Bedingungsloses Grundeinkommen?

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Lilaimmerdieselbe
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Dienstag 28. November 2017, 17:28

Und Du bisst Dir sicher, dass der Mann nicht einfach etwas verkaufen will, was er billig herstellen kann? Irgendwer muß schließlich nachmittags für Werbeblöcke zahlen.

Caviteño
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 29. November 2017, 00:40

Wenn er Werbeblöcke verkaufen will, wollen seine Kunden wissen, wer, wann und wie lange vor der Glotze sitzt, sonst kaufen sie die Sendezeit nicht. Er muß seine Zuschauerstruktur kennen und das Angebot dementsprechend gestalten, damit sie einschalten und dabeibleiben. Wir dürfen wohl davon ausgehen, daß die Sender über belastbare Daten hinsichtlich ihrer Zuschauer verfügen - das ist ja schließlich ihr größtes Werbeargument.

Seine Kernzielgruppe ist der beschriebene Bevölkerungsteil, für den die Sendungen hergestellt oder gekauft werden. An die wird man keine Kulturreisen verkaufen können, stattdessen Chips, Bier und Fertiggerichte.

Glücklich war die Formulierung nicht, aber das ist diese Zielgruppe gibt und die noch nicht einmal so gering ist, daran dürfte wohl kein Zweifel bestehen. Anders läßt sich der wirtschaftliche Erfolg von ProSiebenSAT1 auch nicht erklären. Im Gegensatz zu den öffentl.-rechtl. Anstalten müssen sie ihren Zuschauer "paßgenaue" Unterhaltung bieten, die den Erwartungen dieser Gruppe entspricht, denn sonst zappen sie weiter.

Du kannst es drehen wie Du willst: Die von Ebeling beschriebene Bevölkerungsgruppe ist in einer relevanten Größe vorhanden. Kann man wirklich davon ausgehen, daß sie durch ein BGE zur Erwerbsarbeit motiviert werden könnten oder handelt es sich bei dieser Aussage nicht um Argument der BGE-Befürworter, das einer näheren Überprüfung nicht standhält?

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Pilger
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Pilger » Mittwoch 29. November 2017, 01:34

Petrus hat geschrieben:
Dienstag 28. November 2017, 12:20
hmm ...

irgendein Herr Marx hat wohl gesagt,
dass er da nicht so ganz dafür wäre,
für das Grundeinkommen.

war das jetzt der Reinhard, oder der Karl?
Jedenfalls ein Marx der das bedingungslose Grundeinkommen und dessen Sinn nicht verstanden hat oder verstehen will, weil er einer Ideologie der Leistung anhängt.

Fazit

Der Herr Kardinal aus München meint „Die Arbeit ist nicht irgendetwas. Es gehört zur Grundkonstitution des Menschseins, dass ich für mich und meine Familie etwas schaffe, das von Wert ist.“ Also die Annahme das ein bedingungsloses Grundeinkommen, den Willen zur Leistung von Arbeit beeinträchtigt oder verhindert, zeigt ein vorurteilsbehaftetes denken und das der Sinn eines bedingungsloses Grundeinkommen, nicht einmal im Ansatz verstanden wurde.

Der Herr Kardinal aus München meint “ Schon jetzt könne man sehen, welche politischen Folgen es habe, wenn Menschen sich nicht mehr gebraucht fühlen. „

Wieso sollten sich Kinder oder Rentner mit bedingungsloses Grundeinkommen nicht gebraucht fühlen? Warum sollte sich ein Mensch dem ein bedingungsloses Grundeinkommen zugestanden wird weniger gebraucht fühlen als heute? Spiegelt das nicht nur Vorurteile wieder das „viele faul“ sind? Wer nur eine kleine Ahnung davon hat, wie die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts gestaltet ist ist ein Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommen, in die Zukunft gedacht ist es alternativlos. Es wird so sicher kommen, als das Amen in der Kirche.

Ist ein bedingungsloses Grundeinkommen bezahlbar? JA

https://www.grundeinkommen.ch/wp-conten ... ommens.pdf

Wer bezahlt das Grundeinkommen? Ökonom Thomas Straubhaar rechnet es vor - Der Ökonom Thomas Straubhaar erklärt, wie das System funktionieren würde - und warum es in der Arbeitswelt von morgen nötig ist.

https://www.grundeinkommen.de/die-idee/ ... -antworten

Ein bedingungsloses Grundeinkommen das auf Rentenansprüche, Einkommen aus Erwerbsarbeit angerechnet wird und Sozialeisturngen ersetzt, ist ohne Probleme finanzierbar.

