Anglikanische Kirche

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.
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anneke6
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Beitrag von anneke6 »

John Grantham hat geschrieben: Dafür haben wir Euch den Rosenkranz abgekupfert. (Habe selbst so eine.)

Cheers,

John
Hallo John!
Kannst Du mir diese Devotionalie näher erklären? Ich traue Wikipedia nicht so ganz.
— Groucho Marx hat gesagt: Ich möchte keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnehmen würde — ich aber sage: Ich traue keiner Enzyklopädie, an der ich selber schreibe.

Raimund J.
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Beitrag von Raimund J. »

John Grantham hat geschrieben: PS: Für Evensong-Fans: http://www.bbc.co.uk/radio3/choralevensong/
Danke für den Link. Ich höre mir gerade den Evensong vom 20.04. (St John's College, Cambridge) an. Der Psalm ist soo wunderschön gesungen...
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Nec laudibus, nec timore

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Moin Anneke,
anneke6 hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben: Dafür haben wir Euch den Rosenkranz abgekupfert. (Habe selbst so eine.)
Hallo John!
Kannst Du mir diese Devotionalie näher erklären? Ich traue Wikipedia nicht so ganz.
— Groucho Marx hat gesagt: Ich möchte keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnehmen würde — ich aber sage: Ich traue keiner Enzyklopädie, an der ich selber schreibe.
*lach* Klar, Wikipedia ist ziemlich tückenhaft...

Also Anglican prayer beads sind tatsächlich eine relativ junge Erfindung aus der US-Episkopalkirche (aus der ich komme) in den 80er Jahren. Die Idee war, eine Form des kontemplativen Gebets zu finden, was 1) nicht zwingend marianisch ist, 2) flexibel in der Gestaltung ist, 3) die praktischen Vorteile des Rosenkranz mit den symbolischen Vorteilen der orthodoxen Gebetsketten verbindet.

Das heißt, mit Anglican prayer beads kann man die Gebetsform beliebig und persönlich gestalten. Man kann die verschiedenen Perlen mit verschiedenen Gebeten, Psalmen, Zitaten o.ä, belegen -- man hat:

das Kreuz;
die Introit- oder Einstiegsperle;
dann vier Gruppen von 7 Perlen ("Wochen"), die von vier "Kreuzform"-Perlen unterteilt werden.

Die Kette hat genau 33 Perlen + das Kreuz, und ist in Kreuzform ausgelegt:

Bild

Man fängt also mit dem Kreuz an, z.B. mit einer Doxologie, dann geht man zur Einstiegsperle und betet z.B. das Vaterunser oder Trisagion, dann kommt man zur ersten Kreuzformperle, wo man z.B. ein Antiphon o.ä. spricht, dann bei den sieben Wochenperlen wiederholt man ein kurzes Gebet oder spricht die Zeilen eines Psalms, und das wiederholt sich bei der nächsten "Woche". Man kann immer weiter "rumgehen", bis man das Ganze abschließt, in dem man bei der unteren Kreuzformperle "aussteigt", dann zum Einstieg, dann zum Kreuz, und Ende.

Betet man dreimal durch (wie es vorgeschlagen wird), hat man also 100 Schritte.

Ich mache das so (in English, of course...):

Kreuz -> Gloria patri
Einstieg -> Vaterunser
1. Kreuzform -> Engelsche Gruß
7x Herzensgebet inkl. Atemübungen: "(einatmen) O Lord Jesus Christ, Son of God, (ausatmen) have mercy on me"
2. Kreuzform -> Engelsche Gruß
(usw., 3mal durch)
letzte Kreuzform -> Engelsche Gruß
Vaterunser
Gloria patri

Es gibt jedoch keine vorgeschriebenen Gebete und man kann das den eigenen Bedürfnissen anpassen. Diese Seite hat mehr Infos und Beispiele.

Ein Vorteil ist die Symbolik: 33 Perlen (Jesu Leben) dreimal gebetet (Dreifaltigkeit), machen 100 Schritte. Oder auch die Verbindung mit Wochen und Monaten und den vier Jahreszeiten. Die Unterbrechungen der "Wochen" helfen, das Ganze etwas zu strukturieren.

Ich kann es nur empfehlen. ;) Man kann sie auch online bestellen:

http://www.solitariesofdekoven.org/Prayer_beads.html

Cheers,

John
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Raimund Josef H. hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben: PS: Für Evensong-Fans: http://www.bbc.co.uk/radio3/choralevensong/
Danke für den Link. Ich höre mir gerade den Evensong vom 20.04. (St John's College, Cambridge) an. Der Psalm ist soo wunderschön gesungen...
Jaaaa, aber der Introitus bringt mich fast zum Tränen. Thomas Tallis...aaahhhh...

EDIT: Stimmt, der Psalm in der Sendung ist auch ein Beispiel von Anglican Chant. Wie gesagt, ich verstehe nicht, wieso diese Gesangart so wenig gemacht wird.

Cheers,

John
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ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

Also Anglican prayer beads sind tatsächlich eine relativ junge Erfindung aus der US-Episkopalkirche (aus der ich komme) in den 80er Jahren. Die Idee war, eine Form des kontemplativen Gebets zu finden, was 1) nicht zwingend marianisch ist, 2) flexibel in der Gestaltung ist, 3) die praktischen Vorteile des Rosenkranz mit den symbolischen Vorteilen der orthodoxen Gebetsketten verbindet.
Kurz gesagt: Da ist mir der übliche Rosenkranz 950.000 mal lieber, als dieser antimarianische anglikanische Ersatz.
Wobei sich gleichfalls die Frage stellt: was gibt es denn in protestantischen und anglikanischen Kirche, was in der Katholischen Kirche nicht bereits in vollkommener Weise vorhanden wäre?
Der Evensong ist allerdings verhandelbar. 8)

Gruß, ad_hoc
quidquid cognoscitur, ad modum cognoscentis cognoscitur (n. Thomas v. Aquin)

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

ad_hoc hat geschrieben:
Also Anglican prayer beads sind tatsächlich eine relativ junge Erfindung aus der US-Episkopalkirche (aus der ich komme) in den 80er Jahren. Die Idee war, eine Form des kontemplativen Gebets zu finden, was 1) nicht zwingend marianisch ist, 2) flexibel in der Gestaltung ist, 3) die praktischen Vorteile des Rosenkranz mit den symbolischen Vorteilen der orthodoxen Gebetsketten verbindet.
Kurz gesagt: Da ist mir der übliche Rosenkranz 950.000 mal lieber, als dieser antimarianische anglikanische Ersatz.
"Antimarianisch" ist ziemlich daneben. Du übersiehst z.B., daß ich den Engelschen Gruß als Bestandteil meines Gebets habe ("Hail Mary, full of grace...").

Es geht u.a. darum, daß man nicht nur marianisch betet. Der Rosenkranz ist nunmal sehr damit verbunden.

