Rückfällig geworden?

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Rückfällig geworden?

Beitrag von asderrix »

Hallo, mal eine These die ich zur von euch sezieren lassen will.

Das Hauptproblem der rkK und ihr vergleichbaren Kirchen ist das sie Elemente des alten Bundes im Neuen integrieren wollte.

Begründung.
Das Priestertum, kommt so in der Lehre Christi und der Apostel nicht vor, zwar gibt es unterschiedliche Gaben, aus denen dann die Aufgaben schlussfolgern, es ist aber nicht zu erkennen, das zum Beispiel, nur durch Priester bestimmte Aufgaben getan werden dürfen.
- Trauung, Beichte, Predigt, Leitung des Gedächtnismahls -

Von einem Altar, den wir benötigen um Gott zu verehren lese ich auch nichts.

Sakraler Gebäude bedarf es nicht, ein einfacher Obersaal, eine Synagoge, das reichte aus am Anfang, Wenn die eigene Räumlichkeit möglich ist, dann soll die genutzt werden, wenn aber in Bezug auf die Kirchen von Gotteshäusern gesprochen wird, dann sehe ich hier eine künstliche Parallele zu der Wohnung Gottes bei den Menschen, dem Tempel. Das das so nicht richtig ist, davon bin ich überzeugt, auch wenn mir klar ist, dass diese These durch das Eucharistieverständnis genährt wird, wo ja Christus angeblich im Tabernakel in der Hostie gegenwärtig ist.

So viel mal auf die Schnell.

Mir ist klar, das diese Aussagen provokativ wirken, so sind sie gemeint: ;D ;D
Provokation : Herausforderung, Aufreizung zu wohl überlegten und konstruktiven Äußerungen


Normalerweise steht hier noch ein unüberlegt dazwischen, das habe ich gestrichen und durch den Einschub: wohl überlegten und konstruktiven, eine gallische Erklärung geschaffen, die ich als Bitte an alle Diskutanten richte.

lg
asder

Benutzeravatar
FioreGraz
Beiträge: 3890
Registriert: Freitag 25. Juni 2004, 19:18
Wohnort: Graz
Kontaktdaten:

Beitrag von FioreGraz »

Leitung des Gedächtnismahls
Eine Jausen gibst im Pfarrhaus und daheim aber nicht in der kath. Messe. Und dafür brauchen wir auch keinen Leiter, Essen mit Messer und Gabel und Tischmanieren lernt man (zumindest bei uns) schon als Kind.
Predigt
Predigten ausherhalb der Liturgie ist jedem im Rahmen des allgemeinpriestertums erlaubt. Meine Mutter hat mir auch oft gepredigt, auch wenn das nie was mit dem Glauben zu tun hatte.


LG
Fiore
Einer ist Gesetzgeber und Richter, er, der die Macht hat, zu retten oder zu verderben. Wer aber bist du, daß du den Nächsten richtest? (Jak4,12)
In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas

Benutzeravatar
Linus
Beiträge: 15072
Registriert: Donnerstag 25. Dezember 2003, 10:57
Wohnort: 4121 Hühnergeschrei

Beitrag von Linus »

FioreGraz hat geschrieben: Predigten ausherhalb der Liturgie ist jedem im Rahmen des allgemeinpriestertums erlaubt. Meine Mutter hat mir auch oft gepredigt, auch wenn das nie was mit dem Glauben zu tun hatte.
da sieht man wie Mütter unterschiedlich sein können. :D
"Katholizismus ist ein dickes Steak, ein kühles Dunkles und eine gute Zigarre." G. K. Chesterton
"Black holes are where God divided by zero. - Einstein

Stephen Dedalus
Beiträge: 5449
Registriert: Dienstag 7. September 2004, 15:28

Re: Rückfällig geworden?

Beitrag von Stephen Dedalus »

Hallo Asderrix,

das Problem ist m. E. ein ganz grundlegendes und daher muß man erst einmal dieses angehen, bevor man zu den einzelnen Punkten kommen kann, die Du aufzählst.

