TillSchilling hat geschrieben:...
Ich lasse mal die polemisierenden Anfragen beiseite.
TillSchilling hat geschrieben:was heisst das konkret und praktisch für uns heute?
Zunächst einmal hilft die Analyse mir für meine konfessionelle Positionsbestimmung. Dies mag vielleicht für den durchschnittlichen deutschen Protestanten eindeutig sein ("Ich bin vor allem erstmal NICHT katholisch"), aber für einen überzeugten Lutheraner, noch dazu einem SELKie, ist das beim landeskirchlichen Gegenüber längst nicht mehr so einfach.
Außerdem gibt es von Christus den Auftrag zur kirchlichen Einheit, wir bekennen diese im Nizänum usw. Da finde ich die Haltung des Protestantismus unerträglich, dass man meint, es sei alles gut, wie es ist. Die andere Seite der selben Medaille ist dabei der Ökumenismus, der versucht, alle Unterschiede einfach beiseite zu wischen oder auszublenden.
Die Rückbesinnung auf das westlich-katholische Erbe ist schon mal ein ganz konkreter und praktischer Fortschritt im eigenen Denken.
TillSchilling hat geschrieben:Was, ausser einem - zugegeben wirklich notwendigen und sinnvollen - Erkennen und Ausleben unseres Stehens in der Tradition der römisch-katholischen Kirche, kann den aus den Gedanken des Artikels konkret entstehen?
Immerhin: Schon mal erkannt! Hieraus erwächst aber ganz konkret eine Neubestimmung des Kirchenbegriffs! Und zwar auf die Grundlage der Väter von Nizäa und Konstantinopel! D.h. Wir sind Teil der allumfassenden (also katholischen) Kirche in ihrer westkirchlichen Ausprägung (also römisch). Da sich dort allerdings bestimmte Irrtümer eingeschlichen haben, bleiben wir zwar Teil dieser Kirche, müssen aber gewisse "Notordnungen" schaffen, um diese Irrtümer nicht mitzumachen (das nennt man in der theologischen Fachsprache einen status confessionis). ABER wir haben dabei eben keine Gegenkirche gebildet, sondern verharren so lange in dieser Notordnung, bis sich der Bischof von Rom und mit ihm die ganze verfasste RKK bekehrt hat oder wir überzeugt worden sind.
TillSchilling hat geschrieben:Und warum sollen dieses reformierte Kirchen nicht auch können?
Weil sie mit Zwingli und Calvin ausdrücklich eine Gegenkirche gegründet haben.
TillSchilling hat geschrieben: Warum müssen auch wir anfangen anderen das Kirchesein abzusprechen?
Im Sinne der RKK sind wir nicht Kirche! Unsere Denominationen verstehen sich als Teil der einen Kirche, sind mit dieser aber nicht deckungsgleich!
Abgesehen vom Priesterzölibat, Kelchentzug und bestimmten Aspekten der Rechtfertigungslehre ist die Ekklesiologie der RKK für mich heute eben einer der größten "Einheitsverhinderer". Immerhin hat die Kirchenkonstitution des Vatikanums II hier ja schon mal einige Auflockerungen gebracht (z.B. das
subsistit in).
Ich spreche jedem das Kirchesein ab, weil niemand für sich in Anspruch nehmen sollte, dass er (und er allein) DIE Kirche sei. Wir sind alle Teil der Kirche, die EINE ist, die HEILIG ist, die KATHOLISCH ist und die APOSTOLISCH ist.
Nicht dass die Römer uns das Kirchesein absprechen, sondern dass sie es exklusiv für sich beanspruchen, ist m.E. das Problem. Und wenn man den Dialog zwischen Rom und "Konstantinopel" mal beobachtet, liegt ja auch dort dasgrößte Problem.
Für meinen Geschmack sollten die Römer das
subsistit in in ihrerer Ekklesiologie deutlich stärken.
Was folgt also nun aus diesem Artikel? Konfessionelle Positionsbestimmung, Wille zur Einheit der Kirche aber nicht zugunsten der Wahrheit, Schärfung des eigenen Kirchenbegriffs! Ich finde, dass das schon eine Menge ist.
KatholischAB