Islam im Religionsunterricht

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cathol01
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Islam im Religionsunterricht

Beitrag von cathol01 » Sonntag 27. Juni 2004, 22:18

Wie soll ich im Religionsunterricht über den Islam reden? Ich merke, dass die SchülerInnen Islam praktisch mit Terrorismus gleichsetzen, so dass ich da immer massiv gegensteuern muss. Dabei habe ich allerdings manchmal ein ungutes Gefühl, weil ich mich dabei ertappe, dass ich verschiedene Dinge verharmlose. Wie gewaltbereit sind die Muslime wirklich?
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Petra
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Beitrag von Petra » Sonntag 27. Juni 2004, 22:28

ich nerv mal wieder bisschen: nicht gewaltbereiter als die Leute, die genau wissen wo das "Evil" zu lokalisieren ist, auch nicht mehr als diejenigen Christen, die für ihre Gewaltakte einen göttlichen Auftrag vorgeben (indem sie z.B. abtreibende Ärzte erschießen), auch nicht mehr als die Kriegsgegner der Vergangenheit und Gegenwart, die in der Nichtchristlichkeit ihrer Gegner eine weitere Rechtfertigung für ihren "gerechten Kampf" sehen.

Die Crux ist immer und überall, sie alle denken, ihre Gewalt würde eingesetzt zur Verteidigung. Verteidigung ihrer Familien oder ihres Gottes. Und je mehr die geistlichen Führer oder eigene scheinbar geistliche Eingebungen sagen, Familien oder Gott seien in Gefahr, umso eher wird zum Schwert gegriffen. - Das Böse bedient sich oft der Angst oder des Stolzes

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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Sonntag 27. Juni 2004, 22:41

Ich habe halt versucht, ihnen klarzumachen, dass die meisten Muslime friedlich sind und die Greueltaten, die manche im Namen ihrer Religion machen, verabscheuen - ausgehend von ihren eventuellen Erfahrungen mit Muslimen, die sie persönlich kennen. Wobei es in Luxemburg kaum Muslime gibt - von Flüchtlingen einmal abgesehen; aber das ist auch das Problem: hier spielt die Flüchtlingsproblematik noch mit hinein, und das vermischen die dann alles: "Die Muslime (= Islamisten) dürfen bei uns umsonst einkaufen, arbeiten den ganzen Tag nix usw." Ich habe aber zunächst einmal versucht, Grunddinge des muslimischen Glaubens zu behandeln und dabei herausgestrichen, dass es eigentlich viele Parallelen zum Christentum gibt usw.
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Petra
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Beitrag von Petra » Sonntag 27. Juni 2004, 23:20

Wahrscheinlich ist eine psychologische Komponente auch wichtig. Bei der Erfahrung von Ohnmacht oder Abwertung (Jobchancen, Pisa ect. ), besonders in Schule und in der Pubertät empfunden, kommt der Wille nach „Stärke“. Diese wird dann im Notfall auch in der Gewalt gesehen, die im Namen der eigenen Gruppe geschieht. So wird manchmal der einzige Ausweg die Indentifizierung mit Macht, die größer ist als das Individium. - Für die Nazi-Gefolgschaft gibt es da den empfehlenswerten amerikanischen Film „Die Welle“. Da wird eine Gruppe von normalen Collegestudenten durch eine Gruppenidentifizierung dazu geführt, Gewalt auszuüben, um eines höheren, gemeinschaftlichen Ziels willens. Dem sich keiner entziehen darf, der nicht als „Kameradenschwein“ enden will. Dies ist unabhängig von den Glaubenssätzen oder Religionen, die dort als Starkmacher ergriffen werden. – Allerdings sollte man diesen Film nicht im Rahmen „Der Islam“ durchnehmen, sondern besser ohne eine An-Moderation den Schülern zeigen, um danach zu hören, was sie „gelernt“ haben. Denn er gilt für jedes Gedankensystem, dass für „die Gruppe“ auch Gewalt gegen eigene Leute in kauf nimmt.

(Sorry Thierry, es ist spät, war das verständlich?)

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Clown
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Beitrag von Clown » Montag 28. Juni 2004, 19:31

Es gibt gewalttätige und fundamentalistische Catholz (besonders in diesem Forum ;)), Chick-Jünger, Muslime und Hindus.

Religion ist in der Regel kein Auslöser für Gewalt sondern kann nur ein Katalysator sein. D. h. wenn die Palästinenser alle katholisch wären würden sie trtozdem mithilfe irgendeiner katholisch-theolog. Verrenkung (da gibts ja so einige) trotzdem noch Selbsmordattentate rechtfertigen obwohl in der Bibel das gegenteil steht.
Wer sich nicht bewegt, spürt seine Ketten nicht.

Juergen
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Beitrag von Juergen » Montag 28. Juni 2004, 19:33

Clown hat geschrieben:Es gibt gewalttätige und fundamentalistische Catholz (besonders in diesem Forum ;))
Hömma, hömma, hömma,
Alter, willste was auf Maul oder was?

:D
Gruß
Jürgen
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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Montag 28. Juni 2004, 21:00

Clown hat geschrieben:Religion ist in der Regel kein Auslöser für Gewalt sondern kann nur ein Katalysator sein. D. h. wenn die Palästinenser alle katholisch wären würden sie trtozdem mithilfe irgendeiner katholisch-theolog. Verrenkung (da gibts ja so einige) trotzdem noch Selbsmordattentate rechtfertigen obwohl in der Bibel das gegenteil steht.
Sehe ich genau so. Das habe ich den Sch. auch versucht klarzumachen. Es handelt sich immer um eine Instrumentalisierung bzw. eine Pervertierung der Religion, die eine friedliche Intention hat - auch die islamische.
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Ralf
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Beitrag von Ralf » Montag 28. Juni 2004, 21:05

Clown hat geschrieben:D. h. wenn die Palästinenser alle katholisch wären würden sie trtozdem mithilfe irgendeiner katholisch-theolog. Verrenkung (da gibts ja so einige) trotzdem noch Selbsmordattentate rechtfertigen obwohl in der Bibel das gegenteil steht.
Da spricht die Realität eine andere Sprache, da es durchaus einige Tausend katholische Palästinenser im Heiligen Land gibt - sie gehören nicht zu den Terroristen.
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Montag 28. Juni 2004, 21:20

Ralf hat geschrieben:
Clown hat geschrieben:D. h. wenn die Palästinenser alle katholisch wären würden sie trtozdem mithilfe irgendeiner katholisch-theolog. Verrenkung (da gibts ja so einige) trotzdem noch Selbsmordattentate rechtfertigen obwohl in der Bibel das gegenteil steht.
Da spricht die Realität eine andere Sprache, da es durchaus einige Tausend katholische Palästinenser im Heiligen Land gibt - sie gehören nicht zu den Terroristen.
So wie es auch unter den muslimischen Palästinensern solche gibt, die friedlich leben (wollen).
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Beitrag von Ralf » Montag 28. Juni 2004, 21:31

Nur wirst Du unter den (auch ehemaligen, weil toten) Katholiken da vergeblich einen Selbstmordattentäter oder so was finden.
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

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Erich_D
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Beitrag von Erich_D » Montag 28. Juni 2004, 21:37

Clown hat geschrieben:Es gibt gewalttätige und fundamentalistische Catholz (besonders in diesem Forum ;)), Chick-Jünger, Muslime und Hindus.

Religion ist in der Regel kein Auslöser für Gewalt sondern kann nur ein Katalysator sein. D. h. wenn die Palästinenser alle katholisch wären würden sie trtozdem mithilfe irgendeiner katholisch-theolog. Verrenkung (da gibts ja so einige) trotzdem noch Selbsmordattentate rechtfertigen obwohl in der Bibel das gegenteil steht.
Das ist zu kurz gedacht. Nach dieser Logik müssten vornehmlich atheistische Gesellschaftssysteme sich durch ein höheres Ausmaß an Gewaltlosigkeit auszeichnen. Es ließe sich leicht der Nachweis erbringen, dass dies nicht der Fall ist. Ich erinnere an die Roten Khmer, an den stalinistischen Terror, aber auch an die späte Phase des Imperium Romanum, als zumindest die Oberschicht über den Glauben ihrer Vorväter mehrheitlich nur mehr müde lächelte. Alle diese Systeme zeichneten sich durchaus nicht durch ein höheres Maß an Gewaltlosigkeit aus, im Gegenteil.

Es wird immer wieder derselbe Denkfehler begangen, dass nämlich der religiöse oder der atheistische Mensch ein anderer sei. Stets dann, wenn man dies meint, es dem Handeln zugrunde legt, kommt es zur Katastrophe. Der Mensch ist immer Mensch, zum Guten ebenso fähig wie zum Bösen. In welche Richtung sich eine Gesellschaft bewegt, hängt von den sie beherrschenden Überzeugungen ab. Nach 2000 Jahren Christentum kennen wir das Schlimmste, was ein fehlgeleiteter Glaube hervorbringen kann. 100 Jahre säkularisierter Staat zwingen mich zur Überzeugung, dass jeglicher Schrecken, der einem pervertierten Christentum entsprang, von einem pervertierten atheistischen Staat übertroffen wird. In dem Zusammenhang erinnere ich an Dostojewskis 'Dämonen'. In dieser Projektion der zukünftigen Entwicklung mutiert der sozialistisch-atheistische Impetus zum Ungeheuer des Schigaljowismus, dessen radikalrevolutionäre Thesen der Ermordung von 100 Millionen Menschen das Wort sprechen. Stalin und Pol Pot haben Dostojewski's Erwartung auf das Schrecklichste bestätigt. Die Dämonen des atheistischen Staates scheinen mir fast unvergleichlich schrecklicher zu sein als jene des Glaubens. Ich bin aber, wie ich zugestehe, Kulturpessimist. Wir - unsere (die westliche säkularisierte) Zivilisation - befinden uns auf einer langen Rutschbahn nach unten. Mag's auch scheinbar zeitweilig besser werden, gar ein Stück wieder bergauf gehen, unsere Sonne, meine ich, neigt sich allmählich dem Abend zu. Der Westen wird den Krieg im Irak verlieren. Es ist vor allem anderen ein Krieg zwischen Glaubenssystemen. Die stärkere Überzeugung wird siegen. Und das ist nicht die Säkularisation. Dessen Werte haben im Osten wenig Bedeutung. Ich begrüsse das nicht, ich sehe es nur kommen.
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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Montag 28. Juni 2004, 21:47

Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, dass Religionen, oder die ihnen zugrunde liegenden Schriften (wie etwa der Koran) für Gewalttaten instrumentalisiert werden. Ich stimme Erich aber zu, wenn er darauf hinweist, dass atheistische Regierungen nicht weniger gewaltbereit waren. Ich habe ebenfalls meine Zweifel mit der Aussage, das Religionen Katalysatoren für Gewalt sind.
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Nietenolaf
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Beitrag von Nietenolaf » Montag 28. Juni 2004, 22:04

Hier mal ein kleines... öcha... Traktat, das ich anno 2001 zum Thema Islam absonderte, als allenthalben die Hatz dagegen losging wegen des Anschlags in New York. Meine Meinung zu dieser Sache sozusagen. Und es ist Polemik. :)

(Ansatzpunkt: irgend eine Schnarchnase unterstellte den Muslimen pauschal eine angeborene Compressio cerebri, weil sie permanent unter der Sonne zu leiden hätten, was sie zu dem bei ihnen üblichen Terror treibe. Kurz, Muslime wären per default hirnverbrannt.)
Nur ein kleiner Kommentar zu dem einen oder anderen, das hier so herumging. Ich finde es nämlich schön, daß das "biologisch radikale" im Menschen in Streßsituationen immer wieder greift: seien es animalische Anwandlungen in einer Meute, Blutrausch bei Schmerzen, die man aus unbekannter Quelle zugefügt bekommt, oder eben die lieben Pauschalisierungen auf der Suche nach Erklärungen und einem neuen Feind.

Da sind es eben heute die Muslime, die böse sind. Und sie alle haben sowieso eine Compressio cerebri, wegen der Sonne. Nicht ganz schlüssig, aber das stellt man erst fest, nachdem man den (verbalen) Mord begeht. Trotzdem, das waren doch die mit dem Jihad! Daß "Jihad", wenn man es genau nimmt, jede religiöse Anstrengung im Namen des Guten bedeutet, will man nicht einmal wissen - dabei kann eine simple Alkohol- oder Schweinefleischabstinenz auch schon "Jihad" heißen. Wahrscheinlich ist das Wort dem Sinn nach ähnlich dem russischen "Podvig". Und?

