Priester

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Leguan
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Re: Priester

Beitrag von Leguan »

Nachtrag: Mir fällt gerade ein, daß deine Schwierigkeit hier auch in der Verwendung einer alten Bibelübersetzung in Verbindung mit der Bedeutungsverschiebung des Wortes "allein" im deutschen zusammenhängen könnte.
"Allein" heute heißt eine Person allein, das war aber nicht immer so (mein Beispiel ist so altmodisch gemeint).
Meine Übersetzungen sagen beide "nur getauft" statt allein. Es heißt ja auch in deiner Version "allein getauft" und nicht "getauft allein auf den Namen". Griechisch kann ich nicht, um feststellen zu können ob sich das Wort auf Jesus oder auf die Taufe bezieht.
Im Lateinischen scheint es sich auch auf die Taufe zu beziehen, aber mein Latein ist auch nicht so gut.
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asderrix
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Re: Priester

Beitrag von asderrix »

Ich kann leider auch nicht auf ein großes Sprachstudium zurückgreifen, mein Grichisch hab ich abgebrochen und Latein nicht angefangen.
In der NEÜ(neuen evangelistischen Übersetzung) hat der Autor, der sehr gut griechisch kann, mit
Sie waren nur auf den Namen des Herrn Jesus getauft worden.
übersetzt.

Es ist für mich nun verständlich, das man mit deinem Hintergrund an eine normale erste Stufe des Christ seins/werdens denkt.
Ich mit dem Hintergrund der Glaubenstaufe, gehe davon aus dass der Heilige Geist in dem Gläubigen ist, wenn er bewusst sein Leben Christus übergibt. Ähnlich spektakuläre Ereignisse wie in der Pionierzeit der Christenheit sind heute nicht mehr nötig und deshalb nicht vorhanden.
Wäre deine Meinung, erhalt des Heiligen Geistes ist an die Handauflegung eines in der direkten Nachfolge der Apostel stehenden Priesters gekoppelt richtig, würde das doch bedeuten, dass ich und alle anderen, nicht der rkK angehörenden Christen, keinen Heiligen Geist haben, oder?
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Edi
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Re: Priester

Beitrag von Edi »

asderrix hat geschrieben:Meine Frage ging ja auch in Richtung Priester wo ich der Meinung bin dass das ein Element des Alten Bundes ist, was in den Neuen herüber gezogen wurde.
Das ist sicher auch so. Darum muss es aber nicht falsch sein. Jesus hat ja nicht komplett alles aus dem alten Bund auf den Kopf gestellt und aufgehoben. Er hat ja selber auch an den jüdischen Gottesdiensten teilgenommen. Nirgends hat er gesagt, dass diese Gottesdienste einschliesslich des Priestertums völlig aufgehoben seien, sondern nur auf sich als den wahren Hohepriester, auf den sich im Neuen Bund nun alles beziehen muss, hingewiesen. Die ersten Christen gingen ja anfangs auch noch in die jüdischen Gottesdienste bis sie es nach einiger Zeit wegen unüberwindlicher Differenzen zum hergebrachten Judentum vorzogen nur noch die eigenen Gottesdienste zu besuchen.

Wegen der Taufe. Jesus hat Matthaeus 28,19 geboten im Namen des Vaters, des Sohnes und des hlg. Geistes zu taufen. Die Apostel haben jedoch im Namen Jesu getauft. Manche sehen darin einen grossen Unterschied, ich sehe das nicht, denn in Jesus Christus findet man alle drei Personen.
Zuletzt geändert von Edi am Dienstag 21. April 2009, 22:29, insgesamt 2-mal geändert.
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Leguan
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Re: Priester

Beitrag von Leguan »

asderrix hat geschrieben:Wäre deine Meinung, erhalt des Heiligen Geistes ist an die Handauflegung eines in der direkten Nachfolge der Apostel stehenden Priesters gekoppelt richtig, würde das doch bedeuten, dass ich und alle anderen, nicht der rkK angehörenden Christen, keinen Heiligen Geist haben, oder?
Zumindest nicht in der Weise wie ein gefirmter Katholik.
Das schließt natürlich nicht aus, daß der heilige Geist auch dort wirken kann. Es ist ja schon die Bekehrung eine Wirkung des Hl. Geistes, ich wäre ohne den Hl. Geist sicher nicht gläubig geworden.

