Pax Capitalista
Hallo Robert,
die Anteile der privaten Bank of England wurden auf den "Solicitor of H.M. Treasury" übertragen (Fussnote 3). Wie man das ganz genau auf Deutsch ausdrückt weiss ich allerdings nicht, der Finanzminister ist es wohl nicht, Treuhänder wäre trustee, jedenfalls wurde das Kapital auf das Finanzministerium ihrer Majestät übertragen.
http://www.bankofengland.co.uk/about/le ... 946act.pdf
Eine interessante Diskussion, die in den letzten Jahren geführt wird, ist, wie und vor wem sich eine Zentralbank verantworten muss. Derzeit geht der Trend in Richtung völliger Unabhängigkeit von der Regierung (in Europa sowieso wegen der Währungsunion, aber auch weltweit).
die Anteile der privaten Bank of England wurden auf den "Solicitor of H.M. Treasury" übertragen (Fussnote 3). Wie man das ganz genau auf Deutsch ausdrückt weiss ich allerdings nicht, der Finanzminister ist es wohl nicht, Treuhänder wäre trustee, jedenfalls wurde das Kapital auf das Finanzministerium ihrer Majestät übertragen.
http://www.bankofengland.co.uk/about/le ... 946act.pdf
Eine interessante Diskussion, die in den letzten Jahren geführt wird, ist, wie und vor wem sich eine Zentralbank verantworten muss. Derzeit geht der Trend in Richtung völliger Unabhängigkeit von der Regierung (in Europa sowieso wegen der Währungsunion, aber auch weltweit).
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Raphael
@ Robert Ketelhohn
Hier tut sich nur ein Dissens zwischen unseren Positionen auf, die nicht so leicht zu schließen sein wird: Marktwirtschaftlich betrachtet ist der Staat gar nicht in der Lage besser (= profitabler) als andere Marktteilnehmer das Marktgeschehen zu dirigieren. Man bekommt da so etwas wie eine abgeschwächte Planwirtschaft, auch wenn keine offiziellen "5-Jahres-Pläne" verabschiedet werden.
Ordoliberal betrachtet sollte sich der Staat so weit als möglich aus dem Marktgeschehen selber heraushalten und mit seiner Macht, die aus dem vom Volk überantworteten Gewaltmonopol resultiert, selbiges Geschehen nicht verzerren. Die Renditeerwartungen der Anleger steuern das vorhandene Kapital viel effizienter als es ein bürokratischer Moloch, wie es der moderne Staat (= Leviathan) nunmal ist, überhaupt kann.
Der Staat - und damit ist auch derjenige gemeint, der sich als Sozialstaat versteht - sollte höchstens über seine fiskalische Macht einen finanziellen Ausgleich zwischen den leistungsstarken und leistungsschwachen Bevölkerungsteilen herstellen. Dazu gehört u.a. eine materielle Grundversorgung für alle; siehe Sozialhilfe und Sozialversicherungssysteme!
Alle nicht hoheitlichen Aufgaben sollten in die Hände der Privatwirtschaft gelegt werden, die derlei Dinge - und dies kann man als geschichtlich erwiesen ansehen - einfach besser erledigt.
Durch die Bindung an das BIP ist der Staat daran gehindert, einerseits die Inflation durch Schuldenmacherei anzuheizen und andererseits - wie schon oben ausgeführt - seine Altlasten über Gebühr zu verringern. Politiker müssen sich also etwas anderes einfallen lassen als durch Schuldenmacherei die zukünftigen Generationen für unser heutiges Wohlleben bezahlen zu lassen.
Streng genommen sind die Maastricht-Kriterien genauso wie das Kriterium in § 115 GG ein Bremse für den politischen Verschiebebahnhof in die Zukunft; auch wenn diese Vorgaben in rechtswidriger Weise immer mehr ausgehöhlt werden.
Schon der Volksmund weiß: "Morgen, morgen nur nicht heute, sagen alle faulen Leute!" Faule Politiker kann sich Deutschland nicht leisten .........
So weit so gut!Robert Ketelhohn hat geschrieben:Raphael hat geschrieben:Mit Kreditvergabe alleine wäre es nicht getan, denn diese wirkt zunächst nur im geldwirtschaftlichen Bereich der Volkswirtschaft und könnte inflationsfördende Wirkungen haben. Entscheidend ist die Verwendung dieser Mittel in dem realwirtschaftlichen Bereich der Volkswirtschaft! Werden die Kredite konsumiert [= in Projekte ohne (ausreichende) Erträge gesteckt], dann steigt die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt nicht an.Davon rede ich doch hier seit Jahr und Tag! So wie es Schäffer und Erhard gemacht haben. Um nämlich die »Verwendung dieser Mittel in dem realwirtschaftlichen Bereich der Volkswirtschaft« zu erreichen, muß die Regierung das ganze dirigieren.
Hier tut sich nur ein Dissens zwischen unseren Positionen auf, die nicht so leicht zu schließen sein wird: Marktwirtschaftlich betrachtet ist der Staat gar nicht in der Lage besser (= profitabler) als andere Marktteilnehmer das Marktgeschehen zu dirigieren. Man bekommt da so etwas wie eine abgeschwächte Planwirtschaft, auch wenn keine offiziellen "5-Jahres-Pläne" verabschiedet werden.
Ordoliberal betrachtet sollte sich der Staat so weit als möglich aus dem Marktgeschehen selber heraushalten und mit seiner Macht, die aus dem vom Volk überantworteten Gewaltmonopol resultiert, selbiges Geschehen nicht verzerren. Die Renditeerwartungen der Anleger steuern das vorhandene Kapital viel effizienter als es ein bürokratischer Moloch, wie es der moderne Staat (= Leviathan) nunmal ist, überhaupt kann.
Der Staat - und damit ist auch derjenige gemeint, der sich als Sozialstaat versteht - sollte höchstens über seine fiskalische Macht einen finanziellen Ausgleich zwischen den leistungsstarken und leistungsschwachen Bevölkerungsteilen herstellen. Dazu gehört u.a. eine materielle Grundversorgung für alle; siehe Sozialhilfe und Sozialversicherungssysteme!
Alle nicht hoheitlichen Aufgaben sollten in die Hände der Privatwirtschaft gelegt werden, die derlei Dinge - und dies kann man als geschichtlich erwiesen ansehen - einfach besser erledigt.
Der "Maastrichter Fluch" ist ein Segen für die Geldwertstabilität!Robert Ketelhohn hat geschrieben:Das ist jedoch infolge des Maastrichter Fluchs nicht möglich.
Durch die Bindung an das BIP ist der Staat daran gehindert, einerseits die Inflation durch Schuldenmacherei anzuheizen und andererseits - wie schon oben ausgeführt - seine Altlasten über Gebühr zu verringern. Politiker müssen sich also etwas anderes einfallen lassen als durch Schuldenmacherei die zukünftigen Generationen für unser heutiges Wohlleben bezahlen zu lassen.
Streng genommen sind die Maastricht-Kriterien genauso wie das Kriterium in § 115 GG ein Bremse für den politischen Verschiebebahnhof in die Zukunft; auch wenn diese Vorgaben in rechtswidriger Weise immer mehr ausgehöhlt werden.
Schon der Volksmund weiß: "Morgen, morgen nur nicht heute, sagen alle faulen Leute!" Faule Politiker kann sich Deutschland nicht leisten .........
Ich schließe mich der Meinung von Raphael uneingeschränkt an.
Man sollte allerdings aufpassen, dass "der Markt" nicht zur Ideologie wird, nach dem Motto: wir wissen sowieso, dass der Markt immer zu den besten Ergebnissen führt und deshalb wird der Markt überall eingeführt; und wenn es einmal nicht so gut läuft, dann folgt das Argument, dass es ohne Markt noch viel schlechter gelaufen wäre.
Und deshalb ist es extrem wichtig, die praktischen Erfahrungen mit Markt vs. Staat genau zu analysieren und daraus zu lernen.
Der Markt" ist sicherlich nicht für alle Bereiche besser als "der Staat", z.B. ist der gesamte Infrastrukturbereich oder auch Industrien, die auf Netzen aufbauen (Strom, Telekom, Bahn, ...) nur eingeschränkt privatisierbar oder es bedarf einer wirksamen staatlichen Aufsicht.
Man sollte allerdings aufpassen, dass "der Markt" nicht zur Ideologie wird, nach dem Motto: wir wissen sowieso, dass der Markt immer zu den besten Ergebnissen führt und deshalb wird der Markt überall eingeführt; und wenn es einmal nicht so gut läuft, dann folgt das Argument, dass es ohne Markt noch viel schlechter gelaufen wäre.
Und deshalb ist es extrem wichtig, die praktischen Erfahrungen mit Markt vs. Staat genau zu analysieren und daraus zu lernen.
Der Markt" ist sicherlich nicht für alle Bereiche besser als "der Staat", z.B. ist der gesamte Infrastrukturbereich oder auch Industrien, die auf Netzen aufbauen (Strom, Telekom, Bahn, ...) nur eingeschränkt privatisierbar oder es bedarf einer wirksamen staatlichen Aufsicht.
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Raphael
@ anselm
Wirtschaftspolitik ist ein Jonglieren mit mehreren Bällen. Wenn man sich hierbei zu sehr auf einen einzigen konzentriert (= Ausweitung der staatlichen Kreditvergabe), läuft man Gefahr, die anderen "Bälle" aus dem Blick zu verlieren. Letztere fallen daraufhin herunter und aus ist es mit dem Jonglieren ......
Das Drama mit dem Geld ist, daß common sense im Volke - aber nicht im Kreise der Volkswirte - ist, es müßte nur genug davon da sein, dann würden sich die wirtschaftlichen Probleme von selber lösen. Warum das so (nicht) ist, will ich versuchen, möglichst kurz zu erklären.
In der Geldtheorie hat das Geld zwei grundlegende Funktionen, die ich hier schon einmal kurz erläutert habe: Tauschfunktion und Wertaufbewahrungsfunktion!
Hierbei ist es aber wichtig einzusehen, daß Geld zumindest in den wirtschaftstheoretischen Debatten lediglich ein Spiegelbild der Realwirtschaft ist. Der reale Machtfaktor, der sich aus dem Geldbesitz selber ergibt, muß hier zunächst ausgeklammert werden, um zu sauberen theoretischen Ergebnissen zu kommen. In den wirtschaftstheoretischen Debatten wird davon ausgegangen, daß die Teilnehmer an der Realwirtschaft nicht der Geldillusion unterliegen, sondern sie werden darauf achten, daß das Geld als maßgeblicher (= im engen Sinne des Wortes) Faktor der Realwirtschaft beide Funktionen (!) erfüllt.
Die erste Funktion kann es nur erfüllen, wenn es in ausreichender Menge vorhanden ist, damit die Tauschvorgänge in einer Volkswirtschaft auch tatsächlich durchgeführt werden können. Die Zentralbank ist hierbei in der Verantwortung über den Geldschöpfungsprozeß eine ausreichende Geldmenge herzustellen. Hierzu orientiert sie sich am BIP, weil dieser Wert die Menge der produzierten Waren und Dienstleistungen repräsentiert. D.h. aber auch, daß die Geldschöpfung durch einen Korridor an realwirtschaftlichen Daten begrenzt werden muß, um nicht zu viel oder zu wenig Geld zu produzieren. Kompliziert wird die Geldmengenbetrachtung noch dadurch, daß bei dynamischer Betrachtung von selbiger die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes hinzugenommen werden muß. Denn es ist unmittelbar einsichtig, daß innerhalb einer Periode ein und dieselbe Geldeinheit mehrfach für unterschiedliche Tauschvorgänge verwendet werden kann.
Die von Robert geforderte gesteigerte staatliche Kreditvergabe erhöht in einem ersten Schritt lediglich die Geldmenge. Wirtschaftstheoretisch betrachtet ist dies also eine exogene Ausweitung der Geldmenge, weil dieses spezifische Geldmengenwachstum nicht durch die produzierten Güter (= Waren und Dienstleistungen) induziert wurde, sondern alleine durch den Wunsch des Staates nach erhöhter wirtschaftlicher Aktivität.
Erst wenn nun diese Kredite verwendet werden, um Güter zu produzieren, gleicht sich das BIP der im Vorfeld gesteigerten Geldmenge an und verhindert bzw. verringert die durch das Geldmengenwachstum herbeigeführte Inflation. Eine Verhinderung (oder Verringerung) der Inflation findet jedoch nicht statt, wenn die mit den staatlichen Krediten hergestellten Güter unproduktiv bleiben, wie dies in der Vergangenheit bei Infrastrukturprojekten in aller Regel der Fall war.
Und hier schließt sich nun der Kreis zur zweiten Funktion, der Wertaufbewahrung. Aus der geldpolitischen Verantwortung der Bundesbank resultiert die Verpflichtung selbiger über die Steuerung der Geldmenge die Inflation nicht anzuheizen. Denn es wäre ein Einfaches über eine massiv erhöhte Geldmenge die Staatsverschuldung abzubauen; wie dies auch 1923 schon versucht worden ist. Inflation trifft nun aber in erster Linie nicht den großen Industriellen, weil dieser in aller Regel in Sachvermögen (= realwirtschaftliche Sphäre der Volkswirtschaft), sondern den kleinen Geldvermögensbesitzer. Bei letzterem wird die geringere Konsumneigung (= höhere Sparneigung) bestraft, weil sein Erspartes im wahrsten Sinne des Wortes „wertlos“ wird. Dieses gilt es zu verhindern!
GsJC
Raphael
Das ist aber sehr nett von Dir!anselm hat geschrieben:Ich schließe mich der Meinung von Raphael uneingeschränkt an.
Wirtschaftspolitik ist ein Jonglieren mit mehreren Bällen. Wenn man sich hierbei zu sehr auf einen einzigen konzentriert (= Ausweitung der staatlichen Kreditvergabe), läuft man Gefahr, die anderen "Bälle" aus dem Blick zu verlieren. Letztere fallen daraufhin herunter und aus ist es mit dem Jonglieren ......
Das Drama mit dem Geld ist, daß common sense im Volke - aber nicht im Kreise der Volkswirte - ist, es müßte nur genug davon da sein, dann würden sich die wirtschaftlichen Probleme von selber lösen. Warum das so (nicht) ist, will ich versuchen, möglichst kurz zu erklären.
In der Geldtheorie hat das Geld zwei grundlegende Funktionen, die ich hier schon einmal kurz erläutert habe: Tauschfunktion und Wertaufbewahrungsfunktion!
Hierbei ist es aber wichtig einzusehen, daß Geld zumindest in den wirtschaftstheoretischen Debatten lediglich ein Spiegelbild der Realwirtschaft ist. Der reale Machtfaktor, der sich aus dem Geldbesitz selber ergibt, muß hier zunächst ausgeklammert werden, um zu sauberen theoretischen Ergebnissen zu kommen. In den wirtschaftstheoretischen Debatten wird davon ausgegangen, daß die Teilnehmer an der Realwirtschaft nicht der Geldillusion unterliegen, sondern sie werden darauf achten, daß das Geld als maßgeblicher (= im engen Sinne des Wortes) Faktor der Realwirtschaft beide Funktionen (!) erfüllt.
Die erste Funktion kann es nur erfüllen, wenn es in ausreichender Menge vorhanden ist, damit die Tauschvorgänge in einer Volkswirtschaft auch tatsächlich durchgeführt werden können. Die Zentralbank ist hierbei in der Verantwortung über den Geldschöpfungsprozeß eine ausreichende Geldmenge herzustellen. Hierzu orientiert sie sich am BIP, weil dieser Wert die Menge der produzierten Waren und Dienstleistungen repräsentiert. D.h. aber auch, daß die Geldschöpfung durch einen Korridor an realwirtschaftlichen Daten begrenzt werden muß, um nicht zu viel oder zu wenig Geld zu produzieren. Kompliziert wird die Geldmengenbetrachtung noch dadurch, daß bei dynamischer Betrachtung von selbiger die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes hinzugenommen werden muß. Denn es ist unmittelbar einsichtig, daß innerhalb einer Periode ein und dieselbe Geldeinheit mehrfach für unterschiedliche Tauschvorgänge verwendet werden kann.
Die von Robert geforderte gesteigerte staatliche Kreditvergabe erhöht in einem ersten Schritt lediglich die Geldmenge. Wirtschaftstheoretisch betrachtet ist dies also eine exogene Ausweitung der Geldmenge, weil dieses spezifische Geldmengenwachstum nicht durch die produzierten Güter (= Waren und Dienstleistungen) induziert wurde, sondern alleine durch den Wunsch des Staates nach erhöhter wirtschaftlicher Aktivität.
Erst wenn nun diese Kredite verwendet werden, um Güter zu produzieren, gleicht sich das BIP der im Vorfeld gesteigerten Geldmenge an und verhindert bzw. verringert die durch das Geldmengenwachstum herbeigeführte Inflation. Eine Verhinderung (oder Verringerung) der Inflation findet jedoch nicht statt, wenn die mit den staatlichen Krediten hergestellten Güter unproduktiv bleiben, wie dies in der Vergangenheit bei Infrastrukturprojekten in aller Regel der Fall war.
Und hier schließt sich nun der Kreis zur zweiten Funktion, der Wertaufbewahrung. Aus der geldpolitischen Verantwortung der Bundesbank resultiert die Verpflichtung selbiger über die Steuerung der Geldmenge die Inflation nicht anzuheizen. Denn es wäre ein Einfaches über eine massiv erhöhte Geldmenge die Staatsverschuldung abzubauen; wie dies auch 1923 schon versucht worden ist. Inflation trifft nun aber in erster Linie nicht den großen Industriellen, weil dieser in aller Regel in Sachvermögen (= realwirtschaftliche Sphäre der Volkswirtschaft), sondern den kleinen Geldvermögensbesitzer. Bei letzterem wird die geringere Konsumneigung (= höhere Sparneigung) bestraft, weil sein Erspartes im wahrsten Sinne des Wortes „wertlos“ wird. Dieses gilt es zu verhindern!
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Raphael
- Robert Ketelhohn
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Falsch. Man bekommt so etwas wie Erhard und Schäffer. Oder was Schleicher geschafft hätte, hätte man ihn nicht abgesetzt und beseitigt. Oder was Alexander Hamilton erreicht hat.Raphael hat geschrieben:Hier tut sich nur ein Dissens zwischen unseren Positionen auf, die nicht so leicht zu schließen sein wird: Marktwirtschaftlich betrachtet ist der Staat gar nicht in der Lage besser (= profitabler) als andere Marktteilnehmer das Marktgeschehen zu dirigieren. Man bekommt da so etwas wie eine abgeschwächte Planwirtschaft, auch wenn keine offiziellen "5-Jahres-Pläne" verabschiedet werden.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.
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- Robert Ketelhohn
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Robert Ketelhohn hat geschrieben:Im September 1931 legte Wilhelm Lautenbach, Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium der Regierung Brüning, unter dem Titel »Möglichkeiten der Konjunkturbelebung durch Investition und Kreditausweitung« bei einer Konferenz der Friedrich-List-Gesellschaft seinen Plan zur Abwendung der wirtschaftlichen Katastrophe vor, in die Brünings Austeritätspolitik Deutschland hineinsteuerte – bis zur endlichen Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Eine Analyse von atemberaubender Aktualität. Die wirtschaftliche Lage zu Beginn des dritten Jahrtausends ist der damaligen beklemmend ähnlich. Die herrschenden Kräfte vertreten dieselbe monetaristische Ideologie. Damals scheiterte Brüning. Schleicher, der ihm Ende 1932 folgte, wollte das Ruder herumwerfen. Er dachte wie Lautenbach in Kategorien der realen Wirtschaft – nicht allein des Geldes. Doch er wurde nach nicht einmal zwei Monaten gestürzt, ein Jahr später von der SS ermordet. – Wir geben Wilhelm Lautenbachs Papier in einer geringfügig gekürzten Fassung wieder: nicht als historische Reminiszenz, sondern als Aufruf an die Gegenwart.
Wilhelm Lautenbach hat geschrieben:Möglichkeiten der Konjunkturbelebung durch Investition und Kreditausweitung
I.
Der deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik sind zwei entscheidende Aufgaben gestellt, nämlich die Sicherung unserer Währung und die Verhütung noch stärkerer Arbeitslosigkeit. Beide Aufgaben sind in gewissem Sinne gegensätzlicher Natur. Denn die Rücksicht auf unsere Währung und unsere Zahlungsbilanz scheint eine vorsichtige und zurückhaltende Kreditpolitik und straffe Diskontpolitik zu erfordern. Auf der anderen Seite droht eine solche Kreditpolitik (Deflationsdruck) eine weitere Schrumpfung der Produktion herbeizuführen.
