Strukturen in Freikirchen

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
Benutzeravatar
Lioba
Beiträge: 3676
Registriert: Dienstag 6. Januar 2009, 19:46

Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Lioba »

Ich kam auf das Thema, als ich im Net auf diese Datei stieß. Zum Autor: Helge Stadelmann leitet die FTH Gießen, eine der wenigen freikirchlich geprägten theologischen Hochschulen Deutschlands.
Wie ist eure Gemeinde/Kirche geordnet, wie seht ihr persönlich das Thema?
Meine Frage geht natürlich an alle, egal wo ihr hingehört.
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 11380
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Edi »

Zitat daraus: "Auf der einen Seite gehen Führung und Autorität weithin verloren – und dann fällt man in das andere Extrem und wählt die Tyrannei."

So geht es in vielen Freikirchen ab.

Zur Führung braucht man eine geistliche Autorität und die fehlt oft genug.
Es wird entweder vieles zugelassen, der Anpassung wegen oder man tritt als kleiner Despot auf.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von asderrix »

Edi hat geschrieben:So geht es in vielen Freikirchen ab.
Zur Führung braucht man eine geistliche Autorität und die fehlt oft genug.
Es wird entweder vieles zugelassen, der Anpassung wegen oder man tritt als kleiner Despot auf.
Ja Edi, und in vielen Kirchen und überhaupt überall wo Leitung und Führung geschieht.
Man, lass endlich deine Freikirchenphopie mal behandeln :sauer:
Jedes Gedächtnismahl sagt: Das Beste kommt noch!

Benutzeravatar
Lioba
Beiträge: 3676
Registriert: Dienstag 6. Januar 2009, 19:46

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Lioba »

Unabhängig davon welches der 3 Modelle nun einer als richtig ansieht, ist mir ein Punkt in diesem Text wichtig. Es kann in der Gemeinde nicht um Demokratie im weltlichen Sinne gehen.
Die Gemeinde ist nicht das Exerzierfeld unserer Ideen...
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

Amandus2
Beiträge: 894
Registriert: Dienstag 25. August 2009, 19:24
Wohnort: Berlin

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Amandus2 »

Historisch gesehen sind die meisten Freikirche die "Kirche der kleinen Leute". Dort können auch heute noch eher durchschnittliche Persönlichkeiten ganz groß rauskommen.

Man muss natürlich unterscheiden; Freikirche ist nicht Freikirche. Gerade aber in Freikirchen, in denen weniger auf das intellektuelle Niveau geachtet wird als darauf, dass der Gemeindeleiter "Jesus treu ist", besteht die Gefahr, dass sich alles auf ein niedriges Niveau einpendelt.

Man muss es klar sagen: In Deutschland sind die Freikirchler gering an Zahl und überwiegend überaltert. Überzeugende Führungspersönlichkeiten sucht man daher meistens vergebens. Man schlage ideaSpektrum auf und man wird immer dieselben Gesichter sehen.

Benutzeravatar
Lioba
Beiträge: 3676
Registriert: Dienstag 6. Januar 2009, 19:46

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Lioba »

Allerdings gab es in den letzten Jahrzehnten durchaus Entwicklungen etwa in der Ausbildung von Predigern, Gemeindeleitern und Ehrenamtlichen.
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

Stephen Dedalus
Beiträge: 5449
Registriert: Dienstag 7. September 2004, 15:28

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Stephen Dedalus »

Man kann das nicht über einen Kamm scheren.

Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Freikirchen und daher auch sehr unterschiedliche Strukturen.

Bei den kongregationalistischen Bünden (wie BEFG und BFEG) gibt es ein sehr stark ausgeprägtes Ältestenamt. Die Leitung der Gemeinde liegt weniger bei den theologisch ausgebildeten Pastoren, sondern bei den von der Gemeinde gewählten Ältesten. Dabei kann es - je nach Art der Gemeinde - ein Spannungsverhältnis zwischen einer basisdemokratischen Grundstruktur (Gemeindeversammlung) und einem autoritären Ältestenkreis geben. Oft sind die Ältesten in ihrer Amtsausübung recht frei und diese geschieht nicht immer in transparenter Form.