Ich hatte ja selber ein klassisches Bekehrungs-/"Wiedergeboren"-Erlebnis und bin danach erst mal Wochen auf Wolken geschwebt. Die spirituelle Erfahrung bei meiner Firmung war verglichen damit eher gering. Aber das eine ist für mich eben das Wirken des Hl. Geistes in der Ordnung der Kirche und das andere ist eben was außerordentliches, was so Leuten, die es dringend nötig haben, auch mal zuteil wird. Das widerspricht sich ja nicht, sondern ergänzt sich. Ich halte so ein Erweckungserlebnis gar nicht für erstrebenswert, denn selig, die nicht sehen, und doch glauben.
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anneke6
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Re: Priester

Beitrag von anneke6 »

Ich hatte bei meiner Firmung einen emotionalen Höhenflug. Ich habe in etwas kindischer Weise darauf reagiert…die ganze Zeit in der Bank gekniet und wie ein Honigkuchenpferd gelächelt.
Aber das muß ja nicht so sein.
???

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Edi
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Re: Priester

Beitrag von Edi »

Leguan hat geschrieben:... ich wäre ohne den Hl. Geist sicher nicht gläubig geworden.
Ohne den hlg, Geist kann keiner glauben, denn nur der hlg. Geist überführt von Sünden, bewirkt eine Bekehrung und überzeugt den Menschen von seiner Gotteskindschaft.
Die Freude, die ein Neubekehrter empfindet, kann man oft genug nach Beichten sehen, das ist ganz normal. Bei Pater Pio wurde davon auch oft berichtet. Das Beichten war bei ihm ja das A und O.
Die Freude am Herrn geht aber auch wieder weg und weicht einer geistlichen Dürre und Trockenheit, kommt aber im Idealfall irgendwann wieder zurück und erfasst dann den Menschen nach und nach ganz.
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Johaennschen
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Re: Priester

Beitrag von Johaennschen »

asderrix hat geschrieben:Ich kann leider auch nicht auf ein großes Sprachstudium zurückgreifen, mein Grichisch hab ich abgebrochen und Latein nicht angefangen.
Komisch, ich dachte, Du redest in fremden Zungen:
Wenn du Apg 19, anführst ist es doch sicher auch so dass dann wenn bei euch den getauften die Hände aufgelegt werden sie den Heiligen Geist erhalten und sie in Zungen sprechen, oder ? ;) 8)
Kein Latein und Griechisch dabei gewesen? Ist natürlich ärgerlich. :breitgrins:

Aber mal ernsthaft: Bei Lukas scheint mir Zungenrede doch vielleicht etwas anders gemeint zu sein als bei Paulus. Xenolalie vs. Glossolalie, sozusagen (oder wie das heißt, kann selber keine Sprachen :( ).
Es gibt keine Dummheit, an die der moderne Mensch nicht imstande wäre zu glauben, sofern er damit nur dem Glauben an Christus ausweicht.
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Robert Ketelhohn
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Re: Priester

Beitrag von Robert Ketelhohn »

asderrix hat geschrieben:Ich kann leider auch nicht auf ein großes Sprachstudium zurückgreifen, mein Griechisch hab ich abgebrochen und Latein nicht angefangen.
In der NEÜ(neuen evangelistischen Übersetzung) hat der Autor, der sehr gut griechisch kann, mit
Sie waren nur auf den Namen des Herrn Jesus getauft worden.
übersetzt.
Weil er die Wörter umstellt, ändert sich der Sinn. Das „nur“ bezieht sich im Original
[μόνον δὲ βεβαπτισμένοι ὑπῆρχον εἰς τὸ ὄνομα τοῦ κυρίου ᾽Ιησοῦ] eindeutig auf
„getauft“, nicht auf eine eventuelle Taufe mit jesuanischer statt trinitarischer Formel.
Also „nur erst getauft“ worden waren sie, hatten aber den Heiligen Geist noch nicht
empfangen, waren also noch nicht gefirmt.
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Edi
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Re: Priester

Beitrag von Edi »

Die Interlinearübersetzung aus dem Griechischen, die ich besitze, bestätigt Roberts Aussage auch. Nur bezieht sich auf getauft und nicht auf die Formel der Taufhandlung.
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asderrix
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Re: Priester

Beitrag von asderrix »

Johaennschen hat geschrieben:
asderrix hat geschrieben:Ich kann leider auch nicht auf ein großes Sprachstudium zurückgreifen, mein Grichisch hab ich abgebrochen und Latein nicht angefangen.
Komisch, ich dachte, Du redest in fremden Zungen:
Da siehst wie man sich irren kann. :pfeif:
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Ralf

Re: Priester

Beitrag von Ralf »

asderrix hat geschrieben:
Ralf hat geschrieben: Wieso Wiedereinführung?

Gab es mal keine Priester?

Wo wurden die denn abgeschafft?
Priester waren ein Teil des alttestamentlichen Gottes(Tempel)dienstes.
Im Neuen Testament lese ich nur vom allgemeinen Priestertum.
Ich lese nichts von der Notwendigkeit, dass es Priester als Bindeglied zwischen dem Volk und Gott geben muss, was ja das Aufgabengebiet der Priester im AT war.
Es waren doch die Bischöfe, die - Priester seiend - entschieden haben, welche Schriften in den Kanon aufgenommen wurden. Haben die sich damit selbst abgeschafft?

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asderrix
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Re: Priester

Beitrag von asderrix »

Ralf hat geschrieben: Es waren doch die Bischöfe, die - Priester seiend - entschieden haben, welche Schriften in den Kanon aufgenommen wurden. Haben die sich damit selbst abgeschafft?
Bischof heist
επισκοπος episkopos „Vorsteher, Aufseher, Wächter“
Ich bin Überzeugt, zur Zeit der kanonisierung der Heiligen Schrift hatten Bischöfe nicht die Bedeutung von Priestern.

Wann ist eigentlich das erste mal belegt, dass in der Christenheit der Begriff Priester in dem heute üblichen Sinn verwand wurde?
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Ralf

Re: Priester

Beitrag von Ralf »

asderrix hat geschrieben:Ich bin Überzeugt, zur Zeit der kanonisierung der Heiligen Schrift hatten Bischöfe nicht die Bedeutung von Priestern.
Der Prozeß der Kanonisierung des NT war ja ein längerer und zog sich über mehrere Jahrhunderte hin.

Hast Du Belege für Deine Überzeugung?

Ich finde bspw. bei Ignatius von Antiochien (+ a.e. 110-117 in Rom), der definitiv vor Ende des Kanonisierungsprozesses starb, in seinem Brief an die Gemeinde in Smyrna folgendes:
8. Kap. Seid eins mit dem Bischof!

1. Alle sollt ihr dem Bischof gehorchen wie Jesus Christus dem Vater, und auch dem Presbyterium wie den Aposteln; die Diakonen aber ehret wie Gottes Anordnung. Keiner tue ohne den Bischof etwas, das die Kirche angeht. Nur jene Eucharistie gelte als die gesetzmäßige, die unter dem Bischof vollzogen wird oder durch den von ihm Beauftragten.
2. Wo immer der Bischof sich zeigt, da sei auch das Volk, so wie da, wo Jesus Christus ist, auch die katholische Kirche ist. Ohne den Bischof darf man nicht taufen noch das Liebesmahl feiern; aber was immer er für gut findet, das ist auch Gott wohlgefällig, auf daß alles, was geschieht, sicher sei und gesetzmäßig.
Wenn Du altkirchliche Quellen aus den Zeiten der Apostolischen Väter bringst, die diese Ansicht widerlegen, würde ich mich freuen. Als definitiv abgeschlossen gilt ja der Kanonprozess (nachdemvon West wie Ost Hebräerbrief und Offenbarung anerkannt wurden) mit dem Jahr 367 mit einer Schrift von Athanasius dem Großen, Bischof von Alexandrien. Und der war zuerst Diakon, da gab es definitiv schon das dreigliedrige Weiheamt.

Ist also älter als der Kanon.

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overkott
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Re: Priester

Beitrag von overkott »

War Jesus eigentlich Priester? Johannes und Paulus ebenfalls?