Wer das genau berechnen möchte sollte wissen das die Durchschnittsrente in D 1133 € beträgt.
Die Altersarmut steigt enorm an.
Das für einen ALG II Bezieher durchschnittlich 943 Euro aufgewendet werden.
Im Jahr 2017 der Einkommensteuer- Freibetrag für Alleinstehende 8.820,- Euro beträgt.
Mehr als zwei Millionen Kinder und Jugendliche sind in Deutschland auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen.

Ein außergewöhnlicher Anstieg der Preise ist durch das bedingungslose Grundeinkommen nicht zu erwarten

Argumente, Befürchtungen gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen
Raphael hat geschrieben:
Dienstag 28. November 2017, 07:01
...Zum Zweiten sind die psychologischen Folgen ungewiß. Ob sich nach Einführung eines BGE mehr Leute (= potentielle Anbieter von Arbeitskraft) "auf die faule Haut legen" als vorher oder ob das BGE wie ein Motivator zu gesellschaftlichem Engagement wirkt, bleibt völlig im Unklaren. :hmm:
Argumente gegen das in bedingungsloses Grundeinkommen auf Stammtischniveau
Caviteño hat geschrieben:
Dienstag 28. November 2017, 07:34
Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen.
http://www.spiegel.de/kultur/tv/prosieb ... 78092.html
Vielleicht gibt es auch Menschen die aufgrund ihres Alters, Krankheit, Aussehen ihrer fehlenden Qualifikation oder aufgrund verminderter Intelligenz, keiner einstellen möchte!
Vielleicht gibt auch Menschen die Arbeit aus Prinzip ablehnen und auf Kosten der anderen leben, aber warum sollten wegen diesen medial aufgebauschten Einzelfällen. Millionen Menschen weiterhin in Kinderarmut, Arbeit in Armut und Altersarmut leben?
Caviteño hat geschrieben:
Dienstag 28. November 2017, 07:34
Ehepaar, Alleinverdiener, 3 Kinder, Kindergeld bisher knapp 600 €, BGE = 5.000 €
Nein auch Familien mit 10 Kindern werden kein bedingungsloses Grundeinkommen von 12.000 € erhalten.

Viele Details des bedingungsloses Grundeinkommen müssen von Politik, Ökonomen und Experten in der politischen Ausgestaltung ausgearbeitet werden so zum Beispiel eine Deckelung für Familien mit mehreren minderjährigen Kindern.

Die entscheidende Frage sind nicht die der Details oder wer das bedingungsloses Grundeinkommen ausnutzen könnte, sondern die Frage ist. ob ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Bekämpfung der Armut und der Digitalisierung der Industrie 4.0 dadurch viele Arbeitsplätze verschwinden werden, politisch gewollt ist?

Wer den Menschen keine Freiheit geben möchte, der ist auch gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen wer den Menschen keine Freiheit geben möchte, ist gegen einen Mindestlohn, wer den Menschen keine Freiheit geben möchte, ist gegen Lohnarbeit für Alle, wer den Menschen keine Freiheit geben möchte, denkt das die Sklaverei die Grundlage der Plantagenwirtschaft zerstört.

Epilog: Wenn die katholische Kirche die Menschen am Rand besonders beachten möchte, muss die katholische Kirche im besonderen der neo-liberal auffällige Kardinal aus München einen bedingungsloses Grundeinkommen als zwingend notwendig erachten.
Die Arbeit ist nicht irgendetwas. Es gehört zur Grundkonstitution des Menschseins, dass ich für mich und meine Familie etwas schaffe, das von Wert ist.“ das ist mit einem bedingungslosen Grundeinkommen leichter möglich. Als mit Arbeit in Armut. zu der dann das Amt nach einer Bedürftigkeitsprüfung ergänzende Grundsicherung für die Bedarfsgemeinschaft der Familie bezahlt. Wie werden sich Menschen fühlen, wenn sie neben der Arbeit auch noch zum Amt laufen müssen, um dort nach einer Bedürftigkeitsprüfung ergänzende Sozialleistungen für sich und ihre Familie zu erbetteln?

Was denken Sie Herr Kardinal Marx wie sich diese Menschen fühlen ???

Der Herr Kardinal aus München meinte ja: “ Schon jetzt könne man sehen, welche politischen Folgen es habe, wenn Menschen sich nicht mehr gebraucht fühlen. „

* * *
Komm bald Herr Jesu
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach,
der ist mein nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird's verlieren;
und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden."

