Nein, ganz und gar nicht.Petur hat geschrieben:Der Duden ist eher preskriptiv, obwohl er auch deskriptive Züge hat.
Es gibt in Deutschland keine Sprachpolizei, die eine Schreibweise durchsetzen könnte (Sonst hätte unser Admin hier ein echtes Problem), als letztes den Duden.
Die Wikipedia ist in diesem Fall korrekt:
Besonders wichtig ist der Rechtschreibduden; er galt von Ende 1956 bis 1996 in der Bundesrepublik Deutschland als maßgeblich für die amtliche deutsche Rechtschreibung. Durch die Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 wurde ihm der Sonderstatus jedoch entzogen. Durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts wurde außerdem festgestellt, dass die amtliche Rechtschreibung nur für begrenzte Teile der Schriftproduktion bindend ist, während im Übrigen ein jeder nach eigenem Gutdünken schreiben darf, auch nach frei erfundenen oder veralteten Regeln.
Regeln der Grammatik kann der Duden nur ohne irgendeine normative Kraft beschreiben. Erst recht gilt das für den mündlichen Sprachgebrauch.
Und für Österreich und die Schweiz ist der Duden überhaupt nicht ausschlaggebend.
Was für ein unkontrollierbares Chaos sprachlich in Deutschland herrscht, sieht man auch recht gut an jedem amtlichen Schriftstück, in dem Prozentsätze Erwähnung finden.
Regelmäßig finden wir hier das veraltete "v.H.", obwohl die DIN 1333 explizit von der Verwendung der Abkürzung v.H. abrät.
Ich habe nie bezweifelt, daß der überwiegende Sprachgebrauch Beruf wertungsfrei und losgelöst von Eignung und Berufung nutzt.Petur hat geschrieben:Ganz egal, die Sprache verändert sich und meine Interpretation entspricht dem heutigen Sprachgebrauch.
Der Zusammenhang ist aber durchaus noch präsent. In der Aussage "Der hat seinen Beruf verfehlt." finden wir das Wörtchen Beruf dann z.B. auch in einer doch stark in Richtung Berufung tendierenden Bedeutung (Er macht halt eine Arbeit, obwohl er zu einer anderen (oder gar keinen *g*) berufen gewesen wäre).
Wenn jemand seine Arbeit besonders schlecht macht, wird auch gerne darauf verwiesen, daß "Beruf" "auch was mit Berufung zu tun" habe.
Und daher finde ich, daß man vorsichtig damit sein sollte, Beruf in einen Gegensatz zu Berufung zu stellen, wenn man eigentlich den Unterschied zwischen einer Berufung und einer reinen Tätigkeit zum Gelderwerb darstellen will.
Dann haben wir unterschiedliche Texte gelesen.Petur hat geschrieben:Und - wenn ich den verlinkten Text nach einem oberflächlichen Lesen richtig verstanden habe - auch der ältere Sprachgebrauch kennt diesen Unterschied. Ich hatte also Recht.
In meinem steht nämlich:
Genauer gesagt ist nämlich nur die innere, durch Gott gehörte >> Berufung << im religiösen Sinne nicht mehr wirksam. Die Idee des Berufs als soziale Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft im Rahmen der Arbeitsteilung bleibt erhalten.
Vereinfachend: Man versteht Beruf und Berufung nach wie vor im eigentlichen Sinne, nur der Berufende ist im säkularisierten Sprachgebrauch ein Anderer, nämlich die Gesellschaft. Und soweit ich weiß, sind wir hier nicht gerade im säkularisiertesten Bereich des Netzes.