Erwartungen, Träume und die harte Realität

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pierre10
cum angelis psallat Domino
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Erwartungen, Träume und die harte Realität

Beitrag von pierre10 »

Viele Menschen leben alleine, weil Partnerschaften zerbrechen. Grund ist häufig, dass die Erwartungen und auch Träume vom Partner/in nicht erfüllt werden (können). Ich bin alt, habe ein sehr erfülltes Leben gelebt und kann nur sagen, dass viele Menschen, denen ich begegnete, unfähig waren, genau wie ich damals, über ihre Erwartungen zu sprechen. Aber wie können sie erfüllt werden, wenn man sie nicht kennt?

Von meiner Großmutter wusste ich, dass sie, geb. 1876, gar nicht fremdgehen konnte, einfach weil sie nie alleine war, entweder war ihr Mann bei ihr, oder die Kinder, manchmal die eigenen Eltern....... Was nicht bedeuten soll, dass sie nicht auch Wünsche hatte......

Heute ist das ganz anders. Menschen haben unendliche Möglichkeiten sich zu begegnen, das Internet ist eine davon. Und wenn Mann oder Frau alle Möglichkeiten, von netten Gespräch bis zum Cybersex nutzen will, ist das einfach ein Trend unserer Zeit.

Manch Partner erfährt davon und ist am Boden zerstört. Liegt es nicht nur daran, dass wir in unserer Unfähigkeit wirklich zu kommunizieren viel falsch machen? Und dann die christliche Keule zu schwingen bedeutet in vielen Fällen die endgültige Trennung. Der Satz: Als Christ darfst Du das nicht verändert an den Erwartungen und Träumen nichts. Bleiben sie unerfüllt, kommt es oft zum Frust mit all seinen Konsequenzen.

Erwartungen können nur erfüllt werden, wenn sie gegenseitig besprochen werden, Träume werden wohl meist vom anderen nicht erkannt, und können in vielen Fällen nur von uns selbst realisiert werden.

Pierre, ganz nachdenklich
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overkott
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Beitrag von overkott »

Heute ist das ganz anders, lesen wir oft. Aber stimmt das denn? Schon vor vielen tausend Jahren wusste der Prediger:

Koh 1,9 Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Mein ungläubiger Germanistikprofessor hat darin ein literarisches Weltprinzip entdeckt. Und ich musste leise lächeln.

Das "als Christ darfst du das nicht", verkennt nicht nur die Wirklichkeit des Menschen, sondern auch die Wirklichkeit Christi.

Christus fragt uns: "Liebst du Gott und deinen Ehepartner wie dich selbst?"

Auch der heilige Bonaventura wusste um die Brüchigkeit unserer selbstgebastelten Entschuldigungen. Er zeigte den Ketzern und Sündern seiner Zeit den Weg zur Kirche. Glaube und Vernunft brachte er in Christus zur Deckung. Es ist kein Wunder, dass die Franiskaner mit der Inquisition wenig zu tun hatten. In gotischen Domen wurde seine Theologie zu Stein.

Umberto Eco hatte für den Heiligen ein feines Gespür und ihn zur Hauptfigur seines Romans "Der Name der Rose" verarbeitet.

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pierre10
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Beitrag von pierre10 »

overkott hat geschrieben:
Christus fragt uns: "Liebst du Gott und deinen Ehepartner wie dich selbst?"
Wie viele Menschen lieben sich wirklich?

Pierre
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Peregrin
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Beitrag von Peregrin »

overkott hat geschrieben: Umberto Eco hatte für den Heiligen ein feines Gespür und ihn zur Hauptfigur seines Romans "Der Name der Rose" verarbeitet.
Adson von Melk ist Bonaventura? :kratz:
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

Man muß sich erst mal darüber klar sein, was man unter Liebe versteht und es muß klar sein, dass man darüber, was Liebe bedeutet, nicht unterschiedlicher Meinung ist.

Allgemein läßt sich aber schon sagen, dass die Fähigkeit zur Liebe in dem Maße abnimmt, wie die Gleichgültigkeit, Oberflächlichkeit, die eigene Ego-Befriedigung (auf neudeutsch: Selbstverwirklichung), zunimmt.

Aber es gibt sie immer noch, diese Liebe, die ja nicht nur auf die Attraktivität des Partners, auf die Konservierung des ersten Gefühlssturms etc. ausgerichtet ist. Und es gibt noch immer die dazugehördende Treue, auch wenn dies im allgemeinen Alltag gar nicht mehr oder kaum mehr zur Kenntnis genommen wird.
Daran sollte man sich orientieren, nicht an den o. a. Ursachen, die eine solche Liebe unmöglich machen.

Pierre hat geschrieben:
Der Satz: Als Christ darfst Du das nicht verändert an den Erwartungen und Träumen nichts. Bleiben sie unerfüllt, kommt es oft zum Frust mit all seinen Konsequenzen.
Ob das die richtige Sichtweise ist?
Dem wahren Christen ist eine solche Denkweise fremd. Wenn er etwas nicht tut, dann aus Liebe zu Gott, ebenso wenn er etwas tut, dann aus Liebe zu Gott.
Der Christ, der sich so verhält, hat mit falschen und unrealistischen Erwartungen und Träumen nichts im Sinn und deshalb empfindet er natürgemäß keinen Frust.

Der Frust in all seinen Konsequenzen, der sich aus unerfüllten Erwartungen und Träumen ergeben kann, hat ganz andere Ursachen. Und diese sind wohl eher in der Person selbst zu suchen, die eine etwas ver-rückte Sicht zur Realität besitzt. Entweder ist man Realist, oder man lebt in einer Traumwelt.
Als Realist hat man immer die Möglichkeit, dahin zu kommen, wohin man will, bzw. das zu erreichen, was man will, abhängig von den Voraussetzungen, die man selbst geschaffen hat und von der realistischen Zielvorstellung.