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Robert Ketelhohn
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Re: Priester

Beitrag von Robert Ketelhohn »

overkott hat geschrieben:War Jesus eigentlich Priester?
Nicht nach der aaronitischen Ordnung, sondern nach derjenigen Melchi-
sedechs. Da aber nicht einfachhin Priester, sondern der Hohepriester.

overkott hat geschrieben:Johannes und Paulus ebenfalls?
Johannes war einer der Zwölfe und wurde im Abendmahlssaal ins Apostel-
amt eingesetzt. Paulus hat es durch Handauflegung übertragen bekommen.
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Sebastian
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Re: Priester

Beitrag von Sebastian »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:War Jesus eigentlich Priester?
Nicht nach der aaronitischen Ordnung, sondern nach derjenigen Melchi-
sedechs. Da aber nicht einfachhin Priester, sondern der Hohepriester.
Bild
"Selig sind die, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh. 20,31)

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asderrix
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Re: Priester

Beitrag von asderrix »

overkott hat geschrieben:War Jesus eigentlich Priester? Johannes und Paulus ebenfalls?
Johannes war ein Verwandter des Hohen Priesters, also vermutlich aus der aarontischen Linie.

Von Paulus wird uns in der Beziehung nichts berichtet.
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Robert Ketelhohn
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Re: Priester

Beitrag von Robert Ketelhohn »

asderrix hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:War Jesus eigentlich Priester? Johannes und Paulus ebenfalls?
Johannes war ein Verwandter des Hohen Priesters, also vermutlich aus der aaronitischen Linie.
Eine Vermutung, aber nicht unplausibel. Darum war
er aber noch nicht selbst ein aaronitischer Priester.
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asderrix
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Re: Priester

Beitrag von asderrix »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
asderrix hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:War Jesus eigentlich Priester? Johannes und Paulus ebenfalls?
Johannes war ein Verwandter des Hohen Priesters, also vermutlich aus der aaronitischen Linie.
Eine Vermutung, aber nicht unplausibel. Darum war
er aber noch nicht selbst ein aaronitischer Priester.
Ja, ich denke es sogar sicher das er kein Prister war, da er ja Fischer war und der "Pristerjob" nicht ehrenamtlich getan wurde im AT.
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Robert Ketelhohn
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Re: Priester

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Ehrenamtlich nicht, aber saisonweise. Die Priester hatten also durchaus
reichlich freie Zeit für „Nebentätigkeiten“. Johannes war allerdings sicher
zu jung (abgesehen davon, daß man auch irgendwas davon hören müßte
in den Evangelien oder sonstwo im Neuen Testament, wäre er Tempel-
priester gewesen). Die Frage kann bezüglich seiner nur lauten: Hätte er
möglicherweise aaronitischer Tempelpriester werden können, wäre nicht
Jesus aufgetreten? (Eine sichere Antwort gibt es nicht. Vielleicht hätte er.)
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asderrix
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Re: Priester

Beitrag von asderrix »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Ehrenamtlich nicht, aber saisonweise. Die Priester hatten also durchaus
reichlich freie Zeit für „Nebentätigkeiten“.
Du denkst (oder weißt) dass die Priester noch einen anderen Job hatten, den sie in der Zeit wo ihre Abteilung nicht mit dem Tempeldienst an der Reihe war ausübten?

Ich dachte dass sie da andere geistliche Aufgaben in Israel wahr zu nehmen hatten.
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Robert Ketelhohn
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Re: Priester

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Du hast wohl recht, genau bin ich nicht orientiert, vielleicht weiß es jemand noch
genauer. Neben religiöser Unterweisung sind wohl jurisdiktionelle Funktionen zu
nennen. Allerdings dürften Priester durchaus auch Grundbesitz gehabt haben,
von dem sie zusätzlich zu den eigentlichen Priesterbezügen vom Tempel her noch
Einkünfte erhielten. Inwieweit sie sich da aber selber um die Verwaltung kümmer-
ten (oder ob das ggf. eher wie eine Pfründe behandelt wurde), weiß ich nicht.

Kennt sich da einer aus?
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overkott
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Re: Priester

Beitrag von overkott »

asderrix hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:War Jesus eigentlich Priester? Johannes und Paulus ebenfalls?
Johannes war ein Verwandter des Hohen Priesters, also vermutlich aus der aarontischen Linie.

Von Paulus wird uns in der Beziehung nichts berichtet.
Die wohl eindeutigste Stelle finden wir im Römerbrief:
15:16
ut sim minister Christi Iesu in gentibus sanctificans evangelium Dei ut fiat oblatio gentium accepta sanctificata in Spiritu Sancto
damit ich Diener Christi bei den Völkern sei, heiligend das Evangelium Gottes, damit die Darbietung [der Opfergabe] vor den Völkern angenommen werde, geheiligt im Heiligen Geist.