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Raphael
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Raphael » Mittwoch 29. November 2017, 04:43

Straubhaar's Unsinn wird nicht dadurch sinnig, wenn man ihn wiederholt! :pfeif:

Der Nachweis der Finanzierbarkeit ist weiterhin nicht geführt worden. :roll:

Anthropologische Bedenken als "Argumente auf Stammtischniveau" abzutun, erweist eine ideologische Vorbelastung von Befürwortern des BGE. :doktor:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 29. November 2017, 09:42

Pilger hat geschrieben:
Mittwoch 29. November 2017, 01:34

Die entscheidende Frage sind nicht die der Details oder wer das bedingungsloses Grundeinkommen ausnutzen könnte, sondern die Frage ist. ob ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Bekämpfung der Armut und der Digitalisierung der Industrie 4.0 dadurch viele Arbeitsplätze verschwinden werden, politisch gewollt ist?
Das ist der genau der falsche Ansatz - aber leider in der Politik üblich.

Erst muß geklärt werden, wie ein BGE ausgestaltet werden soll, dann muß die Finanzierung dieser Ausgestaltung geklärt werden und erst dann - wenn man einen Überblick hat - dann kann man entscheiden, ob das BGE eingeführt wird. Niemand baut schließlich ein Haus, ohne einen Plan zu haben.
Bei Dir und auch in der Politik spielt die Finanzierung keine Rolle. Sie ist aber - gerade beim BGE - entscheidend.

Du schreibst, die Details müßten noch ausgehandelt werden. Aber es zeichnet sich doch schon ab, daß es kein bedingungsloses Einkommen geben wird, d.h. ein Einkommen, das jeder erhält - egal wie hoch seine anderen Einkünfte sind. Eine Verrechnung mit anderen Einkünften impliziert aber, das nur jemand der bedürftig ist auch einen Anspruch hat. Ein Grundeinkommen in dieser Art haben wir bereits durch die zahlreichen sozialen Unterstützungszahlungen. Das BGE soll diese nur kräftig erhöhen und die Umverteilung soll forciert werden. Im Grunde ist es eine Art Hartz IV 2.0 mit weichgespülten Bedingungen.

Dieser Artikel zeigt ein anderes Problem des BGE:


Nachwuchsmangel : Immer weniger junge Leute wollen malochen


Es geht um Lehrlinge im Bauberuf - zu wenig und vor allem zu wenig gute Bewerber, klagt die Bauindustrie.

Durch ein BGE würde sich die Situation noch verschärfen - schließlich erhielte man sein Einkommen auch ohne Ausbildung (mit Berufsschule und Prüfung). Oder kommt jetzt wieder das Argument: "Muß noch ausgestaltet werden" - nur was bleibt dann noch vom "bedingungslosen"? :hmm: Willst Du wirklich Jugendliche im Alter von 16 - 20 entscheiden lassen, ob sie einen Lehrberuf annehmen oder die 1.000 € auch ohne Arbeit erhalten können?

Statt "Stammtischniveau" zu behaupten, hättest Du besser mal erklären sollen, wie ProSiebenSAT1 wirtschaftlich erfolgreich sein kann, wenn es nicht genau die Ansprüche dieser "Kernzielgruppe, also Menschen, die ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm sind, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen" bedienen würde.
Natürlich gibt es auch andere Fälle - allerdings lassen die Umsatzzahlen des sog. "Unterschichtenfernsehens" vermuten, daß die Anzahl der Programmzuschauer nicht so ganz gering ist....

Die Auswirkungen der Industrie 4.0 sind doch noch garnicht absehbar. Manche Auslagerungen, die vor einigen Jahren wegen der hohen Lohnkosten erfolgten, werden inzwischen wieder rückgängig gemacht. Ich hatte einen entsprechenden Bericht von der Zurich Versicherung verlinkt. Damit hat auch niemand gerechnet.
Mit einiger Sicherheit werden durch die Industrie 4.0 vor allem einfache Arbeiten von Robotern usw. durchgeführt werden und wegfallen. Ich hatte bei der Diskussion über den "Flüchtlings"zuzug auf diesen Aspekt häufig hingewiesen.
Es werden aber auch neue Arbeitsplätze, die heute noch niemand beschreiben kann, entstehen. Wahrscheinlich weniger, aber dafür besser bezahlte - und u.U. hochflexible (Digitalen Nomaden), die von jedem Punkt der Welt ausgeführt werden können.

