischer: wie diese Welt aussähe, hätte sich die nackte Walze einer Geschichte ohne Christus über sie hinweggeschoben; Baal und Mammon, die aztekischen Götter. Ich überlasse es jedem einzelnen, sich den Alptraum einer heidnischen Welt vorzustellen oder einer Welt, in der Gottlosigkeit konsequent praktiziert würde: den Menschen in die Hände des Menschen fallen zu lassen. Nirgendwo im Evangelium finde ich eine Rechtfertigung für Unterdrückung, Mord, Gewalt; ein Christ, der sich ihrer schuldig macht, ist schuldig... (Aber) unter Christen ist Barmherzigkeit wenigstens möglich...
Ich weiß: die Geschichte der Kirchen ist voller Greuel; Mord, Unterdrückung, Terror wurden ausgeübt und vollzogen, aber es gab auch Franziskus, Vincent, Katharina...
Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab, für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab es für sie Liebe, für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen...
Quelle: Heinrich Böll, in "Was halten Sie vom Christentum", List Bücher, Nr. 105, S. 22, München, 1961.[/color]
Liebe Leute,
ich gebrauche (missbrauche?) dieses Zitat gerne, wenn manche naiv-radikale Atheisten das atheistische Gutmenschentum allzu penetrant raushängen lassen. Böll ist ja keiner, den man einfach als "0815-Katholik" abhaken kann. Zwar war er katholisch, aber durchaus kritisch, ebenso wie er es auch gegenüber der Gesellschaft bzw. dem Staat war. Zudem noch Nobelpreisträger, also niemand, den man so einfach mit einem Achselzucken und viel Ignoranz abtut.
Aber unabhängig davon: was haltet Ihr von diesem Zitat? Nach meiner Einschätzung bewegt sich Europa in Richtung einer Entchristlichung. Der Mensch wird, ob man das gutheisst oder nicht, in die Hände des Menschen fallen. Wird sich tatsächlich eine "nackte Walze einer Geschichte ohne Christus" in Bewegung setzen? Wird sie plattmachen, was sich nicht wehren kann? Oder kann so etwas nicht sein, weil wir, unsere Gesellschaft - selbst jene, die nichts mehr mit Gott und Christus anfangen können - soviel vom Christentum aufnahmen ins Denken und Fühlen, dass dies nicht eintreten kann?
Doch die andere Vorstellung ist weit gespenstischer: wie diese Welt aussähe, hätte sich die nackte Walze einer Geschichte ohne Christus über sie hinweggeschoben; Baal und Mammon, die aztekischen Götter. Ich überlasse es jedem einzelnen, sich den Alptraum einer heidnischen Welt vorzustellen oder einer Welt, in der Gottlosigkeit konsequent praktiziert würde: den Menschen in die Hände des Menschen fallen zu lassen. Nirgendwo im Evangelium finde ich eine Rechtfertigung für Unterdrückung, Mord, Gewalt; ein Christ, der sich ihrer schuldig macht, ist schuldig... (Aber) unter Christen ist Barmherzigkeit wenigstens möglich...
Ich weiß: die Geschichte der Kirchen ist voller Greuel; Mord, Unterdrückung, Terror wurden ausgeübt und vollzogen, aber es gab auch Franziskus, Vincent, Katharina...
Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab, für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab es für sie Liebe, für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen...
Quelle: Heinrich Böll, in "Was halten Sie vom Christentum", List Bücher, Nr. 105, S. 22, München, 1961.[/color]
Liebe Leute,
ich gebrauche (missbrauche?) dieses Zitat gerne, wenn manche naiv-radikale Atheisten das atheistische Gutmenschentum allzu penetrant raushängen lassen. Böll ist ja keiner, den man einfach als "0815-Katholik" abhaken kann. Zwar war er katholisch, aber durchaus kritisch, ebenso wie er es auch gegenüber der Gesellschaft bzw. dem Staat war. Zudem noch Nobelpreisträger, also niemand, den man so einfach mit einem Achselzucken und viel Ignoranz abtut.
Aber unabhängig davon: was haltet Ihr von diesem Zitat? Nach meiner Einschätzung bewegt sich Europa in Richtung einer Entchristlichung. Der Mensch wird, ob man das gutheisst oder nicht, in die Hände des Menschen fallen. Wird sich tatsächlich eine "nackte Walze einer Geschichte ohne Christus" in Bewegung setzen? Wird sie plattmachen, was sich nicht wehren kann? Oder kann so etwas nicht sein, weil wir, unsere Gesellschaft - selbst jene, die nichts mehr mit Gott und Christus anfangen können - soviel vom Christentum aufnahmen ins Denken und Fühlen, dass dies nicht eintreten kann?
... ("postmoderne" Lemminge?) ... ich denke da an die sog. "Grünen" ...