Gruß, ad_hoc
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Maria Magdalena
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Beitrag von Maria Magdalena »

Lieber Pierre,

Die Liebe wandelt sich doch in den Jahren. Erst ist es eine Verliebtheit und alles erscheint rosarot. Dann wird daraus Liebe, die auch die jeweiligen "Unarten" des Anderen mitträgt und mit viel Glück wird sie, wenn man in die Jahre kommt eine liebevolle Vertrautheit , wo halt noch etwas anderes, als das zu erst Offensichtliche eine Rolle spielt. Als Beispiel dafür, etwas was mir als ganz junge Pflegekraft passiert ist. auf unsere Station wurde ein Ehepaar aufgenommen, welches fast 60 Jahre verheiratet war. Natürlich war es nicht üblich ein Mann und eine Frau ins gleiche Kranenzimmer zu legen, aber da beide nicht von einander getrennt werden wollten, machte meine damalige Öse eine Ausnahme. So kam es, dass wir alle nur zu gerne bei diesen alten Ehepaar waren. Denn es war einfach wunderbar miterleben zu dürfen, wie vertraut sie, trotz ihrer schweren Erkrankungen, sich gegenseitig erzählten, dass sie niemals auch nur einen Tag mit einander missen möchten. als sie ungefähr eine woche bei uns waren, eine kollegin und ich sie für die Nachtruhe fertigt machten, fragte mich der alte Herr plötzlich " Kind kannst du mich zu Mutti umdrehen, dass ich ihr ins Gesicht schauen kann?" Dann lächelte er seine frau an und meinte " Mutti soviele Jahre hat Gott uns als Eheleute geschenkt. Nun muß ich aber vorgehen." Sie lächelte und fragte nur " wartest du auf mich?" was auch er nur mit einen Lächeln beantwortete.( Ich war damals zu jung, um wirklich zu begreifen, was sie gerade mit einander besprochen haben) Aber als ich den nächsten Morgen zum Frühdienst kam erfuhr ich, dass der alte Herr in der letzten Nacht gestorben sei und fühlte mich irgendwie niedergeschlagen und traurig. - Nun sollte ausgerechnet ich auch noch zur Morgentoilette zur alten dame gehen. Also überlegte ich mir, was ich ihr wohl sagen könnte. Aber als ich das Zimmer betratt, konnte meine Verwunderung nicht größer sein, als sie damals war! Denn da war keine trauernde Witwe, sondern ein verliebter Backfisch!Klar, ich verstand die Welt nicht mehr!!Sie schien meine Verwunderung zu spüren und fing gleich an zu reden "dass ich sie für Vati schön machen soll". Als ich vorsichtig anmekrt, dass ihr Mann doch gestorben sein, lachte sie nur und meinte"ich weiß, aber er wartet auf mich, um mich da zu holen und da möchte ich doch für ihn schön sein!" Was wir alles gemacht haben damit sie für ihren Mann schön ist lasse ich mal aus, aber nachdem alles so war, wie sie es sich gewünscht hatte - folgte sie ihrem Mann. Oder sollte ich vielleicht besser sagen " Er hat sie abgeholt"- Jedenfalls finde ich( ganz persönlich), dass jedes Ehepaar, welches eine solche liebevolle Vertrautheit zu einander hat, ist von Gott besonders gesegnete worden und vielleicht sollten wir lieber solche Ehepaare zum Vorbild nehmen, als jene die uns als nachstrebenswert von den Medien/ Gesellschaft vor gegaukelt werden. Denn sich wirklich lieben bedeutet nämlich auch " zu einander zu stehen ,wenn es mal nicht gerade leicht ist."

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pierre10
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Beitrag von pierre10 »

Liebe Maria Magdalena,

das ist ein wunderschönes Beispiel, wie es sein kann. Es erfordert viel Liebe, auch hate Arbeit, Selbstvertrauen und auch ein wenig Selbstaufgabe um so miteinander gehen zu können.

Vielen Lieben Dank

Pierre
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Maria Magdalena
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Beitrag von Maria Magdalena »

Lieber Pierre,

Und ich denke gerade hier liegt heute bei vielen Menschen das Problem. Sobald es nicht nur tiefer geht, sondern auch noch schwieriger wird, fühlen sich leider viele Menschen zu sehr eingebunden. Ja sie sind sogar der Meinung " ihre Freiheit zu verlieren", weil sie einfach nicht erkennen eine Ehe ist keine Zweckgemeindschaft im Sinne einer Wg( wir teilen uns die Miete usw., aber sonst macht jeder was er will!)!
:hmm: Nur ein Gedanke: " vielleicht sind wir Menschen ,dank des verherrlichten Egoismus, überhaupt nicht mehr in der Lage einen Anderen ausser der leicht verläglichen Art oberflächlich zu lieben.
Haben aber paradoxerweise die Erwartung , dass der Partner uns mehr als nur oberflächlich liebt! Und schon stellen wir unbewußt die Weichen in die "falsche Richtung"! Denn es sind immer beide Eheleute, die sich auf den Weg machen müssen, um das Zeil, nach dem sich in Wahrheit jeder Mensch sehnt.

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Linus
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Re: Erwartungen, Träume und die harte Realität

Beitrag von Linus »

Pierre hat geschrieben:Der Satz: Als Christ darfst Du das nicht
Von welchen "Christen" hast denn das gehört?

Ganz im Gegenteil
Paulus im 1. Brief an die Gemeinde in Korinth (10,23) hat geschrieben:Alles ist erlaubt- aber nicht alles nützt. "Alles ist erlaubt"- aber nicht alles baut auf
Wir dürfen alles, wohl wissend, daß die (frweiwillige)Beschränkung wahre Freiheit bringt.
"Katholizismus ist ein dickes Steak, ein kühles Dunkles und eine gute Zigarre." G. K. Chesterton
"Black holes are where God divided by zero. - Einstein

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pierre10
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Beitrag von pierre10 »

Maria Magdalena hat geschrieben:Lieber Pierre,

Denn es sind immer beide Eheleute, die sich auf den Weg machen müssen, um das Zeil, nach dem sich in Wahrheit jeder Mensch sehnt.
Genau da liegt der Knackpunkt. Viele Freunde, die mir ihre Sorgen erzählten sprachen fast ausschließlich vom anderen, was er oder sie falsch machten.....

Auf meine Frage: und wie ist es bei Dir? kam oft Unverständnis.