BGE ersetzt Rente
Warum in aller Welt sollte man von dem bewährten Prinzip der erarbeiteten Rentenansprüche, die auch deren Höhe bestimmen, abweichen? Wenn man unbedingt will, können die Rentner, die unter dem BGE liegen, einen Zuschuß erhalten. Die Auszahlung könnte ohne große bürokratische Hemmnisse erfolgen - solange das BGE "oben drauf" kommt. Da dieses aber nicht der Fall ist, wird auch ein Rentner mit Minirente am Jahresende seine übrigen Einkommensverhältnisse offen legen müssen, damit ggfs. eine Anrechnung der Betriebsrente, der Vermietungs- oder Zinseinkünfte auf das BGE erfolgen kann. Hier wird keine Bürokratie abgebaut, hier wird eine neue geschaffen.
Viel schwerer wiegt aber, daß man die Lebensleistung der Rentner entwertet. Sie erhalten statt der erarbeiteten Rentenansprüche ein Almosen vom Staat - wie jeder, der nie etwas einzahlte oder "gerade erst gekommen ist."
Soll so etwas dem sozialen Frieden dienen?

Das gesamte Konzept des BGE ist undurchdacht (Details müssen noch ausgearbeitet werden).
Es ist unfinanzierbar - zumindest ohne massive Steuererhöhungen. Man geht interessanterweise immer davon aus, daß das Steueraufkommen gleichbleibt. Was wäre, wenn sich doch mehr Menschen als Zuschauer von ProSiebenSAT1 outen und auf die Mehrarbeit dankend verzichten? Die Möglichkeit sollte man zumindest auch in Erwägung ziehen.
Es ist auch nicht sozial, denn der Rentner bekommt als Dank für lebenslange Arbeit des gleiche wie der Jugendliche, der keine Ausbildung machen will und den Tag lieber mit seiner Clique abhängt und chillt

Es wird auch nicht kommen.
Zuletzt geändert von Caviteño am Mittwoch 29. November 2017, 09:47, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Raphael » Mittwoch 29. November 2017, 09:46

Mich beschleicht der Verdacht, daß mit dem Thema BGE nur Agenda-Setting betrieben wird und damit von den wirklichen Problemen dieses Landes abgelenkt werden soll:
Wenn alle Welt über das BGE diskutiert, kann man schwerlich über die europäische Schuldenkrise diskutieren! :unbeteiligttu:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 29. November 2017, 09:50

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 29. November 2017, 09:46
Mich beschleicht der Verdacht, daß mit dem Thema BGE nur Agenda-Setting betrieben wird und damit von den wirklichen Problemen dieses Landes abgelenkt werden soll:
Wenn alle Welt über das BGE diskutiert, kann man schwerlich über die europäische Schuldenkrise diskutieren! :unbeteiligttu:
Das ist ja zum Glück nur hier im Forum der Fall. In der Politik spielt das Thema keine Rolle - vielleicht abgesehen von einigen Exoten in exotischen Parteien.

Für mich ist das Thema jetzt auch durch. Das kann nicht funktionieren und wird auch nicht kommen - es sollen im Grunde nur die bereits vorhandenen sozialen Leistungen noch einmal kräftig erhöht werden.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Dienstag 24. April 2018, 07:49

Finnland beendet das Experiment und vollzieht eine scharfe Kehrtwende:

Schwere Schlappe für das garantierte Grundeinkommen
Das Experiment eines bedingungslosen Grundeinkommens in Finnland wird auf Ende Jahr abgebrochen. Das ist ein harter Schlag für alle Anhänger ähnlicher Pläne weltweit. Denn Finnland hat den bisher grössten Versuch mit einem solchen System gestartet.
(...)
Und die Finnen vollziehen eine scharfe Kehrtwende: Wer künftig innerhalb der ersten drei Monate nach einem Jobverlust nicht mindestens 18 Stunden arbeitet oder sich an einem Weiterbildungsprogramm beteiligt und keinen Job findet, erhält künftig weniger Arbeitlosenunterstützung.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Raphael » Dienstag 24. April 2018, 10:12

Caviteño hat geschrieben:
Dienstag 24. April 2018, 07:49
Finnland beendet das Experiment und vollzieht eine scharfe Kehrtwende:

Schwere Schlappe für das garantierte Grundeinkommen
Das Experiment eines bedingungslosen Grundeinkommens in Finnland wird auf Ende Jahr abgebrochen. Das ist ein harter Schlag für alle Anhänger ähnlicher Pläne weltweit. Denn Finnland hat den bisher grössten Versuch mit einem solchen System gestartet.
(...)
Und die Finnen vollziehen eine scharfe Kehrtwende: Wer künftig innerhalb der ersten drei Monate nach einem Jobverlust nicht mindestens 18 Stunden arbeitet oder sich an einem Weiterbildungsprogramm beteiligt und keinen Job findet, erhält künftig weniger Arbeitlosenunterstützung.
Schade, daß in dem Artikel nicht die genauen Gründe erläutert werden, warum die Finnen denn nun von diesem Versuch wieder Abstand nehmen. :hmm:

