Kinderglaube - Erwachsenenglaube

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Sempre
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Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Sempre »

Gestern sprach der regierende Hl. Vater vor den römischen Pfarrern über unser Thema hier:
BENEDETTO XVI hat geschrieben: Certo, in questi ultimi decenni, abbiamo vissuto anche un altro uso della parola «fede adulta». Si parla di «fede adulta», cioè emancipata dal Magistero della Chiesa. Fino a quando sono sotto la madre, sono fanciullo, devo emanciparmi; emancipato dal Magistero, sono finalmente adulto. Ma il risultato non è una fede adulta, il risultato è la dipendenza dalle onde del mondo, dalle opinioni del mondo, dalla dittatura dei mezzi di comunicazione, dall’opinione che tutti pensano e vogliono. Non è vera emancipazione, l’emancipazione dalla comunione del Corpo di Cristo! Al contrario, è cadere sotto la dittatura delle onde, del vento del mondo. La vera emancipazione è proprio liberarsi da questa dittatura, nella libertà dei figli di Dio che credono insieme nel Corpo di Cristo, con il Cristo Risorto, e vedono così la realtà, e sono capaci di rispondere alle sfide del nostro tempo.
Zusammengefasst: Der emanzipierte Erwachsenenglaube, von dem in den vergangenen Jahrzehnten die Rede ist, bedeutet eine Emanzipation von der Mutter Kirche, eine Emanzipation vom Leib Christi, eine Emanzipation vom Lehramt der Kirche. Das Resultat ist aber tatsächlich kein erwachsener Glaube, sondern eine Abhängigkeit von den wie Wind und Wellen schwankenden Meinungen der Welt, von der Diktatur der Medien und der Massen. Die wahre Emanzipation besteht darin, sich von solcher Diktatur zu befreien, Kind Gottes im Leib Christi zu sein und die Realität zu sehen sowie ihren Herausforderungen zu begegnen.



Der Pegelstand des intellektuellen Niveaus in den Geisteswissenschaften wurde 1996 von dem (linken) Physiker Alan Sokal mittels eines Experiments in der freien Wildbahn bestimmt:
Wikipedia hat geschrieben:Die Sokal-Affäre (auch Sokal-Debatte, -Kontroverse) war eine Auseinandersetzung über die intellektuellen Standards in den Sozial- und Geisteswissenschaften, die durch die Veröffentlichung eines Hoax-Artikels des Physikers Alan Sokal in der sozialwissenschaftlichen Fachzeitschrift „Social Text“ ausgelöst wurde. Sokals Artikel war in postmodernem Jargon formuliert und absichtlich mit zahlreichen logischen und inhaltlichen Fehlern versehen, was von den Redakteuren der Zeitschrift jedoch nicht erkannt wurde. Es folgte eine wissenschaftstheoretische und öffentliche Debatte über mangelnde intellektuelle Strenge bei der Bewertung pseudowissenschaftlicher Artikel in den Sozial- und Geisteswissenschaften und einen möglicherweise schädlichen Einfluss postmoderner Philosophie auf diese Wissenschaften. Weiterhin wurde diesen Disziplinen vorgeworfen, naturwissenschaftliche Konzepte in sinnloser oder missbräuchlicher Weise für ihre Lehren zu verwenden.

[...]

Dieser Vorfall löste im akademischen Milieu und der Presse [...] eine öffentliche Diskussion aus, wie dieser Vorfall im Besonderen und die Seriosität der postmodernen Philosophie im Allgemeinen zu bewerten sei.

[...]