In der Einheitsübersetzung:

damit ich als Diener Christi Jesu für die Heiden wirke und das Evangelium Gottes wie ein Priester verwalte; denn die Heiden sollen eine Opfergabe werden, die Gott gefällt, geheiligt im Heiligen Geist.


Der hl. Paulus verstand sich also selbst als Priester. Genauer gesagt, verstand er sich als Priester des Neuen Bundes. Das Opfer des Priesters des Neuen Bundes ist zunächst die Verkündung des Evangeliums.

Entsprechend dürften die Evangelien als Priesterschriften zu verstehen sein.

Jesus selbst wird darin nicht als Priester des Alten Bundes dargestellt, sondern als der vom Propheten Jesaja verkündete Christus. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Kapitel 61, auf das sich Jesus wörtlich beruft (Vgl. Lk 4,18). Entsprechend dürfte sich sein Schülerkreis als Priesterkreis verstanden haben:
61:6
vos autem sacerdotes Domini vocabimini ministri Dei nostri dicetur vobis fortitudinem gentium comedetis et in gloria earum superbietis

Ihr aber werdet Priester des Herrn gerufen, man wird euch Diener unseres Gottes nennen. Ihr verschlingt die Stärke der Völker und macht euch lustig über deren Ruhm.

Einheitsübersetzung:

Jes 61,6 Ihr alle aber werdet Priester des Herrn genannt, man sagt zu euch "Diener unseres Gottes". Was die Völker besitzen, werdet ihr genießen, mit ihrem Reichtum könnt ihr euch brüsten.


Auch Kapitel 66 ist von besonderer Bedeutung.
66:20
et adducent omnes fratres vestros de cunctis gentibus donum Domino in equis et in quadrigis et in lecticis et in mulis et in carrucis ad montem sanctum meum Hierusalem dicit Dominus quomodo si inferant filii Israhel munus in vase mundo in domum Domini
66:21
et adsumam ex eis in sacerdotes et in Levitas dicit Dominus
66:22
quia sicut caeli novi et terra nova quae ego facio stare coram me dicit Dominus sic stabit semen vestrum et nomen vestrum
Und sie werden aus allen Völkern eure Brüder herbeiführen als Gabe für den Herrn auf Pferden und auf Wagen, auf Sänften und auf Mulis und in Reisewagen zu meinem heiligen Berg Jerusalem, spricht der Herr, so wie die Söhne Israels Gaben in reinem Gefäß zum Haus des Herrn bringen. Und ich werde aus diesen Priester und Leviten auswählen, spricht der Herr. So wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir stehen, spricht der Herr, so wird euer Samen und Namen dastehen.

Das Priestertum und die Liturgie des Neuen Bundes haben in der Geschichte immer deutlichere Formen angenommen und sich immer klarer herausgebildet, durch immer weitere Meditation und geistliche Lesung der Hl. Schrift und immer weitere Systematisierung deren Motive.

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overkott
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Re: Priester

Beitrag von overkott »

Wichtig für das priesterliche Selbstverständnis der Apostel ist die Eucharistie. Dabei handelt es sich um den eigentlichen Kultus. Der 1. Korintherbrief als früheste schriftliche christliche Quelle informiert darüber ausführlich.

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Yeti
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Re: Priester

Beitrag von Yeti »

Ein sehr interessanter Artikel in der Zeitschrift CIG über die Meinungen der Leser dieser Zeitschrift zum Priestertum. Mich würde allerdings interessieren, woher Herr Röser die Zahlen über die Prozentrate der praktizierenden Katholiken weltweit hat. Ich habe den Verdacht, man überträgt unbesehen die Lage hierzulande auf die Weltsituation, um nicht ganz so alleine dazustehen. Und dass Papst Benedikt mit dem Hinweis auf den Pfarrer von Ars "das Priestertum auf einen unglaublich hohen Sockel" gestellt habe, halte ich für Phrasendrescherei. Einen demütigeren Kleriker als diesen Heiligen wird man wohl kaum finden. Aber wahrscheinlich ist genau Demut das Problem.

Gruß, Yeti
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overkott
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Re: Priester

Beitrag von overkott »

Ein lesenswerter Artikel, der zum Nachdenken über den Priesterberuf als Lebensform anregt. Ich selber erwarte von einem Priester Offenheit für Menschen, eine integrierende Art, freundliche Worte für Gottsucher, Respekt vor anderen Glaubensgemeinschaften. Diese Begabungen sind in meinem Umfeld unterschiedlich verteilt. Da gibt es einen indischen Pfarrer mit großer positiver Ausstrahlung. Leider ist der in unserem pastoralen Großraum nicht so häufig vor Ort.

