Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Ostkirchliche Themen.
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JuliaVictoria
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Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von JuliaVictoria »

Wenn ich mich nicht täusche, ist es orthodoxen Christen ja erlaubt im Falle einer Scheidung erneut zu heiraten, obwohl die Ehe ebenfalls als Sakrament gilt. Wie genau begründet die orthodoxe Kirche das theologisch?
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Nietenolaf
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Nietenolaf »

JuliaVictoria hat geschrieben:Wenn ich mich nicht täusche, ist es orthodoxen Christen ja erlaubt im Falle einer Scheidung erneut zu heiraten, (...) Wie genau begründet die orthodoxe Kirche das theologisch?
Nein, das stimmt so nicht.
ἐὰν γὰρ ἀποϑάνῃ ἄνϑρωπος, ζήσεται συντελέσας ἡμέρας τοῦ βίου αὐτοῦ· ὑπομενῶ, ἕως ἂν πάλιν γένωμαι.

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Jeremias
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Jeremias »

Wir kennen keine Sakramente im römisch-katholischem Sinne.

Ganz primitiv gesagt, es gibt einen Ritus für eine Wiederheirat.
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Alles Titel, mit denen man mich bedenken kann, die deswegen mich trotzdem nicht gänzlich beschreiben.

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ChrisCross
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von ChrisCross »

Jeremias hat geschrieben:Wir kennen keine Sakramente im römisch-katholischem Sinne.

Ganz primitiv gesagt, es gibt einen Ritus für eine Wiederheirat.
Also kann man die Unauflöslichkeit der Ehe auflösen, indem man sagt, sie wäre kein Sakrament? Sollte es nun doch nicht so sein, wie kann man eine Wiederheirat in Anbetracht der Bergpredigt und anderer Schriftzeugnisse rechtfertigen?
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anneke6
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von anneke6 »

ChrisCross hat geschrieben:
Jeremias hat geschrieben:Wir kennen keine Sakramente im römisch-katholischem Sinne.

Ganz primitiv gesagt, es gibt einen Ritus für eine Wiederheirat.
Also kann man die Unauflöslichkeit der Ehe auflösen, indem man sagt, sie wäre kein Sakrament?
Das halte ich für nicht zutreffend. Der Begriff "Sakrament" ist zwar in orthodoxer Literatur selten, der zentrale Begriff für die wichtigsten Handlungen der Kirche ist "Mysterien". Nicht alle orthodoxen Schriftsteller halten hier starr an einer Siebenerzahl fest, aber die Ehe gehört mit dazu.
Ich bin mir ziemlich sicher: Auch die Orthodoxen wissen, daß der Herr Scheidung nicht gutheißt. Der Ritus der Wiederheirat hat Bußcharakter. Es wird darum gebetet, daß Gott dem Paar verzeihen möge (im Gebet, das ich leider nicht zur Hand habe, werden einige unzüchtige Frauen als Beispiele genannt). Zentral sind zwei Gedanken: 1. Eine Ehe kann durch menschliches Versagen und Verschulden kaputtgehen. 2. Wiederverheiratung kann Schlimmeres verhindern.
Aus römisch-katholischer Sicht ist das natürlich alles ein großes No-No, aber darum geht es hier ja nicht.
???

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Jeremias
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Jeremias »

ChrisCross hat geschrieben:
Jeremias hat geschrieben:Wir kennen keine Sakramente im römisch-katholischem Sinne.

Ganz primitiv gesagt, es gibt einen Ritus für eine Wiederheirat.
Also kann man die Unauflöslichkeit der Ehe auflösen, indem man sagt, sie wäre kein Sakrament? Sollte es nun doch nicht so sein, wie kann man eine Wiederheirat in Anbetracht der Bergpredigt und anderer Schriftzeugnisse rechtfertigen?
Wie kann man eine Heirat rechtfertigen, wenn Jesus eigentlich sagt, dass man alles zurücklassen und ihm nachfolgen soll?
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lifestylekatholik
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von lifestylekatholik »