Und es ist kein "Ersatz", sondern ein Zusatz. Es ist uns Anglikanern wohl kaum verboten, den Rosenkranz zu beten. Machen sogar einige.
ad_hoc hat geschrieben:Wobei sich gleichfalls die Frage stellt: was gibt es denn in protestantischen und anglikanischen Kirche, was in der Katholischen Kirche nicht bereits in vollkommener Weise vorhanden wäre?
Dein Beispiel vor Augen, ich würde sagen, Demut und Lesefreude. :P

Cheers,

John
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anneke6
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Beitrag von anneke6 »

Hallo John!
Ich werde mir diese Beads später noch einmal anschauen. (Beinahe hätte ich gesagt: morgen früh — aber jetzt ist morgen früh.)
Ich habe auf jeden Fall schon länger gedacht: Wenn ad hoc und ich einer Meinung sind, an dem Tag heiratet der Papst.
Einer Meinung sind wir noch nicht, aber ich bin auch etwas verwirrt. Vor allem gefällt mir der im Wikipedia-Artikel enthaltene Ausdruck "ecumenical prayer beads" nicht. Du hast ja auch selber zugegeben, daß es Anglikanern nicht verboten ist, den herkömmlichen Rosenkranz zu beten.
Aber genug für heute nacht, heute morgen geht's weiter.

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

John Grantham hat gexchrieben:
Dein Beispiel vor Augen, ich würde sagen, Demut und Lesefreude.
Hallo John
Ich habe ja nicht gefragt, was bei mir nicht bereits in vollkommener Weise vorhanden wäre, sondern innerhalb der Katholischen Kirche.
:D
Mit der antimarianischen Provokation wolte ich nur Deine Einstellung hinterfragen. Den englischen Gruß als Bestandteil dieses Gebets hatte ich übersehen.

Gruß ad_hoc
quidquid cognoscitur, ad modum cognoscentis cognoscitur (n. Thomas v. Aquin)

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

Hallo anneke6

Ich bin von Deiner Einstellung deutlich mehr überzeugt als Du von meiner. ;)
Du siehst, aus meiner Sicht ist der Papst vor der Heirat gerettet. :D

Gruß, ad_hoc
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

anneke6 hat geschrieben:Hallo John!
Ich werde mir diese Beads später noch einmal anschauen. (Beinahe hätte ich gesagt: morgen früh — aber jetzt ist morgen früh.)
Ich habe auf jeden Fall schon länger gedacht: Wenn ad hoc und ich einer Meinung sind, an dem Tag heiratet der Papst.
Einer Meinung sind wir noch nicht, aber ich bin auch etwas verwirrt. Vor allem gefällt mir der im Wikipedia-Artikel enthaltene Ausdruck "ecumenical prayer beads" nicht. Du hast ja auch selber zugegeben, daß es Anglikanern nicht verboten ist, den herkömmlichen Rosenkranz zu beten.
Der Begriff "ecumenical prayer beads" liegt wohl daran, daß andere Christen diese Art von Gebetskette angenommen haben, und sie nennen sie aus diesem Grund ungern "anglikanisch", weil das befremdlich wirkt.

Letztendlich sind solche Ketten sowieso nicht "anglikanisch" in dem Sinne, daß sie nur uns gehören oder daß sie für alle Anglikaner Pflicht seien, daher sind beide Begriffe -- anglikanisch wie ökumenisch -- eigentlich leicht irreführend. Sie sind nur in so fern "anglikanisch", wo sie von einer anglikanischen Pfarrerin erfunden wurden und wo sie anfänglich bei uns in der Episkopalkirche verbreitet wurden.

Es ist uns Anglikanern zwar nicht verboten, den Rosenkranz zu beten, allerdings ist es in der Tat so, daß sehr viele Anglikaner marianische Gebete sowie Anrufung von Heiligen vehement ablehnen und den Rosenkranz bzw. kontemplatives Gebet fälschlischerweise ausschließlich damit verbunden haben. Das hat für viele Anglikaner den Weg zum kontemplativen Gebet sehr erschwert. Mit dieser Kette hat man es geschafft, die beiden Themen auseinander zu nehmen und den Zugang zur Thematik enorm zu erleichtern.

Parallel dazu gab es laufende Kontakte zur Orthodoxie, wo man mehr vom Herzensgebet erfuhr. Das hat sicherlich auch einen Einfluß ausgeübt.

Daher ist es nur in so fern "antimarianisch" in dem man den "low church"-Anglikanern (die wirklich antimarianisch sind) entgegen gekommen ist. Deswegen finde ich das Ganze enorm positiv: Man kann die Vielfalt des kontemplativen Gebets ausprobieren, ohne an eine bestimmte engere Tradition verbunden zu sein.

Cheers,

John
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

ad_hoc hat geschrieben:John Grantham hat gexchrieben:
Dein Beispiel vor Augen, ich würde sagen, Demut und Lesefreude.
Hallo John
Ich habe ja nicht gefragt, was bei mir nicht bereits in vollkommener Weise vorhanden wäre, sondern innerhalb der Katholischen Kirche.
:D
OK, aber da hätte ich tatsächlich 'ne Liste... ;)

Liturgie, Alter. Liturgie. Wieso macht Ihr nur schönes bei der päpstlichen?! Und wieso habt Ihr so schrecklich holperige Texte in den Hochgebeten? Da finde ich unsere im Book of Common Prayer doch 1000x besser. (Von mangelhaften Epiklesen nicht ganz zu schweigen.)

SD hat mal darauf hingewiesen, daß Anglikaner die den Sprung in den Tiber machen schnell bei den Pius-Brüdern landen, eben aus diesem Grund -- der Hunger nach einer schönen Liturgie. Auch der Pontificator (nach seinem Sprung) suchte lange, bevor er etwas halbwegs gutes fand...
ad_hoc hat geschrieben:Mit der antimarianischen Provokation wolte ich nur Deine Einstellung hinterfragen. Den englischen Gruß als Bestandteil dieses Gebets hatte ich übersehen.
Ich habe es schon woanders geschrieben, aber hier eine schnelle Zusammenfassung: Ich persönlich habe leichte Bauchschmerzen mit der Anrufung oder Anbetung von Heiligen. Daher mache ich nur den Engelschen Gruß und nicht den Zusatz "Bitte für uns Maria...". Aber Maria verehren? Damit habe ich gar kein Problem. Tue ich doch selber. Habe auch bei der Planung unseres Kirchbaus sogar dafür plädiert, eine Marienkapelle oder -nische einzuplanen. (Leider scheint das aus Platzgründen nicht zu gehen. Seufz.)

Cheers,

John
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Linus
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Beitrag von Linus »

John Grantham hat geschrieben:
:ikb_2guns: :ikb_argue: :ikb_bangin: :ikb_chair:

Gelebte Ökumene, meine Damen und Herren!
Aber immer doch: Und willst d nicht katholisch sein, so hau ich dir den Schädel ein. (die anderen Methoden - ihr wisst schon welche - sind ja verboten worden, wegen der Co2 belastung)
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Linus
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Beitrag von Linus »

John Grantham hat geschrieben:"Hail Mary, full of grace..."
"... please provide a parking space".
Ich persönlich habe leichte Bauchschmerzen mit der Anrufung oder Anbetung von Heiligen.
Warum? Weil du Protestant bist, der Anrufung und Anbetung nicht auseinander halten kann. (dasa ist bei euch ein Gen-Defekt oder?)
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Linus hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben:"Hail Mary, full of grace..."
"... please provide a parking space".
Ich bin Prophet! Ich wußte, daß Du das schreibst. :D
Linus hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben:Ich persönlich habe leichte Bauchschmerzen mit der Anrufung oder Anbetung von Heiligen.
Warum? Weil du Protestant bist, der Anrufung und Anbetung nicht auseinander halten kann. (dasa ist bei euch ein Gen-Defekt oder?)
Das Thema hatten wir schonmal reichlich durchgekaut. Aber um es zu wiederholen: Ich kann sehr wohl dazwischen unterscheiden. Nichts desto trotz halte ich es für fraglich, Heilige anzurufen. Soll nicht heißen, daß ich es generell verbieten würde oder daß ich es verurteile, sondern daß ich es für fraglich halte...und da ich mit DEM da oben nicht zu sehr herumspaßen will, lasse ich es lieber.

Zumal Jesus Christus in sich jede Fürbitte der Welt anbietet. Wozu einen Heiligen ansprechen?

Es gibt ja auch Katholiken, die ebenso denken. Ich würde das nicht generell mit "katholisch" verbinden, allein weil es in der rkK weit verbreitet ist. (Die Praxis zu verurteilen, daß würde ich tatsächlich "protestantisch" einstufen. Aber verurteilen tue ich's nicht.)

Cheers,

John
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Linus
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Beitrag von Linus »

John Grantham hat geschrieben:Das Thema hatten wir schonmal reichlich durchgekaut. Aber um es zu wiederholen: Ich kann sehr wohl dazwischen unterscheiden. Nichts desto trotz halte ich es für fraglich, Heilige anzurufen. Soll nicht heißen, daß ich es generell verbieten würde oder daß ich es verurteile, sondern daß ich es für fraglich halte...und da ich mit DEM da oben nicht zu sehr herumspaßen will, lasse ich es lieber.
Sag fragst du Frau, Freunde und Familie, ob sie ein Anliegen mit ins Gebet nehmen könnten? Nichts anderes ist es, wenn ich Heilige darum bitte. Ich hoff ja nicht, daß du das als "Totenbeschwörung" wie manche Freikirchler ansiehst (die müssen sich dann die Frage nachdem Glauben an die Auferstehung der Toten gefallen lassen).
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conscientia
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Beitrag von conscientia »

Salut miteinander,

da gibt es ja doch einige Dinge, die bei den Protestanten praktiziert werden und sinnvollerweise der römischen Kirche als Denkanstoß dienen können, um ihre Katholizität in tiefster und umfassendster Weise auszudrücken:
a) die im Übermaß praktisch (tägliche Schriftlesung) umgesetzte Liebe zur Hl. Schrift, wenn auch nicht in der Weise, wie wir Katholiken das für sinnvoll halten (da stimme ich taddeo zu),
b) speziell das oft überraschend intensive Psalterstudium und Psalterkönnen bei den Kalvinisten, besonders den orthodoxen,
c) alte Traditionen aus der Zeit vor Reformation und katholischer Reform (Benennung der Sonntage, Festhalten am dreimal täglichen Gebetsläuten, Gebetsostung, Festhalten an der Benutzung von Kanzeln), die bei den Katholiken in Vergessenheit geraten sind,
d) die Pflege der Kirchenmusik,
e) Zulassung von Frauen zum geistlichen Dienstamt der Kirche.
Ich füge hinzu: f) oft flexibleres Eingehen auf die Welt von heute bis hin zu völliger Liberalisierung (mit allen Schattenseiten, die das mit sich bringt), das der römischen Kirche mindestens in den deutschsprachigen Landen auf Grund kulturkampfbedingter Ghetto-Mentalität lange Zeit abhanden gekommen war;
g) das evangelische Pfarrhaus - wenn es denn richtig geführt ist und die Pfarrerskinder nicht von einer ständig mäkelnden Gemeinde vom christlichen Glauben abgebracht werden.
Sicher, einiges von dem, was manche von uns genannt haben, gibts auch in der römischen Kirche, aber eben nicht immer ganz so intensiv. Warum nicht auch von den getrennten Brüdern lernen, ob sie jetzt "Kirchen" oder "kirchliche Gemeinschaften" bilden? Zumindest scheint es mir nicht sinnvoll, alles Protestantische in Bausch und Bogen zu verurteilen.


Mit verbindlicher Empfehlung
c., seines Zeichens Katholik vom Scheitel bis zur Sohle.

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Linus hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben:Das Thema hatten wir schonmal reichlich durchgekaut. Aber um es zu wiederholen: Ich kann sehr wohl dazwischen unterscheiden. Nichts desto trotz halte ich es für fraglich, Heilige anzurufen. Soll nicht heißen, daß ich es generell verbieten würde oder daß ich es verurteile, sondern daß ich es für fraglich halte...und da ich mit DEM da oben nicht zu sehr herumspaßen will, lasse ich es lieber.
Sag fragst du Frau, Freunde und Familie, ob sie ein Anliegen mit ins Gebet nehmen könnten? Nichts anderes ist es, wenn ich Heilige darum bitte. Ich hoff ja nicht, daß du das als "Totenbeschwörung" wie manche Freikirchler ansiehst (die müssen sich dann die Frage nachdem Glauben an die Auferstehung der Toten gefallen lassen).
Um Himmels willen, darum geht es mir ja nicht.

Heilige sind ja wieder beim Vater -- Teil der himmlischen Chöre. Da sie sowieso in diesem erhobenen Zustand sind, ist es aus meiner Sicht fast so, als ob man sie in eine göttliche Stellung bringt, wenn man sie anruft. Gott sagt doch selber:
Exodus 20,5a hat geschrieben:Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott...
Das klingt für mich reichlich nach Warnung an, bloß die Finger davon zu lassen, irgendetwas zu tun, was annähernd wie Anbeten vorkommt. Natürlich verstehe ich, daß man versucht, da zu unterscheiden. Aber es kommt mir wie Haarespalterei vor.

Zusätzlich frage ich, was der Nutzen ist. Joh 14,6 sagt ausdrücklich, es gibt keinen Weg zum Vater außer durch Jesus. Wozu einen Heiligen fragen, wenn Jesus doch der einzige Weg ist?

In Joh 3,36 gibt's wieder eine Ermahnung: Die, die am Sohn glauben, gelangen zum Heil -- und die, die nicht glauben, erleiden den Zorn Gottes. Wenn ich am Sohn glaube, glaube ich auch an Seine Barmherzigkeit und Liebe. Wieder die Frage: Wozu einen Heiligen anrufen?

Es gibt auch andere Zitate aus dem NT, wo die Praxis sehr fraglich aussieht. Es gibt m.E. nirgendwo ein Vorbild für die Praxis: Es wird stets den Vater oder Jesus selbst angesprochen.

Ich verstehe den Ansatz und den guten Willen. Die Tatsache, daß die Praxis eine lange Tradition hat, leitet mich auch dazu, sie nicht zu verurteilen. Nichts desto trotz halte ich sie für fraglich, und tue es lieber nicht.

Ich unterscheide ein wenig mit Fürbitte im Gottesdienst, denn an der Stelle ist das ein Akt der Kirche und bekommt einen anderen Charakter. Wir beten zusammen als Einheit, als die Kirche, als der mystische Leib Christi. Wenn man's "privat" macht, fängt das m.E. an, fraglich zu werden.

Cheers,

John
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anneke6
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Beitrag von anneke6 »

So…ich habe mir mittlerweile diese Prayer Beads angeguckt. Also hübsch aussehen tun sie ja (sind aber auch teuer!)…und an sich gibt es nichts an dem Gebet, was dem Glauben widersprechen würde. Und natürlich kann man an Perlen andere Gebete abzählen als den traditionellen marianischen Rosenkranz. Es gibt in der katholischen Volksfrömmigkeit sehr viele solcher "Rosenkränzlein" oder "Koronen" — am bekanntesten wohl der Barmherzigkeitsrosenkranz.
Was mir allerdings auch auffällt…
• Die Andacht besteht aus katholischen und orthodoxen Elementen. Doch sowohl ein Katholiken als ein Orthodoxer wird von der äußerlichen Form verwirrt sein.
• Wenn die Rede von "Ecumenical Prayer Beads" ist, werden Gläubige, die weder Anglikaner noch Katholiken sind, eher zu ihnen hingezogen und vom traditionellen Rosenkranz abgelenkt.
• Im Gegensatz zum traditionellen Rosenkranz kann diese Andacht nicht gemeinsam gebetet werden.
• Und für diejenigen, die an Marienerscheinungen glauben — ad hoc: *zwinker, zwinker* — es ist nicht das Gebet, das Maria bei ihren Erscheinungen empfohlen hat.
Ich persönlich habe es mir jedenfalls zur Regel gemacht, jeden Tag einen Rosenkranz (5 Gesätze) zu beten — wenn es gar nicht anders geht, dann nur ein Gesätz, oder ich gehe mit dem Rosenkranz ins Bett und bete, bis ich eingeschlafen bin. Ich glaube, daß dieses Gebet sehr segensreich ist, und es würde mich freuen, wenn auch Nicht-Katholiken es entdecken.

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

ad_hoc hat geschrieben:Kurz gesagt: Da ist mir der übliche Rosenkranz 950.000 mal lieber, als dieser antimarianische anglikanische Ersatz.
Hallo Ad_hoc,

nur zur Klärung: Auch bei den Anglikanern wird der normale Rosenkranz häufiger gebetet als díese mögliche Ersatzversion.
Wobei sich gleichfalls die Frage stellt: was gibt es denn in protestantischen und anglikanischen Kirche, was in der Katholischen Kirche nicht bereits in vollkommener Weise vorhanden wäre?
Der Evensong ist allerdings verhandelbar. 8)


Einige wesentliche Punkte bei den Anglikanern, die hier ja schon angeklungen sind:

Liturgie und Liturgische Sprache: Da die Anglikaner bei den Formulierungen nicht auf ein lateinisches Original achten müssen, sondern auf eine jahrhundertelange volkssprachliche Tradition liturgischer Texte (erstes Book of Common Prayer 1549) zurückgreifen können, sind unsere liturgischen Texte einfach sprachlich besser. Die englischsprachigen Diözesen der R K K arbeiten allerdings an einem neuen Missal, daß hoffentlich die schlimmsten Holperigkeiten jetzt ausräumt.

Musik: Ich kenne außer der orthodoxen Tradition keine kirchliche Tradition, in der die Chormusik ein solch integraler Bestandteil der Feier der Liturgie wäre. Einen Choral Evensong, eine Choral Eucharist und Choral Mattins findet man in allen Kathedralen und größeren Pfarrkirchen in England. Das ist einmalig in der Welt.

Feier der Stundengebete: Die Liturgiereform nach Vatikanum II hat zu einer Verengung der liturgischen Feiern in der R K K geführt. Die Meßfeier ist fast alleinige und vorherrschende Liturgieform geworden. Vespern, Eucharistische Andachten etc kommen kaum noch vor, vom Stundengebet ganz zu schweigen. Die Anglikaner haben hier einen deutlichen Vorteil. Bereits mit dem ersten Book of Common Prayer wurden durch die Liturgie des Morning Prayer (Mattins) und Evening Prayer (Evensong) die öffentlichen Stundengebete auf zwei pro Tag reduziert. Die künstlerische Ausgestaltung durch die Chormusik hat dazu beigetragen, daß diese Formen von Morgengebet und Vespergottesdienst heute noch sehr lebendig sind (Evensong mehr als Mattins). In Kathedralen und größeren Kirchen werden sie täglich gefeiert, der Evensong fast immer in gesungener Form.
If only closed minds came with closed mouths.

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

anneke6 hat geschrieben:• Die Andacht besteht aus katholischen und orthodoxen Elementen. Doch sowohl ein Katholiken als ein Orthodoxer wird von der äußerlichen Form verwirrt sein.
Nur eine Frage der Gewöhnung. Du könntest genau so gut sagen, ein Orthodoxer wird vom Rosenkranz verwirrt bzw. ein Römisch-Katholik wird vom Chotki verwirrt.
anneke6 hat geschrieben:• Wenn die Rede von "Ecumenical Prayer Beads" ist, werden Gläubige, die weder Anglikaner noch Katholiken sind, eher zu ihnen hingezogen und vom traditionellen Rosenkranz abgelenkt.
Das ist jedoch kein Argument: Solche werden vom Rosenkranz bereits abgelenkt, und zwar wegen der Bindung an marianische Gebetsformen. Wohlgemerkt sind die orthodoxe Gebetsketten nicht marianisch, andererseits haben sie die Staffelung des Rosenkranzes nicht.
anneke6 hat geschrieben:• Im Gegensatz zum traditionellen Rosenkranz kann diese Andacht nicht gemeinsam gebetet werden.
Das ist absolut falsch. Ich habe bereits auf diese Seite verlinkt, wo immer wieder gesagt wird:

Or, in a group setting:

Die Form, die ich persönlich praktiziere, ist zugegeben nur für mich persönlich und ist nicht für Gruppen geeignet. Na und? Gibt doch andere Formen, die man mit der Kette machen kann (wie auf der Website aufgelistet), die für Gruppen tatsächlich geeignet sind.
anneke6 hat geschrieben:Ich persönlich habe es mir jedenfalls zur Regel gemacht, jeden Tag einen Rosenkranz (5 Gesätze) zu beten — wenn es gar nicht anders geht, dann nur ein Gesätz, oder ich gehe mit dem Rosenkranz ins Bett und bete, bis ich eingeschlafen bin. Ich glaube, daß dieses Gebet sehr segensreich ist, und es würde mich freuen, wenn auch Nicht-Katholiken es entdecken.
Der Rosenkranz ist letztendlich nur eine Form von vielen aus dem Bereich des kontemplativen Gebets. Du scheinst ausschließen zu wollen, daß es überhaupt andere Formen geben kann (z.B. Herzensgebet). Das ist einfach falsch.