1997 veröffentlichte Sokal zusammen mit seinem belgischen Kollegen Jean Bricmont dazu ein Buch mit dem Titel Impostures Intellectuelles (übersetzt: Intellektuelle Hochstapeleien, deutscher Titel: Eleganter Unsinn — Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften missbrauchen), in dem er seine Thesen erklärt und an Beispielen von Texten bedeutender postmoderner französischer Philosophen erläutert (namentlich [...] und – obwohl kein Postmoderner, als historisches Beispiel – Henri Bergson).
(Meine Hervorhebung)
Multi venient in nomine meo, id est in nomine corporis mei. (Tichonius Africanus)
———
Quomodo facta est meretrix civitas fidelis (Is 1:21)

Raphael

Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Raphael »

@ sempre

Könntest Du dann bitte 'mal kurz darlegen, inwieweit der katholische Glaube in einem streng wissenschaftlichen Sinne logisch ist? :hmm:

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Robert Ketelhohn
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Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Logisch ist logisch, ob für Hausverstand oder Wissenschaft.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Raphael

Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Raphael »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Logisch ist logisch, ob für Hausverstand oder Wissenschaft.
........ und eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. (Gertrude Stein)

Das beantwortet aber nicht die Frage, ob der katholische Glaube Hausverstand oder Wissenschaft ist! :blinker:

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Protasius
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Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Protasius »

Raphael hat geschrieben:
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Logisch ist logisch, ob für Hausverstand oder Wissenschaft.
........ und eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. (Gertrude Stein)

Das beantwortet aber nicht die Frage, ob der katholische Glaube Hausverstand oder Wissenschaft ist! :blinker:
Falls ich mich da nicht gerade vertue, gibt es im Glauben der Kirche für alles eine vernünftige und logische Begründung. Insoweit ist der Glaube der Kirche logisch.
Der Glaube der Kirche ist auch Wissenschaft, da die Theologie (wenigstens im Idealzustand) den Glauben erforscht und eine Wissenschaft ist. Aber diesen Teil kann mit Sicherheit jemand anderes besser erklären.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

Raphael

Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Raphael »

Ich finde es ja ausgesprochen freundlich von Euch zwei Beiden, wenn ihr hier dem sempre hilfreich zur Seite springen wollt, doch ich hatte schon ganz bewußt meine Frage in der oben formulierten Weise an sempre gestellt! :roll:

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Sempre
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Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Sempre »

@raphael

Wie der regierende Hl. Vater dargelegt hat, besteht der (erwachsene) Glaube darin, sich von der Diktatur der wie Wind und Wellen schwankenden Meinungen der Welt zu emanzipieren und dem Lehramt* der Kirche zu vertrauen und zu glauben. Bei einem solchen Akt des Glaubens spielen auf der Seite des Menschen der Verstand sowie der Wille mit und von Gott her die Gnade (siehe dazu den KKK). Der Verstand wird benötigt, weil man nicht etwas glauben kann, was man nicht wenigstens in Grundzügen verstanden hat.

Du fragst nun, inwieweit der katholische Glaube in einem streng wissenschaftlichen Sinne logisch sei. Ich verstehe Deine Frage so: Inwieweit ist der Glaube im Sinne der Lehre des rationalen Schlussfolgerns rational geschlussfolgert?

Die Antwort lautet: Gar nicht! Die Existenz sowie auch die Personalität Gottes sind Schlussfolgerungen, die sich auf Basis der Grundgesetze des Denkens und aller Erfahrung zwingend ergeben. Auch das natürliche sittliche Gesetz ist natürlich erschließbar. Dass wir aber von der Erbsünde betroffen sind und dass Gott Mensch geworden ist und sich geopfert hat, um uns zu erlösen, das sind keine zwingenden Schlussfolgerungen. Das kann man nur glauben - wenn man kann. Bzw. man muss es nur wollen, darum bitten und zeigen, dass man wirklich will, dann schenkt der Herr die notwendige Gnade, es zu können.

Ansonsten ist der Glaube in sich logisch, er ist konsistent, wenn man die Offenbarung inkl. Kirche akzeptiert. Es gibt auch keine ernstzunehmenden anderweitigen Erkenntnisse, die ihn konterkarierten. Solche sind nicht bekannt und in Zukunft nicht zu erwarten.