Bei anderen Freikirchen kann die Leitung entweder auf charismatischen Einzelpersonen (Leitern, Pastoren) oder auch bei einem gewählten Leitungsteam liegen.

Ganz anders sind die Methodisten strukturiert, die nicht nur eine klare Kirchenverfassung mit Bischofsamt haben, sondern auch eine Konnexionalstruktur, in der alle Leitungsgremien miteinander vernetzt sind. Die Leitung des Pfarrbezirks liegt in der Hand der Bezirkskonferenz (Leitung hat der Superintendent), die Leitung der Kirche in der der Jährlichen Konferenzen, deren Leitung der Bischof hat. Alle wesentlichen Gremien sind paritätisch mit Pastoren und Laien besetzt. Dieses System ist sehr demokratisch durch die Einbindung vieler, kennt aber auch die Amtsautorität von Bischöfen.
Man muss es klar sagen: In Deutschland sind die Freikirchler gering an Zahl und überwiegend überaltert. Überzeugende Führungspersönlichkeiten sucht man daher meistens vergebens. Man schlage ideaSpektrum auf und man wird immer dieselben Gesichter sehen.
Hieraus spricht doch einiges an unbegründetem landeskirchlichem Hochmut, wie mir scheint. Nicht nur ist häufig das theologische und geistliche Niveau in freikirchlichen Gemeinden höher als in so mancher Landeskirche. Die Gemeinden sind auch oft jünger. In meinem Heimatdorf in Deutschland sitzen sonntags in der Freikirche mehr Leute im Gottesdienst als sie Mitglieder hat. In der Landeskirche kommen ca. 12 Leute zum Gottesdienst. Kindergottesdienst gibt es nur in der Freikirche, das macht die Landeskirche schon gar nicht mehr.
If only closed minds came with closed mouths.

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 11380
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Edi »

asderrix hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:So geht es in vielen Freikirchen ab.
Zur Führung braucht man eine geistliche Autorität und die fehlt oft genug.
Es wird entweder vieles zugelassen, der Anpassung wegen oder man tritt als kleiner Despot auf.
Ja Edi, und in vielen Kirchen und überhaupt überall wo Leitung und Führung geschieht.
Man, lass endlich deine Freikirchenphopie mal behandeln :sauer:
Du lernst hier auch nichts dazu. Ich habe nur aus dem Link zitiert und verstanden hast du auch nichts.

Leitung und Führung muss sein, aber sie muss auch geistlich begründet sein und nicht nur der eigenen Machtgier dienen und das gilt selbstverständlich für alle Kirchen und Gemeinden und nicht nur für Freikirchen. Lesen würde ja bilden, wenn du nur nicht auf einem Auge dermassen blind wärst. Unsereins hat auch die grossen Kirchen(fürsten) deutlich schon kritisiert, aber das entgeht dir ja offensichtlich dauernd. Du bist doch hier derjenige, der immer wieder empfindlich reagiert, obwohl deine eigene Richtung hier gar nicht einmal speziell angesprochen war. Spezielle andere Freikirchen, von denen du auch nicht allzuviel hält, kommen ja eher für überautoritäre Vorgehensweise infrage. Wer sich auskennt, der weiss, wen ich meine.
Zudem dürfte es mindenstens partiell so sein, dass Freikirchen, die in einem Verband organisiert sind, kaum einen eigenen "Papst" haben, also jene, die eine ganz selbstständige, autarke Ortsgemeinde haben.
Übrigens habe ich nicht gesagt, das immer alles fehlt. Es gibt auch Autoritäten, die überzeugend sind. Ansonsten reden wir hier über Freikirchen und nicht über andere. Vielelicht hast du das auch nich nicht gemerkt.
Zuletzt geändert von Edi am Mittwoch 29. September 2010, 22:10, insgesamt 1-mal geändert.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

Amandus2
Beiträge: 894
Registriert: Dienstag 25. August 2009, 19:24
Wohnort: Berlin

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Amandus2 »

Stephen Dedalus hat geschrieben:Man kann das nicht über einen Kamm scheren.

Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Freikirchen und daher auch sehr unterschiedliche Strukturen.