Pierre
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Linus
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Beitrag von Linus »

Pierre hat geschrieben:

Wie viele Menschen lieben sich wirklich?

Pierre
sich selbst wohl viele, man nennt es Hedonismus
einander wohl wenige. Das ist Caritas.
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Maria Magdalena
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Beitrag von Maria Magdalena »

Vielleicht sollten manche Christen auch mal in der Schrift( Scivias) der heiligen Hilgegard von Bingen ihr Näschen stecken und lesen. Umso einwenig wieder das Wesendlich in einer Ehe zu erkennen.- Na ja,ist halt so ein Gedanke von mir. ;D

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

Als wäre es für dieses Thema geschrieben worden:

"Geheimnis der Liebe", Hildegard von Bingen,
Bilder von des Menschen leibhaftiger Not und Seligkeit

nach den Quellen übersetzt und bearbeitet von Prof. Heinrich Schipperges, Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau, 1957.

Inhalt:
Einführung
Vom Urstand und der Heimat des Menschen,
Des Menschen heimliche Geborgenheit (Mann und Frau),
Vom Mißstand des gefallenen Menschen,
Des Menschen verborgenes Heimweh,
Von der Heimfindung des Menschen,
Vom seligen Wohnen des Menschen,
Vom Geheimnis der ewigen Wohnungen,
Register

Ein wunderbares Buch, meines Wissens bis heute nicht mehr neu aufgelegt. Vor über zwanzig Jahren hatte ich mit dem HvBKloster Kontakt aufgenommen und durfte mir dieses Buch kopieren.

Würde ich damit beginnen, Auszüge aus dem Buch hier einzustellen, könnte ich gar nicht mehr aufhören.

Gruß, ad_hoc
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Marie
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Beitrag von Marie »

ad_hoc hat geschrieben:Als wäre es für dieses Thema geschrieben worden:

"Geheimnis der Liebe", Hildegard von Bingen,
Bilder von des Menschen leibhaftiger Not und Seligkeit

nach den Quellen übersetzt und bearbeitet von Prof. Heinrich Schipperges, Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau, 1957.

Inhalt:
Einführung
Vom Urstand und der Heimat des Menschen,
Des Menschen heimliche Geborgenheit (Mann und Frau),
Vom Mißstand des gefallenen Menschen,
Des Menschen verborgenes Heimweh,
Von der Heimfindung des Menschen,
Vom seligen Wohnen des Menschen,
Vom Geheimnis der ewigen Wohnungen,
Register

Ein wunderbares Buch, meines Wissens bis heute nicht mehr neu aufgelegt. Vor über zwanzig Jahren hatte ich mit dem HvBKloster Kontakt aufgenommen und durfte mir dieses Buch kopieren.

Würde ich damit beginnen, Auszüge aus dem Buch hier einzustellen, könnte ich gar nicht mehr aufhören.

Gruß, ad_hoc
Nun, nicht gegen Hildegaradis. Nur -

ich hatte den ausgangsbeitrag so verstanden, dass es um das Bestehen der Liebe - oder dem, was einmal Liebe werden soll - unter den Randbedingungen unser heutigen Zeit und Gesellschaft geht.

Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen - und ich bitte ggf. um Korrektur und Richtigstellung und Zitat aus dem Buch - dass man oder frau ganz pragmatisch etwas finden, wie man mit Harz IV auskommen kann, wie man es schafft, die Kinder trotzdem an Klassenfahrten mitfahren zu lassen (besonders, wenn man/frau vier oder mehr hat), oder wie man eine gute Familie haben kann, wenn der Mann so viel arbeiten muss, das die Familie ihn gar nicht mehr sieht. Wie gesagt, nur mal als Beispiel.

Ich denke nicht, dass die konkreten, von Pierre angesprochenen Probleme daran liegen, dass man "dem Grunde nach" nicht weiß, was Liebe sein kann. Ich glaube viel mehr, dass man nicht merh zu nachdenken kommt und keine Zeit zur Kommunikation mehr hat - warum auch immer. Es gibt halt keine Stelle, die sich der Liebe in der praktischen Umsetzung wirklich annimmt und berät - im ganz normalen, allgemeinen Fall meine ich, nicht erst dann, wenn eine Paartherapie nötig wäre/ist.

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

Und so ist es nun mit dem Menschen.
Der Mensch ist gestellt in ein Leben voller Sorge:.....
Angst findet sich im Grund unserer Stimmung:.....
Wir sind Gast auf Erden und irren in der Fremde:....
In Neugier und Umtrieb kommt der Mensch nicht mehr zur Ruhe:....
So verfällt der Mensch einer verzweifelten Schwermut:.....

Und dennoch, dennoch:
Ich will in all diesen Bedrängnissen nicht kapitulieren und Rede und Antwort stehen!
Ich werde der irdischen Gebrechlichkeit nicht ausweichen, sondern mannhaft will ich wider sie streiten. Und wenn mein Gezelt die Werke der Ungerechtigkeit vollbringen will, so werde ich Mark und Blut und Fleisch durch die Weisheit der Geduld niedertreten.

Doch nichts ist gänzlich zu verwerfen! Auch in der Traurigkeit liegt noch eine Freude, und auch in der Lust ist noch Heil. Wie die Vögel des Himmels und das Gewürm der Erde noch nützlich sind, so auch Gunst und Mißgunst dieser Welt. Das Nützliche läutert das Unnütze und ebenso umgekehrt, wie auch Gold im Feuer erst erprobt wird.....
Doch sei Du, o Mensch, eingedenk, dass es Dir nicht möglich ist, selber den Menschen zu schaffen. Bitte Gott vielmehr mit Sanftmut, Er möge Dir ein besseres Leben geben. Dies ist Gott angenehmer, als wenn Du ihn im Übermaß Deiner Traurigkeit mit Bitten bestürmst. Er, der schrecklich und doch lieblich ist für eine jede Kreatur, möge Dich zu einem Tempel des Lebens machen.
(aus:Geheimnis der Liebe)


Seit dem ersten Sündenfall sind die 'Randbedingungen', sofern diese auf den Menschen einwirken, immer die gleichen gewesen, weil sie vom gleichen Ursprung ausgegangen sind und sie wirken sich aus in der gesamten Schöpfung und ganz besonders im Menschen, der zeit seines Lebens in dieser Welt nicht nur mit der vorgegebenen, sondern auch mit der eigenen Unvollkommenheit zurecht kommen muß.
Ich verstehe Deine Situation sehr gut. Ich verstehe sie deshalb, weil die gleiche oder eine ähnliche Situation nicht nur bei Dir vorliegt, sondern bei vielen, vielen anderen Menschen auch.
Macht es Sinn, danach zu fragen, inwieweit habe ich diese mißliche Stituation selbst verursacht?, inwiefern hätte ich diese vermeiden können? Auch die Frage, wie ich mit einer solchen Situation umgehe, vor allem dann, wenn ich diese Situation selbst nicht mal verschulde habe, ist nicht ohne Bedeutung auf den Umgang mit dieser in Bezug auf eine Lösung.

