Verroht in Deutschland

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Tacitus
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Verroht in Deutschland

Beitrag von Tacitus »

In der Zeit ist in einem hier zu lesenden Artikel folgender Ausschnitt zu finden.
Was ist geschehen? Am Abend des 4. Dezember schleppte sich die 15-jährige Jasmin* mit schweren Unterleibsblutungen zur Sporthalle hinter der Hedwig-Dohm-Oberschule in Berlin-Moabit. Die dort Anwesenden riefen Polizei und Notarzt. Noch am Abend wurde ein Not-Kaiserschnitt vorgenommen, um das Ungeborene und die Mutter zu retten. Die Ermittlungen ergaben, dass Jasmin von ihrem 15-jährigen libanesischstämmigen Exfreund Hussein* und dessen 14-jährigem türkischen Freund Demir* zu einer Aussprache auf das Spielplatzgelände nahe der Schule bestellt worden war. Dort griffen die beiden Jungen das Mädchen mit Fußtritten und Schlägen in den Bauch an, »um das Kind zu töten«, wie der Polizeibericht sagt. Sie sollen die Schwangere auch gezwungen haben, von einer Kletterskulptur zu springen. Sie ließen erst von ihr ab, als sie blutete. Bevor sie flüchteten, nahmen die Jungen ihr das Handy weg, sodass sie keine Hilfe holen konnte.

Jasmin und Hussein waren Klassenkameraden. Ihre Beziehung hielten sie geheim. Als Hussein wegen schlechter Leistungen vor einigen Monaten auf eine Hauptschule wechseln musste, riss der Kontakt ab. Erst als Jasmins Schwangerschaft im siebten Monat nicht mehr zu verbergen war, weihte sie ihn ein. Wenige Tage später schlug er zu. ...

Die Verrohung der Täter macht, für sich genommen, schon ratlos. Doch wie soll man sich den Mangel an Empathie in den Reaktionen ihres Umfelds erklären? Jugendliche aus Husseins Umkreis tauchten im Virchow-Krankenhaus auf, um Jasmin unter Drohungen zur Rücknahme ihrer Aussage zu bewegen. Vor der Schule drohten arabischstämmige Jugendliche, Jasmin sei »dran«, wenn Hussein ins Gefängnis müsse. Und Husseins Mutter sagt über ihren Jungen, gegen den bereits Verfahren wegen Körperverletzung, Diebstahl und Beleidigung laufen: »Mein Sohn ist noch klein, der bringt keine Mädchen mit nach Hause.«
Woher die Verrohung in Deutschland? Anderer Kulturkreis? Mangelnde Integration? Aber auch von Deutschen werden perverse Brutalitäten ruchbar.

Irgendwie ratlos,
Tacitus

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Tacitus hat geschrieben:Aber auch von Deutschen werden perverse Brutalitäten ruchbar.
Ja, vor wenigen Wochen gab’s hier einen ähnlichen Fall, bei dem es
aber um Deutsche ging, ungefähr zwei oder drei Jahre älter, wenn ich
mich recht erinnere.

Die Verrohung ist also diejenige unseres Kulturkreises. Und je mehr
sie amtlich von Huminität und Menschenwürde etc. pp. salbadern,
um so roher wird’s.

Diese „private“ Verrohung, für die du jetzt ein Beispiel gebracht hast,
Tacitus, – man findet täglich neue in den Zeitungen – ist bloß die
Kehrseite der institutionalisierten Verrohung. Die Abtreibungsma-
schine, die auch hier längst laufende Euthanasie, die Kriege, die wir
führen – all das gehört ins Gesamtbild. Folter-Schäuble nicht zu ver-
gessen.

Das wird auch so weitergehen. Sich also verschlimmern. Aber man
wird es insoweit in den Griff bekommen, als die Verrohung nach einer
schwierigen Übergangszeit öffentlich nicht mehr so sichtbar sein wird.
Es wird dich also in vielleicht zehn oder zwanzig Jahren nicht mehr
belasten.

Die Illusion, alles Böse dieser Welt habe sich in zwölf längst vergan-
genen Jahren historisch einmaligen und unvergleichbaren Verbrechens
gebündelt, wird dir den Frieden geben. Daß es einmal einen gab, der
es dir angekündigt hat und der dir erklärte, daß das nur eine Illusion
ist, ein Gespinst aus Lügen: das wirst du vergessen haben. Dank sei
Lethe. Du wirst einfach glücklich sein. So glücklich.
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rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Angelika
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Beitrag von Angelika »

Ich gebe dir weitgehend Recht, Robert.
Eins möchte ich aber noch anfügen: Die Verrohung der Sprache trägt auch zu dieser Entwicklung bei.

Und leider bist du einer, der dies fördert, u.a. mit Begriffen wie
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Folter-Schäuble
:sauer:

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

Nee, Angelika. Dieser Begriff charakterisiert Herrn Schäuble nur anhand
dessen, was er selbst eben erst verlangt hat. Nämlich daß die deutschen
Sicherheitsorgane auch weiterhin (!) aus erfolterten Aussagen im Ausland
Inhaftierter Nutzen ziehen sollten. Und zwar nicht bloß auf dem Wege
nachrichtendienstlicher Beschaffung und Auswertung, sondern durch di-
rektes Verhör Gefolterter im Ausland durch deutsche Polizei- oder Nach-
richtendienstbeamte.

Du hast mich in der Vergangenheit ja schon mal bewogen, den Begriff
„faschistoid“ – auf Schäuble gemünzt – zurückzuziehen. Es ehrt dich ja,
daß du jemanden verteidigst, von dem du vermutest, er werde ungerecht
oder zu hart beschuldigt. Aber Schäuble – weißt du, ich wollte, ich könn-
te ihn liebevoll Rolli-Wölfchen nennen. Aber der Mann ist ein reißender
Wolf. Vom selben Schlag wie die Cheney-Clicque. Darum nagele ich ihn
auf solche Äußerungen wie die oben angeführten fest: Folter-Schäuble.
Das paßt. Haargenau. Leider.
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Juergen
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Beitrag von Juergen »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
...Nämlich daß die deutschen
Sicherheitsorgane auch weiterhin (!) aus erfolterten Aussagen im Ausland
Inhaftierter Nutzen ziehen sollten...
Hat er gesagt:
Deutsche Behörden sollten durch Folter an Informationen kommen
oder hat er gesagt:
Wenn wir Informationen erhalten, von denen wir nicht wissen, ob sie auf rechtstaatlichem Wege erlangt wurden, dann darf man sie trotzdem verwenden

:?:
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk »

Juergen hat geschrieben: Wenn wir Informationen erhalten, von denen wir nicht wissen, ob sie auf rechtstaatlichem Wege erlangt wurden, dann darf man sie trotzdem verwenden

:?:
Das wäre eine ziemlich akademische Frage, wenn man mit den Infos Leben retten könnte. Was wäre z.B. wenn man eine Info erhalten würde, dass ein Anschlag in Berlin stattfinden wird, und diese Infos von irgendeinem Geheimdienst mit Folter erhalten wurden - soll man die Terroristen dann gewähren lassen?

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Juergen
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Beitrag von Juergen »

spiegel.de hat geschrieben:...Am Freitag legte der Christdemokrat nach. Man könne nicht die Herkunft jeder geheimdienstrelevanten Information darauf überprüfen, ob sie unter vollkommen rechtsstaatlichen Bedingungen zustande gekommen sei. Im Klartext: Deutsche Geheimdienste sollen sich auch in Zukunft auf Informationen aus Ländern stützen können, in denen vermutlich gefoltert wird....

...

Was war nur passiert? Auslöser waren zwei Interviews, die Schäuble der "Süddeutschen Zeitung" und der "Stuttgarter Zeitung" gegeben hatte. Thema: die Rolle deutscher Geheimdienste und Sicherheitsbehörden im Kampf gegen den Terror und Schäubles Vorstellungen zu diesem Komplex.

...

Die Äußerungen des Innenministers waren allerdings missverständlich. "Wenn wir sagen würden, Informationen, bei denen wir nicht sicher sein können, dass sie unter vollkommen rechtsstaatlichen Bedingungen zu erlangen waren, nutzen wir unter keinen Umständen - das wäre völlig unverantwortlich. Wir müssen solche Informationen nutzen", sagte er der "Stuttgarter Zeitung".


http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 73,00.html
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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Tacitus
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Beitrag von Tacitus »

Die Frage ist doch, ob die Decke der Zivilisation so dünn ist, dass sie jederzeit weggezogen werden kann und der Barbar seine häßliche Fratze zeigt.
Wobei natürlich zu fragen wäre, was Zivilisation überhaupt ist. Die Römer sind einerseits zivilisatorische Vorbilder und andererseits waren sie äußerst brutal.
Ist Zivilisation nur ein Schafsfell, das dem Wolf übergestülpt ist und jederzeit wieder abgeworfen werden kann?

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nemesis
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Beitrag von nemesis »

Juergen hat geschrieben: oder hat er gesagt:
Wenn wir Informationen erhalten, von denen wir nicht wissen, ob sie auf rechtstaatlichem Wege erlangt wurden, dann darf man sie trotzdem verwenden
nur selber foltern wolle man dann doch lieber nicht und ist sich hierin mit der Mehrheit des US-Kongresses einig.
Das deutsche Schicksal: vor einem Schalter zu stehn. Das deutsche Ideal: hinter einem Schalter zu sitzen. - Kurt Tucholsky

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nemesis
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Beitrag von nemesis »

Tacitus hat geschrieben:Die Frage ist doch, ob die Decke der Zivilisation so dünn ist, dass sie jederzeit weggezogen werden kann und der Barbar seine häßliche Fratze zeigt.
Wobei natürlich zu fragen wäre, was Zivilisation überhaupt ist. Die Römer sind einerseits zivilisatorische Vorbilder und andererseits waren sie äußerst brutal.
Ist Zivilisation nur ein Schafsfell, das dem Wolf übergestülpt ist und jederzeit wieder abgeworfen werden kann?
Ich denke, das so ein Begriff wie Zivilisation überhaupt in den Mythenkanon des Westens aufgenommen werden sollte.
Das deutsche Schicksal: vor einem Schalter zu stehn. Das deutsche Ideal: hinter einem Schalter zu sitzen. - Kurt Tucholsky

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Dirk hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben: Wenn wir Informationen erhalten, von denen wir nicht wissen, ob sie auf rechtstaatlichem Wege erlangt wurden, dann darf man sie trotzdem verwenden

:?:
Das wäre eine ziemlich akademische Frage, wenn man mit den Infos Leben retten könnte. Was wäre z.B. wenn man eine Info erhalten würde, dass ein Anschlag in Berlin stattfinden wird, und diese Infos von irgendeinem Geheimdienst mit Folter erhalten wurden - soll man die Terroristen dann gewähren lassen?
Ne überhaupt nicht akademisch, "der Zweck heiligt die Mittel" ist ein hirngespinnst
Der gute Mensch bringt aus seinem guten Herzen Gutes hervor. Der böse Mensch bringt aus seinem bösen Herzen böses hervor.
Böses gebiert nur böses auch wenns kurzfristig anders aussieht. So können wir durch erfolterte Infos vielleicht Leben retten in wirklichkeit töten wir aber damit indirekt

- Die Folterer töten wir lebendig, weil sie ihre Menschlichkeit verlieren
- Der Haß der Gefolterten und Angehörigen wird nochmehr steigen und sie zu zu noch mehr Taten hinreißen, was auch wieder mehr Leben bedeutet.

LG
Fiore
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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn »

nemesis hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben: oder hat er gesagt:
Wenn wir Informationen erhalten, von denen wir nicht wissen, ob sie auf rechtstaatlichem Wege erlangt wurden, dann darf man sie trotzdem verwenden
nur selber foltern wolle man dann doch lieber nicht und ist sich hierin mit der Mehrheit des US-Kongresses einig.
Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, daß es nicht darum geht, ob deutsche Nachrichtendienste bei der Informationsbeschaffung auch Informationen aus Aussagen irgendwo in der Welt vom irgendwem Gefolterter beschaffen und angemessen auswerten dürfen.

Selbstverständlich dürfen sie das. Alles andere wäre absurd, dann könnte man die Dienste gleich ganz abschaffen. (Was freilich angesichts des geringen professionellen Ansehens, welches die deutschen Dienste weltweit traditionell besitzen, keine wirklich einschneidende Änderung bedeutete.)

Hier geht es um Fälle – und sie sind der konkrete Anlaß zu Folter-Schäubles Äußerungen –, in welchen deutsche Beamte ins Ausland reisten, um in dortigen Gefängnissen Inhaftierte ganz offiziell zu verhören („offiziell“ im zwischenstaatlichen Bereich, inoffiziell dagegen für inländische deutsche Straf- oder Ermittlungsverfahren), von denen man mindestens mit einiger Wahrscheinlichkeit annahm, daß sie zuvor der Folter unterworfen worden waren.
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Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk »

FioreGraz hat geschrieben:
Dirk hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben: Wenn wir Informationen erhalten, von denen wir nicht wissen, ob sie auf rechtstaatlichem Wege erlangt wurden, dann darf man sie trotzdem verwenden

:?:
Das wäre eine ziemlich akademische Frage, wenn man mit den Infos Leben retten könnte. Was wäre z.B. wenn man eine Info erhalten würde, dass ein Anschlag in Berlin stattfinden wird, und diese Infos von irgendeinem Geheimdienst mit Folter erhalten wurden - soll man die Terroristen dann gewähren lassen?
Ne überhaupt nicht akademisch, "der Zweck heiligt die Mittel" ist ein hirngespinnst
Ja dann werd dochmal konkret: Wenn Du also genaue Informationen über einen Anschlag erhalten würdest und wüsstest, dass diese Informationen von einem ausländischen Geheimdienst unter Folter erhalten wurden, würdest Du nicht versuchen, diesen Anschlag zu verhindern.

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Ja dann werd dochmal konkret: Wenn Du also genaue Informationen über einen Anschlag erhalten würdest und wüsstest, dass diese Informationen von einem ausländischen Geheimdienst unter Folter erhalten wurden, würdest Du nicht versuchen, diesen Anschlag zu verhindern.
Erst dann wenn ich mir sicher bin, das dies durch gezielte ERmittlungen nicht möglich wäre, das reihe ich dann aber unter Notwehr.
Im Grundsatz jedoch habe ich gleichzeitig diese Vorgehen zu vereuteilen und sämtliche Informationen, da es womöglich eine aktive Förderung ist abzulehnen.
So ein vorgehen ist dann das übliche schleichende, ist ja net so schlimm wenn wir die Infos so erhalten die nächste Stufe ist dann schon das wir selbst prügeln.

Schau in der Niederlande, zuerst wars nur ein morden jener die umgebracht werden wollen, mittlerweile wird jeder der nicht bei 3 aus dem Krankenhaus flüchtet ins Jenseitige gespritzt.

LG
Fiore
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Tacitus
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Beitrag von Tacitus »

Man müsste mal definieren, was Folter ist bzw. wann Folter beginnt. Ist es bereits Folter, wenn ein Delinquent in abgedunkeltem Zimmer stundenlang verhört wird? Folter klingt zu brutal, engagierte Exploration viel besser.

Grundsätzlich: Man muss mit Menschen auf der ihnen angemessenen Kommunikationsebene sprechen. Verrohte Kriminelle benötigen engagiertere Exploration als andere! Wer damit befasst war, andere zu töten, muss damit rechnen, dass ihm beim Verhör eine Zigarette nur aus gesprächstaktischen Gründen angeboten wird!

Tacitus
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Beitrag von Tacitus »

nemesis hat geschrieben:Ich denke, das so ein Begriff wie Zivilisation überhaupt in den Mythenkanon des Westens aufgenommen werden sollte.
Das ist definitiv das Ende. Zivilisationsmüdigkeit und Lob der Barbaren (siehe Tacitus) war stets ein untrügliches Zeichen für den beginnenden Untergang einer Kultur.
In einer kleinen griechischen Polis war die Weitergabe zivilisatorischer Traditionen in Medizin, Kultur, Recht, Philosophie, Ethik ... an die nächste Generation unhinterfragbare Selbstverständlichkeit. Wenn vom nächsten Berg das dumpfe Trommeln der Barbaren zu hören war, musste die Überlegenheit der eigenen zivilisatorischen Leistungen nicht diskutiert werden.

Wer Ohren hat zu hören, der kann das dumpfe Trommeln auch in unserer Gesellschaft vernehmen. Die Barbaren sind mitten unter uns, ja der Barbar ist in uns!

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Ewald Mrnka
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Beitrag von Ewald Mrnka »

Auch bei uns hat der Bürgerkrieg, der Rückfall in die Barbarei schon längst begonnen.

Die Zustände werden, aus Angst, nicht beim Namen genannt und schöngeredet.

Man liebt nur die Froh-und Befreiungsbotschaften und ständig quatscht man vom Frieden & Gewaltlosigkeit.

Uwe Schmidt
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Re: Verroht in Deutschland

Beitrag von Uwe Schmidt »

Tacitus hat geschrieben:In der Zeit ist in einem hier zu lesenden Artikel folgender Ausschnitt zu finden.
Was ist geschehen? Am Abend des 4. Dezember schleppte sich die 15-jährige Jasmin* mit schweren Unterleibsblutungen zur Sporthalle hinter der Hedwig-Dohm-Oberschule in Berlin-Moabit. Die dort Anwesenden riefen Polizei und Notarzt. Noch am Abend wurde ein Not-Kaiserschnitt vorgenommen, um das Ungeborene und die Mutter zu retten. Die Ermittlungen ergaben, dass Jasmin von ihrem 15-jährigen libanesischstämmigen Exfreund Hussein* und dessen 14-jährigem türkischen Freund Demir* zu einer Aussprache auf das Spielplatzgelände nahe der Schule bestellt worden war. Dort griffen die beiden Jungen das Mädchen mit Fußtritten und Schlägen in den Bauch an, »um das Kind zu töten«, wie der Polizeibericht sagt. Sie sollen die Schwangere auch gezwungen haben, von einer Kletterskulptur zu springen. Sie ließen erst von ihr ab, als sie blutete. Bevor sie flüchteten, nahmen die Jungen ihr das Handy weg, sodass sie keine Hilfe holen konnte.

Jasmin und Hussein waren Klassenkameraden. Ihre Beziehung hielten sie geheim. Als Hussein wegen schlechter Leistungen vor einigen Monaten auf eine Hauptschule wechseln musste, riss der Kontakt ab. Erst als Jasmins Schwangerschaft im siebten Monat nicht mehr zu verbergen war, weihte sie ihn ein. Wenige Tage später schlug er zu. ...

Die Verrohung der Täter macht, für sich genommen, schon ratlos. Doch wie soll man sich den Mangel an Empathie in den Reaktionen ihres Umfelds erklären? Jugendliche aus Husseins Umkreis tauchten im Virchow-Krankenhaus auf, um Jasmin unter Drohungen zur Rücknahme ihrer Aussage zu bewegen. Vor der Schule drohten arabischstämmige Jugendliche, Jasmin sei »dran«, wenn Hussein ins Gefängnis müsse. Und Husseins Mutter sagt über ihren Jungen, gegen den bereits Verfahren wegen Körperverletzung, Diebstahl und Beleidigung laufen: »Mein Sohn ist noch klein, der bringt keine Mädchen mit nach Hause.«
Woher die Verrohung in Deutschland? Anderer Kulturkreis? Mangelnde Integration? Aber auch von Deutschen werden perverse Brutalitäten ruchbar.

Irgendwie ratlos,
Tacitus


Ja, es ist eben keine Verrohung in Deutschland, sondern die Importation unkultivierter Rohheit aus islamischen Ländern. Was können wir froh sein, dass bei uns in Germanien das Christentum eingeführt wurde!

Uwe Schmidt
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Beitrag von Uwe Schmidt »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Tacitus hat geschrieben:Aber auch von Deutschen werden perverse Brutalitäten ruchbar.
Ja, vor wenigen Wochen gab’s hier einen ähnlichen Fall, bei dem es
aber um Deutsche ging, ungefähr zwei oder drei Jahre älter, wenn ich
mich recht erinnere.

Die Verrohung ist also diejenige unseres Kulturkreises. Und je mehr
sie amtlich von Huminität und Menschenwürde etc. pp. salbadern,
um so roher wird’s.

Diese „private“ Verrohung, für die du jetzt ein Beispiel gebracht hast,
Tacitus, – man findet täglich neue in den Zeitungen – ist bloß die
Kehrseite der institutionalisierten Verrohung. Die Abtreibungsma-
schine, die auch hier längst laufende Euthanasie, die Kriege, die wir
führen – all das gehört ins Gesamtbild. Folter-Schäuble nicht zu ver-
gessen.

Das wird auch so weitergehen. Sich also verschlimmern. Aber man
wird es insoweit in den Griff bekommen, als die Verrohung nach einer
schwierigen Übergangszeit öffentlich nicht mehr so sichtbar sein wird.
Es wird dich also in vielleicht zehn oder zwanzig Jahren nicht mehr
belasten.

Die Illusion, alles Böse dieser Welt habe sich in zwölf längst vergan-
genen Jahren historisch einmaligen und unvergleichbaren Verbrechens
gebündelt, wird dir den Frieden geben. Daß es einmal einen gab, der
es dir angekündigt hat und der dir erklärte, daß das nur eine Illusion
ist, ein Gespinst aus Lügen: das wirst du vergessen haben. Dank sei
Lethe. Du wirst einfach glücklich sein. So glücklich.


Gewalt und Rohheit färbt ja auch schnell ab, es sind auch nicht nur die Muslime, die Gewalt an unsere Schulen gebracht haben, sondern auch die Deutschrussen. Die deutsche Jugend ist ja streckenweise schon in der Minderheit, und die Gewalttätigen geben halt den Ton an. Schon faszinierend, wie schnell sich die Kulturen vermischen können.

Uwe Schmidt
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Beitrag von Uwe Schmidt »

Dirk hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben: Wenn wir Informationen erhalten, von denen wir nicht wissen, ob sie auf rechtstaatlichem Wege erlangt wurden, dann darf man sie trotzdem verwenden

:?:
Das wäre eine ziemlich akademische Frage, wenn man mit den Infos Leben retten könnte. Was wäre z.B. wenn man eine Info erhalten würde, dass ein Anschlag in Berlin stattfinden wird, und diese Infos von irgendeinem Geheimdienst mit Folter erhalten wurden - soll man die Terroristen dann gewähren lassen?


Es muss halt das jeweils größere Übel verhindert werden. Aber deshalb braucht noch lange keine Folter zu legalisieren.

Uwe Schmidt
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Beitrag von Uwe Schmidt »

Tacitus hat geschrieben:Die Frage ist doch, ob die Decke der Zivilisation so dünn ist, dass sie jederzeit weggezogen werden kann und der Barbar seine häßliche Fratze zeigt.
Wobei natürlich zu fragen wäre, was Zivilisation überhaupt ist. Die Römer sind einerseits zivilisatorische Vorbilder und andererseits waren sie äußerst brutal.
Ist Zivilisation nur ein Schafsfell, das dem Wolf übergestülpt ist und jederzeit wieder abgeworfen werden kann?


Ja, es gibt auch eine islamische Zivilisation, aber sie ist ganz offensichtlich nicht so weit wie die christlich-abendländische.

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Ewald Mrnka
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Beitrag von Ewald Mrnka »

Zivilisation ist nur eine dünne Schafspelzdecke. Ohne Kultur, ohne Religion, ist sie nichts wert.

Was sie "wert" ist, das beginnt sich hierzulande langsam abzuzeichenen.

Mal sehen, wann unsere linken Gutmenschen aufwachen!

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Ewald Mrnka
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Beitrag von Ewald Mrnka »

Übrigens trägt der "Barbar" nicht unbegingt die "häßliche Fratze". Wir müssen uns vom Begriff des Barbaren, wie er uns von Adorno und seinen sinistren Freunden (weshalb wohl?!) aufgeschwatzt worden ist, emanzipieren.

Der Barbar kann nämlich sehr hübsch, sehr anmutig, lebenstüchtig und vital sein - der Barbar ist halt wenig zivilisiert - aber das ist in einer vergreisenden Spätzivilisation, der sämtliche Überlebensinstinkte abhandengekommen sind, ein entscheidender strategischer Vorteil. Der "Barbar" hat für "Humanität", Multikulti und ähnliche Kopfgeburten überhaupt keine Antennen - das macht ihn überlegen. Wenn er schlau ist, dann spielt er geschickt auf dieser Klaviatur. Er liebt nicht das Fremde, sondern Sich und sie Seinen, das Eigene. Das erschreckt den impotenten décadent, der zu keinen starken Gefühlen mehr fähig ist, der nicht hassen und nicht lieben kann.

Die erste Generation erobert und plündert aus aus, die zweite Generation kultiviert, zivilisiert und baut auf - die letzte, die aussterbende Generation entwickelt "Verständnis" für das "Fremde", studiert Kunstgeschichte, liest Thomas Mann, schwuchtelt, und stibt in Venedig in Schönheit.

Die alten, aufgeklärten und dabei müde gewordenen Zivilisationstypen, die keine Kinder mehr in die Welt setzen und aufziehen können, sehen natürlich in den brutal aufstrebenden Völkern eine Bedrohung, eine Gefahr. Und aus ihrer Sicht haben sie natürlich recht.

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FioreGraz
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Beitrag von FioreGraz »

Also ich finde den thread alleine schon Blödsinn.

"Zivilisiert" wie hier geschrieben wird, war unsere Gesellschaft nie, schaut auf die Geschichte, hört euch die erzählungen eurer Eltern von ihrem Schulalltag an.
Was wir beobachten konnten ist eine "Entrohung" der Gesellschaft, der "zivilisierte" Gedanke wie wir ihn heute verfolgen wurde erst seit den schrecken der Weltkriege langsam in den Köpfen der Menschen wirklichkeit, begünstigt und beschleunigt durch den "Wohlstand" des Westens. Man benötigte keine Elbogentechnik und Fäuste mehr um zu etwas oder seinem Recht zu kommen, sprich die "ziviliserte" Welt von der ihr träumt ist ein junges kleines zerbrechliches Pflänzchen das hier und da tatsächlich exisitiert.
Das man Jetz oft von Auswüchsen zu hören bekommt hängt eher mit einer sensibilisierung und den Medien zusammen, denn mit einer "Verohung".
Natürlich wird das ganze durch Zuwanderer verstärkt, die eben aus Kulturkreisen kommen wo sie eben nicht ohne Elbogentechnik und Selbstjustiz, weiterkamen. Aber sie sind nicht alleine schuld. Ich würde darin eher eine Chance sehen unseren Gedanken von einem Zusammenleben ohne Gewalt weiterzutragen.
Vielleicht wurde die "Entrohung" unsere Gesellschaft durch Zuwanderung anderer Kulturen und schlechterer wirtschaftlicher LAge (besonders letzterer) gebremst, aufgehalten wurde sie aber nicht.

@Ewald und Uwe
Ihr seht immer gleich den Verfall des Christentums und Glaubens als Schuldige. Sperrts eure Äuglein auf und blickt zurück, Gottes Bodenpersonal war selbst nicht die erste Garde der Zivilisation (sont müßten wir seit 1700 Jahren im Frieden leben) sondern aus Verfolgten wurden selbst teilweise Verfolger.
Es bedurfte mehr als wie ein paar Sozialenzykliken einiger engargierter Päpste um den Frieden auch in die Köpfe der Menschen zu bringen.
Oder mann könnte es auch so sehen wenn man zurückblickt und wirklich der mangel an Glauben schuld an den Umständen ist, dann leben wir wirklich in einer Gesegneten Zeit, den anscheinend müssen heutzutage mehr Gläubige existieren als früher, sprich euren Schlußfolgerungen nach müßte wohl eher ein aufstreben und nicht ein Verfall des Glaubens gegeben sein.

LG
Firoe
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Ewald Mrnka
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Beitrag von Ewald Mrnka »

Uwe Schmidt hat geschrieben:
Tacitus hat geschrieben:Die Frage ist doch, ob die Decke der Zivilisation so dünn ist, dass sie jederzeit weggezogen werden kann und der Barbar seine häßliche Fratze zeigt.
Wobei natürlich zu fragen wäre, was Zivilisation überhaupt ist. Die Römer sind einerseits zivilisatorische Vorbilder und andererseits waren sie äußerst brutal.
Ist Zivilisation nur ein Schafsfell, das dem Wolf übergestülpt ist und jederzeit wieder abgeworfen werden kann?


Ja, es gibt auch eine islamische Zivilisation, aber sie ist ganz offensichtlich nicht so weit wie die christlich-abendländische.
Man muß sich fragen, was man unter "weit" versteht. Ich behaupte mal, daß die christlich-abendländische Zivilisation schon lange untergegangen ist. Über das Sterbedatum mache ich mir keinen Kopf.

Was wir hier im "Abendland" und überhaupt im "Westen" erleben, das ist nur noch eine untergehende, aussterbende Industrie- und Konsumzivilisation.

Abtreibung, Schwulen- und Lesben"Ehen", Kannibalismus, Liberalismus, u.v.a.m. gedeihen dabei als Fäulinsprodukte, als Maden im abgestorbenen Kadaver und täuschen eine schrille Scheinvitalität vor. Das wird so lange gehen, bis die verwertbaren Reste aufgebraucht und umgesetzt sein werden. Bei dem heutigen Tempo wird es nicht so lange vorhalten, wie die Spätantike.

Auf das "Christliche Abendland" und dergl. bezieht sich unsere Nomenklatur immer dann, wenn der ausgebeuteten authochtonen Bevölkerung neue und zusätzliche Belastungen zugunsten von fremden Kostgängern und dem Großen Bruder aufgebürdet werden sollen. "Chritliches Abendland" ist nicht mehr, das gebrauchen die Köhlers & Merkels als hohle Phrase; das ist etwas für Feiertagsredner. :mrgreen:


Ich vermute, daß die Zukunft der Kultur des Islam gehören wird.

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