Jeremias hat geschrieben:Wie kann man eine Heirat rechtfertigen, wenn Jesus eigentlich sagt, dass man alles zurücklassen und ihm nachfolgen soll?
Ist die Frage ernst gemeint?
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Jeremias
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Jeremias »

Nur sehr bedingt. Ich kenne nämlich die Antwort. Aber aus der Schrift, die leibfeindlich ist, für eine bestimmte Form der Heirat zu argumentieren, halte ich für skurril.
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ChrisCross
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von ChrisCross »

Jeremias hat geschrieben:Nur sehr bedingt. Ich kenne nämlich die Antwort. Aber aus der Schrift, die leibfeindlich ist, für eine bestimmte Form der Heirat zu argumentieren, halte ich für skurril.
Ich halte es für skurril, dass du tatsächlich meinst, die Schrift wäre leibfeindlich.
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Linus
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Linus »

Jeremias hat geschrieben:
Wie kann man eine Heirat rechtfertigen, wenn Jesus eigentlich sagt, dass man alles zurücklassen und ihm nachfolgen soll?
1 Korinther 7.
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taddeo
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von taddeo »

Jeremias hat geschrieben:Wie kann man eine Heirat rechtfertigen, wenn Jesus eigentlich sagt, dass man alles zurücklassen und ihm nachfolgen soll?
Was meinst Du denn, was man mit der Heirat alles zurückläßt! :irritiert: :pfeif:
Wer heiratet, folgt einer strengeren Observanz als jeder, der in einen Orden eintritt. ;D

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lifestylekatholik
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von lifestylekatholik »

taddeo hat geschrieben:Wer heiratet, folgt einer strengeren Observanz als jeder, der in einen Orden eintritt. ;D
Das ist Unsinn (und Eigenlob).
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Raphael
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Raphael »

lifestylekatholik hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Wer heiratet, folgt einer strengeren Observanz als jeder, der in einen Orden eintritt. ;D
Das ist Unsinn (und Eigenlob).
Wir sind aber heute schon ein bißchen spaßbefreit, LSK, oder? :roll:
Die Wahrheit hat tausend Hindernisse zu überwinden, um unbeschädigt zu Papier zu kommen, und von Papier wieder zu Kopf.
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cantus planus
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von cantus planus »

Raphael hat geschrieben:
lifestylekatholik hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Wer heiratet, folgt einer strengeren Observanz als jeder, der in einen Orden eintritt. ;D
Das ist Unsinn (und Eigenlob).
Wir sind aber heute schon ein bißchen spaßbefreit, LSK, oder? :roll:
Nein. Unverheiratet. :breitgrins:
Nutzer seit dem 13. September 2015 nicht mehr im Forum aktiv.

‎Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky

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taddeo
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von taddeo »

lifestylekatholik hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Wer heiratet, folgt einer strengeren Observanz als jeder, der in einen Orden eintritt. ;D
Das ist Unsinn (und Eigenlob).
Ich lobe mich gar nicht, ich weiß nur, wovon ich rede. Meinst Du, meiner Frau ginge es besser? :pfeif: ;D

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Linus
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Linus »

lifestylekatholik hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Wer heiratet, folgt einer strengeren Observanz als jeder, der in einen Orden eintritt. ;D
Das ist Unsinn (und Eigenlob).
Nein, das kann schon Stimmen, je nach dem ob das Ehegespons liberal oder von der strengen Observanz ist.

Linus, verheiratet mit einem Mitglied der liberalen Observanz
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Jeremias
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Jeremias »

@ChrissChross
Wenn sie das nicht wäre, dann wären Mönche unsinnig.

@Linus
Also hat der Mann die Hoheit über den Frauenkörper?

