Orthodoxe Theologie aus evang.-luth. Sicht
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Orthodoxe Theologie aus evang.-luth. Sicht
Kennt hier jemand Schriften evang.-luth. Theologen, die sich mit der Orthodoxen Kirche auseinandersetzen?
Luther und Löhe führen die "griechische Kirche" nur als Beispiele für Kirchen auf, die sich nicht dem Papst unterordnen. Eine theologische Bewertung der Orthodoxen Lehre habe ich bei ihnen bislang nicht entdeckt.
Im Baltikum, Skandinavien und Rußland, wo es Berührungspunkte zwischen den beiden Glaubensrichtungen gab, muß es doch auch theologischen Austausch gegeben haben. Weiß jemand genaueres?
Luther und Löhe führen die "griechische Kirche" nur als Beispiele für Kirchen auf, die sich nicht dem Papst unterordnen. Eine theologische Bewertung der Orthodoxen Lehre habe ich bei ihnen bislang nicht entdeckt.
Im Baltikum, Skandinavien und Rußland, wo es Berührungspunkte zwischen den beiden Glaubensrichtungen gab, muß es doch auch theologischen Austausch gegeben haben. Weiß jemand genaueres?
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"
Briefwechsel zwischen Tübinger Professoren (Crusius und Andreae) und dem Patriarchen Jeremias Tranos von Konstantinopel (1573 ff.): http://www.stpaulsirvine.org/html/lutheran.htm
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Danke für Eure Antworten!
Das muß ich mir in Ruhe mal durchlesen. Es gibt von Dorothea Wendebourg auch ein Buch dazu ("Reformation und Orthodoxie"), das leider unbezahl bar ist
Ich glaube, der ist mir zu extrem....Petur hat geschrieben:"Die Ostkirchen" von Friedrich Heiler (na gut, kein typischer ev.-luth. Theologe...).
holzi hat geschrieben:Briefwechsel zwischen Tübinger Professoren (Crusius und Andreae) und dem Patriarchen Jeremias Tranos von Konstantinopel (1573 ff.): http://www.stpaulsirvine.org/html/lutheran.htm
Das muß ich mir in Ruhe mal durchlesen. Es gibt von Dorothea Wendebourg auch ein Buch dazu ("Reformation und Orthodoxie"), das leider unbezahl bar ist
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"
Lieber Lutheraner,
zwar keine Schriften kann ich bieten, dafür aber die Information, dass bis in allerjüngste Zeit hinein die zukünftigen Kleriker der Estnisch-Orthodoxen Kirche an der evangelischen Fakultät studieren mußten, da es keine eigene Ausbildungsstätte gab. (Es handelt sich bei dieser Kirche ja um die "Rivalin" des Moskauer Patriarchats.) Allerdings kann ich nichts zu der gegenseitigen Befruchtung sagen - jedenfalls ist die Estn.-Orth. Kirche sehr traditionsbewußt.
Herzl. Grüße, Germanus
zwar keine Schriften kann ich bieten, dafür aber die Information, dass bis in allerjüngste Zeit hinein die zukünftigen Kleriker der Estnisch-Orthodoxen Kirche an der evangelischen Fakultät studieren mußten, da es keine eigene Ausbildungsstätte gab. (Es handelt sich bei dieser Kirche ja um die "Rivalin" des Moskauer Patriarchats.) Allerdings kann ich nichts zu der gegenseitigen Befruchtung sagen - jedenfalls ist die Estn.-Orth. Kirche sehr traditionsbewußt.
Herzl. Grüße, Germanus
ich denke, es ist (in diesem zusammenhang!) weniger reizvoll sich mit dem zustandekommen der für die orthodoxie wichtigen dogmen erneut auseinanderzusetzen, eine allgemeine dogmengeschichte hast du sicher ohnehin im bücherschrank. und in fragen der dogmenentstehung gibt es wohl kaum neuigkeiten ...
von interesse ist sicher eher ein verständnis der gegenwärtigen orthodoxen "landeskirchen", ihrer probleme, theologie und vorstellungen.
ich kann mir kaum vorstellen, daß ein buch über ALLE orthodoxen kirchen eine überzeugende erläuterung hiervon geben kann.
es ist hier viel sinnvoller, sich exemplarisch mit einer orthodoxen kirche auseinanderzusetzen.
ich würde es mal mit diesem buch von jürgen henkel probieren:
einführung in geschichte und kirchliches leben der rumänischen orthodoxen kirche
jürgen henkel ist guter lutheraner, er ist gegenwärtig leiter der evangelischen akademie siebenbürgen. wahrscheinlich gibt es keinen auch nur annähernd so guten lutherischen kenner der rumänischen orthodoxie (wobei ich die gegenwärtigen theologen der evangelischen kirche a.b. in rumänien ausdrücklich einschließe).