Der regierende Hl. Vater spricht von der wahren Emanzipation, die nicht darin besteht, den schwankenden Meinungen der Welt zu vertrauen. Das betrifft vor allem die Medien, sonst aber alle Meinungsmacher in der Gesellschaft, die auf vielerlei Weise bewusst oder unbewusst die Lehre der katholischen Kirche zu untergraben, zu unterminieren suchen. Dazu gehören auch die moderne Philosophie, die modernen Wissenschaften, die ein Ansehen genießen, das sie bei genauerem Hinsehen bei weitem nicht verdienen. Ich habe aus einem Artikel über den (linken) Physiker Alan David Sokal zitiert, weil er ein Anhänger des Realismus ist. Er ist inzwischen Inhaber des Lehrstuhls für statistische Mechanik und Kombinatorik am University College in London. Er hat die ganzen modernen und postmodernen Wissenschaftler (Theologen inklusive), deren Welt seit Kant allein aus menschlichen Oberstübchen besteht, aus personalen Beziehungen und/oder sprachlichen und sozialen Konstrukten, mal ordentlich blamiert.

Der Realist geht davon aus, dass ein :ikb_shit: ein :ikb_shit: ist, und kein sprachlich oder gesellschaftlich vereinbartes Konstrukt. Ebenso sind etwa auch die natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau keine Konstrukte unserer Oberstübchen. Der Realist unterscheidet die objektive Wirklichkeit und das, was in den Oberstübchen abgeht. Korrespondiert ein Gedanke, eine Aussage mit der Wirklichkeit, dann ist er/sie wahr.

Hinter der Rede vom Kinderglauben, vom kindischen Glauben, steht ein kindisches Vertrauen naiver Zeitgenossen in spinnerte Philosophie und Wissenschaft, die stolz wähnt, sich von der Realität befreit zu haben. Gerade so wie Pippi Langstrumpf: Ich mach mir die Welt, widde widde wie sie mir gefällt. Wenn man dann ganz mit sich selbst beschäftigt mitten im Liverollenspiel drinsteckt, vergisst man, dass man ja den Wahrheitsbegriff relativiert hat, und tut so, als seien alle anderen dämlich, kindisch usf. (schließlich auch gefährlich), die sich wider die Spielregeln verhalten. Wir Langstrümpfe sind die wahren Weisen und alle Erwachsenen sind doof, Spielverderber und schließlich: kindisch.

Das ganze ist eine Seuche, die die Oberstübchen in der ganzen Welt vergiftet und die im vergangenen Jahrhundert auch in die Kirche eingedrungen ist. Seither sind Langstrümpfe innerhalb der Kirche damit beschäftigt, den wahren Glauben der Kirche Gottes zu zerstören und ihn bereits den Kindern systematisch auszutreiben.

Der italienische Historiker und schriftstellerisch exzellente Roberto de Mattei hat dokumentiert, wie die Pippi Langstrümpfe der Kirche im vergangenen Jahrhundert ihre Phantastereien in die Tat umgesetzt haben, selbst eine Kirche zu machen, nicht wie sie von unserem Herrn gestiftet und durch die Jahrhunderte begleitet wurde, sondern eine kunterbunte Kirche, widde widde wie sie uns gefällt.



*) Debatten über lebendiges Lehramt vs. Lehramt aller Zeiten am besten in der Sakramentskapelle.
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Raphael

Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Raphael »

@ sempre
Sempre hat geschrieben:Du fragst nun, inwieweit der katholische Glaube in einem streng wissenschaftlichen Sinne logisch sei. Ich verstehe Deine Frage so: Inwieweit ist der Glaube im Sinne der Lehre des rationalen Schlussfolgerns rational geschlussfolgert?
Zunächst einmal Dank für die ausführliche Antwort, die nichtsdestoweniger nicht ganz die Erwartungen erfüllen konnte. Denn es geht im Glauben natürlich nicht darum, zu erkennen, ob ein Scheißhaufen ein Scheißhaufen ist, dafür ist ein Scheißhaufen ein vielzusehr weltlich Ding ..........

In vielerlei Hinsicht ist diese Antwort viel zu kritisch ausgefallen, denn das lebendige Lehramt sieht bspw. die modernen philosophischen Strömungen viel positiver als es in Deinem Statement durchklingt. Es schreibt bspw. in der lfd. Nr. 3 von Fides et Ratio:
Der Mensch besitzt vielfältige Möglichkeiten, um den Fortschritt in der Wahrheitserkenntnis voranzutreiben und so sein Dasein immer menschlicher zu machen. Unter diesen ragt die Philosophie hervor, die unmittelbar dazu beiträgt, die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen und die Antwort darauf zu entwerfen: sie stellt sich daher als eine der vornehmsten Aufgaben der Menschheit dar. Seiner etymologischen Herkunft aus dem Griechischen entsprechend bedeutet das Wort Philosophie »Liebe zur Weisheit«. Die Entstehung und Entfaltung der Philosophie fällt tatsächlich genau in die Zeit, als der Mensch begonnen hat, sich nach dem Grund der Dinge und nach ihrem Ziel zu fragen. Sie zeigt in verschiedenen Arten und Formen, daß das Streben nach Wahrheit zur Natur des Menschen gehört. Es ist eine seiner Vernunft angeborene Eigenschaft, sich nach dem Ursprung der Dinge zu fragen, auch wenn sich die nach und nach gegebenen Antworten in einen Horizont einfügen, der die Komplementarität der verschiedenen Kulturen, in denen der Mensch lebt, deutlich macht.

Die Tatsache, daß sich die Philosophie stark auf die Gestaltung und Entwicklung der Kulturen des Abendlandes auswirkte, darf uns nicht den Einfluß vergessen lassen, den sie auch auf die Daseinsvorstellungen ausgeübt hat, aus denen der Orient lebt. Jedes Volk besitzt nämlich seine ihm eigene Ur-Weisheit, die als echter Reichtum der Kulturen danach strebt, sich auch in rein philosophischen Formen auszudrücken und zur Reife zu gelangen. Wie sehr das zutrifft, beweist der Umstand, daß eine bis in unsere Tage gegenwärtige Grundform philosophischen Wissens sogar in den Postulaten nachweisbar ist, denen die verschiedenen nationalen und internationalen Gesetzgebungen bei der Regelung des gesellschaftlichen Lebens folgen.
Und weiter in der lfd. Nr. 9:
Das I. Vatikanische Konzil lehrt also, daß die durch philosophisches Nachdenken erlangte Wahrheit und die Wahrheit der Offenbarung weder sich miteinander vermischen noch einander überflüssig machen. »Es gibt zwei Erkenntnisordnungen, die nicht nur im Prinzip, sondern auch im Gegenstand verschieden sind: im Prinzip, weil wir in der einen [Ordnung] mit der natürlichen Vernunft, in der anderen mit dem göttlichen Glauben erkennen; im Gegenstand aber, weil uns außer der Wahrheit, zu der die natürliche Vernunft gelangen kann, in Gott verborgene Geheimnisse zu glauben vorgelegt werden, die, wenn sie nicht von Gott geoffenbart wären, nicht bekannt werden könnten«. (7) Der Glaube, der sich auf das Zeugnis Gottes gründet und der übernatürlichen Hilfe der Gnade bedient, ist in der Tat von einer anderen Ordnung als die philosophische Erkenntnis. Denn diese stützt sich auf die Sinneswahrnehmung, auf die Erfahrung und bewegt sich allein im Licht des Verstandes. Die Philosophie und die Wissenschaften schweifen im Bereich der natürlichen Vernunft umher, während der vom Geist erleuchtete und geleitete Glaube in der Heilsbotschaft die »Fülle von Gnade und Wahrheit« (vgl. Joh 1, 14) erkennt, die Gott in der Geschichte endgültig durch seinen Sohn Jesus Christus offenbart hat (vgl. 1 Joh 5, 9; Joh 5, 31-32).
Da kann man doch nur vernünftiger Weise schlußfolgern: Philosophiert fleißig weiter, Ihr Menschen aller Nationen, denn wenn man sich auf einer ehrlichen Wahrheitssuche befindet, wird man diese auch finden!

Es besteht also kein Anlaß, Alan David Sokal zum Propheten auszurufen ......

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Sempre
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Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Sempre »

@Raphael

Und weiter in Nr. 43:
Johannes Paul II. hat geschrieben:Aus diesem Grund ist der hl. Thomas zu Recht von der Kirche immer als Lehrmeister des Denkens und Vorbild dafür hingestellt worden, wie Theologie richtig betrieben werden soll. [...]

Zutiefst davon überzeugt, daß »omne verum a quocumque dicatur a Spiritu Sancto est«, (50) liebte der hl. Thomas in uneigennütziger Weise die Wahrheit. Er suchte sie überall, wo sie sich zeigen könnte, und machte ihre Universalität höchst einsichtig. Das Lehramt der Kirche hat in ihm die Leidenschaft für die Wahrheit erkannt und gewürdigt; sein Denken erreichte, eben weil es immer im Horizont der universalen, objektiven und transzendenten Wahrheit blieb, »Gipfel, wie sie die menschliche Intelligenz niemals zu denken vermocht hätte«. (51) Er darf also mit Recht »Apostel der Wahrheit« (52) genannt werden. Weil er die Wahrheit vorbehaltlos anstrebte, konnte er in seinem Realismus deren Objektivität anerkennen.
Seine Philosophie ist wahrhaftig die Philosophie des Seins und nicht des bloßen Scheins.
Alan David Sokal ist wie St. Thomas Aquinas ein Realist. Der Realismus ist Philosophie des Seins und nicht des bloßen Scheins.
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Raphael

Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Raphael »

Sempre hat geschrieben:Alan David Sokal ist wie St. Thomas Aquinas ein Realist.
Also willst'e den linken Physiker doch zum Propheten erklären, oder wie? :hmm:

Und dies nur, weil er die "scientific community" gründlich verarscht hat? :dudu:

Mir scheint, Dir gefällt eher das subversive Tun eines naturwissenschaftlich Verbildeten als sein "Realismus"! :daumen-runter:

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Sempre
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Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Sempre »

Raphael hat geschrieben:Also willst'e den linken Physiker doch zum Propheten erklären, oder wie? :hmm:

Und dies nur, weil er die "scientific community" gründlich verarscht hat? :dudu:

Mir scheint, Dir gefällt eher das subversive Tun eines naturwissenschaftlich Verbildeten als sein "Realismus"! :daumen-runter:
Nein und nein. Sokal hat bloß die (mangelhaften) intellektuellen Standards diverser solcher Wissenschaftler untersucht, die Philosophien des bloßen Scheins anhängen, sowie deren Missbrauch mathematisch-naturwissenschaftlicher Metaphern nachgewiesen.

Das ist erwähnenswert, wenn der regierende Hl. Vater erklärt, dass ein erwachsener Glaube dem Lehramt der Kirche vertraut und nicht den schwankenden Meinungen der Welt.
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Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Raphael »

Sempre hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Also willst'e den linken Physiker doch zum Propheten erklären, oder wie? :hmm:

Und dies nur, weil er die "scientific community" gründlich verarscht hat? :dudu:

Mir scheint, Dir gefällt eher das subversive Tun eines naturwissenschaftlich Verbildeten als sein "Realismus"! :daumen-runter:
Nein und nein.
Das kann man Dir nun "abkaufen" oder auch nicht ................

Es besteht zumindest keine Veranlassung, ihn in die Nähe des Aquinaten zu rücken! :regel:
Sempre hat geschrieben:Sokal hat bloß die (mangelhaften) intellektuellen Standards diverser solcher Wissenschaftler untersucht, die Philosophien des bloßen Scheins anhängen, sowie deren Missbrauch mathematisch-naturwissenschaftlicher Metaphern nachgewiesen.
Und der Erkenntnisgewinn war dann folgender: Es gibt Schaumschläger unter den Gesellschaftswissenschaftlern? Tolle Einsicht! :zirkusdirektor:

Nur stellt sich die Frage, ob Sokal's "wissenschaftliche Untersuchung" auch wissenschaftlichen Standards entspricht und da gibt es offensichtlich gute Gründe, dies zu bezweifeln.