Cheers,

John
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John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Stephen Dedalus hat geschrieben:nur zur Klärung: Auch bei den Anglikanern wird der normale Rosenkranz häufiger gebetet als díese mögliche Ersatzversion.
Leute. Nicht ERsatz. ZUsatz.

Oder kann man Herzensgebet und Rosenkranz nicht parallel machen? Das eine schließt das andere doch nicht aus. Also wieso müßte die Verwendung von Anglican prayer beads den Rosenkranz ausschließen?

Cheers,

John
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anneke6
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Beitrag von anneke6 »

Ach John…
also zuerst einmal: Ich kenne andere Formen des meditativen Betens, und unter anderem habe ich mich intensiv mit dem Herzensgebet beschäftigt. So intensiv, daß mir orthodoxe Christen auf die Finger klopfen mußten. Viele orthodoxe Theologen raten Heterodoxe davon ab, "mit Leib und Seele" das Herzensgebet zu beten.
Auf jeden Fall habe ich auf diese Weise erfahren, daß man das Herzensgebet NIE, aber auch NIE mit anderen zusammen betet.
Und dann: Ich bin überzeugt, daß Herzensgebet und Rosenkranz komplett andere Gebete sind. Die Vorstellung, der Rosenkranz sei "das Jesusgebet des Westens" ist ein Produkt der Theologie des 20. Jahrhunderts. Natürlich gibt es Parallelen: Das meditative Beten des Namen Jesu (der auch im Ave vorkommt…), das Verwenden einer Gebetshilfe…
Aber: Beim Rosenkranz werden Geheimnisse meditiert. Dies lehnt die orthodoxe Theologie aber bezüglich des Jesusgebetes ab. Man soll sich ganz in den Namen Jesu hineinversenken, nicht in Begebenheiten aus dem Leben Jesu.
Es gibt aber auch einen orthodoxen Rosenkranz, den stell ich in einem anderen Thread ein.
Guckst Du hier…

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Moin Anneke,
anneke6 hat geschrieben:Ach John…
also zuerst einmal: Ich kenne andere Formen des meditativen Betens, und unter anderem habe ich mich intensiv mit dem Herzensgebet beschäftigt. So intensiv, daß mir orthodoxe Christen auf die Finger klopfen mußten. Viele orthodoxe Theologen raten Heterodoxe davon ab, "mit Leib und Seele" das Herzensgebet zu beten.
Auf jeden Fall habe ich auf diese Weise erfahren, daß man das Herzensgebet NIE, aber auch NIE mit anderen zusammen betet.
Alles schön und gut, aber was hat das mit Deiner Kritik der Anglican prayer beads zu tun? Deine jetzige Aussage macht die Kritik sogar noch weniger nachvollziehbar.
anneke6 hat geschrieben:Und dann: Ich bin überzeugt, daß Herzensgebet und Rosenkranz komplett andere Gebete sind. Die Vorstellung, der Rosenkranz sei "das Jesusgebet des Westens" ist ein Produkt der Theologie des 20. Jahrhunderts.
Ich habe das auch nicht anders behauptet. Ich habe zudem mehrfach gesagt, daß die Anglican prayer beads keinen Ersatz für den Rosenkranz sind, sondern lediglich eine Form vom kontemplativen Gebet.

Man kann ja Herzensgebet und Rosenkranz beten, wie Du das offensichtlich tust. Wieso sollte man z.B. Rosenkranz und Anglican prayer beads nicht zusammen beten können? Oder Herzensgebet und Anglican prayer beads? Oder sogar alle drei?

Wenn man theologische Probleme mit dem Rosenkranz oder mit dem Herzensgebet hat, hat man mit Anglican prayer beads jedoch trotzdem einen Zugang zum kontemplativen Gebet. Vielleicht öffnet sich damit das Tor zu den anderen Formen -- und man erreicht und hilft damit Menschen, die sonst mit dem kontemplativen Gebet nichts anfangen könnten. Ich sehe da nur Positives.

Cheers,

John
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

cantus planus hat geschrieben:Wir kennen auch Evensongs, nämlich Vesper und Komplet.
Einen nennenswerten Unterschied gibt es jedoch: Beim Evensong (wie bei Mattins) ist die fortlaufende Lesung aus der Hl. Schrift fester Bestandteil der Liturgie. Nach der alten BCP-Ordnung wird im Laufe eines Jahres das AT einmal und das NT zweimal öffentlich in der Kirche gelesen. Das ist phänomenal. Der Psalter wird im Laufe eines Monats durchgesungen.
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Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

Raimund Josef H. hat geschrieben:Der Evensong in St. Pauls hat mir natürlich auch sehr gefallen, als ich in London war.
St Paul's ist nur werktags gut, sonntags sitzt man zu weit vom Chor weg. Am Wochenende ist Westminster Abbey deutlich vorzuziehen )man muß sich allerdings mind eine halbe Stunde vorher anstellen). Und natürlich All Saints Margaret Street, St Bartholomew the Great oder St Bride's Fleet Street. Nur so als Tipp für den nächsten Besuch in London. ;)
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anneke6
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Beitrag von anneke6 »

John Grantham hat geschrieben:Moin Anneke,
anneke6 hat geschrieben:Ach John…
also zuerst einmal: Ich kenne andere Formen des meditativen Betens, und unter anderem habe ich mich intensiv mit dem Herzensgebet beschäftigt. So intensiv, daß mir orthodoxe Christen auf die Finger klopfen mußten. Viele orthodoxe Theologen raten Heterodoxe davon ab, "mit Leib und Seele" das Herzensgebet zu beten.
Auf jeden Fall habe ich auf diese Weise erfahren, daß man das Herzensgebet NIE, aber auch NIE mit anderen zusammen betet.
Alles schön und gut, aber was hat das mit Deiner Kritik der Anglican prayer beads zu tun? Deine jetzige Aussage macht die Kritik sogar noch weniger nachvollziehbar.

John
Es ging a) darum, daß Du sagtest, man könnte die Prayer Beads (die ja sehr stark auf dem Jesusgebet aufbauen) in einer Gruppensitzung beten, und b) ging es allgemein über das Problem des Jesusgebetes im Westens. Oder besser die Probleme. Denn die sind nicht zu unterschätzen.

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Beitrag von Raimund J. »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
Raimund Josef H. hat geschrieben:Der Evensong in St. Pauls hat mir natürlich auch sehr gefallen, als ich in London war.
St Paul's ist nur werktags gut, sonntags sitzt man zu weit vom Chor weg. Am Wochenende ist Westminster Abbey deutlich vorzuziehen )man muß sich allerdings mind eine halbe Stunde vorher anstellen). Und natürlich All Saints Margaret Street, St Bartholomew the Great oder St Bride's Fleet Street. Nur so als Tipp für den nächsten Besuch in London. ;)
Ja Danke, ich hoffe doch irgendwann diesem Städtchen an der Themse wieder einen Besuch abstatten zu können.

In St. Pauls war ich am Werktag, da hatte ich ja Glück. Faszinierend war der Eifer des "Aufsehers", der ständig geschickt zwischen Abwehr von ahnungslosen Touristen und Einladung von Evensong-Interessierten "umschalten" musste.
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
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Beitrag von John Grantham »

anneke6 hat geschrieben:
John Grantham hat geschrieben:
anneke6 hat geschrieben:Ach John…
also zuerst einmal: Ich kenne andere Formen des meditativen Betens, und unter anderem habe ich mich intensiv mit dem Herzensgebet beschäftigt. So intensiv, daß mir orthodoxe Christen auf die Finger klopfen mußten. Viele orthodoxe Theologen raten Heterodoxe davon ab, "mit Leib und Seele" das Herzensgebet zu beten.
Auf jeden Fall habe ich auf diese Weise erfahren, daß man das Herzensgebet NIE, aber auch NIE mit anderen zusammen betet.
Alles schön und gut, aber was hat das mit Deiner Kritik der Anglican prayer beads zu tun? Deine jetzige Aussage macht die Kritik sogar noch weniger nachvollziehbar.
Es ging a) darum, daß Du sagtest, man könnte die Prayer Beads (die ja sehr stark auf dem Jesusgebet aufbauen) in einer Gruppensitzung beten, und b) ging es allgemein über das Problem des Jesusgebetes im Westens. Oder besser die Probleme. Denn die sind nicht zu unterschätzen.
a) stimmt so nicht: Manche der Gebete sind am Herzensgebet angelehnt, aber noch lange nicht alle. Außerdem soll man es frei gestalten können und die Gebete sind nur Ansätze oder Vorschläge. Die auf der o.g. Website vorgeführten Gebete sind auch nur zum Teil am Herzensgebet angelehnt (das St. Patrick's Breastplate ist ein Beispiel, wo es eher eine eigene Form hat).

Ähnlich wie mit dem Chotki kann man auch Psalmen damit beten.

Wenn man Gruppengebete damit machen will, kann man es doch tun -- man gestaltet ein Gebet für den Zweck oder nimmt ein vorhandenes, das paßt.

b) hat auch wenige Aussage über die Gebete, die vorgeschlagen werden, denn wie bei a) angemerkt, man muß kein Herzensgebet damit machen. Es ist zwar beispielhaft angegeben, aber man kann alles mögliche damit machen.

Cheers,

John
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ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

Stephen Dedalus hat geschrieben:
ad_hoc hat geschrieben:Kurz gesagt: Da ist mir der übliche Rosenkranz 950.000 mal lieber, als dieser antimarianische anglikanische Ersatz.
Hallo Ad_hoc,

nur zur Klärung: Auch bei den Anglikanern wird der normale Rosenkranz häufiger gebetet als díese mögliche Ersatzversion.
Wobei sich gleichfalls die Frage stellt: was gibt es denn in protestantischen und anglikanischen Kirche, was in der Katholischen Kirche nicht bereits in vollkommener Weise vorhanden wäre?
Der Evensong ist allerdings verhandelbar. 8)


Einige wesentliche Punkte bei den Anglikanern, die hier ja schon angeklungen sind:

Liturgie und Liturgische Sprache: Da die Anglikaner bei den Formulierungen nicht auf ein lateinisches Original achten müssen, sondern auf eine jahrhundertelange volkssprachliche Tradition liturgischer Texte (erstes Book of Common Prayer 1549) zurückgreifen können, sind unsere liturgischen Texte einfach sprachlich besser. Die englischsprachigen Diözesen der R K K arbeiten allerdings an einem neuen Missal, daß hoffentlich die schlimmsten Holperigkeiten jetzt ausräumt.

Musik: Ich kenne außer der orthodoxen Tradition keine kirchliche Tradition, in der die Chormusik ein solch integraler Bestandteil der Feier der Liturgie wäre. Einen Choral Evensong, eine Choral Eucharist und Choral Mattins findet man in allen Kathedralen und größeren Pfarrkirchen in England. Das ist einmalig in der Welt.

Feier der Stundengebete: Die Liturgiereform nach Vatikanum II hat zu einer Verengung der liturgischen Feiern in der R K K geführt. Die Meßfeier ist fast alleinige und vorherrschende Liturgieform geworden. Vespern, Eucharistische Andachten etc kommen kaum noch vor, vom Stundengebet ganz zu schweigen. Die Anglikaner haben hier einen deutlichen Vorteil. Bereits mit dem ersten Book of Common Prayer wurden durch die Liturgie des Morning Prayer (Mattins) und Evening Prayer (Evensong) die öffentlichen Stundengebete auf zwei pro Tag reduziert. Die künstlerische Ausgestaltung durch die Chormusik hat dazu beigetragen, daß diese Formen von Morgengebet und Vespergottesdienst heute noch sehr lebendig sind (Evensong mehr als Mattins). In Kathedralen und größeren Kirchen werden sie täglich gefeiert, der Evensong fast immer in gesungener Form.
Da hast Du wohl größtenteils Recht! sofern Deine Kritik den NOM betrifft! (Hier ist beispielsweise die sprachliche Textbehandlung bei den Hochgebeten oft schrecklich und am schrecklichsten, wenn sie scheinbar erst unmittelbar vor der Anwendung kreiert worden ist.)

Gruß, ad_hoc
quidquid cognoscitur, ad modum cognoscentis cognoscitur (n. Thomas v. Aquin)

conscientia
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Beitrag von conscientia »

Hallo zusammen, ich habe noch Fragen:
ad_hoc hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:
ad_hoc hat geschrieben:Kurz gesagt: Da ist mir der übliche Rosenkranz 950.000 mal lieber, als dieser antimarianische anglikanische Ersatz.
Hallo Ad_hoc,

nur zur Klärung: Auch bei den Anglikanern wird der normale Rosenkranz häufiger gebetet als díese mögliche Ersatzversion.
Wobei sich gleichfalls die Frage stellt: was gibt es denn in protestantischen und anglikanischen Kirche, was in der Katholischen Kirche nicht bereits in vollkommener Weise vorhanden wäre?
Der Evensong ist allerdings verhandelbar. 8)


Einige wesentliche Punkte bei den Anglikanern, die hier ja schon angeklungen sind:

Liturgie und Liturgische Sprache: Da die Anglikaner bei den Formulierungen nicht auf ein lateinisches Original achten müssen, sondern auf eine jahrhundertelange volkssprachliche Tradition liturgischer Texte (erstes Book of Common Prayer 1549) zurückgreifen können, sind unsere liturgischen Texte einfach sprachlich besser. Die englischsprachigen Diözesen der R K K arbeiten allerdings an einem neuen Missal, daß hoffentlich die schlimmsten Holperigkeiten jetzt ausräumt.

Musik: Ich kenne außer der orthodoxen Tradition keine kirchliche Tradition, in der die Chormusik ein solch integraler Bestandteil der Feier der Liturgie wäre. Einen Choral Evensong, eine Choral Eucharist und Choral Mattins findet man in allen Kathedralen und größeren Pfarrkirchen in England. Das ist einmalig in der Welt.

Feier der Stundengebete: Die Liturgiereform nach Vatikanum II hat zu einer Verengung der liturgischen Feiern in der R K K geführt. Die Meßfeier ist fast alleinige und vorherrschende Liturgieform geworden. Vespern, Eucharistische Andachten etc kommen kaum noch vor, vom Stundengebet ganz zu schweigen. Die Anglikaner haben hier einen deutlichen Vorteil. Bereits mit dem ersten Book of Common Prayer wurden durch die Liturgie des Morning Prayer (Mattins) und Evening Prayer (Evensong) die öffentlichen Stundengebete auf zwei pro Tag reduziert. Die künstlerische Ausgestaltung durch die Chormusik hat dazu beigetragen, daß diese Formen von Morgengebet und Vespergottesdienst heute noch sehr lebendig sind (Evensong mehr als Mattins). In Kathedralen und größeren Kirchen werden sie täglich gefeiert, der Evensong fast immer in gesungener Form.

Da hast Du wohl größtenteils Recht! sofern Deine Kritik den NOM betrifft! (Hier ist beispielsweise die sprachliche Textbehandlung bei den Hochgebeten oft schrecklich und am schrecklichsten, wenn sie scheinbar erst unmittelbar vor der Anwendung kreiert worden ist.)

Gruß, ad_hoc
Liebe Anglikaner,
was Ihr über Liturgiesprache, Musik und Stundengebet schreibt, empfinde ich auch so.
Nachfragen zum Stundengebet: a) Klar, an den meisten Bischofskirchen im deutschen Sprachraum gibt es kein regelmäßiges Stundengebet, schon gar nicht eins, das mit täglicher Regelmäßigkeit von den Domherren getragen wird. Tragen in der Kirche von England und in Übersee die Kanoniker regelmäßig das Stundengebet mit, oder überlassen sie seine Ausführung dafür angestellten Musikern (und Chorknaben, vielleicht Internatsschülern?)
b) Im Book of Common Prayer steht zu lesen, der Priester in einer Pfarre soll die Glocke ziehen, bevor er mit dem Lesen des Stundengebets anfängt. Sollte es wirklich Gemeindekirchen geben, in denen annähernd regelmäßig Mattins und Evensong gehalten werden? (Mich würde das sehr freuen.)
c) Wie schaut's aus mit dem Umfang der einzelnen Horen? (So oft ich versucht habe, den kompletten Text der Mattins oder eines Evensongs mit Hilfe der unter www.justus.anglican.org auffindbaren deutschen Übersetzung (in den 1890er Jahren von der Episkopalkirche in den USA veröffentlicht) zu beten bzw. zu rezitieren, hatte ich enorme Schwierigkeiten mit dem Zeitaufwand. Unter einer halben Stunde bin ich da nicht durch, mag selbst lieber Horen, die wenig Text enthalten, aber etwas Zeit bieten für das private Gebet, das das offizielle durchflicht.) Dauern Mattins, dauert ein Evensong mit Chor in der Kathedrale 'ne halbe, 'ne Dreiviertelstunde? Wie lange braucht der geübte Common-Prayer-Book-Stundengebetsbeter für seine Gebetseinheit?
d) Gibt es andere Stundenbücher, die ebenso verbreitet oder noch verbreiteter sind als das BCP?
e) Muss ich mir das in der Praxis wirklich so vorstellen, dass in irgendeinem Präriedorf in Kanada oder den USA, in dem es eine anglikanische Kirche gibt, abends um 18 Uhr das Glöckchen läutet und der Pfarrer/die Pfarrerin mit dem Küster die Hore beginnt?
Das wäre schon was!

Lieben Gruß - conscientia

Stephen Dedalus
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Beitrag von Stephen Dedalus »

conscientia hat geschrieben: Liebe Anglikaner,
was Ihr über Liturgiesprache, Musik und Stundengebet schreibt, empfinde ich auch so.
Nachfragen zum Stundengebet: a) Klar, an den meisten Bischofskirchen im deutschen Sprachraum gibt es kein regelmäßiges Stundengebet, schon gar nicht eins, das mit täglicher Regelmäßigkeit von den Domherren getragen wird. Tragen in der Kirche von England und in Übersee die Kanoniker regelmäßig das Stundengebet mit, oder überlassen sie seine Ausführung dafür angestellten Musikern (und Chorknaben, vielleicht Internatsschülern?)


Die Kanoniker tragen das mit. Zwar übernimmt der Chor große Teile (die Opening Responses, Psalm, Cantica, Lesser Litany etc.) Die Tagesgebete, Fürbitten und die Lesungen werden aber von den Priestern gehalten. In den Kathedralen sind daher immer alle Priester (Dean und Canons) dabei, die nicht anderweitig verhindert sind, plus Verger. Die non-residential Canons und Honorary Canons sind natürlich eine Ausnahme. Es sind eigentlich immer Priester dabei, die nichts tun außer mitzubeten.

b) Im Book of Common Prayer steht zu lesen, der Priester in einer Pfarre soll die Glocke ziehen, bevor er mit dem Lesen des Stundengebets anfängt. Sollte es wirklich Gemeindekirchen geben, in denen annähernd regelmäßig Mattins und Evensong gehalten werden? (Mich würde das sehr freuen.)


Jeder Priester wird bei der Ordination verpflichtet, Morning und Evening Prayer zu halten. Ob er das in der Kirche oder daheim tut, bleibt ihm überlassen. In Colleges und Kathedralen sowie größeren Stiftskirchen geschieht dies meist in der Kapelle. In meiner Pfarrkirche tut der Priester das in der Kirche, ggf. mit Kollegen. Er läutet aber nicht. Mattins und Evensong während der Woche in normalen Gemeindekirchen sind relativ selten.

c) Wie schaut's aus mit dem Umfang der einzelnen Horen? (So oft ich versucht habe, den kompletten Text der Mattins oder eines Evensongs mit Hilfe der unter www.justus.anglican.org auffindbaren deutschen Übersetzung (in den 1890er Jahren von der Episkopalkirche in den USA veröffentlicht) zu beten bzw. zu rezitieren, hatte ich enorme Schwierigkeiten mit dem Zeitaufwand. Unter einer halben Stunde bin ich da nicht durch, mag selbst lieber Horen, die wenig Text enthalten, aber etwas Zeit bieten für das private Gebet, das das offizielle durchflicht.) Dauern Mattins, dauert ein Evensong mit Chor in der Kathedrale 'ne halbe, 'ne Dreiviertelstunde? Wie lange braucht der geübte Common-Prayer-Book-Stundengebetsbeter für seine Gebetseinheit?