Die evangelischen Bewegungen machen den Grundfehler, nur bestimmte biblische Schriften herzunehmen, und aus diesen die Lehre der Kirche quasi zu *rekonstruieren*, mehr noch: nicht nur die Lehre der Kirche, sondern auch ihre Gestalt und ihre Praxis.

Das muß insofern schief gehen, als die nt Schriften niemals als eine Gemeindeordnung oder ein Katechismus oder eine Handlungsanweisung zur Gestaltung der Kirchenstruktur gedacht waren. Zwar finden wir darin vieles, was für diese Fragen wichtig und nützlich ist. Aber es hieße die Intention der hl. Schrift verkennen, wenn man sie als Gemeindeordnung ansehen wollte.

Die Kirche (Ihr sagt "Gemeinde", wobei dieser Begriff, so wie Ihr ihn gebraucht, der frühen Christenheit vollkommen fremd war) wurde von Jesus Christus gegründet und von den Aposteln geleitet und aufgebaut. Der apostolische Glaube wurde zunächst mündlich weitergegeben. Er findet seinen Niederschlag u.a. in den Schriften des NT, aber auch in den Schriften der apostolischen Väter, später weiter ausdefiniert in den Schriften der Kirchenväter. Wir müssen also, um zu wissen, was die ersten Christen glaubten, nicht nur die Bibel hernehmen, sondern auch die apostolische Tradition. Die Bibel wurde zum großen Teil geschrieben, um als Beweis dieser apostolischen Tradition zu dienen, um sie zu stützen, nicht aber als ihr Kompendium.

Die apostolische Tradition hat also für uns eine normative Funktion. Sie ist Teil der gleichen Überlieferung, aus der auch die Bibel resp. das NT entstanden ist. Sie zeigt uns klar, wie bestimmte biblische Stellen zu verstehen sind. Sie zeigt uns vor allem deutlicher als viele biblische Schriften, wie die Apostel und ihre Schüler die Kirche geführt und strukturiert haben. Und aus diesen Überlieferungssträngen lassen sich plötzlich Dinge wie die Eucharistie, Bischofs- und Presbyter(i.e. Priester-)amt usw. erkennen. Es wird deutlich, daß diese keine Erfindung der Kirche sind oder ein Rückfall in Praktiken des Alten Bundes, sondern das originäre Verständnis der frühen Christen.

Wer dies ausblendet und nur anhand der Bibel und seines Bibelverständnisses eine "Gemeindeordnung" rekonstruiert, macht einen kapitalen Fehler. Der Glaube, der dann herauskommt, ist weder authentisch (weil er nicht dem Glauben der ersten Christen entspricht), er ist nicht biblisch (weil er die Bibel an entscheidenden Stellen falsch versteht) und er ist nicht apostolisch.

Gruß
Steve

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 11380
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Beitrag von Edi »

Meine Einschätzung zum NT ist die, dass vieles, was damals als selbstverständlich galt, überhaupt nicht aufgeschrieben werden musste. Warum denn auch? Es ist doch davon auszugehen, dass Jesus, der die Apostel 3 Jahre gelehrt hat, ihnen alles, was nötig war, auch für einen Gottesdienst nötig war, vor seinem Weggang ausführlich genug mitgeteilt hat. Dazu hat er ihnen noch den heiligen Geist verheissen.

Das NT ist daher also kein Rezeptbuch, wo bis ins kleinste drinsteht, was genau zu tun ist. Vieles wurde mündlich überliefert, denn das NT wurde erst einige Zeit nach der Himmelfahrt Jesu geschrieben und es wurde auch aus aktuellen Gründen geschrieben. Man hielt es, da es dieserhalb keine Streitfragen gab, die erst seit Luther oder seit den letzten 200 Jahren entstanden sind, daher auch nicht nötig, auf Selbstverständliches hinzuweisen.