auf dem gebiet des heutigen rumänien gab es -wie lutheraner richtig vermutet- in vergangenen jahrhundert vereinzelt kontakte von orthodoxie und luthertum. man baute hier wohl auf den kurzen briefwechsel melanchthons mit dem patriarchen von konstantinopel auf.
leider ist aber festzustellen, daß diese kontakte nur sporadisch waren und sehr lange viel zu sehr an der oberfläche blieben -man war sich gegenseitig wohl nicht richtig geheuer. und das hatte nur zum teil theologisch-frömmigkeitsmäßige, sondern in viel größerem maße nationale gründe (lutheraner=deutsche und ungarn, orthodoxe=rumänen). aber immerhin hatte das ganze zur folge, daß das erste buch, was in rumänischer sprache gedruckt wurde, luthers kleiner katechismus war... diese beziehungen haben sich meines wissens erst nach 1944 (waffenwechsel rumäniens und damit herrschaft des kommunismus') spürbar verbessert.
von interesse ist sicher eher ein verständnis der gegenwärtigen orthodoxen "landeskirchen", ihrer probleme, theologie und vorstellungen.
ich kann mir kaum vorstellen, daß ein buch über ALLE orthodoxen kirchen eine überzeugende erläuterung hiervon geben kann.
es ist hier viel sinnvoller, sich exemplarisch mit einer orthodoxen kirche auseinanderzusetzen.
ich würde es mal mit diesem buch von jürgen henkel probieren:
einführung in geschichte und kirchliches leben der rumänischen orthodoxen kirche
jürgen henkel ist guter lutheraner, er ist gegenwärtig leiter der evangelischen akademie siebenbürgen. wahrscheinlich gibt es keinen auch nur annähernd so guten lutherischen kenner der rumänischen orthodoxie (wobei ich die gegenwärtigen theologen der evangelischen kirche a.b. in rumänien ausdrücklich einschließe).
auf dem gebiet des heutigen rumänien gab es -wie lutheraner richtig vermutet- in vergangenen jahrhundert vereinzelt kontakte von orthodoxie und luthertum. man baute hier wohl auf den kurzen briefwechsel melanchthons mit dem patriarchen von konstantinopel auf.
leider ist aber festzustellen, daß diese kontakte nur sporadisch waren und sehr lange viel zu sehr an der oberfläche blieben -man war sich gegenseitig wohl nicht richtig geheuer. und das hatte nur zum teil theologisch-frömmigkeitsmäßige, sondern in viel größerem maße nationale gründe (lutheraner=deutsche und ungarn, orthodoxe=rumänen). aber immerhin hatte das ganze zur folge, daß das erste buch, was in rumänischer sprache gedruckt wurde, luthers kleiner katechismus war... diese beziehungen haben sich meines wissens erst nach 1944 (waffenwechsel rumäniens und damit herrschaft des kommunismus') spürbar verbessert.
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- FranzSales
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Heiler
Man mag von Heiler halten was man will, das Buch "Ostkirchen" ist einsame Spitze und ein Standardwerk. Ich kenne kein Buch bzgl. der Ostkirchen, die diesem auch nur annähernd nahekommt.
Es gibt noch ein -schwer erhältliches- Buch eines ehemaligen Theologieprofessors Felmy. Ich glaube, der ist jetzt Orthodox. Ob der aber lutherisch war, kann ich nicht sagen.
Es gibt noch ein -schwer erhältliches- Buch eines ehemaligen Theologieprofessors Felmy. Ich glaube, der ist jetzt Orthodox. Ob der aber lutherisch war, kann ich nicht sagen.
"Herr Jesus Christus, wir beten Dich an und benedeien Dich. In Deinem Heiligen Kreuz hast Du die Welt erlöst."
Re: Heiler
Er war's. Du hast recht: Von Felmy konnte man immer viel über die Ostkirche lernen. Schade, daß er jetzt keiner lutherischen Kirche mehr angehört.FranzSales hat geschrieben: Es gibt noch ein -schwer erhältliches- Buch eines ehemaligen Theologieprofessors Felmy. Ich glaube, der ist jetzt Orthodox. Ob der aber lutherisch war, kann ich nicht sagen.
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Re: Heiler
Er ist aber erst kürzlich zur Russisch-Orthodoxen Kirche konvertiert, wenn ich mich richtig entsinne? Ich erinnere mich darüber vor noch nicht allzu langer Zeit in einem Kirchenblättchen gelesen zu haben.tanatos hat geschrieben:Er war's. Du hast recht: Von Felmy konnte man immer viel über die Ostkirche lernen. Schade, daß er jetzt keiner lutherischen Kirche mehr angehört.FranzSales hat geschrieben: Es gibt noch ein -schwer erhältliches- Buch eines ehemaligen Theologieprofessors Felmy. Ich glaube, der ist jetzt Orthodox. Ob der aber lutherisch war, kann ich nicht sagen.