Du schreibst auch, man käme nicht mehr zum Nachdenken und man hätte keine Zeit mehr für eine Kommunikation. Vielleicht nimmt man sich diese Zeit nicht mehr oder fühlt sich viel zu sehr erschöpft, als dass man sich diese Zeit nimmt und damit sicher Sinnvolleres tut, als sich einem Moment des Nichtstuns oder des Kapitulierens hinzugeben.
Die Stelle übrigens, die sich der Liebe in der praktischen Umsetzung wirklich annimmt, sind in erster Linie die betreffenden Liebenden selbst. Hier ist auch die Einstellung wichtig. Es macht einen Unterschied, ob man es mit einem Partner versucht, bis es eben wieder auseinander geht, oder ob man zusammenbleibt bis zum Tode. Im ersten Fall kann schon die erste Konfliktssituation das Ende der Partnerschaft bringen; im zweiten Fall ist die Bereitschaft bereits enthalten, dass man sich mit dem Partner zusammensetzt und die Dinge klärt, ohne dass ein Bruch der Partnerschaft auch nur ansatzweise in Erwägung gezogen wird.

Meines Wissens gibt es für Hartz IV Fälle seitens der Schule Kostenbefreiung für Klassenfahrten. Allerdings müssen die Einkommensverhältnisse gegenüber der Schule offengelegt werden. Im übrigen denke ich, dass die Kinder sehr viel besser mit der Situation umgehen können, dass die Eltern anderer Kinder mehr Geld haben als die eigenen, als man gemeinhin annimmt.

Gruß, ad_hoc
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Marie
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Beitrag von Marie »

ad_hoc hat geschrieben:Und so ist es nun mit dem Menschen.
Der Mensch ist gestellt in ein Leben voller Sorge:.....
Angst findet sich im Grund unserer Stimmung:.....
Wir sind Gast auf Erden und irren in der Fremde:....
In Neugier und Umtrieb kommt der Mensch nicht mehr zur Ruhe:....
So verfällt der Mensch einer verzweifelten Schwermut:.....

Und dennoch, dennoch:
Ich will in all diesen Bedrängnissen nicht kapitulieren und Rede und Antwort stehen!
Ich werde der irdischen Gebrechlichkeit nicht ausweichen, sondern mannhaft will ich wider sie streiten. Und wenn mein Gezelt die Werke der Ungerechtigkeit vollbringen will, so werde ich Mark und Blut und Fleisch durch die Weisheit der Geduld niedertreten.

Doch nichts ist gänzlich zu verwerfen! Auch in der Traurigkeit liegt noch eine Freude, und auch in der Lust ist noch Heil. Wie die Vögel des Himmels und das Gewürm der Erde noch nützlich sind, so auch Gunst und Mißgunst dieser Welt. Das Nützliche läutert das Unnütze und ebenso umgekehrt, wie auch Gold im Feuer erst erprobt wird.....
Doch sei Du, o Mensch, eingedenk, dass es Dir nicht möglich ist, selber den Menschen zu schaffen. Bitte Gott vielmehr mit Sanftmut, Er möge Dir ein besseres Leben geben. Dies ist Gott angenehmer, als wenn Du ihn im Übermaß Deiner Traurigkeit mit Bitten bestürmst. Er, der schrecklich und doch lieblich ist für eine jede Kreatur, möge Dich zu einem Tempel des Lebens machen.
(aus:Geheimnis der Liebe)


Seit dem ersten Sündenfall sind die 'Randbedingungen', sofern diese auf den Menschen einwirken, immer die gleichen gewesen, weil sie vom gleichen Ursprung ausgegangen sind und sie wirken sich aus in der gesamten Schöpfung und ganz besonders im Menschen, der zeit seines Lebens in dieser Welt nicht nur mit der vorgegebenen, sondern auch mit der eigenen Unvollkommenheit zurecht kommen muß.
Ich verstehe Deine Situation sehr gut. Ich verstehe sie deshalb, weil die gleiche oder eine ähnliche Situation nicht nur bei Dir vorliegt, sondern bei vielen, vielen anderen Menschen auch.
Macht es Sinn, danach zu fragen, inwieweit habe ich diese mißliche Stituation selbst verursacht?, inwiefern hätte ich diese vermeiden können? Auch die Frage, wie ich mit einer solchen Situation umgehe, vor allem dann, wenn ich diese Situation selbst nicht mal verschulde habe, ist nicht ohne Bedeutung auf den Umgang mit dieser in Bezug auf eine Lösung.

Du schreibst auch, man käme nicht mehr zum Nachdenken und man hätte keine Zeit mehr für eine Kommunikation. Vielleicht nimmt man sich diese Zeit nicht mehr oder fühlt sich viel zu sehr erschöpft, als dass man sich diese Zeit nimmt und damit sicher Sinnvolleres tut, als sich einem Moment des Nichtstuns oder des Kapitulierens hinzugeben.
Die Stelle übrigens, die sich der Liebe in der praktischen Umsetzung wirklich annimmt, sind in erster Linie die betreffenden Liebenden selbst. Hier ist auch die Einstellung wichtig. Es macht einen Unterschied, ob man es mit einem Partner versucht, bis es eben wieder auseinander geht, oder ob man zusammenbleibt bis zum Tode. Im ersten Fall kann schon die erste Konfliktssituation das Ende der Partnerschaft bringen; im zweiten Fall ist die Bereitschaft bereits enthalten, dass man sich mit dem Partner zusammensetzt und die Dinge klärt, ohne dass ein Bruch der Partnerschaft auch nur ansatzweise in Erwägung gezogen wird.

Meines Wissens gibt es für Hartz IV Fälle seitens der Schule Kostenbefreiung für Klassenfahrten. Allerdings müssen die Einkommensverhältnisse gegenüber der Schule offengelegt werden. Im übrigen denke ich, dass die Kinder sehr viel besser mit der Situation umgehen können, dass die Eltern anderer Kinder mehr Geld haben als die eigenen, als man gemeinhin annimmt.

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Ich meine, es war in seinen "Vorlesungen in Harward", dass der Dalai Lama folgendes (sinngemäß) sagte: Ein Mensch kann fast beliebig viel psychisch tragen, vorausgesetzt, es wird ihm in kleinen Päckchen auferlegt, mehr und mehr, aber körperlich kann er das nicht."

Es finde es nicht gut, dass Du meinst, meine Lage zu verstehen - ich habe mit keinem Wort von mir geredet, sondern von denen, die mit ihren Sorgen so ab und an bei mir landen, so von Mensch zu Mensch. Mein Mann und ich sind dieses Jahr 35 Jahre zusammen - und das muss uns, bei dem, was wir erlebt haben, erst einmal jemand nachmachen.

Wenn einen alleinerziehende Mutter nachts arbeitet, zum Beispiel bei der Paketsortierung oder in eienr Fabrik im Akkord, um am Tag für ihr KInd oder ihre Kinder da zu sein, dann kann sie die Kiner leiben noch und nöcher, es wird sie nciht aus der Gefahr retten, sich körperlich zu verausgaben. Ich kenne Menschen, die haben zwei Jobs, die arbeiten zwölf Stunden am Tag, die Fahrt nicht eingerechnet - und nicht, weil sie sich Gott weißwas leisten wollen, sondern um zu leben.

Glaubst du im Ernst, denen könntst Du mit oben genannten Auszügen kömmen? Denen könntest Du sagen: nimm Dir Zeit für Deine Frau?

Und dabei sind solche Probleme wie Alkohol oder andere Süchte ncoh gar nicht betrachtet.

Was macht ein Christ, was hat ein christ zu tun, wenn der Partner alkoholkrank ist und nicht davon los kommt? Bei ihm bleiben, bis die ganze Familie kaputt ist? Was ist mit Gewalt? Muss man sich schlagen lassen? was ist mit den Kindern? muss man ihretwillen bleiben oder muss man ihretwillen gehen?

Sag mir, ganz konkret, wie Hildegard darauf antwortet - und sag mir, wie jemand in o. g. Situation ihren Rat umsetzen kann, bitte.

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Maria Magdalena
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Beitrag von Maria Magdalena »

Aber meinst Du tatsächlich dies sind nur Probleme unser Zeit?
Armut mit all ihren Folgen gab es schon immer. Auch die Alkohol- und andere Suchtformen sind keine Erfindung unserer Zeit! Nur sind die Menschen in früheren Zeiten damit anderes ( auch wegen ihres festen Glaubens) um gegangen.
Und heute? Wir sind im grossen Ganzen nur noch auf uns selbst ausgerichtet. Einen Anderen helfen? Aber bitte, da sollen doch die"Daoben etwas tun". Und genau hier hält uns Hildegard von Bingen einen Spiegel vors Gesicht, in dem sie aufgeschrieben hat, was Gott sie sehen ließ. Und somit liegt es doch an uns unseren Nächsten zu helfen,anstatt wie wir es viel lieber tun ständig weg zu sehen oder darüber zu reden, um dann letztendlich doch nichts zu tun.
Als Beispiel, dass es auch anders geht. In der Pfarrei in Güstrow bzw. in der Messe teilte der Pfarrer mit, dass die Kollekte für eine Familie der Gemeinde ist, die sich in Not befindete.

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

Hallo Marie

Du zeichnest hier Momentaufnahmen, zugegebenermaßen trister, Situationen und erwartest vermutlich auch Momentlösungen.
Du zeigst keine Verantwortlichkeiten auf, nichts, was zu solchen Situationen geführt hat. Was waren bzw. was sind die Ursachen dieser beklagenswerten Momentaufnahmen? Zielvolle Planung oder unüberlegtes Handeln. Was hätte denn getan werden können, ums solche Situationen zu verhindern?
Es ist schon einer Überlegung wert, ob ich erst dann nach Lösungen suche, wenn ich mich in einer solchen Lage befinde, oder ob ich bereits vorher alles bedacht habe, um grundsätzlich zu verhindern, überhaupt in eine solche unangenehme Situation zu geraten.
Selbst dann, wenn ich ohne eigene Schuld in eine solche Lage gerate, liegt es an mir selbst, wie ich damit umgehe, ob problemorientiert oder lösungsorientiert.
Der Christ kann seine Situation aufopfern und er kann Gott um eine Besserung seiner Situation bitten. In jedem Fall ist er dazu verpflichtet, seine Last zu tragen. Er weiß nicht, ob die Last seines Nächsten womöglich noch größer ist. Darum ist es auch wichtig, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen (einer trage des anderen Last).

Wenn ich nur herumsitze und meine schlimme Lage bedauere, tue aber nichts dafür, um dieses auferlegte Los zu ertragen, zu erleichtern oder gar zu beseitigen, dann bleibt vielleicht wirklich nichts anderes mehr übrig, hier und da und dort um Rat zu fragen, vielleicht auch beim Dalai Lama. Vielleicht hilft ja schon dessen Umsetzung der Erkenntnis in Harvard.

Für jemanden, der wirklich nicht mehr aus noch ein weiß, ist vielleicht die ernsthafte Lektüre des Buches Hiob hilfreich.
Man darf nie die Hoffnung und das Vertrauen in Gott aufgeben.
Vielleicht ist es sogar wichtig, sich total und absolut in den Willen Gottes zu unterwerfen. 'Ich weiß nicht mehr weiter. Ich lege alle meine Sorgen auf Dich. Sorge Du für mich und für meine Familie.' Natürlich sollte auch das Gebet und die Aufopferung der Familie nicht versäumt werden. Und warum nicht auch die Mutter Gottes anrufen, und den Hl. Josef, ect.

Wer keine Hoffnung mehr hat, dem verbleibt zumindest das Gebet, auch dann, wenn er Gott zuvor schon vergessen hatte.
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sofaklecks
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Tja

Beitrag von sofaklecks »

Tja, Marie,

du gehst halt ans Eingemachte, wie man bei uns sagt. Oder wie die Dame meines Herzens sagt, wenn ich mit so etwas komme wie der Heiligen Hildegard: "Weiser vom Berg!"

Dort, wo nur einer von beiden einen doppelten Beitrag leisten soll, weil der andere seinen nicht mehr leisten will, ist die Grenze erreicht. Das gilt vom uneinsichtigen Süchtigen ebenso wie vom Gewalttätigen. Es gilt nicht da, wo einer seinen Beitrag nicht mehr leisten kann, weil er krank ist, wobei der dann aber darauf achten muss, den anderen nicht über Gebühr zu belasten.

Im übrigen hat mich aus der Predigt von Pater Gilbert bei der Hochzeit des belgischen Prinzen (ich hoffe, ihr erinnert Euch) der Satz überzeugt, dass man vor allem seiner Beziehung etwas gönnen soll, sich selber also. Man kann für andere nur dann da sein, wenn man selbst Kraft hat. Ein Paar darf sich nicht von der Familienbande verplanen lassen, sondern muss sich selbst pflegen.

Und einen ganz praktischen Rat hab ich noch, der viel Ärger vermeidet: Alles Unangenehme, was länger als ein Vierteljahr zurückliegt, ist verjährt und vergessen. Das Unangenehme. Denn sonst schleift man das wie eine immer grösser werdende Eisenkugel ständig mit sich herum.

sofaklecks

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc »

Dort, wo nur einer von beiden einen doppelten Beitrag leisten soll, weil der andere seinen nicht mehr leisten will, ist die Grenze erreicht. Das gilt vom uneinsichtigen Süchtigen ebenso wie vom Gewalttätigen. Es gilt nicht da, wo einer seinen Beitrag nicht mehr leisten kann, weil er krank ist, wobei der dann aber darauf achten muss, den anderen nicht über Gebühr zu belasten.
Gut. Und wie verhält sich die gläubige Christin, die mit einem Grenzwertigen dieser Art verheiratet ist und die die Ehe ernst nimmt?
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pierre10
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Re: Tja

Beitrag von pierre10 »

sofaklecks hat geschrieben: Und einen ganz praktischen Rat hab ich noch, der viel Ärger vermeidet: Alles Unangenehme, was länger als ein Vierteljahr zurückliegt, ist verjährt und vergessen. Das Unangenehme. Denn sonst schleift man das wie eine immer grösser werdende Eisenkugel ständig mit sich herum.

sofaklecks
Ja lieber Sofa, das ist mal ein guter Rat.

Wir Beide, meine Frau und ich machen seit 20 Jahren jede Woche eine kleine Familienkonferenz mit einem Miniritual. Zuerst beginnt einer zu berichten, was ihm Positives in der letzten Woche begegnet ist.
Dann der andere. Anschließend was Kritisches geschah. Wichtig ist, dass keiner Stellung nimmt, also den anderen ausreden lässt.

Erst in der 3. Runde werden die Themen diskutiert. Und keiner kann sagen: Das wollte ich Dir schon lange sagen, denn wir haben jede Woche Zeit dafür gehabt. Also nach einer Woche ist "die Einspruchsfrist" abgelaufen.

Früher haben wir das auch jede Woche mit den Kindern, mit Freunden, die bei uns lebten gemacht, mit dem Erfolg, dass viele Spannungen im Vorfeld verschwanden.

Pierre
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sofaklecks
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Was sie tut

Beitrag von sofaklecks »

@ad_hoc

Sie setzt ihm ein Ultimatum. Sieht er es ein und müht sich, hilft sie ihm. Auch über Rückschläge hinweg.

Sieht er es nicht ein oder tut er nur so, als sähe er es ein, um sie zu beruhigen, verlässt sie ihn.

Oder er sie.

sofaklecks

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overkott
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Beitrag von overkott »

Linus hat geschrieben:
Pierre hat geschrieben:

Wie viele Menschen lieben sich wirklich?

Pierre
sich selbst wohl viele, man nennt es Hedonismus
einander wohl wenige. Das ist Caritas.
Linus? Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Caritas, Linus, was ist Caritas?

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Linus
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Beitrag von Linus »

Lies Benedikt, Overkott, lies Benedikt (die erste Enzyklika)

und was für wunder?

Linus, dem Bonaventuraner das Goderl kratzend.
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sofaklecks
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Es ist alles zu was gut

Beitrag von sofaklecks »

Linus hat in den Strang über die Ministrantenkleider ein Bild von Pater Gilbert eingestellt, der in Paris Strassenkinder betreut. In Rockerkluft beim Papst. Ich hab nicht erkennen können, ob er sein Kreuz der Ehrenlegion an der Lederjacke trug.

Aber an seine Predigt hab ich mich entsonnen, die er hielt, als der belgische Prinz Laurent geheiratet hat, seine Meditation nach der Kommunion. Könnt ihr verstehen, dass er nicht nur mit dem Hinweis vor all den reichen und bedeutenden Leuten, ihr Reichtum sei nichts, ohne die Liebe, sie wirklich angerührt hat? Dass kein Auge trocken blieb?

Der Text passt zur Frage von Pierre. Hier ist er:

"Ihr wisst alle beide, Claire und Laurent, wie sehr ich die Kirche liebe. Ich bin froh, heute bei euch sein zu dürfen, mit Kardinal Danneels und seinen Priestern, um Zeuge eurer Liebe zu sein. Die Liebe, die du, Claire, Laurent schenkst.