Außerdem wäre es ja schon interessant zu erfahren, wie denn das BGE empirisch so abgelaufen ist ..............
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Dienstag 24. April 2018, 12:10

Raphael hat geschrieben:
Dienstag 24. April 2018, 10:12
Schade, daß in dem Artikel nicht die genauen Gründe erläutert werden, warum die Finnen denn nun von diesem Versuch wieder Abstand nehmen. :hmm:

Außerdem wäre es ja schon interessant zu erfahren, wie denn das BGE empirisch so abgelaufen ist ..............
Gründe für die Einstellung des Versuchs wurden offiziell bisher nicht mitgeteilt - die Ergebnisse sollen 2019 vorgestellt werden.

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Keine-56 ... 95731.html

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 15. November 2018, 01:13

In Finnland wurde der Versuch eingestellt, die Grünen in D. fordern jetzt die Einführung:

Mit heißer Nadel: Robert Habeck strickt das soziale Netz enger
Robert Habeck will weit über ein Jahrzehnt nach Schröder den Menschen die ihnen von der SPD angetastete Würde zurückgeben, wenn er vorschlägt, dass ein Existenzminimum nicht mehr durch Sanktionen beschnitten oder gar ganz versagt werden kann. Hartz-IV bedingungslos und Mitarbeit bei den Jobcentern nur für die, die Lust dazu haben, alle anderen erhöhen doch eh nur den bürokratischen Aufwand.
„Habeck rechnet damit, dass in seinem System der Garantiesicherung vier Millionen Haushalte mehr Anspruch auf eine Garantiesicherung hätten, als heute bereits Hartz-IV-Leistungen in Anspruch nehmen. Es werde zwar mehr Empfänger der Garantiesicherung geben, aber weniger Armut, schreibt Habeck.“
Sanktionen sind nicht mehr vorgesehen, die Jobsuche erfolgt nur auf freiwilliger Basis. Wer nicht will, muß auch nicht. Zum Ausgleich werden die Hartz IV Sätze angehoben, Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Wohngeld und Bafög werden in die Grundsicherung überführt und Vermögen unter 100.000 €nicht angerechnet.

Zur Finanzierung:
„Die Gegenfinanzierung muss aus einer gerechteren Verteilung der Wohlstandsgewinne dieses Landes erfolgen.“
Schön allgemein gehalten, da fühlt sich niemand von betroffen.....

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Niels » Donnerstag 15. November 2018, 13:01

Ich bin von dieser Idee nach wie vor überzeugt - das spart viel Geld und viel unnütze Scheinarbeitslosigkeit (auch Bürokratie genannt).
(Deshalb wähle ich aber bestimmt nicht die "Grünen".)
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Raphael » Donnerstag 15. November 2018, 13:43

Niels hat geschrieben:
Donnerstag 15. November 2018, 13:01
Ich bin von dieser Idee nach wie vor überzeugt - das spart viel Geld und viel unnütze Scheinarbeitslosigkeit (auch Bürokratie genannt).
(Deshalb wähle ich aber bestimmt nicht die "Grünen".)
Schon der nüchterne Pragmatismus des Hl. Paulus (2 Thess 3, 10) sollte Dich von dieser (Schnaps-)Idee abbringen! :unbeteiligttu:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 15. November 2018, 23:04

Niels hat geschrieben:
Donnerstag 15. November 2018, 13:01
Ich bin von dieser Idee nach wie vor überzeugt - das spart viel Geld und viel unnütze Scheinarbeitslosigkeit (auch Bürokratie genannt).
(Deshalb wähle ich aber bestimmt nicht die "Grünen".)
Glaubst Du wirklich, daß "viel Geld" gespart wird, wenn die Kontrollen (= Bürokratie) wegfallen? Ich halte diese vorgebliche Kostenersparnis für eine ziemliche Schimäre. Natürlich muß weiter überprüft werden, ob der Empfänger überhaupt berechtigt ist, die Leistungen zu beziehen oder nicht über andere Einkunftsquellen bzw. Vermögen verfügt.
Soll man dann die Betroffenen lebenslang mit eigener Wohnung und über den jetzigen Hartz-IV-Sätzen liegenden Beträgen alimentieren, wenn sie keine Lust haben, (regulär) zu arbeiten?
Also: Einmal Antrag genehmigt und das Recht auf lebenslange Rente? Viel Spaß bei einem solchen Modell.

https://pbs.twimg.com/media/DsETZd5VYAAyNEV.jpg

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Niels » Donnerstag 25. April 2019, 23:33

"Andrew Yang will mit einer radikalen Idee US-Präsident werden. Der Demokrat verspricht die „Freiheitsdividende“ – 1000 Dollar Grundeinkommen für alle. Finanziert werden soll es mit dem Geld der Tech-Konzerne. Selbst Fox-Moderator Tucker Carlson ist begeistert.": https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... -alle.html
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Juergen » Freitag 26. April 2019, 10:36

Ich bin auch für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Alle 85 Mio Bürger bekommen jeden Monat 1000,-€. Arbeiten geht man nur noch dann, wenn man unbedingt will. Da wird keiner gezwungen.
Zur Finanzierung führen wir einfach eine Vermögenssteuer für die Superreichen ein, dann können wir die 31 Billionen (31025 Milliarden) im Jahr locker bezahlen. Das ist ja nur das 100fache des derzeitigen, gesamten Bundeshaushalts :roll:

Von Steuern aus der Wirtschaft können wir das Geld leider ja nicht nehmen. Weil keiner mehr Arbeiten geht, gibt es dort keine Erträge und keine Steuereinnahmen.
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Freitag 26. April 2019, 11:10

Im Grunde ist es doch ganz einfach:

Entweder das "Grundeinkommen" wird ohne Prüfung ausgezahlt - dann kann jeder, der will es beantragen und erhalten. Wäre aber nicht finanzbar, wie Jürgen oben dargestellt hat.
Oder es finden "Bedürftigkeitsprüfungen" statt. Dann ist es aber kein Grundeinkommen, sondern eine geschickt getarnte Erhöhung der Hartz-IV-Sätze.

@Jürgen: Würde das Grundeinkommen eingeführt, könnten die Bürger feststellen, daß das Geld zwar vom Amt, aber der Strom nicht (mehr) aus der Steckdose kommt und auch bei der Müllabfuhr wären Schwierigkeiten denkbar.... :breitgrins:

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Protasius » Freitag 26. April 2019, 23:17

Unangenehme Arbeiten müßten dann entsprechend besser bezahlt werden, damit jemand bereit ist sie zu verrichten.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Samstag 27. April 2019, 10:49

Protasius hat geschrieben:
Freitag 26. April 2019, 23:17
Unangenehme Arbeiten müßten dann entsprechend besser bezahlt werden, damit jemand bereit ist sie zu verrichten.
Also Grundeinkommen für jeden, ohne Anrechnung irgendwelcher weiteren Einkünfte bzw. des Vermögens?
Wer soll das denn bezahlen? - Schon klar, "die Reichen". :D

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Niels » Samstag 27. April 2019, 11:11

Protasius hat geschrieben:
Freitag 26. April 2019, 23:17
Unangenehme Arbeiten müßten dann entsprechend besser bezahlt werden, damit jemand bereit ist sie zu verrichten.
Das wäre logisch. Tatortreiniger, Klofrauen, Krankenschwestern, usw.
Nolite timere pusillus grex, quia complacuit Patri vestro dare vobis regnum.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Juergen » Samstag 27. April 2019, 12:09

Niels hat geschrieben:
Samstag 27. April 2019, 11:11
…Tatortreiniger…

Die Tätigkeit über ich regelmäßig aus, nachdem ich gekocht habe. :koch:
Gruß Jürgen

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von holzi » Samstag 27. April 2019, 21:38

Juergen hat geschrieben:
Samstag 27. April 2019, 12:09
Niels hat geschrieben:
Samstag 27. April 2019, 11:11
…Tatortreiniger…

Die Tätigkeit über ich regelmäßig aus, nachdem ich gekocht habe. :koch:
Und? Fühlst du dich dafür angemessen bezahlt? :breitgrins:
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Torben Vers » Sonntag 28. April 2019, 00:11

Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 15. November 2018, 13:43

Schon der nüchterne Pragmatismus des Hl. Paulus (2 Thess 3, 10) sollte Dich von dieser (Schnaps-)Idee abbringen! :unbeteiligttu:
Jaja, :dudu: wer nicht essen will, kann auch nicht arbeiten! :(
https://www.bibleserver.com/text/ELB/2. ... cher3%2C10
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"Gott ist Liebe, und wer in d(ies)er Liebe bleibt,
der bleibt in Gott - und Gott bleibt in ihm."

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Siard » Sonntag 28. April 2019, 18:16

Caviteño hat geschrieben:
Samstag 27. April 2019, 10:49
Protasius hat geschrieben:
Freitag 26. April 2019, 23:17
Unangenehme Arbeiten müßten dann entsprechend besser bezahlt werden, damit jemand bereit ist sie zu verrichten.
Also Grundeinkommen für jeden, ohne Anrechnung irgendwelcher weiteren Einkünfte bzw. des Vermögens?
Wer soll das denn bezahlen? - Schon klar, "die Reichen". :D
Alle anderen Förderungen entfallen dann aber auch, da sieht manches schon ganz anders aus.
Superkalifragiliſtiſchexpialigetiſch

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Montag 29. April 2019, 08:51

Siard hat geschrieben:
Sonntag 28. April 2019, 18:16
Alle anderen Förderungen entfallen dann aber auch, da sieht manches schon ganz anders aus.
Welche Förderungen meinst Du denn konkret?
Kindergeld wäre klar. Das würde durch das Grundeinkommen - auf einem höheren Niveau - ersetzt. Aber sonst?

Mir fehlt die Phantasie um mir vorstellen zu können, wie die Finanzierung des Grundeinkommens für jeden(!) möglich sein soll. Bei 1.000 € würde es sich um einen Betrag von 85 Mrden € monatlich handeln, also ca. 1 Billion € p.a..
Das ist doch nicht mehr durch Umschichtungen im Bundeshaushalt (ca. 350 Mrden €) zu finanzieren. Selbst die Steuereinnahmen von Bund und Ländern betrugen 2018 nur 713 Mrden €.

Noch ein Hinweis: Würde das Grundeinkommen für jeden eingeführt, gäbe es natürlich auch bei der Einkommensteuer keinen Grundfreibetrag mehr, denn dafür gibt es ja das Grundeinkommen. Folglich würde jeder Hinzuverdienst sofort besteuert, statt 1.000 € landeten viel weniger in den Taschen des Arbeitnehmers. Nicht unbedingt motivationsfördernd, oder... :breitgrins:

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Siard » Montag 29. April 2019, 18:33

Caviteño hat geschrieben:
Montag 29. April 2019, 08:51
Siard hat geschrieben:
Sonntag 28. April 2019, 18:16
Alle anderen Förderungen entfallen dann aber auch, da sieht manches schon ganz anders aus.
Welche Förderungen meinst Du denn konkret?
Kindergeld wäre klar. Das würde durch das Grundeinkommen - auf einem höheren Niveau - ersetzt. Aber sonst?

Mir fehlt die Phantasie um mir vorstellen zu können, wie die Finanzierung des Grundeinkommens für jeden(!) möglich sein soll. Bei 1.000 € würde es sich um einen Betrag von 85 Mrden € monatlich handeln, also ca. 1 Billion € p.a..
Das ist doch nicht mehr durch Umschichtungen im Bundeshaushalt (ca. 350 Mrden €) zu finanzieren. Selbst die Steuereinnahmen von Bund und Ländern betrugen 2018 nur 713 Mrden €.

Noch ein Hinweis: Würde das Grundeinkommen für jeden eingeführt, gäbe es natürlich auch bei der Einkommensteuer keinen Grundfreibetrag mehr, denn dafür gibt es ja das Grundeinkommen. Folglich würde jeder Hinzuverdienst sofort besteuert, statt 1.000 € landeten viel weniger in den Taschen des Arbeitnehmers. Nicht unbedingt motivationsfördernd, oder... :breitgrins:
Mietförderungen, Bafög, etc. entfallen
Die 1000,– € sind brutto für netto, sonst wäre es natürlich Unsinn.
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Montag 29. April 2019, 19:15

Siard hat geschrieben:
Montag 29. April 2019, 18:33
Mietförderungen, Bafög, etc. entfallen
Die 1000,– € sind brutto für netto, sonst wäre es natürlich Unsinn.
Damit würden alle Unterstützungsleistungen auf das höhere Niveau des Grundeinkommens angehoben. Bei Bafög liegt die Höchstförderung z. Zt. bei 735 € - es gäbe also 265 € mehr, bei Hartz IV kann man - je nach Mietkosten - mit ca. 800 - 900 € für eine Einzelperson rechnen.

Das ganze Gerede um das sog. "bedingungslose" Grundeinkommen dient nur dazu, die bisherigen Sozialleistungen massiv zu erhöhen.