Bei den kongregationalistischen Bünden (wie BEFG und BFEG) gibt es ein sehr stark ausgeprägtes Ältestenamt. Die Leitung der Gemeinde liegt weniger bei den theologisch ausgebildeten Pastoren, sondern bei den von der Gemeinde gewählten Ältesten. Dabei kann es - je nach Art der Gemeinde - ein Spannungsverhältnis zwischen einer basisdemokratischen Grundstruktur (Gemeindeversammlung) und einem autoritären Ältestenkreis geben. Oft sind die Ältesten in ihrer Amtsausübung recht frei und diese geschieht nicht immer in transparenter Form.

Bei anderen Freikirchen kann die Leitung entweder auf charismatischen Einzelpersonen (Leitern, Pastoren) oder auch bei einem gewählten Leitungsteam liegen.

Ganz anders sind die Methodisten strukturiert, die nicht nur eine klare Kirchenverfassung mit Bischofsamt haben, sondern auch eine Konnexionalstruktur, in der alle Leitungsgremien miteinander vernetzt sind. Die Leitung des Pfarrbezirks liegt in der Hand der Bezirkskonferenz (Leitung hat der Superintendent), die Leitung der Kirche in der der Jährlichen Konferenzen, deren Leitung der Bischof hat. Alle wesentlichen Gremien sind paritätisch mit Pastoren und Laien besetzt. Dieses System ist sehr demokratisch durch die Einbindung vieler, kennt aber auch die Amtsautorität von Bischöfen.
Man muss es klar sagen: In Deutschland sind die Freikirchler gering an Zahl und überwiegend überaltert. Überzeugende Führungspersönlichkeiten sucht man daher meistens vergebens. Man schlage ideaSpektrum auf und man wird immer dieselben Gesichter sehen.
Hieraus spricht doch einiges an unbegründetem landeskirchlichem Hochmut, wie mir scheint. Nicht nur ist häufig das theologische und geistliche Niveau in freikirchlichen Gemeinden höher als in so mancher Landeskirche. Die Gemeinden sind auch oft jünger. In meinem Heimatdorf in Deutschland sitzen sonntags in der Freikirche mehr Leute im Gottesdienst als sie Mitglieder hat. In der Landeskirche kommen ca. 12 Leute zum Gottesdienst. Kindergottesdienst gibt es nur in der Freikirche, das macht die Landeskirche schon gar nicht mehr.




Die Methodisten gehören ganz sicher zu den sympathischen Freikirchen, allerdings befindet sich ihre Mitgliederzahl im freien Fall. Außerdem unterscheiden sich die Methodisten von den Landeskirchen nur noch dadurch, dass bei ihnen alles gemütlicher ist (jeder kennt die gesamte Lebensgeschichte von jedem) und dass sie keine Steuern zahlen; theologisch gibt es kaum noch Unterschiede.

Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von asderrix »

Amandus2 hat geschrieben:Historisch gesehen sind die meisten Freikirche die "Kirche der kleinen Leute". Dort können auch heute noch eher durchschnittliche Persönlichkeiten ganz groß rauskommen.
Wenn du die Gründerväter mancher Freikirchen anschaust, waren das gebildete Leute, teils aus den obersten Schichten, die dann sicher diese Standesdünkel beiseite ließen und eben auch mit Christen der unteren Bevölkerungsschichten Gemeinschaft hatten, Gemeinde lebten.
Was sind durchschnittliche Persönlichkeiten?
Was ist der Unterschied zu einem Pfarrgemeinderat oder einem Kirchenvorstand, sind nicht auch dort im Idealfall Christen der verschiedensten Schichten, wenn sie die geistliche Voraussetzung haben?
Überzeugende Führungspersönlichkeiten sucht man daher meistens vergebens.
Ich sehe es eigentlich so, dass gerade überzeugende Führungspersönlichkeiten oft aus Freikirchen kommen, ich kenne keine Statistik, aber ich vermute prozentual häufiger als aus Großkirchen.
Jedes Gedächtnismahl sagt: Das Beste kommt noch!

Amandus2
Beiträge: 894
Registriert: Dienstag 25. August 2009, 19:24
Wohnort: Berlin

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Amandus2 »

In der Heilsarmee zum Beispiel kann eine Kindergärtnerin zwei Jahre lang die "Kadettenschule" besuchen und danach eine Gemeinde leiten und predigen.....

Bei den Neuapostolischen haben die Predigten ein geradezu erschreckendes Niveau, weil eine akademische theologische Ausbildung als eher negativ angesehen wird.

Bei der Büdergemeinde (mit "d") predigen nebenberufliche "Älteste", die hauptberuflich Berufe wie Schlachtermeister und Filialleiter bei der Volksbank haben.


Es ist schon sehr sinnvoll, wenn Leute, die die ihre Mitmenschen anpredigen wollen, eine gründliche akademische Ausbildung haben!

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 11380
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Edi »

Amandus2 hat geschrieben: Bei den Neuapostolischen haben die Predigten ein geradezu erschreckendes Niveau, weil eine akademische theologische Ausbildung als eher negativ angesehen wird.

Bei der Büdergemeinde (mit "d") predigen nebenberufliche "Älteste", die hauptberuflich Berufe wie Schlachtermeister und Filialleiter bei der Volksbank haben.

Es ist schon sehr sinnvoll, wenn Leute, die die ihre Mitmenschen anpredigen wollen, eine gründliche akademische Ausbildung haben!
Ich sehe das erchreckende Niveau bei den Aposteln wie man bei uns zu ihnen sagt, aus ganz andern Gründen. Eine akademische Ausbildung ist noch kein Garant für Qualität und es können auch Nichtakademiker zum Teil gut predigen. Bei den Brüdern gibt es auch ordentliche Prediger, ebenso auch ungeeignete. Das hängt nicht vom Beruf ab. Zudem gibt es genug Akademiker in den grossen Kirchen, die mehr oder weniger Schrott predigen, das geht bis hin zu Bischöfen. Da sind mir manche Freikirchenprediger lieber, aber eben längst nicht alle.

Zu den Struktuen noch etwas. Freikirchen haben oft sog. Älteste, die zusamen mit dem Gemeindeleiter die Richtung bestimmen. Es gibt aber auch da Leiter, die die Meinung der Ältesten wenig berücksichtigen und lieber autoritär regieren. Das sind die Ältesten eher nur zur Zierde da. Aber das kann man nicht verallgemeinern. Es ist eben Freikirche nicht gleich Freikirche, denn es gibt sehr viele Varianten, die sich ja auch deutlich in ihrer theologischen Meinung unterscheiden, was auch bis in die Strukuren der Gemeinden hineingeht.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von asderrix »

Edi, du hast nichts zur Eingangsfrage oder dem Thema geschrieben, sondern nur einen Schuss gegen Freikirchen gebracht, wie eigentlich immer!
Edi hat geschrieben:Du lernst hier auch nichts dazu. .
Ja ich geb's zu, ich hab dich immer noch ernst genommen, das werd ich ändern.
Jedes Gedächtnismahl sagt: Das Beste kommt noch!

Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von asderrix »

Amandus2 hat geschrieben:Es ist schon sehr sinnvoll, wenn Leute, die die ihre Mitmenschen anpredigen wollen, eine gründliche akademische Ausbildung haben!
Ich bin der Meinung, es ist sinnvoll, wenn Leute die ihre Mitmenschen anpredigen wollen ihren Mund halten, egal ob sie Straßenkehrer oder Dr. der Theologie sind.

Voraussetzung für den Predigtdienst ist die Bevollmächtigung durch Gott, und da nahm er von Anfang an Fischer Zeltmacher, Zöllner und Theologen.
Jedes Gedächtnismahl sagt: Das Beste kommt noch!

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 11380
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Edi »

asderrix hat geschrieben:Edi, du hast nichts zur Eingangsfrage oder dem Thema geschrieben, sondern nur einen Schuss gegen Freikirchen gebracht, wie eigentlich immer!
Edi hat geschrieben:Du lernst hier auch nichts dazu. .
Ja ich geb's zu, ich hab dich immer noch ernst genommen, das werd ich ändern.
Ich habe mich zunächst mehr auf gewisse, manchmal auffällige Aussagen, wenn auch nicht zu verallgemeinermde Aussagen aus dem Link von Lioba bezogen, aber wie du siehst habe ich in meinem vorletzen Schreiben auch etwas zur Struktur geschrieben und der Inhalt des Links hängt ja auch mit der jeweilig praktizierten Struktur zusammen.
Übrigens weisst du selber sehr genau, dass längst nicht ale Aussagen über Freikirchen verallgemeinert werden können und man jeweils immer die betreffende Freikirche genau bezeichnen müsste. Von daher wäre die Frage von Lioba für jede einzelne Gruppe besonders zu stellen. Was ich oben angemerkt habe, trifft für manche zu, für andere nicht. Die Kenner werden merken, welche besonders gemeint sind.
Beschwer dich doch mal darüber, dass man oft genug alle Freikirchen pauschal abhandelt, was aber eigentlich gar nicht geht. Wir machen es oft der Einfachheit trotzdem (und hier ist schon in der Überschrift des Threds auch allgemein von Freikirchen die Rede) korrekt ist es aber nicht, aber auch das wirst du wissen. Die Neuapostolische Kirche, die hier auch erwähnt wurde und als Freikirche gilt, hat z.B. eine ganz andere Struktur (sog, Bischofsamt, ja sogar einen Stammapostel, der hauptsächlich und letztlich bestimmend war und ist) als viele andere Freikirchen. Da ist das, was ich zum Teil erwähnte besonders passend. wogegen es bei andern Richtungen mehr einen Austausch der Brüder gibt.
Man sieht also, dass es, wie gesagt, Freikirchen ganz, ganz unterschiedlicher Prägung und Struktur gibt. Warum du dich aufregst, wenn man bestimmte Dinge, die zudem auch Stadelmann erwähnt und die man ebenso auch in den Grosskirchen findet, hervorhebt, kann ich nicht nachvollziehen. Autorität braucht es in Gemeinden, ganz eindeutig, aber sie muss auch eine geistliche sein, was damit zu tun hat, dass die Autoritäten, nicht ihre eigenen Weisheiten erzählen, sondern mindestens teilweise von Gott geführt sind und die auch menschlich genug mitbringen.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

Benutzeravatar
Lioba
Beiträge: 3676
Registriert: Dienstag 6. Januar 2009, 19:46

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Lioba »

Stränge, in denen einzelne Freikirchen vorgestellt werden gibt es bereits, da werden auch Strukturen erwähnt.
Was bei Stadelmann sehr deutlich wird ist das christliche Verständnis von Amt als Dienst und Berufung.
Einiges, was er sagt, liesse sich auf jede der 3 Führungsweisen anwenden. Vor allem der letzte Absatz, in dem er verdeutlicht, dass letztlich Gott der Herr ist und auch seine Feststellung, dass Amt und allgemeines Priestertum nicht im Widerspruch stehen, sondern einander ergänzen sollen.
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

Stephen Dedalus
Beiträge: 5449
Registriert: Dienstag 7. September 2004, 15:28

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Stephen Dedalus »

asderrix hat geschrieben:
Amandus2 hat geschrieben:Es ist schon sehr sinnvoll, wenn Leute, die die ihre Mitmenschen anpredigen wollen, eine gründliche akademische Ausbildung haben!
Ich bin der Meinung, es ist sinnvoll, wenn Leute die ihre Mitmenschen anpredigen wollen ihren Mund halten, egal ob sie Straßenkehrer oder Dr. der Theologie sind.

Voraussetzung für den Predigtdienst ist die Bevollmächtigung durch Gott, und da nahm er von Anfang an Fischer Zeltmacher, Zöllner und Theologen.
:klatsch: :klatsch: :klatsch:
If only closed minds came with closed mouths.

Stephen Dedalus
Beiträge: 5449
Registriert: Dienstag 7. September 2004, 15:28

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Stephen Dedalus »

Amandus2 hat geschrieben: Bei der Büdergemeinde (mit "d") predigen nebenberufliche "Älteste", die hauptberuflich Berufe wie Schlachtermeister und Filialleiter bei der Volksbank haben.

Es ist schon sehr sinnvoll, wenn Leute, die die ihre Mitmenschen anpredigen wollen, eine gründliche akademische Ausbildung haben!
Ein Theologiestudium macht noch keinen guten Prediger. Das haben wir alle schon häufig erlebt. Mancher Laienprediger hat deutlich mehr zu sagen.

Meine Erfahrung ist, daß so mancher landeskirchliche Pastor, der Sonntag für Sonntag vor einer fast leeren Kirche predigt, am Ende den Weg des kleinsten gemeinsamen Nenners sucht und dabei sein Niveau sehr weit nach unten drückt. In vielen freikirchlichen Gemeinden ist hingegen das geistliche Bewußtsein sehr ausgeprägt, sodaß sogar selbst Laienprediger sich intensiv auf ihre Predigten vorbereiten und sehr ordentliche Sachen abliefern.
If only closed minds came with closed mouths.

Benutzeravatar
Lioba
Beiträge: 3676
Registriert: Dienstag 6. Januar 2009, 19:46

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Lioba »

Gibt es eigentlich noch die Reisebrüder? Theologisch ausgebildete Prediger, die besuchweise in die Gemeinden kommen, dort predigen, Bibelwochen oder Evangelisationen abhalten?
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 11380
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Edi »

Lioba hat geschrieben:Gibt es eigentlich noch die Reisebrüder? Theologisch ausgebildete Prediger, die besuchweise in die Gemeinden kommen, dort predigen, Bibelwochen oder Evangelisationen abhalten?
Mir ist dieser Begriff Reseibrüder neu, aber es gibt bestimmt noch Prediger, die regelmässig für einige Tage in verschiedene Gemeinden kommen. Ich habe selber früher mal an solchen Tagen oder Konferenzen wie man sie da und dort auch nannte, wo bestimmte Lebensthemen drangenommen wurden, teilgenommen, auch wenn ich sonst nicht in die Gemeinde ging, die das veranstaltet hat. Im Grossen und Ganzen waren diese Tage, so ein guter Prediger kam, immer eine Bereicherung.

Einer, der auch ein Buch über Tersteegen geschrieben hat, hat das über viele Jahre gemacht, ist inzwischen aber sehr alt und wird in Rente sein. Der gute Mann, der der Pfingstrichtung angehört, hat allerdings geschrieben, das geistliche Niveau in diesen Gemeinden sei aus seiner Sicht über die Jahrzehnte eher schlechter geworden.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

Amandus2
Beiträge: 894
Registriert: Dienstag 25. August 2009, 19:24
Wohnort: Berlin

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Amandus2 »

Edi hat geschrieben:
Lioba hat geschrieben:Gibt es eigentlich noch die Reisebrüder? Theologisch ausgebildete Prediger, die besuchweise in die Gemeinden kommen, dort predigen, Bibelwochen oder Evangelisationen abhalten?
Mir ist dieser Begriff Reseibrüder neu, aber es gibt bestimmt noch Prediger, die regelmässig für einige Tage in verschiedene Gemeinden kommen. Ich habe selber früher mal an solchen Tagen oder Konferenzen wie man sie da und dort auch nannte, wo bestimmte Lebensthemen drangenommen wurden, teilgenommen, auch wenn ich sonst nicht in die Gemeinde ging, die das veranstaltet hat. Im Grossen und Ganzen waren diese Tage, so ein guter Prediger kam, immer eine Bereicherung.

Einer, der auch ein Buch über Tersteegen geschrieben hat, hat das über viele Jahre gemacht, ist inzwischen aber sehr alt und wird in Rente sein. Der gute Mann, der der Pfingstrichtung angehört, hat allerdings geschrieben, das geistliche Niveau in diesen Gemeinden sei aus seiner Sicht über die Jahrzehnte eher schlechter geworden.




Bedauerlich, dass Tersteegen von den Pfingstlern/Evangelikalen für sich vereinnahmt wird. Er war alles andere als evangelikal!

Stephen Dedalus
Beiträge: 5449
Registriert: Dienstag 7. September 2004, 15:28

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Stephen Dedalus »

Wer redet denn von Vereinnahmung? Dürfen Evangelikale keine Tersteegenlieder singen?
If only closed minds came with closed mouths.