Laurent, du bist das letzte Küken, das das Nest verlässt, nach Astrid und Philippe. Ich grüße deine liebe Mutter Paola und deinen Vater Albert und Astrid, die heute nicht hier sein kann. Im Herzen sind wir bei ihr, erwartet sie doch ein Kind. Ich grüße auch Philippe.

Claire, auch du verlässt das Nest. Ich grüße herzlich deine Eltern, Nicole und Nicholas. Und Joanna, und Matthew. Kardinal Danneels hat mir diese kleine Besinnung gestattet.

Ich möchte, dass die Familie das Herzstück in eurem Leben bleibt. Die Familie ist die kleinste Zelle, gleichzeitig auch die größte, die edelste, die älteste, die neuste. Ihr gründet sie heute, Claire und Laurent.

Ich sehe die Freundschaft, die alle Anwesenden teilen, um euch zu sagen, dass sie euch beide lieben. Bewahrt sorgsam diese eure Freunde. Neben eurer Familie sind sie das Größte, das ihr haben könnt. Wahre Freunde, die bleiben, wenn es mal nicht gut geht.

Danke für deine Freundschaft, Laurent. Sie hält schon sieben Jahre an. Deine Stiftung hat meiner Arbeit mit Straßenkindern einen Preis zuerkannt. Unglücklicherweise gibt es nicht nur französische Asphaltjugend. Das Geld war auch für die anderen, schlecht heranwachsenden Jugendlichen gedacht, die Belgier sind und die wir auf unserem Hof aufnehmen. Dort wurde unsere Freundschaft geboren.

Du bist dann selbst gekommen. Ich habe noch das Bild vor Augen und sehe den Prinzen, der die Wildschweine füttert und die Lamas streichelt. Du liebst so sehr alle Tiere dieser Schöpfung, vom Marienkäfer bis zum Elephanten. Diese Liebe zu den Tieren kannst du nun mit Claire teilen.

»Du warst bei uns ein Prinz, Laurent, weil du ihnen bescheiden und brüderlich gedient hast.« Ich wusste es zu schätzen, dass du meine Jugendlichen nicht verurteilst hast, nie gefragt hast, aus welchem Gefängnis sie kommen, was sie getan haben. Sie haben dich sehr gemocht. Königliche Hoheit: Diese Worte bedeuten ihnen nichts. Du warst bei uns ein Prinz, Laurent, weil du ihnen bescheiden und brüderlich gedient hast.

Claire, Laurent, das schönste Abenteuer der Welt ist die Liebe, die ihr euch in den Händen von Kardinal Danneels geschenkt habt. Und alle Anwesenden wissen das. Man kann alle Titel dieser Welt besitzen, alles Geld der Welt. Aber wenn wir die Liebe nicht haben, sind wir nichts.

Das schönste Abenteuer der Welt, Laurent und Claire, ist dieses Ja, das ihr euch gegeben habt. Es ist ein Kampf. Fragt Paola und Albert, fragt Nicholas und Nicole, ihr werdet sehen. Fragt Astrid und Lorenz, Philippe und Mathilde, Joanna und ihren Gatten. Fragt. Es ist ein Kampf, ein herrlicher, tagtäglicher Kampf. Und ihr werdet ihn gewinnen. Wir werden in 50 Jahren noch einmal darüber reden. Ich werde dann allerdings 127 Jahre alt sein.

Ihr werdet unter zwei Bedingungen gewinnen, Laurent und Claire. Während der Vorbereitung auf die Heirat, die wir zusammen gemacht haben, habe ich es euch bereits gesagt. Zunächst müsst ihr euch um einander kümmern. Ich höre oft Paare über Kinder reden. Ich sage, denkt zuerst an euch. Ich bin das dritte Kind aus einer armen Familie mit 15 Kindern. Die Liebe, die uns Vater und Mutter entgegenbrachten war schön, aber ihre gegenseitige Liebe war viel schöner.

Der Fels in eurem Leben wird die Liebe sein, die ihr einander schenkt. Als Priester schenke ich nur jene Liebe, die ich von einem Mann und einer Frau empfangen habe, von meinem Vater und von meiner Mutter. Von meiner Mutter, die vor wenigen Monaten in meinen Armen gestorben ist.

Euer Paar kommt an erster Stelle. Eure sozialen Verpflichtungen werden viel eurer Zeit beanspruchen und deine Arbeit als Vermessungsingenieurin ebenfalls, Claire. Aber eure Beziehung ist wichtiger. Liebt auch die Dinge, die euch von einander unterscheiden.

Und vergesst nie: Habt grenzenlos Respekt vor einander. Mit Respekt lässt sich die Liebe am schönsten ausrücken. Ich weiß, ihr habt beide ein großes Herz. Mögen eure Herzen für alle Freundschaften offen stehen. Und die Kleinsten sollten zuerst Zugang dazu erhalten. Dann werdet ihr, Laurent und Claire, wirklich Prinz und Prinzessin sein.

»Man kann alle Titel dieser Welt besitzen, alles Geld der Welt. Aber wenn wir die Liebe nicht haben, sind wir nichts.«

Und dann eure Kinder, sie werden der Morgenstern eures Lebens sein. Schenkt ihnen die Werte, die ihr von euren Eltern erhalten habt. Zuerst die strikt konfessionslosen, universellen Werte. Man muss nicht Christ sein, um Werte zu besitzen. Werte wie Respekt, Toleranz und die gegenseitige Liebe. Und schenkt ihnen die religiösen und moralischen Werte, die ihr als Kinder bekommen habt.

Liebt eure Kinder. Lasst euch nicht von eurer Arbeit auffressen. Die Liebe, die ihr ihnen - wenn sie noch klein und zerbrechlich sind - nicht gebt, könnt ihr nicht später schenken. Als Erzieher kann ich davon ein Lied singen.

»Man muss nicht Christ sein, um Werte zu besitzen. Werte wie Respekt, Toleranz und die gegenseitige Liebe.«

Die Medien bitte ich, der Liebe der beiden mit Respekt zu begegnen. Wertet die Liebe auf. Dieses Bild, das jetzt in die Herzen vieler Belgier übertragen wird. Wertet die Liebe auf, die Liebe des Herzens. Wertet die Treue auf. Zeigt mit Kamera und Mikrophon die Unermesslichkeit der Schönheit eines Menschen, seines Herzens, seines Leibes, aber seines Herzens zuerst.