Es genügt, beide Forderungen in ihrer Gegensätzlichkeit festzustellen, um zu erkennen, daß die praktische Wirtschaftspolitik einen Mittelkurs zwischen diesen beiden Zielen einhalten muß. Um diesen Kurs festzulegen, muß man sich genau Rechenschaft, über die Gefahren und die Wirkungen einer einseitigen Politik und über den Bewegungsspielraum, der für unsere Wirtschaftspolitik heute noch gegeben ist, ablegen.
II.
Die ökonomische Ratio einer deflationistischen Kreditpolitik liegt in folgendem begründet: Ist der Kredit knapp und teuer, so werden Produzenten und Händler gezwungen, alle irgendwie verwertbaren Warenbestände abzustoßen und die Lagerhaltung auf ein Minimum zu reduzieren. Hierdurch werden die Preise gesenkt, und durch die Senkung des Preisniveaus entsteht gewissermaßen ein Gefälle, das den Abfluß von Waren aus Deutschland begünstigt, den Zustrom von Waren aus dem Ausland hindert, im Gesamtergebnis also die Handelsbilanz stark aktiviert.
Diesem devisenpolitisch erfreulichen Ergebnis stehen aber schwere Nachteile gegenüber: Unter dem Druck der Kreditverknappung und dem Zwang, die Warenvorräte möglichst zu reduzieren, drosseln naturgemäß die Unternehmer die Produktion. Denn selbstverständlich wird jeder Unternehmer, der sich zur Realisierung vorhandener Warenvorräte gezwungen sieht, sich diese Aufgabe möglichst dadurch zu erleichtern suchen, daß er seine laufende Produktion entsprechend drosselt. Gesamtwirtschaftlich führt das notwendigerweise zu steigender Arbeitslosigkeit, zu neuen Gleichgewichtsstörungen und damit zu einer neuen Schwächung der Grundlagen unserer Wirtschaft.
Hierbei ist besonders zu beachten, daß in diesem Verlauf sehr erhebliche Kapitalverluste, und zwar nicht nur in privatwirtschaftlichem Sinne, sondern auch volkswirtschaftlich betrachtet, entstehen. Soweit nämlich die in Deutschland vorhandenen Warenvorräte größer sind als bei ganz rationeller Wirtschaft zur Aufrechterhaltung der laufenden Produktion im gegenwärtigen Umfang und zur Befriedigung der laufenden Nachfrage nach ihrem gegenwärtigen Stande erforderlich ist, stellen sie gewissermaßen eine latente volkswirtschaftliche Kapitalreserve dar. Eine solche Reserve ist volkswirtschaftlich wertvoll und notwendig; sie ist eigentlich wesentliche Voraussetzung für einen Konjunkturanstieg aus eigener Kraft. Verlieren wir diese reale Betriebsreserve, so wird auch die Elastizität unseres Kreditsystems noch geringer, als sie heute ist.
Was unter dem Druck einer starken Preissenkung verschleudert wird, das wird - soweit es sich um Fertigfabrikate handelt - zu einem großen Teil einfach im Inlande unter vorübergehender Steigerung der Kaufkraft des Nominaleinkommens mehr verzehrt. Es wird also ungenutztes Kapital in Konsum verwandelt, während eine rationelle Politik nur darauf abgestellt sein müßte, ungenutztes volkswirtschaftliches Kapital zu nutzen. Die Kreditverknappung erzeugt große neue Kapitalverluste der einzelnen Unternehmungen in Handel und Industrie, macht sie leistungs- und kreditunfähig, zwingt zu Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassungen in allergrößtem Ausmaß und hat gleichzeitig eine Verschlechterung des Status der Banken zur Folge. Das wirkt selbstverständlich auf unseren überempfindlichen Auslandskredit ganz verhängnisvoll zurück […] Wir haben gerade in Gestalt der ungenutzten Warenvorräte und der laufenden Produktionsüberschüsse, für die wir keine Verwendung haben, jenen realen Kapitalfonds, den man durch großzügige Kreditpolitik nutzbar machen könnte.
III.
Selbst wenn die vorstehend geschilderten Gefahren sich nicht in vollem Umfang verwirklichten, bestanden noch zwei sehr starke Bedenken gegen eine übermäßig vorsichtige Kreditpolitik, und zwar:
1. reparationspolitisch:
Die Aufrechterhaltung eines starken Deflationsdrucks kann ihre Wirkung auf den Außenhandel selbstverständlich nicht verfehlen. Der Aktivsaldo wird dann noch erheblich stärker werden als er im Augenblick ist. Dies ist aber reparationspolitisch betrachtet unter Umständen geradezu verhängnisvoll; denn die an der Reparation interessierten Länder könnten diese Leistung der deutschen Wirtschaft als Kriterium seiner künftigen Reparationsleistungsfähigkeit ansehen […]
2. handelspolitisch:
Die Forcierung unserer Ausfuhr und Einschränkung unserer Einfuhr wird unausweichlich sehr unangenehme handelspolitische Rückwirkungen haben. Die Tatsache, daß nur der vom Ausland selbst ausgeübte Druck uns zu dieser Umschaltung im Außenhandel zwingt, schützt uns selbstverständlich in keiner Weise vor Abwehrmaßnahmen (Antidumping- Politik) der gleichen Länder. Wie wenig wirtschaftliche Vernunft und Konsequenz das Verhalten ausländischer Gruppen bestimmt, zeigt am deutlichsten die Haltung der ausländischen Banken. Es kann ja nicht der mindeste Zweifel bestehen, daß der Versuch und das Bestreben dieser Banken, ihre an Deutschland gegebenen Kredite möglichst bald zu liquidieren, weltwirtschaftlich betrachtet widersinnig, für die Gläubigerländer selbst schädlich ist.
IV.
Ein Ausweg aus dem geschilderten Dilemma wird sichtbar, wenn man sich auf die einzig rationelle Lösung unseres Wirtschafts- und Finanzproblems in seiner Gesamtheit besinnt. Dabei kommt man zu folgenden Ergebnissen:
Es gibt zwei Wege, um besonderen Ansprüchen und Belastungen zu genügen: entweder, man beschränkt sich in seinen eigenen Ansprüchen stärker, oder man steigert den Gesamtertrag so, daß man, ohne sich stärker einschränken zu müssen, den neuen von außen herantretenden Ansprüchen genügt.
Der natürliche Weg zur Überwindung eines wirtschaftlichen und finanziellen Notstandes ist in der kapitalistischen Wirtschaft nicht Einschränkung, sondern Leistungssteigerung. Die kapitalistische Wirtschaft hat überall und zu jeder Zeit, wo man unter dem Zwange irgendeines elementaren Notstandes, gewissermaßen ohne weiteres Besinnen, an ihre Leistungsfähigkeit appellierte, eine erstaunliche Kraft und Leistungsfähigkeit bewiesen […] Der charakteristische Unterschied zwischen dem Notstand, in dem wir uns befinden, und jenen anderen Notständen, in deren Überwindung die kapitalistische Wirtschaft sich erstaunlich bewährt hat, ist der, daß bei den letzteren ganz konkrete Produktionsaufgaben gestellt waren, während in unserer Lage schlechthin die Aufgabe gestellt ist, größere Erträge herauszuwirtschaften, ohne daß der Mehrbedarf konkret bestimmt wäre. Wir wissen nur, wir sollen und wollen mehr produzieren. Der Markt aber, der einzige Regulator in der kapitalistischen Wirtschaft, gibt offensichtlich keinerlei positive Direktiven, und so weiß kein Unternehmer, was er produzieren soll.
V.
Die Dispositionen der Unternehmer werden durch die Ertragschancen bestimmt. Man könnte daran denken, diese Chancen durch Senkung der Produktionskosten zu erhöhen, um damit die Unternehmer zur Wiederaufnahme einer größeren Produktion anzureizen. Die nähere Betrachtung zeigt jedoch, daß einer solchen Politik in der Anwendung sehr enge Grenzen gezogen sind und daß sie keinen Erfolg haben kann, wenn sie nicht durch bestimmte positive Maßnahmen ergänzt wird.
Die drei wesentlichen Kostenelemente sind Zins, öffentliche Abgaben und Löhne und Gehälter.
1. Zinsen.
Richtunggebend für die Zinsbelastung ist der Diskontsatz der Reichsbank. Eine merkliche weitere Herabsetzung dieses Satzes begegnet großen Schwierigkeiten und Gefahren […]
2. Öffentliche Abgaben.
An eine Herabsetzung der Produktionssteuern könnte nur gedacht werden, wenn man entweder noch ungenutzte Einsparungsmöglichkeiten hätte oder direkte Steuern durch indirekte Steuern (Verbrauchsabgaben) ersetzen wollte, oder endlich den Steuerausfall durch verstärkte Inanspruchnahme von Kredit ausgleichen wollte. Alle Einsparungsmöglichkeiten müssen bereits beim jetzigen Besteuerungsgrad ausgeschöpft werden. Der Ersatz von direkten Steuern durch indirekte Steuern dürfte innenpolitisch auf unüberwindliche Widerstände stoßen. Die Deckung des durch Steuerherabsetzung entstehenden Defizits durch Kredite wäre zwar konjunkturpolitisch außerordentlich wirksam, würde uns aber in den Augen des Auslandes vollkommen diskreditieren und ist daher praktisch unmöglich.
3. Löhne und Gehälter.
So bleibt als einzige praktisch mögliche Kostenverminderung die Senkung der Löhne und Gehälter übrig. Was bedeutet diese konjunkturpolitisch?
a) Im Verhältnis zum Ausland verbessert sich unsere Konkurrenzlage […]
b) Regelmäßig werden jedoch nur die Exportindustrien eine merkliche Verbesserung ihrer Lage erfahren. Für die übrigen Industrien wird die Entlastung, die der Binnenmarkt durch Vermehrung der Ausfuhr und etwaige Verminderung der Fertigwareneinfuhr erfährt, regelmäßig dadurch überkompensiert, daß den im Augenblick der Lohnsenkung an den Markt kommenden Waren (Konsumgüter) plötzlich eine nominell verminderte Nachfrage gegenübersteht […]
Daher sollte eine Politik der Lohnsenkung unter keinen Umständen isoliert betrieben werden, sondern nur im Rahmen eines Gesamtprogrammes, das die Neueinstellung einer sehr erheblichen Zahl von Arbeitern unbedingt gewährleistet. In der Verkoppelung mit einem großzügigen positiven Produktionsprogramm kann allerdings die Auflockerung und Senkung der Löhne ungemein nützlich und wirksam sein. Sie hätte dann den Sinn einer volkswirtschaftlichen Ersparnis, die für bestimmte Investitionen (Arbeitsbeschaffungsprogramm) alsbald nutzbar gemacht wird.
Für ein solches Arbeitsbeschaffungsprogramm stünden uns an realem Kapital diejenigen Produkte, die wir infolge von Lohnsenkungen aus der laufenden Produktion neu erübrigen, zur Verfügung und außerdem diejenigen Waren, die bereits unter den gegenwärtigen Verhältnissen überschüssig sind und keinen Absatz finden. Denn wir haben ja gerade zur Zeit den paradoxen Zustand, daß trotz außerordentlich gedrosselter Produktion laufend die Nachfrage hinter dem Angebot zurückbleibt, und daher die Tendenz zu immer weitergehender Produktionsdrosselung.
Wir haben also laufend Produktionsüberschüsse, mit denen wir nichts anzufangen wissen. Eine Verwertung für diese Produktionsüberschüsse zu finden, ist die eigentliche und dringendste Aufgabe der Wirtschaftspolitik, und sie ist im Prinzip verhältnismäßig einfach zu lösen: Warenüberschüsse, brachliegende Produktionsanlagen und brachliegende Arbeitskräfte können zur Deckung eines neuen volkswirtschaftlichen Bedarfs verwendet werden, und zwar eines Bedarfs, der volkswirtschaftlich eine Kapitalanlage darstellt. Hierbei ist an solche Aufgaben zu denken, wie sie etwa im zweiten Brauns-Gutachten erwähnt sind, also öffentliche oder mit öffentlicher Unterstützung durchgeführte Arbeiten, die für die Volkswirtschaft einen Wertzuwachs im Vermögen bedeuten und bei Wiederkehr normaler Verhältnisse ohnehin ausgeführt werden müssen (Straßenbau, erwünschte Verbesserungen und Ausbau bei der Reichsbahn u.ä.).
VI.
Gegen einen solchen Vorschlag können zwei Bedenken vorgebracht werden:
a) Bedeutet er nicht einen Rückfall in die Fehler der Vergangenheit, die zu einem Teil die Schärfe der gegenwärtigen Krise mitverschuldet haben, da ja offensichtlich die übermäßige öffentliche Betätigung in der Vergangenheit die kritische Lage der öffentlichen Finanzen heraufbeschworen und die Abhängigkeit vom Auslandskapital sehr stark vergrößert hat?
b) Wie können, da uns langfristiges Kapital weder auf dem ausländischen noch auf dem inländischen Kapitalmarkt zur Verfügung steht, solche Projekte finanziert werden? Hiervon ist der erste Einwand unschwer zu widerlegen: Der Fehler der öffentlichen Wirtschaft in der Vergangenheit bestand in der Hauptsache darin, daß wir in der öffentlichen Wirtschaft zuviel und im verkehrten Zeitpunkt unternommen haben. Wirtschaftlich vernünftig ist es, öffentliche Arbeiten in Zeiten guter Konjunktur zu drosseln und in Zeiten schlechter Konjunktur verstärkt vorzunehmen. Hat man sich in der Zeit guter Konjunktur übernommen, so heißt es, zu dem ersten Fehler noch einen viel schlimmeren und verhängnisvolleren hinzuzufügen, wenn man gerade in der tiefsten Depression an sich vernünftige öffentliche Arbeiten unterläßt.
Der zweite Einwand, daß langfristiges Kapital für uns weder im Inland noch im Ausland jetzt zu beschaffen ist, ist richtig. Die Konsequenz aus dieser Feststellung ist aber nicht, daß man demzufolge Arbeiten der vorgeschlagenen Art nicht ausführen könne, sondern, daß man sie zunächst kurzfristig finanzieren muß. Ist das kreditpolitisch möglich und zulässig?
VII.
Die Möglichkeit der kurzfristigen Finanzierung hängt davon ab, ob unsere Kreditwirtschaft die notwendige Liquidität besitzt, die Voraussetzung für die Gewährung zusätzlicher Kredite in größerem Umfang ist. Die Frage nach der Liquidität ist doppelsinnig und bedarf auch einer doppelten Antwort:
1. Formale Liquiditätsbedingungen. Die Liquidität ist zunächst formal eine technischorganisatorische Frage: Die Banken sind dann liquide, wenn sie einen ausreichenden Rückhalt an der Reichsbank haben. Hierbei ist zu beachten, daß die tatsächliche Inanspruchnahme der Reichsbank bei etwaiger Kreditexpansion der privaten Banken immer nur einen Bruchteil der insgesamt gewährten Kredite ausmachen kann und wird.
Der Rückgriff auf die Reichsbank ist im wesentlichen abhängig von
a) der Steigerung des Bargeldbedarfes, die im Zusammenhang mit der Krediterweiterung und Produktionsausdehnung eintritt,
b) von einer etwaigen Steigerung des Devisenbedarfes.
Die Steigerung des Bargeldbedarfs wird im wesentlichen bestimmt durch die zusätzliche wöchentliche Lohnsumme und ihre mittlere Zirkulationsdauer. Wenn man beispielsweise öffentliche Arbeiten und ähnliche Projekte mit einem Gesamtkapitalaufwand von etwa 3 Milliarden im Laufe von 9 Monaten ausführt, so dürften hiervon insgesamt 2 Milliarden zur Zahlung zusätzlicher Löhne und Gehälter benötigt werden, also wöchentlich ungefähr 50 Millionen. Aller Wahrscheinlichkeit nach würde man hierbei mit einer Steigerung des Geldbedarfs um kaum mehr als 100-200 Millionen zu rechnen haben, da die Annahme einer durchschnittlichen Zirkulationsdauer von 2-4 Wochen für die wöchentlich zu zahlende Lohnsumme bereits äußerst vorsichtig ist. Tatsächlich pflegt die Steigerung des Bargeldumlaufs bei ansteigender Konjunktur weit hinter der Steigerung des Produktionsund Kreditvolumens zurückzubleiben; das bedeutet, die Produktion wächst nicht nur absolut, sondern auch verhältnismäßig schneller als der Bargeldumlauf. Eine Steigerung der Produktion um 33% bedingt regelmäßig eine ganz erheblich geringere Steigerung der Bargeldmenge […]
Es bedarf kaum der ausdrücklichen Feststellung, daß selbstverständlich eine Steigerung des Notenumlaufs der Reichsbank innerhalb dieser Grenzen vollkommen unbeachtlich ist. Die Reichsbank würde, wenn sich ihre endgültige Belastung tatsächlich innerhalb dieser Grenzen hielte, a priori den Banken quasi Rediskontgarantie geben können. Dabei würde es auch keine Schwierigkeiten machen, die Finanzierung der Projekte auf diskontfähige Wechsel zu basieren. Beispiel: Lieferanten und ausfahrende Baufirmen ziehen Wechsel entweder auf die Reichsbahn oder für deren Rechnung auf eine inländische Bank. Die Reichsbahn vereinbart ihrerseits eine Kreditfrist von 12-15 Monaten in der Weise, daß sie Dreimonatsakzepte (eigene oder Bankakzepte) unter Vorbehalt 4-5maliger Erneuerung (Prolongation) gibt. Innerhalb dieser Gesamtlaufzeit wird die Reichsbahn oder das Reich durch Emission mittelfristiger Schatzanweisungen den kurzfristigen Kredit abdecken.
2. Materielle Liquiditätsbedingungen. Die materielle volkswirtschaftliche Voraussetzung dafür, daß unsere Kreditwirtschaft die erforderlichen Kredite aus eigener Kraft gewähren kann, ist dann gegeben und nur dann gegeben, wenn die Sicherheit besteht, daß die Kreditexpansion nicht alsbald zu einer merklichen Verschlechterung der Devisenbilanz führt. Eine solche Verschlechterung der Devisenbilanz würde zeigen, daß wir uns in unserer inneren Kreditwirtschaft übernommen hätten, daß wir die Projekte nicht mit Eigenkredit, sondern nur mit ausländischem Kredit unter Inanspruchnahme realen Auslandskapitals durchführen könnten. In dieser Frage liegen die eigentlichen Schwierigkeiten des Problems. Da unser Auslandskredit bereits aufs äußerste gefährdet ist, können wir es nicht riskieren, gewissermaßen experimentell festzustellen, ob die skizzierte Investitions- und Kreditpolitik im Rahmen unserer eigenen Möglichkeiten liegt. Wir müssen schon vorher dessen gewiß sein. Mit anderen Worten: Wir müssen uns fragen, ob und unter welchen Voraussetzungen bei einer solchen Investitions- und Kreditpolitik inflationistische Wirkungen verhütet werden können […]
VIII.
Die vorgeschlagene Politik läßt sich nur verantworten, wenn bestimmte vorbeugende und ausgleichende Maßnahmen getroffen werden, um bedenkliche währungs- und wirtschaftspolitische Folgen zu verhindern. Unsere positiven Maßnahmen, die Preisauftriebstendenzen auslösen, müssen wir mit negativen koppeln, die preissenkend wirken, und zwar
a) unmittelbar: Auflockerung der Kartelle und planmäßige und energische Senkung der monopolistisch gebundenen Preise durch direkten Staatseingriff, damit wir wieder zu vernünftigen Preisrelationen kommen, die Vorbedingung für eine wirkliche Gesundung und Erreichung des natürlichen Gleichgewichts in der Wirtschaft sind;
b) mittelbar: durch Kostensenkung im Wege der Auflockerung der Löhne. Diese Kostensenkung stellt infolge der Konkurrenz der Unternehmer auf dem niedrigeren Kostenniveau und wegen der oben bereits erörterten Veränderungen in der Konsumgüternachfrage einen Faktor dar, der für sich allein genommen die Tendenz weiterer Preissenkung fördern würde.
Bei richtiger Dosierung der positiven und der negativen Maßnahmen würde es möglich sein, die Konjunktur bei noch weichenden Preisen zu beleben […]
Wir können und dürfen es nicht bei dem bloß passiven Verhalten der Konsumeinschränkung bewenden lassen, sondern müssen sie als Mittel zur Produktionssteigerung verwenden. Hierbei ist entscheidend, daß Sparen und produktive Nutzung des Ersparten vollkommen Hand in Hand gehen. Das positive Handeln, Investitionen und Kreditbereitstellung, ist hierbei in jeder Beziehung das Primäre, die Sparmaßnahmen lediglich etwas Subsidiäres, gewissermaßen nur eine Versicherung gegen Überspannung oder Übertreibung, zugleich eine Versicherung gegen unliebsame psychologische Reaktionen, ein Palliativ gegen die törichte Inflationspsychose, an der die ganze Welt krankt.
Hierbei ist immer wieder folgendes zu unterstreichen und zu betonen: Die Tatsache, daß wir zur Zeit einen außerordentlich starken Überschuß im Außenhandel haben, der - wenn er auch nur in dieser Stärke anhält - ausreicht, um pro Jahr etwa 1 1/2 Milliarden Kredite an das Ausland zurückzuzahlen, und daß auf der anderen Seite immer noch Absatzschwierigkeiten auf der ganzen Linie unserer Produktion bestehen, daß also noch laufend unverwertbare Produktionsüberschüsse vorhanden sind, trotz jenes hohen Überschusses im Außenhandel und trotz stark gedrosselter Produktion, zeigt, daß wir einen sehr starken unausgenützten Produktionsspielraum haben.
Es ist durchaus rationell und wirtschaftlich vollkommen unbedenklich, diese bisher ungenützten Produktionsüberschüsse dadurch zu verwerten, daß man sie im Wege des Kredits für die Ausführung von volkswirtschaftlich vernünftigen und notwendigen Aufgaben bereitstellt. Durch eine solche Investitions- und Kreditpolitik wird gerade das Mißverhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Inlandsmarkt beseitigt und damit der Gesamtproduktion wieder Richtung und Ziel gegeben.
Unterlassen wir eine solche positive Politik, so steuern wir unvermeidlich in einen weiteren wirtschaftlichen Verfall und vollkommene Zerrüttung unserer Staatswirtschaft hinein, in einen Zustand, der dann, um eine innerpolitische Katastrophe zu vermeiden, eine starke neue kurzfristige öffentliche Verschuldung zu rein konsumtiven Zwecken erzwingt, während wir es heute noch in der Hand haben, durch Inanspruchnahme dieses Kredits für produktive Aufgaben zugleich unsere Wirtschaft und unsere öffentlichen Finanzen wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
IX.
Es sind nun noch zwei Fragen von schlechthin entscheidender Bedeutung offen:
1. Besteht ein Inflationsrisiko, wenn die Fundierung der kurzfristigen Finanzierungskredite nicht frühzeitig vorgenommen wird?
2. Besteht die Gewißheit oder wenigstens eine an Gewißheit grenzende Wahrscheinlichkeit dafür, daß in absehbarer Zeit die Fundierung möglich ist?
Zu 1.: Folgende Faktoren bestimmen den Wirkungsgrad der Kredite:
a) Größe der vorhandenen Warenvorräte und der schon beim gegenwärtigen Stand der Produktions- und Absatzverhältnisse sich ergebenden und zur Zeit nicht verwertbaren Produktionsüberschüsse;
b) Größe der durch Senkung von Löhnen und Gehältern erzielten Produktionsüberschüsse (zusätzliche volkswirtschaftliche Ersparnis);
c) Ausmaß und Tempo der Kreditausweitung;
d) Ausmaß und Tempo der Produktionsausweitung;
e) Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, sowohl des Bargeldes wie des Buchgeldes (Scheckguthaben).
Würde im Verfolg der vorgeschlagenen Aktion das Lohn- und Gehaltsniveau durchschnittlich etwa um 5% gesenkt werden, so bedeutete das in einem halben Jahr eine Nachfrageeinschränkung von etwa 1/2 Milliarde. Es bedürfte daher der Neueinstellung von etwa 500.000 Arbeitern mit einem Durchschnittsjahreslohn von 2.000 RM, lediglich um diese Konsumeinschränkung zu kompensieren.
Angenommen, die Reichsbahn führe im Laufe eines halben Jahres ein zusätzliches Bauund Beschaffungsprogramm im Ausmaße von 1.200 Millionen RM aus und es würden außerdem im Laufe eines halben Jahres 300 Millionen RM zusätzlich für Straßenbau aufgewendet, so ergäbe sich folgendes Bild: Beim Straßenbau dürften, wenn man die Arbeiten in Steinbrüchen, Kiesgruben usw. mitberücksichtigt, nicht aber die weiteren Vorund Ergänzungsproduktionen, wie etwa Teer, Kohle usw., 60% der Bausumme auf Lohngelder entfallen, also etwa 180 Millionen RM. Bei der Eisenbahn würde für Arbeiten, die der Verbesserung des Oberbaus, Brücken usw. dienen, unmittelbar an der Arbeitsstätte schätzungsweise 1/3 der aufgewendeten Summe für Löhne erforderlich sein. Zusätzliche Löhne für die Bereitstellung der verwendeten Materialien (Träger, Schienen, Schwellen, Steine usw.) wären nur in dem Maße, als diese Materialien nicht aus vorhandenen überschüssigen Lägern geliefert werden könnten, erforderlich. Es soll zunächst unterstellt werden, daß beim Eisenbahnbau sämtliche Materialien aus vorhandenen überschüssigen Lägern lieferbar sind. Daraus ergibt sich folgendes:
Zusätzliche Lohnsumme:
• beim Straßenbau 180 Millionen RM,
• beim Eisenbahnbau 400 Millionen RM,
• zusammen 580 Millionen RM.
Die Gesamtlohnsumme in der Wirtschaft würde, auf das Halbjahr berechnet, mithin gegenüber dem bisherigen Stand sich nur um 80 Millionen erhöhen. Auf dem Markt der Bedarfsgüter träten also nur bedeutungslose Verschiebungen ein.
Nun erschöpft sich jedoch hierin die Wirkung der Aktion nicht. Vielmehr sind nun die Veränderungen, die in der Rentabilität der Unternehmungen und in der Kreditsphäre vor sich gehen, zu verfolgen. Von der Gesamtbausumme von 1.500 Mill. RM dienen die nicht für Lohngelder in Anspruch genommenen Beträge, also 920 Mill. RM, zur Bezahlung bereits vorhandener Materialien und zum Ausgleich sonstiger Kosten (Steuern und Abgaben, Transporte, Verschleiß von Maschinen und Geräten bei der Bauausführung, Unternehmergewinn und Kosten). Angenommen, es entfielen hiervon auf die sonstigen Kosten im vorbezeichneten Sinne insgesamt 400 Mill. RM und auf die verbrauchten, vorhandenen Lägern entnommenen Materialien einschließlich Betriebsstoffe usw., 520 Mill. RM. Den Gegenwert der Materialien erhalten die Lieferanten nach Diskontierung der Akzepte des Auftraggebers auf ihrem Bankkonto gutgeschrieben. Regelmäßig werden dadurch nur ihre Bankschulden etwas vermindert werden, nur in verhältnismäßig seltenen Fällen werden sie ein Bankguthaben bekommen.
Durch Realisierung von vorhandenen Vorräten werden also regelmäßig bisher als eingefroren zu betrachtende Bankschulden aufgetaut, so daß durch die neuen Finanzierungskredite insoweit nicht die Summe der illiquiden Bankanlagen erhöht, sondern nur verlagert worden ist […]
Hinsichtlich der gezahlten Löhne gilt unter der hier angenommenen Bedingung, daß die Gesamtlohnsumme in der Wirtschaft nur unerheblich gesteigert wird, dasselbe. Die Mehrausgabe von Geld wird wettgemacht durch Wenigerausgabe an Lohngeldern der übrigen Wirtschaft. Gleichzeitig wird bei allen Unternehmungen, insoweit sie nicht bei den öffentlichen Arbeiten beteiligt waren, infolge der Produktionskostensenkung bei nach Menge und Preis gleichbleibendem Absatz und gleichbleibender Produktion der Erlös gesteigert und der Betriebskapitalbedarf entsprechend reduziert. Die Rentabilität in der gesamten Industrie hätte sich etwas gebessert, das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage wäre aber noch immer nicht hergestellt. Dies Verhältnis würde sich erst dann und in dem Maße schrittweise bessern, wenn die Industrien, die durch die Lieferung der Materialien für die öffentlichen Arbeiten besonders begünstigt waren, ihre Lager stark räumen könnten und sich hierdurch veranlaßt sähen, wieder mehr zu produzieren als bisher.
Die Voraussetzung dafür wird aber sein, daß sie dann von ihren Banken wieder neuen Kredit bekommen. Dann wiederholt sich in allerdings erheblich verkleinertem Maße, aber nunmehr mit verhältnismäßig stärkerer Wirkung der vorher geschilderte Prozeß: neuer Kredit, Neueinstellung von Arbeitern, vermehrte Nachfrage, nunmehr ohne Einschränkung an anderer Stelle. Damit Verschiebung des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage, bisher nicht absetzbare Ware findet Absatz. Hiermit setzt also die eigentliche, die Gesamtproduktion belebende Bewegung ein […]
Wohl aber besteht, wenn eine solche Bewegung einmal deutlich eingesetzt hat, die Möglichkeit, daß ins Ausland geflüchtetes deutsches Kapital zurückkommt, um an den deutschen Börsen "einzusteigen".
Zu 2.: […] Es ist eine durch lange Erfahrung und durch die Kredittheorie gleichzeitig bestätigte Regel, daß der Effektenmarkt sehr viel schneller und energischer auf Kreditausdehnung reagiert als der Warenmarkt. Unter allen Umständen überträgt sich eine leichte Auftriebstendenz auf dem Warenmarkt mit absoluter Sicherheit auf den Effektenmarkt, führt hier zu erheblich stärkeren Ausschlägen. Von allen anderen Momenten abgesehen trägt hierzu besonders die Tatsache bei, daß bei steigender Produktion die Bildung von Sparkapital gleich außerordentlich schnell und stark wächst. Das Gesamtergebnis der angestellten kredittheoretischen Überlegungen läßt sich in den Satz zusammenfassen, daß eine Kreditexpansion in Verbindung mit großzügigen Investitionen nicht zu einer weiteren Illiquidisierung, sondern vielmehr zur Liquidisierung und Konsolidierung unserer Kreditwirtschaft beiträgt.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
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- Robert Ketelhohn
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Anselm hat geschrieben:die Anteile der privaten Bank of England wurden auf den "Solicitor of H.M. Treasury" übertragen (Fußnote 3).
Das habe ich gelesen, Anselm, und sogar zitiert. Was ich meinte, ist, daß dieser Treuhänder offenbar die Anteile gleich wieder an die vorherigen Inhaber ausgegeben hat. Er nahm mit der Linken und gab mit der Rechten denen dasselbe zurück, von welchen er’s empfangen hatte. Also hat sich außer dem Titel der Anteilsscheine eigentlich nichts wesentliches geändert. Oder lese ich falsch?
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Raphael
@ Robert Ketelhohn
Die heutige Wirtschaftspolitik geht davon aus, daß die Staatsverschuldung (aller westlichen Demokratien) bestehen bleibt ......
Du vergißt, daß vor der Erhardtschen Wirtschaftspolitik die Währungsreform von 1948 stand!Robert Ketelhohn hat geschrieben:Raphael hat geschrieben:Hier tut sich nur ein Dissens zwischen unseren Positionen auf, die nicht so leicht zu schließen sein wird: Marktwirtschaftlich betrachtet ist der Staat gar nicht in der Lage besser (= profitabler) als andere Marktteilnehmer das Marktgeschehen zu dirigieren. Man bekommt da so etwas wie eine abgeschwächte Planwirtschaft, auch wenn keine offiziellen "5-Jahres-Pläne" verabschiedet werden.Falsch. Man bekommt so etwas wie Erhard und Schäffer. Oder was Schleicher geschafft hätte, hätte man ihn nicht abgesetzt und beseitigt. Oder was Alexander Hamilton erreicht hat.
Die heutige Wirtschaftspolitik geht davon aus, daß die Staatsverschuldung (aller westlichen Demokratien) bestehen bleibt ......
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Raphael
Lieber Robert,
Bildlich gesprochen versucht Du, jemandem, der an Durchfall leidet, ein Abführmittel als Therapeutikum zu verschreiben. Lautenbach's "Abführmittel" wäre damals richtig gewesen, weil die Wirtschaft an "Verstopfung" (= mangelnde Liquidität) litt.
Das heutige Problem ist jedoch nicht mangelnde Liquidität - die Zinssätze sind auf historisch niedrigem Niveau und die Geldmenge wächst stärker als das BIP es erfordert -, sondern eine Fehlsteuerung innerhalb des Produktivvermögens unserer Volkswirtschaft durch exogene Anreize wie Subventionen und Steuerspargeschenke des Staates.
die gesamtwirtschaftliche Situation, auf die Lautenbach mit seinen Thesen reagiert, paßt überhaupt nicht mit der heutigen Situation übereinander.Wilhelm Lautenbach hat geschrieben:
..................................
Bildlich gesprochen versucht Du, jemandem, der an Durchfall leidet, ein Abführmittel als Therapeutikum zu verschreiben. Lautenbach's "Abführmittel" wäre damals richtig gewesen, weil die Wirtschaft an "Verstopfung" (= mangelnde Liquidität) litt.
Das heutige Problem ist jedoch nicht mangelnde Liquidität - die Zinssätze sind auf historisch niedrigem Niveau und die Geldmenge wächst stärker als das BIP es erfordert -, sondern eine Fehlsteuerung innerhalb des Produktivvermögens unserer Volkswirtschaft durch exogene Anreize wie Subventionen und Steuerspargeschenke des Staates.
- Robert Ketelhohn
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Raphael:
Das mit der Liquidität stimmt nur teilweise. Im spekulativen
Bereich werden ungeheure Geldmengen bewegt, freilich über-
wiegend reines Buchgeld. Im investiven Sektor dagegen sieht
es ausgesprochen flau aus. Insbesondere dem produktiven
Mittelstand fehlt es schmerzhaft an liquiden Mitteln. Basel II
verschärft das Problem noch und wird sich als tödliche Falle
für dieVolkswirtschaft erweisen.
Wenn du es schaffst, durch entsprechende Regulierung die
„global“ frei flutende Geldmenge in Investitionen – in pro-
duktive, dem Gemeinwohl dienende, und zwar bei uns die-
nende Investitionen – umzulenken – dann schlage ich dich
fürs Bundesverdienstkreuz vor.
Aber damit erhält der strangulierte Mittelstand noch längst
nicht die Mittel, die er braucht, und ich fürchte, die Banken
werden selbst der Großindustrie für die erforderlichen Inve-
stitionen nötigen Kredite geben. Zinsgünstige und langfristige
Kredite.
Tacitus:
Schön, was Erhard schrieb. Die heutige „Reform“-Politik zer-
stört jedoch genau dies: Erhards (und Schäffers) Werk, oder
was davon übrig ist.
Das mit der Liquidität stimmt nur teilweise. Im spekulativen
Bereich werden ungeheure Geldmengen bewegt, freilich über-
wiegend reines Buchgeld. Im investiven Sektor dagegen sieht
es ausgesprochen flau aus. Insbesondere dem produktiven
Mittelstand fehlt es schmerzhaft an liquiden Mitteln. Basel II
verschärft das Problem noch und wird sich als tödliche Falle
für dieVolkswirtschaft erweisen.
Wenn du es schaffst, durch entsprechende Regulierung die
„global“ frei flutende Geldmenge in Investitionen – in pro-
duktive, dem Gemeinwohl dienende, und zwar bei uns die-
nende Investitionen – umzulenken – dann schlage ich dich
fürs Bundesverdienstkreuz vor.
Aber damit erhält der strangulierte Mittelstand noch längst
nicht die Mittel, die er braucht, und ich fürchte, die Banken
werden selbst der Großindustrie für die erforderlichen Inve-
stitionen nötigen Kredite geben. Zinsgünstige und langfristige
Kredite.
Tacitus:
Schön, was Erhard schrieb. Die heutige „Reform“-Politik zer-
stört jedoch genau dies: Erhards (und Schäffers) Werk, oder
was davon übrig ist.
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-
Raphael
@ Robert Ketelhohn
Das Problem der Macht und ihrer Ausübung, welches sich ganz selbstverständlich mit einem großem Geldvermögen verbindet, ist jedoch kein Problem, was sich rein wirtschaftstheoretisch lösen lassen würde. Hier spielen zu viele anthropologische Fragen hinein, als das die Ökonomie hierzu eine verbindliche Antwort geben könnte ......
Hier wäre der Staat gefragt, das Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft durchzusetzen und für eine adäquate Lastenverteilung zu sorgen!
Die fehlende Investitionsneigung ist IMHO nicht auf nicht durchführbare Finanzierungen zurückzuführen, sondern auf mangelnde Renditeaussichten produktiver Investitionen. Der Risikoaufschlag für derlei Unternehmungen ist den Investoren zu gering. Da läßt es sich mit festverzinslichen Anlagen viel leichter Geld verdienen ...........
Die Regulierung wäre, Regulierungen wegzunehmen!
Es sind die schon genannten Steuerspargeschenke und Subventionen, die abgebaut werden müßten. Darüber hinaus muß der Faktor Arbeit massiv von den Zusatzkosten entlastet werden.
Diese Zusatzkosten bringen Unternehmen dazu, die schon an anderer Stelle hier im Forum diskutierten kapitalintensiven, aber lohnminimierenden Investitionen zu tätigen.
Das könnte sogar, wenn es geschickt begonnen wird, zu Einkommenssteigerungen für die Beschäftigten führen, wenn Teile dieser für das Unternehmen entfallenden Zusatzkosten als Lohn- und Gehaltserhöhung weitergegeben werden.
Er hat die Marktkräfte kanalisiert, aber nicht aufgestaut, indem er auf die Freiheit der Menschen gesetzt hat.
Darüber hinaus waren die Menschen auch nach dem verlorenen Krieg hungriger auf Erfolg, als das die Wohlstandsgesellschaft von heute ist .............
Die im spekulativen Bereich bewegte Geldmenge hat keine direkte Auswirkung auf den produktiven Sektor, sondern dient in aller Regel dem Risikomanagement der Geldanlagen selber. Wie ich schon schrieb, sind die Geldvermögensbesitzer ganz natürlich an einer Wertaufbewahrung interessiert. Dies entspricht wirtschaftlich rationalem Verhalten.Robert Ketelhohn hat geschrieben:Das mit der Liquidität stimmt nur teilweise. Im spekulativen Bereich werden ungeheure Geldmengen bewegt, freilich überwiegend reines Buchgeld.
Das Problem der Macht und ihrer Ausübung, welches sich ganz selbstverständlich mit einem großem Geldvermögen verbindet, ist jedoch kein Problem, was sich rein wirtschaftstheoretisch lösen lassen würde. Hier spielen zu viele anthropologische Fragen hinein, als das die Ökonomie hierzu eine verbindliche Antwort geben könnte ......
Hier wäre der Staat gefragt, das Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft durchzusetzen und für eine adäquate Lastenverteilung zu sorgen!
Ich bezweifele, daß es dem Mittelstand derzeit an liquiden Mitteln fehlt.Robert Ketelhohn hat geschrieben:Im investiven Sektor dagegen sieht
es ausgesprochen flau aus. Insbesondere dem produktiven
Mittelstand fehlt es schmerzhaft an liquiden Mitteln. Basel II
verschärft das Problem noch und wird sich als tödliche Falle
für dieVolkswirtschaft erweisen.
Die fehlende Investitionsneigung ist IMHO nicht auf nicht durchführbare Finanzierungen zurückzuführen, sondern auf mangelnde Renditeaussichten produktiver Investitionen. Der Risikoaufschlag für derlei Unternehmungen ist den Investoren zu gering. Da läßt es sich mit festverzinslichen Anlagen viel leichter Geld verdienen ...........
Dann würde wohl auch der Nobelpreis winken!Robert Ketelhohn hat geschrieben:Wenn du es schaffst, durch entsprechende Regulierung die „global“ frei flutende Geldmenge in Investitionen – in produktive, dem Gemeinwohl dienende, und zwar bei uns dienende Investitionen – umzulenken – dann schlage ich dich fürs Bundesverdienstkreuz vor.
Die Regulierung wäre, Regulierungen wegzunehmen!
Es sind die schon genannten Steuerspargeschenke und Subventionen, die abgebaut werden müßten. Darüber hinaus muß der Faktor Arbeit massiv von den Zusatzkosten entlastet werden.
Diese Zusatzkosten bringen Unternehmen dazu, die schon an anderer Stelle hier im Forum diskutierten kapitalintensiven, aber lohnminimierenden Investitionen zu tätigen.
Das könnte sogar, wenn es geschickt begonnen wird, zu Einkommenssteigerungen für die Beschäftigten führen, wenn Teile dieser für das Unternehmen entfallenden Zusatzkosten als Lohn- und Gehaltserhöhung weitergegeben werden.
Der Mittelstand wird nicht durch den Geldmarkt stranguliert, sondern durch die Überbürokratisierung des Marktes, welche der Leviathan zu verantworten hat.Robert Ketelhohn hat geschrieben:Aber damit erhält der strangulierte Mittelstand noch längst nicht die Mittel, die er braucht, und ich fürchte, die Banken werden selbst der Großindustrie für die erforderlichen Investitionen nötigen Kredite geben. Zinsgünstige und langfristige Kredite.
Die Leistung von Ehrhard war die Abschaffung der Zwangsbewirtschaftung und die damit automatisch verbundene Freigabe des Marktes.Robert Ketelhohn hat geschrieben:Schön, was Erhard schrieb. Die heutige „Reform“-Politik zerstört jedoch genau dies: Erhards (und Schäffers) Werk, oder was davon übrig ist.
Er hat die Marktkräfte kanalisiert, aber nicht aufgestaut, indem er auf die Freiheit der Menschen gesetzt hat.
Darüber hinaus waren die Menschen auch nach dem verlorenen Krieg hungriger auf Erfolg, als das die Wohlstandsgesellschaft von heute ist .............
Milton Friedman, Mentor des modernen Kapitalismus, empfiehlt Reagen und Thatcher für das kranke Europa. Auszüge aus einem Interview in DIE WELT.
DIE WELT: Das sogenannte "alte Europa" - Frankreich, Deutschland und Italien - stagniert, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Deutschland - eine der letzten Bastionen des keynesianistischen Wohlfahrtsstaates aus Zeiten des Kalten Krieges - hat nun eine konservative Kanzlerin, Angela Merkel. Was muß geschehen, um Deutschland und das alte Europa insgesamt wieder in die Spur zu bringen?
Friedman: Kurz gesagt, sie alle sollten Margaret Thatcher und Ronald Reagan nacheifern: Es geht um wirklich freie Märkte. Deutschlands Problem ist, zumindest teilweise, daß es mit einem falschen, die Mark überbewertenden Wechselkurs in den Euro gegangen ist. Folglich ergibt sich in der Euro-Zone eine Situation, in der Irland eine hohe Inflationsrate und schnelles Wachstum aufweist, während Deutschland und Frankreich nicht nachgekommen sind und Anpassungsschwierigkeiten hatten. Der Euro wird nicht helfen, sondern große Probleme verursachen. Der Euro ist ohne Vorbild. Nach allem, was ich weiß, hat ein rechengeldausgebender Währungsverbund aus unabhängigen Staaten nie zuvor existiert. Es hat Zusammenschlüsse auf der Grundlage von Gold oder Silber gegeben, aber nicht auf der Basis von Rechengeld - Geld, das den Versuchungen der Inflation ausgesetzt ist.
DIE WELT: Erleben wir heute die freieste Weltwirtschaft aller Zeiten?
Friedman: Oh nein. Im 19. Jahrhundert hatten wir eine weitaus freiere Wirtschaft. Heute haben wir weniger Globalisierung als damals. Werden wir uns zu dieser Freiheit des 19. Jahrhunderts weiter entwickeln? Ich weiß es nicht. Die Welt ist freier geworden durch den Kollaps der Sowjetunion und die Wandlungen Chinas. Alle Satellitenstaaten, die in Folge dieser beiden Transformationen befreit wurden, haben demokratischere Regierungen und weniger Handelsrestriktionen. Das Fundament des freien Marktes wird sich erweitern auf andere Länder, die noch nicht so frei sind. Jeder weiß heute, daß der Weg zum Erfolg für unterentwickelte Länder nur in freieren Märkten und der Globalisierung liegt.
DIE WELT: Am Ende haben Ihre Ideen über die von Marx und Keynes gesiegt. Gibt es noch etwas anderes zu sagen außer dem, daß freie Märkte der beste Weg sind, um eine Gesellschaft zu organisieren? Sind wir, um Francis Fukuyama zu zitieren, "am Ende der Geschichte"?
Friedman: Der freie Markt ist ein sehr allgemeiner Begriff. Freie Märkte arbeiten dann am besten, wenn der Abschluß eines Geschäftes zwischen zwei Individuen nur diese beiden Individuen betrifft. Aber so ist es nicht in der Realität. Fakt ist, daß ein Geschäftsabschluß etwa zwischen Dir und mir einen Dritten beeinflußt. Das ist die Ursache aller Probleme. Das ist der Grund für alle Umweltprobleme, auch für die ewige Frage nach der Gleichheit. Und deswegen wird es nie ein Ende der Geschichte geben.
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Raphael
Die Erfolge des Thatcherismus konnten die Briten schon in den letzten 15 Jahren einfahren. Aber sind legen sich nicht "auf die faule Haut".
Womöglich wird in Großbritannien die Kernkraft wieder ausgebaut: Blair forciert Entscheidung für Atom!
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Milton Friedman, Prophet des über Leichen gehenden Schmarotzertums der Herren des Geldes, hat geschrieben:Jeder weiß heute, daß der Weg zum Erfolg für unterentwickelte Länder nur in freieren Märkten und der Globalisierung liegt.
Laßt euch nicht gehirnwaschen.
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Raphael
@ Robert Ketelhohn
Schau Dir 'mal die Arbeitslosenzahl und -quote in GB an. Interessant ist auch die Zahl der Eigentümer von Wohnungen bzw. Häusern. Beides natürlich im Vergleich zu Deutschland .......
Du versuchst tatsächlich, aus Unbelehrbarkeit eine Tugend zu machen!Robert Ketelhohn hat geschrieben:»Die Erfolge des Thatcherismus« kannst du an der heruntergekommenen Infrastruktur ablesen. Frag mal Engländer z. B. nach ihrer Eisenbahn.
Schau Dir 'mal die Arbeitslosenzahl und -quote in GB an. Interessant ist auch die Zahl der Eigentümer von Wohnungen bzw. Häusern. Beides natürlich im Vergleich zu Deutschland .......
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Raphael
@ Robert Ketelhohn

Wer will hier wem "das Gehirn waschen"?Robert Ketelhohn hat geschrieben:Milton Friedman, [b][color=red]Prophet des über Leichen gehenden Schmarotzertums der Herren des Geldes[/color][/b], hat geschrieben:Jeder weiß heute, daß der Weg zum Erfolg für unterentwickelte Länder nur in freieren Märkten und der Globalisierung liegt.Laßt euch nicht gehirnwaschen.
- Robert Ketelhohn
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Raphael hat geschrieben:Schau Dir 'mal die Interessant ist auch die Zahl der Eigentümer von Wohnungen bzw. Häusern. Beides natürlich im Vergleich zu Deutschland .......
Das ist kein Produkt der Thatcher-Unzeit. Das ist viel älter.
Und hat nicht zu letzt mit dem den Kolonien abgepreßten
Reichtum zu tun.
Aber schau dir im Gegensatz zu den Wohlhabenden mal die
Elendsquartiere an. Die sind sehr viel ausgedehnter und auch
elender als bei uns. Anders gesagt, die gesellschaftlichen Ge-
gensätze sind wesentlich schärfer als hier.
Und hat nicht zu letzt mit dem den Kolonien abgepreßten
Reichtum zu tun.
Aber schau dir im Gegensatz zu den Wohlhabenden mal die
Elendsquartiere an. Die sind sehr viel ausgedehnter und auch
elender als bei uns. Anders gesagt, die gesellschaftlichen Ge-
gensätze sind wesentlich schärfer als hier.
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Raphael
Lieber, renitenter Robert,
Erfolgreiche Wirtschaftspolitik eines Staates kann man in aller erster Linie an der Beschäftigtenzahl bzw. der Arbeitslosenquote festmachen!
Nichts anderes kostet die Volkswirtschaft so viel wie der Umstand, daß über 10% der Bevölkerung in Deutschland dauerhaft alimentiert werden, ohne daß sie hierfür eine adäquate Gegenleistung erbringen. Und diese rein wirtschaftliche Betrachtung schließt zunächst die psychologischen Fehlentwicklungen auf der subjektiven Ebene aus; darüber wird jedoch auch zu reden sein ...........
Der Thatcherismus hat in Großbritannien den Abbau der Arbeitslosigkeit erst ermöglicht, während in den USA die Reaganomics den Grundstein für das wirtschaftliche Wachstum in den 90-er-Jahren des letzten Jahrhunderts gelegt haben. Von den daraus folgenden Haushaltsüberschüssen - Eichel und Steinbrück wagen es gar nicht, von selbigen zu träumen - hätte man übrigens nicht nur Staatschulden zurückzahlen können (was erfreulicherweise das allgemeine Zinsniveaus gesenkt hätte!), sondern auch gezielt Kredite in die produktive Wirtschaft geben können!
Die Eigentumsquote von Wohnraum dürfte (im Sinne von: müßte!) nach 60 Jahren Frieden in Deutschland deutlich höher als 50% sein. Und dies selbst dann, wenn man in Rechnung stellt, daß durch die historischen Abläufe gewachsene Strukturen heftigst durcheinandergewirbelt worden sind und es keine Weitergabe von Wohnungsvermögen über die Generationen hinweg gegeben hat. Dies kommt wohl erst in letzter Zeit wieder zum tragen; Stichwort: Erbengeneration ..........
das ist jetzt zwar nicht ungeschickt abgelenkt, geht aber meilenweit am Hauptargument vorbei. Dieses war:Robert Ketelhohn hat geschrieben:Raphael hat geschrieben:Schau Dir 'mal die Interessant ist auch die Zahl der Eigentümer von Wohnungen bzw. Häusern. Beides natürlich im Vergleich zu Deutschland .......Das ist kein Produkt der Thatcher-Unzeit. Das ist viel älter.
Und hat nicht zu letzt mit dem den Kolonien abgepreßten
Reichtum zu tun.
Aber schau dir im Gegensatz zu den Wohlhabenden mal die
Elendsquartiere an. Die sind sehr viel ausgedehnter und auch
elender als bei uns. Anders gesagt, die gesellschaftlichen Ge-
gensätze sind wesentlich schärfer als hier.
Erfolgreiche Wirtschaftspolitik eines Staates kann man in aller erster Linie an der Beschäftigtenzahl bzw. der Arbeitslosenquote festmachen!
Nichts anderes kostet die Volkswirtschaft so viel wie der Umstand, daß über 10% der Bevölkerung in Deutschland dauerhaft alimentiert werden, ohne daß sie hierfür eine adäquate Gegenleistung erbringen. Und diese rein wirtschaftliche Betrachtung schließt zunächst die psychologischen Fehlentwicklungen auf der subjektiven Ebene aus; darüber wird jedoch auch zu reden sein ...........
Der Thatcherismus hat in Großbritannien den Abbau der Arbeitslosigkeit erst ermöglicht, während in den USA die Reaganomics den Grundstein für das wirtschaftliche Wachstum in den 90-er-Jahren des letzten Jahrhunderts gelegt haben. Von den daraus folgenden Haushaltsüberschüssen - Eichel und Steinbrück wagen es gar nicht, von selbigen zu träumen - hätte man übrigens nicht nur Staatschulden zurückzahlen können (was erfreulicherweise das allgemeine Zinsniveaus gesenkt hätte!), sondern auch gezielt Kredite in die produktive Wirtschaft geben können!
Die Eigentumsquote von Wohnraum dürfte (im Sinne von: müßte!) nach 60 Jahren Frieden in Deutschland deutlich höher als 50% sein. Und dies selbst dann, wenn man in Rechnung stellt, daß durch die historischen Abläufe gewachsene Strukturen heftigst durcheinandergewirbelt worden sind und es keine Weitergabe von Wohnungsvermögen über die Generationen hinweg gegeben hat. Dies kommt wohl erst in letzter Zeit wieder zum tragen; Stichwort: Erbengeneration ..........
Gut, man sollte Entwicklungsländern vielleicht eine freie Marktwirtschaft nicht überstürzt überstülpen. Aber sie sollte das Ziel sein. Nur so können diese Länder ihre Produkte und Dienstleistungen ungestört auf dem Weltmarkt anbieten. Schutzzölle der reichen Länder knebeln die armen. Chiracs überhöhte Agrarsubventionen sorgen für Hunger und Armut in anderen Teilen der Welt.Der katholische Staatsmonopolkapitalist Robert Ketelhohn hat geschrieben:Milton Friedman, Prophet des über Leichen gehenden Schmarotzertums der Herren des Geldes, hat geschrieben:Jeder weiß heute, daß der Weg zum Erfolg für unterentwickelte Länder nur in freieren Märkten und der Globalisierung liegt.Laßt euch nicht gehirnwaschen.
Robert, Junge, lege doch bitte mal in Grundzügen Deine wirtschaftspolitischen Vorstellungen dar.
-
Uwe Schmidt
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Uwe Schmidt
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Raphael hat geschrieben:@ Tacitus
Die kannst Du bei der BüSo (Homepage) nachlesen .......Tacitus hat geschrieben:Robert, Junge, lege doch bitte mal in Grundzügen Deine wirtschaftspolitischen Vorstellungen dar.
*nichtsfürungut*
Raphael
Von denen scheinst du ja nicht viel zu halten...warum eigentlich nicht? Hälst du Larouche für einen Betrüger?
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Uwe Schmidt
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Raphael hat geschrieben:@ Robert Ketelhohn
Du versuchst tatsächlich, aus Unbelehrbarkeit eine Tugend zu machen!Robert Ketelhohn hat geschrieben:»Die Erfolge des Thatcherismus« kannst du an der heruntergekommenen Infrastruktur ablesen. Frag mal Engländer z. B. nach ihrer Eisenbahn.![]()
Schau Dir 'mal die Arbeitslosenzahl und -quote in GB an. Interessant ist auch die Zahl der Eigentümer von Wohnungen bzw. Häusern. Beides natürlich im Vergleich zu Deutschland .......
Ja, das sind aber alles Hungerlöhne, diese Jobs liegen alle im tertiären Sektor, Dienstleistung...früher hat es gereicht, wenn der Vater ein Leben lang eine Festanstellung in der Schwerindustrie hatte, womit er eine vielköpfige Familie ernähren konnte. Heute müssen alle Familienmitglieder mehrere (!) Jobs haben, um überhaupt über die Runden zu kommen!
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Raphael
@ Uwe Schmidt
Globalisierung ist - um es einmal in Ewald's Terminologie auszudrücken - ein Wieselwort ..........
M.a.W.: Der Wohlstand aufgrund der natürlichen Ressourcen des Landes kommt nicht bei der breiten Bevölkerung an, sondern "versackt" auf den Konten und Depots bei den Schweizer Banken!
Das kommt d'rauf an!Uwe Schmidt hat geschrieben:Also Globalisierung nutzt den armen Ländern, das habe ich bisher auch geglaubt (während sie der normalen Bevölkerung in den reichen Ländern nur schadet).
Globalisierung ist - um es einmal in Ewald's Terminologie auszudrücken - ein Wieselwort ..........
Sie mutmaßen wahrscheinlich - nicht zu unrecht - eine intensivere Ausbeutung durch die herrschenden Eliten in den Heimatländern einerseits und die internationalen Konzerne andererseits .....Uwe Schmidt hat geschrieben:Aber wieso widersetzen sich soviele Schwellenländer der Globalisierung?
M.a.W.: Der Wohlstand aufgrund der natürlichen Ressourcen des Landes kommt nicht bei der breiten Bevölkerung an, sondern "versackt" auf den Konten und Depots bei den Schweizer Banken!
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Raphael
@ Uwe Schmidt
Gleichzeitig stellt man sich selber als "Underdog" dar, der die diversen Einlassungen mit Ausfällen gegen das herrschende Establishment garniert.
Auf dem Gebiet der Wirtschaftstheorie gibt es mit dem Ordoliberalismus (von Hayek, Roepke, Eucken etc.) deutlich besseres als das, was BüSo so anbietet. Handlungsalternativen für die Wirtschaftspolitik kann man besser aus der katholischen Soziallehre ableiten ...........
Auf den ersten Blick sehen die wirtschaftspolistischen Thesen der BüSo wie eine "Theologie der Befreiung" aus. Im Unterschied zur originären "Theologie der Befreiung" eines Boff, Cardenal etc. ist sie diesmal in konservative Gewänder gekleidet.Uwe Schmidt hat geschrieben:Von denen scheinst du ja nicht viel zu halten...warum eigentlich nicht?
Gleichzeitig stellt man sich selber als "Underdog" dar, der die diversen Einlassungen mit Ausfällen gegen das herrschende Establishment garniert.
Auf dem Gebiet der Wirtschaftstheorie gibt es mit dem Ordoliberalismus (von Hayek, Roepke, Eucken etc.) deutlich besseres als das, was BüSo so anbietet. Handlungsalternativen für die Wirtschaftspolitik kann man besser aus der katholischen Soziallehre ableiten ...........
AFAIR hat er eine gewisse Zeit in den USA wegen Steuerhinterziehung "gesiebte Luft geatmet". Ausgewiesene Verschwörungstheoretiker werden diesen Umstand nun als schlagenden Beweis für das korrumpierte amerikanische Rechtssystem ansehen ............Uwe Schmidt hat geschrieben:Hälst du Larouche für einen Betrüger?
- Robert Ketelhohn
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Wenn Waren nicht Grenzen überqueren können …
Geht es um Waren oder Geld, Tacitus? – Es ist mir schwer
begreiflich, wie ein so intellegenter Mann derartige sacrificia
intellectus bringen kann. Und vor allem: wofür.
Handel und Wandel fördert den Frieden, seit je meine Rede.
Der wirtschaftliche, geistige und militärische Imperialismus
der Herren des Geldes – den jedermann sehen kann, wenn er
sehen will – bewirkt Armut, Verblödung und Krieg.
begreiflich, wie ein so intellegenter Mann derartige sacrificia
intellectus bringen kann. Und vor allem: wofür.
Handel und Wandel fördert den Frieden, seit je meine Rede.
Der wirtschaftliche, geistige und militärische Imperialismus
der Herren des Geldes – den jedermann sehen kann, wenn er
sehen will – bewirkt Armut, Verblödung und Krieg.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.
Zugegeben: wer mehr Geld hat, hat mehr Optionen. Aber wer in einem freien kapitalistischen System lebt und tüchtig ist, hat mindestens die Option, mehr Geld zu machen und damit mehr Optionen zu haben. Diese hat er in einem unfreien System nicht.
Ich weiß nicht, wen Du mit den "Herren des Geldes" meinst. Die Zentralbanken? Diejenigen, die viel Geld haben? ...
Mein ceterum censeo:
Ich weiß nicht, wen Du mit den "Herren des Geldes" meinst. Die Zentralbanken? Diejenigen, die viel Geld haben? ...
Mein ceterum censeo:
Tacitus hat geschrieben:Robert, Junge, lege doch bitte mal in Grundzügen Deine wirtschaftspolitischen Vorstellungen dar.
Die Länder der sog. Dritten Welt führen einen erfolgreichen Kampf gegen die Armut - mit Hilfe des Kapitalismus und der Globalisierung. Kein Wunder, dass die Linken und die westeuropäischen Medien davon nix wissen wollen. Es läuft nämlich ganz anders als die protektionistische Mischpoke sich das gedacht hat. Dafür wird viel Gewese um zwei südamerikanische sozialistische Präsidenten gemacht ...
Johan Norberg schreibt zum segensreichen Wirken der Globalisierung und des Kapitalismus:
Johan Norberg schreibt zum segensreichen Wirken der Globalisierung und des Kapitalismus:
09:19 - GLOBALISATION IS REARRANGING OUR PLANET:
Today, for the first time since the industrial revolution made Europe rich, the emerging economies´ share of world GDP is bigger than the share of the developed countries, The Economist concludes after having looked at the figures adjusted for purchasing power. And they grow much faster than the rich countries every year.
It´s not just about India and China, they account for only one-fifth of the increase in emerging economies´ GDP in 2005. The Economist observes the amazing fact that all the 32 biggest emerging economies grew in both 2004 and 2005: "Every previous year during the past three decades saw at least one country in recession—if not a deep crisis."
Auch auf die Gefahr hin, dass sich dieser Thread zu einem Tacitus-Blog entwickelt, möchte ich meinen katholischen und meinen noch mehr irrenden Geschwistern hier im Kreuzgang folgende Untersuchung des Program on International Policy Attitudes (PIPA) der Universität Maryland nicht vorenthalten. Man achte auf die Daten aus Frankreich!

Quelle

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