Man kann natürlich alles machen, nur sollte man
a) die Frage der Finanzierung klären und
b) auf das Lohnabstandsgebot achten.
Bei einem gesetzlichen Mindestlohn von z. Zt. 9,19 € und einer monatlichen Arbeitzeit von 168 Stunden ergibt sich ein Bruttolohn von 1.544 €. Netto verbleiben dann nach Abzug von 87,48 LoSt (StKl I) und 310 € Sozialabgaben nur 1.147 €. Die Differenz von 147 € für 168 Stunden Arbeit dürfte kaum motivationsfördernd sein.
Ob eine Erhöhung des Mindestlohns helfen würde, ist nicht sicher und kommt auf die Alternativen an. Die können von outsourcen in andere, preiswerte EU-Länder, über eine stärkere Automatisierung bzw. mehr Maschineneinsatz bis zum Abtauchen in den Schwarzarbeit reichen.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Siard » Montag 29. April 2019, 19:26

Caviteño hat geschrieben:
Montag 29. April 2019, 19:15
Bei einem gesetzlichen Mindestlohn von z. Zt. 9,19 € und einer monatlichen Arbeitzeit von 168 Stunden ergibt sich ein Bruttolohn von 1.544 €. Netto verbleiben dann nach Abzug von 87,48 LoSt (StKl I) und 310 € Sozialabgaben nur 1.147 €. Die Differenz von 147 € für 168 Stunden Arbeit dürfte kaum motivationsfördernd sein.
Da gibt es einen Denkfehler.
Das Einkommen kommt zu den 1000,- € dazu. Differenz also 1147,- €, nicht 147,- € – falls die Sätze unverändert bleiben.
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Montag 29. April 2019, 19:59

Siard hat geschrieben:
Montag 29. April 2019, 19:26
Da gibt es einen Denkfehler.
Das Einkommen kommt zu den 1000,- € dazu. Differenz also 1147,- €, nicht 147,- € – falls die Sätze unverändert bleiben.
Wenn jeder -egal wie hoch sein Einkommen ist- Anspruch auf die 1.000 € Grundeinkommen hat, ist die Sache unfinanzierbar, s. meine Ausführungen oben.

Da hilft es auch nicht darauf zu verweisen, das andere Sozialleistungen dann wegfallen.
Glücklicherweise ist nur eine Minderheit der Bevölkerung auf Sozialleistungen angewiesen. Sie liegen in ihrer Summe immer unter dem Grundeinkommen, also Hartz IV ist z.B. geringer als das gedachte Grundeinkommen.
Sollen also diese Sozialleistungen im Grundeinkommen aufgehen, steigt der Aufwand, denn das Grundeinkommen ist höher. Der Aufwand steigt noch viel stärker, wenn nicht nur die Höhe sondern auch der Kreis der Berechtigten auf die gesamte Bevölkerung ausgeweitet wird.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Niels » Donnerstag 30. Mai 2019, 17:42

"Ab Juli startet in Berlin ein auf fünf Jahre angelegtes Modellvorhaben zum solidarischen Grundeinkommen, das das Hartz-IV-System überwinden soll": https://www.welt.de/politik/deutschland ... -Juli.html
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 30. Mai 2019, 19:19

Niels hat geschrieben:
Donnerstag 30. Mai 2019, 17:42
"Ab Juli startet in Berlin ein auf fünf Jahre angelegtes Modellvorhaben zum solidarischen Grundeinkommen, das das Hartz-IV-System überwinden soll": https://www.welt.de/politik/deutschland ... -Juli.html
Der Unterschied zum bedingungslosen Grundeinkommen ist allerdings, daß sie eine Tätigkeit im gemeinnützigen Bereich ausüben müssen und dabei nach Tarifvertrag oder Mindestlohn bezahlt werden. Dagegen ist nichts einzuwenden und einen Versuch ist es allemal wert.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Siard » Donnerstag 30. Mai 2019, 20:09

Caviteño hat geschrieben:
Donnerstag 30. Mai 2019, 19:19
Niels hat geschrieben:
Donnerstag 30. Mai 2019, 17:42
"Ab Juli startet in Berlin ein auf fünf Jahre angelegtes Modellvorhaben zum solidarischen Grundeinkommen, das das Hartz-IV-System überwinden soll": https://www.welt.de/politik/deutschland ... -Juli.html
Der Unterschied zum bedingungslosen Grundeinkommen ist allerdings, daß sie eine Tätigkeit im gemeinnützigen Bereich ausüben müssen und dabei nach Tarifvertrag oder Mindestlohn bezahlt werden. Dagegen ist nichts einzuwenden und einen Versuch ist es allemal wert.
Also anscheinend eine normale ABM.
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