Wertet das Kind auf, das im Leib der Mutter ruht, wie die Kinder, die Astrid und Mathilde erwarten. Dieses schwächste Glied des Lebens.

Aber denkt auch an die Alten, die der Tod ereilt. So viele Alte müssen heute alleine und verlassen in den Krankenhäusern sterben. Laurent und Claire, ich hoffe, dass ihr diese beiden Glieder in der Kette des Lebens aufwerten werdet: Das schlafende Menschlein im Bauch der Mutter und den sterbenden Alten.

Liebt euch ehrlich im Privatleben, denn ihr besitzt diese Liebe und das ist wichtig. Möge eure Liebe strahlend sein, wie Laserstrahlen; ihr steht in der Öffentlichkeit und euer Leben möge daher vorbildlich sein, Claire und Laurent.

Ihr habt für diese Messe sehr kurze Texte über die Liebe ausgewählt, wir haben sie zusammen ausgesucht. Vergesst nie - Kardinal Danneels hat es euch vorhin gesagt - nur die Liebe Gottes wird eure Liebe treu und ehrlich machen, nur die Macht des Sakraments, das ihr erhalten habt, wird euch die nötige Kraft geben.

Und noch ein kleiner Rat, ein großer Rat: Legt euch niemals schlafen, Claire und Laurent, ehe ihr euch nicht um Verzeihung gebeten habt. Ihr müsst das sagen können: Verzeihung, verzeih mir oder ich bitte dich um Verzeihung. So viele Paare haben sich getrennt, weil sie es nicht haben sagen können. Übt Tag für Tag Barmherzigkeit.

Euch, Brüder und Schwestern, hier und vor dem Bildschirm, widme ich diese schöne und tatsächliche Geschichte. Es ist eine der schönsten tatsächlichen Geschichten, die ich kenne. Ich widme sie euch, Paola und Albert, Nicole und Nicholas, Maria und Henri, allen Liebenden, allen die treu geblieben sind. Und ich widme sie allen hier in der Kirche, die getrennt, geschieden und wiederverheiratet sind. Wie viel Leid tragen doch so viele Menschen in der heutigen Welt mit sich herum. Euch allen widme ich diese Geschichte.

Es ist die Geschichte der weißen Halstücher. Ein Erwachsener, zwanzig Jahre alt, hatte auf unglaubliche Weise seine Eltern beschmutzt. Es wog so schwer, dass die Familie nicht darüber hinwegkam.

Der Vater sagte: »Jean, mach dass du wegkommst! Und komm hier niemals mehr zurück!« Jean ging fort, todunglücklich.

Einige Wochen später dachte Jean: »Ein Schuft bin ich gewesen. Ich gehe zu meinem Vater und bitte um Vergebung ...ja, ich sage ihm, dass es mir Leid tut.«

Aber er hatte Angst vor einem erneuten Rauswurf und so schrieb er seinem Vater einen Brief: »Papa, ich bin ein Schurke gewesen, jedoch frage ich dich, kannst du mir verzeihen? Ich schreibe keinen Absender auf den Umschlag, nein ... Aber wenn du mir verzeihst, hänge bitte an den letzten Apfelbaum der Baumreihe, die zum Haus führt, ein weißes Halstuch. Dadurch weiß ich, dass ich wieder nach Hause kommen darf.«

»Legt euch niemals schlafen, Claire und Laurent, ehe ihr euch nicht um Verzeihung gebeten haben. Ihr müsst das sagen können: Verzeihung, verzeih mir oder ich bitte dich um Verzeihung. So viele Paare haben sich getrennt, weil sie es nicht haben sagen können. Übt Tag für Tag Barmherzigkeit.«

Wenig später telefonierte er mit Marc, seinem Freund und Bruder und sagte: »Marc, ich bitte dich, begleite mich. Ich fahre den Wagen bis 500 Meter vom Haus. Dann übergebe ich dir das Steuer, damit ich die Augen schließen kann, während du langsam die Baumreihe entlang fährst. Wenn du dann anhältst und ein weißes Band im letzten Apfelbaum siehst, werde ich aussteigen und in Haus rennen. Wenn kein weißes Band am Apfelbaum hängt, lasse ich die Augen geschlossen und du fährst wieder weg. Dann werde ich nie mehr nach Hause kommen.«

Gesagt, getan. 500 Meter vor dem Haus übergibt Jean das Steuer an Marc und schließt seine Augen. Marc fährt langsam durch die Baumreihe und hält am letzten Apfelbaum an. Jean, seine Augen immer noch geschlossen, fragt: »Marc, ich bitte dich, hat Vater an den letzten Apfelbaum vor dem Haus das weiße Halstuch gehängt?«

Marc antwortete: »Nein, es hängt nicht ein weißes Tuch an dem Apfelbaum vor dem Haus... es hängen Hunderte Tücher an allen Apfelbäumen die zum Haus führen.«

Liebe Brüder und Schwestern. Möget ihr beim Verlassen der Kirche tausend weiße Halstücher in Euren Herzen tragen. Claire und Laurent, seid barmherzige Menschen. Seid alle Brüder und Schwestern, gleich welcher Religion oder Kultur ihr auch angehört. Unsere Welt hat enorme Not an Männer und Frauen, die erfüllt sind von Barmherzigkeit.

Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Moslems, Juden, Buddhisten, Atheisten, Agnostiker, seid barmherzige Menschen!

Danke, dass ihr gekommen seid, um hier in dieser Kathedrale zu sein, um die Liebe von Laurent und Claire zu feiern. Spendet den beiden ruhig einen warmen Applaus. Möge dieser Applaus euch, Claire und Laurent, Mut machen.

Euch allen sage ich: Lebt!

Ich liebe euch sehr, Laurent und Claire. God bless you."

sofaklecks

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pierre10
cum angelis psallat Domino
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Registriert: Sonntag 4. September 2005, 06:23

Beitrag von pierre10 »

Danke, sofaklecks, für diesen Text.

Pierre
Grenzen im Kopf sind sehr hinderlich

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