Darüber hinaus sind die Gesellschaftswissenschaften zwar keine "harten" Wissenschaften wie Physik, Mathematik, Chemie oder Biologie, nichtsdestoweniger tut man ihnen unrecht, wenn man sie zu Wissenschaften degradiert, die sich nur mit dem Schein beschäftigen würden. In ihnen herrscht eher ein laterales Denken vor, daß von einer Ursache auf mehrere Folgen schließt oder umgekehrt von mehreren Ursachen auf eine einzige Folge; nur um den Bogen zurück zur Ausgangsfrage zu schlagen.

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Sempre
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Re: Kinderglaube - Erwachsenenglaube

Beitrag von Sempre »

L'Osservatore Romano gibt den von mir oben auf dieser Seite in italienischer Sprache zitierten Hl. Vater zum Thema »erwachsener Glauben« auf Deutsch wieder:
L'Osservatore Romano, 42. Jahrgang – Nummer 9 – 2. März 2012 hat geschrieben:Kritisch setzte sich Benedikt XVI. in seiner Vorlesung mit dem Begriff des »erwachsenen Glaubens« auseinander, der vielfach als eine Emanzipation vom kirchlichen Lehramt verstanden werde. »Aber das Ergebnis ist kein erwachsener Glaube; das Ergebnis ist eine Abhängigkeit von den Wellen der Welt, von den Meinungen der Welt, von der Dominanz der Medien, von der Meinung, die alle denken und wollen. Das ist nicht Emanzipation.« Diese bestehe dagegen darin, sich von der Dominanz der öffentlichen Meinung zu befreien, so der Papst bei dem Treffen in der vatikanischen Audienzhalle.

Bei der ersten Vesper zum Abschluss des Paulusjahres am Sonntag, 28. Juni 2009, Hochfest der hll. Apostel Petrus und Paulus, sagte der regierende Hl. Vater, dass heute unter »mündiger Glaube« oder »erwachsener Glaube« ein selbstgemachter Glaube verstanden wird, der sich vom apostolischen Lehramt befreit. Im Gegensatz zu jenen, die den Glauben der Kirche als kindisch ansehen, bezeichnet der hl. Apostel Paulus das Mitlaufen mit den Winden und Strömungen der Zeit als kindisch:
Benedikt XVI. hat geschrieben:Den gleichen Gedanken der notwendigen Erneuerung unseres Menschseins hat Paulus in zwei Stellen des Epheser-Briefes weiter beleuchtet, über die wir daher noch kurz nachdenken wollen. Im 4. Kapitel sagt uns der Apostel, daß wir zum Erwachsenenalter mit Christus kommen sollen, zu einem reifen Glauben. Daß wir nicht mehr „unmündige Kinder“ sein dürfen, ein Spiel der Wellen bleiben, „hin und her getrieben, je wie der Wind der Meinungen weht“ (vgl. 4, 13f). Paulus wünscht sich von den Christen einen mündigen Glauben, einen erwachsenen Glauben. Der „mündige Glaube“ ist in den letzten Jahrzehnten zu einem verbreiteten Schlagwort geworden. Aber man versteht häufig darunter eine Haltung, die sich nicht mehr von der Kirche und ihren Hirten belehren läßt, sondern selbst aussucht, was man glauben und nicht glauben will – einen selbstgemachten Glauben also. Und man versteht darunter den „Mut“, gegen das kirchliche Lehramt zu sprechen. Aber Mut gehört dazu in Wirklichkeit nicht, weil man dabei immer des öffentlichen Beifalls sicher sein kann. Mut gehört viel eher dazu, zum Glauben der Kirche zu stehen, auch wenn er dem „Schema“ dieser Weltzeit widerspricht. Diesen Nonkonformismus des Glaubens nennt Paulus einen erwachsenen Glauben. Es ist dies der Glaube, den er sich wünscht. Das Mitlaufen mit den Winden und Strömungen der Zeit nennt er hingegen kindisch.
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