Stephen Dedalus hat geschrieben:Nun, da es dem Papst gefallen hat, diese Sache ohne direkte Konsultation der britischen Bischöfe zu planen und zu verkünden, darf er sich jetzt nicht wundern, wenn ihm da ein bißchen Gegenwind ins Gesicht bläst.
Das mag ein Anglikaner so sehen - katholisch ist das nicht.
Der Papst hatte keinen Grund, die Angelegenheit erneut mit den Bischöfen formell abzustimmen - als Ende der 80er Jahre schon einmal eine entsprechende Situation entstanden war, haben die britischen Bischöfe bei den Konsultationen klar gemacht, daß sie keine Gruppenkonversionen wollen. Übrigens mit der gleichen Begründung, die sie auch heute anführen: Sie wollen das gute Verhältnis zur CoE nicht stören. So kam es, daß die Episkopalen Nordamerikas damals die (nicht so weitgehende) Pastoral Provision bekamen - und in England blieb es bei Einzelkonversionen, die vom "katholischen" Klerus freilich oft genug abgewiesen wurden, man bleibe besser, wo man ist. So wie es der Sekretär auch jetzt wieder ins Gespräch gebracht hat.
Wenn katholische Bischöfe feststellen, daß sie in einer bedeutenden Frage anderer Meinung sind als "Rom", und das über Jahrzehnte, und daß sie sich außer Stande sehen, die in Rom getroffenen Entscheidungen mitzutragen, dann müssen sie sich früher oder später fragen, ob sie noch im richtigen Verein sind - mehr als ein Verein scheint ihre Kirchenzugehörigkeit ja nicht darzustellen.
Daß Ordinarien, die sich durch römische Entscheidungen in ihrem Stolz oder in ihrer Hinterzimmerpolitik beeinträchtigt sehen, zu Verzögerungspolitik Zuflucht nehmen, um die Dinge abzuschwächen, ist zwar nicht schön, gehört aber gerade noch zu den akzeptierten Spielregeln. Und so dauert heute eine Revision der Übersetzung des Missale länger als in den wilden Reformjahren der Erlass und die weitgehende oder sogar übertreibende Durchsetzung von drei sehr unterschiedlichen Missalen. Was solls, mit Zeit war die Kirche immer großzügig.
Aber wenn der Papst große Anstrengungen unternimmt, um Anglikanern die Rückkehr zu erleichtern, und die Bischöfe erklären lassen: Ach vielleicht bleibt ihr doch besser, wo ihr seid; und wenn der Papst eine Struktur von Nicht-episkopalen-Ordinarien vorgibt, um ehemaligen Anglikanern die Übernahme von Leitungsämtern zu erleichtern - die Bischöfe sich dann hinstellen und sagen, das kommt nicht in die Tüte, die Ämter übernehmen wir selbst - das geht einfach nicht. Das ist auf schlechtestem Wege zu einer Nationalkirche, und die brauchen die Engländer nun wirklich nicht, die haben sie schon. Dummerweise braucht die aber wahrscheinlich keine weiteren antipapistischen Bischöfe.
Ich bin übrigens nicht so sicher, daß man die angekündigte Obstruktion des englischen Episkopats auf die leichte Schulter nehmen kann, weil die Federführung ja in Rom liegt. Wenn die Bischöfe in ihrer Abwehr verharren, können sie sehr wohl bewirken, daß die ohnehin für den Anfang wenig zahlreichen Rückwanderer in eine sektenähnliche Randlage geraten - quod erat demonstrandum.