Und ich verweise auf:
"8 Ich sage aber den Ledigen und den Witwen: Es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich. 9 Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten; denn heiraten ist besser als in Glut geraten. "

Also empfiehlt der Apostel Enthaltsamkeit... Und nur für die, die nicht können, die Heirat. Eigentlich genau meine Einstellung. Deswegen will ich ja heiraten... ;)

@topic

Ich habe mich nochmal rückversichert. Kirchenrechtlich ist panorthodox nur zweimal die Wiederheirat erlaubt. Da haben die Katholiken es einfacher, die können beliebig oft wiederheiraten. Da muss nur der Ehepartner sterben, dass ist in der Orthodoxie nicht von Belang. Es gibt bei uns kein "bis dass der Tod euch scheidet".
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ChrisCross
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von ChrisCross »

Jeremias hat geschrieben:@ChrissChross
Wenn sie das nicht wäre, dann wären Mönche unsinnig.
Das Mönchtum ist nicht sinnig, weil die Schrift leibfeindlich ist, sondern weil es sich um ein eschatologisches Zeichen handelt. Die Ehe und die Leiblichkeit des Menschen sind von Gott eingesetzt und somit gewollt und nicht schlecht.
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songul
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von songul »

1. Korinther - Kapitel 7
Ehe und Ehelosigkeit
1 Wovon ihr aber mir geschrieben habt, darauf antworte ich: Es ist dem Menschen gut, daß er kein Weib berühre. 2 Aber um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann. 3 Der Mann leiste dem Weib die schuldige Freundschaft, desgleichen das Weib dem Manne. 4 Das Weib ist ihres Leibes nicht mächtig, sondern der Mann. Desgleichen der Mann ist seines Leibes nicht mächtig, sondern das Weib. 5 Entziehe sich nicht eins dem andern, es sei denn aus beider Bewilligung eine Zeitlang, daß ihr zum Fasten und Beten Muße habt; und kommt wiederum zusammen, auf daß euch der Satan nicht versuche um eurer Unkeuschheit willen.
6 Solches sage ich aber aus Vergunst und nicht aus Gebot. 7 Ich wollte aber lieber, alle Menschen wären, wie ich bin; aber ein jeglicher hat seine eigene Gabe von Gott, der eine so, der andere so. (Matthäus 19.22)
8 Ich sage zwar den Ledigen und Witwen: Es ist ihnen gut, wenn sie auch bleiben wie ich. 9 So sie aber sich nicht mögen enthalten, so laß sie freien; es ist besser freien denn Brunst leiden.
Jeremias hat geschrieben:@Linus
Also hat der Mann die Hoheit über den Frauenkörper?
Wo liest jetzt du aus obigem das heraus?

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Raphael
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Raphael »

songul hat geschrieben:
1. Korinther - Kapitel 7
Ehe und Ehelosigkeit
1 Wovon ihr aber mir geschrieben habt, darauf antworte ich: Es ist dem Menschen gut, daß er kein Weib berühre. 2 Aber um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann. 3 Der Mann leiste dem Weib die schuldige Freundschaft, desgleichen das Weib dem Manne. 4 Das Weib ist ihres Leibes nicht mächtig, sondern der Mann. Desgleichen der Mann ist seines Leibes nicht mächtig, sondern das Weib. 5 Entziehe sich nicht eins dem andern, es sei denn aus beider Bewilligung eine Zeitlang, daß ihr zum Fasten und Beten Muße habt; und kommt wiederum zusammen, auf daß euch der Satan nicht versuche um eurer Unkeuschheit willen.
6 Solches sage ich aber aus Vergunst und nicht aus Gebot. 7 Ich wollte aber lieber, alle Menschen wären, wie ich bin; aber ein jeglicher hat seine eigene Gabe von Gott, der eine so, der andere so. (Matthäus 19.22)
8 Ich sage zwar den Ledigen und Witwen: Es ist ihnen gut, wenn sie auch bleiben wie ich. 9 So sie aber sich nicht mögen enthalten, so laß sie freien; es ist besser freien denn Brunst leiden.
Jeremias hat geschrieben:@Linus
Also hat der Mann die Hoheit über den Frauenkörper?
Wo liest jetzt du aus obigem das heraus?
Satz 4 ist da ziemlich eindeutig. :doktor:
Sinnvollerweise kann die Frage von Jeremias jedoch so isoliert nicht stehenbleiben, denn die Hinordnung des männlichen und des weiblichen Körpers ist gegenseitig.
Zuletzt geändert von Raphael am Dienstag 8. November 2011, 10:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Linus
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Linus »

