Kilianus hat geschrieben:Und noch einmal muß ich Dir widersprechen (auch wenn ich es immer ungern tue).
Da hat dich aber nur der Nachsatz gerettet.
Kilianus hat geschrieben:Ich fürchte, gerade die Aufbewahrungen des Allerheiligsten im Zentrum des Altarraums führt in der ordentlichen Form (auch wenn sie nicht unordentlich gefeiert wird) zu seiner Entwertung. Zumindest, wenn wir von der Realität ausgehen, daß versus populum gefeiert wird, der Priester also mit dem Rücken zum Tabernakel betet (und oft genug auch unmittelbar vor dem Tabernakel sitzt).
In diesem Zusammenhang hast du vollkommen recht. Damit wären wir bei der Frage nach der Zelebrationsrichtung. Diese sollte meiner Meinung nach zusammen mit der ganzen Gemeinde zum Herrn hin (gen Osten) sein. Der Sinn für die Gebetsrichtung ist überhaupt wiederzuentdecken, wobei ich nur auf das lesenswerte Büchlein "Conversi ad Dominum" von Uwe Michael Lang hinweise, sonst wird es hier zu lang und außerdem off topic. Die Änderung der Gebetsrichtung ist nicht mit dem II. Vaticanum zu begründen, und ich halte die Entwicklung, dass der Priester und die Gemeinde sich jetzt "am Tisch" gegenüberstehen für äußerst bedenklich.
Kilianus hat geschrieben:Auch beim Stichwort "organische Entwicklung" habe ich so meine Zweifel. Gebetet wird in der Messe (von wenigen Ausnahmen abgesehen) zwar durch Christus, aber nicht zu Christus - sondern zum Vater. Deshalb ist die Ausrichtung auf das Kruzifix (als Christussymbol) sinnvoll. Die Ausrichtung auf den real präsenten Christus im Tabernakel ist zwar auch denkbar, sie führt aber in der Praxis - und gerade dann, wenn man die Realpräsesenz ernstnimmt - dazu, daß der Vater als eigentlicher Adressat aus dem Blick gerät. Dieses Mißverständnis scheint mir gerade bei Anhängern der ao. Form immer wieder erkennbar. Ich habe den Eindruck, da wird oft gedacht, das Meßopfer würde dem im Tabernakel gegenwärtigen Gott dargebracht. Das führt auf trinitätstheologische Abwege.
Das ist möglich, wäre mir allerdings bisher nicht aufgefallen. In Maria Hilf, Köln (FSSP), ist das ganz gut gelöst, obwohl die derzeitige Anordnung nachkonziliar ist und nur provisorisch "umgedreht" wurde. Derzeit bemüht man sich um die Rückversetzung des Altars in den ursprünglichen Zustand.
Ich bin nicht sicher, ob der Gewinn, der durch die Rückkehr zur vorkonziliaren Anordnung entstünde, die von dir angesprochene Problematik nicht überträfe. Alles andere ist eine Frage von Katechese und Predigt (wie ich ja nicht müde werde zu betonen). Tatsächlich stelle ich immer wieder fest, dass die Anhänger der Außerordentlichen Form wesentlich besser Bescheid wissen, als die Anhänger der Ordentlichen Form. Was dort - ganz allgemein - für ein Messverständnis anzutreffen ist, kann man nur als verheerend bezeichnen. Mir scheint, da hat die nachkonziliare Anordnung schon optisch mehr Schaden angerichtet, als es das von dir beschriebene Mißverständnis bedingt.
(Gleiches sage ich von der Musik: das Kyrie richtet sich allein an Christus. Im Mittelalter kamen immer mehr Tropen hinzu, die ein trinitarisches Mißverständnis beinhalteten, indem sie sich an den Kyrios (Vater), Christus und den Heiligen Geist (beim letzten Kyrie) wandten. Dennoch halte ich diese Schöpfungen teilweise für wertvoller, als den Murks, der heute so verzapft wird.)