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Re: Priester

Beitrag von Allons »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Da aber nicht einfachhin Priester, sondern der Hohepriester.
Moin Robert, wobei m.W.n. überhaupt keine "Ordnung Melchisedechs" überliefert ist, von dem wir nur wissen dass Abraham ihm nach Segnung den Zehnten überlassen hat. Wo keine Ordnung ist kann man auch keine Aussagen darüber machen ob es noch Priester nach dieser Ordnung gab oder ob nicht bei M. alles in eine Person fiel. Wenn die Traditionslinie des Melchisedech die unsere ist sagt das aber auch aus, dass die aaronitische Traditionslinie zur Begründung irgentwelcher Rechte & Pflichten höchstens analog herangezogen werden kann denn der Neue Bund hat die Aaronitischen Gesetze nicht inkorporiert (jedenfalls nicht dass ich wüßte).
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Johannes war einer der Zwölfe und wurde im Abendmahlssaal ins Apostelamt eingesetzt. Paulus hat es durch Handauflegung übertragen bekommen.
Interessant, dann wäre Paulus also quasi Apostel 2. Ordnung? Davon schreibt er nix afaik, selbst dort nicht, wo es ihm um die Anerkennung als Apostel geht, dabei wäre es doch das einfachste gewesen, auf seine Ordination hinzuweisen. Oder war das Jesus selbst bei seiner Erscheinung?

Grüße, Allons!

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Juergen
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Re: Priester

Beitrag von Juergen »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Johannes und Paulus ebenfalls?
Johannes war einer der Zwölfe und wurde im Abendmahlssaal ins Apostel-
amt eingesetzt. Paulus hat es durch Handauflegung übertragen bekommen.
Im Abendmahlssaal? :hmm:
Lukas Kap 6 hat geschrieben:12 In diesen Tagen ging er auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott.
13 Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel.
14 (Es waren) Simon, dem er den Namen Petrus gab, und sein Bruder Andreas, dazu Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus,
15 Matthäus und Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot,
16 Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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overkott
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Re: Priester

Beitrag von overkott »

Vor allem war es wohl weniger im Saal als im Obergemach, in einem privaten Einzelzimmer.

http://www.lectio.unibe.ch/8_1/staubli.htm

Raimund J.
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Re: Priester

Beitrag von Raimund J. »

Hab den älteren Thread nochmal ausgegraben, weil die Texte des heutigen Sonntags so gut dazu passen:
overkott hat geschrieben:War Jesus eigentlich Priester?
Siehe Präfation zur Osterzeit:
Christus als Priester und Opferlamm

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater, in diesen Tagen freudig zu danken, da unser Osterlamm geopfert ist, Jesus Christus. Als er seinen Leib am Kreuz dahingab, hat er die Opfer der Vorzeit vollendet. Er hat sich dir dargebracht zu unserem Heil, er selbst ist der Priester, der Altar und das Opferlamm. Durch ihn preisen wir dich in österlicher Freude und singen mit den Chor der Engel das Lob deiner Herrlichkeit: Heilig ...
Und zur Ausgangsfrage des Thread-Erstellers könnte vielleicht auch der Text weiterhelfen:
1 Petr 2, 4-9

Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus

Brüder!

4Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist.

5 Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.

6Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.

7Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,

8zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt.

9Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Nec laudibus, nec timore

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overkott
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Re: Priester

Beitrag von overkott »

Raimund Josef H. hat geschrieben:6Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.
Wie ist das gemeint?

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ChrisCross
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Re: Priester

Beitrag von ChrisCross »

overkott hat geschrieben:
Raimund Josef H. hat geschrieben:6Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.
Wie ist das gemeint?
Jesus Christus ist der Weg zum Heil und auch so vom Vater gewollt und auf ewig bestätigt. Der Eckstein ist in den mietsen Fällen wohl ein Zeichen für besonderen Punkt des Bauwerkes, auf den der restliche Plan aufbaut und der Halt gibt. Auf diese Weise wird noch einmal die zentrale Bedeutung Jesu Christi hervorgehoben.
Tu excitas, ut laudare te delectet, quia fecisti nos ad te et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te.
Augustinus Conf. I. 1

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