Jeremias hat geschrieben:@Linus
Also hat der Mann die Hoheit über den Frauenkörper?
Natürlich. Steht ja da. Genauso wie die Frau über den Körper des Mannes verfügen soll. Steht auch da. (Zusammen sind sie auf Christus, das Haupt beider hingeordnet)

Abgesehen davon ist der Mann das Haupt der Frau. (1 Kor 11,7 Eph 5,23) Blöd nur , daß sie der Hals ist, und damit bestimmt, wohin er schaut... :breitgrins:
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Robert Ketelhohn
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Jeremias hat geschrieben:Wir kennen keine Sakramente im römisch-katholischem Sinne.
Das ist erstens unzutreffend und zweitens ärgerlich, wie immer, wenn wieder mal ein Orthodoxer meint, sich bloß antikatholisch definieren zu können (ganz falsch verstandene Apophase!), ohne dabei zu merken, daß er darin ganz und gar der protestantischen Methode anheimgefallen ist.
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taddeo
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von taddeo »

Linus hat geschrieben:Abgesehen davon ist der Mann das Haupt der Frau. (1 Kor 11,7 Eph 5,23) Blöd nur , daß sie der Hals ist, und damit bestimmt, wohin er schaut... :breitgrins:
:daumen-rauf:
Eine(r) muß ja Rückgrat haben in der Ehe ... :pfeif: ;D :huhu:

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Robert Ketelhohn
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Robert Ketelhohn »

anneke6 hat geschrieben:Der Begriff "Sakrament" ist zwar in orthodoxer Literatur selten, der zentrale Begriff für die wichtigsten Handlungen der Kirche ist "Mysterien".
Das ist derselbe Begriff. Sacramentum ist seit alters die Übersetzung von μυστήριον, wie z. B. таинство im Russischen.
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taddeo
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von taddeo »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
anneke6 hat geschrieben:Der Begriff "Sakrament" ist zwar in orthodoxer Literatur selten, der zentrale Begriff für die wichtigsten Handlungen der Kirche ist "Mysterien".
Das ist derselbe Begriff. Sacramentum ist seit alters die Übersetzung von μυστήριον, wie z. B. таинство im Russischen.
:pfeil: http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php?p=54553#p54553

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Robert Ketelhohn
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Jeremias hat geschrieben:Nur sehr bedingt. Ich kenne nämlich die Antwort.
Denn is ja jut.
Jeremias hat geschrieben:Aber aus der Schrift, die leibfeindlich ist …
Eine reichlich skurrile Aussage. Du übernimmst da einen modernen Begriff, noch dazu den zentralen antikirchlichen Kampfbegriff der pornokratischen Zivilgesellschaft, und liest ihn allen Ernstes in die Heilige Schrift hinein. Darauf kann man noch nicht mal sinnvoll antworten, ohne erst einmal eine Vorlesungsreihe zur Semantik abzuhalten.
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Robert Ketelhohn »

lifestylekatholik hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Wer heiratet, folgt einer strengeren Observanz als jeder, der in einen Orden eintritt. ;D
Das ist Unsinn (und Eigenlob).
Selbstironie, nebst ein wenig Beifallgeheische.
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Jeremias hat geschrieben:Wenn sie das nicht wäre, dann wären Mönche unsinnig.
Das ist grober Unfug. Wir sollten das vielleicht doch klären, denn es besteht die Gefahr, daß du einen großen Mißverständnis aufsitzt. Entweder verstehst du den Apostel recht und benutzt mit dem Wort „leibfeindlich“ nur einen verfehlten, ganz anders besetzten Begriff, oder du verstehst ihn und den Herrn selber unter dem semantischen Einfluß dieses Worts gefährlich falsch.

Definiere bitte einmal den Begriff „leibfeindlich“.
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Jeremias hat geschrieben:"8 Ich sage aber den Ledigen und den Witwen: Es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich. 9 Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten; denn heiraten ist besser als in Glut geraten. "

Also empfiehlt der Apostel Enthaltsamkeit... Und nur für die, die nicht können, die Heirat. Eigentlich genau meine Einstellung. Deswegen will ich ja heiraten... ;)
Das nun wieder ist völlig korrekt.
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von taddeo »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
lifestylekatholik hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:Wer heiratet, folgt einer strengeren Observanz als jeder, der in einen Orden eintritt. ;D
Das ist Unsinn (und Eigenlob).
Selbstironie, nebst ein wenig Beifallgeheische.
Ein uralter Witz. Ich dachte, der sei hier schon bekannt, zumindest bei den Eheleuten. :umkuck:

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Robert Ketelhohn
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Robert Ketelhohn »

ChrisCross hat geschrieben:
Jeremias hat geschrieben:@ChrissChross
Wenn sie das nicht wäre, dann wären Mönche unsinnig.
Das Mönchtum ist nicht sinnig, weil die Schrift leibfeindlich ist, sondern weil es sich um ein eschatologisches Zeichen handelt.
Na, das ist eine theologische Interpretation, die sich jedenfalls nicht von selber aus der Schrift ergibt, auch wenn sie natürlich zulässig ist. Die Schrift – der Apostel nämlich – erklärt die Ehelosigkeit autoritativ zum bessern Teil. Das ist Punkt eins. Zweitens gibt er eine einzige sachliche Begründung dafür: »32 Ich will aber, daß ihr ohne Sorgen seid! Der Unverheiratete ist für die Sache des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefalle; 33 der Verheiratete aber sorgt für die Dinge der Welt, wie er der Frau gefalle, und er ist geteilt« (I Cor 7). Alles weitere ist Spekulation.
ChrisCross hat geschrieben:Die Ehe und die Leiblichkeit des Menschen sind von Gott eingesetzt und somit gewollt und nicht schlecht.
Hat das jemand behauptet? – Im Stand der gefallenen Natur ist die Geschlechtlichkeit des Menschen aber gleichwohl nicht mehr rein. Im Gegenteil, sie ist dreckig. Nicht nur physisch, sondern auch geistlich, weil instinktgesteuert und unserm Willen nicht direkt unterworfen.
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Re: Ehesakrament in den orthodoxen Kirchen

Beitrag von Jeremias »

"Leibfeindlichkeit" ist die Hinwendung zur Seele, auch wenn dabei körperliche Unbillen in Kauf genommen werden müssen. Es beschreibt die Abkehr von körperlichen Genüssen, da diese von Gott ablenken. "Leibfeindlich" ist die Schrift für mich deswegen, weil dort der Körper nur ein notwendiges Vehikel der Seele ist, aber eben nicht das Ziel des gläubigen Menschen. Leibfeindlichkeit beschreibt also die Gegenreaktion zur Veehrung des diesseitigen menschlichen Körpers sowie seiner vielen Genüsse.

Aber ich muss mich da eventuell entschuldigen. Ein kurzes Googlen dieses von mir häufiger benutzten Begriffes zeigt, dass man da durchaus andere, sehr negative Definitionen mit verbindet. Darauf wäre ich nicht gekommen, daher danke für den Hinweis. Für meine oben abgegebene Definition, gibt es da ein besseres Wort?
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Jeremias hat geschrieben:Wir kennen keine Sakramente im römisch-katholischem Sinne.
Das ist erstens unzutreffend und zweitens ärgerlich, wie immer, wenn wieder mal ein Orthodoxer meint, sich bloß antikatholisch definieren zu können (ganz falsch verstandene Apophase!), ohne dabei zu merken, daß er darin ganz und gar der protestantischen Methode anheimgefallen ist.
Prinzipiell ist mir der Begriff schnuppe. Hier habe ich die Abgrenzung absichtlich gewählt, um den Unterschied zwischen dem Mysterium der Krönung und dem Sakramant der Ehe zu betonen. Denn sonst fangen wir an, über römische Rechtsbegriffe und -definitionen zu streiten, die in der orthodoxen Theologie gar nicht zutreffen...


Aber ich mag mich vertun: Aus deiner Zustimmung zu meiner Interpretation der Sätze 8 und 9 des Korintherbriefes lese ich heraus, dass wir uns doch treffen können?
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