Ein Choral Evensong dauert in der Regel 45 min ohne Predigt (gepredigt wird im Evensong nur am Sonntag). In gesprochener Form ca. 25 min. Das hängt aber von der Länge der Lesungen und Psalmen ab. Es gibt kleinere Kürzungsmöglichkeiten:

- An Werktagen fallen am Beginn Sündenbekenntnis und Absolution weg. Der Gottesdienst beginnt dann immer mit "O Lord, open Thou our lips".
- Es müssen nicht immer alle Psalmen gesungen werden, man kann eine Auswahl treffen und statt drei Psalmen nur einen beten.
- Grundsätzlich gilt, daß nach AT und NT Lesung nur ein Canticum gesungen wird, das BCP bietet hier mehre Möglichkeiten an.

d) Gibt es andere Stundenbücher, die ebenso verbreitet oder noch verbreiteter sind als das BCP?


Das BCP ist die übliche Form für Mattins und Evensong in der Kirche. Es war nicht primär für das persönliche Gebet bestimmt - wie der Name schon sagt: Common Prayer heißt ja "Gemeinsames Gebet". Für das private Gebet und in geistlichen Gemeinschaften wird von den Anglokatholiken noch gerne das "Daily Office" benutzt, ein Gebetbuch namens "Celebrating Common Prayer" und besonders seit seinem Erscheinen "Common Worship - Daily Prayer".

e) Muss ich mir das in der Praxis wirklich so vorstellen, dass in irgendeinem Präriedorf in Kanada oder den USA, in dem es eine anglikanische Kirche gibt, abends um 18 Uhr das Glöckchen läutet und der Pfarrer/die Pfarrerin mit dem Küster die Hore beginnt?
Das wäre schon was!


Das kommt schon vor, aber meist ist es dann der Priester ohne Küster, vielleicht mit ein paar einzelnen Gemeindegliedern. Ich war mal in Brighton und kam gegen 6pm an einer Kirche vorbei, die offen war. Drin war niemand als allein der Priester, der das Evening Prayer betete. War wunderschön!
If only closed minds came with closed mouths.

John Grantham
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Beitrag von John Grantham »

Hallo conscientia,

Nur zur Info, ich komme aus der US-Episkopalkirche und kenne mich dementsprechend damit aus. SD kann Dir von der Church of England berichten.
conscientia hat geschrieben:Tragen in der Kirche von England und in Übersee die Kanoniker regelmäßig das Stundengebet mit, oder überlassen sie seine Ausführung dafür angestellten Musikern (und Chorknaben, vielleicht Internatsschülern?)
Wie oben verlinkt, BBC Radio 3 überträgt Evensong einmal der Woche. Hier auch ein paar andere Angebote:

http://www.joh.cam.ac.uk/chapel_and_cho ... en_online/
http://www.saintthomaschurch.org/Stream.html
conscientia hat geschrieben:b) Im Book of Common Prayer steht zu lesen, der Priester in einer Pfarre soll die Glocke ziehen, bevor er mit dem Lesen des Stundengebets anfängt. Sollte es wirklich Gemeindekirchen geben, in denen annähernd regelmäßig Mattins und Evensong gehalten werden? (Mich würde das sehr freuen.)
Also in jeder Kirche sicherlich nicht (ich meine, die meisten in der Episkopalkirche machen Gottesdienste am Sonntag, dafür mehrmals am Tag, und vielleicht an einem weiteren Tag der Woche), aber in vielen ist es schon so. Zwar müssen die Geistlichen die Horen machen, aber das heißt leider nicht, daß das als Gottesdienst angeboten wird.

Meine letzte Gemeinde in den USA feiert Evening Prayer jeden Sonntag, Mittwoch und Donnerstag (mit Eucharistiefeiern 2x am Sonntag und 1x Mittwochs). So ein Rhythmus ist nach meiner Erfahrung normal, größere Gemeinden schaffen natürlich entsprechend mehr. Kathedrale erst recht. Aber auch dann gibt es komische Lücken: Meine alte Kathedrale in Minnesota feiert zwar fast täglich Gottesdienste, aber überwiegend Eucharistiefeier. Choral Evensong wird nur einmal im Monat gemacht.

Die National Cathedral in Washington, DC hat m.E. ein vorbildliches Angebot:

http://www.cathedral.org/cathedral/wors ... dule.shtml
conscientia hat geschrieben:(So oft ich versucht habe, den kompletten Text der Mattins oder eines Evensongs mit Hilfe der unter www.justus.anglican.org auffindbaren deutschen Übersetzung (in den 1890er Jahren von der Episkopalkirche in den USA veröffentlicht)...
Zur Info, es gibt auch eine neue Übersetzung bzw. eine zweisprachige Version des US-Book of Common Prayer. Kam vor ein paar Jahren raus. Mehr Infos hier:

http://www.stjames.it/prayerbook2.html

Kostet €14 zzgl. Versand, wenn ich mich richtig erinnere.
conscientia hat geschrieben:Dauern Mattins, dauert ein Evensong mit Chor in der Kathedrale 'ne halbe, 'ne Dreiviertelstunde?
Sehr unterschiedlich, je nach Auslegung, aber 3/4 Stunde kommt hin.
conscientia hat geschrieben:Wie lange braucht der geübte Common-Prayer-Book-Stundengebetsbeter für seine Gebetseinheit?
Nun ja, ich brauche für Evening Prayer etwa 20 Minuten, mehr oder weniger. (Wobei ich nicht singe, sondern die Texte einfach lese.)

Morning Prayer mache ich nicht, weil ich die absolute Anti-Morgen-Person bin (im Ernst, ich bin gar nicht zu sprechen vor etwa 10 Uhr, und das nach reichlich Tee).
conscientia hat geschrieben:d) Gibt es andere Stundenbücher, die ebenso verbreitet oder noch verbreiteter sind als das BCP?
Das BCP ist das Standardwerk, allerdings ist es in jedem Land anders. Also eigentlich gibt es nicht DAS Book of Common Prayer, obwohl alle Varianten des BCP eine gemeinsame Erbe haben. (Wobei die meisten das 1662 BCP zumindest als Alternative anbieten.)

Es gibt aber auch z.B. Celebrating Common Prayer (kann man auch als Buch kaufen).
conscientia hat geschrieben:e) Muss ich mir das in der Praxis wirklich so vorstellen, dass in irgendeinem Präriedorf in Kanada oder den USA, in dem es eine anglikanische Kirche gibt, abends um 18 Uhr das Glöckchen läutet und der Pfarrer/die Pfarrerin mit dem Küster die Hore beginnt?
Das wäre schon was!
Oh, sicherlich findet man hier und da Gemeinden, die das tun. ;)

Cheers,

John
Zuletzt geändert von John Grantham am Freitag 25. April 2008, 13:46, insgesamt 2-mal geändert.
Der Beweis, dass Gott einen Sinn für Humor hat: Er hat die Menschheit geschaffen.
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