"Ta nwi takashi a huga bakashi. Ta nwi takashi maluka batuka"
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ieromonach
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Die Klausnerei
Lieber Lutheraner,
zur Zeit bin ich 66 Jahre alt und ab meine 15 Jahr orthodox. Leider hab ich bis dato keine echte theologische Auseinandersetzung zwischen Protestanten und Orthodoxen lesen können . Zwar hat L. Zander mal etwas geschrieben, doch letztlich kenn ich nichts. Eigentlich ...... schade. In Rüschlikon hat man einmal versucht so etwas zu tun, doch die sog. "Liebe Ökumene" hat vor lauter "Liebe" so etwas verhindert.
+P.Theodoros
zur Zeit bin ich 66 Jahre alt und ab meine 15 Jahr orthodox. Leider hab ich bis dato keine echte theologische Auseinandersetzung zwischen Protestanten und Orthodoxen lesen können . Zwar hat L. Zander mal etwas geschrieben, doch letztlich kenn ich nichts. Eigentlich ...... schade. In Rüschlikon hat man einmal versucht so etwas zu tun, doch die sog. "Liebe Ökumene" hat vor lauter "Liebe" so etwas verhindert.
+P.Theodoros
Re: Heiler
Auf auf den Übertritt von Felmy ging vor 1,5 Monaten übrigens Pfarrer Dr. Martens in seiner Predigt ein.Lutheraner hat geschrieben:Er ist aber erst kürzlich zur Russisch-Orthodoxen Kirche konvertiert, wenn ich mich richtig entsinne? Ich erinnere mich darüber vor noch nicht allzu langer Zeit in einem Kirchenblättchen gelesen zu haben.tanatos hat geschrieben:Er war's. Du hast recht: Von Felmy konnte man immer viel über die Ostkirche lernen. Schade, daß er jetzt keiner lutherischen Kirche mehr angehört.FranzSales hat geschrieben: Es gibt noch ein -schwer erhältliches- Buch eines ehemaligen Theologieprofessors Felmy. Ich glaube, der ist jetzt Orthodox. Ob der aber lutherisch war, kann ich nicht sagen.
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Johaennschen
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Re: Orthodoxe Theologie aus evang.-luth. Sicht
Hallo,Lutheraner hat geschrieben:Kennt hier jemand Schriften evang.-luth. Theologen, die sich mit der Orthodoxen Kirche auseinandersetzen
ich hab gerade "Geist und Leben der Ostkirche" von Ernst Benz gelesen. Er setzt sich in seinem Buch auch mit vielen westlichen Vorurteilen gegenüber der Orthodoxie auseinander. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen.
Es gibt keine Dummheit, an die der moderne Mensch nicht imstande wäre zu glauben, sofern er damit nur dem Glauben an Christus ausweicht.
Nicolás Gómez Dávila
Nicolás Gómez Dávila
Für Interessierte:
Gemeinsame Lutherisch-Orthodoxe Kommission: Texte 1985-2006
Themen:
Die göttliche Offenbarung (3. Plenarsitzung, Allentown 1985)
Schrift und Tradition (4., Kreta 1987)
Kanon und Inspiration der Heiligen Schrift (5. Bad Segeberg 1989)
Autorität der Kirche und in der Kirche:
A. Die ökumenischen Konzile (7. Sandbjerg 1993)
B. Das Verständnis des Heils im Lichte der ökumenischen Konzile (8. Limassol 1995)
C. Heil: Gnade, Rechtfertigung und Synergie (9. Sigtuna 1998)
D as Mysterium der Kirche
A. Wort und Sakramente/ Mysteria im Leben der Kirche (10. Damaskus 2000)
B. Mysteria/ Sakramente als Heilsmittel (11. Oslo 2002)
C. Taufe und Myronsalbung als Sakramente der Aufnahme in die Kirche (12. Durau 2004)
D. Die Heilige Eucharistie im Leben der Kirche (13. Bratislava 2006)
Gemeinsame Lutherisch-Orthodoxe Kommission: Texte 1985-2006
Themen:
Die göttliche Offenbarung (3. Plenarsitzung, Allentown 1985)
Schrift und Tradition (4., Kreta 1987)
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A. Die ökumenischen Konzile (7. Sandbjerg 1993)
B. Das Verständnis des Heils im Lichte der ökumenischen Konzile (8. Limassol 1995)
C. Heil: Gnade, Rechtfertigung und Synergie (9. Sigtuna 1998)
D as Mysterium der Kirche
A. Wort und Sakramente/ Mysteria im Leben der Kirche (10. Damaskus 2000)
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