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 11380
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Edi »

Amandus2 hat geschrieben:Bedauerlich, dass Tersteegen von den Pfingstlern/Evangelikalen für sich vereinnahmt wird.
Das hat ausser dir niemand behauptet. Der Mann hat als Privatperson eben eine Lebensbeschreibung von Tersteegen ( http://www.amazon.de/Gerhard-Tersteegen ... 2&sr=1-34 ) geschrieben. Darf er das nicht?
Im übrigen geht er gerade in diesem Buch in den Fußnoten recht kritisch mit den heutigen Auswüchsen im Pfingstlertum um, indem er sich auch auf Tersteegens geistliches Leben bezieht.

Nach meiner Erfahrung interessieren sich die Pfingstler ohnehin nicht für Tersteegen, der ist ihnen wohl zu anspruchsvoll und würde auch vielem widersprechen, was die heute teilweise lehren.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von asderrix »

Lioba hat geschrieben:Gibt es eigentlich noch die Reisebrüder? Theologisch ausgebildete Prediger, die besuchweise in die Gemeinden kommen, dort predigen, Bibelwochen oder Evangelisationen abhalten?
Ja, die Ausbildung dieser Brüder ist aber nicht reglementiert. Es gibt solche die ein Theologiestudium absolvierten, die eine ein bis vierjährige Bibelschulausbildung absolvierten, aber auch solche die keinerlei theologische Ausbildung hatten, sondern sich ihr Wissen autodidaktisch aneigneten.
Viele der Ältesten und Verantwortlichen haben aber auch eine ein oder zwei Jährige Bibelschulausbildung und sind dann zurück in den Beruf.
Jedes Gedächtnismahl sagt: Das Beste kommt noch!

Benutzeravatar
Lioba
Beiträge: 3676
Registriert: Dienstag 6. Januar 2009, 19:46

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Lioba »

Edi, die Pfingstler gehören natürlich auch ins freikirchkirchliche Spektrum und deine Erfahrung mit Freikirchlern betrifft vermutlich hauptsächlich Pfingstler. Allerdings sieht es in den diversen Freikirchen sehr verschieden aus. Die kleinen selbständigen Gruppen,m die sich von den lutherischen und reformierten Landeskirchen abgespaltet hatten- z.B. die Selkies und die Selbständig-Reformierten hatten von vornherein eine Gemeindeordnung mitgebracht und ein Ausbildungsniveau, dass mit den Ursprungsgemeinden vergleichbar ist- bloß frömmer.
In den klassischen Freikirchen ist der gelegentliche Mangel an Niveau durch mangelnde Ausbildungsmöglichkeiten bedingt und regional sehr verschieden. Da holt Deutschland gerade sehr auf. Seien wir ehrlich- in den Großkirchen sinkt es eher. Immer weniger Priester/Pfarrer haben ein altsprachliches Gymnasium besucht- früher eine Selbverständlichkeit. Folglich werden Hebräisch , Griechisch und Latein studienbegleitend bzw. studienvorbereitend erlernt. Das ist aber nicht zu vergleichen mit einer gründlichen Kenntnis. Dazu interessiert Frommes immer weniger, Kirchengeschichte und Patristik sind :gaehn: .Wenn ich mir manche Predigt anhöre, habe ich den Eindruck, dass der Herr oder die Frau Pfarrer die Homiletikvorlesungen fürs Mittagsschläfchen genutzt haben.
Und genau dort haben die Freikirchen ihren Nachholbedarf längst erkannt und handeln entsprechend.
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

Stephen Dedalus
Beiträge: 5449
Registriert: Dienstag 7. September 2004, 15:28

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Stephen Dedalus »

Außerdem findet man in Freikirchen häufig leidenschaftliche Prediger, was in den Großkirchen seltener der Fall ist.
If only closed minds came with closed mouths.

Benutzeravatar
Lioba
Beiträge: 3676
Registriert: Dienstag 6. Januar 2009, 19:46

Re: Strukturen in Freikirchen

Beitrag von Lioba »

Es gibt noch ein paar! Sogar sehr gute! Auch unter den restlichen Haupt- und Ehrenamtlichen findest du prima Leute- die sind bloß nicht im Vordergrund.Leider ist jahre- und jahrzehntelange solide Arbeit nicht so angesagt wie Aktionismus, mit dem Ergebnis, dass selbst nach guten Aktionen, die Menschen angezogen haben, dann nichts nachkommt.
Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
M. v. Ebner- Eschenbach

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema