Interzelebration

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
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Marcus
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Registriert: Dienstag 13. Juni 2006, 14:48

Beitrag von Marcus »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Marcus hat geschrieben: Ich kenne die theologische Ausrichtung Richtung der beiden Herren unter dem Begriff „Neuluthertum“. Das hat aber mit dem eigentlichen Pietismus wenig zu tun.
Das täuscht! Das Neoluthertum wächst zeitgleich und teilweise aus der Erweckungsbewegung heraus, und die hat klar (neo)pietistische Wurzeln. Die Verbindung wird klar, wenn man nicht auf die hochkirchliche Theologie des Neoluthertums schaut, sondern auf den Antirationalismus. In gewisser Weise sind Neopietismus und Neuluthertum beide mögliche Reaktionen auf den Rationalismus. Jede auf ihre eigene Art, aber doch gegenseitig beeinflußt.

Abgesehen davon hat der klassische Pietismus zunächst zu einer Belebung der Sakramentspraxis geführt und nicht zu einer Verflachung. Aber das nur am Rande...

LG
SD
Das Grundmotiv, nämlich dem aufklärerischen und rationalistischen Zeitgeist entgegenzuwirken war zunächst sicherlich das Gleiche. Dennoch hatten das Neuluthertum und der Neopietismus verschiedene theologische Scherpunkte.

Nach meinem Wissen hatten die Sakramente, vor allem das Abendmahl, im Pietismus zumindest nie den gleichen Stellenwert wie die Wortpredigt eingenommen. Ich will den Pietisten ja nicht pauschal unterstellen, Sakramente als "schnödes Beiwerk" zu betrachten. Die Predigt nahm und nimmt im Pietismus jedoch immer einen höheren Stellenwert als die Sakramente ein.

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Marcus
Beiträge: 3077
Registriert: Dienstag 13. Juni 2006, 14:48

Beitrag von Marcus »

@ conscientia und Pater Theodoros

M.o.w. durch Zufall habe ich im Netz eine Predigt des heutigen Propstes Kelter (SELK) zum Reformationstag aus dem Jahre 2005 gefunden: http://www.lutherische-kirche-goerlitz. ... igt_3.html

Darin legt er nicht nur das Selbstverständnis seiner Kirche dar, sondern geht auch auf Ökumene, kirchliche Einheit und den Zusammenhalt von Christen aus den verschiedenen Konfessionen ein. Propst Kelter gehört übrigens v.A.w. der Kirchenleitung an und ist zugleich Ökumenereferent der SELK.

conscientia
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Dank an alle

Beitrag von conscientia »

Vielen Dank für alle die Informationen.
Ich selbst habe mich katholisch-lutherische Kontroverstheologie immer an Hand der Ergebnisse des rk.-luth. internationalen Dialogs (Das Herrenmahl usw.) und des "Lehrverurteilungen - kirchentrennend?"-Prozesses betrieben.
Zum Opferverständnis der römischen Kirche gelegentlich, da benötige ich noch zwei Wochen.

Grüße sendet
c.

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Lutheraner
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Beitrag von Lutheraner »

Um nochmals auf diesen Diskussionsstrang zurückzukommen:
Stephen Dedalus hat geschrieben: Ich habe den Verdacht, dass bei Eurer Darstellung des Bischofsamtes grundsaetzliche altkirchliche Elemente des Bischofsamtes unter den Tisch fallen...
Wer läßt diese Elemente heutzutage nicht unter den Tisch fallen? Man ist dem Bischof (oder der Kirchenführung) doch nur wirklich gehorsam, so lange man mit ihm einer Meinung ist. Das ist doch schon längst basisökumenischer Konsens - von super-liberal bis erzkonservativ.
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"

conscientia
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Beitrag von conscientia »

Lutheraner hat geschrieben:Um nochmals auf diesen Diskussionsstrang zurückzukommen:
Stephen Dedalus hat geschrieben: Ich habe den Verdacht, dass bei Eurer Darstellung des Bischofsamtes grundsaetzliche altkirchliche Elemente des Bischofsamtes unter den Tisch fallen...
Wer läßt diese Elemente heutzutage nicht unter den Tisch fallen? Man ist dem Bischof (oder der Kirchenführung) doch nur wirklich gehorsam, so lange man mit ihm einer Meinung ist. Das ist doch schon längst basisökumenischer Konsens - von super-liberal bis erzkonservativ.
Hallo, SD und Lutheraner,

was ist unter "grundsätzlichen altkirchlichen Elementen des Bischofsamtes" zu verstehen? Im Gegensatz zu einer Kirchenleitung im Kollegium der Monepiskopat, wie er beim hl. Ignatius von Antiochien, wann auch immer er gelebt haben mag, zum ersten Mal literarisch fassbar wird?

Oder ein grundsätzlicher Gehorsam gegenüber dem, was der Bischof sagt? Da bin ich skeptisch. Wussten nicht jene, die ein Geistliches Amt mit Episkopé innehatten, also faktisch Bischöfe waren, wie auch immer tituliert, dass man in der Kirche mit Befehl und Unterordnung kaum etwas erreicht, sondern immer auch die überzeugende Rede des Oberen und der Wille des Untergebenen, sich schlimmstenfalls an eine Dienstvorschrift zu halten, dazu kommen muss?

Gruß
c.

conscientia
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Registriert: Freitag 18. April 2008, 12:04

Beitrag von conscientia »

Es muss heißen: Wussten nicht jene, die ein Geistliches Amt mit Episkopé innehatten, also faktisch Bischöfe waren, wie auch immer tituliert, schon von Anfang an, dass man in der Kirche mit Befehl und Unterordnung kaum etwas erreicht, sondern immer auch die überzeugende Rede des Oberen und der Wille des Untergebenen, sich schlimmstenfalls an eine Dienstvorschrift zu halten, dazu kommen muss?

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