Dann: Warum sollte Jesus alles, was auch das NT an Richtigem enthält, grundsätzlich verwerfen? Er hat ja auch nicht die jüdischen Ämter wie die der Rabbis oder Schriftgelehrten an sich kritisiert, sondern nur deren Verhalten, soweit es nötig war.

Menschen, die allein die Bibel gelten lassen wollen, unterliegen leider dem Mißverständnis, dass ein Buch dieserhalb alles enthalten müsse und verkennen komplett wie die Geschichte des Christentums abgelaufen ist. Das ist ihnen, das muss man hier auch mal betonen, schwer auszutreiben, auch wenn alle Fakten dagegen sprechen. Ich denke einfach dass der reine Biblizismus auch aus einer innerlichen Angst zustande kommt, die auch Gottes Geist beschränkt und daß man lieber eine Anleitung hat (die man freilich AUCH auslegen muss), um scheinbar klar zu sehen. Nur sind die Auslegungen der Biblizisten eben auch so unterschiedlich, dass sie in vielerlei Richtungen gespalten sind. Da die Schrift eben für vieles nicht ausreicht, hat die Kirche die Tradition und später dann den KKK und CIC geschrieben, denn auch Katholiken brauchen detaillierte Informationen.

Was Lutheraner zu Amt und Beauftragung sagen:

http://www.idea.de/cfml/homepage/detail ... elID=35108

Benutzeravatar
Robert Ketelhohn
Beiträge: 26022
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 09:26
Wohnort: Velten in der Mark
Kontaktdaten:

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Asderix hat geschrieben:Von einem Altar, den wir benötigen um Gott zu verehren lese ich auch nichts.
Das glaub’ ich dir. Aber kannst ja mal anfangen zu lesen! ;D
Paul (I Cor 21) hat geschrieben:Ihr könnet nicht des Herrn Kelch trinken und der Dämonen Kelch; ihr könnet nicht am Tische des Herrn teilhaben und am Tische der Dämonen!
Was meint Paule da mit dem »Tisch des Herrn«? – Nun, wovon er redet, hat er unmißverständlich kuirz davor gesagt:
Paul [I Cor 18] hat geschrieben:Sehet an das Israel nach dem Fleisch! Stehen nicht die, welche die Opfer essen, in Gemeinschaft mit dem Opferaltar?
»Tisch des Herrn« – griech. τράπεζα κυρίου, hebr. schulchan adonai – ist gewissermaßen ein liturgischer terminus technicus schon des Alten Bundes für „Altar“. Lies nach beim Propheten Malachias:
Malachias (Mal 1) hat geschrieben:1 Dies ist der Ausspruch, das Wort des Herrn an Israel, durch die Hand des Malachias: […] 6 Ein Sohn soll seinen Vater ehren und ein Knecht seinen Herrn! Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo ist die Furcht vor mir? spricht der Herr der Heerscharen zu euch Priestern, die ihr meinen Namen verächtlich macht. 7 Und fragt ihr: «Womit haben wir deinen Namen verächtlich gemacht?» Damit, daß ihr auf meinem Altar verunreinigtes Brot darbringt! Fragt ihr aber: «Womit haben wir dich verunreinigt?» Damit, daß ihr sagt: «Der Tisch des Herrn ist geringzuschätzen!» 8 Und wenn ihr ein blindes Tier zum Opfer bringt, ist das nichts Böses, und wenn ihr ein lahmes oder krankes darbringt, ist das auch nichts Böses? Bringe es doch deinem Statthalter! Wird er dir gnädig sein oder Rücksicht auf dich nehmen? spricht der Herr der Heerscharen. […] 10 Es schließe doch lieber gleich jemand von euch die Türen des Tempels zu, daß ihr nicht vergeblich mein Altarfeuer anzündet! Ich habe kein Wohlgefallen an euch, spricht der Herr der Heerscharen, und die Opfergabe, die von euren Händen kommt, gefällt mir nicht! 11 Denn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang ist mein Name groß unter den Heiden, und allenthalben werden meinem Namen Räucherwerk und reine Opfergabe dargebracht; denn groß ist mein Name unter den Heiden, spricht der Herr der Heerscharen. 12 Ihr aber entheiligt ihn damit, daß ihr sagt: «Der Tisch des Herrn darf verunreinigt werden, und die Speise, die von ihm kommt, ist geringzuschätzen!»
Ein paar Schlüsselwörter habe ich hervorgehoben, um das Verständnis zu erschließen. Paulus, der Pharisäer, benutzt also keinen beliebigen Begriff, wenn er vom Tisch des Herrn, vom Schulchan Adonai redet. Glaubst du immer noch nicht? – Dann lies noch dies:
Sankt Paul (Hbr 13) hat geschrieben:10 Es gibt einen Altar, von welchem die Diener der Stiftshütte nicht essen dürfen.
Welcher Altar mag das wohl sein? :) Hier verwendet der Apostel – oder vielleicht sein griechischer Übersetzer – den eigentlichen griechischen Begriff: ϑυσιαστήριον – „Altar“. Die alte Kirche hat dies alles ganz naht- und bruchlos von den Aposteln übernommen, wie man bereits bei Ignatius Antiochenus nachlesen kann (z. B. Ign. Phil 4; Eph 5,2).
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Re: Rückfällig geworden?