Viele unschuldige Menschen wurden bei den Selbstmordattentaten auf das WTC in NY getötet. Im 20. Jahrhundert, das vor kurzem zuende ging, wurden (lt. Harper) nicht weniger als 62 Millionen Zivilisten getötet (gegenüber 43 Millionen Militärs), in Schlamm oder Sand oder Schutt vergraben zu allen Jahreszeiten und in allen Teilen der Erde - in London und Paris genauso wie in Sarajevo und Bagdad... Wie viele der 62 Millionen Zivilisten und 43 Millionen Militärs wurden von muslimischen Kräften umgebracht? Wie viele von christlichen Kräften? Wie viele von buddhistischen Kräften, von Shinto-Kräften, usw.? Bestanden die deutsche, japanische und italienische Armee aus Muslimen? Wurde die Sowjetunion von Muslimen regiert? Wie viele Zivilisten wurden bei dem Feuerbombardement von Tokio umgebracht, einer Stadt, die damals größtenteils aus zivilen Holzhäusern bestand? Wie viele Zivilisten wurden beim Feuerbombardement von Dresden ermordet? Man braucht nicht einmal die Atombomben zu erwähnen, die gegen niemandes *Armeen* gerichtet waren, sondern ausschließlich gegen Zivilisten. Einer der Kriege mit der höchsten Tötungsrate in der Geschichte der Menschheit war der amerikanische Bürgerkrieg. Wie viele auf beiden Seiten waren jeweils Muslime? Welche muslimische Armee hat jemals 20.000 bulgarische Soldaten geblendet und sie zum bulgarischen König zurückgesandt, um diesem damit eine Lektion vom Imperator des Neuen Roms beizubringen? Man kann über diese und jene Greueltat der Türken und Araber faselieren und über die Sonne als Quelle des Jihad phantasieren, aber mal ehrlich, die Muslime hätten eine Menge zu tun, wenn sie die "Errungenschaften" der "christlichen" Zivilisationen einzuholen versuchten.

Die amerikanische Entschuldigung für das Flächenbombardement im nördlichen Viet Nam war es, "Zeichen zu setzen", sog. "Bomb-o-Gramme". Zivilisten töten, um ein Zeichen zu setzen! Was macht Osama bin Laden? Wo hat er diese Idee her? In der Sendung "60 minutes" wurde Madame Albright (keine Muslimin, glaube ich) gefragt, ob sie bedacht hätte, daß eine halbe Million irakischer Kinder als Folge der Unterernährung und an Krankheiten gestorben seien. Sie antwortete: "Wir denken, daß es diesen Preis wert war". Erinnert man sich, wie gnädig sie war, als es darum ging zu entscheiden, ob man den Serben tonnenweise Bomben auf die Schädel wirft? Ich glaube, das tat man auch, "to send Milosevic a message". Und abermals, wo hat Osama bin Laden die Idee her, Unschuldige zu töten, um seine "message" rüberzubringen? Aus dem Koran oder aus den Medien, die von der "einzig verbliebenen Supermacht" dominiert sind?

Was gebiert mehr Terror? Selbstmordattentate auf Zentren der Finanzwelt und des Militärs oder Feuerbombardements ganzer Städte? Ein Japaner beschrieb mir einmal, wie die Millionen Einwohner von Tokio (während des Bombardements durch die Amerikaner) panisch auf offene Plätze rannten, um der Hitze und den Flammen zu entgehen. Ein solcher größerer Platz war vor dem Kabuki-Theater, und die Bevölkerung rannte dorthin. Es gab nicht genug Raum für alle. Also sprangen die Leute auf- und übereinander, bis dieser Platz ein einziger, zwei Stockwerke hoher Berg lebender Menschen war, der von den Flammen erst zu einer schwarzen und dann zu einer brennenden Masse von Fleisch und Knochen verschmolzen wurde. Terror? Ich glaube schon.

Gute Nacht!

27.10.2001

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Ulrich
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Re: Islam im Religionsunterricht

Beitrag von Ulrich » Montag 28. Juni 2004, 22:08

cathol01 hat geschrieben:Wie soll ich im Religionsunterricht über den Islam reden?
Sieht es der Lehrplan vor, dass du darüber sprechen musst ? Ich nehme einmal an, dass du den katholischen Religionsunterricht meinst.

Welche Klasse ?
cathol01 hat geschrieben: Ich merke, dass die SchülerInnen Islam praktisch mit Terrorismus gleichsetzen, so dass ich da immer massiv gegensteuern muss. Dabei habe ich allerdings manchmal ein ungutes Gefühl, weil ich mich dabei ertappe, dass ich verschiedene Dinge verharmlose. Wie gewaltbereit sind die Muslime wirklich?
Lass sie eine Arbeit schreiben, wo sie dieses Bild des Islam her haben und arbeite mit ihnen die Ergebnisse auf. Wenn sie dieses Bild mehrheitlich aus der Glotze haben, wäre dass ein Ansatzpunkt = Manipulation der eigenen Denkweise durch die Medien usw ... Kann ich durch Bilder Meinungen und Stimmungen erzeugen ?

mfg
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Re: Islam im Religionsunterricht

Beitrag von cathol01 » Montag 28. Juni 2004, 22:12

Ulrich hat geschrieben: Sieht es der Lehrplan vor, dass du darüber sprechen musst?
Ja. Und ich finde es auch gut, dass das Thema vorgesehen ist.
Ich nehme einmal an, dass du den katholischen Religionsunterricht meinst.
Ja.
Welche Klasse ?
7. Klasse Realschule
Lass sie eine Arbeit schreiben, wo sie dieses Bild des Islam her haben und arbeite mit ihnen die Ergebnisse auf. Wenn sie dieses Bild mehrheitlich aus der Glotze haben, wäre dass ein Ansatzpunkt = Manipulation der eigenen Denkweise durch die Medien usw ... Kann ich durch Bilder Meinungen und Stimmungen erzeugen ?
Danke für den Tipp, aber das dürfte schwierig sein für 7. Stufe Realschule...
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Beitrag von schmitz-backes » Montag 28. Juni 2004, 22:16

In der Welt am Sonntag vom 30. Mai diesen Jahres setzte sich der Rom-Korrespondent der Bildzeitung mit diesem Thema auseinander und was die Kirche dem Islam entgegensetzt. Ich denke er kann einiges zur Diskussion beisteuern!

http://www.wams.de/data/2004/05/30/284942.html

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Ulrich
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Re: Islam im Religionsunterricht

Beitrag von Ulrich » Montag 28. Juni 2004, 22:19

cathol01 hat geschrieben:
Lass sie eine Arbeit schreiben, wo sie dieses Bild des Islam her haben und arbeite mit ihnen die Ergebnisse auf. Wenn sie dieses Bild mehrheitlich aus der Glotze haben, wäre dass ein Ansatzpunkt = Manipulation der eigenen Denkweise durch die Medien usw ... Kann ich durch Bilder Meinungen und Stimmungen erzeugen ?
Danke für den Tipp, aber das dürfte schwierig sein für 7. Stufe Realschule...
Aber du hast sie bestimmt gefragt, woher sie dieses Bild des Islam haben. Wenn da eine ganze Klasse den Islam mit Terrorismus gleichsetzt müssen sie das ja irgendwo gelesen oder auf andere Weise aufgenommen haben !

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Montag 28. Juni 2004, 22:35

schmitz-backes hat geschrieben:In der Welt am Sonntag vom 30. Mai diesen Jahres setzte sich der Rom-Korrespondent der Bildzeitung mit diesem Thema auseinander und was die Kirche dem Islam entgegensetzt. Ich denke er kann einiges zur Diskussion beisteuern!
http://www.wams.de/data/2004/05/30/284942.html
Jemand (in einem andern Forum) hat geschrieben:Ȁchz. Der Autor des Artikels, Andreas Englisch, ist ein Vollidiot. Wirklich. Und das ist nicht erst seit gestern bekannt.

Im konkreten Artikel ist zunächst mal der militärische Jargon reinster Blödsinn. Es klingt, als hätte der Englisch gerade in Huntingtons "The Clash of Civilizations" geblättert.

Englischs Vorstellung von den Katechisten in den Missionsgebieten ist mickymausartig. Das sind keine bezahlten (oder unterbezahlten) Angestellten der Propaganda fide, sondern ehrenamtlich in lokalen Gemeindediensten stehende Laien, vor allem dort, wo Priester große Gebiete zu "versorgen" haben.

Daß Englisch die Propaganda fide für bisher weitgehend unbekannt hält und sein Geschreibsel als sensationelle Entdeckung verkauft, ist eigentlich bloß noch komisch. Daß er über ihre "geostrategische" Bedeutung schwadroniert, das tut schon weh. Geostrategisch! Aua. Mann, schmeiß deine Huntington-Schwarte weg. Bald fängt er noch an, mit Stalin von den Divisionen des Papstes zu faseln.

Mehr will man zu dem Schwachsinn eigentlich nicht sagen. Was Englisch alles der Missionskongregation zuschreibt – ach, das lohnt sich nicht drüber zu reden. Er kann nicht unterscheiden zwischen der Kongregation, den zahlreichen kirchlichen Hilfswerken, den Orden, den Ortsbistümern usw. Er schmeißt alles zusammen und rührt seinen Kulturkampfbrei daraus, der aber leider bloß schmeckt wie abgestandenes Abwaschwasser.

Wenn es einen Kulturkampf gibt, dann bestimmt woanders.«
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
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Beitrag von Clown » Dienstag 29. Juni 2004, 21:11

Das ist zu kurz gedacht. Nach dieser Logik müssten vornehmlich atheistische Gesellschaftssysteme sich durch ein höheres Ausmaß an Gewaltlosigkeit auszeichnen. Es ließe sich leicht der Nachweis erbringen, dass dies nicht der Fall ist. Ich erinnere an die Roten Khmer, an den stalinistischen Terror, aber auch an die späte Phase des Imperium Romanum, als zumindest die Oberschicht über den Glauben ihrer Vorväter mehrheitlich nur mehr müde lächelte. Alle diese Systeme zeichneten sich durchaus nicht durch ein höheres Maß an Gewaltlosigkeit aus, im Gegenteil.

Stimmt der Atheismus fehlt in meiner Aufzählung. Wie alle anderen Religionen ist natürlich auch er ein Katalysator. Kein geschichtlich gebildeter Mensch könnte das bestreiten.
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 29. Juni 2004, 21:34

Nitenolaf hat geschrieben:»Hier mal ein kleines... öcha... Traktat …«
… dem ich völlig beipflichte.
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Beitrag von Nietenolaf » Dienstag 29. Juni 2004, 22:02

Die Moral von der Geschicht war eigentlich nur, daß es nicht die Religion ist, die Gewalt gebiert, auch nicht der Islam.

Micha

Beitrag von Micha » Sonntag 4. Juli 2004, 17:44

leer
Zuletzt geändert von Micha am Donnerstag 3. Februar 2005, 02:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von cathol01 » Sonntag 4. Juli 2004, 18:42

Micha hat geschrieben:Wenn du immer noch vernünftiges Material suchst, Thierry, schau mal hier:
http://mitglied.lycos.de/ArthurThoemmes/kirche.htm
Gut zu gebrauchen sind die Folien aus dem Relpd. Institut Regensburg.
Micha
Danke, danke. Material habe ich eigentlich mittlerweile genug. Thömmes habe ich mal persönlich erlebt. Er ist ein Arbeitstier. Manchen ist er etwas zu oberflächlich, andere fühlen sich von ihm mitgerissen.

Wichtig wäre auch noch, die Sch. auf all das hinzuweisen, was unsere Kultur den Arabern zu verdanken hat. Was ist da eigentlich alles zu erwähnen?
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Beitrag von Nietenolaf » Sonntag 4. Juli 2004, 18:54

Das Zahlensystem und der Döner.

Micha

Beitrag von Micha » Sonntag 4. Juli 2004, 19:40

leer
Zuletzt geändert von Micha am Donnerstag 3. Februar 2005, 07:04, insgesamt 1-mal geändert.

Petra
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Beitrag von Petra » Sonntag 4. Juli 2004, 20:39

Das Wort "Alkohol" stammt aus dem Arabischen. Es bezeichnete ursprünglich eine Substanz, die zum Schminken der Augen benutzt wurde und wird. Heute noch in dem Wort "Kajal" gebräuchlich. Falls unbekannt, was das ist... frag deine Schülerinnen. ;)

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Gamaliel
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Re: Islam im Religionsunterricht

Beitrag von Gamaliel » Donnerstag 23. September 2010, 21:17

Dieser alte Thread scheint mir passend für zwei Meldungen, auf die ich gerade gestoßen bin:

1. Schweiz zeigt wie Islamunterricht für Kinder bei der Integration hilft

Daraus:
In Kreuzlingen hat das neue Schuljahr an zwei Primarschulen, die von Kindern im Alter von etwa 6 bis 13 Jahren besucht werden, Islamunterricht begonnen.
[...]
Der Islamunterricht soll einen erzieherischen Beitrag für die Integration der muslimischen Schülerinnen und Schüler leisten. Er möchte ihnen die Grundlagen ihrer eigenen Religion vermitteln. Islamische Kinder sollen die Chance haben, islamische Einstellungen und Haltungen einzuüben. Zugrunde gelegt ist das Menschenbild des Korans.
Über diesen ersten Beitrag bin ich dann auf nachstehende, schon etwas ältere Information gestoßen, die sich auf Bayern bezieht:

2. Bayern: Islamunterricht in 80 Schulen eingeführt
Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus Bayern teilte auf Anfrage der Landtagsabgeordneten Susann Biedefeld (SPD) mit, dass derzeit mindestens 44 Islamlehrkräfte an schätzungsweise 70 bis 80 bayerischen Grund- und Hauptschulen unterrichten. Darüber hinaus seien die Islamlehrkräfte an fünf Realschulen und einem Gymnasium eingesetzt.
[...]
Die Aussagen Spaenles [= Kultusminister], wonach der Islamunterricht „vor dem Hintergrund einer christlich verankerten Leitkultur verortet” werden müsse, stößt hingegen auf scharfe Kritik. Die „christliche Leitkultur“ als Richtschnur für den islamischen Religionsunterricht ist für viele Eltern nicht akzeptabel.
"Interessante" Information, jedenfalls für mich.

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Peregrin
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Re: Islam im Religionsunterricht

Beitrag von Peregrin » Donnerstag 23. September 2010, 21:20

Gamaliel hat geschrieben:
Der Islamunterricht soll einen erzieherischen Beitrag für die Integration der muslimischen Schülerinnen und Schüler leisten. Er möchte ihnen die Grundlagen ihrer eigenen Religion vermitteln. Islamische Kinder sollen die Chance haben, islamische Einstellungen und Haltungen einzuüben.
Was soll das sein, Dhimmis vom Gehsteig schubsen? Ich bin dagegen, daß die das auch noch im Unterricht üben.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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Lioba
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Re: Islam im Religionsunterricht

Beitrag von Lioba » Donnerstag 23. September 2010, 21:56

Ein Gedanke solcher Massnahmen ist es, den Einfluß von Fanatikern auf die Kinder zu verhindern- ob das klappt, weiss ich nicht.
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

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Anselmus
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Re: Islam im Religionsunterricht

Beitrag von Anselmus » Donnerstag 23. September 2010, 22:18

Also wenn der islamische Religionsunterricht auf dem selben Niveau wie der christliche, konfessionelle Unterricht in den meisten Schulen verläuft, so kann dies nur gut sein. ;D

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Lioba
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Re: Islam im Religionsunterricht

Beitrag von Lioba » Donnerstag 23. September 2010, 22:29

Du meinst die Kunst eine Religion zu kastrieren?
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

Thomas_de_Austria
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Re: Islam im Religionsunterricht

Beitrag von Thomas_de_Austria » Donnerstag 23. September 2010, 22:37

:hmm: Hmm ...

Also, ich habe schon angeblich röm.-kath. Religionsunterricht gesehen der mehr mit dem Islam zu tun hatte, als mit dem röm. Katholizismus. Bei einem solchen Religionsunterricht benötigt man eigentlich keinen eigenen islam. Unterricht mehr ...

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