Beitrag von asderrix »

Erst mal Entschuldigung, dass ich so lange nicht reagiert habe, hatte bissel viel um die Ohren diese Woche.
Stephen Dedalus hat geschrieben: Die evangelischen Bewegungen machen den Grundfehler, nur bestimmte biblische Schriften herzunehmen, und aus diesen die Lehre der Kirche quasi zu *rekonstruieren*, mehr noch: nicht nur die Lehre der Kirche, sondern auch ihre Gestalt und ihre Praxis.
Ja, es stimmt, dass mein Ansatz geistliche Fragen zu lösen, auf dem Forschen in biblischen Büchern basiert.
Ich bin gerne bereit, außerbiblische Zeugnisse der ersten Christen oder der Kirchengeschichte zu Rate zu ziehen, wenn sie nicht im Widerspruch zur Bibel stehen.
Von daher kann ich hier keinen Grundfehler erkennen.


Die Kirche (Ihr sagt "Gemeinde", wobei dieser Begriff, so wie Ihr ihn gebraucht, der frühen Christenheit vollkommen fremd war)
Wir sagen Versammlung, weil er Aussage der Heiligen Schrift ist.
wurde von Jesus Christus gegründet und von den Aposteln geleitet und aufgebaut.
Wird von Christus durch die Apostel und Ältesten der Ortsgemeinden geleitet.
Wir müssen also, um zu wissen, was die ersten Christen glaubten, nicht nur die Bibel hernehmen, sondern auch die apostolische Tradition.
Ja, dürfen aber nicht den Grundfehler machen, beides gleichwertig zu sehen.
Es wird deutlich, daß diese keine Erfindung der Kirche sind oder ein Rückfall in Praktiken des Alten Bundes, sondern das originäre Verständnis der frühen Christen.
Wenn das wirklich deutlich wird, muss ich gestehen, dass mir da die Augen noch nicht dafür geöffnet wurden.

Ich verstehe die Bibel als eine Gottgewollte Korrektur der Abweichungen von dem Willen Gottes in der Urchristenheit.

Weil sich die von mir oben angerissenen Tendenzen abzeichnete, ließ Gott, geleitet durch den Heiligen Geist, den Kanon der Bibel festschreiben.
Das geschah durch die verantwortlichen Lehrer der jungen Christenheit.
Gerade das Sonderlehren, betreffs Maria, Heiligenverehrung, Eucharistie, Organisations und Verantwortungsstrukturen hier nicht festgeschrieben wurden, zeigt mir das Gott selbst darüber wachte.

Wie sonst ist es zu Erklären, dass die die ein Eucharistieverständnis, Kindertaufe und ewige Jungfräulichkeit Marias, um nur einige zu nennen, dass nicht in der Bibel als christliche Wahrheit Postulierten.

lg
asder

Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Beitrag von asderrix »

Hallo Robert,

ja, mann könnte sicher den Tisch des Herrn als Altar sehen, da haben mich deine Aussagen zum Nachdenken gebracht.

Aber, nicht überzeugt :tanz: :ikb_argue:

Ich denke der Hauptaugenmerk den Paulus bei der Erwähnung des Tisches des Herrn im Gegensatz zu dem Tisch der Dämonen war auf die klare Unterscheidung, nicht die Gleichwertigkeit der dort geschehenden Handlungen.

Wenn du Hebr. 13 anführst, ja hier wird klar von Altar gesprochen, auf dem Opfer gebracht werden die in V. 15+ 16 beschrieben wird.

Da der Zweck des Altars nicht das davon Essen, sondern das Gott opfern ist, finde ich eine Vergleichbarkeit sehr schwer.

Auf dem Altar wurden im AT von Menschen Gott Opfer gebracht.
Im NT ist das Opfer vollbracht, wenn wir am Tischdes Herrn zusammenkommen, gedenken wir an das vollbrachte Opfer, vergegenwärtigen uns die Leiden Christi und seine Liebe zu uns und kommen zur Anbetung Christi und des Vaters, dafür das wir nun gerechtfertigt in Christo sein dürfen.

lg
asder

Andreas01
Beiträge: 243
Registriert: Dienstag 10. August 2004, 16:32

Re: Rückfällig geworden?

Beitrag von Andreas01 »

asderrix hat geschrieben:Wird von Christus durch die Apostel und Ältesten der Ortsgemeinden geleitet.
Dann wären eure Ältesten auch Stellvertreter Christi auf Erden.
Und ihr dürftet den Begriff als Attribut des Papstes nicht mehr kritisieren.
Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Joh 10,10

Andreas01
Beiträge: 243
Registriert: Dienstag 10. August 2004, 16:32

Re: Rückfällig geworden?

Beitrag von Andreas01 »

asderrix hat geschrieben:
Wir müssen also, um zu wissen, was die ersten Christen glaubten, nicht nur die Bibel hernehmen, sondern auch die apostolische Tradition.
Ja, dürfen aber nicht den Grundfehler machen, beides gleichwertig zu sehen.
auch darüber ist schon heftig diskutiert worden.

Es gab die Meinung, die Tradition wäre das höhere Gut, weil das NT aus der Tradition heraus geschrieben wurde.

Dem würde ich widersprechen wollen.
Die Niederschrift der Tradition beginnt mit dem NT, was von Gott inspiriert ist, und spätere Lehren dürfen dem nicht widersprechen.
So gibt es, denke ich zwar kein Sola Scriptura, aber ein biblisches Fundament mit dogmatischem Wert.

Unterscheiden tun wir uns, Katholen, Evangelische, und Evangelikale dann, wenn nicht eindeutige Zeilen der Schrift unterschiedlich verstanden werden.

Sag ich jetzt einfach mal so.
Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Joh 10,10

Andreas01
Beiträge: 243
Registriert: Dienstag 10. August 2004, 16:32

Re: Rückfällig geworden?

Beitrag von Andreas01 »

asderrix hat geschrieben: Das Priestertum, kommt so in der Lehre Christi und der Apostel nicht vor, zwar gibt es unterschiedliche Gaben, aus denen dann die Aufgaben schlussfolgern, es ist aber nicht zu erkennen, das zum Beispiel, nur durch Priester bestimmte Aufgaben getan werden dürfen.
- Trauung, Beichte, Predigt, Leitung des Gedächtnismahls -
nach den spannenden off topic- Bemerkungen zurück zum Thema.

Lieber asder, du hast ein gutes Geschick brennende Fragen anzusprechen.

Bis vor nicht allzu langer Zeit hätte ich dahinter auch ein großes Fragezeichen gesetzt.

Aber gerade in diesem Forum - Gott sei Dank, dass es das gibt- habe ich wesentliche Antworten erhalten.

Thema: Ist Priesterweihe biblisch?

ja, AT, 3 Mose, keine Frage, aber NT?
1 Tim4, 14 Vernachlässige die Gnade nicht, die in dir ist und die dir verliehen wurde, als dir die Ältesten aufgrund prophetischer Worte gemeinsam die Hände auflegten.
Gnade durch Handauflegung vermittelt.
erinnert sehr stark an den katholischen "Brauch" der Priesterweihe


und besondere Weihen nötig, um etwas Konkretes wirkungsvoll tun zu können?
Apg 8, 14: Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin.
15 Diese zogen hinab und beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen.
16 Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft.
Begründung, warum zur Firmung ein Bischof kommen muss.
Hierarchie der Weihen hat biblische Begründung.

Warum aber ein geweihter Priester für Eucharistiefeier und Beichte?

"tut dies zu meinem Gedächtnis" richtete sich an die Apostel, und nach katholischer Meinung nur an die anwesenden Apostel, ansonsten hätte Jesus sagen müssen (wenn er ein allgemeines Pristertum ohne Unterschiede gewollt hätte) " sagt allen, dass sie das auch tun" und nicht "tut ihr dies zu meinem Gedächtnis"

ebenso "wem ihr die Sünden erlassen ..."


Die Trauung allerdings läßt eine solche amts (weihe-) abhängige Einschränkung biblisch nicht begründen, meines Wissens.

Und logischerweise läßt die katholische Kirche die Spendung dieses Sakraments auch für die niedrigste Weihestufe, nämlich für den Diakon zu.

Du siehst, vieles von den katholischen "Sonderlehren" ist sehr wohl biblisch begründbar.

Liebe Grüße Andreas
Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Joh 10,10

Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Re: Rückfällig geworden?

Beitrag von asderrix »

Hallo Andreas,
Andreas01 hat geschrieben:
Thema: Ist Priesterweihe biblisch?

ja, AT, 3 Mose, keine Frage, aber NT?
1 Tim4, 14 Vernachlässige die Gnade nicht, die in dir ist und die dir verliehen wurde, als dir die Ältesten aufgrund prophetischer Worte gemeinsam die Hände auflegten.
Gnade durch Handauflegung vermittelt.
erinnert sehr stark an den katholischen "Brauch" der Priesterweihe
Das ist richtig, wir die Christen des NT haben ja auch den gleichen Gott der sich im AT bereits offenbarte.

Trotzdem ist es so, das die Aufgaben, die ein Priester im AT hatte grundverschieden von denen sind die ein Ältester und Vorsteher in der jungen Christenheit hatte.

Der at Priester war Vermittler für die Israeliten, er ging für sie vor Gott, er brachte ihre Opfer Gott dar, durch ihn sprach Gott zu den Menschen(auch durch Propheten).

Die Ältesten und Vorsteher der Versammlung haben die Aufgabe Ortsgemeinden zu leiten, über die Lehre und den Wandel der Gemeindeglieder zu wachen, die Christen der Ortsgemeinde zu unterweisen, zu ermahnen und zu fördern.

Darüber hinaus gab es die Apostel und Apostelschüler die punktuell in Versammlungen halfen, die Versammlungen gründeten und die teilweise korrektiv in bestimmten Situation in Versammlungen eingriffen.
"tut dies zu meinem Gedächtnis" richtete sich an die Apostel, und nach katholischer Meinung nur an die anwesenden Apostel, ansonsten hätte Jesus sagen müssen (wenn er ein allgemeines Pristertum ohne Unterschiede gewollt hätte) " sagt allen, dass sie das auch tun" und nicht "tut ihr dies zu meinem Gedächtnis"
Wenn man das streng wörtlich versteht, was du schreibst, bedeutet das dann aber das nur die Apostel das Gedächtnismahl feiern sollen.
ebenso "wem ihr die Sünden erlassen ..."
Richtig ist das den Zwölfen diese Vollmacht gegeben wurde, aber schon bei der Bekehrung des Paulus sehe wir, das auch Annanias
das getan hat.
Zitat:Apg 8, 14: Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin.
15 Diese zogen hinab und beteten für sie, sie möchten den empfangen.
16 Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen , des , getauft.
Begründung, warum zur Firmung ein Bischof kommen muss.
Hierarchie der Weihen hat biblische Begründung.
Das wiederum ist ein Einzelbeispiel, hier war eindeutig eine Fehlentwicklung im Gange, der von den Aposteln entgegengewirkt wurde.

Wenn du den ganzen Zusammenhang liest, so hat die Evangelisation des Phillipus zur Folge, dass sich Menschen bekehrten, im Übereifer vermutlich nicht die Taufe auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist gespendet, so das die gläubig gewordenen noch nicht mit dem Heiligen Geist erfüllt waren.
Wenn du weiter liest, wird von Philippus dann berichtet, das er den Kämmerer taufte, warum mussten die Apostel dem Kämmerer dann nicht nachreisen?
Der Fehler den Philippus gemacht hatte, war durch die Apostel korrigiert worden und Philipps taufte nun in der gottgewollten Weise, so dass der Kämmerer bei seiner Taufe den Heiligen Geist empfing.
Diese Stelle ist ja auch in charismatischen Kreisen eine Belegstelle, das es eine Zweite, eine Taufe auf den Heiligen Geist geben müsse.

lg
asder

Andreas01
Beiträge: 243
Registriert: Dienstag 10. August 2004, 16:32

Beitrag von Andreas01 »

War mir schon klar, dass man diese Stellen auch anders auslegen kann und du das als Evangelikaler auch anders verstehen wirst.

Ich wollte andeuten, dass die katholische Lehre bzgl. Priestertum und Sakramente einem konkreten Verständnis von Schriftstellen entspringt, und nicht bibelfremde Sonderlehre ist.

Das alles im Detail zu begründen, sind andere in diesem Forum kompetenter als ich es bin.


Nur zur Ergänzung:
Wenn man das streng wörtlich versteht, was du schreibst, bedeutet das dann aber das nur die Apostel das Gedächtnismahl feiern sollen
Scheint aber zu zeigen, dass nicht alle Christen damit beauftragt worden sind. Und Apostel hatten Nachfolger, Bsp. Matthias.
(So ganz bis ins Detail habe ich das aber bislang selber nicht verstanden.)
Wenn du den ganzen Zusammenhang liest, so hat die Evangelisation des Phillipus zur Folge, dass sich Menschen bekehrten, im Übereifer vermutlich nicht die Taufe auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist gespendet, so das die gläubig gewordenen noch nicht mit dem Heiligen Geist erfüllt waren.
Wenn du weiter liest, wird von Philippus dann berichtet, das er den Kämmerer taufte, warum mussten die Apostel dem Kämmerer dann nicht nachreisen?
Der Fehler den Philippus gemacht hatte, war durch die Apostel korrigiert worden und Philipps taufte nun in der gottgewollten Weise, so dass der Kämmerer bei seiner Taufe den Heiligen Geist empfing.
Diese Stelle ist ja auch in charismatischen Kreisen eine Belegstelle, das es eine Zweite, eine Taufe auf den Heiligen Geist geben müsse.
Formfehler beim Taufritual?
Auch die katholische Kirche lehrt, dass die Wirksamkeit von Sakramenten an ein liturgisches Ritual gebunden ist. KKK 1131

Liebe Grüße Andreas
Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Joh 10,10

Benutzeravatar
Edi
Beiträge: 11380
Registriert: Montag 12. Januar 2004, 18:16

Beitrag von Edi »

Wie schon gesagt kann man sich nicht allein auf die Bibel berufen. Wenn es auch Schriftstellen gibt, die eher der katholischen Auffassung recht geben, so ist im NT eben nicht alles detailliert begründet. Man daher auch nicht behaupten Jesus habe kein Priesteramt gewollt, nur weil man vielleicht keine expliziten Stellen dafür findet. Warum aber gab es damals schon Bischöfe wie es im Timotheusbrief und im Titus steht? Und da ist explizit von Bischofsamt die Rede. Sind Bischöfe keine Priester?
1.Tim 3,1 : Das ist gewißlich wahr: Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt eine hohe Aufgabe. ...
1.Tim 3,2 : Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau, nüchtern, maßvoll, würdig, gastfrei, geschickt im Lehren, kein Säufer, nicht gewalttätig, son...
Tit 1,7 : Denn ein Bischof soll untadelig sein als ein Haushalter Gottes, nicht eigensinnig, nicht jähzornig, kein Säufer, nicht streitsüchtig, nicht ...

Benutzeravatar
asderrix
Moderator
Beiträge: 3531
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 17:15

Beitrag von asderrix »

Edi hat geschrieben: Sind Bischöfe keine Priester?
1.Tim 3,1 : Das ist gewißlich wahr: Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt eine hohe Aufgabe. ...
In der von mir benutzten Elberfelder Bibel wird Aufseherdienst geschrieben, das drückt denke ich den Sinn des Begriffs besser aus.

Bischöfe sind keine Priester im alttestamentlichen Sinn, die die Verbindung zu Gott ermöglichen, sondern Aufseher, die der Gemeinde dienen.

Benutzeravatar
Nikodemus
Beiträge: 95
Registriert: Samstag 22. November 2003, 15:34
Wohnort: Bavaria
Kontaktdaten:

RKK und AT

Beitrag von Nikodemus »

Lieber asderrix,

du führst einige Punkte an, die deiner Auffassung nach fälschlicherweise von der römisch-katholischen Kirche in den Neuen Bund integriert wurden.

Ich möchte mich hier mit den jeweiligen Einzelheiten gar nicht aufhalten. Die Kultvorschriften des AT gelten im Neuen Bund nicht mehr, dass ist ganz klar die Auffassung der katholischen Kirche.
Das Priestertum, auch mit dem griechischen Titel Presybterium benannt, schließt sich an die Briefe des NT an, das Priestertum des AT wird gelegentlich in analoger Weise herangezogen, aber immer nur als Vorabbild, nie werden von ihm Normen für das Priestertum d es NT abgeleitet. Wie die Propheten Vorabbilder Jesu waren, so waren die Priester des Alten Bundes Vorabbilder der Priester des Neuen Bundes. Die Priester des AT werden im Übrigen in der Regel mit dem lateinischen Begriff sacerdos bezeichnet, die des NT mit Presbyter. Unglücklicherweise ist das im deutschen ein Wort.

Die weiteren Fragen, z.B. priesterliche Vollmachten usw. betreffen massgeblich ein anderes Thema, nämlich das Verhältnis von Schrift und Tradition. Die priesterlichen Vollmachten bezügl. Trauung und Beichte haben z.B. insofern nichts mit dem AT zu tun als es das eine noch nicht gab, das andere war keine preisterliche Aufgabe. Ein Altar ist im übrigen für eine Eucharistiefeier zwar wünschenswert, aber keineswegs unerlässlich.

Alles Gute, Nikodemus
Veritas liberabit vos - Die Wahrheit wird euch frei machen (Joh 8,32)

Benutzeravatar
FranzSales
Beiträge: 976
Registriert: Dienstag 14. Oktober 2003, 08:46

Beitrag von FranzSales »

Die Priester des AT werden im Übrigen in der Regel mit dem lateinischen Begriff sacerdos bezeichnet, die des NT mit Presbyter. Unglücklicherweise ist das im deutschen ein Wort.
Die korrekte Bezeichnung heißt ja auch nicht "Priesterweihe" sondern schlicht "Ordo".
Der katholische Priester ist der Presbyter des NT.
"Herr Jesus Christus, wir beten Dich an und benedeien Dich. In Deinem Heiligen Kreuz hast Du die Welt erlöst."

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema